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Angela Ulrike Kronmüller
Dr. med.
Wirksamkeit der Progesteron-Therapie bei infertilen Patientinnen mit Lutealinsuffizienz in
einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie.
Geboren am 08.10.1961 in Stuttgart
Reifeprüfung am 05.06.1981 in Waiblingen
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1983 bis WS 1990
Physikum am 17.07.1985 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 17.04.1986, 11.04.1988 und am 12.11.1990 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktorvater: Frau Prof. Dr. I. Gerhard
Die Corpus luteum Insuffizienz ist eine der Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit. Sie ist
definiert als Defekt der Progesteron-Produktion des Corpus luteum oder Defekt der
Endometriumsensibilität gegenüber der hormonellen Stimulation. Ziel der Untersuchung war die
Prüfung der Wirksamkeit der Behandlung infertiler Frauen mit Lutealinsuffizienz mit
Progesteron, in oraler und vaginaler Applikationsform , gegenüber Placebo, mit einem
doppelblind, placebo-kontrollierten Untersuchungsdesign.
Von Juli 1984 bis Januar 1988 wurden 120 Frauen der Universitäts-Frauenklinik in die
prospektive Studie aufgenommen, die die Einschluß-Diagnosekriterien und die
Aufnahmekriterien erfüllten. Vorausgesetzt wurde ein positiver SH-Test, mindestens eine
durchgängige Tube, eine biphasische BTK mit spontaner Ovulation, normale basale Hormone
im Follikeltest und eine nachgewiesene Lutealinsuffizienz. Nachbeobachtet wurden die Frauen
bis Sommer 1990. Die randomisierte Einteilung der 120 Frauen erfolgte in 4 Gruppen.
Ausgewertet werden konnten die Untersuchungsergebnisse von 104 Patientinnen. In der Ovulum-
Verum Gruppe (n=26) wurden 2 mal 25 mg natürliches Progesteron intravaginal angewandt. In
der Kapsel-Verum Gruppe (n=28) wurden 2 mal 50 mg mikroverkapseltes Progesteron oral
eingenommen. Die Patientinnen der Ovulum-Placebo (n=24) und der Kapsel-Placebo Gruppe
(n=26) nahmen keinen Wirkstoff ein.
Die Strukturgleichheit der verschiedenen Gruppierungen in Bezug auf anamnestische, klinische
und Zyklus-Daten konnte nachgewiesen werden.
Die Schwangerschaftsrate unter randomisierter Therapie in den ersten 3 Monaten lag in allen 4
Therapie-Gruppen bei ungefähr 10 %. Damit erwies sich die Progesterontherapie der Placebo
Therapie nicht als überlegen. Die Therapie der Lutealinsuffizienz, über einen längeren
Zeitraum, entsprechend der Ursache oder die Besserung der Aufnahmefähigkeit des
Endometriums ist wahrscheinlich erfolgreicher als die symptomatische Progesteron-Applikation.
In den ersten 3 Monaten ergab sich für alle 4 Therapie-Gruppen eine Verlängerung der
hyperthermen Phase. Die Wirkung der randomisierten Therapie in den ersten 3 Monaten zeigte
sich in signifikant veränderten Östradiol- und Progesteronwerten und Biopsieergebnissen in den 4
Therapie-Gruppen. Der Progesteron-Serumwert stieg erwartungsgemäß unter Kapsel-Verum und
unter Ovulum-Verum an; signifikante Testwerte in Bezug auf den Progesteronanstieg erzielte
jedoch nur die Kapsel-Verum Gruppe gegenüber den beiden Placebo-Gruppen. Demgegenüber
fielen die Östradiolwerte (1. und 2. Wert) unter Ovulum-Verum und Kapsel-Verum und stiegen
an unter Ovulum-Placebo; wobei Signifikanz nur zwischen den beiden Ovulum Gruppen
bestand. Trotz steigender Progesteron-Serumspiegel in der Kapsel-Verum Gruppe blieb die
Entwicklung des Endometriums unter Therapie mangelhaft.
Auch die Frauen mit niederen Progesteronspiegeln, vor Therapie, zeigten nicht mehr
Schwangerschaften unter randomisierter Therapie, in den ersten 3 Monaten, bei
Progesteronsubstitution.
Das klinische Therapie-Ergebnis (nicht schwanger, spontan schwanger und unter Therapie
schwangere Frauen) für den gesamten Beobachtungszeitraum unterschied sich im Auftreten der
anamnestischen, klinischen und Zyklus-Daten und der Diagnosekriterien nicht. Eine spontan
oder unter Therapie eintretende Schwangerschaft war nicht vorherzusagen. Es traten mehr
Schwangerschaften unter Folge-Therapie als spontan ein. Im gesamten Beobachtungszeitraum
wurden bei 46 % der Frauen Schwangerschaften erzielt.
Die Progesterontherapie in dieser Dosierung ist für die Behandlung der Infertilität bei
Lutealinsuffizienz nicht erfolgversprechend.