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Carmen Klingmann
Dr. med.
Magnetresonanztomographisches Verlaufsmonitoring zur Effizienzkontrolle der
Strahlentherapie bei operierten Glioblastomen
Geboren am 24. Mai 1968 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 19.5.1988 in Pfinztal
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1988 bis SS 1995
Physikum am 15.3.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Karlsruhe
Staatsexamen am 9.5.1995 an der Universität Freiburg
Promotionsfach: Neurochirurgie
Doktorvater: Priv.-Doz.. Dr. med. F. K. Albert
Bei 67 an einem Glioblastom erkrankten Patienten erfolgte in mikrochirurgischer Technik die
Operation mit dem Ziel einer möglichst radikalen Tumorresektion. Das untersuchte Kollektiv
bestand aus 29 Männer und 38 Frauen. Das Alter der Patienten lag zwischen 19 und 79
Jahren, im Mittel bei 57 Jahren. Die Anamnesedauer betrug im Mittel 10.6 Wochen. Der
Karnofsky-Index betrug präoperativ im Mittel 73% (70.4-75.9), postoperativ lagen die Werte
im Durchschnitt bei 76% (72.9-79.8).
Grundlage der Datenerhebung waren MRT-Aufnahmen. Präoperativ erfolgten Nativ- und
Kontrastmittelaufnahmen des Gehirns in sagittalen, transversalen und frontalen Schichten.
Zur Erfassung eines Resttumores wurde innerhalb der ersten vier Tage nach der Operation ein
frühes postoperatives MRT mit Kontrastmittel erstellt. Zur Verlaufskontrolle wurden in 3-4-
monatigen Abständen sowohl klinische als auch MRT-Untersuchungen durchgeführt.
Als eine wichtige Voraussetzung für eine längere Überlebenszeit konnte eine möglichst
radikale Tumorresektion und ein niedrigeres Erkrankungsalter bestätigt werden. Bei erhöhtem
Hirndruck erfolgte eine Steroidtherapie mit Dexamethasonpräparaten zur Drucksenkung. Im
Falle eines Tumor-Regrowth hatte die Gabe von Steroiden nicht nur Einfluß auf die
Überlebenszeit, sondern verbesserte, vor allem bei jüngeren Patienten, das Allgemeinbefinden
in erheblichem Maß. In dieser Arbeit konnte kein Einfluß des Geschlechts, der
Anamnesedauer und der Performance auf die Überlebenszeit festgestellt werden.
Im Mittelpunkt der hier vorliegenden Auswertung standen Fragen in Zusammenhang mit der
postoperativen Nachbestrahlung. Von den 67 Patienten wurden 59 nach durchschnittlich 19
Tagen (Streubreite: 6-110 Tage) über 2-3 Felder hyperfraktioniert bestrahlt. Die
Gesamtbestrahlungsdosis betrug im Mittel 54.3 Gray (Streubreite: 52-59 Gy). Nach dem
Auftreten eines Rezidivs erfolgte in 9 Fällen eine zusätzlichen Boostbestrahlung im Sinne
einer stereotaktischen Einzeitbestrahlung. Die Einzeldosen reichten von 12 bis 20 Gray
(Mittelwert: 17 Gy).
Grundsätzlich profitierten die Patienten durch eine Radiatio und ebenso durch eine
Boostbestrahlung mit einer längeren Überlebenszeit. Im Vorfeld der hier durchgeführten
Untersuchungen war jedoch beobachtet worden, daß einige Glioblastom-Patienten mit soliden
Resttumoren und auch solche mit kompletter Tumorentfernung nach radiologischer Maßgabe,
trotz Bestrahlung ein rasches Rezidivwachstum zeigten. Hingegen konnte bei anderen
Patienten nach Bestrahlung ein mehrmonatiges progressionsfreies Intervall objektiv
festgestellt werden. Die vorliegende Untersuchung sollte der ursächlichen Überprüfung dieser
Beobachtungen dienen, insbesondere mit der Frage, ob Unterschiede in Planung und
Durchführung der postoperativen Strahlentherapie deren uneinheitliche Effizienz
hervorgerufen hatten.
Es zeigte sich, daß der zeitliche Abstand zwischen Operation und Radiatio keinen Einfluß
hinsichtlich der Progredienz des Tumors und der Überlebenszeit ausgeübt hatte. Zur
Untersuchung der Strahleneffizienz wurde die Lage der Strahlenfelder bezüglich des Tumors,
der Ödemzone und des Tumorrezidivs anhand von MRT-Aufnahmen analysiert. In keinem
der untersuchten Fälle stellte eine nicht ausreichende oder falsch lokalisierte Bestrahlung,
etwa die nicht vollständige Erfassung der Ödem-/Invasionszone, die Ursache für den trotz
Bestrahlung beobachteten Tumorprogreß dar. Aufgrund der bestrahlungstechnisch identischen
Vorgehensweise läßt sich das unterschiedliche Ansprechen der Glioblastome auf eine
Radiatio nicht erklären. Vermutlich darf man diese Beobachtung mit der Existenz von
Glioblastom-Subtypen mit unterschiedlichem biologischen Verhalten erklären, die für die
unterschiedliche Strahlensensibilität verantwortlich sind.
Weitere Untersuchungen der biologischen Grundlagen von Glioblastomen erscheinen
notwendig, um künftig auch die Strahlentherapie bei malignen Gliomen weiter zu optimieren.
Insbesondere muß auch die Bedeutung einer gezielten strahlenchirurgischen Boost-
Bestrahlung bei umschriebenem Resttumor anhand eines großen Behandlungskollektivs noch
genauer ermittelt werden.