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Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation

Igor Kudashev; Olga Semenova

Abstract

Increasing internationalisation has resulted in a growing need for community interpreting worldwide. Healthcare is one of the most challenging domains for community interpreters, as misunderstandings, especially those caused by the use of incorrect terminology, may at worst cost lives. In this paper, we describe the process of compiling the Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters. We start by describing the theoretical background of dictionary planning and analysing the information needs of the target groups. We then justify the selection of dictionary sources, describe the mega-, macro-, and microstructure of the dictionary, and briefly report the details of the technical implementation of the project. Finally, we reflect on some challenges encountered in this project as well as its future prospects.

Full text

doi.org/10.35321/term27-02 Finnisch-russisches thematisches Wörterbuch für Dolmetscher im Gesundheitswesen: Prinzipien und Herausforderungen der Zusammenstellung IGOR KUDASHEV Tampere University, Faculty of Information Technology and Communication Sciences OLGA SEMENOVA Tampere University, Faculty of Information Technology and Communication Sciences ZUSAMMENFASSUNG Die zunehmende Internationalisierung hat weltweit zu einem wachsenden Bedarf an Kommunaldolmetschen geführt. Das Gesundheitswesen ist eines der anspruchsvollsten Einsatzgebiete für Kommunaldolmetscher, da Missverständnisse, insbesondere solche, die durch die Verwendung falscher Terminologie entstehen, im schlimmsten Fall Menschenleben kosten können. In diesem Beitrag beschreiben wir den Prozess der Erstellung des Finnisch-russischen thematischen Wörterbuchs für Dolmetscher im Gesundheitswesen. Zunächst erläutern wir die theoretischen Grundlagen der Wörterbuchplanung und analysieren den Informationsbedarf der Zielgruppen. Anschließend begründen wir die Auswahl der Wörterbuchquellen, beschreiben die Mega-, Makro- und Mikrostruktur des Wörterbuchs und berichten kurz über die technische Umsetzung des Projekts. Abschließend erörtern wir einige Herausforderungen, die sich bei diesem Projekt ergeben haben, sowie seine Zukunftsperspektiven. SCHLAGWÖRTER: medizinisches Wörterbuch, medizinisches Glossar, Arzt-Patient-Kommunikation, Kommunaldolmetschen, Dolmetschen im Gesundheitswesen ZUSAMMENFASSUNG Die zunehmende Internationalisierung führt weltweit zu einem stetig wachsenden Bedarf an Community-Dolmetschen (engl. community interpreting). Das Gesundheitswesen ist einer der anspruchsvollsten Bereiche für Community-Dolmetscherinnen und -Dolmetscher, da Missverständnisse, insbesondere solche, die durch die Verwendung falscher Fachbegriffe entstehen, schlimmstenfalls Menschenleben kosten können. In diesem Beitrag wird der Entstehungsprozess des Thematischen finnisch-russischen Wörterbuchs für Dolmetscherinnen und Dolmetscher im Gesundheitswesen beschrieben. