Janio Endzelyno terminologinės įžvalgos
Full text
Janis Endzelīns’ terminologische Einsichten
SOLVITA LABANAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
SCHLÜSSELWÖRTER: baltische Sprachen, lettische Terminologie, litauische Sprache, terminologische Prinzipien
Zum 140. Geburtstag von Janis Endzelīns
<...> Kā bitīte medu sūca, Tā es ļaužu valodiņu. Es saliku vārdu ziedus, Kā puķītes vainagā <...> (aus einem lettischen Volkslied)1
Der Indoeuropäist Janis Endzelīns (Jānis Endzelīns), der bedeutendste Lettist des 20. Jahrhunderts, wurde am 22. Februar 1873 (nach dem alten Kalender am 10. Februar) im Norden Lettlands, nahe der Stadt Valmiera, geboren. Er starb am 1. Juli 1961 in Koknese und wurde in Riga auf dem Rainis-Friedhof beigesetzt. Vor mehr als einem halben Jahrhundert war ihm bestimmt, einer der bedeutendsten lettischen Sprachwissenschaftler zu werden.
Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über J. Endzelīns’ wissenschaftliche Tätigkeit und sprachliche Grundsätze; besonderes Augenmerk gilt seinen terminologischen Ansichten.
Als „lettischer Riese“2, wie ihn die meisten Wissenschaftler beschreiben, studierte J. Endzelīns Sprachwissenschaft in Estland (damals an der Universität Dorpat, dem heutigen Tartu) und in der Ukraine (an der Universität Charkow, die sich damals im Russischen Reich befand). Seine ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschienen während seiner Studienzeit unter dem Pseudonym Kaugurietis (nach seinem Geburtsort, dem Kirchspiel Kauguri) (Zīriņa 2012). Ab 1920 zog er von Charkow nach Riga und begann an der Lettischen Staatlichen Universität zu arbeiten. Auf seine Initiative hin wurde hier 1920 ein Lehrstuhl für baltische Philologie eingerichtet, den er durchgehend selbst leitete. J. Endzelīns hielt Vorlesungen zur lettischen Sprache und unterrichtete Litauisch und Altpreußisch
1 Die Worte über die Sprache stammen aus einem der Lieblingslieder von J. Endzelīns.
2 K. Būga nannte J. Endzelīns als Erster so.
Terminologija | 2012 | 19
173
die alten germanischen Sprachen, Sanskrit und andere Gebiete der vergleichenden Sprachwissenschaft. Seine Vorlesungen zeichneten sich durch außergewöhnliche Systematik, eine Fülle von Fakten und Präzision aus (Sabaliauskas 1962: 305). J. Endzelīns bediente sich mühelos der Fakten verschiedener Sprachen und fügte sie zu einem logisch klaren, präzisen System zusammen.
Kein anderer lettischer Wissenschaftler wurde zum Mitglied einer so großen Zahl von Institutionen und Organisationen gewählt wie J. Endzelīns – er war nicht nur Ehrenmitglied europäischer (tschechischer, estnischer, niederländischer, finnischer, schwedischer, deutscher u. a.), sondern auch amerikanischer linguistischer Gesellschaften (EL 1972: 155). Während seiner mehr als sechzig Jahre währenden intensiven wissenschaftlichen Tätigkeit veröffentlichte der Sprachwissenschaftler über 300 Arbeiten auf Lettisch, Russisch, Deutsch, Litauisch, Italienisch, Französisch und Polnisch. Unter J. Endzelīns’ grundlegenden baltistischen Arbeiten sind zu nennen: Славяно-балтийские этюды (Slavų ir baltų etiudai), 1911; Senprūšu valoda (Senovės prūsų kalba), 1943; Baltu valodu skaņas un formas (Baltų kalbų garsai ir formos – 1957 in litauischer Sprache veröffentlicht), 1948; Ievads baltu filoloģijā (Baltų filologijos įvadas), 1945. Erwähnenswert ist die 1951 in Riga zum zweiten Mal erschienene Latviešu valodas gramatika (Latvių kalbos gramatiką)3, in der J. Endzelīns bei der Erläuterung der Geschichte lettischer Sprachfakten häufig auch auf das Litauische zurückgriff. „In gewissem Sinne kann dieses Werk als erste Grammatik der baltischen Sprachen gelten, in der die Fakten des Lettischen an erster Stelle stehen“ (Sabaliauskas 1982: 109).
Von 1921 bis 1940 redigierte J. Endzelīns die Zeitschrift Filologu biedrības raksti (Filologų draugijos straipsniai; es erschienen 20 Hefte). Die meisten Arbeiten des Sprachwissenschaftlers sind in der vierbändigen Werkauswahl Darbu izlase zusammengestellt, die Fragen der Baltistik, der vergleichenden historischen Sprachwissenschaft, der lettischen Ethnogenese, Dialektologie, Toponomastik, Sprachkontakte sowie aktuelle Fragen der lettischen Sprachkultur, Lexikografie und weiterer Bereiche behandelt.
