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Dirk Lobinsky
Dr. med. dent.
Risikofaktor Actinobacillus actinomycetemcomitans bei der Entstehung und
Progression der marginalen Parodontitis von Rekruten der Bundeswehr
Geboren am 07.08.1967 in Worms
Reifeprüfung am 04.06.1986 in Wetzlar
Studiengang der Fachrichtung Zahnmedizin vom SS 1988 bis WS 1992/93
Physikum am 05.09.1990 an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Klinisches Studium in Gießen
Staatsexamen am 16.07.1993 an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Promotionsfach: Mund-Zahn-Kieferheilkunde
Doktorvater: Herr Priv.-Doz. Dr. med. dent. H.-P. Müller
Die Zielsetzung der Arbeit war, A. actinomycetemcomitans als möglichen
Risikofaktor für Entstehung und Entwicklung der Parodontitis bei Rekruten der
Bundeswehr in der Altersgruppe von 18-25 Jahren zu identifizieren.
An der Studie nahmen 201 allgemeinmedizinisch gesunde 18-25jährige Rekruten der
Bundeswehr teil. Die Untersuchungen erfolgten im Rahmen von
Einstellungsuntersuchungen im April 1994 an den Standorten Westerburg und Diez.
Bei Entlassung der Soldaten nach 12 Monaten wurden 105 Rekruten nachuntersucht.
Im Rahmen des klinischen Untersuchungsteils wurden der DMF-S-Index, die
Taschentiefen, die Blutungsneigung nach Sondieren und der Plaquebefall
ermittelt. Von allen Rekruten wurden im mikrobiologischen Teil mehrere
Schleimhautabstriche, eine Speichelprobe und eine Probe subgingivaler Plaque
gewonnen. Alle diese Proben wurden anschließend auf TSBV-Agar selektiv
kultiviert.
Im Untersuchungszeitraum der Studie stieg der DMF-S um 2,9 auf 26,5 an, wobei
der D-S-Wert sich von ursprünglich 5,9 auf 7 am stärksten erhöhte. Bei den
meisten Rekruten konnte eine chronische Gingivitis festgestellt werden, 9 %
litten an einer leichten marginalen Parodontitis. A. actinomycetemcomitans
konnte bei 23 Rekruten zu Beginn und zur Nachuntersuchung isoliert werden, 6
Rekruten waren nur zur Einstellungsuntersuchung und 7 Rekruten nur zur
Entlassungsuntersuchung kulturpositiv.
Ausgehend von einem signifikanten Anstieg des Mittelwertes der Sondierungstiefen
und einer positiven Schiefe der Verteilung der Änderungen und einem
überschrittenen Schwellenwert von 3 mm an mindestens einer Stelle der
Sondierungstiefen, konnten 7 "parodontal aktiv" gewordene Rekruten identifiziert
werden. Logistische Regressionsanalysen ergaben, daß starke Raucher (>20
Zigaretten / d) ein vierzehnfach höheres Risiko für eine entstehende oder
fortschreitende Parodontitis hatten.
Obwohl A. actinomycetemcomitans nicht als Risikofaktor für Parodontitis bestimmt
werden konnte, wahrscheinlich wegen des zu kurzen Beobachtungszeitraumes und der
Tatsache, daß das untersuchte Bakterium nur minimal virulent ist und die orale
Belastung mit ihm gering war, konnte nach 12 Monaten bei den "parodontal aktiv"
gewordenen Rekruten folgendes festgestellt werden: die Anzahl der
kulturpositiven Proben stieg signifikant an. Dieses Resultat trat bei den
"inaktiven" Probanden nicht auf. Vom ökologischen Standpunkt her ist es
vorstellbar, daß bei Personen mit einer steigenden Zahl tiefer parodontaler
Taschen eine sehr große Vermehrung von A. actinomycetemcomitans eingetreten ist,
welche zu einer weiteren Ausbreitung des Keimes in der Mundhöhle beigetragen
hat.
Es ist durchaus denkbar, daß A. actinomycetemcomitans nicht als Risikofaktor
identifiziert werden konnte, weil der Keim in bestimmten Konzentrationen ein
normaler Bewohner der Mundhöhle ist, der innerhalb der untersuchten Altersgruppe
erst dann virulent wird, wenn weitere Faktoren, die das orale Gleichgewicht
gekippt haben, hinzugekommen sind. Aus diesem Grund liegt die Annahme nahe, daß
A. actinomycetemcomitans-positive Personen, ohne daß bei ihnen eine Erkrankung
jemals zum Ausbruch kommen muß, einen lebenslangen Carrierstatus einnehmen
können und hierbei imstande sind, Bakterien zu übertragen.