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Christian Lenz
Dr.med.
Fluoreszenz in situ-Hybridisierung: Untersuchungen an Abstrichmaterial, Leukoplakien
und Plattenepithelkarzinomen des Kopf-Hals-Bereichs
Geboren am 07.03.1971 in Kiel
Reifeprüfung am 16.05.1990 in Kiel
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1992 bis WS 1998
Physikum am 28.03.1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 19.11.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Doktorvater: Prof. Dr. med. H. Weidauer
Die Tumorgenese der Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome ist durch sich zunehmend
ansammelnde genetische Veränderungen charakterisiert; doch ist bis jetzt weder ein Zeitpunkt
noch ein Tumorstadium definiert worden, an dem die ersten chromosomalen Veränderungen
auftreten.
Im methodischen Teil der vorliegenden Dissertationsarbeit wurde ein Protokoll für die
Untersuchung von Bürsten-Abstrichpräparaten der Mundschleimhaut mittels der Methode der
Fluoreszenz in situ-Hybridisierung (FISH) entwickelt. Dies geschah, um in Zukunft eine
nichtinvasive und einfache Screeningmethode zur Verfügung zu haben, damit unterschiedliche
Patientenkollektive aus dem Kopf-Hals-Bereich auf numerische chromosomale Aberrationen
untersucht werden können. Es wurden insgesamt 11 Tumorpatienten (Biopsien, Tumorabstriche
und tumorferne Abstriche), 30 Abstriche von Kontrollpersonen, 80 Abstriche von 50
Risikopersonen mit hohem Alkohol- und Nikotinabusus, 30 Abstriche von Tumorpatienten in der
Nachsorge und 16 Leukoplakiebiopsien auf Aberrationen der Chromosomen 1, 7, 9, 10 und 17
untersucht.
Es konnte gezeigt werden, daß mit der FISH als nichtinvasiver Methode am Abstrich
malignitätsspezifische Veränderungen dargestellt werden können: in den Gruppen der
tumorfernen Schleimhäute und der Risikopersonen konnten Polysomien, die weder in der
Literatur noch bei den Kontrollpersonen gefunden wurden und die charakteristisch für
fortgeschrittene Tumoren sind, nachgewiesen werden. Diese Polysomien sind ein eindeutiger
Hinweis dafür, daß mit Hilfe der FISH chromosomale numerische Aberrationen in histologisch
noch unauffälligem Gewebe gefunden werden können.
Bei den tumorfernen Schleimhäuten konnten für Chromosom 1, 9 und 10, bei den Risikopersonen
für Chromosom 1 und 10 Polysomien gefunden werden. Es könnte sich hier um einzelne
Heterogenitäten handeln, die durch die Kanzerogenbelastung verursacht sein könnten. Das
Auftreten von Polysomien könnte ein erhöhtes Tumorrisiko bzw. Zweittumorrisiko bedeuten. Bei
den 16 untersuchten Leukoplakie-Biopsien wurden diese Aberrationen erst in histologisch bereits
als dysplastisch eingestuften Leukoplakien detektiert. Es ist aber aufgrund der oben vorgestellten
Ergebnisse zu erwarten, daß bei der Untersuchung einer größeren Fallzahl an Leukoplakien
zumindest in Einzelfällen auch in nur hyperplastischen Läsionen Aberrationen nachgewiesen
werden können.
Weitere, ausgedehntere Studien bezüglich der klinischen Relevanz der vorliegenden Pilotstudie
müssen zeigen, ob und inwieweit die FISH am Abstrich in der Prävention und Nachsorge von
Kopf-Hals-Malignomen eingesetzt und zur Beurteilung der Entartungstendenz von Leukoplakien
herangezogen werden kann.