Kai Willi Eichhorn
Dr.med.
Glukosestoffwechsel und transmembranöser Glukosetransport in epithelialen
Dysplasien und Plattenepithelkarzinomen des Kopf-Hals-Bereiches.
Geboren am 31.03.1967 in Heidelberg
Reifeprüfung am 19.06.1986 in Eppelheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1988/89 bis WS 1996/97
Physikum am 03.04.91 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heilbronn
Staatsexamen am 07.05.1997 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. Ch. Reisser
Gewebeproben aus normaler und dysplastischer Schleimhaut sowie aus Plattenepithel-
karzinomen und Lymphknotenmetastasen des Kopf-Hals-Bereiches wurden intraoperativ
entnommen und nach Schockgefrierung mit einem Kryostaten 6µm dick geschnitten und
immun- bzw. enzymhistochemisch untersucht. Die Glukosetransportproteine GLUT 1, 2, 3
und 4 wurden unter Verwendung polyklonaler Antikörper dargestellt. Als Kontrolle dienten
Färbungen ohne Antikörper bzw. Färbungen an Geweben mit bekanntem Proteinvorkommen.
Enzymhistochemisch wurden die Enzyme Hexokinase (HK), Pyruvatkinase (PK), Glukose-6-
Phosphatdehydrogenase (G6PDH), Laktatdehydrogense (LDH) und Succinatdehydrogenase
(SDH) untersucht. Die von Tumorpatienten gewonnenen Schleimhautpräparate wurden histo-
pathologisch entsprechend ihrem Dysplasiegrad als gering-, mittel- und hochgradig dys-
plastisch beurteilt. Eine PAS-Färbung gab zudem Aufschluß über die Glykogenspeicherung
im Gewebe. Als Referenzgewebe dienten Proben aus normalen Schleimhäuten von Patienten
ohne Tumorerkrankung. Die Expression der Glukosetransportproteine bzw. die
Enzymaktivitäten wurden semiquantitativ ausgewertet und jeweils vier Expressions- bzw.
Aktivitätsgraden (negativ, gering, mittel und hoch) zugeordnet.
In der untersuchten Normalschleimhaut des Kopf-Hals-Bereiches fand sich eine Glyko-
genspeicherung in apikal gelegenen Zellschichten bei nur geringer Expression des GLUT 1 in
basalen Anteilen des Epithels. Die Untersuchung der dysplastisch veränderten Schleimhäute,
der Plattenepithelkarzinome und der Lymphknotenmetastasen zeigte mit zunehmendem Dys-
plasiegrad eine deutliche Zunahme der GLUT 1-Expression.
Gleichzeitig fand sich eine Abnahme der Glykogenspeicherung mit inverser Korrelation zur
GLUT 1-Expression. Die in Tumoren deutlich gesteigerte GLUT 1-Expression ohne nach-
weisbare Glykogenspeicherung spricht für eine hohe Glukoseaufnahme mit gleichzeitig hoher
Stoffwechselaktivität des Gewebes, wie sie in proliferativ aktiven Geweben zu erwarten ist.
Lediglich in differenzierten Tumorarealen war eine Glykogenspeicherung bei immunhistoche-
misch nicht nachweisbarer GLUT 1-Expression zu beobachten. Dies spricht für eine geringere
glykolytische Aktivität differenzierter Tumorzellen, die mit einem niedrigen Glukosefluß über
GLUT 1 in der Lage sind Glykogen zu speichern.
GLUT 2, 3, 4 konnte weder in der normalen Schleimhaut, noch in dysplastischen Schleim-
häuten, Plattenepithelkarzinomen oder deren Lymphknotenmetastasen in epithelialen Zellen
nachgewiesen werden.
Die enzymhistochemischen Untersuchungen zeigten nur zum Teil deutliche Änderungen der
Enzymaktivität im Rahmen der Tumorentstehung.
Die HK-Aktivität war in den untersuchten normalen Schleimhäuten von mittlerem bis hohem
Niveau. Dysplastische Schleimhäute sowie Plattenepithelkarzinome und deren Lymphknoten-
metastasen zeigten eine Aktivitätsabnahme der HK im Vergleich zur Normalschleimhaut.
Die PK-Aktivität war in der normalen Schleimhaut und in dysplastisch veränderten Schleim-
häuten hoch. Die untersuchten Plattenepithelkarzinome und Lymphknotenmetastasen des
Kopf-Hals-Bereiches zeigten leicht erniedrigte PK-Aktivitäten.
Schon an der normalen Mundschleimhaut fand sich eine größtenteils hohe Aktivität der
G6PDH. In den untersuchten dysplastischen Schleimhäuten und Plattenepithelkarzinomen
sowie Lymphknotenmetastasen war die G6PDH-Aktivität ebenfalls hoch.
Die normale Mundschleimhaut zeigte in der vorliegenden Untersuchung eine hohe LDH-
Aktivität mit teilweiser Betonung in basalen Zellschichten, die LDH-Aktivität in den dys-
plastischen Schleimhäuten war geringfügig vermindert und weiterhin basal betont. Auch in
Plattenepithelkarzinomen fanden sich großteils hohe LDH-Aktivitäten, während die Lymph-
knotenmetastasen vor allem niedrige LDH-Aktivitäten zeigten.
Bei der Untersuchung der SDH-Aktivität war bei normalen Schleimhäuten ein Gradient mit
basaler Betonung auf geringem und mittlerem Aktivitätsniveau zu beobachten. In dys-
plastischen Schleimhäuten lag die SDH-Aktivität auf einem gegenüber der normalen Schleim-
haut leicht erhöhten Niveau mit basaler Betonung. Bei den Tumorproben fand sich eine im
Vergleich zur Normalschleimhaut reduzierte SDH-Aktivität. Gleichzeitig war in einem Groß-
teil der Tumorpräparate eine Betonung der Enzymaktivität im Bereich der Tumor-Stroma-
grenze zu beobachten.
Während die Untersuchungen der Enzymaktivitäten keine richtungsweisenden Veränderungen
ergaben, stellt die schon in dysplastischen Schleimhäuten und auch in Plattenepithelkarzi-
nomen und Lymphknotenmetastasen beobachtete gesteigerte Expression des GLUT 1 offen-
sichtlich ein frühes Ereignis in der Tumorentstehung dar. Diese Tatsache könnte einerseits als
Indikator für dysplastische und neoplastische Schleimhautveränderungen von Bedeutung sein
sowie andererseits Möglichkeiten neuer Therapieansätze eröffnen.