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M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba

Vytautas Katelytė; Stasys Keinys

Full text

Die Bildung der psychologischen Termini und ihrer Bestandteile bei M. Reinys RITA KATELYTĖ, STASYS KEINYS Institut für Litauische Sprache Im sechzehnten Band der Terminologija ist ein Artikel erschienen, in dem Bedeutung und Herkunft der psychologischen Termini besprochen werden, die aus dem von Mečislovas Reinys (1884–1953) frei aus dem Russischen übersetzten Lehrbuch der Psychologie des Professors Georgijus Čelpanovas stammen, das 1921 in Vilnius veröffentlicht wurde (vgl. Katelytė 2009: 198–216). Der vorliegende Artikel untersucht die Wortbildung litauischer und hybrider einwortiger Termini sowie weiterer solcher Termini und Wörter, die als Bestandteile zusammengesetzter Termini verwendet werden, in dem Lehrbuch dieses Professors, der als einer der Ersten Psychologie an einer Hochschule auf Litauisch lehrte (internationale Termini und Wörter, die als deren Bestandteile auftreten, bleiben unberücksichtigt). Den Untersuchungsgegenstand des Artikels bilden über 390 einwortige Termini in Form von Substantiven sowie Wörter – Substantive, Adjektive, Verben (Partizipien), Pronomen und Adverbien –, die in zusammengesetzte Termini eingehen. Da ein vollständiger Überblick über die Wortbildungsstruktur der im Lehrbuch von M. Reinys verwendeten Termini und der darin enthaltenen weiteren Wörter gegeben werden soll, werden alle erfassten Beispiele angeführt, die den jeweiligen Unterabschnitten des Artikeltextes zugeordnet sind. Flektierte Wörter werden im Nominativ angegeben (Adjektive im Nominativ Singular Maskulinum). Nicht belegte Nominativformen werden anhand anderer Kasus oder charakteristischer Fälle bestimmt (zum Beispiel endet der artikulierte Nominativ Singular Maskulinum im Lehrbuch meist auf -asai; daher wird auch der Nominativ solcher Wörter mit dieser Endung angegeben, bei denen dieser Kasus nicht belegt ist; solche Formen sind mit einem Sternchen versehen). Im Abschnitt zur Wortbildung der Verben wird die Infinitivform angegeben (die Bildung der in Termini eingehenden Partizipien selbst wird im Artikel nicht untersucht, da sie nicht zur Wortbildung gehört). Bei Wörtern, die als Bestandteile zusammengesetzter Termini auftreten, wird auch der betreffende Terminus – gewöhnlich ein einzelner – in Klammern angegeben. Alle Beispiele folgen der Schreibweise der Quelle; neben dem Terminus steht die Seite, von der er entnommen wurde. Damit die Bedeutung oder der Bezug zur Psychologie deutlicher wird, wird erforderlichenfalls zum Terminus ein Satz oder ein wichtigerer Satzteil angeführt, aus dem er entnommen wurde. Die Wortbildungsverfahren und -typen sind im Artikel nach der Häufigkeit der untersuchten Bildungen geordnet. Terminologija | 2010 | 17 111 Damit die Bedeutung oder der Bezug zur Psychologie deutlicher wird, wird erforderlichenfalls zum Terminus ein Satz oder ein wichtigerer Satzteil angeführt, aus dem er entnommen wurde. Die Wortbildungsverfahren und -typen sind im Artikel nach der Häufigkeit der untersuchten Bildungen geordnet. Nach der Zahl der konstituierenden Wörter unterscheidet man üblicherweise einwortige und zusammengesetzte Termini. Letztere bestehen meist aus zwei Wörtern; es gibt jedoch auch einige dreigliedrige und noch seltener aus mehr Wörtern bestehende Termini. Der Artikel untersucht 140 einwortige substantivische Termini sowie etwas mehr als 250 in zusammengesetzte Termini eingehende Substantive (140), Adjektive (80), Verben (fast 30), Pronomen (3) und Adverbien (1). Fast alle untersuchten einwortigen Termini sind Substantive; nur ein Terminus ist durch das Pronomen aš („ich“) ausgedrückt (Tąjį „kažką“ filosofai vadina subjektu, „aš“, siela 2). Die abhängigen (als Attribute fungierenden) Bestandteile werden durch Wörter aller genannten Wortarten ausgedrückt. Seit Langem ist bekannt, dass der gesamte Wortschatz unserer Sprache unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung aus einfachen Wörtern und Ableitungen besteht und dass es wesentlich mehr Ableitungen als einfache Wörter gibt. Dies gilt auch für die untersuchten Termini und die als deren Bestandteile auftretenden Wörter: Einfache litauische Wörter machen nur knapp neun Prozent aller hier untersuchten Wörter aus. Der Anteil einfacher Substantive ist noch geringer – sie machen nur knapp 7% aller untersuchten Substantive aus, z. B.: būdas 197, Dievas (Dievo meilės jausmas 177), galas (juntamojo dirksnio galas 76), garsas (garso jutimas 36), laikas 147 (<...> erdvės ir laiko sąvokos yra būtinos daiktų ir vyksmų įsivaizdavimo sąlygos 149), lankas (reflekso lankas 76), liga (psichinė liga 221), narys (pasąmonio asociacijos nariai 84), pradas (jausmų pradai 19), protas 2, siela 1, skaičius (skaičiaus sąvoka 147), sritis (lytėjimo sritis 34), spalva (spalvos jutimas 35), tauta (tautų psichologija 10), ūpas (liguistai linksmas ūpas 223), vaikas (vaiko psichologija 10), valia 193, varsa (varsų aklumas 54) ir žodis (žodžių atmintis 88). Dalis paminėtų žodžių, pvz.: garsas, lankas, skaičius (žr. Skardžius 1943: 310, 27, 77), ir kai kurie kiti tėra apiblukę, sinchroniškai sunkiau suvokiami ar nebesuvokiami senų laikų vediniai. Paprastasis yra daugmaž kas dvyliktas (per 8%) grynai lietuviškas į sudėtinius terminus įeinantis būdvardis, pvz.: b endras (bendrieji jutimai 39), grynas (grynas jutimas 36), lengvas (lengvo alsavimo jutimas 39), linksmas (liguistas linksmas ūpas 223), malonus (maloni kvapsnis 59), tobūlas (tobūliausia valia 196; dabar rašoma tobulas) ir žemas (žemesnieji jausmai 158). Außerdem, zusammengesetzter Termini als Bestandteile... 112 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reino psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba Unter den Termini wurden einige primäre, nicht präfigierte Verbpartizipien verwendet, z. B.: durti (stechendes Schmerzgefühl 153), justi (fühlende Nerven 31), kurti (schöpferische Einbildungskraft 102), slėgti (bedrückende Affekte 159) und veikti (aktive Aufmerksamkeit 91). Ebenfalls einfache Wörter sind die beiden als abhängige Bestandteile fungierenden Pronomen – savęs (Selbsterkenntnis 208) und savasis (das eigene „Ich“ 201). Alle übrigen Wörter (etwas mehr als 91%), die als einzelwortige litauische und hybride Termini sowie als Bestandteile zusammengesetzter Termini auftreten, sind Bildungen. 