Christa Kiencke
Dr. med. dent.
Eradikation von Actinobacillus actinomycetemcomitans aus der Mundhöhle erwachsener
Patienten mit fortgeschrittener Parodontitis
Geboren am 08.10.1971 in Singapur
Reifeprüfung am 26.05.1990 an der Deutschen Schule Lagos, Nigeria
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1990 bis WS 1995/96
Physikum am 29.09.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr -
Staatsexamen am 20.08.1996
Promotionsfach: Mund- Zahn-Kieferheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. dent. H.-P. Müller
A. actinomycetemcomitans ist ein häufig anzutreffendes Bakterium in der Mundhöhle
Erwachsener mit fortgeschrittener Parodontitis. Für die Parodontaltherapie scheint die
Eliminierung des Bakteriums aus den parodontalen Taschen ein entscheidender Faktor zu
sein. Ob eine vollständige Eradikation des Bakteriums aus der Mundhöhle möglich ist, kann
aufgrund der kleinen Probenzahlen in den bisher publizierten Studien nicht behauptet werden.
Daher war das Ziel dieser Studie ein bakteriologisches und klinisches Monitoring bei zehn
erwachsenen Patienten mit A. actinomycetemcomitans-assoziierter Parodontitis während einer
nicht-chirurgischen und adjuvanten antibiotischen Therapie (1,5 g Amoxicillin in
Kombination mit 1,2 g Metronidazol für 10 Tage; aufgrund einer Penicillinallergie erhielt ein
Patient 1,5 g Ciprofloxacin anstatt Amoxicillin). Bei allen Patienten wurden jeweils 13
extrakrevikuläre Proben (2 Wangen-, 3 Zungen-, 4 Gingiva-, 2 Tonsillenabstriche, 1 Abstrich
vom harten Gaumen, 1 Speichelprobe, n=130) und im Bereich der tiefsten Taschen jedes
Zahnes (n=295) subgingivale Proben entnommen. A. actinomycetemcomitans wurde in 47 ±
29 % der subgingivale Plaqueproben und bei neun Patienten in 64 ± 31 % extrakrevikulären
Proben mit kulturellen Methoden isoliert (Nachweisgrenze <30 CFU/ml, p<0,05). Sechs
Wochen nach subgingivalen Scaling (2-4 Sitzungen á 30 Minuten) wurde das Bakterium in 37
± 30 % (p<0,01) der subgingivalen und 55 ± 38 % (nicht signifikant) der extrakrevikulären
Proben nachgewiesen. Während A. actinomycetemcomitans durch subgingivales Scaling bei
keinem Patienten eliminiert wurde, ergab die Nachuntersuchung drei Monate nach
systemischer Antibiotikatherapie negative Befunde bei neun Patienten. Der Anteil tiefer
Taschen ≥7 mm reduzierte sich nach dem Scaling von 7,5 ± 4,2 auf 2,3 ± 2,4 (p<0,05) und
nach der Antibiotikatherapie auf 0,3 ± 0,4 % (p<0,05). Der Anteil von Stellen mit Attach-
ment-Verlust von ≥6 mm reduzierte sich von 23,8 ± 13,3 zunächst auf 17,7 ± 13,4 (p<0,05)
und dann auf 16,8 ± 14,5 % (nicht signifikant).
Die Assoziationen klinischer Parameter mit A. actinomycetemcomitans wurden mit
logistischen Regressionsanalysen unter Verwendung von Generalized Estimating Equation
Methoden ermittelt. Zu Beginn der Untersuchung war das Bakterium lediglich mit der
Taschentiefe assoziiert (4-6 mm: Odds Ratio (OR) 3,7; 95 %-Konfidenzintervall 1,9-7,0;
p<0,001; ≥7 mm: OR 9,8; 2,8-34,4; p<0,001). Sechs Wochen nach dem Scaling war das
Bakterium nur mit dem klinischen Attachmentlevel assoziiert (≥6 mm: OR 1,8; 1,1-3,0;
p=0,02). In beiden Modellen spielte Bluten nach Sondieren keine Rolle. Nach dem
subgingivalen Scaling schienen hohe Zahlen koloniebildender Einheiten ≥104 einen klinisch
relevanten Attachment-Gewinn zu verhindern (OR 0,24; 0,10-0,56; p=0,001). Basierend auf
den Ergebnissen der vorliegenden Studie scheint eine kurzfristige Elimination von A.
actinomycetemcomitans aus der Mundhöhle mit einer unterstützenden systemischen
Antibiotikatherapie möglich zu sein.