Thomas Otto Alfred Knörzer
Dr. med.
Zirkadiane Rhythmik der Pyridinium-Crosslinks (Gesamt-Pyridinolin und Gesamt-Des-
oxypyridinolin) im Vergleich von prämenopausalen und postmenopausalen Frauen mit
und ohne Hormonsubstitution
Geboren am 29.12.1959
Reifeprüfung am 27.05.1981
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1983 bis WS 1989/90
Physikum am 27.09.1985 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg
Klinisches Studium an der Universität Mannheim
Praktisches Jahr im Diakonissenkrankenhaus in Mannheim
Staatsexamen am 28.05.1990
Promotionsfach: Labormedizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. H. Schmidt-Gayk
In dieser Studie wurde die Tagesrhythmik der Pyridinium-Crosslink-Ausscheidung im Urin
bei
insgesamt 124 Frauen mittels `high performance liquid chromatography´ (HPLC) untersucht.
Unterschieden wurden dabei prämenopausale Frauen (n=41), postmenopausale Frauen ohne
Hormonsubstitution (n=41) und postmenopausale Frauen mit Hormonsubstitution (n=42). Bei
letzterer Gruppe fand zusätzlich eine weitere Differenzierung bezüglich der verschiedenen
Hormonpräparate statt. Die Pyridinium-Crosslinks Pyridinolin und Desoxypyridinolin gelten
als spezifische Marker zur Bestimmung der Knochenresorption im Rahmen der Osteoporose-
diagnostik.
Um den Verlauf der Tagesrhythmik zu bestimmen, sammelten die Frauen den Urin über 24
Stunden zu folgenden Uhrzeiten: Am Morgen des ersten Tages wurde der Spontanurin nach
dem Aufstehen verworfen. Danach wurde bis 10 Uhr gesammelt. Die weiteren Zeiten waren
10 Uhr bis 13 Uhr, 13 Uhr bis 17 Uhr und von 17 Uhr bis zum Schlafengehen. Die fünfte Pro-
be war der Nachturin und der Morgenurin des zweiten Tages. Von jeder Urinprobe wurden
10 ml eingefroren, der Rest in ein Sammelgefäß gegeben und daraus nach Mischen eine
weitere 6. Probe mit 10 ml - zur Bestimmung des Sammelurins - gewonnen.
Bei der Betrachtung des Kurvenverlaufes lassen sich bezüglich der Tagesrhythmik in allen
drei
oben genannten Gruppen keine signifikanten Unterschiede feststellen. Die höchsten Werte
fin-den sich im Morgenurin. Danach fallen sie bis zum Abend kontinuierlich ab. Obwohl in
der Ta-gesrhythmik eine Übereinstimmung der Gruppen bestand, lag die Höhe der Crosslink-
Aus-scheidungen bei den postmenopausalen Frauen ohne Hormonsubstitution zu allen
Uhrzeiten deutlich über den Werten der anderen Gruppen, welche kaum Unterschiede
aufwiesen.
Es konnte gezeigt werden, daß der Morgenurin zwischen prämenopausalen und postmenopau-
salen Frauen ohne Hormonsubstitution eine bessere Unterscheidung zuläßt (biologischer Vor-
teil). Da beim Morgenurin außerdem höhere `peaks´ in der HPLC aufgrund der höheren
Cross-link-Konzentrationen bestehen, stellt dies einen analytischen Vorteil dar und
gewährleistet eine bessere Richtigkeit und Reproduzierbarkeit.
Sportliche Betätigung nach der Menopause schützt offensichtlich vor Knochenabbau, wie die
deutlich niedrigeren Desoxypyridinolinwerte bei diesen Frauen zeigen. Bei regelmäßigem
Sport
lagen die Werte der postmenopausalen Frauen ohne Hormonsubstitution auf ähnlichem
Niveau, wie die der prämenopausalen Frauen.
Im Gegensatz dazu fällt bei schlanken postmenopausalen Frauen, die keine Hormone einneh-
men, auf, daß deren Desoxypyridinolinwerte im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich höher
liegen. Offensichtlich hat diese Gruppe ein erhöhtes Risiko, an einer Osteoporose zu erkran-
ken. Zwei schlanke Frauen nach der Menopause mußten aus diesem Grund aus der Studie
aus-geschlossen werden, da bei ihnen eine manifeste Osteoporose vorlag und die
Desoxypyridino-linwerte stark erhöht waren.
Wie bereits erwähnt, waren die Tagesrhythmik und die Höhe der Crosslink-Ausscheidung in
der Gruppe der postmenopausalen Frauen mit Hormonsubstitution übereinstimmend mit
denen der Kontrollgruppe. Unbestritten ist die Hormonsubstitution nach der Menopause als
Osteopo-roseschutz anerkannt. Kontrovers diskutiert wird zur Zeit die Förderung des
Brustkrebsrisikos durch Östrogensubstitution. Eine zusätzliche kontinuierliche
Gestagensubstitution soll das Brustkrebsrisiko deutlich mindern. In der Studie konnte gezeigt
werden, daß die transdermale Östrogensubstitution der oralen bei der Osteoporoseprävention
gleichwertig ist. Frauen, die konjugierte Östrogene in der Dosierung von 0,6 mg/Tag oral
einnehmen, haben nicht immer einen ausreichenden Osteoporoseschutz, während er bei einer
Dosierung von 1,25 mg/Tag besteht. Die niedrigsten Desoxypyridinolinwerte wurden bei den
Frauen gemessen, die 2 mg/ Tag Östradiol einnahmen. Der Mittelwert beim Sammelurin lag
dabei deutlich unter dem der Kontrollgruppe. Bei der transdermalen Hormonsubstitution ist
noch erwähnenswert, daß so-wohl bei Pflastern mit 0,025 mg als auch 0,05 mg kein
Unterschied bei der Höhe der Cross-link-Ausscheidung besteht. Bei beiden Pflasterpräparaten
lagen die Desoxypyridinolinwerte im prämenopausalen Normbereich.