73,6% aller Bildungen sind Substantive, 20,7% Adjektive, 5,4% Verben (darunter flektierte Partizipialformen) und 0,3% Adverbien. Die Bildungen werden im Artikel in dieser Reihenfolge behandelt. SUBSTANTIVBILDUNG Der größte Teil der litauischen und hybriden Substantive, die im von M. Reinys verfassten Psychologie-Lehrbuch als Termini verwendet werden (über 93%), sind Bildungen. Etwas mehr als 77 Prozent der Bildungen sind mit Suffixen abgeleitet, knapp 19% mit Endungen, und nur etwa 4% entfallen auf Komposita und Präfixbildungen (letztere sind mit gerade einmal 0,7% am seltensten). Suffixbildungen Drei Viertel der untersuchten, mit Suffixen abgeleiteten Substantive sind Bezeichnungen von Handlungen (Verbalsubstantive), und fast drei Viertel davon gehören zum produktivsten Wortbildungstyp dieser Kategorie, dem Suffix -imas und seiner Variante -ymas (111 Ableitungen, davon 10 mit -ymas). Diese beiden Untertypen der Wortbildung unterscheiden sich nur hinsichtlich der Möglichkeiten, mit denen sie an die Grundwörter angefügt werden: Die Varianten mit -ymas werden von den vergleichsweise wenigen Verben der dritten Konjugation gebildet, deren Infinitiv das Suffix -yti enthält. -imas und -ymas. Dies ist der produktivste Wortbildungstyp nicht nur für Handlungsbezeichnungen, sondern für Substantive überhaupt. Fast zwei Drittel der Bildungen mit der Variante -imas sind von präfigierten Verben abgeleitet, z. B.: atgaminimas 72, atitraukimas 132, atkritimas 55, atpažinimas 73, įjaudinimas 165, įnirtimas 164, įtempimas 67, įtūžimas 159, įvertinimas (Bewertung von Empfindungen 94), išdrikimas 96, išskrypimas (geistige Abweichung 222), išmokimas (Lerngeschwindigkeit 89), išnaikinimas (Methode der Ausrottung 33), išprotavimas 146, nekalbėjimas (Schließlich gibt es Fälle, in denen Personen mit gesunder Zunge und gesundem Rachen plötzlich die Fähigkeit verlieren, Wörter auszusprechen – dies ist Aphasie (Sprachlosigkeit) 33), nuliūdimas 8, nusilpnėjimas (Willensschwäche 223), nusprendimas (Willensentschluss Terminologija | 2010 | 17 113 19), nustebimas 138, nutarimas (Willensentschluss 3), paerzinimas (Reizung der Nerven 29), pagarbinimas (Gefühl der Verehrung 177), pajutimas 71, palinkimas 76, palytėjimas 58, panaujininimas (Erneuerung der Empfindungen 73), panūdimas 189, pastebėjimas 12, patenkinimas 15, patyrimas (inneres Erleben 4), patraukimas 16, pažadinimas (Erweckung von Empfindungen 197), pažinimas 15, pažvelgimas (Blick auf sich selbst 4), perkėlimas (Übertragung von Assoziationen 83), subuvimas 125, sugebėjimas 138, sujungimas (einfache Verbindung von Vorstellungen 142), sukritimas 55, supanašėjimas 131, suskilimas (Spaltung des Bewusstseins 222), suvokimas 71, sužadinimas 37 und uždusimas (Erstickungsgefühl 39). Mehr als ein Drittel der mit dem Suffix -imas gebildeten Ableitungen geht auf nicht präfigierte Verben zurück, z. B.: abejojimas 142, alsavimas (Empfindung des leichten Atmens 39), augimas (Sprachentwicklung des Kindes 139), buvimas (selbsttätiges Vorhandensein der Seelenkräfte 17), čiaudėjimas 31, deginimas (brennende Empfindungen der Geschlechtsorgane 153), dirginimas 37, džiūgavimas 159, erzinimas 37, gerinimas (Verbesserung des Gedächtnisses 100), girdėjimas (Ablauf des Hörens 43), gyvenimas (psychisches Leben 10), graužimas (Gewissensbisse 174), jautimas (Fähigkeit zu fühlen 16), judėjimas (Reflexbewegung 31), jungimas (Vorgang des Verbindens 131), jutimas 1, kentėjimas 15, ketinimas 192, kilimas (Theorie des Ansteigens von Affekten 160), kosėjimas 32, lavinimas (Gedächtnistraining 100), lytėjimas (Tastsinn 36), mirkčiojimas 32, prieštaravimas (Gefühl des Widerspruchs 178), protavimas 3, raudonavimas (Ursache des Errötens 21), regėjimas 34, sekimas (Selbstbeobachtung 4), skaudėjimas (Schmerzgefühl 153), sprendimas (Willensentschluss 200), svyravimas 142, teigimas 141, veikimas (Wirken der Seele 22) und vykinimas (Ausführung einer Willenshandlung 196). Die meisten Ableitungen mit der Suffixvariante -ymas sind von nicht präfigierten Verben gebildet, z. B.: laikymas (Festhalten von Vorstellungen 74), mąstymas 19, matymas (phantastisches Sehen 113), svarstymas 19 und trukdymas (Sprachstörung 220). Nur aprašymas (Beschreibung psychischer Erscheinungen 6) und nerašymas (Mit der Fähigkeit zu sprechen ist häufig die Unfähigkeit zu schreiben verflochten. Dieser Mangel heißt nerašymas oder Agraphie 221) beruhen auf präfigierten Verben. Ein Fünftel der Bezeichnungen von Handlungen, die mit beiden Suffixvarianten von präfigierten und nicht präfigierten Verben abgeleitet sind, sind reflexiv (ihre Wortbildungsgrundlage bilden reflexive Verben), z. B.: apsirikimas (Irrtum der Empfindungen 193), atsidavimas (Gefühl der Hingabe 177), atsiminimas 75, atsinaujinimas 79, atsivaizdavimas 72, įsitikrinimas 178, įsivaizdavimas 2, nepasitenkinimas 165, nusiminimas 159, pasibjaurėjimas 159 (heutzutage schreibt man- 114 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reino psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba ma Abscheu), Mitleid 174, Widerstand (Widerstandsgefühl 58), Befriedigung 165, Erinnerung 128, Beharrlichkeit 210, Verflechtung 109, Verletzung 4; Verflechtung (Verflechtung der Vorstellungen 80), Widerstreben (Widerstandsgefühl 61); Festhalten (Festhalten an Empfindungen 73), Lernen (aufmerksames Lernen 101) und Selbstbeherrschung 195. Dass ein beträchtlicher Teil der Ableitungen aus reflexiven Verben gebildet ist, kann auf den Gegenstand der psychologischen Untersuchung zurückzuführen sein, der sich, den Worten des Lehrbuchs zufolge, in drei Merkmalen von den Naturwissenschaften unterscheidet: 1) „psychische Erscheinungen können nicht mit den äußeren oder externen Sinnesorganen wahrgenommen <...> und erkannt werden“ (S. 3), 2) „psychische <....> Erscheinungen sind unmittelbar nur der Person zugänglich, die sie erlebt“ (S. 4), und 3) auf psychische Prozesse „lässt sich das Maß der Räumlichkeit keineswegs anwenden“ (S. 5). Die in der Psychologie angewandte Erkenntnismethode wird „Introspektion, Selbstbeobachtung, Selbstschau, Blick in sich selbst“ genannt (S. 4). Dabei gehört die reflexive Form zu den wichtigsten Ausdrucksmitteln für den Zusammenhang einer Handlung mit ihrem Vollziehenden. Ein beträchtlicher Anteil der heutigen Termini, die mit dem Suffix zur Bezeichnung von Handlungen –ung abgeleitet sind, sind Hybridbildungen im Zusammenhang mit sogenannten Internationalismen. Im Psychologielehrbuch gibt es nur zwei auf diese Weise gebildete Termini – Imitieren 168 und Interessezeigen 18. Übrigens ist es interessant, wie die gewöhnlich den Žemaiten zugeschriebene reflexive Form mit der Endung –os (LKG I 1965: 231, Zinkevičius 1966: 207–208) in das Lehrbuch des aus dem Osten, aus der Gegend von Daugailiai, stammenden M. Reinys gelangte. Z. Zinkevičius’ Litauische Dialektologie führt tatsächlich einen Beleg auch aus dem östlichen Aukštaitischen an (südlich von Linkuva). Neben der grundlegenden, mit der Wortbildung verbundenen reinen Handlungsbedeutung geht auch der für die Standardsprache charakteristische Gebrauch eines Teils der Ableitungen dieses Wortbildungstyps in einer konkreten lexikalischen Bedeutung auf die lebendige Sprache zurück. Solche Termini, besonders in der Bedeutung des Handlungsergebnisses, finden sich auch in der Quelle dieses Artikels. Als grammatischer Indikator für die Konkretisierung der Bedeutung von Termini kann der Gebrauch der Pluralformen von Ableitungen gelten, z. B.: Reizungen (äußere Reizungen 220, vgl. Ein physischer Prozess, der die Ursache einer Empfindung ist, heißt Erregung, Reizung 37), Abweichungen (Abweichungen des Geistes 222), Empfindungen (Der Mensch muss mit allerlei Empfindungen leben 38, vgl. <....