Klaus Ludwig
Dr. med.
Prognostischer Aussagewert des löslichen Interleukin-2-Rezeptors beim metastasierten
und immuntherapierten Nierenzellkarzinom
Geboren am 25.03.1965 in Mosbach
Reifeprüfung am 23.05.1985 in Mosbach
Studiengang der Fachrichtungn Medizin vom SS 1986 bis WS 1994
Physikum am 19.03.1989
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 24.11.1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Chirurgie
Doktorvater: Prof. Dr. med. S. Pomer
Ein Metastasennachweis hat beim Nierenzellkarzinom (RCC) den wesentlichsten prognosti-
schen Einfluß; innerhalb der M1- Klassifizierung konnte durch Einbeziehung einer Reihe kli-
nischer Merkmale eine prognostische Differenzierung erleichtert werden. Hierzu gehören All-
gemeinzustand, Gewichtsverlust und Alter der Patienten und die Anzahl der Metastasenorte.
Mit unterschiedlicher Gewichtung dieser Kriterien wurden Prognosescores gebildet.
Ein allgemein anerkannter Laborparameter, der eine prognostische Aussage zuläßt, ist nicht
bekannt. Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Studie ein Beitrag geleistet, die
Wertigkeit des löslichen Interleukin-2-Rezeptors im Serum zur Prognosebeurteilung bei Pati-
enten mit metastasiertem und immuntherapierten Nierenzellkarzinom zu evaluieren. Darüber
hinaus wurde dieser Parameter als Prädiktor des Ansprechens auf eine Kombinationsim-
muntherapie mit Interleukin-2, Interferon-α und aktiver spezifischer Immunnisierung über-
prüft.
Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe konnte ein erhöhter Mittelwert und bei 17 von 32 Pati-
enten ein oberhalb des Normbereich liegender Wert des löslichen Interleukin-2-Rezeptors
ermittelt werden. Es zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil für Patienten mit normal-
wertigem Spiegel des löslichen Interleukin-2-Rezeptors. Eine höhere Lebenserwartung zeigte
sich auch für Patienten mit gutem gegenüber eingeschränktem Allgemeinzustand und bei so-
litärem Organbefall gegenüber mehreren betroffenen Organsystemen.
Beim metastasierten und immuntherapierten Nierenzellkarzinom werden Remissionsraten von
bis zu 30% beobachtet. In dieser Studie konnten sowohl nach 3 Monaten als auch nach 1 Jahr
bei 22% (7 von 32) der tumornephrektromierten und immuntherapierten Patienten Remissio-
nen beobachtet werden. Ein signifikanter Zusammenhang bestand mit gutem Allgemeinzu-
stand, solitärem Organbefall und Normalwerten des Interleukin-2-Rezeptors.
Zwischen löslichem Interleukin-2-Rezeptorwert, Allgemeinzustand und Multiorganbefall be-
stand keine Korrelation. Zu den anderen untersuchten Parametern wie Tumorstaging, Patien-
tenalter, Geschlecht und synchroner/ metachroner Metastasierung konnte ebenfalls keine Kor-
relation nachgewiesen werden.
Um die Wertigkeit und Unabhängigkeit des löslichen Interleukin-2-Rezeptors als Faktor für
die Überlebensprognose einschätzen zu können wurde eine multivariate Überlebensanalyse
mittels des Proportional-Hazards-Regressionsmodells von Cox durchgeführt, wobei sämtliche
Parameter zu Indikatorvariabelen transformiert worden waren.
In schrittweisen Regressionsverfahren, bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von α= 0,1, konn-
ten wiederrum Anzahl des Organbefalls, Allgemeinzustand und löslicher Interleukin-2-
Rezeptorwert als signifikante Kovariabeln identifiziert werden. Damit konnte in dieser Studie
die Interleukin-2-Rezeptordichte als unabhängiger prognostischer Parameter für die Überle-
benswahrscheinlichkeit herausgestellt werden. Anhand des relativen Risikos der 3 signifikan-
ten Prognoseparameter wurde ein Score gebildet, wobei 4 Punkte für einen reduzierten All-
gemeinzustand, 3 Punkte für den Befall mehrerer Organsysteme und 2 Punkte für eine erhöhte
Interleukin-2-Rezptordichte vergeben wurde. Patienten mit 0-2 Scorepunkten hatten eine si-
gnifikant höhere Lebenserwartung als Patienten mit >5 Scorepunkten (p=0,0001).