ANSICHTEN ZUR NORMIERUNG DER STANDARDS PRACHE
Wie Daina Nītina formuliert, lassen sich J. Endzelīns’ theoretische Ansichten anhand umfassender Untersuchungen seines wissenschaftlichen Erbes systematisieren (Nītiņa 1972: 12).
J. Endzelīns entwickelte und verankerte gemeinsam mit dem anderen berühmten lettischen Sprachwissenschaftler Kārlis Mīlenbahs die grundlegenden Prinzipien der Normierung der lettischen Sprache. Der Wissenschaftler untersuchte, den Linguisten der Leipziger Schule folgend, akribisch jedes sprachliche Detail in den verschiedenen Entwicklungspha-
3 1958 wurde J. Endzelīns für diese Arbeit als erstem Wissenschaftler in Lettland der Leninpreis verliehen.
174
Solvita Labaunskienė | Janio Endzelyno terminologinės įžvalgos
sen. Für ihn waren nicht nur historische Daten der lettischen Sprache von Bedeutung – um eine objektive Bewertung zu erreichen, schlug er vor, Vergleiche anzustellen, das heißt, Erscheinungen der eigenen Sprache mit verwandten Sprachen zu vergleichen (Porīte 1973: 70).
„Zu den wichtigsten Prinzipien der Sprachnormierung zählt J. Endzelīns die Auswahl. Schon dieses Prinzip bedeutet gewisse Verluste – wenn wir aus mehreren Möglichkeiten wählen, müssen wir auf etwas verzichten. Daher ist selbst eine einfache Auswahl eine verantwortungsvolle Arbeit; wichtig ist, das Geeignetste und Wertvollste zu übernehmen und schlechtere sowie unnötige Varianten abzulehnen. Die normierende Arbeit beschränkt sich nicht auf die Auswahl allein; es gilt auch, ganz neue Erscheinungen zu schaffen, die in der Sprache nicht vorhanden sind oder nicht unmittelbar aus ihr übernommen wurden“ (Knıūkšta 2001: 142).
Wie Jonas Jablonskis setzte sich J. Endzelīns für die Reinheit der Muttersprache ein. Offen und streng prangerte er Sprachfehler und Unregelmäßigkeiten kritisch an. Der Professor zeichnete sich durch äußerliche Präzision (Ādamsons 1999: 5) und sprachliche Korrektheit aus: die Beachtung der Wortbedeutung, grammatische Richtigkeit und Wohlklang (Celmiņa 1999: 36). Dies verlangte er von jedem, der sprach oder schrieb.
Die lettische Sprachwissenschaftlerin Tamāra Porīte führt folgende Kriterien J. Endzelīns’ zur Normierung der Sprache auf: 1) Alter von Wortformen oder Konstruktionen, 2) Tradition und Verbreitung im Gebrauch von Wortformen oder Konstruktionen, 3) Analogie, 4) semantische Funktion der Wortbestandteile, 5) sprachliche Ökonomie, 6) Klarheit, 7) Korrektheit (Porīte 1973: 71–74).
Bei der Entwicklung von Normen für die Standardsprache maß J. Endzelīns den lettischen Volksliedern große Bedeutung bei (Endzelīns I: 31). Seiner Ansicht nach sind die alten Volkslieder die einzige reine Quelle der lettischen Sprache – jener Sprache, die die Letten früher sprachen, als sie weder Fremdsprachen beherrschten noch in einer Sprache kommunizierten, die Germanismen und Slawismen enthielt (Endzelīns III₂: 236–237).
Der Wissenschaftler betonte die Bedeutung der Nachbarsprachen. Als Beispiel für das Lettische verwies J. Endzelīns auf das Litauische und zog in seinen Untersuchungen häufig Fakten aus dem Litauischen heran (Nītina 1972: 11). Das zeigt sich auch in dem in den Vereinigten Staaten von Amerika erschienenen Buch Profesora J. Endzelīna atbildes. Rīgas latviešu biedrības valodniecības nodaļas sēžu protokoli 1933–1942 (Profesoriaus J. Endzelyno atsakymai. Rygos latvių draugijos kalbotyros skyriaus posėdžių protokolai 1933–1942), zum Beispiel:
Wie soll „galvas plikumu“ (Die Glatze, плешь) korrekt genannt werden? Antwort: In Glikas Text findet sich das Wort „pleķis“, doch mit seinem Laut ķ ist es nicht lettisch. Man sollte ein neues Wort „pleice“ einführen, das dem litauischen „pleikē“ entspricht (Endzelīns 2001: 23).
Terminoloģija | 2012 | 19
175
Ist „esamība“ (das Sein) richtig? Antwort: In dieser Bedeutung sagt man besser „esme“ (wie lit. esmė) und „ira“. Die Bedeutungen dieser beiden Wörter könnte man unterscheiden (Endzelīns 2001: 24).