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen der Wörterbuchplanung und die Informationsbedürfnisse der Zielgruppen dargestellt. Anschließend wird die Auswahl der Wörterbuchquellen begründet, die Mega-, Makro- und Mikrostruktur des Wörterbuchs beschrieben und kurz über die technische Umsetzung des Projekts berichtet. Terminologija | 2020 | 27 31 Abschließend werden einige Herausforderungen des Projekts sowie seine Zukunftsperspektiven erörtert. SCHLÜSSELWÖRTER: Medizinwörterbuch, medizinisches Glossar, Arzt-Patient-Kommunikation, Community-Dolmetschen, Dolmetschen im Gesundheitswesen 1. EINLEITUNG Die zunehmende Internationalisierung hat weltweit zu einem stetig wachsenden Bedarf an Community-Dolmetschen geführt (vgl. de Pedro Ricoy 2009: 1). In Finnland haben Angehörige sprachlicher Minderheiten wie in vielen anderen europäischen Ländern in zahlreichen Fällen (festgelegt durch nationale Rechtsvorschriften und organisationsspezifische Anweisungen) das Recht, mit Behörden und öffentlichen Dienstleistern in ihrer Muttersprache zu kommunizieren. In der Praxis bedeutet dies, dass zu dem Gespräch eine Community-Dolmetscherin oder ein Community-Dolmetscher hinzugezogen wird. Die Qualität des Community-Dolmetschens ist in jüngster Zeit zu einem viel diskutierten Thema in der Dolmetschwissenschaft geworden (z. B. Hale 2007; Valero-Garcés 2008; Flores et al. 2012; Maley 2018). Die Verwendung der richtigen Terminologie ist ein entscheidender Faktor für qualitativ hochwertiges Dolmetschen. Das Gesundheitswesen zählt in dieser Hinsicht zu den kritischsten Bereichen, da Missverständnisse, insbesondere solche, die durch die Verwendung falscher Fachbegriffe verursacht werden, zu einer unangemessenen Behandlung führen und schlimmstenfalls Menschenleben kosten können. In Finnland wurde die Ausbildung von Community-Dolmetscherinnen und -Dolmetschern systematisch weiterentwickelt (Mäntynen 2013). Dennoch unterscheiden sich die Kompetenzniveaus der Dolmetschenden weiterhin erheblich (Ollila 2017: 28), was auch in vielen anderen Ländern der Fall ist (z. B. Roat, Crezee 2015). Das Projekt „Developing Healthcare Interpreting Training“ (2019–2020) zielte darauf ab, die Hochschulausbildung von Community-Dolmetscherinnen und -Dolmetschern im Gesundheitswesen in Finnland zu verbessern. Eines der Hauptziele des Projekts war die Erstellung des Finnisch-russischen thematischen Wörterbuchs für Dolmetscherinnen und Dolmetscher im Gesundheitswesen (Semenova, Kudashev, erscheint demnächst). Ein Grund für die Wahl des Russischen als Zielsprache war, dass es in Finnland die am häufigsten nachgefragte Sprache beim Community-Dolmetschen ist (vgl. Koskinen, Vuori, Leminen 2018: 9). Nach Angaben von Statistics Finland bilden Einwanderinnen und Einwanderer aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion die größte fremdsprachige Minderheitengruppe in Finnland1. Im Jahr 2018 waren es über 85 000 Personen, und die Zahl stieg weiter an2. 1 http://www.stat.fi/til/vaerak/2019/02/vaerak_2019_02_2020-05-29_tie_001_fi.html 2 https://www.stat.fi/til/vaerak/2018/02/vaerak_2018_02_2019-06-19_tie_001_fi.html 32 Igor Kudashev | Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation In diesem Beitrag beschreiben wir den Prozess der Planung und Erstellung des Wörterbuchs, stellen dessen Mega-, Makro- und Mikrostruktur vor, berichten über die technische Umsetzung und reflektieren einige der Herausforderungen, denen wir uns bei diesem Projekt gegenübersahen, sowie die Zukunftsperspektiven des Wörterbuchs. Wir hoffen, dass diese Informationen für Ersteller ähnlicher Wörterbücher mit anderen Sprachkombinationen sowie für Ausbilder von Gemeindedolmetschern nützlich sein können. 