> vom Zustand der Verdauungsorgane hängt das Gefühl von Hunger, Durst, Sättigung usw. ab 39), Reizungen (Es gibt zwei Arten von Reizungen: äußere und innere 39, vgl. der Begriff der Reizung 36), Empfindungen (Bewertung von Empfindungen 94, vgl. der Vorgang des Empfindens 94), Störungen (Sprachstörungen 220, Aus psychologischer Sicht ist es wichtig, über Störungen nachzudenken, die mit dem Sprachgebrauch verbunden sind 220) usw. Terminologija | 2010 | 17 1 1 5 Zur Bezeichnung psychologischer Termini wurden außerdem mit 16 Suffixen gebildete Verbabstrakta verwendet (insgesamt 36 Derivate). Ein Viertel dieser Wörter ist mit dem Suffix -tis abgeleitet, beinahe ein Fünftel sind Derivate mit dem Suffix -smas. -tis. Die Derivate dieses Suffixes gehören zwei Untertypen an – der größere Teil hat die Endung der dritten Deklination (Genitiv Singular mit -ies), z. B.: Aufmerksamkeitsspanne (Umfang der Aufmerksamkeit 91), Abstraktion (Abstraktion ist eine Handlung, bei der aus einer Sinnes- und Vorstellungsgruppe diejenige Empfindung oder Vorstellung herausgelöst wird, die man gerade benötigt 130–131), Gedächtnis 72, Gedanke 1, Erfahrung 13, Ursache (Begriff der Ursache 16) und Natur (Natur der Seele 2), während die Endung zweier Derivate -is zur ersten Deklination gehört (Genitiv Singular mit -io), z. B.: Schreck 159 und Zorn 164. Alle Derivate sind von primären Verben gebildet. Den Quellen des Wörterbuchs der litauischen Sprache zufolge scheint ein Teil dieser Derivate, z. B. Aufmerksamkeitsspanne, Erfahrung, erst in der Entstehungszeit der heutigen Standardsprache in Gebrauch gekommen zu sein; das Wort Abstraktion wurde übrigens sogar zweimal in das Glossar psychologischer Termini und Namen des Psychologielehrbuchs (S. 231) aufgenommen, gelangte aber überhaupt nicht in jenes Wörterbuch. -smas. Alle Derivate dieses Suffixes sind ebenfalls von primären Verben gebildet, z. B.: Freude 138, Begehren 16, Gefühl 1, Verlangen (<...> wer seine Verlangen oder Begierden zu beherrschen weiß 201), Handlung (altruistische Handlung 169), Weinen 9 und Vorgang (Wahrnehmungsvorgang 94). Sie bezeichnen bestimmte psychische Zustände und deren Ausdruck. Bemerkenswert ist, dass fast alle genannten Derivate mit dem Suffix -smas offenbar nicht aus der lebendigen Sprache für das Wörterbuch der litauischen Sprache aufgezeichnet wurden; ebenso ist das aus den Schriften von M. Mažvydas und Vydūnas in das Wörterbuch aufgenommene Wort Verlangen offenbar heute nicht mehr gebräuchlich. -ulys. Die Derivate mit dem Suffix -ulys bezeichnen das Auftreten psychischer Zustände, z. B.: Begierde 189, Langeweile 128, Schmerz (<...> Brennende Schmerzen entstehen deshalb, weil zum Gefühl noch taktile Brennempfindungen hinzukommen <...> 153), Schläfrigkeit 214, Durst 152. Übrigens gilt das aus der lebendigen Sprache bekannte Wort Langeweile im ersten Band (S. 312) der Grammatik der litauischen Sprache als Derivat des Adjektivs langweilig; als Bezeichnung eines psychischen Phänomens lässt es sich jedoch offenbar bequemer und konsequenter direkt (ohne das dazwischengeschaltete Eigenschaftsadjektiv langweilig) vom Verb sich langweilen ableiten. Man könnte erwägen, ob es nicht Derivationshomonyme gibt. Von Ableitungen mit anderen Suffixen, die als Termini oder als Wörter für Komponenten des Psychologielehrbuchs verwendet werden, sind nur jeweils ein bis drei Beispiele belegt, z. B.: -esys: dėmesys 90, gailesys 174, judesys (sielos judesiai 160: <...> afektai kartais yra vadinami „sielos judesiai“); 116 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba -ga: Ablauf (psychischer Empfindungsablauf 36), Pflicht (Gefühl der moralischen Pflicht 173); -yba: Schöpfung (Schöpfungskraft der Vorstellungskraft 105: <...> Die Schöpfungskraft der Vorstellungskraft zeigt sich in allen Lebensbereichen); -ima: Wärme (Wärmeempfindung 58); -lė: Geruchssinn (Geruchsnerv 23, Geruchsempfindung 39); -lius: Übermaß (Empfindung des Übermaßes 58); -mė: Angst 138, Wesen (Wesen der Seele: <...> Die Psychologie erforscht das Wesen (die Natur) der Seele 2); -nė: Bewusstsein 5. Dieses alte Wort, das mit dem Verb sumoti in Verbindung gebracht wird, wird weder in Pr. Skardžius’ Lietuvių kalbos žodžių daryboje noch im ersten Band der Lietuvių kalbos gramatikos als Ableitung erwähnt. K. Būga stellte in Kalboje ir senovėje (1922), zwar nicht im Hinblick auf die Wortbildung, sondern auf den Ablaut des Stammvokals, sąmonę der Verbform sumanau gegenüber (Būga 1959: 136). -sena: Zustand (Seelenzustand 6); -slas: Wissenschaft (geistige Wissenschaft 89: <...> Ein Kind kann die Abfolge der Gebetswörter verstehen, den logischen Zusammenhang zwischen den Wörtern erkennen und das Gebet lernen, während es es vollständig versteht. Das wird geistige Wissenschaft <...>); -snis: Nerv 25, Duft (Duftbild 81, angenehmer Duft 59). Diese beiden Ableitungen gehören aufgrund des unterschiedlichen Auslauts in der Quelle zu zwei Untertypen. Die feminine Variante kvapsnis, -ies (dritte Deklination) war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gut bekannt (siehe LKŽ VI 1046). Dirgsnis wurde damals ebenfalls häufig als feminines Wort der dritten Deklination verwendet (siehe LKŽ II 580); im Lehrbuch wird es jedoch mit k geschrieben und als Hauptbezeichnung für „Nerv“ verwendet; in dieser Form ist es ein maskulines Wort der ersten Deklination. -tas: Rache 164, Verlangen (Wenn man sich sehr daran gewöhnt hat, ein bestimmtes großes Verlangen zu befriedigen, entsteht ein psychischer Zustand, der trokštas heißt 189). Trokštas dürfte ein seltenes Wort gewesen sein; es fand keinen Eingang in das große Lietuvių kalbos žodyną. -uotė: Vorstellungskraft 102. Auch dies ist ein Wort, das für das „Wörterbuch der litauischen Sprache“ nicht aus der gesprochenen Sprache belegt ist und sich offenbar aus der Schriftsprache verbreitet hat. Die zweitgrößte Kategorie nach der Zahl der im Psichologijos vadovėlyje verwendeten Ableitungen ist die Wortbildungskategorie der Eigenschaftsbezeichnungen (abstrakte Nomina), die insgesamt 49 Ableitungen umfasst. Es handelt sich um Wörter mit abstrakter Bedeutung, die überwiegend auf Adjektiven, zu einem kleinen Teil auch auf Substantiven, Pronomen und partizipialen Formen denominaler Verben beruhen und mithilfe von vier Suffixen gebildet sind. Terminologija | 2010 | 17 117 –umas. Die meisten (drei Viertel) der im Artikel als Termini verwendeten Bezeichnungen für Eigenschaften sind mit diesem produktiven Suffix dieser Kategorie gebildet. Fast alle Ableitungen beruhen auf litauischen qualitativen Adjektiven (die gewöhnlich steigerbar sind), z. B.: aklumas (psichikos aklumas 33), atsakom ingumas 201, dėkingumas (dėkingumo jausmas 177), greitumas (išmokimo greitumas 89), įdomumas 92, ilgumas (atsiminimo ilgumas 89), išdidumas 166, jaudringumas (smegenų centrų jaudringumas 219), jausmingumas 210, juokingumas 181, kietumas (kietumo jutimas 58), kilnumas 181, koktumas (koktumo jutimas 61), kurtumas (kalbos kurtumas 220: <...