Anstelle des Wortes „Atelję“, das keine lettische Endung hat, könnte man das Wort „dirbīkla“ (vgl. lit. dirbyklà) und das in Priekule bekannte Verb „piedirbt“ =(etwa: „zurechtmachen“) verwenden (Endzelīns 2001: 32)4.
In den erwähnten Sitzungen der Gesellschaft lettischer Philologen in Riga wurden Fragen der Syntax, Stilistik, Rechtschreibung, Terminologie und anderer Bereiche behandelt. Daran nahmen auch Vertreter Litauens teil – Petras Jonikas und Jonas Kabelka.
J. Endzelīns lernte Litauisch selbstständig, und die Sprache wurde für ihn nicht nur zu einem Hilfsmittel bei der Erforschung anderer Sprachen, sondern auch zu einem unmittelbaren Forschungsgegenstand (Sabalauskas 1959: 23). Für litauische Zeitschriften (Lietuvių tauta, Archivum Philologicum) schrieb er Artikel und interessierte sich für das kulturelle Leben Litauens. J. Endzelīns erwähnte stets mit großer Herzlichkeit die Sprachwissenschaftler – den Litauer Kazimieras Būga und den Esten Paul Ariste (Paul Ariste) (Bitītė-Murele 1999: 25). Der lettische Wissenschaftler ermunterte K. Būga, den Weg eines Wörterbuchverfassers einzuschlagen (Vosylýtė 1956: 88). Auch J. Jablonskis blieb ihm in Erinnerung. J. Endzelīns bezeichnete ihn als Lehrer, der ihm theoretische Kenntnisse vermittelt und bei der Ordnung der Terminologie geholfen hatte.
In den Rezensionen von J. Endzelīns, die sowohl vor dem Zweiten Weltkrieg als auch in den Nachkriegsjahren verfasst wurden, treten seine sprachlichen Auffassungen besonders deutlich hervor. Über Übersetzungen von Texten schrieb er, man solle dem Original so weit wie möglich Rechnung tragen, zugleich aber die eigene Sprache nicht benachteiligen (Endzelīns I: 656). Seiner Ansicht nach müsse man sich in den Geist und die Lebendigkeit der Sprache einfühlen. Für die Bildung neuer Wortformen schöpfte J. Endzelīns Inspiration bei Schriftstellern.
Valentina Skujinia (Valentīna Skujiņa) betonte, dass J. Endzelīns der Auffassung war, die Sprache sei ein lebendiger Organismus, der sich gemeinsam mit der Gesellschaft verändere und weiterentwickle. Daher kann etwas, das in einer bestimmten Epoche als richtig gilt, nach einiger Zeit als nicht mehr angemessen erscheinen (Skujiņa 1972: 27–28).
4 Übersetzung: Wie bezeichnet man „eine kahle Stelle am Kopf“ (Die Glatze, плешь) korrekt? Antwort: In Gliks Text finden wir das Wort „pleikīs“, doch es ist wegen des Lautes ķ kein lettisches Wort. Man sollte das neue Wort „pleicē“ einführen, das dem lit. „pleikė“ entspricht (aus der Sitzung der Sprachwissenschaftlichen Abteilung vom 7. Dezember 1933 unter dem Vorsitz von J. Endzelīns). Ist das Wort „esamība“ (das Sein) richtig? Antwort: Diese Bedeutung sollte man besser „esme“ (wie lit. esmė) und „ira“ nennen. Die Bedeutungen beider Wörter sollte man unterscheiden (aus der Sitzung der Sprachwissenschaftlichen Abteilung vom 21. Dezember 1933 unter dem Vorsitz von J. Endzelīns). Anstelle des Wortes „atelje“, das keine für das Lettische typische Endung hat, wäre es besser, das Wort „dirbikla“ (vgl. lit. dirbyklà) und das in Priekule bekannte Verb „piedirbt“ =(etwa: „zurechtmachen“) zu verwenden (aus der Sitzung der Sprachwissenschaftlichen Abteilung vom 27. September 1934 unter dem Vorsitz von J. Endzelīns).
176 Solvita Labanauskienė | Janio Endzelyno terminologinės įžvalgos
GRUNDSÄTZE DER TERMINOLOGISCHEN ARBEIT
J. Endzelīns begann seine praktische Spracharbeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, also zu einer Zeit, als von lettischen Autoren individuell geschaffene, nicht normierte Wörter vorherrschten. In jener Zeit, so die lettische Terminologin V. Skujiņa, gab es in Lettland noch keine ausgearbeiteten Grundsätze für die Bildung von Termini (Skujiņa 1972: 17).