2. FAKTOREN, DIE DIE WÖRTERBUCHPLANUNG BEEINFLUSSEN Zunächst beschreiben wir den theoretischen Hintergrund der Wörterbuchplanung. Faktoren, die die Planung eines Wörterbuchs beeinflussen, lassen sich in Faktoren unterteilen, die sich aus den Bedürfnissen der Zielgruppe ergeben, und solche, die Einschränkungen der Außenwelt widerspiegeln. Sie können als lexikografische Faktoren im engeren Sinne beziehungsweise als externe lexikografische Faktoren bezeichnet werden (Kudashev 2007: 66). Bei der Ausführung einer Aufgabe (z. B. beim Dolmetschen im Gesundheitswesen) haben Wörterbuchnutzer (z. B. Gemeindedolmetscher) bestimmte Informationsbedürfnisse (z. B. benötigen sie Informationen zu Äquivalenten in der Zielsprache und deren Verwendung) sowie Bedürfnisse im Zusammenhang mit dem Abruf und der Verarbeitung von Informationen (z. B. müssen sie diese Informationen vor Ort sehr schnell finden und verarbeiten). Der Lexikograf, der das Wörterbuch erstellt, weiß jedoch in den meisten Fällen nicht genau, welche Bedürfnisse ein potenzieller Nutzer in einer bestimmten Kommunikationssituation haben wird. Das allgemeine Bild, das sich der Lexikograf macht, ist lediglich eine Annäherung. Es lässt sich mithilfe von Umfragen und Interviews mit Vertretern der Zielgruppe sowie durch die sorgfältige Auswahl der Wörterbuchquellen verbessern. Der Prozess der Wörterbuchplanung wird somit maßgeblich von der Methodik zur Erhebung von Informationen über die Bedürfnisse der Nutzer, Umfang und Qualität dieser Informationen sowie der Methodik der Quellenauswahl beeinflusst. Diese Faktoren sind in Abbildung 1 zusammengefasst (vgl. Kudashev 2007: 68). Externe Faktoren hängen ihrerseits in erster Linie mit der Verfügbarkeit von Ressourcen zusammen, etwa zeitlichen, finanziellen, personellen und technischen Ressourcen. Ressourcenanbieter (z. B. Sponsoren, Verlage) können zusätzliche Bedingungen ihrer Wahl festlegen. Ein weiterer externer Faktor sind die durch den Datenträger auferlegten Beschränkungen. Auch der Hintergrund, die Ausbildung und die bisherige Erfahrung des Lexikografen in der Wörterbucherstellung usw. können die Wörterbuchplanung beeinflussen (Kudashev 2007: 71–73). Die Bedürfnisse der Zielnutzer unseres Wörterbuchprojekts sowie die Methodik zur Erhebung entsprechender Informationen werden in Abschnitt 3 beschrieben. Die Quellen des Wörterbuchs und die Gründe für ihre Auswahl werden in Abschnitt 4 erläutert. Unter den externen Faktoren, die sich maßgeblich auf das Wörterbuchprojekt auswirkten, müssen wir den engen Zeitplan (ein Terminologija | 2020 | 27 33 Abb. 1. Faktoren, die die Wörterbuchplanung beeinflussen Jahr) und das begrenzte Budget nennen, aufgrund derer wir nur eine Terminologin in Teilzeit einstellen und nur Freiwillige aus dem Gesundheitswesen als Fachexperten heranziehen konnten. Dennoch ist es uns gelungen, ein Wörterbuch mit 4.000 Stichwörtern zu erstellen, das 30 häufige Krankheiten abdeckt. 3. ZIELGRUPPEN UND IHRE BEDÜRFNISSE Auf Grundlage der allgemeinen Theorie zur Konzeption von Wörterbüchern für Fachsprachen (z. B. Bergenholtz, Tarp 1995; Kudashev 2007; Grinev–Grinevič 2009), mit besonderem Schwerpunkt auf pädagogischen und statistischen Wörterbüchern (Morkovkin 1990; Alekseev 2001; Fuertes-Olivera, Arribas-Baño 2008; Fuertes-Olivera 2010), begannen wir das Projekt mit einer Analyse des Informationsbedarfs der Zielgruppen. Die Hauptzielgruppe des Wörterbuchs umfasst professionelle Community-Dolmetscher und Studierende des Community-Dolmetschens auf Universitätsniveau. Zu den sekundären Zielgruppen zählen Patienten, medizinisches Personal und Medizinstudierende. Informationen über die Bedürfnisse der Zielgruppen wurden durch Selbstreflexion und die Untersuchung der Fachliteratur zum