Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai „Aplinkos apsaugos žodyne EnDic2004“
Full text
Pflanzennamen im Litauischen und Lettischen im Umweltschutzwörterbuch EnDic2004
SOLVITA LABANAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
EINLEITENDE BEMERKUNGEN
Das Finnische Umweltinstitut veröffentlichte 2004 das ne in neun Sprachen – Finnisch, Estnisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Schwedisch, Litauisch, Lettisch und Russisch (bei den nomenklatorischen Einheiten kommt als zehnte Sprache Latein hinzu) – erschienene Umweltschutzwörterbuch EnDic2004 (im Folgenden: EnDic2004-Wörterbuch). Darin sind 6039 Termini aus verschiedenen Bereichen des Umweltschutzes erfasst, z. B. aus Biologie, Botanik, Chemie, Ökologie, Physik, Geografie, Geologie, Medizin, Meteorologie, Seefahrt, Zoologie usw.
Die litauischen Termini im EnDic2004-Wörterbuch wurden von Albina Auksoriūtė und Angelė Kaulakienė (Institut für Litauische Sprache) beigesteuert. Karolis Jankevičius (Botanisches Institut), Algimantas Paulauskas (Vytautas-Magnus-Universität), Vytautas Raškauskas (Universität Vilnius) und Petras Zajančkauskas (Ökologie-Institut). Die lettischen Termini lieferten Ilas Dreijers (Ilo Dreyer) (Technische Universität Riga) und Andris Spricis (Universität Lettlands). Sie wurden von Edgaras Vimba (Edgars Vimba) überprüft und ergänzt, dem Ansis Zyvertas (Ansis Zīverts) (Lettische Landwirtschaftliche Universität) half.
In das Wörterbuch wurde die Mehrzahl der Namen von Sporen- und Blütenpflanzen der Ostseeregion aufgenommen. Dieser Artikel untersucht die botanische Nomenklatur einer genetisch verwandten Sprachgruppe – der baltischen Sprachen: mehr als 300 litauische und lettische Pflanzengattungen sowie über 430 Artnamen, die unter etymologischen und wortbildungsmorphologischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Durch den Vergleich der litauischen und lettischen Pflanzennamen versucht der Artikel, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den botanischen Nomenklaturen beider Sprachen zu ermitteln.
1735 veröffentlichte der schwedische Naturforscher Carl von Linné (Carolus Linnaeus) in seinem Werk System der Natur (Systema naturae) das von ihm entwickelte System der Pflanzenwelt. Er schuf als Erster eine binäre Nomenklatur und definierte die Begriffe Art, Gattung und einige höhere taxonomische Kategorien sowie die Benennung von Pflanzen
Terminologija | 2009 | 16
93
sudarymo principus (žr. Kutorga 1997: 15). Šveicarų botanika Alfonsas de Kandolis (Alphonse de Candolle) pirmasis pasiūlė nomenklatūros taisyklių rinkinį, kuris 1867 m. patvirtintas Tarptautiniame botanikų kongrese Paryžiuje. Minėtos nomenklatūros taisyklės sudarė Tarptautinio botanikos nomenklatūros kodekso pagrindą (plačiau žr. Genelytė 2001). Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardų nomenklatūra nėra įteisinta oficialiu kodeksu, tačiau sudarant augalų vardus remiamasi tam tikrais Tarptautinio botanikos nomenklatūros kodekso principais.
Bevor die Pflanzennamen im Wörterbuch EnDic2004 untersucht werden, müssen einige Begriffe erörtert werden, nämlich: Taxon, Rang eines Taxons, Nomenklatur.
Botanikos terminų žodyne (1965) terminas taksonas (gr. taxis – sudėstymas, sutvarkymas) apibrėžiamas taip: sistematikos vienetas (rūšis, gentis, šeima, eilė, tipas) (BTŽ 1965: 438). Taksonų rangas – apibrėžtos hierarchijos pakopa (БЭС 1986).
Der Begriff Nomenklatur wird in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedlich verstanden. Die russische Linguistin Olga Achmanova beschreibt die Nomenklatur in ihrem Wörterbuch der linguistischen Termini (Словарь лингвистических терминов) folgendermaßen: Sie ist die Gesamtheit der in einem Wissenschaftsgebiet verwendeten Fachtermini (Bezeichnungen), die Benennungen typischer Gegenstände dieses Gebiets (darin unterscheidet sich die Nomenklatur von der Terminologie, die Bezeichnungen abstrakter Begriffe und Kategorien umfasst) (Ахманова 2005: 270). Tatjana Kandelaki räumt ein, dass der Begriff der Nomenklatur nicht nur die Benennungen konkreter Gegenstände umfasst, sondern auch andere Kategorien, beispielsweise Benennungen von Methoden und Verfahren sowie technischen Handlungen und Operationen und die damit verbundenen Kurzformen – Indizes, Typen, Modelle usw. (Канделаки 1973: 64–65). Die lettische Terminologin Valentina Skujinia (Valentīna Skujiņa) benennt den grundlegenden Unterschied zwischen Terminologie und Nomenklatur: Die Aufgabe eines Terminus ist es, einen Gegenstand anhand seiner wesentlichen Merkmale zu benennen, die eines Nomenklaturelements dagegen lediglich anhand eines äußeren (symbolischen) Merkmals (Skujiņa 2002: 44).
Die Pflanzengattungsnamen werden im Artikel synchronisch untersucht und in morphologisch nicht segmentierbare Namen und Ableitungen eingeteilt.
LITAUISCHE UND LETTISCHE PFLANZENGATTUNGSNAMEN
Von den sieben grundlegenden taxonomischen Rängen sind im Wörterbuch EnDic2004 nur zwei verzeichnet – Gattung und Art. Der Gattungsname wird durch ein lateinisches Wort ausgedrückt. Der litauische Gattungsname besteht aus einem Wort im Nominativ Singular. Nach den Normen der lettischen Terminologie sind Pflanzengattungsnamen im Lettischen ebenfalls einwortig, werden jedoch im Plural verwendet (siehe Stalažs 2004: 22), z. B.
94
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
Auch den terminologischen Normen entsprechen einwortige Bezeichnungen, die jedoch in der Pluralform verwendet werden (siehe Stalažs 2004: 22), z. B.1:
L116 lat. Larix – lit. Lärche – lett. Lärchen;
M448 lat. Pinus – lit. Kiefer – lett. Kiefern;
P058 lat. Salix – lit. Weide, Korbweide – lett. Weiden und Korbweiden;
P408 lat. Alchemilla – lit. Frauenmantel – lett. Frauenmantel2;
P610 lat. Fagus – lit. Buche – lett. Buchen;
S133 lat. Pleurozium – lit. Waldmoos – lett. Waldmoos.
Die Gattungsnamen der litauischen und lettischen Sprachen sind Bestandteil der Artbezeichnung; daher werden im Artikel sowohl die gesondert aufgeführten Gattungsnamen als auch die in die Artennamen eingehenden Gattungsnamen gemeinsam behandelt. Insgesamt wurden im Wörterbuch EnDic2004 etwa 300 Pflanzengattungsnamen gefunden; davon machen die nur gesondert aufgeführten Gattungsnamen 8% aus.
Wortbildnerisch unsegmentierbare Pflanzengattungsnamen. Die wortbildnerisch unsegmentierbaren Pflanzengattungsnamen des Litauischen und Lettischen werden ihrer Herkunft nach den Erbwörtern zugerechnet, d. h. dem alten indoeuropäischen, dem gemeinsamen baltisch-slawischen und dem nur den baltischen Sprachen eigenen Wortschatz. Als älteste lexikalische Schicht gilt der indoeuropäische Wortschatz, Beispiele dafür (etwa 3% aller Gattungsnamen) finden sich im untersuchten Wörterbuch3:
H265 lat. Avena fatua – lit. leere Haferpflanze – lett. Windhafer (lett. Wind „Wind“ LLKŽ 766: Hafer „Hafer“ LLKŽ 99), vgl. russ. овсюг, овёс пустой. Ein Wort des alten indoeuropäischen Wortschatzes, das sich in einem großen Teil der indoeuropäischen Sprachen erhalten hat (siehe Sabaliauskas 1990: 38; Karulis 2001: 93);
K488 lat. Dryopteris filix-mas – lit. Wurmfarn – lett. melnā vīrp aparde (lett. Mann „Mann“ LLKŽ 781; Farn „Farn“ LLKŽ 506), vgl. dt. gemeiner Wurmfarn m. Entsprechungen finden sich nicht nur in den germanischen, sondern auch in den slawischen Sprachen, vgl. ahd. farn, russ. папороть, poln. paproć, bulg. папрам (siehe Sabaliauskas 1990: 42; Karulis 2001: 652);
K530 lat. Betula – lit. Birke – lett. bērzi, vgl. russ. берёза, dt. Birke f., engl. birch. Gehört zum alten indoeuropäischen Wortschatz, vgl. poln. brzoza, bulg. бреза (siehe Sabaliauskas 1990: 39; Karulis 2001: 122);
K581 lat. Pinus contorta – lit. Drehkiefer, vgl. lett. klinškalnu
1Das in den Beispielen angeführte Großbuchstaben-Kürzel und die Zahl geben die Nummer des Terminologieeintrags im Wörterbuch EnDic2004 an; darauf folgen der lateinische, litauische und lettische Pflanzenname. Bei Vergleichen werden russische, deutsche, englische oder Pflanzennamen in anderen Sprachen angeführt.