V. Skujiņa hat über die Verdienste des berühmten lettischen Sprachwissenschaftlers um die Terminologie geschrieben. Ihr zufolge veröffentlichte J. Endzelīns keine gesonderte Untersuchung zu terminologischen Fragen; seine Auffassung zu diesem wissenschaftlichen Gebiet lässt sich jedoch erschließen, wenn man das Buch Dažādas valodas kļūdas (Verschiedene Sprachfehler) (1. Aufl. 1928, 4. Aufl. 1932) sowie einzelne Beiträge aus den von ihm redigierten Büchern liest (P. Ozoliņa Valodas prakses jautājumi (Fragen der Sprachpraxis) (1935) und V. Rūķe Valodas un rakstības jautājumi (Fragen der Sprache und Rechtschreibung) (1940)) (Skujiņa 1972: 23).
J. Endzelīns verfasste Beiträge zu terminologischen Fragen, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden, etwa in Dzīntenes Vēstnesis (Nachrichten der Heimat), Latvijas Sargs (Lettlands Wächter), Latvijas, Latviju Mēnešraksts (Lettische Monatsschrift), Skolotāju Avīze (Lehrerzeitung) und anderen. Mit seiner terminologischen Arbeit trug er zur Ordnung der lettischen Terminologie bei.
Anfang 1919 wurde in Petersburg die erste Kommission für lettische Terminologie gegründet – Latviju terminu komisija (Lettische Terminologiekommission). Im Sommer desselben Jahres wurde auf Vorschlag des Bildungsministeriums auch in Riga eine Terminologiekommission eingerichtet, die in Sektionen gegliedert war und die Termini verschiedener Fachgebiete bearbeitete. Sie war bis zum Zweiten Weltkrieg tätig. Der Terminologiekommission unterstand eine spezielle sprachwissenschaftliche Kommission mit sieben Mitgliedern: J. Endzelīns (trat 1920 bei), Ernests Blese, Pauls Dāle, Vilis Plūd(o)nis, Linards Laicens und andere. Aufgabe dieser Kommission war es, den sprachlichen Teil der in den Sektionen geleisteten Arbeit zu überprüfen (Skujiņa 2002: 16). J. Endzelīns wurde zum Berater ernannt. 1922 veröffentlichte die Kommission Zinātniskās terminoloģijas vārdnīca (Wörterbuch der wissenschaftlichen Terminologie), in dem die Termini auf Russisch, Deutsch und Lettisch aufgeführt sind. Darin wurden Termini aus mehr als zehn Fachgebieten veröffentlicht: Sprachwissenschaft, Philosophie, Recht, Finanzen, Kunst, Chemie, Mathematik und weitere. Im Terminologiewörterbuch finden sich Termini lettischen Ursprungs (volkssprachliche Termini und Neubildungen) sowie Fremdwörter. Dennoch weist das Wörterbuch auch puristische Züge auf: Neben Internationalismen wurden in das Wörterbuch von 1922 künstlich gebildete, unverständliche Termini aufgenommen (Grabis 2006: 224), zum Beispiel: inerce – kutrība, klients –
Terminologija | 2012 | 19
177
pienāksnieks, koeficients – reizulis, koridors – starpeja, signalizācija – ziņdošana, temperatūra – siļtķāpe, tēze – dēts usw. Wie zu sehen ist, versuchte die Lettische Terminologiekommission, die meisten Internationalismen (die J. Endzelīns auch als moderne Fremdwörter bezeichnete) zu verdrängen und durch Neologismen zu ersetzen. In der Presse wurden Umfragen veröffentlicht, wodurch auch die Öffentlichkeit in die Terminologiearbeit einbezogen wurde.
Nach dem Erscheinen des Terminologischen Wörterbuchs begann man, es in den Medien scharf zu kritisieren. J. Endzelīns veröffentlichte öffentlich drei Briefe an einen der Kritiker, den Doktor der Medizin Hermanis Budulis, der das Wörterbuch als „in terminologischen Fragen stark oberflächlich“ bezeichnet hatte (ausführlicher siehe Endzelīns III₂: 127–133). Der lettische Sprachwissenschaftler verfasste eine strenge Erwiderung, in der er der unbegründeten und absurden Kritik widersprach. In seinen Antwortbriefen führte er nicht nur die Gründe für die Auswahl der von H. Budulis kritisierten Termini an, sondern legte auch die Prinzipien der Terminusbildung dar. Dreigliedrige Termini galten J. Endzelīns nicht mehr als Termini, sondern als Definitionen, zum Beispiel elpas rīkles vāks (Kehldeckel). Seiner Ansicht nach war es wichtig, zunächst alle im Volk gebräuchlichen Wörter zu sammeln; erst danach könne man sich der Wortbildung zuwenden (Skujiņa 1972: 22). Von größter Bedeutung war dem Wissenschaftler zufolge die Zusammenarbeit von Fachleuten und Sprachwissenschaftlern.
Im dritten und vierten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde in Lettland intensiv an der Bildung von Termini gearbeitet, allerdings unsystematisch und ohne die Terminologien verschiedener Fachgebiete aufeinander abzustimmen und zu koordinieren (Skujiņa 2002: 18). J. Endzelīns bedauerte, dass Litauer und Letten ihre Terminologiearbeit nicht miteinander abstimmten; so hätte man zahlreiche beiden Völkern gemeinsame Termini bilden können (Endzelīns III₂: 373). Seiner Ansicht nach muss die Terminologie im Laufe der Zeit immer wieder überarbeitet, aktualisiert und ergänzt werden.