> Er hört, was andere sagen, kann aber nicht verstehen, was die gehörten Laute bedeuten. Ein solcher Zustand heißt Sprach-kurtumas), linksmumas 8, malonumas 165, nemalonumas (nemalonumo jausmas 6), nesmagumas 154, panašumas (panašumo asociacija 75), pastovumas (valios pastovumas 137), priežastingumas (psichinio priežastingumo dėsniai 200), puikumas (puikumo jausmas 157), siaurumas (dėmesio siaurumas 91), skirtumas (tembro skirtumas 40), smagumas 154, sotumas (sotumo jutimas 39), sunkumas (sunkumo jutimas 15), šaltumas (šaltumo jutimas 58), šiurkštumas (šiurkštumo jutimas 15), tikslumas (atminties tikslumas 89) und troškumas (fiziologinis troškumo procesas 21). Drei Abstrakta sind von als relational geltenden Adjektiven abgeleitet, z. B.: gretutinumas (gretutinumo asociacija 81), šaltakraujumas 210, visuotinumas (asociacijų visuotinumas 84); eines ist von einem Partizip abgeleitet, z. B. apibrėžiamumas (pajutimų apibrėžiamumas 94). Nur zwei Ableitungen beruhen auf entlehnten (internationalen) Adjektiven, z. B.: individualumas (asmens individualumas 162) und komingumas (komingumo jausmas 181). Von den hier aufgeführten Ableitungen mit dem Suffix –umas sind für die heutige Standardsprache nur atsakom ingumas, jaudringumas, komingumas und šaltakraujumas unüblich. Im Wörterbuch der litauischen Sprache sind drei davon nur mit Belegen aus der Vorkriegszeit (bis 1940) aufgeführt (jaudringumas nur aus Wörterbüchern); komingumo und sein Basisadjektiv sind in diesem Wörterbuch nicht verzeichnet. Übrigens wird im 1939 erschienenen Kalbos patarėjyje das Adjektiv atsakomingas, -a korrigiert (empfohlen wird atsakingas, -a), weil es „<...> auf ungewöhnliche Weise von atsakomas abgeleitet ist“ (S. 20). Wegen seines Basisworts gilt auch šaltakraujumas in der heutigen Sprache als unregelmäßig (Abstrakta von solchen relationalen Adjektiven zu bilden, ist unüblich). –ybė. Es werden um gut ein Drittel weniger nominale Abstrakta verwendet, die mit dem Suffix –ybė abgeleitet sind. Die meisten Ableitungen sind von qualitativen Adjektiven gebildet, z. B.: gyvybė (gyvybės jutimas 62), ypatybė (sielos ypatybė 2: <...> raciona- 118 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reino psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba le Psychologie erörtert die Eigenschaften der Seele), silpnybė (atminties silpnybė 11), tapatybė (asmenybės tapatybė 206), tikrybė (tikrybė, kilusi iš įsitikrinimo, yra esminis protavimo veiksmo pradas 142), vienybė (savęs vienybė ir tapatybė 205). Jeweils einige der in psychologischen Termini oder als deren Bestandteile verwendeten Ableitungen mit dem Suffix –ybė sind von Substantiven abgeleitet, z. B.: asmenybė 174, lengvaman ybė 210; von Pronomen abgeleitet sind beispielsweise kokybė (jutimo kokybė 38), visybė (dirksnių visybė 26); eine Ableitung ist von einem Partizip gebildet, z. B. privalomybė (doros jausmo privalomybė 174). Zu zwei weiteren Wortbildungstypen nominaler Abstrakta gehört jeweils eine Ableitung, z. B.: -enybė: erdvenybė (erdvenybės kokybė 107). Im Glossar am Ende des Lehrbuchs, das psychologische Termini und Namen enthält, sind folgende Entsprechungen in anderen Sprachen für erdvenybės mato angegeben: protiažienijė, extensio, rozciągłość, Ausdehnung (S. 232). In das Wörterbuch der litauischen Sprache wurde dieses Wort mit der Kennzeichnung „Neologismus“ nur mit der Bedeutung „Raum“ aus dem Lietuvių rašomosios kalbos žodyno von M. Nyderman, A. Sen, F. Brender und A. Salys aufgenommen. Im Lehrbuch wird der Begriff erdvės weitaus häufiger verwendet, während erdvenybė offenbar die Bedeutung „greifbarer Raum“ hat; vgl.: „Unter den übrigen Qualitäten ist auch die Qualität der erdvenybė (protežon(n)osti) zu beachten, d. h., dass Gegenstände Länge, Breite und Dicke haben, rund, viereckig und ‚rechts‘ sind. Diese Qualitäten können wir räumliche Beziehungen nennen“ (S. 107). -wohl: Wohlbefinden (Gefühl des Wohlbefindens 62). An dritter Stelle hinsichtlich der Häufigkeit von Suffixableitungen steht die Wortbildungskategorie der Bezeichnungen für Handlungsfolgen. In den psychologischen Termini des Lehrbuchs oder als deren Bestandteile werden zehn Ableitungen mit drei Suffixen verwendet; sie machen etwas weniger als ein Zwanzigstel aller untersuchten Suffixableitungen aus. Wie allgemein in der Standardsprache ist der größte Teil der Ableitungen mit dem Suffix –inys gebildet, z. B.: buvinys 2, davinys (vaizduotės daviniai 106), padarinys (valios veiksmo padarinys 183), reiškinys (jausmų reiškinys 15, psichinis reiškinys 1), tarinys (<....> Der Begriff, mit dem etwas bezeichnet wird, und der Gegenstand, für den dieser Begriff steht, heißen Objekt und Prädikat 141), uždavinys (psichologijos uždavinys 2), vaidinys 72. Im Glossar des Lehrbuchs sind buvinys und būsena als Synonyme aufgenommen (S. 231); ebenso sind die Termini vaidinys und atvaizdas miteinander verknüpft (S. 231, 235). Die folgenden Suffixe weisen jeweils nur eine Ableitung auf: –satz: Gesetz (Gesetze der Psyche 6); –tas: raštas (rašto aklumas 221). Im Glossar und im Text ist das internationale Wort aleksija als Synonym für diesen zweiteiligen Terminus aufgenommen (S. 234, 221). Terminologija | 2010 | 17 119 Nur sehr wenige (jeweils nur ein oder zwei) Bezeichnungen für Träger nominaler Eigenschaften wurden verwendet, z. B.: empirininkai 176, intuicininkai 175 (mit diesen Hybridbildungen wurden Psychologen bezeichnet, die die das sittliche Empfinden untersuchenden Richtungen vertraten), gyvulys (gyvulių psichologija 10) und ligonis (proto ligonis 12, psichikos ligonis 11), ebenso Bezeichnungen für Träger verbaler Eigenschaften, z. B.: erzintojas (uoslės dirksnių erzintojai 59) und das gewöhnlich dieser Kategorie zugeordnete veiksnys 94 (Synonym