2 Turi būti rasaskrēsliņi (LAN 2003: 311).
3Der Klarheit halber sind die litauischen und lettischen Pflanzengattungsnamen sowie die Artbezeichnungen der beschriebenen Pflanzenarten gesperrt gesetzt.
Terminologija | 2009 | 16
95
im Anhang4. Lit. Pušis ist mit pruß. peuse verwandt (siehe Sabaliauskas 1990: 42). Nach Ansicht verschiedener Sprachwissenschaftler wird im Lettischen das Wort priede verwendet, dessen Herkunft recht unklar ist (Karulis 2001: 714);
K778 lat. Ulmus laevis – lit. Ulme – lett. parastā vīksna, vgl. russ. вяз, poln. wiąẑ (siehe Sabaliauskas 1990: 44; Karulis 2001: 1162);
L149 lat. Alnus – lit. Erle – lett. alksņi, vgl. russ. ольха, dt. Erle, poln. olcha, bulg. елха (siehe Sabaliauskas 1990: 38; Karulis 2001: 66);
M289 lat. Malus sylvestris – lit. Wildapfel – lett. mežābele (lett. mežs „Wald, Forst“ LIKŽ 412, ābele „Apfelbaum“ LLKŽ 16), vgl. russ. лесная яблоня. Ein Wort des alten indoeuropäischen Wortschatzes, vgl. poln. jabłoń, bulg. аблан (siehe Sabaliauskas 1990: 41; Karulis 2001: 53);
S007 lat. Fraxinus – lit. Esche – lett. oši, vgl. russ. ясень, dt. Esche f, engl. ash. Anders als in anderen indoeuropäischen Sprachen hat das baltische Wort seine Form nahezu unverändert bewahrt, vgl. poln. jasień, bulg. ясен (siehe Sabaliauskas 1990: 44; Karulis 2001: 636);
T277 lat. Padus avium, Prunus padus, Prunus racemosa – lit. Gewöhnliche Traubenkirsche – lett. parastā ieva, vgl. russ. ива, poln. iwa, bulg. ива (siehe Sabaliauskas 1990: 39; Karulis 2001: 338);
V002 lat. Acer – lit. Ahorn – lett. kļavas, vgl. russ. клён, poln. klon, bulg. клен (siehe Sabaliauskas 1990: 40; Karulis 2001: 408).
Einige Pflanzennamen, die mit dem alten indoeuropäischen Wortschatz verbunden sind, aber formal morphologisch zerlegt werden können, sollten ebenfalls erwähnt werden, zum Beispiel:
J013 lat. Chenopodium album – lit. Weißer Gänsefuß – lett. baltā balanda5, vgl. russ. белая марь, dt. weißer Gänsefuß m, engl. goosefoot. Laut A. Sabaliauskas ist dies eine Bezeichnung, die nur diesen beiden Sprachen eigen ist und mit lit. baltas, lett. balts „weiß“ zusammenhängt (Sabaliauskas 1990: 155; Karulis 2001: 99);
M406 lat. Vaccinium myrtillus – lit. Heidelbeere – lett. mellene. Verwandt mit lit. mėlas, mėlynas, lett. melns „schwarz“ (siehe Sabaliauskas 1990: 160; Karulis 2001: 580–581);
V019 lat. Rubus idaeus – lit. Himbeere – lett. meža avene, vgl. russ. обыкновенная малина, dt. Himbeere f, engl. raspberry. Der Name hängt mit lit. avis zusammen (Sabaliauskas 1990: 154; Karulis 93).
Einige Gemeinsamkeiten der Pflanzennamen im Wortschatz der baltischen und slawischen Sprachen (etwa 1% aller Gattungsnamen) finden sich auch im Wörterbuch EnDic 2004, zum Beispiel:
4 In den Fällen, in denen der litauische oder lettische Pflanzenname nicht zur untersuchten Aussage passt, wird „vgl.“ angegeben.
5 Siehe Edelman 1978.
96
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
K474 lat. Picea – lit. egle – lett. egle. Vgl. russ. ель, poln. jodła, bulg. ела, tschech. jedle (Sabaliauskas 1990: 120; Karulis 2001: 261);
K129 lat. Calluna vulgaris – lit. š blues – lett. parastais virsis. Vgl. russ. вереск, poln. wrzos, tschech. vřes (Sabaliauskas 1990: 122; Karulis 2001: 1174);
L112 lat. Tilia – lit. liepa – lett. liepa. Vgl. russ. луна, poln. lipa, bulg. луна (Sabaliauskas 1990: 121; Karulis 2001: 525–526);
P200 lat. Sorbus aucuparia – lit. paprastasis šermukšnis – lett. parastais pīlādzis. A. Sabaliauskas betrachtet den litauischen Pflanzennamen als eine baltisch-slawische lexikalische Gemeinsamkeit (siehe Sabaliauskas 1990: 121). Der lettische Pflanzenname pīlādzis ist ein Lehnwort aus dem Livischen pīlag (Karulis 2001: 682).
Im Wörterbuch finden sich gemeinsame Pflanzenbezeichnungen der litauischen und lettischen Sprache (etwa 4%), die nur für die baltischen Sprachen charakteristisch sind, z. B.:
H275 lat. Humulus lupulus – lit. paprastasis apynys – lett. parastais apinis, vgl. russ. обыкновенный хмель, dt. Hopfen m, engl. hop. Charakteristisch nur für das Litauische und Lettische (Sabaliauskas 1990: 154; Karulis 2001: 71);
J085 lat. Phragmites communis, Phragmites australis – lit. paprastoji nendrė – lett. parastā niedre, vgl. russ. обыкновенный тростник, dt. gemeines Schilfrohr n, engl. common reed. Es wird versucht, lit. nendrė und lett. niedre mit Sanskrit nadāh in Verbindung zu bringen, doch diese Verbindung ist sehr zweifelhaft (Sabaliauskas 1990: 157; Karulis 2001: 626);
M442 lat. Trifolium montanum – lit. kalninis dobilas – lett. kalnu āboliņš, vgl. russ. горный клевер, dt. Bergklee m, engl. mountain clover. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Bezeichnung, die nur für die baltischen Sprachen charakteristisch ist (Sabaliauskas 1990: 155; Karulis 2001: 54);
P529 lat. Vaccinium vitis-idaea – lit. bruknė – lett. brūklene, vgl. russ. брусника, dt. Preiselbeere f, engl. cowberry, lingonberry. A. Sabaliauskas bringt diese Bezeichnung mit lit. braukti und lett. braukt in Verbindung (siehe Sabaliauskas 1990: 155), während K. Karulis der Ansicht ist, dass das genannte Wort mit den slawischen Sprachen zusammenhängt; vgl. russ. брусника, ukrain. брусниця, bulg. брусница (siehe Karulis 2001: 147–148);
T031 lat. Quercus robur – lit. paprastasis ąžuolas – lett. parastais ozols, vgl. russ. обыкновенный (черешчатый) дуб, dt. Stieleiche f, engl. common oak. Dies sind Pflanzennamen unklarer Herkunft, die nur für die baltischen Sprachen charakteristisch sind (siehe Sabaliauskas 1990: 155; Karulis 2001: 638);
T202 lat. Salix cinerea – lit. pilkasis karklas – lett. pelēkais kārklas, vgl. russ. пепельная ива, dt. Grauweide f, engl. grey willow. In den anderen indogermanischen Sprachen hat das Wort keine Entsprechungen (Sabaliauskas 1990: 156);
Terminologija | 2009 | 16 97
V067 lat. Carpinus betulus – lit. Hainbuche – lett. Hainbuche, vgl. russ. gewöhnliche Hainbuche, dt. Weißbuche f, engl. hornbeam, white beech. Solche Pflanzennamen werden einer nur den baltischen Sprachen eigenen lexikalischen Schicht zugeordnet (siehe Sabaliauskas 1990: 158), lassen sich jedoch auch mit dem alten indoeuropäischen Wortschatz in Verbindung bringen (siehe Karulis 2001: 824);
V449 lat. Aegopodium podagraria – lit. Giersch – lett. podagras gārsa, vgl. russ. обыкновенная сныть, dt. Geißfuß m, engl. ground elder, [common] goatweed. Dies sind Gemeinsamkeiten der baltischen Sprachen (Karulis 2001: 290–291).