Der lettische Sprachwissenschaftler redigierte mehrere Wörterbücher, darunter auch einige Terminologiewörterbücher. 1939 erschien das zweisprachige Terminologiewörterbuch Vāciski-latviska elektrotechniska vārdnīca5 (Zusammenstellung der Terminologiekommission des Lettischen Elektrotechnischen Vereins. [Red. J. Endzelīns]. Riga, 1939) (Deutsch-lettisches elektrotechnisches Wörterbuch), dessen Termini J. Endzelīns überprüfte. Es war das erste der Elektrotechnik gewidmete Wörterbuch, das neben den deutschen auch lettische Termini aufführte (etwa 5000 Termini). Laut
5 lett. „elektrotechnisches Wörterbuch“. J. Endzelīns zufolge wäre gemäß den Traditionen der lettischen Sprache die korrekte Bezeichnung elektrotehnika vārdnīca (Wörterbuch der Elektrotechnik), denn der Genitiv drückt Zugehörigkeit aus, während mit Ableitungen auf –isch Artbeziehungen und Beschaffenheit bezeichnet werden. Gerade in solchen Fällen wird im Russischen und Deutschen ein Adjektiv verwendet (Skujiņa 1999: 104–105).
178
Solvita Labanauskienė | Janio Endzelyno terminologinės įžvalgos
Laut V. Skujiņa bestätigte das Wörterbuch von 1939, dass die Tätigkeit der damaligen lettischen Intelligenz gute Ergebnisse hervorgebracht hatte: Der Großteil der Termini ist auch in der heutigen Sprache gebräuchlich. Dabei handelt es sich vor allem erstens um kurze und praktische Termini – Ableitungen auf -e – und zweitens um zusammengesetzte Termini. Bemerkenswert ist, dass ein Teil der lettischen Termini nach deutschem Vorbild gebildet wurde (Skujiņa 1999: 101).
Zu nennen sind einige von J. Endzelīns redigierte Wörterbücher, in denen er nicht nur die Korrektur las, sondern auch Termini, nomenklatorische Bezeichnungen und Definitionen überarbeitete (Bibliografija 1958: 11):
Latviešu pareizrakstības vārdnīca (Latvijų rašybos žodynas). Sakārt. Ed. Ozoliņš. Red. J. Endzelīns, Rīga, 1924.
Svešvārdu vārdnīca (Svetimžodžių žodynas). Sakārt. Ed. Ozoliņš. Red. J. Endzelīns, Rīga, 1926.
Tautsaimniecības vārdnīca (Tautos ūkio žodynas). 1.–4. [Nenobeigta]. Galv. redaktors: E. Dunsdorfs. Redaktori: A. Aizsilnieks, K. Bērziņš, L. Šulcs. Valodas redaktori: J. Endzelīns, E. Hauzenberga-Šturma. Krievu valodas redakt ser N. Sinais ka-Lapa. Rīga, 1943–1944.
Auziņš A., Kleinbergs F. un Plostnieks F. Vāciski-latviski grāmatrūpniecības termini (Vokiečių–latvių kalbų knygų pramonės terminai). Red. A. Augstkalns. [Korektūrā grāmatu skatīja prof. J. Endzelīns un deva dažus priekšlikumus un aizrādījumus]. Rīga, 1940.
Latviešu, vācu un krievu grāmatrūpniecības vārdnīca (Latvių, vokiečių ir rusų kalbų knygų pramonės žodynas). Sakārt. A. Auziņš, (Vārdnīcas nomenklatūru redigējis prof. J. Endzelīns), Rīga, 1942.
Aus diesen Wörterbüchern lassen sich Rückschlüsse auf die sprachlichen Auffassungen des lettischen Wissenschaftlers sowie auf seine Kriterien für die Terminusbildung ziehen. Die meisten darin angebotenen Terminusmodelle sind auch heute produktiv.
Eine enorme Arbeit leistete J. Endzelīns gemeinsam mit K. Mühlenbach bei der Erstellung eines der größten lettischen Wörterbücher, Latviešu valodas vārdnīca (1923–1932) (Wörterbuch der lettischen Sprache). Das Wörterbuch enthält zahlreiche Dialektwörter, die Möglichkeiten bieten, die heutige Terminologie zu verwenden und zu ergänzen (siehe Skujiņa 1972: 30). Dieses Wörterbuch ist auch deshalb wichtig, weil es viel etymologisches Material enthält, das für die litauische Sprache nützlich ist.