faktorius, ebenda). Erzintojas war damals ein gebräuchliches Wort; in beide Ausgaben des zweiten Bandes des Lietuvių kalbos žodyno wurde es aus den Schriften von J. Gerutis (J. Balvočius, 1842–1915) aufgenommen; wenig später setzte sich an seiner Stelle das heute gebräuchliche dirgiklis durch (PŽ 1993: 59–60). Suffixableitungen Es gibt etwa fünfzig mit Endungen gebildete Substantive, die als einwortige psychologische Termini verwendet werden oder in die Zusammensetzung komplexer Termini eingehen, also viermal weniger als Suffixableitungen. Etwas mehr als die Hälfte (knapp drei Fünftel) der durch Endungen gebildeten Substantive sind Handlungsbezeichnungen (Verbalabstrakta). Fast jedes zweite Wort ist mit der Endung -(i)a abgeleitet, z. B.: gėda (gėdos jausmas 21), įtaiga 216, jėga (vaizduotės jėga 105), kalba (vaiko kalbos augimas 139), klausa 34, nuoskauda 153, nuoboka 32, pagarba (pagarbos jausmas 163), pastanga (pastangos jausmas 192), patrauka 188 und vada (Jeigu duryse kaba skarinis (rankšluostis), mėnesienos nušviestas, yra vada (povod), kad manytume kambary esant baidyklę <...>, tai ne kas kita, tik iliuzija 145). Ein paar Termini sind mit der Variante der Endung -ia gebildet, z. B.: galia (garsų analizės galia 41) und kančia 162. Ein Viertel der Ableitungen ist mit der Endung -is gebildet, z. B.: alkis (Kadangi sielos būsenoje, kaip alkis, yra jutimo ir jausmo, tai toji būsena yra vadinama ir jausmas, ir jutimas, vienu ir kitu vardu 152), nuovargis (nuovargio jutimas 62), pojūtis (jutimo arba pojūčio tonas 38), sambūvis 125, santykis (valios santykis su jausmais 188), sąryšis (nuolatinis psichinių reiškinių sąryšis 18), stojis (<...> yra jausmai, atsivaizdavimai bei kiti tolygūs buviniai (stoviai) 2) und tūris (atminties tūris 89). Einige Ableitungen sind mit der Endung -ė gebildet, z. B.: garbė (Dievo garbės jausmas 177), meilė (artimo meilė 163), sąžinė 173 und sopė 138. Am seltensten (nur zwei Fälle) finden sich den folgenden Ableitungen dieser Bildungskategorie zuzuordnende Endungsableitungen auf -as, z. B.: miegas 10 und noras 1. 120 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba Unter den untersuchten Endungsableitungen gibt es halb so viele Bezeichnungen für Handlungsergebnisse wie Handlungsbezeichnungen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die im Psichologijos vadovėlio verwendeten Ableitungen dieses Bildungstyps stark von der Gemeinsprache insgesamt, in der gerade die Endungsableitungen der Kategorie der Bezeichnungen für Handlungsergebnisse (Resultate) am zahlreichsten sind. Die untersuchten Ableitungen sind mit den folgenden drei Endungen gebildet: –as: atvaizdas 72 und die Variante atavaizdas 72, išvaizdas (erdvės išvaizdas 12), įvaizdas (erdvės įvaizdas 12), pagrindas (fiziologinis atminties pagrindas 74) und vaizdas (smegenų veiksmo vaizdas 34; –a: išraiška (jausmų išraiška 195), sąvoka (sąvokų sintezė 141) und šviesa (šviesos jutimas 64); –is: įprotis 194, įspūdis 71 und potyris 2 (pojūčių potyris 150). Noch weniger (ein Siebtel aller untersuchten Endungsableitungen) sind Bezeichnungen für Eigenschaften (Nominalabstrakta). Es handelt sich um Ableitungen mit drei Endungen (–is, –a und –ė). Zum Beispiel: –is (–io) und –is (–ies): dydis (judesio dydis 109), skonis (skon ies jutimas 36), sotis (sočio jutimas 61), svoris (svorio jutimas 61) und šaltis (šalčio jutimas 15). Das Wort skonis wird heute für die Gemeinsprache mit der Endung –is der ersten Deklination angesetzt, ist jedoch regional in Dialekten, früher und in schriftlichen Quellen (auch in J. Jablonskis Mūsų žodynėlyje) mit den Endungen des Femininums der dritten Deklination belegt (siehe LKŽ XII 1020). Anders verhält es sich mit dem im Lehrbuch verwendeten Wort der ersten Deklination sotis – auch im LKŽ (XIII 304–305) ist es als Femininum der dritten Deklination aufgeführt, und ebenso wird es für den heutigen Sprachgebrauch angesetzt (siehe DŽ₄ 2000: 721). Das Wort šaltis gilt in den Beschreibungen der Wortbildung der Gegenwartssprache als Endungsableitung vom Adjektiv šaltas (siehe Urbutis 1961: 44, LKG I 1965: 316); offenbar ist es jedoch auch möglich, es als mit dem Suffix –tis vom Verb šalti abgeleitetes Verbalabstrakt zu betrachten. –a: aistra 189, dora (doros jausmas 158); –ė: erdvė (lytėjimo pojūčio erdvė 107), laisvė (valios laisvė 198). Zusammengesetzte Wörter Von den psychologischen Termini und anderen Substantiven, die als Bestandteile in zusammengesetzte Termini eingehen und durch Wortbildung mit Endungen gebildet wurden – einer Wortbildungsart, die in der heutigen Terminologie und in der Gemeinsprache hinsichtlich der Zahl ihrer Bildungen miteinander konkurriert –, wurden sehr wenige gefunden: nur 8 Komposita, das heißt etwa sechsmal weniger als Ableitungen mit Endungen. Terminologija | 2010 | 17 121 Bei fast allen zusammengesetzten Termini besteht das zweite Glied aus Verben, z. B.: pėdsakas (pėdsakų teorija 75), pusiausvyra (pusiausvyros jutimas 62), savisauga (pykčio sąryšis su savisauga 165), savistaba 207, savižiūra 4, sielotyra (<…> psichologija, arba sielotyra, yra psichinių reiškinių arba sielos gyvenimo mokslas 1). Das in den Terminus smegenų pusrutulių dirksniai 32 eingehende Wort pusrutulis ist ein geläufiges Kompositum aus zwei Substantiven. Der Terminus sav(i)ąmonė 207 (Wie Vorstellungen, Gefühle usw. Gegenstand der Wahrnehmung sein können, so können wir in ähnlicher Weise auch uns selbst „erkennen“. Ein solcher Vorgang wird Selbstbewusstsein oder Selbsterkenntnis genannt 208), wird im Glossar des Lehrbuchs durch die russischen, polnischen und deutschen Entsprechungen samosoznani(j)e, samowiedza, Selbstbewusstsein (S. 234) erläutert und ist offenbar als Lehnübersetzung (vgl. die Entsprechungen) oder zumindest als Nachbildung anzusehen. Heute entspricht dem russischen Terminus самосознание in der psychologischen Terminologie savimonė (siehe PŽ 1993: 265), das bereits aus dem 1937 in der Zeitschrift Logos veröffentlichten Wörterbuch von St. Šalkauskis Bendroji filosofijos terminija bekannt ist (Šalkauskis 1991: 180). Übrigens wurde das Wort saviąmonė in das Lietuvių kalbos žodynas nur mit einem Beleg aus Texten der Sowjetzeit aufgenommen (siehe LKŽ XII 258); aus dem „Psychologielehrbuch“ geht jedoch hervor, dass es bereits früher verwendet wurde. Präfixableitungen Zum untersuchten psychologischen Fachwortschatz gehören nur zwei mit Präfixen gebildete Substantive – atjausmis 153 und pasąmonis 84. Dass atjausmis eine Präfixableitung ist, zeigen nicht nur seine Form (die Endung -is), sondern auch die Erläuterung des Lehrbuchverfassers M. Reinys selbst – „<…> Der Unterschied des Leidens beruht in beiden Fällen auf diesen oder anderen Erkenntniselementen. Sie