Einen kleinen Teil der Pflanzengattungsnamen im Litauischen und Lettischen im untersuchten Wörterbuch EnDic2004 bildet entlehntes Wortgut. Entlehnungen werden üblicherweise in alte und neue Entlehnungen unterteilt. Die alten Entlehnungen (etwa 3% aller Gattungsnamen) stammen aus dem Finnischen (a), den slawischen (b) und den germanischen Sprachen (c), zum Beispiel:
a) K240 lat. Juniperus – lit. Wacholder – lett. kadiki. Die Wörter in beiden Sprachen lassen sich als Entlehnungen aus den finnischen Sprachen ansehen (Sabaliauskas 1990: 226; Karulis 2001: 366);
K600 lat. Equisetum – lit. Schachtelhalm – lett. kosas. Viele Finnougristen halten lit. asiūklį für finnischer Herkunft (Sabaliauskas 1990: 226); lett. kosas könnte ein lettisches Wort sein (Karulis 2001: 415);
b) H213 lat. Dianthus arenarius – lit. Sand-Nelke – lett. smiltāju neļķe. In den slawischen Sprachen wurde die Bezeichnung gvazdikas nach der deutschen Blumenbezeichnung gebildet, vgl. mhd. Näglein „Nelke“: Nagel – russ. гвоздика: russ. гвоздь „Nagel“ (Sabaliauskas 1990: 239). Lett. neļķe ist wahrscheinlich ein Germanismus, vgl. dt. Nelke f;
J165 lat. Heracleum – lit. barštis, vgl. lett. latvīnis, russ. борщевик. Der litauische Pflanzengattungsname ist ein Wort slawischer Herkunft (siehe Sabaliauskas 1990: 237), der lettische Pflanzenname ist eine Ableitung;
K106 lat. Acorus calamus – lit. Kalmus – lett. smaržīga kalme. Lit. ajeras gilt als Slawismus im Litauischen, vgl. poln. ajer, weißruss. азавок, poln. gwoździk (siehe Sabaliauskas 1990: 237). Lett. kalme ist eine Entlehnung aus dt. Kalmus m (Karulis 2001: 371);
K697 lat. Carum carvi – lit. Kümmel – lett. parastā ķimene, vgl. russ. обыкновенный тмин, dt. Kümmel m. Der litauische Pflanzengattungsname ist ein Slawismus. Die Bezeichnung kmynas gelangte in die slawischen Sprachen aus dem Deutschen und Griechischen, möglicherweise sogar aus dem Lateinischen (siehe Sabaliauskas 1990: 239–240). Der lettische Pflanzenname stammt aus dem Deutschen (Karulis 2001: 473);
V279 lat. Mentha aquatica – lit. Wasserminze – lett. ūdens mētra, vgl. russ. водная мята. Der litauische und lettische Pflanzengattungsname stammt aus den slawischen Sprachen (siehe Sabaliauskas 1990: 241, Karulis 2001: 585);
98
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
c) H217 lat. Papaver dubium – lit. dirvinė aguona – lett. lauku magone, vgl. dt. Hügelmohn m, russ. сомнительный мак. Die Pflanzengattungsnamen beider Sprachen sind aus germanischen Sprachen entlehnt (Sabaliauskas 1990: 261, Karulis 2001: 557);
H230 lat. Vicia sepium – lit. patvorinis vikis – lett. žogu vīķis, vgl. dt. Zaunwicke f, russ. заборный горошек. Der Gattungsname ist in beiden Sprachen aus dem Deutschen entlehnt (siehe Sabaliauskas 1990: 262, Karulis 2001: 1163).
Im Wörterbuch EnDic2004 sind die neuen Entlehnungen, d. h. die Pflanzengattungsnamen im Litauischen und Lettischen, aus der lateinischen Nomenklatur übernommen; im Litauischen machen sie etwa 6% (a), im Lettischen fast 12% aller Gattungsnamen aus (b), z. B.:
a) L135 lat. Polemonium caeruleum – lit. mėlynasis palemonas, vgl. lett. zilā kāpnīte, russ. голубая синюха, franz. polémoine f bleue;
N102 lat. Lobelia dortmanna – lit. ežerinė lobelija – lett. ūdeņu lobēlija, vgl. russ. лобелия Дортмана, dt. Wasserlobelie, engl. water lobelia;
R268 lat. Ramalina – lit. ramalina – lett. ramalīnas, vgl. russ. рамалина;
V098 lat. Linnaea borealis – lit. šiaurinė linėja – lett. ziemeļu linneja, vgl. russ. северная линнея;
b) H240 lat. Cetraria – lett. cetrārijas, vgl. lit. kerpėna, russ. цетрария, engl. cetraria lichen;
I135 lat. Spirodela polyrrhiza – lett. parastā spirodela, vgl. lit. daugiašaknė maurė, russ. обыкновенный многокоренник;
K195 lat. Parmelia – lett. parmēlijas, vgl. lit. keržas, russ. пармелия;
K305 lat. Xanthoria – lett. ksantorijas, vgl. lit. geltonkerpė, russ. ксантория;
K404 lat. Lobaria – lett. lobārijas, vgl. lit. platužė, russ. лобария;
L170 lat. Scheuchzeria palustris – lett. purva šeihcērija, vgl. lit. pelkinė liūnsargė, russ. болотная шейхцерия;
L420 lat. Bryoria – lett. briorijas, vgl. lit. laumagaurė;
P055 lat. Hypogymnia – lett. hipogimnijas, vgl. lit. plunkėžis, russ. гипогимния, dt. Hypogymnia;
R023 lat. Sphagnum – lett. sfagni, vgl. lit. kiminas, russ. торфяной мох, сфагнум, engl. sphagnum moss;
T183 lat. Cladonia – lett. kladonijas, vgl. lit. šiurė.
Ableitungen. Der bedeutende litauische Terminologe Kazimieras Gaivenis hat in seinem Artikel Lietuvos augalų genčių ir rūšių pavadinimai (siehe Gaivenis 1985) 724 litauische Pflanzengattungsnamen und 2153 Pflanzenartennamen untersucht, au-
Terminologija | 2009 | 16
99
teiktus šešiuose Lietuvos TSR floros (1959–1980) tomuose. Pasak jo, apie 69% lietuviškų genčių vardų turi darybinių požymių. EnDic2004 žodyne lietuviškų darinių rasta 83%, o latviškų⁶ – 77%.
In der botanischen Nomenklatur überwiegen wie auch in der Terminologie anderer Wissenschaften durch Suffixe gebildete Wörter⁷ – im Litauischen etwa 42%, im Lettischen etwa 32%. Pflanzennamen in beiden baltischen Sprachen sind überwiegend Ableitungen mit den Suffixen lit. -enis, -enė (a) beziehungsweise lett. -enis, -ene (b), z. B.:
a) K307 lat. Lotus corniculatus – lit. paprastasis gargždenis, vgl. lett. raganais vainagndziņš:
L336 lat. Cardamine pratensis – lit. pievinė kartენė, vgl. lett. pļavas ķērsa;
M377 lat. Hedera helix – lit. paprastoji gebenė, vgl. lett. parastā efeja, Baltijas efeja;
N004 lat. Usnea – lit. kedenė, vgl. lett. usnejas:
S189 lat. Loiseleuria procumbens – lit. šliaužiantysis bruknenis, vgl. lett. guloša lozēlerija;
S292 lat. Sium latifolium – lit. plačialapė drėgmenė, vgl. lett. platlapu cemere;
b) M272 lat. Geranium sylvaticum – lett. meža gandrene, vgl. lit. miškinis snaputis;
M385 lat. Ribes nigrum – lett. melnā upene, vgl. lit. juodasis serbentas;
N104 lat. Centaurea phrygia – lett. bārkšu dzelzene, vgl. lit. juodagalvė bajorė;
P140 lat. Convolvulus arvensis – lett. tīruma tītenis, vgl. lit. dirvinis vijoklis;
R271 lat. Knautia arvensis – lett. tīruma pēterene, vgl. lit. dirvinė buožainė;
U011 lat. Potamogeton natans – lett. peldošā glīvene, vgl. lit. plūduriuojančioji plūdė.