Bei seiner praktischen terminologischen Arbeit widmete J. Endzelīns der Wortbildung besondere Aufmerksamkeit. Er betonte die Eindeutigkeit der Wortbildungsmittel (Skujiņa 1972: 24), das heißt, dass die semantische Rolle (Funktion) jedes Wortbestandteils berücksichtigt werden muss. Für die Bildung von Ableitungen mit abstrakter Bedeutung hielt J. Endzelīns das Suffix –ība für das produktivste (zur Bezeichnung intensiverer oder beständigerer Eigenschaften), zum Beispiel: agrīnība „Frühzeitigkeit“, didžība „Stacheligkeit“, nodarbinātība „Beschäftigung; Erwerbstätigkeit“, notu-
Terminologija | 2012 | 19
179
Grenze „Beständigkeit“ usw. Zur Bezeichnung eines Merkmals oder Zustands verwendete er Ableitungen mit dem Suffix –ums. Diese Ableitungen haben eine konkretere Bedeutung; sie werden verwendet, um einen Einzelfall oder einen vorübergehenden Zustand zu benennen, z. B.: nopietnums „Ernsthaftigkeit“, patiesums „Richtigkeit“ usw.
J. Endzelīns schlug vor, neue Termini mit der Endung –e zu bilden: Solche Ableitungen haben eine kürzere Form und eine stärker verallgemeinerte Bedeutung, das heißt, sie können sowohl einen Tätigkeitsprozess als auch dessen Ergebnis bezeichnen (Saule-Sleine 1972: 11), z. B.: aizdedze „Entzündung“, bīde „Verschiebung“, slīde „Gleiten“ usw.
Der lettische Sprachwissenschaftler rief dazu auf, auch Zusammensetzungen nicht außer Acht zu lassen, die praktisch zu verwenden sind, weil sie es ermöglichen, komplexe Begriffe mit einem einzigen Wort auszudrücken (und damit der Forderung nach Kürze von Termini entsprechen) (Skujiņa 1972: 11), z. B.: darbietilpība „Arbeitsaufwand“, sausumizturība „Dürrebeständigkeit“, ziemcietība „Winterhärte“ usw.
J. Endzelīns nahm zahlreiche neue Wörter in die lettische Terminologie auf, auf die auch die heutige Terminologie nicht verzichten kann. Viele der von ihm vorgeschlagenen Termini, insbesondere solche, die mit Suffixen und Endungen gebildet wurden, sowie Zusammensetzungen, haben sich im heutigen Lettischen etabliert, z. B.: aptumsums „Verdunkelung“, attieksme „Verhältnis“, dārzeņi „Gemüse“, dotumi „Daten“, dzinējrats „Schwungrad“, izvirdums „Ausbruch; Eruption“, laimests „Gewinn“, prievārds „Präposition“, pārstāvis „Vertreter“, vide „Umwelt“, ziede „Salbe“ usw.
J. Endzelīns widmete der Analogie besondere Aufmerksamkeit. Bei der Bildung neuer Wörter verwendete er die Muster ähnlicher, bereits im Lettischen vorhandener Wörter (Porīte 1973: 71–72). Der lettische Sprachwissenschaftler schloss eine Wortbildung nach dem Vorbild anderer Sprachen nicht aus.
Mittel zur Bereicherung der Sprache sind laut J. Endzelīns die Entlehnung von Wörtern aus Dialekten sowie aus dem Litauischen oder Preußischen und die Bildung eigener Wörter. Auch Stasys Šalkauskis, der Begründer der litauischen Terminologietheorie, hob den Wortschatz der eigenen Sprache als wichtigste Quelle der Terminologie hervor (ausführlicher siehe Šalkauskis 1991: 24–60).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 eine der Lettischen (damals noch der SSR) Akademie der Wissenschaften unterstellte Terminologiekommission gegründet (zunächst trug sie den Namen Latviešu valodas terminoloģijas un pareizrakstības komisija (Latvju kalbos terminologijos ir rašybos komisija), später wurde der Name verkürzt und in Latviešu valodas terminoloģijas komisija (Latvju kalbos terminologijos komisija) umbenannt (Skujiņa 2007: 5)). J. Endzelīns wurde wissenschaftlicher Leiter der Sprachabteilung des Instituts für Sprache und Literatur. Neben seinen grundlegenden Forschungen zur lettischen Sprache fand J. Endzelīns auch Zeit für aktuelle Fragen der Sprachpraxis und Terminologie. Die damalige Lettische SSR
180
Solvita Labanauskienė | Janio Endzelyno terminologinės įžvalgos
Die Akademie der Wissenschaften begann, die Zeitschrift Zinātņu akadēmijas vēstis (Mokslų akademijos žinios) herauszugeben und als separate Beilage die Mitteilungsblätter der Terminologiekommission (innerhalb von 30 Jahren erschienen 42 Terminologie-Mitteilungsblätter). Darin wurden die von der Kommission geprüften und gebilligten lettischen Termini aus verschiedenen Fachgebieten sowie ihre russischen Entsprechungen veröffentlicht. So war J. Endzelīns von 1946 bis 1955 in der Terminologiekommission für Lettisch der Akademie der Wissenschaften tätig; er verfasste Stellungnahmen zu Termini aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Technik, präzisierte sie und schuf neue Wörter. Vielen Fachleuten erteilte er wertvolle Beratung zu Fragen der Terminologiebildung (Skujiņa 1972: 30).