und nichts anderes verleihen den Gefühlen Mitgefühl. (Atjausmis ist nach dem Muster von atspalvis, atgarsis, atšesėlis gebildet)“ 153. Übrigens findet sich dieses ausgezeichnete Wort in keiner der beiden Ausgaben des ersten Bandes des Lietuvių kalbos žodynas. Die maskuline Form der zweiten Ableitung, pasąmonis, wurde neben der inzwischen etablierten Form pasąmone (Šalkauskis 1991: 168, 240; DŽ₁ 1954: 548; PŽ 1993: 203–204) noch Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet (siehe LKŽ IX 453). ADJEKTIVBILDUNG In den Bestandteilen zusammengesetzter Termini des von M. Reinys verfassten Psichologijos vadovėlis werden 80 rein litauische und hybride Adjektive verwendet, das heißt Adjektive mit Wortbildungsmorphemen sowohl entlehnten als auch litauischen Ursprungs. Der größte Teil dieser Adjektive (über 90%) sind Bildungen, vor allem Suffixableitungen. Adjektive, die mit anderen Wortbildungsverfahren gebildet sind, machen lediglich knapp ein Siebtel der Bildungen dieser Wortart aus. Daher wird zunächst die Bildung der in psychologischen Termini verwendeten Adjektive mit Suffixen behandelt. 122 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba Ableitungen mit Suffixen Die Wortbildung der untersuchten Adjektive ist nicht vielfältig – hinsichtlich der Zahl der Ableitungen stechen die Suffixe -inis, -ė und -ingas, -a hervor. Von den übrigen Suffixen fanden sich jeweils nur ein oder zwei Ableitungen. -inis, -ė. Mit dem Suffix -inis, -ė sind zwei Drittel (insgesamt 41) aller untersuchten suffigierten Adjektive gebildet. Ein kleinerer Teil von ihnen (etwas mehr als ein Drittel) beruht auf rein litauischen Grundwörtern, z. B.: asmeninis (asmeniniai jausmai 163), dirbtinis (dirbtinis miegas 216), dvasinis (dvasinė asmenybė 105), galinis (klausos dirksnio galinės formacijos 66), išorinis (išorinis potyris 4), nuolatinis (nuolatinis psichinių reiškinių sąryšis 18), pagrindinis (pagrindinis empirinis pažinimo elementas 149), pamatinis (pamatinis psichinis vyksmas 183), pirminis (pirminiai estetiniai jausmai 179), protinis (protinė atmintis 89), savaiminis (savaiminis charakteringas atjausmis 159), tolydinis (tolydinis psichinių reiškinių sąryšis 18) und visuomeninis (visuomeniniai jausmai 163). Der größte Teil dieser Ableitungen ist aus Substantiven gebildet; aus Partizipien des Passivs im Präteritum, Adjektiven und Numeralien jeweils eine Ableitung (dirbtinis, tolydinis und pirminis), aus Adverbien zwei (nuolatinis und savaiminis). Einige Male wurde die partizipiale Ableitung mit dem Suffix -inis, -ė verwendet: grįžtaminis. Im Glossar des Lehrbuchs wird dieses Adjektiv mit dem Synonym refleksinis erklärt (S. 232). Im Lehrbuchtext werden die beiden Adjektive stets miteinander verbunden, z. B.: 1) Eine solche Wirkung nennt man reflexiv oder rückläufig 31; 2) <...> führt der Mensch bestimmte Bewegungenaus, die einen rückläufigen oder reflexiven Charakter haben <...> 138; 3) Schon früher [= früher] wurde davon gesprochen, was wir reflexive (reflexartige) oder rückläufige Bewegungen nennen 184. Dass grįžtaminis und refleksinis wiederholt nebeneinandergestellt werden, zeigt offenbar, dass Prof. M. Reinys die Lehrbuchleser an das litauische Wort gewöhnen wollte. Leider ist dies einer der seltenen Fälle, in denen das verwendete Wort keine Grundlage hatte, sich im Sprachgebrauch durchzusetzen – grįžtaminis ist aus wortbildungsbezogenen Gründen nicht akzeptabel, da Adjektive üblicherweise nicht aus Partizipien des Passivs im Präsens gebildet werden. Knapp zwei Drittel der mit diesem Suffix abgeleiteten Adjektive sind aus internationalen Wörtern – Substantiven oder Adjektiven – gebildet, z. B.: altruistinis (altruistiniai jausmai 168), asteninis (asteniniai afektai 159), egoistinis (egoistiniai jausmai 168), eksperimentalinis (eksperimentalinė psichologija 14), elementarinis (elementariniai jausmai 167), empirinis (empirinė psichologija 2), estetinis (estetiniai jausmai 179), fizinis (fizinis jausmas 158), fiziologinis (fiziologinė psichologija 14), individualinis (individualiniai jausmai 163), intelektinis (intelektiniai jausmai 178), kinestetinis (kinestetinis jutimas 109), Terminologija | 2010 | 17 1 2 3 mechaninis (mechaninė atmintis 89), metafizinis (valios laisvė metafizine prasme 198), motorinis (motorinis dirksnis 24), muzikinis (muzikinė atmintis 88), organinis (organiniai jutimai 39), psichinis (psichinis gyvenimas 10), psichofizinis (psichofizinis Webero-Fechnero dėsnis 66), psichologinis (psichologinė analizė 93), racionalinis (racionalinė psichologija 2), refleksinis (refleksinis veikimas 31), socialinis (socialiniai jausmai 163), specialinis (pojūčių specialinių organų jutimai 39), specifinis (specifinė energija 65) und steninis (steniniai afektai 159). Ein kleiner Teil der im Lehrbuch der Psychologie verwendeten hybriden Adjektive ist nach heutigem Verständnis veraltet. So gelten beispielsweise im Ratgeber zur Sprachpraxis des Autorenkollektivs Kalbos praktikos patarimuose (1985) nicht eksperimentalinis, elementarinis, racionalinis, specialinis, sondern eksperimentinis, elementarus, racionalus, specialus als bessere Formen (S. 72, 240, 271). –ingas, –a. Adjektive mit dem Suffix –ingas, –a kommen in den von M. Reinys verwendeten Termini dreimal seltener vor als solche, die mit dem Suffix –inis, –ė gebildet sind. Nur ein Drittel der Ableitungen mit diesem Suffix beruht ebenfalls auf litauischen Wörtern, z. B.: galingas (galinga vaizduotė 106), įdėmingas (įdėmingas mokymasis 101), noringas (noringasai judesys 187), savaimingas (savaimingas sielos galių buvimas 17) und valingas (valingasai judesys 187). Obwohl es in der Sprache insgesamt einige Ableitungen auf –ingas, –a aus Adjektiven gibt (siehe LKG I 1965: 558), wirkt įdėmingas ungewöhnlich und wie eine wortbildnerische Ausnahme. Übrigens kommt dieses Wort im vierten Band des Lietuvių kalbos žodyno nicht vor. Die Grundwörter der meisten untersuchten Adjektive mit diesem Suffix sind international, z. B.: aktingas (aktingas dėmesys 91), automatingas (automatingas judesys 184), charakteringas (savaiminis charakteringas atjausmis 159), impulsingas (impulsingi judesiai 184), instinktingas (instinktingas judesys 91), logingas (logingasai mąstymas 221), pasingas (pasingas dėmesys 91), refleksingas (refleksingas judesys 184) und simpat ingas (simpatingasai sekimas 168). Neben dem Terminus refleksingas judesys steht in Klammern auch die mit dem Suffix –inis gebildete Ableitung refleksinis. In jener Zeit, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, waren solche Adjektive in der Schriftsprache nicht selten. Solche Wörter, z. B.: aktingas, igieningas (heute higieniškas), objektingas, produktingas, simpatingas, hat