Zu den produktiven Suffixen zählen die Diminutivsuffixe lit. -ytė, -utis, -utė sowie -ėlis, -ėlė (a) und lett. -ītis, -īte sowie -iņš, -iņa (b), z. B.:
a) -ytė: P139 lat. Barbarea vulgaris – lit. paprastoji barborytė, vgl. lett. parastā zvērene;
6Bei der Untersuchung der Wortbildung lettischer Pflanzennamen wurde Inese Ēdelmanes’ (Inesė Ēdelmane) Artikel Augu nosaukumu darināšanas veidi latviešu valodā (1978) herangezogen.
7 Der Terminologe Stasys Keinys hat die Wortbildung litauischer Termini eingehend erforscht und darüber geschrieben. Seiner Ansicht nach sind die meisten in der Terminologie verwendeten abgeleiteten Substantive mit Suffixen gebildet (Keinys 2005: 21).
100
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
T275 lat. Anthoxanthum odoratum – lit. kvapioji gardūnytė, vgl. lett. parastā smaržzāle;
I132 lat. Rhinanthus angustifolius, Rhinanthus serotinus – lit. didysis barškutis, vgl. lett. lielais zvagulis;
K119 lat. Matricaria recutita – lit. vaistinė ramunėlė, ramunėlis, vgl. lett. ārstniecības kumelīte;
K396 lat. Cerastium arvense – lit. dirvinė glažutė, vgl. lett. tīruma radzene;
M444 lat. Origanum vulgare – lit. paprastasis raudonėlis, vgl. lett. parastā raudene;
O067 lat. Maianthemum bifolium – lit. dvilapė medutė, vgl. lett. divlapu žagatiņa;
P152 lat. Thlaspi arvense – lit. dirvinė čiužutė, vgl. lett. tīruma naudulis;
U019 lat. Campanula latifolia – lit. plačialapis katilėlis, vgl. lett. platlapu pulkstenīte;
b) J076 lat. Trifolium arvense – lett. matainais āboliņš, vgl. lit. dirvinis dobilas;
K308 lat. Sedum acre – lett. kodīgais laimiņš, vgl. lit. aitrusis šilokas;
K402 lat. Viola tricolor – lett. trejkrāsu atraitnīte, vgl. lit. trispalvė našlaitė;
M212 lat. Lathyrus maritimus – lett. jūrmalas dedestiņa, vgl. lit. pajūrinis pelėžirnis;
N018 lat. Echium vulgare – lett. parastais daglītis, vgl. paprastasis ežeinis;
P593 lat. Corydalis solida – lett. Hallera cīrulītis, vgl. lit. paprastasis rūtenis;
V063 lat. Melilotus albus – lett. baltais amoliņš, vgl. lit. baltaziedis barkūnas.
Im Wörterbuch EnDic2004 finden sich weniger weitere Ableitungen mit litauischen (a) und lettischen (b) Suffixen, zum Beispiel:
a) -ėinis: R047 lat. Fucus vesiculosus – lit. pūslėtasis guveinis, vgl. lett. pūšļu fuks;
V042 lat. Chamaedaphne calyculata – lit. durpyninis bereinis, vgl. lett. ārkausa kasandra;
-ynas: N046 lat. Ranunculus acris (acer) – lit. aitrusis vėdrynas, vgl. lett. kodīgā gundega;
Terminologija | 2009 | 16 101
P622 lat. Corylus avellana – lit. paprastasis lazdynas, vgl. lett. parastā lazda;
-ingė: S327 lat. Lysimachia nummularia – lit. šliau žiančioji šilingė, vgl. lett. pļavas zelt ene;
T282 lat. Trichophorum cespitosum – lit. kupstinė būlingė, vgl. lett. ciņu mazmeldrs;
-ūnė: R008 lat. Littorella uniflora, Plantago uniflora – lit. ežerinė kraštūnė, vgl. lett. vienzieda krastene;
-uonė: V262 lat. Hippuris vulgaris – lit. paprastoji uodeguonė, vgl. lett. parastā skujene;
b) -ainė: L182 lat. Rhytidiadelphus – lett. spuraines, vgl. lit. kerėža;
S422 lat. Senecio paludosus – lett. krasmalas krustaine, vgl. lit. aukštojižilė;
-elė: K142 lat. Linaria vulgaris – lett. parastā vīrcele, vgl. lit. paprastoji linažolė;
R252 lat. Berberis vulgaris – lett. parastā bārbele, vgl. lit. paprastasis raugerškis;
-ulis: A235 lat. Anemone sylvestris – lett. meža virbulis, vgl. lit. lieknoji plukė.
Hervorzuheben ist, dass lettische Pflanzengattungsnamen häufig mit zwei Suffixen gebildet werden: -en- + -ītė oder -el + -ītė (Diminutivsuffix), z. B.:
Y140 lat. Goodyera repens – lett. ložņu saulenīte, vgl. lit. šliaužiančioji sidabriukė;
K252 lat. Polygala amarella – lett. rūgtā zīpenīte, vgl. lit. karčioji putokšlė;
K397 lat. Gentianella campestris – lett. lauka drudzenīte, vgl. lit. ganyklinė gencijonėlė;
R149 lat. Sagina procumbens – lett. gulošā gaurenīte, vgl. lit. gulsčioji žemenė;
-el + -ītė: K401 lat. Dianthus deltoides – lett. dzirkstelīte, vgl. lit. ѕ̌илинис gvazdikas;
M192 lat. Aster tripolium, Tripolium vulgare – lett. jūrmalas miķelīte, vgl. lit. trispalvis astras;
P197 lat. Matricaria discoidea – lett. maura kumelīte, vgl. lit. bev ainikė ramunė.
Die zusammengesetzten litauischen Pflanzengattungsnamen, die in der Flora der Litauischen SSR aufgeführt sind, stehen hinsichtlich ihrer Häufigkeit (etwa 33% aller Bildungen) nur den Suffixableitungen nach (Gaivenis 1985: 167). Die Tendenz zur Bildung von Komposita ist auch für die lettische Sprache charakteristisch
102
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
augalų vardams (Ėdelmane 1968: 105). Tai matyti ir iš EnDic2004 žodyne pateiktų sudurtinių augalų genčių vardų: lietuviškų rasta 29%, latviškų gerokai daugiau – 37% visų genčių vardų, pvz.:
I151 lat. Arctium lappa – lit. Große Klette – lett. lielais diždadzis (lett. dižs „groß, stattlich“ LLKŽ 161, dadızis „Klette“ LLKŽ 142);
K394 lat. Potentilla anserina – lit. Gänse-Fingerkraut, vgl. lett. maura retejs (lett. retēt „sich lichten“ LLKŽ 605);
K406 lat. Primula veris – lit. Frühlings-Schlüsselblume – lett. gailbiksīte (lett. gailis „Hahn“ LLKŽ 204, biksītes „Höschen“ LLKŽ 116);
K782 lat. Oxalis acetosella – lit. Wald-Sauerklee – lett. meža zaķskābene (lett. zaķis „Hase“ LLKŽ 787, skābene „Sauerampfer“ LLKŽ 667), vgl. russ. обыкновенная кислица, заячья капуста;
K594 lat. Scirpus sylvaticus – lit. Wald-Simse, vgl. lett. meža meldrs (lett. meldrs „Binse“ LLKŽ 407);
K765 lat. Pulsatilla patens, Anemone patens – lit. Wiesen-Kuhschelle – lett. meža silpurene (lett. sils „Kiefernwald“ LLKŽ 664, purene „Kuhblume“ LLKŽ 590);
M262 lat. Gymnocarpium dryopteris – lit. Dreieckiger Eichenfarn – lett. ozolu kailpaparde (lett. ozols „Eiche“ LLKŽ 489, kails „nackt“ LLKŽ 315, paparde „Farn“ LLKŽ 506);
P094 lat. Saxifraga granulata – lit. Knöllchen-Steinbrech – lett. pļavas akmeņlauzīte (lett. akmens „Stein“ LLKŽ 35, lauzt „brechen“ LLKŽ 374);
P231 lat. Gagea minima – lit. Kleiner Gelbstern – lett. mazā zeltstarīte (lett. zelts „Gold“ LLKŽ 789, starot „strahlen; leuchten“ LLKŽ 690);
P508 lat. Solanum dulcamara – lit. Bittersüßer Nachtschatten – lett. bebrukārkliņš (lett. bebrs „Biber“ LLKŽ 108, kārkls „Weide“ LLKŽ 323);
V377 lat. Euphorbia helioscopia – lit. Sonnen-Wolfsmilch – lett. saules dievkrēsliņš (lett. Dievs „Gott“ LLKŽ 163, krēsls „Stuhl, Sessel“ LLKŽ 352);
K722 lat. Comarum palustre, Potentilla palustris – lett. purva vārnkāja (lett. vārna „Krähe“ LLKŽ 762, kāja „Fuß“ LLKŽ 316), vgl. lit. pelkinis šudras;
M221 lat. Ranunculus baudotii – lett. jūras ūdensgundega (lett. ūdens „Wasser“ LLKŽ 737, gundega „Hahnenfuß“ LLKŽ 225), vgl. lit. jūrinis vėdrynas;
V212 lat. Calla palustris – lett. purva cūkausis (lett. cūka „Schwein“ LLKŽ 143, auss „Ohr“ LLKŽ 97), vgl. lit. pelkinis žinginys;
Terminologija | 2009 | 16
103
V300 lat. Trapa natans – lett. plūduriuojantis agaras, vgl. lett. ezers „See“ LLKŽ 196, rieksts „Nuss“ LLKŽ 607), vgl. lett. plūduriuojantis agaras.