Seit 1946, als das Institut für Sprache und Literatur der Lettischen Akademie der Wissenschaften gegründet wurde, leitete J. Endzelīns die Sprachabteilung und später bis zu seinem Tod den Wörterbuchsektor.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
J. Endzelīns ist nicht nur einer der bedeutendsten Lettisten, sondern auch einer der bedeutendsten Baltisten. Er gehört zu den maßgeblichen Gestaltern der Prinzipien zur Normierung der lettischen Sprache. Im Kern beruhen Endzelīns’ Prinzipien darauf, sich strikt an die Fakten der Sprachgeschichte zu halten, Vergleiche mit verwandten Sprachen anzustellen, das Geeignetste und Wertvollste auszuwählen, die Reinheit und grammatische Korrektheit der Sprache sowie ihren Wohlklang zu wahren und die Wortbedeutungen zu berücksichtigen.
Mit seinen theoretischen und praktischen Arbeiten trug der Wissenschaftler zur Entwicklung der lettischen Terminologie bei. Seine theoretischen Ansichten zur Lösung terminologischer Probleme gehen aus dem für sprachpraktische Zwecke verfassten Buch Verschiedene Sprachfehler, aus Aufsätzen in verschiedenen lettischen Zeitungen und Zeitschriften sowie aus den von ihm redigierten Terminologie- und Fremdwörterverzeichnissen, Rechtschreibwörterbüchern und Büchern hervor. Wertvolles Material für die litauische Terminologie findet sich in dem von J. Endzelīns und K. Mīulenbach zusammengestellten Lettischen Wörterbuch.
Der Wissenschaftler maß der Volkssprache große Bedeutung bei und betrachtete sie als eine der wichtigsten Quellen der Terminologie. Er schlug vor, Neubildungen nur dann zu schaffen, wenn sich in der Volkssprache kein gebräuchliches Wort finden ließ. Als produktivste Suffixe im Lettischen betrachtete er -ība und -ums; er schlug vor, neue Termini mit der Endung –e zu bilden und Zusammensetzungen nicht zu meiden (Kriterium der Kürze).
Der lettische Sprachwissenschaftler lehnte lange, beschreibende Termini ab – dreigliedrige Termini galten ihm als Definitionen. Besonders betonte er die Zusammenarbeit zwischen Sprachwissenschaftlern und Fachleuten verschiedener Disziplinen.
Dank J. Endzelīns wurde die lettische Terminologie weiterentwickelt, ergänzt und systematisiert; zahlreiche von ihm geschaffene Termini sind bis heute in Gebrauch.
Terminologija | 2012 | 19
181
LITERATUR UND QUELLEN
Ādamsons E. 1999: Latvju milzis. – Jānis Endzelīns atmiņās, pārdomās, vēstulēs, Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 5–7.
Bibliografija 1958: Akadēmiķis J. Endzelīns. Bibliografija. Sastādītāji: Kārlis Egle un Jānis Paeglis, Rīga: Latvijas PSR zinātņu akadēmijas izdevniecība.
Bitīte-Mūre M. 1999: Vārds – tas ir svētums, gadsimtu pienests. – Jānis Endzelīns atmiņās, pārdomās, vēstulēs, Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 24–27.
Celmiņa I. 1999: Liela koka paēnā.– Jānis Endzelīns atmiņās, pārdomās, vēstulēs, Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 33–39.
EL 1972: Encyclopedia Lituanica 2, Boston, Massachusetts.
Endzelīns J. I: Darbu izlase 1, 1971, Rīga: Zinātne.
Endzelīns J. III-2: Darbu izlase 3. 2. daļa, 1980, Rīga: Zinātne.
Endzelīns J. 2001: Profesora J. Endzelīna atbildes. Rīgas Latviešu biedrības valodniecības nodaļas sēžu protokoli 1933–1942, Losandželosā, ASV: Ramave.
Grabis R. 2006: Par latviešu terminoloģijas attīstību un izstrādi. – Darbu izlase, Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 221–229.
Keinys St. 2005: Dabartinė lietuvių terminologija, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla.
Kniūkšta P. 2001: Kalbos vartosena ir tvarkyba, Vilnius: LKI leidykla.
Nītiņa D. 1972: Vispārīgās valodniecības jautājumi akadēmiķa Jāņa Endzelīna darbos. – Veltījums akadēmiķim Jānim Endzelīnam 1873–1973, Rīga: Zinātne, 11–24.
Porīte T. 1973: J. Endzelīna šaļvenie literāro normu avoti un normēšanas kritēriji latviešu valodas praksē. – Latvijas Zinātņu akadēmijas vēstis 2 (307), Rīga, 68–75.