J. Jablonskis in Mūsų žodynėlyje (1918) vorgeschlagen; auch M. Reinys könnte dieses Werk benutzt oder zumindest durchgeblättert haben. Freilich hat er einige Wörter mit dem Suffix –ingas korrigiert. In einer Rezension der Sprache des 1924 veröffentlichten Vortrags von J. Tumas (Vaižgantas) über den Autor von Šiaulėniškio Senelio, J. S. Dovydaitis, bezeichnete er das Adjektiv- 124 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba Anstelle von inteligentingas, nepatriotingas und adjektivischen Substantiven autonomin-gumas, labdaringumas schlug der große Sprachlehrer unter anderem vor, inteligentiškas, nepatriotiškas, autonomiškumas, labdariškumas zu verwenden (JR V 1936: 44). Von den zuvor erwähnten Hybridbildungen mit den Suffixen -ingas, -a sind im heutigen Sprachgebrauch offenbar nur noch charakteringas ir simpat­ingas übrig. Anstelle vieler anderer werden entweder Ableitungen mit den Suffixen -iškas, -a verwendet (z. B. automatiškas, logiškas) oder internationale Adjektive (z. B. aktyvus, impulsyvus, instinktyvus, pasyvus, refleksyvus). Übrigens waren zu der Zeit, als Psichologijos vadovėlį von M. Reinys erstellt wurde, häufige Konkurrenten der Ableitungen mit den Suffixen -inis, -ė Adjektive, die mit den Suffixen -iškas, -a gebildet wurden. Für die Termini des Lehrbuchs waren sie nicht unbedingt erforderlich. Es wäre interessant und für die Wissenschaft nützlich zu erfahren, ob dies ein charakteristisches Merkmal der damaligen psychologischen Terminologie oder lediglich eine Besonderheit des individuellen Sprachgebrauchs des Lehrbuchautors ist. Die Bestandteile der untersuchten psychologischen Termini werden auch durch einige in der Sprache weithin bekannte Adjektive ausgedrückt, die mit folgenden Suffixen abgeleitet sind: -ykštis, -ė: ursprünglich (ursprüngliches Gefühl 162); -imas, -a: fremd (fremdes* psychisches Wesen 8); -ras, -a: gemischt (gemischtes* Gefühl 157); -štas, -a: hoch (hohes* psychisches Funktionieren 34); -tas, -a: einfach (einfache Bildverknüpfung 142); -uistas, -a: krankhaft (krankhaft heitere Stimmung 223); -utinis, -ė: kraštutinis, -ė (karštutinis realizmas 65). Mehr als die Hälfte aller verschiedenen Adjektive, die in den Termini der Quelle verwendet werden, sind Hybridbildungen, die aus internationalen Wörtern mit den litauischen Suffixen -inis, -ė und -ingas, -a abgeleitet sind. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Wortbildung der Substantive und Adjektive, die für die Termini des Lehrbuchs verwendet wurden, deutlich. Präfixableitungen Unter den im Lehrbuch verwendeten psychologischen Termini fanden sich nur vier Ableitungen mit dem Präfix ne-, z. B.: nemalonus (nemalonus jausmas 128), nenoringas (nenoringi judesiai 184), nepriežastinis (nepriežastinė baimė 161) und nevalingas (nevalingi judesiai 187). Ableitungen gemischter Bildung Vier der untersuchten Adjektive sind als Bildungen ausgedrückt, die zugleich mit einem Präfix und einem Suffix abgeleitet sind. Es handelt sich um rein litauische Ableitungen gemischter Bildung: išvidinis (išvidinis valios veiksmas 183), išviršinis (išviršinis poty- Terminologija | 2010 | 17 125 ris 4) sowie um Hybride: įcentrinis (įcentriniai dirksniai 31) und išcentrinis (išcentriniai dirksniai 31). Was die Morphemstruktur betrifft, ist auch das Adjektiv išorinis, -ė gleich aufgebaut; daneben ist jedoch das Substantiv išorė weithin bekannt, das leicht als Grundwort des besprochenen Adjektivs gelten kann. In der Tat sind in den vierten Band des Lietuvių kalbos žodyno aus ursprünglichen Quellen der Gemeinsprache, die sieben bis acht Jahrzehnte alt sind, die Substantive išvidė „Innenseite; Inneres“ und išviršė „Außenseite“ aufgenommen worden (S. 258, 260); aus einer Quelle aus der Vorkriegszeit ist išviršė auch in die ersten beiden Auflagen des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno aufgenommen worden. Wenn man sich darauf und nicht auf den heutigen Sprachgebrauch stützt, könnte man die Adjektive išvidinis, -ė ir išviršinis, -ė gewissermaßen als Ableitungen mit dem Suffix –inis, –ė betrachten; die Bildungsbedeutung zeigt jedoch, dass die betreffenden Adjektive dennoch gleichzeitig mit Präfix und Suffix gebildet wurden. An der gemischten Bildung der Hybride įcentrinis, -ė ir išcentrinis, -ė lässt das vorliegende Material keinen Zweifel aufkommen (im Lietuvių kalbos žodyne findet sich zwar das Substantiv išcentris „eine außermittig auf eine Welle aufgesteckte Scheibe (zur Umwandlung einer Drehbewegung in eine Schreitbewegung)“ IV166 aus Vorkriegsschriften, doch lässt es sich aufgrund seiner Bedeutung nicht als Grundwort des Adjektivs išcentrinis, -ė auffassen). Suffixableitungen Zum Bestand der Lehrbuchtermini gehören lediglich zwei alte, im Sprachgebrauch geläufige Adjektive, die mit Endungen gebildet sind. Es sind kartus (karčios skonies jutimas 5) und das alte senoji psichologija 210. Zusammengesetzte Wörter Als abhängiges Glied (Attribut) der im Artikel untersuchten komplexen Termini wird ein zusammengesetztes Adjektiv verwendet – dviakas (dviakas regėjimas 115, dviakas matymas 113); in beiden Fällen steht neben dviakas als Synonym das Adjektiv binokuliarus (im Glossar des Lehrbuchs steht binakularus 232). Übrigens ist das Adjektiv dviakas im zweiten Band des Wörterbuchs der litauischen Sprache nicht verzeichnet. WORTBILDUNG DER VERBEN Als abhängige Glieder gehören 24 Partizipien von Verben zur Zusammensetzung der untersuchten komplexen Termini. Da Partizipien Verbformen sind, untersucht man sie im Hinblick auf die Wortbildung üblicherweise anhand der Infinitive und berücksichtigt dabei auch die übrigen Hauptformen. Knapp vier Fünftel der Verben sind Mischbildungen oder sekundäre Suffix- und Präfixbildungen. 126 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba Die nichtpräfigierten Mischverben girdėti (girdimoji haliucinacija 219), judėti (judamasai [atminties] tipas 86), regėti (regimoji haliucinacija 219) und svarstyti (svarstomoji galia 33 ir svarstytoji mintis 101) sind alte Wörter, die dieselbe Wurzel wie die entsprechenden primären Verben haben, jedoch nicht in allen Hauptformen ein Suffix oder dieselbe Suffixvariante aufweisen. Drei nichtpräfigierte sekundäre Verben sind mit dem Suffix -inti, abgeleitet, z. B.: gaminti (gaminamoji vaizduotė 102), judinti (judinamasai* dirksnis 76), žadinti (žadinantys afektai 159); eines ist eine Ableitung mit dem Suffix -auti, z. B. protauti (protaujamasi sielos esmės ir ypatybių pažinimas 3). Zehn Verben sind Präfixableitungen primärer und sekundärer Verben, z. B.: atgaminti (atgaminamoji vaizduotė 102, atgamintasaи vaidinys 144), įgimti (įgimtoji atmintis 98), išplėtoti (išplėtota valia 196), neveikti (neveikiamासai dėmesys 91), pajusti (pajuntamieji jausmai 168), palyginti (palyginamoji psichologija 10), panaudinti (panaudintieji jutimai 72), pasekti (pasekamieji vaizdai 54), patirti (patiriamasa* sielos reiškinių pažinimas 3) und prislegti (linguistai prislegtas ūpas 223). WORTBILDUNG DER ADVERBIEN In der Zusammensetzung der komplexen Ausgangstermini wird ein Adverb verwendet: liguistai (liguistai linksmas ūpas 223, liguistai prislegtas ūpas 223), das eine für Adjektive typische Ableitung mit dem Suffix –ai ist. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die Sprache des von Professor M. Reinys frei aus dem Russischen übersetzten Psychologie-Lehrbuchs ist klar, lebendig und auch heute, neun Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung (1921), leicht verständlich. Dies zeugt von der engen Verbindung des Bearbeiters mit der lebendigen Sprache der Menschen sowie davon, dass er die damalige allgemeine Fachsprache ausgezeichnet beherrschte. Diese allgemeinste Schlussfolgerung wird auch durch die Untersuchung der Wortbildung der im Lehrbuch verwendeten Termini und anderer Wörter gestützt, die in zusammengesetzte Termini eingehen. 2. Die untersuchten Termini und die in sie eingehenden Wörter (Substantive, Adjektive, Verben in der Grundform der Partizipien und Adverbien) sind mit allen morphologischen Wortbildungsverfahren gebildet worden – Suffigierungen machen 77,2% aus, Flexionsableitungen (nur Substantive und Adjektive) 14,5%, Präfixableitungen 4,6%, Zusammensetzungen (nur Substantive und Adjektive) 2,6% und gemischte Ableitungen (nur Adjektive) 1,1% aller Bildungen, die den Gegenstand des Artikels bilden (insgesamt über 350). Terminologija | 2010 | 17 127 3. Der größte Anteil aller Bildungen (87,8%) ist genuin litauisch; 12,2% entfallen auf Hybridbildungen, die aus Internationalismen mit litauischen Affixen gebildet sind. Bemerkenswert sind die sehr geringe Zahl hybrider Substantive (alle suffigiert; 1,7% aller gebildeten Substantive oder 3% der suffigierten Ableitungen dieser Wortart) und die große Zahl hybrider Adjektive (50% aller gebildeten Adjektive; fast alle sind Suffigierungen mit –inis, –ė und –ingas, –a; nur ein paar Ableitungen wurden zugleich mit einem Präfix und einem Suffix gebildet). 4. Ein besonderes Merkmal der untersuchten Bildungen ist die große Zahl von Abstrakta – 90% der mit Suffixen und Flexionsendungen abgeleiteten Substantive bezeichnen Handlungen (Verbalabstrakta) und Eigenschaften (Denominativabstrakta). Der größte Teil der Abstrakta ist mit den produktivsten Suffixen dieser beiden Wortbildungskategorien –imas und –umas gebildet. 5. Viele Bildungen sind weithin bekannt, werden seit Langem in der allgemeinen Schriftsprache verwendet oder sind als Termini geprägte Wörter. Seltene, nicht etablierte oder für den allgemeinen Sprachgebrauch ungeeignete Wörter gibt es nur wenige. Am stärksten hat sich die Stellung der mit dem Suffix –ingas, –a gebildeten Adjektive in der Sprache verändert – ein Teil von ihnen wird heute nicht mehr verwendet. Insgesamt zeigt sich anhand der Bildungen aus der untersuchten Quelle, dass sich die Wortbildung der Termini und ihrer Bestandteile im Laufe von 90 Jahren vergleichsweise wenig verändert hat. QUELLE Psychologie-Lehrbuch. Frei aus dem Werk von Prof. G. Tschelpanow übersetzt von Dr. phil. M. Reinys. Vilnius, 1921 (Veröffentlichung der Litauischen Wissenschaftsgesellschaft). LITERATŪRA Būga K. 1959: Rinktiniai raštai. T. 2. Sud. Z. Zinkevičius. Vilnius. DŽ₁ 1954: Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. Ats. red. J. Kruopas. Vilnius. DŽ₄ 2000: Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. Vyr. red. St. Keinys. Vilnius. JR V 1936: Jablonskio Raštai. T. 5: Kalbos dalykai. Redagavo J. Balčikonis. Kaunas. Katelytė R. 2009: Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio psichologijos terminų reikšmė ir kilmė. – Terminologija 16, 198–216. KP 1939: Kalbos patarėjas. Paruošė L. Dambrauskas. Redagavo A. Salys, Pr. Skardžius. Kaunas. KPP 1985: Kalbos praktikos patarimai. Sud. A. Pupkis. Vyr. red. Z. Zinkevičius. II pataisytas ir papildytas leidimas. Vilnius. LKG I 1965: Lietuvių kalbos gramatika. T. 1. Vyr. red. K. Ulvydas. Vilnius. LKŽ I–XX 1941–2002: Lietuvių kalbos žodynas. Ats. (vyr.) red. J. Balčikonis (t. 1–2), K. Ulvydas (t. 3–5, 11–16), J. Kruopas (t. 1–2, 6–10), V. Vitkauskas (t. 17–20). Vilnius. Mūsų žodynėlis. „Vargo mokyklos“ priedėlis. Surinko Rygiškių Jonas. Voronežas, 1918. PŽ 1993: Psichologijos žodynas. Spec. red. R. Augis, R. Kočiūnas. Vilnius. Skardžius Pr. 1943: Lietuvių kalbos žodžių daryba. Vilnius. Šalkauskis St. 1991: Bendroji filosofijos terminija – Raštai. T. 2: Filosofijos ir pedagogikos terminija. Parengė A. Sverdiolas. Vilnius, 126–252. Urbutis V. 1961: Dabartinės lietuvių kalbos galūnių darybos daiktavardžiai. – Kalbotyra 3, 27–60. Zinkevičius Z. 1966: Zinkevičius Z. Lietuvių dialektologija. Vilnius. 128 R. Katelytė, S. Keinys | M. Reinio psichologijos terminų ir jų dėmenų daryba WORD FORMATION OF MEČISLOVAS REINYS’ TERMS OF PSYCHOLOGY AND THEIR COMPONENTS The first three decades of the 20th century was a period of rapid development of contemporary Lithuanian terminology of various fields of science and technology. In 1921 Lithuanian scientific society published Psichologijos vadovėlis (Psychology textbook) which was a free translation of Georgij Chelpanov’s Учебник психологии performed by professor Mečislovas Reinys (1884–1953). This paper analyses the word formation of substantival one-word terms as well as nouns and other parts of speech which comprise components of complex terms used in this textbook. There were 390 words researched, 91% of them are formations. The majority of formations (73.6%) are nouns. Other parts of speech are less common – adjectives comprise 20.7%, verbs (participles) – 5.4% and adverbs – 0.3%. Cases of word formation of terms with suffixes, endings and prefixes as well as compounds and terms of mixed formation (with prefixes and suffixes at the same time) are researched in detail. It was established that the majority of formations researched (about 88%) are purely Lithuanian and about 12% are hybrids. Nearly all hybrids are derivates made from international words with Lithuanian suffixes. Very many terms of psychology and their components have an abstract meaning – 90% of nouns made with suffixes and endings are substantial or verbal abstracts. On the whole, the word formation of the one-word terms and components of complex terms researched has not changed much in 90 years. Gauta 2010-12-14 Rita Katelytė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] Stasys Keinys Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] Terminologija | 2010 | 17 1 2 9