Suffixableitungen zur Benennung litauischer (a) und lettischer (b) Pflanzengattungen kommen selten vor, sind jedoch verbreiteter als Präfixableitungen (c, d), z. B.:
a) -a: N099 lat. Orthilia secunda – lett. vienašalė užgina, vgl. lit. laimes palēcīte;
-ē: K470 lat. Galeopsis speciosa – lett. geltonžiedė aklė, vgl. lit. raibais aklis;
L334 lat. Pedicularis palustris – lett. pelkinė glindė, vgl. lit. purva jāreglīte;
P154 lat. Senecio vulgaris – lett. paprastoji žilė, vgl. lit. parastā krustaine;
R214 lat. Symphytum officinale – lett. vaistinė taukė, vgl. lit. ārstniecības tauksakne;
-is: E149 lat. Petasites hybridus – lett. plačialapis šaukštis, vgl. lit. bastarda tūsklape;
K400 lat. Artemisia campestris – lett. dirvoninis kietis, vgl. lit. lauka vībotne;
S405 lat. Ledum palustre – lett. pelkinis gailis, vgl. lit. purva vaivariņš;
b) -a: J013 lat. Chenopodium album – lett. baltā balanda, vgl. lit. baltoji balanda;
-e: H003 lat. Populus tremula – lett. parastā apse, vgl. lit. drebulė, epušė;
-is: K158 lat. Galeopsis tetrahit – lett. parastais aklis, vgl. lit. dirvinė aklė;
c) Litauische Präfixableitungen:
R165 lat. Lycopodium annotinum – lett. miškinis pataisas, vgl. lit. gada staipēknis;
T107 lat. Lysimachia thyrsiflora – lett. puokštinė poraitė, vgl. lit. dzeltēna ķekarzeltene;
d) lettische Ableitungen mit Präfixen:
S398 lat. Lathraea squamaria – lett. sārtā bezlape, vgl. lit. gegužinė žvynšaknė;
V066 lat. Lamium album – lett. baltā panātre, vgl. lit. baltažiedė notrelė.
Im Wörterbuch EnDic2004 sind die Namen der Pflanzengattungen überwiegend mit folgenden
104
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
Suffixen gebildet: lit. -enis, -ene, entsprechend lett. -enis, -ene, sowie lit. -ytis, -ytė und lett. -ītis, -īte; es wurde jedoch festgestellt, dass das wichtigste Verfahren der Wortbildung von Pflanzennamen im Lettischen nicht die Suffigierung, sondern die Komposition ist.
PFLANZENARTENNAMEN IM LITAUISCHEN UND LETTISCHEN
Wie der Internationale Code der botanischen Nomenklatur vorschreibt, werden Pflanzenarten mit zwei lateinischen Wörtern bezeichnet. Diese binären Bildungen bestehen aus dem Gattungsnamen und einem Art-Epitheton (Genelytė 2001: 134). Die Struktur der litauischen und lettischen Pflanzennamen unterscheidet sich von der lateinischen: Das Hauptglied (das zweite) bezeichnet die Gattung, das Nebenglied (das erste) die Art (vgl. Gaivenis 1985: 174).
In beiden Sprachen gibt es mehrere Ausdrucksweisen für Pflanzennamen auf Artebene. Im Litauischen werden ein Adjektiv mit dem Suffix -inis, ein bestimmtes oder zusammengesetztes Adjektiv sowie der Genitiv eines Substantivs verwendet, wenn artbezogene Personenname-Glieder vorliegen. Im Lettischen werden Artglieder durch den Genitiv eines Substantivs, das häufig auch zusammengesetzt ist, oder durch bestimmte Adjektive ausgedrückt.
Im Litauischen wird das Artglied eines Pflanzennamens häufig durch ein Adjektiv mit dem Suffix -inis ausgedrückt – in 38% der Fälle, z. B.:
H123 lat. Campanula patula – lit. pievinis katilėlis, vgl. lett. pļavas pulkstenīte (lett. pļava „Wiese“ LLKŽ 574);
K192 lat. Fragaria viridis – lit. šlaitinė žemuogė, vgl. lett. spradzenė;
M368 lat. Ranunculus ficaria, Ficaria verna – lit. pavasarinis švitriešis, vgl. lett. pavasara mazpurenīte („Frühlings-“ LLKŽ 536);
P146 lat. Viola arvensis – lit. dirvinė našlaitė, vgl. lett. tīruma atraitnīte (lett. tīrums „Acker, Feld“ LLKŽ 726);
R102 lat. Alisma plantago-aquatica – lit. gyslotinis dumblialaiškis, vgl. lett. parastā cirvene („gewöhnlich“ LLKŽ 511);
S401 lat. Myrica gale – lit. pajūrinis sotvaras, vgl. lett. parastā purvmirte, balzamkārkls („gewöhnlich“ LLKŽ 511).
In der botanischen Nomenklatur des Litauischen und Lettischen wird ein großer Teil der Artglieder durch bestimmte Adjektive ausgedrückt – in 38% bzw. 43% der Fälle, z. B.:
K689 lat. Solidago virgaurea – lit. Gewöhnliche Goldrute – lett. dzeltenā zeltgalvīte („gelbe“ LLKŽ 181);
L132 lat. Viola mirabilis – lit. prächtiges Veilchen – lett. brīnumainā vizbulīte („wunderbares“ LLKŽ 124);
P236 lat. Lemna minor – lit. Kleine Wasserlinse – lett. mazais ūdenszieds („kleine“ LLKŽ 404);
Terminologija | 2009 | 16
105
T284 lat. Polygala comosa – lit. Schopfiges Kreuzblümchen – lett. cekulainā ziepenīte (lett. cekulains „mit einem Schopf versehen“ LLKŽ 132);
U034 lat. Nuphar lutea – lit. Gelbe Teichrose – lett. dzeltenā lēpe („gelbe“ LLKŽ 180).
Fast 24% der litauischen Pflanzenartnamen enthalten zusammengesetzte Adjektive als spezifische Bestandteile, z. B.:
H294 lat. Hieracium pilosella, Pilosella officinarum – lit. Einblütiges Habichtskraut; vgl. lett. matainā pamauraga (lett. matains, -a „behaart“ LLKŽ 401);
H295 lat. Cirsium heterophyllum – lit. Verschiedenblättrige Kratzdistel – lett. dažādla-pu dadzis (lett. dažāds, -a „verschieden“ LLKŽ 180, lapa „Blatt“ LLKŽ 371);
P198 lat. Polygonum aviculare – lit. Ungleichblättriger Knöterich – lett. dažādla-pu sūrene (lett. dažāds, -a „verschieden“ LLKŽ 180, lapa „Blatt“ LLKŽ 371);
R177 lat. Impatiens parviflora – lit. Kleinblütiges Springkraut – lett. sīkziedu sprigane („kleinblütig“ LLKŽ 664);
S511 lat. Hypericum maculatum – lit. Vierkantiges Johanniskraut – lett. četr-škaustņu asinszāle („vierkantig“ LLKŽ 146);
T337 lat. Rumex obtusifolius – lit. Stumpfblättriger Ampfer – lett. struplapu skābene (vgl. lett. strups, -a „stumpf, kurz, abgeschnitten“ LLKŽ 695; lapa „Blatt“ LLKŽ 371).