Sabaliauskas A. 1962: Janis Endzelīnas. – Literatūra ir kalba 6, Vilnius, 302–328.
Sabaliauskas A. 1959: Akadēmiķa Jāņa Endzelīna nopelni lituānistikā. – Rakstu krājums. Veltījums akadēmiķim profesoram Dr. Jānim Endzelīnam viņa 85 dzīves un 65 darba gadu atcerei, Rīga: Latvijas PSR Zinātņu Izdevniecība, 23–27.
Sabaliauskas A. 1982: Janis Endzelīnas. – Lietuvių kalbos tyrinėjimo istorija 1940–1980, Vilnius: Mokslas, 107–114.
Saule-Sleine M. 1972: Par akadēmiķa J. Endzelīna darbu latviešu valodas kultūras laukā. – Latviešu valodas kultūras jautājumi 8, 7–16.
Skujiņa V. 1972: J. Endzelīna devums latviešu valodas zinātniskā terminoloģijas attīstībā. – Latviešu valodas kultūras jautājumi 8, Rīga, 17–33.
Skujiņa V. 1999: Terminu modeļi J. Endzelīna caurlūkotajā elektrotehnikas vārdnīcā. – Linguistica Lettica 4, Rīga, 100–109.
Skujiņa V. 2002: Latviešu terminoloģijas izstrādes principi, Rīga: LVI.
Skujiņa 2007: Latvijas Zinātņu akadēmijas terminoloģijas komisija sešos gadu desmitos. – Latvijas Zinātņu akadēmijas vēstis, 61. sējums, 3. numurs, Rīga, 4–13.
Šalkauskis S. 1991: Raštai 2, Vilnius: Mintis.
Vosylvtė B. 1956: K. Būga žodynininkas. – Literatūra ir kalba 1, Vilnius, 84–113.
Ziriņą I. 2012: Valodnieks no Kauguriem. Prieiga per internetą: http://valmiera.zurbu.net/id:1221/feed. Žiūrėta: 2012-10-03.
TERMINOLOGISCHE EINBLICKE VON JĀNIS ENDZELĪNS
Dieser Artikel stellt kurz die Forschungstätigkeit und die sprachwissenschaftlichen Ansichten des Indogermanisten und berühmtesten lettischen Linguisten des 20.th Jahrhunderts, Jānis Endzelīns, vor. Besondere Aufmerksamkeit gilt seinen terminologischen Ansichten.
Während einer sechzigjährigen intensiven Forschungstätigkeit veröffentlichte er über 300 Arbeiten auf Lettisch, Russisch, Deutsch, Litauisch, Italienisch, Französisch und Polnisch. Endzelīns entwickelte und etablierte gemeinsam mit dem anderen berühmten lettischen Linguisten Kārlis Mīlenbahs die grundlegenden Prinzipien der Standardisierung der lettischen Sprache. Diese Prinzipien beruhen
182
Solvita Labanauskienė | Jāņa Endzelīno terminologinės įžvalgos
auf der Berücksichtigung der historischen Tatsachen der Sprache, dem Vergleich mit eng verwandten Sprachen, der Auswahl der relevantesten und wertvollsten Elemente, der Wahrung von Sprachreinheit, grammatischer Korrektheit und Sprachklang sowie der Achtung vor den Bedeutungen der Wörter.
Endzelīns’ theoretische und praktische Arbeiten trugen zur Entwicklung der lettischen Terminologie bei. Seine theoretischen Ansichten zu terminologischen Fragen kommen sowohl in seinen Artikeln als auch in den von ihm herausgegebenen Fachwörterbüchern und Büchern zum Ausdruck. Nach der Gründung des Terminologieausschusses in Riga im Jahr 1919 übernahm Endzelīns Aufgaben der Terminologiearbeit. Viele Jahre lang nahm er an Sitzungen teil, in denen Fragen der Terminbildung und des Sprachgebrauchs in verschiedenen Fachgebieten erörtert wurden; außerdem beriet er Fachleute unterschiedlicher Bereiche. Endzelīns gab auch Fachwörterbücher, Wörterbücher der Lehnwörter sowie Rechtschreibwörterbücher heraus.
Endzelīns betrachtete die eigenen sprachlichen Ressourcen als Grundlage für die Entwicklung der Terminologie. Er widmete der Wortbildung und insbesondere der semantischen Funktion von Wortbestandteilen große Aufmerksamkeit. Die Suffixe –ība und –ums der lettischen Sprache hielt er für besonders produktiv. Endzelīns befürwortete die Bildung neuer Termini mit der Endung –e und schlug vor, Zusammensetzungen nicht zu vermeiden.
Dank Endzelīns wurde die lettische Terminologie entwickelt, erweitert und gepflegt; viele der von ihm geschaffenen Termini sind bis heute in Gebrauch.
Eingegangen am 2012-11-09
Solvita Labanauskiene
Institut für Litauische Sprache
P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
E-Mail: [email protected]
Terminologija | 2012 | 19
183