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Rainer John
Dr. med.
Röntgenmorphometrische Untersuchungen am Hüftgelenk und Becken im Kindes- und
Jugendlichenalter
Geboren am 28.03.1967 in Borna (Sachsen)
Reifeprüfung am 06.07.1985 in Borna
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1988/89 bis WS 19955/1996
Physikum am 03.04.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 30.10.1995 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Prof. Dr. med. F. U. Niethardt
Den hier durchgefühten röntgenmorphometrischen Untersuchungen am Hüftgelenk und Becken
im Kindes- und Jugendlichenalter liegen 520 Röntgenbilder (1040Hüftgelenke) der
Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg von Kindern im Alter zwischen 4 und16 Jahren
zugrunde. Die Röntgenbilder wurden so ausgewählt, daß in jeder Altersgruppe 20
Beckenübersichtsaufnahmen (40 Hüftgelenke) pro Geschlecht und im Röntgenarchiv unter nicht
pathologische Hüftenabgelegt ausgewertet wurden.
Anhand der Röntgenbilder wurden folgende Parameter gemessen: AC- Winkel, ACM- Winkel,
Pfannenbreite, Pfannentiefe, Pfannendachlänge, Kopfkernbreite, Kopfkernhöhe,
Beckenquerdurchmesser, Beckenhöhe und Darmbeinbreite.
Das Wachstum der Hüftpfanne ist bei den Mädchen ab dem 14. Lebensjahr abgeschlossen,
wohingegen die Pfanne der Jungen noch weiterwächst. Die Hüftpfanne ist bei den Mädchen im
Wachstumsverlauf tiefer und schmäler als bei den Jungen.
In meinen Untersuchungen ist das Beckenwachstum bis zum 16. Lebensjahr für beide
Geschlechter, bis auf die Darmbeinbreite bei den Mädchen, noch nicht abgeschlossen.
Der AC- Winkel ist ein Gradmesser für die Steilheit der Hüftpfanne und damit der Dysplasie,
sowie der ACM- Winkel ein Maß für die Pfannentiefe. Bei der Betrachtung dieser beiden
Winkelmaße ist das männliche Kollektiv in meiner Arbeit im Alter zwischen 7 und 14 Jahren
eher prädisponiert für eine Dysplasie, als das vergleichbare weibliche Geschlecht. Das läßt sich
daraus ableiten, daß in dieser Zeitspanne die Mittelwerte der AC- Winkel für das männliche
Kollektiv durchschnittlich höher liegen, und der ACM- Winkel im Alter von 4- 16 Jahren bei
dem männlichen Kollektiv größer als bei dem weiblichen Kollektiv ist.
Bei der Untersuchung des Wachstums der Hüftpfanne und des Beckens im Zusammenhang kam
ich zu dem Ergebnis, daß sich die Hüftgelenkspfanne im Wachstumsverlauf immer mehr einer
Halbkugelform annähert. Es gibt keinen gemeinsamen Wachstumsstillstand beim Becken und
Hüftgelenk. Während das Becken beider Geschlechter und das Hüftgelenk beim Jungen im Alter
von 16 Jahren noch weiterwächst, kommt es am Hüftgelenk beim Mädchen ab dem 14.
Lebensjahr zum Wachstumsstillstand.
Der Hüftkopf eilt der Hüftpfanne in der Wachstumsgeschwindigkeit immer etwas voraus. Der
Hüftkopf übt also einen Wachstumsdruck auf die Hüftpfanne aus. Bei der Untersuchung der
gesunden Hüftgelenkeim Alter zwischen 4 und 16 Jahren bleibt dieser Wachstumsdruck relativ
konstant.
Im normalen Wachstumsverlauf zwischen 4. und 16. Lebensjahr gibt es eine Homogenität
zwischen dem Becken, dem Hüftkopf und der Hüftpfanne. Die „Naturhält also ein
Gleichgewicht im Wachstum der Hüfte, der Hüftpfanne und des Hüftkopfes.
Im Vergleich zu den gesunden“ Beckenübersichtsaufnahmen wurden 17
Beckenübersichtsaufnahmen (34 Hüftgelenke) untersucht, die von 5 Kindern im
Wachstumsverlauf von 15 Monaten bis 16 Jahren gemacht wurden und Wachstumsstörungen am
Hüftgelenk aufweisen.
Diesen 5 Fällen ist gemeinsam, daß die Hüftgelenke im Kleinkindesalter röntgenologisch völlig
unauffällige Hüftgelenksparameter haben. Erst in der kritischen Phase während des pubertären
Wachstumsschubs wirkt sich bei diesen Fällen der Wachstumsdruck ungünstig auf die
Ossifikation am Pfannenerker aus.
Dieses kann jedoch während des Wachstums sich spontan wieder zurückbilden, zu
Pfannenerkerdefekten führen bzw. zur Herausbildung einer sekundäre Pfannendysplasie.
Die in dieser Arbeit gewonnenen Normalwerte mit den natürlichen Schwankungsbreiten sollen
somit einen Beitrag leisten, diese Wachstumsstörungen frühzeitig erkennen und therapieren zu
können.