38% der lettischen Pflanzenartnamen haben ein Substantiv im Genitiv als Bestimmungswort (a), 19% davon sind zusammengesetzte Substantive (b), z. B.:
a) A177 lat. Pinus mugo – lett. kalnu priede („der Berge“ LLKŽ 318), vgl. lit. Bergkiefer;
H209 lat. Betula pubescens – lett. purva bērzs („des Moors“ LLKŽ 591), vgl. lit. Haarbirke;
J164 lat. Impatiens glandulifera – lett. puķu sprigane, milzu sprigane („der Blumen“, „der Riesen“ LLKŽ 588; 416), vgl. lit. Drüsiges Springkraut;
L051 lat. Festuca ovina – lett. aitu auzene („Schafs-“ LLKŽ 20), vgl. lit. avinis eraicinas;
M259 lat. Trifolium medium – lett. zirgu āboliņš („Pferde-“ LLKŽ 795), vgl. lit. šilinis dobilas;
b) I146 lat. Centaurium littorale – lett. jūrmalas augstiņš („Küsten-“ LLKŽ 312), vgl. lit. pajūrinė širdažolė;
L123 lat. Moehringia trinervia – lett. trejdzīslu mēringija (lett. trīs „drei“ LLKŽ 731, dzīsla „Ader“ LLKŽ 185) – lit. trigyslė smiltgraibė;
S248 lat. Medicago falcata – lett. sirpjveida lucerna („sichelförmig“ LLKŽ 666), vgl. lit. geltonžiedė liucerna;
106
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
S276 lat. Orchis militaris – lett. bruncepuru dzegužpuķe (lett. bruncepure „Helm“ LLKŽ 126), vgl. lit. šalmuotoji gegužraibė.
Im Wörterbuch EnDic2004 gibt es Fälle, in denen die Pflanzennamen der Arten in den beiden im Artikel behandelten baltischen Sprachen aus einem einzigen Wort bestehen. Diese traditionellen, seit Langem gebräuchlichen Pflanzennamen sind als Ausnahmen anzusehen (Gudžinskas, Rašomavičius 2004: 3; Stalažs 2004: 22), z. B.:
H061 lat. Salix pentandra – lett. šķetra, vgl. lit. virbinis gluosnis;
I070 lat. Cerasus avium, Prunus avium – lit. trešnė, vgl. lett. saldais ķirsis;
J052 lat. Vaccinium uliginosum – lit. vaivoras – lett. zilene;
K160 lat. Allium ursinum – lett. lāksis, vgl. lit. meškinis česnakas;
K586 lat. Salix viminalis – lit. žilvitis, vgl. lett. klūdziņu kārkls;
L045 lat. Rubus chamaemorus – lit. tekšė – lett. lāčene;
M126 lat. Artemisia absinthium – lit. kartusis kietis, pelynas – lett. vērmеле;
R028 lat. Salix caprea – lit. blindė – lett. pūpolvītols, blīgzna;
S241 lat. Rubus caesius – lett. kazene, vgl. lit. paprastoji gervuogė.
Unter den litauischen Pflanzennamen für Arten fanden sich Bezeichnungen mit Apposition, deren Artbestandteil im Nominativ eines Substantivs steht, z. B.:
J012 lat. Primula farinosa – lit. raktažolė pelenėlė, vgl. lett. bezdelīg-actiņa (lett. bezdelīga „Schwalbe“ LLKŽ 112, actiņa „Äuglein“ LLKŽ 17);
K574 lat. Polygonum bistorta – lit. rūgtis gyvatžolė, vgl. lett. zaļkšu sūrene („der Schlangen“ LLKŽ 788);
M445 lat. Lychnis viscaria, Viscaria vulgaris – lit. gaisrena smaliukė, vgl. lett. parastā sveķene („gewöhnliche“ LLKŽ 511).
Die Pflanzennamen für Arten im Litauischen und Lettischen bezeichnen:
1) ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal der Pflanze, eine anatomische oder morphologische Eigenschaft.
Der Artbestandteil eines litauischen Pflanzennamens kann durch ein Adjektiv mit dem Suffix -inis (a), ein bestimmtes Adjektiv (b) oder ein zusammengesetztes Adjektiv (c) ausgedrückt werden. Lettische Pflanzennamen für Arten werden entsprechend durch ein bestimmtes Adjektiv (d) oder den Genitiv eines Substantivs (e) ausgedrückt, der zusammengesetzt sein kann (f), z. B.:
a) K166 lat. Rosa acicularis – lit. adatinis erškėtis, vgl. lett. adataiņā roze („stachlige, nadelartige“ LLKŽ 18), russ. иглистая роза, dt. Nadelrose, engl. prickly rose;
S102 lat. Hieracium umbellatum – lit. skėtinė vanagė, vgl. lett. čemuru mauraga (lett. čemurs „Dolde; Blütenstand, Schirm“ LLKŽ 145), russ. зонтичная ястребинка;
Terminologija | 2009 | 16 107
b) L337 lat. Carex vesicaria – lit. Blasen-Segge, vgl. lett. pūslīšu grīslis („Bläschen“, LLKŽ 592), russ. пузырчатая осока;
T355 lat. Veronica spicata – lit. Ähriger Ehrenpreis, vgl. lett. vārpu veronika („Ähre“, LLKŽ 762), russ. колосистая вероника;
V401 lat. Salix aurita – lit. Ohr-Weide – lett. ausainais kārkls (lett. ausains „ohrig“, LLKŽ 97), vgl. russ. ивистая ива, dt. Ohrweide, engl. eared willow;
c) J089 lat. Ranunculus peltatus – lit. Schild-Wasserhahnenfuß – lett. trejlapiu ūdensgundega (vgl. lett. trīs „drei“; lapa „Blatt“, LLKŽ 731; 371), vgl. dt. Schild-Wasserhahnenfuß;
K476 lat. Campanula rotundifolia – lit. Rundblättrige Glockenblume – lett. apaļlapu pulkstenīte (lett. apaļš „rund“, LLKŽ 42, lapa „Blatt“, LLKŽ 371), vgl. russ. круглолистный колокольчик, dt. rundblättrige Glockenblume;
L163 lat. Typha latifolia – lit. Breitblättriger Rohrkolben – lett. platlapu vilkvālīte („breitblättrig“, LLKŽ 569), vgl. russ. широколистный рогоз, dt. breitblättriger Rohrkolben;
T356 lat. Moneses uniflora, Pyrola uniflora – lit. Einblütiges Wintergrün – lett. vienzieda sūnactina (lett. viens „eins“, zieds „Blüte“, LLKŽ 777; 792), vgl. russ. одноцветковая одноцветка, dt. einblütiges Wintergrün, Moosauge;
d) E160 lat. Betula humilis – lett. zemais bērzs (lett. zems, -a „niedrig“, LLKŽ 721), vgl. lit. Liekninis-Berke, russ. низкая берёза;
E161 lat. Fagus sylvatica – lett. parastais dižskābardis („gewöhnlich“, LLKŽ 471), vgl. lit. Gewöhnliche Buche, engl. common beech;
e) H257 lat. Potentilla argentea – lett. sudraba retējs („silbern“, LLKŽ 639), vgl. lit. Echte Silber-Fingerkraut, russ. серебристая лапчатка, dt. Silber-Fingerkraut, engl. silvery cinquefoil;
H276 lat. Cuscuta europaea – lett. Eiropas vija (lett. Eiropa „Europa“, LLKŽ 736), vgl. lit. parazitischer Flachsseide, russ. европейская повилика;
f) M108 lat. Epilobium angustifolium, Chamaenerion angustifolium – lett. schmalblättriges Weidenröschen („schmalblättrig“, LLKŽ 704) – lit. Schmalblättriges Weidenröschen, vgl. russ. хаменериум узколистный, dt. schmalblättriges Weidenröschen;
T259 lat. Bidens tripartita – lett. trejdaiļu sunītis (lett. trīs „drei“, daiva „Abschnitt“, LLKŽ 731, 149) – lit. Dreiteiliger Zweizahn, vgl. russ. трёхраздельная череда, dt. dreiteiliger Zweizahn;
108
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
2) die Farbe oder Größe der Pflanze – das litauische Artwort wird gewöhnlich durch ein zusammengesetztes oder adjektivisches Bestimmungswort ausgedrückt, das lettische durch den Genitiv eines zusammengesetzten Substantivs oder ein adjektivisches Bestimmungswort, z. B.:
