Ingrid Kohl
Dr. sc. hum.
Immunchemische Charakterisierung des regulatorischen humanen IgG-anti-F(ab’)2-
Autoantikörpers
Geboren am 18.01.1965 in Heidelberg
Reifeprüfung am 23.06.1984 in Wald-Michelbach
Studiengang der Fachrichtung Pharmazie vom WS 1987 bis SS 1991
1. Staatsexamen am 20.03.1990 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
2. Staatsexamen am 14.10.1991 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Praktisches Jahr in der Nord-Apotheke in Schwetzingen
3. Staatsexamen am 14.12.1992 im Regierungspräsidium Stuttgart
Approbation als Apothekerin am 22.12.1992
Promotionsfach: Immunologie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. P. Terneß
Natürliche IgG-anti-F(ab’)2γ-Autoantikörper sind Teil des physiologischen Immunrepertoires.
Untersuchungen an Ratten und Mensch liefern Hinweise auf ihre immunsuppressiven Eigenschaften
in autologen sowie allogenen Systemen. Um Rückschlüsse auf ihre physiologische Rolle zu
erhalten, mußte die Spezifität dieser Autoantikörper definiert werden.
Unsere Untersuchungen ergaben eine stärkere Bindung des IgG-anti-F(ab’)2γ-Autoantikörpers an
das F(ab’)2γ-Fragment und eine schwächere Bindung an das Fab-Fragment. Aufgrund dieses
Befundes wurde ein mögliches Epitop in der Hinge-Region des IgG vermutet.
Die weitere Erforschung des Epitops mit synthetischen IgG1-Hinge-Peptiden führte schließlich zur
Definition der erkannten Sequenz in der natürlichen IgG1-Hinge-Region. Es handelt sich hierbei um
die Aminosäuresequenz 225-232. Sie liegt in der mittleren bis unteren Hinge-Region und umfaßt
das zyklische „Core“ mit seinen Disulfidbrücken und die daran anschließenden drei Aminosäuren
Prolin-Alanin-Prolin im exozyklischen Teil. Der IgG-anti-F(ab’)2γ-Autoantikörper bindet aber nur
dann an ein entsprechendes synthetisches Hinge-Peptid, wenn die drei exozyklischen Aminosäuren,
wie im natürlichen IgG1 vorkommend, konformationell stabilisiert sind. Dazu genügen entweder
eine entsprechend dem natürlichen IgG1-Hinge-Peptid um fünf Aminosäuren verlängerte Sequenz
oder andere stabilisierende Peptide.
Der Anti-Hinge-Autoantikörper konnte über Affinitätschromatografie aus dem Serum gesunder
Probanden isoliert werden. Nach dessen Entfernung blieb allerdings eine um den Anti-Hinge-
Antikörper verringerte Anti-F(ab’)2γ-Aktivität im Serum übrig. Sie ist anderen Autoantikörpern
dieser Familie zuzuschreiben, die wie unsere Bindungsstudien vermuten lassen, ein Epitop in der
CH1-Region des IgG und in der konstanten Region der leichten Kette erkennen. Insgesamt kann
man von einer IgG-anti-F(ab’)2γ-Autoantikörperfamilie sprechen, in der der Anti-Hinge-Antikörper
ein wichtiges und quantitativ bestimmendes Familienmitglied ist.
Die immunchemische Charakterisierung des humanen IgG-anti-F(ab’)2-Antikörpers liefert einen
wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Rolle dieses Antikörpers in der Immunregulation
und seiner Beteiligung in der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen. Ferner öffnen diese
Erkenntnisse den Weg zur gentechnischen Herstellung solcher Antikörper mit möglichen
therapeutischen Anwendungen zur Suppression der B-Zellantwort bei Autoimmunerkrankungen, B-
Zelltumoren und anderen Krankheiten.