Community-Dolmetschen allgemein (z. B. Hale 2007; Valero-Garcés, Martin 2008; Koskinen, Vuori, Leminen 2018) und zum Dolmetschen im Gesundheitswesen im Besonderen (z. B. Pöchhacker, Shlesinger 2007; Angelelli 2008; Arocha 2012; Mäntynen 2013; Metzger, Nicodemus 2014; Roat, Crezee 2015; Ollila 2017; Souza, Fragkou 2020) gesammelt. Außerdem interviewten wir Seija Koskinen, Direktorin des Pirkanmaa 34 Igor Kudashev Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Olga Semenova Dolmetscherzentrums (Tampere, Finnland), und Girta Roots, eine Community-Dolmetscherin, die mit den Sprachen Finnisch, Russisch und Estnisch arbeitet. Das Pirkanmaa-Dolmetscherzentrum bietet Community-Dolmetschen in der zweitbevölkerungsreichsten Stadtregion Finnlands an. Fast 40% der Dolmetscheinsätze des Zentrums entfallen auf das Gesundheitswesen. Die sekundären Zielgruppen wurden durch Galina Mäkräinen vertreten, eine russischsprachige Ärztin, die an Sprachkursen für Ärzte mit Migrationshintergrund teilnahm. Mäkräinen beriet außerdem zu verschiedenen medizinischen Aspekten und überprüfte die Äquivalente. Studierende des Spezialkurses Finnish–Russian Healthcare Interpreting, der im Herbstsemester 2019 an der Universität Tampere angeboten wurde, gaben ebenfalls Rückmeldungen zur ersten Fassung des Wörterbuchs. Berufstätige Community-Dolmetscher verwenden medizinische Wörterbücher, um medizinische Fachbegriffe bei der Vorbereitung auf einen Einsatz nachzuschlagen. Während des Dolmetschens benötigen sie das Wörterbuch möglicherweise auch, um einen Begriff zu überprüfen, den sie nicht kennen oder an den sie sich nicht erinnern. Studierende des Dolmetschens verwenden medizinische Wörterbücher zu denselben Zwecken, wobei der Schwerpunkt auf dem Erlernen des Wortschatzes und der Vorbereitung auf simulierte Dolmetschsituationen liegt. Bei der Vorbereitung auf einen realen oder simulierten Einsatz machen sich sowohl berufstätige Dolmetscher als auch Studierende mit dem Thema vertraut und befassen sich mit der dazugehörigen Terminologie. Sie können nicht im Voraus wissen, welcher Teil des Materials für das Dolmetschen des jeweiligen Falls nützlich sein wird (Veisbergs 2006: 1220). Studierende kennen zwar das Thema des Einsatzes im Voraus, berufstätige Dolmetscher haben diesen Vorteil jedoch aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung (GDRP) und ähnlicher Vorschriften, die den Zugang zu vertraulichen Informationen beschränken, nicht immer und haben daher möglicherweise nur sehr wenig Vorbereitungszeit. Um das schnelle Erlernen thematisch geordneten medizinischen Wortschatzes zu erleichtern, sollte das Wörterbuch thematisch organisiert sein und nur die wichtigsten Informationen enthalten (vgl. Grinev–Grinevič 2009: 68). Studierende des Dolmetschens verfügen über weniger Hintergrundwissen und geringere Sprachkompetenz als berufstätige Dolmetscher. Folglich benötigen sie mehr sprachliche Informationen zu den Begriffen und Äquivalenten. Unsere Erfahrung hat beispielsweise gezeigt, dass finnischsprachige Studierende bei den meisten russischen Äquivalenten Angaben zur Wortbetonung benötigen, während erfahrene finnischsprachige Dolmetscher diese Information nur in schwierigen Fällen wünschen (z. B. целикая, рефлюкс). Dolmetscheinsätze, etwa Arzttermine, sind zeitlich streng begrenzt, sodass einem Dolmetscher im Gesundheitswesen nur sehr wenig Zeit bleibt, um Terminologija | 2020 | 27 35 Begriffe überprüfen. Das bedeutet, dass das Wörterbuch gut strukturiert sein und