Anna Margret Lechner
Dr. med. dent.
Leben und Lebenswerk von Wilhelm His dem Jüngeren
Geboren am 10. 11. 1968 in Siedlce, Polen
Reifeprüfung am 01. 06. 1987 in Siedlce
Studiengang der Fachrichtung Zahnmedizin vom WS 1987/88 bis WS 1996/97
Physikum am 18. 03. 1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Staatsexamen am 10. 01. 1997 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Geschichte der Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. Wolfgang U. Eckart
Wilhelm His der Jüngere war einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des Ärztestandes der letzten
Jahrhundertwende. Er wurde am 29. Dezember 1863 in Basel geboren. Er studierte Medizin in Genf,
Leipzig, Bern und Straßburg. In Straßburg legte er im Januar 1888 das Staatsexamen ab. Er promovierte
in Leipzig im Jahre 1889. Danach arbeitete er als Assistent von Professor Heinrich Curschmann in der
Leipziger Universitätsklinik. Er habilitierte im Jahre 1891. Im Jahre 1895 wurde er außerordentlicher
Professor an der Leipziger Universität. 1901 übernahm er für ein Jahr eine Stelle als Oberarzt der Inneren
Abteilung im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Danach arbeitete er als ordentlicher Professor vier
Jahre in Basel. Im Jahre 1906 wurde er zum Ordinarius nach Göttingen berufen. Schon im Jahre 1907
erhielt er den Lehrstuhl für Innere Medizin in Berlin und wurde zum Direktor der I. Medizinischen
Klinik der Charité. Kurz nach dem Ausbruch des I. Weltkrieges war His als Beratender Internist bei
mehreren Armeen tätig. Im September 1918 übernahm er das Dekanat der Medizinischen Fakultät in
Berlin, und im Jahre 1928 wurde er Rektor der Berliner Universität. Im Jahre 1932 wurde er in den
Ruhestand versetzt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Brombach im badischen Wiesental. Er
verstarb am 10. November 1934 und wurde in seiner Vaterstadt Basel bestattet.
Der größte Erfolg von His auf dem Gebiet der medizinischen Forschung war die Entdeckung des
Atrioventrikularbündels im Herzen, das später nach ihm „His-Bündel“ benannt wurde. Er beschäftigte
sich mit den Rhythmusstörungen des Herzens, klärte die Pathogenese des Adams-Stokes-Symptom-
komplexes auf und prägte den Begriff „Herzblock“. Sein ganzes Leben lang interessierte er sich für die
Gicht und die Gelenkkrankheiten; seine Forschungen darüber brachten jedoch wenig Erfolg. Er
untersuchte die Prozesse der Ausscheidung und Ablagerung der Harnsäure. Während des Krieges
entdeckte und beschrieb er eine neue Krankheit: das „wolhynische Fieber“, und beschäftigte sich mit
einer neuen Kriegsseuche: der „Kriegsnephritis“. Seine Kriegserinnerungen verewigte er in seinem Buch
„Die Front der Ärzte“. Viel Aufmerksamkeit schenkte er der sich entwickelnden Röntgenologie und
benutzte sie als einer der ersten für die Diagnostik der inneren Krankheiten. Bei der Therapie wandte er
sich vor allem den physikalischen Heilmethoden zu, deren Anwendung er perfekt beherrschte. Er
schrieb der Konstitution des Organismus und den Diathesen eine große Bedeutung zu. Schon am
Anfang seiner beruflichen Laufbahn entwickelte er ein Interesse für die Geschichte der Medizin. Seine
breiten Kenntnisse auf diesem Gebiet sind in vielen seiner Werke zu erkennen. Neben der Medizin
interessierten His die Kunst, die klassische Literatur und die Musik. Er malte selbst und musizierte gerne.
His war ein konservativer Monarchist. Im I. Weltkrieg sah er einen aufgezwungenen Abwehrkrieg. In
manchen seiner Arbeiten verherrlichte er den Krieg. Er zeigte sich als Anhänger der gemäßigten
Eugenik. His war jedoch kein Antisemit oder Helfer der Nationalsozialisten. Er genoß in seinem Leben
ein hohes Ansehen, das sich in unzähligen Auszeichnungen äußerte.