I144 lat. Prunella grandiflora – lit. didžiažiedė juodagalvė – lett. lielziedu brūngalvīte, lielā brūngalvīte (lett. liels „groß“ LLKŽ 381, zieds „Blüte“ LLKŽ 792), vgl. russ. крупноцветковая черноголовка;
K408 lat. Ranunculus auricomus – lit. auksakuodis vedrynas – lett. zeltaīnā gundega („golden, goldfarben“ LLKŽ 789), vgl. russ. золотистый лютик, dt. Gold[schopf]-Hahnenfuß;
L419 lat. Sesleria caerulea – lit. melsvasis mėlikas – lett. zilganā seslērija („bläulich“ LLKŽ 793), vgl. russ. голубая seslerija;
M383 lat. Trifolium spadiceum – lit. rusvasis dobilas – lett. brūnais āboliņš („braun“ LLKŽ 126), vgl. dt. brauner Moorklee;
P233 lat. Rhinanthus minor – lit. mažasis barškutis – lett. mazais zvagulis („klein“ LLKŽ 404), vgl. russ. малый погремок, dt. kleiner Klappertopf;
P502 lat. Ribes rubrum – lit. raudonasis serbentas, paprastasis serbentas – lett. sarkanā jāņoga („rot“ LLKŽ 641), vgl. russ. красная смородина, dt. rote Johannisbeere, engl. red currant;
V117 lat. Empetrum nigrum – lit. juodoji varnauogė – lett. melnā vistene („schwarz“ LLKŽ 407), vgl. russ. чёрная водяника (вороника), dt. schwarze Krähenbeere;
3) den Herkunftsort der Pflanze – das litauische Artwort wird gewöhnlich durch ein Adjektiv mit dem Suffix -inis ausgedrückt, das lettische durch den Genitiv eines Substantivs, z. B.:
E146 lat. Arnica montana – lit. kalninė arnika – lett. kalnu arnika („Berg-“ LLKŽ 318), vgl. russ. горная арника;
L129 lat. Ranunculus cassubicus – lit. kašubinis vedrynas – lett. Kašūbijas gundega („Kaschuben“), vgl. dt. Kassuber-Hahnenfuß, russ. кашубский лютик;
M236 lat. Rubus arcticus – lit. šiaurinė katuogė – lett. ziemeļu kaulene („Sibirien“ LLKŽ 792), vgl. russ. арктическая костяника, dt. arktische Himbeere;
M297 lot. Trientalis europaea – latv. Eiropas septiņstarīte („Europos“ LLKŽ 811), plg. liet. miškinė septynikė, rus. европейский седмичник;
O076 lat. Rosa vosagiaca – lett. Vogēzu roze, vgl. lit. melsvalapis erškėtis, franz. rosier des Vosges;
P135 lat. Potentilla norvegica – lett. Norvēģijas retējs („Norwegen“
Terminologija | 2009 | 16
109
LLKŽ 816), vgl. lit. šiaurinė sidabražolė, russ. норвежская лапчатка, dt. norwegisches Fingerkrauti, engl. Norwegian cinquefoil;
P349 lat. Salix lapponum – lit. laplandinis karklas – lett. Lapzemes kārkls („Lapplands“ LLKŽ 814), vgl. russ. лапландская ива, dt. Lapplandweide, Lappländische Weide;
R240 lat. Chamaepericlymenum suecicum – lit. švedinė sedulaitė – lett. Zviedrijas pundurgrimonis („Schwedens“ LLKŽ 820), vgl. russ. шведский дёрен, dt. schwedische Hartriegel;
S245 lat. Larix sibirica – lit. sibīrinis maumedis – lett. Sibīrijas lapegle („Sibiriens“ LLKŽ 818), vgl. russ. сибирская лиственница, dt. sibirische Lärche, engl. Siberian larch;
U020 lat. Bunias orientalis – lit. rytinė engra – lett. austruma dižpērkone („des Ostens“ LLKŽ 98), vgl. russ. восточная свербига;
V073 lat. Pinguicula alpina – lit. alpinė tuklė – lett. Alpu kreimule („der Alpen“ LLKŽ 809), vgl. russ. альпийская жирянка, dt. Alpen-Fettkraut;
V309 lat. Elodea canadensis – lit. kanadinė elodėja – lett. Kanādas elodeja („Kanadas“ LLKŽ 813), vgl. russ. канадская элодея;
4) die Blütezeit – das litauische Art-Epitheton wird gewöhnlich durch ein Adjektiv mit dem Suffix -inis ausgedrückt, das lettische durch den Genitiv eines Substantivs, z. B.:
K138 lat. Pulsatilla vernalis – lit. pavasarinė šilagėlė – lett. pavasara silpurene („des Frühlings“ LLKŽ 536), vgl. russ. весенний прострел, dt. Frühlings-Küchenschelle;
M292 lat. Rosa majalis – lit. miškinis erškėtis – lett. maija roze („des Mai“ LLKŽ 393), vgl. russ. майская роза, коричная роза, dt. Mairose;
S484 lat. Leontodon autumnalis – lit. rudeninė snaudalė – lett. rudens vēlpiene („des Herbstes“ LLKŽ 611), vgl. russ. осенняя кульбаба, dt. Herbst-Löwenzahn, engl. autumn hawkbit;
5) den Entdecker oder Beschreiber der Art – in lettischen Pflanzennamen wird ein auf einen Personennamen zurückgehendes Art-Epitheton verwendet, das durch den Genitiv eines Substantivs ausgedrückt wird. In litauischen Artnamen wird ein auf einen Personennamen zurückgehendes, durch den Genitiv eines Substantivs ausgedrücktes Epitheton viel seltener verwendet; gewöhnlich wird die Art nach einem Merkmal benannt und durch ein Adjektiv ausgedrückt, z. B.:
K099 lat. Dactylorhiza fuchsii – lett. Fuksa dzegužpirksīte, vgl. lit. aukštoji gegūnė, russ. пальцекорник Фукса, dt. Fuchs-Fingerknabenkraut;
M290 lat. Viola riviniana – lit. Rivinijaus našlaitė – lett. Rivina vijolīte, vgl. russ. фиалка Ривинуса, dt. Rivinus-Veilchen;
110
Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
S393 lat. Juncus gerardii – lett. Žerāra donis, vgl. lit. druskinis vikšris, russ. ситник Жерара;
6) den Standort der Pflanze – in der litauischen Nomenklatur wird ein Adjektiv verwendet, in der lettischen der Genitiv eines Substantivs, z. B.:
I122 lat. Viola [canina] montana – lit. šialaininė našlaitė – lett. kalnu vijolīte („der Berge“ LLKŽ 318), vgl. russ. горная фиалка, dt. Berg-Hundsveilchen;
J081 lat. Schoenoplectus lacustris, Scirpus lacustris – lit. ežerinis meldas – lett. ezera lielmelds („des Sees“ LLKŽ 196), vgl. russ. озёрный камыш;
R150 lat. Caltha palustris – lit. pelkinė puriena – lett. purva purene („des Sumpfes, Moores“ LLKŽ 591), vgl. russ. болотная калужница;
7) die Beziehung zu anderen Arten – im Litauischen und Lettischen wird ein bestimmtes Adjektiv verwendet, z. B.:
K309 lat. Galium verum – lit. tikrasis lipikas – lett. īstā madara („die echte“ LLKŽ 269), vgl. russ. настоящий подмаренник, dt. echtes Labkraut;
M423 lat. Cicuta virosa – lit. nuodingoji nuokana – lett. indīgais velnarutks („die giftige“ LLKŽ 264), vgl. russ. ядовитый вех;
P478 lat. Artemisia vulgaris – lit. paprastasis kietis – lett. parastā vībotne („die gewöhnliche“ LLKŽ 511), vgl. russ. обыкновенная полынь, dt. gemeiner Beifuß;
P485 lat. Dianthus superbus – lit. puošnusis gvazdikas – lett. krāšņā neļķe („die prächtige“ LLKŽ 350), vgl. russ. пышная гвоздика, dt. PrachtneIke.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die in dem Wörterbuch EnDic2004 aufgeführten Pflanzengattungsnamen des Litauischen und Lettischen sind einwortig, unterscheiden sich jedoch in ihrer Ausdrucksform. Die Pflanzengattungsnamen des Litauischen entsprechen den Anforderungen des Internationalen Codes der botanischen Nomenklatur – sie stehen im Nominativ Singular, während Pflanzengattungen im Lettischen im Nominativ Plural benannt werden.