schnelle, benutzerfreundliche Suchwerkzeuge bieten muss. Das Wörterbuch erfüllt zwei Funktionen. Die erste ist pädagogischer Art. Community-Dolmetscher und Studierende müssen einige grundlegende Fachbegriffe auswendig kennen. Da es kaum möglich ist, sich stets an die spezifischere Terminologie zu den einzelnen Krankheiten zu erinnern, müssen sie die krankheitsspezifische Terminologie außerdem bei der Vorbereitung auf einen konkreten Einsatz wiederholen. Die zweite Funktion des Wörterbuchs ist die Nachschlagefunktion, denn Dolmetscher können im Einsatz einen bestimmten Begriff vergessen und ihn nachschlagen wollen. Das Wörterbuch muss daher sowohl thematisch als auch alphabetisch geordnet sein, um beiden Anforderungen gerecht zu werden. Dolmetscher im Gesundheitswesen benötigen zumindest grundlegende Kenntnisse des Gesundheitswesens. Diese Kenntnisse sollten sie jedoch wahrscheinlich anhand allgemeinverständlich verfasster Texte oder spezieller Handbücher wie „Introduction to Healthcare for Interpreters and Translators“ (Crezee 2013) erwerben. Ein pädagogisches Wörterbuch des Gesundheitswesens für Dolmetscher ist nicht der richtige Ort für solche Informationen, da die Wörterbuchartikel sehr knapp gehalten werden müssen. Darüber hinaus ist bekannt, dass das Erstellen und Überarbeiten von Definitionen sehr arbeitsintensiv ist und umfangreiche Ressourcen erfordert, etwa Rücksprachen mit Fachleuten aus den jeweiligen Bereichen und die Berücksichtigung von Urheberrechten. Aus diesem Grund haben wir in unserem Wörterbuch weder Definitionen noch enzyklopädische Informationen aufgenommen. 4. QUELLEN DES WÖRTERBUCHS Die beste Quelle für ein medizinisches Wörterbuch für Dolmetscher im Gesundheitswesen wären vermutlich Aufzeichnungen authentischer Arzttermine gewesen. Diese Informationen sind jedoch vertraulich, sodass der Zugang dazu problematisch ist. Die einzige mögliche Alternative zu authentischen Gesprächen sind schriftliche Quellen, vorzugsweise solche, die auf die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ausgerichtet sind. Als primäre Quellen für finnische Begriffe wurden folgende ausgewählt: • evidenzbasierte Leitlinien für Patienten (Käypä hoito) und Beschreibungen von Krankheiten, veröffentlicht von der Finnischen Ärzteschaft Duodecim (Terveyskirjasto 2020) • internationale Klassifikationen und Standards – Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10th. Revision3 – Internationale Klassifikation der Primärversorgung, 2nd. Ausgabe4 3 https://icd.who.int/browse10/2016/en 4 https://www.who.int/classifications/icd/adaptations/icpc2/en 36 Igor Kudashev | Olga Semenova Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation – Terminologia Anatomica (Kolesnikov 2003, ergänzt um finnische Termini in einem unserer früheren Projekte, siehe Kudashev 2012) Finnische Klassifikationen und Ontologien – Finnische Klassifikation chirurgischer Eingriffe (Lehtonen, Lehtovirta, Mäkelä–Bengs 2013) – Arzneimittelklassifikation der finnischen Arzneimittelbehörde FIMEA5 – Finnische Ontologie für Gesundheit und Wohlfahrt TERO6 Zu den primären Quellen für russische Äquivalente gehörten: Evidenzbasierte Leitlinien des Gesundheitsministeriums der Russischen Föderation7 Das Handbuch für Ärzte „2000 Krankheiten von A bis Z“ (Denisov, Ševčenko 2010) Als sekundäre Quellen für finnische Termini und russische Äquivalente haben wir auch Lehrbücher und Handbücher für medizinisches Personal verwendet (z. B. Jousimaa et al. 2017; Mustajoki et al. 2019) sowie ein- und zweisprachige Wörterbücher (z. B. Hyttinen et al. 2013; Fagradańac s.d.; siehe Semenova 2020: 29–34 für einen kritischen Überblick über bestehende finnisch-russische medizinische Wörterbücher). Grundsätzlich haben wir keine aus anderen Sprachen übersetzten Materialien verwendet. Allerdings sind viele Klassifikationen mittlerweile ohnehin international. Außerdem handelt es sich bei den meisten auf Russisch verfügbaren Materialien zur evidenzbasierten Medizin um Übersetzungen aus dem Englischen oder anderen Sprachen. So haben wir beispielsweise ein einzigartiges gedrucktes Handbuch verwendet: „Evidence-Based Medicine Guidelines“ (Denisov et al. 2002), das aus dem Englischen übersetzt wurde. Übersetzte Texte wurden jedoch mit Vorsicht verwendet, und daraus entnommene Termini wurden anhand nicht übersetzter Quellen überprüft. 5. M E G A S T R U K T U R Der Vorspann des Wörterbuchs besteht aus dem Vorwort und einer Anleitung zur Benutzung des Wörterbuchs. Der Nachspann enthält das russisch-finnische Register und das Quellenverzeichnis. Das Wörterbuch selbst besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält etwa 2.000 der häufigsten Termini, die auswendig gelernt werden sollen. Da sich Termini thematisch leichter lernen lassen, sind sie den nachfolgend aufgeführten Fachgebieten entsprechend gruppiert. Innerhalb jedes Fachgebiets wird der Wortschatz weiter 5 http://www.fimea.fi 6 https://finto.fi/tero/fi 7 http://cr.rosminzdrav.ru/#!/ Terminologija | 2020 | 27 37 in Grund- und Aufbauwortschatz unterteilt. So umfasst der Grundwortschatz der anatomischen Terminologie etwa 150 Termini, der Aufbauwortschatz etwa 800. Die Grundbegriffe sind wesentlich und sollten zuerst beherrscht werden; die Begriffe des Aufbauwortschatzes sind ebenfalls wichtig, können aber später gelernt werden. Die thematischen Abschnitte in Teil 1 lauten: Gesundheitssystem Allgemeiner medizinischer Wortschatz Krankheiten, Symptome und Beschwerden Anatomie und Physiologie Medizinische Untersuchungen Behandlung und Pflege, Krankheitsprävention und Rehabilitation Medikamente Medizinische Geräte Der zweite Teil des Wörterbuchs ist krankheitsspezifisch. Er erfüllt zwei Funktionen. Erstens unterstützt er Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Studierende dabei, sich auch kurzfristig auf einen Einsatz zu einer bestimmten Krankheit vorzubereiten. Zweitens dient er als Nachschlagewerk. Selbst erfahrene Dolmetscherinnen und Dolmetscher – geschweige denn Studierende – können nicht sämtliche möglicherweise benötigten Termini im Gedächtnis behalten. Der zweite Teil des Wörterbuchs bietet ihnen krankheitsspezifische Äquivalente, die zur schnelleren Auffindbarkeit übersichtlich nach Unterdomänen gruppiert sind. Jeder krankheitsspezifische Abschnitt in Teil 2 ist in die folgenden thematischen Abschnitte unterteilt: Krankheiten und ihre Unterklassen Begleiterkrankungen und Krankheiten mit ähnlichen Symptomen Anatomie und Physiologie Symptome und Beschwerden Medizinische Untersuchungen Behandlung und Pflege, Krankheitsprävention und Rehabilitation Medikamente Medizinische Geräte Sonstiges Begriffe aus Teil 2 können auch in Teil 1 aufgenommen werden. Das bedeutet, dass sich die beiden Teile des Wörterbuchs nicht gegenseitig ausschließen, sondern teilweise überschneiden. In der aktuellen Fassung des Wörterbuchs umfasst Teil 2 etwa 30 der häufigsten Krankheiten, die auf der Grundlage der Gesundheitsstatistik des Finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlfahrt8 und von Konsultationen mit einem 8 https://sampo.thl.fi/pivot/prod/fi/avo/perus06/summary_icd1001 38 Igor Kudashev | Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Olga Semenova Fachexperte. Die Bereiche in Teil 1 und 2 wurden ausgewählt, indem die aus medizinischen Texten extrahierten Termini thematischen Klassen zugeordnet und eine Frame-Analyse der Kommunikationssituation „Arzttermin“ durchgeführt wurde (vgl. Madžajeva 2012; Gagarina 2015). 