Ein kleiner Teil der morphologisch nicht zerlegbaren Gattungsnamen ist im Litauischen und Lettischen gemeinsam, da diese Namen aus dem alten indoeuropäischen, dem gemeinsamen baltisch-slawischen oder dem ausschließlich für die baltischen Sprachen charakteristischen Wortschatz stammen. Eine weitere, etwas kleinere Gruppe von Pflanzengattungsnamen besteht aus alten Entlehnungen, die aus den finno-ugrischen, slawischen und germanischen Sprachen übernommen wurden. Weitaus mehr Gattungsnamen entlehnten beide Sprachen der lateinischen Nomenklatur. Bemerkenswert ist, dass im Litauischen etwa 6% lateinische Entlehnungen gefunden wurden, im Lettischen hingegen doppelt so viele – 12%.
Terminologija | 2009 | 16
111
Die meisten der im Wörterbuch EnDic2004 aufgeführten Pflanzengattungsnamen des Litauischen und Lettischen sind Ableitungen. Das produktivste Verfahren zur Bildung litauischer Pflanzengattungsnamen ist die Suffigierung, im Lettischen die Komposition. Die meisten Pflanzengattungsnamen werden mit den Suffixen lit. -enis, -enė und lett. -enis, -ene gebildet; in beiden Sprachen gibt es zudem zahlreiche Ableitungen mit Diminutivsuffixen (lit. -ytė, -utis, -utė, -ėlis, -ėlė; lett. -ītis, -īte, -iņš, -iņa). Eine Besonderheit der lettischen Suffigierung bei Pflanzengattungsnamen ist, dass diese häufig mit zwei Suffixen gebildet werden: -en- + -īte.
Die Ausdrucksformen der spezifischen Bestandteile litauischer und lettischer Pflanzennamen weisen Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. In beiden Sprachen werden die spezifischen Bestandteile meist durch Adjektive ausgedrückt. Im Litauischen werden sie durch pronominale Adjektive, Adjektive mit dem Suffix -inis und zusammengesetzte Adjektive ausgedrückt. Bei lettischen Pflanzennamen werden die spezifischen Bestandteile durch pronominale Adjektive und den Genitiv eines Substantivs ausgedrückt. Der Genitiv eines Substantivs wird in litauischen Pflanzennamen eher selten verwendet – nur dann, wenn der spezifische Bestandteil einen Personennamen bezeichnet.
ŠALTINIAI
EnDic2004 – Aplinkos apsaugos žodynas EnDic2004 6039 terminai: suomių, estų, anglų, prancūzų, vokiečių, švedų, lietuvių, latvių, rusų, lotynų k. / vyr. redaktorius A. Maastik. Helsinki–Tartu: Finnish Environment Institute (SYKE). LLKŽ – Latvių-lietuvių kalbų žodynas. Sudarė doc. dr. Alvydas Butkus. Kaunas. 2003. БЭС – Биологический энциклопедический словарь. Гл. ред. М.С. Гиляров. Москва. 1986. Interneto prieiga: <http://slovari.yandex.ru/dict/bse/article/00077/30900.htm>.
LITERATŪRA
BTŽ 1965: Botanikos terminų žodynas. Sudarė Botanikos žodyno komisija. Redagavo prof. dr. J. Dagys (vyr. redaktorius), biol. m. k. A. Lekavičius ir V. Mališauskienė, Vilnius. Edelmane 1968: Ārstniecības augu terminoloģija. – Latviešu valodas kultūras jautājumi 4, 103–107. Edelmane 1978: Augu nosaukumu darināšanas veidi latviešu valodā. – Latviešu valodas kultūras jautājumi 14, 97–103. Galvenis K. 1985: Lietuvos augalų genčių ir rūšių pavadinimai. – Lietuvių kalbotyros klausimai: Mokslo kalbos kultūros ir terminologijos problemos 24, 165–178. Genelytė A. 2001: Tarptautinis botanikos nomenklatūros kodeksas ir lietuvių terminologija. – Terminologija 8, 130–137. Gudžinskas Z., Rašomavičienė V. 2004: Kolis lietuviškus pavadinimus turinčių augalų genčių nomenklatūra ir jos norminimo principai. – Botanica Lithuanica 6, 3–18. Karulis K. 2001: Latviešu etimoloģijas vārdnīca, Rīga. Keinys St. 2005: Dabartinė lietuvių terminologija, Vilnius. Kutorga E. 1997: Botanikos ir mikologijos nomenklatūra, Vilnius. LAN 2003 – Edelmanė I., Ozola Ā. Latviešu valodas augu nosaukumi, Rīga. Sabaliauskas A. 1990: Lietuvių kalbos leksika, Vilnius. Skujiņa V. 2002: Latviešu terminoloģijas izstrādes principi, Rīga.
112 Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...
Stalažs A. 2004: Botānikas terminoloģijas apakškomisijā apstiprinātie botānikas terminu veidošanas principi. – Terminoloģijas Jaunumi 10, Rīga, 22–24.
Ахманова О. 2005: Словарь лингвистических терминов. Москва.
Канделаки Т. 1973: К вопросу о номенклатурных наименованиях. – Вопросы разработки научно-технической терминологии, Рига, 60–70.
LITHUANIAN AND LATVIAN PLANT NAMES IN THE ENVIRONMENTAL DICTIONARY ENDIC2004
The article deals with botanical nomenclature of the Baltic languages. It analyses more than 300 Lithuanian and Latvian names of plant genera and over 430 names of species taken from the Environmental Dictionary EnDic2004 in nine languages which was published in 2004 by the Finnish Environment Institute. Plant names are analysed in respect of origin and word-formation. An attempt is made to establish similarities and differences of the Lithuanian and Latvian names of plant genera and species.
Lithuanian and Latvian names of plant genera from EnDic2004 are one-word names, but they have different expression. Lithuanian names of plant genera meet the requirements of the International Code of Botanical Nomenclature (ICBN) – they are presented in nominative case in singular. Latvian genera of plants are presented in the nominative case in plural.
Lithuanian and Latvian names of plant genera were divided into two groups: names irresolvable in respect of derivation and word-formations.
Some names irresolvable in respect of derivation were inherited from Indo-European (Lith. beržas – Latv. bērzi (birch)), Baltic-Slavic (Lith. liepa – Latv. liepa (lime)) or purely Baltic (Lith. apynys – Latv. apinis (hop)) vocabulary and they are common for both Lithuanian and Latvian languages. Another rather small group is comprised of old borrowings taken from Finnic (Lith. kadagys – Latv. kadiķi (juniper)), Slavic (Lith. mēta – Latv. mētra (mint)) and Germanic languages (Lith. vikis – Latv. vīķis (vetch)). Both languages have also borrowed may more names from Latin (Lith. lobelija – Latv. lobēlija (lobelia)). There are more such borrowings in Latvian than in Lithuanian.
The majority of Lithuanian and Latvian names of plant genera presented in EnDic2004 are derivates or compounds. The most productive way of name creation is suffixation in Lithuanian and compounding in Latvian. The most productive suffixes are -enis (bruknenis (azalea)), -enė (gebenė (ivy)) in Lithuanian and -enis (tītenis (bindweed)), -ene (gandrēne (crane’s-bill)) in Latvian. In both languages diminutive suffixes are popular: -ytė (barborytė (wintercress)), -utis (barškutis (yellow-rattle)), -utė (medutė (may lily)), -ėlis (katilėlis (bellflower)) and -ėlė (ramunėlė (camomile)) in Lithuanian; -iņš (āboliņš (clover)), -iņa (žagariņa (may lily)), -iņš (ciņulis (corydalis)) and -īte (atraitiņte (pansy)) in Latvian. A specific characteristic of Latvian suffixation is the usage of two suffixes -en- + -īte (ziepenīte (milkwort)). In both languages compounds are frequent, but prefixation is rare.
Lithuanian and Latvian names of species have similarities and differences. Most frequently a specific component of the name of species in both languages is an adjective. Specific components of Lithuanian names of species are expressed in definite adjectives (paprastoji rykštenė (goldenrod)), adjectives with the suffix -inis (piev inis
Terminologija | 2009 | 16 113
katilėlis (spreading bellflower)) and compound adjectives (įvairialapė usnis (heterophyllous thistle)). Specific components of Latvian names of species are expressed in definite adjectives (mazais ūdenszieds (common duckweed)) and in the genitive of a noun (kalnu priede). In Lithuanian the genitive of a noun is used rarely – only when the specific component of the name of species is a personal name.
Gauta 2009-12-04
Solvita Labanauskienė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas: [email protected]
114 Solvita Labanauskienė | Lietuvių ir latvių kalbų augalų vardai...