6. MAKROSTRUKTUR Die Wörterbucheinträge sind in einer Tabelle mit zwei Spalten angeordnet. Obwohl das Tabellenformat die Suche beschleunigt, sollten die Tabellenlinien dezent sein, damit sie die Aufmerksamkeit der Nutzer nicht ablenken. Wie oben beschrieben, ist das Wörterbuch in thematische Abschnitte unterteilt; innerhalb aller Abschnitte von Teil 1 und Teil 2 sind die Termini jedoch alphabetisch geordnet. Die thematische Ordnung unterstützt die pädagogische Funktion, die alphabetische Ordnung erfüllt die referenzielle Funktion. Abbildung 2 zeigt einen Ausschnitt aus dem krankheitsspezifischen Abschnitt Reflux. Die erste fett gedruckte Überschrift lautet Krankheit und ihre Unterklassen, die zweite Assoziierte Krankheiten und Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Abb. 2. Beispiel für einen krankheitsspezifischen Abschnitt Standardmäßig werden die Synonyme finnischer Termini sowohl unter dem Haupteintrag als auch als Querverweise an ihrer alphabetischen Stelle aufgeführt. Querverweise sind unverzichtbar, wenn Nutzer einen unbekannten Terminus nachschlagen. Für den Nutzerkomfort sind Querverweise außerdem mit russischen Entsprechungen versehen. Da Wiederholungen jedoch für Nutzer, die Termini lernen, störend sein können, lassen sich Querverweise in der elektronischen Version des Wörterbuchs deaktivieren. Terminologija | 2020 | 27 39 Homonyme, d. h. Wörter oder Wortverbindungen, die sich auf zwei oder mehr Begriffe beziehen, werden mit römischen Indizes und disambiguierenden Anmerkungen versehen. Im nachstehenden Beispiel (siehe Abbildung 3) bezeichnet kuivuminen I Trockenheit (wie in Hauttrockenheit), und kuivuminen II bezeichnet Dehydratation (wie in Dehydratation des Körpers). Abb. 3. Behandlung von Homonymen Der begriffsorientierte Ansatz verhindert eine der „Todsünden“ der zweisprachigen Lexikografie (vgl. Kromann, Riiber, Rosbach 1991: 2724): mehrere Bedeutungen werden ohne angemessene Disambiguierung im selben Eintrag aufgeführt. Daraus ergibt sich eine lange Reihe von Übersetzungsäquivalenten, von denen einige nicht austauschbar sind, da sie sich auf unterschiedliche Begriffe beziehen. Darüber hinaus kann das Fehlen disambiguierender Anmerkungen die Auswahl des richtigen Äquivalents verlangsamen und zu Übersetzungsfehlern führen. Das wichtigste Anliegen aller Übersetzer und Dolmetscher, die ein Wörterbuch verwenden, ist es, so schnell wie möglich ein korrektes Übersetzungsäquivalent zu finden und sicherzugehen, dass es die richtige Wahl ist (Varantola 1998: 181; Grinev-Grinevič 2009: 68; Nkwenti-Azeh 2001: 604–606). Wichtig ist auch, ein geeignetes Trennzeichen zwischen Synonymen zu verwenden. Das Komma ist nicht die beste Wahl, da einige fachsprachliche Bezeichnungen (insbesondere erläuternde Äquivalente) bereits ein Komma enthalten können (siehe Abbildung 4). Das Semikolon ist die sicherere Wahl (Kudashev 2007: 275). Abb. 4. Beispiel für Äquivalente mit Kommas MIKROSTRUKTUR Die Einträge im Wörterbuch bestehen aus folgenden Datenfeldern: dem finnischen Hauptterminus, seinen möglichen Synonymen, den dazugehörigen grammatischen und Gebrauchshinweisen, dem russischen Äquivalent, seinen möglichen Synonymen sowie den dazugehörigen grammatischen und Gebrauchshinweisen. Die Reihenfolge der Synonyme innerhalb des Eintrags wurde mithilfe statistischer Analysen und der Einschätzungen von Fachexperten festgelegt. 40 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Da davon auszugehen ist, dass die meisten Community-Dolmetscher die Fremdsprache gut beherrschen, haben wir nur begrenzte phonetische und grammatische Informationen bereitgestellt. In einigen Fällen mussten wir jedoch auch die Bedürfnisse der zweiten Zielgruppe, nämlich der Studierenden, berücksichtigen. Alle russischen Äquivalente mit mehr als einer Silbe sind mit fett markierten Betonungszeichen versehen (siehe Abbildung 5). Bei einigen Wörtern ist die Betonung variabel. So kann спирометрия („Spirometrie“) beispielsweise als спирометрия oder als спирометрия ausgesprochen werden. In solchen Fällen werden beide möglichen Betonungen zugleich markiert. In künftigen Wörterbuchversionen planen wir außerdem, auch Nebenbetonungen in mehrgliedrigen Wörtern wie электронейростимуляцию („Elektroneurostimulation“) zu kennzeichnen, beispielsweise durch Unterstreichung. Abb. 5. Beispiele für Betonungen bei russischen Äquivalenten mit mehr als einer Silbe Der russische Buchstabe „ё“ wird in unserem Wörterbuch niemals durch „e“ ersetzt, da dies für Nichtmuttersprachler Probleme verursachen und sogar zu Missverständnissen führen kann, wenn „ё“ eine bedeutungsunterscheidende Funktion hat. Schreiben wir beispielsweise небо statt нёбо („Gaumen“), könnte ein Student oder ein unerfahrener Dolmetscher annehmen, dass dieser anatomische Terminus mit dem gemeinsprachlichen Wort für „Himmel“ gleichlautet, was beim Dolmetschen zu erheblichen Problemen führen würde. Ursprünglich hatten wir nicht vor, zusätzliche Aussprachehinweise zu russischen Termini bereitzustellen, abgesehen von Angaben zur Wortbetonung. Wir haben jedoch festgestellt, dass die korrekte Aussprache einiger Termini selbst für Muttersprachler nicht offensichtlich ist, geschweige denn für Studierende, die eine Fremdsprache lernen. Hier einige Beispiele für schwierige Fälle. Bei russischen Wörtern sind mitunter Aussprachehinweise zu palatalisierten Konsonanten erforderlich (z. B. der Hinweis, dass термотерапия [„Thermotherapie“] und протез [„Prothese“] mit einem weichen „т“ ausgesprochen werden sollten). Da die Aussprache von Abkürzungen im Russischen nicht immer vorhersehbar ist, sollte sie zumindest in mehrdeutigen Fällen wohl angegeben werden. Abkürzungen wie МЭГ (Abkürzung von магнитোэнцефалография „Magnetenzephalographie“) können beispielsweise entweder buchstabenweise (эм-э-гэ) Terminologija | 2020 | 27 41 oder als „normales“ einsilbiges Wort (мэг)9 gelesen werden. Auch Termini und Abkürzungen mit fremdsprachigen Bestandteilen können Ausspracheprobleme verursachen. Wird beispielsweise das „C“ in С-реактивный белок und der Abkürzung СРБ („C-reaktives Protein, CRP“) als „s“ oder als „ts“ ausgesprochen? Und wie sollte pH-метрия („pH-Messung“) gelesen werden? In solchen problematischen Fällen wäre eine Kombination aus Transkription und Audiodatei wahrscheinlich die ideale Lösung. Pluralformen und Abkürzungen sind mit den entsprechenden Kennzeichnungen versehen. Informelle, umgangssprachliche Formen (aus Artikeln für Patienten und mithilfe des Fachexperten zusammengetragen) sind durch eine Gebrauchshinweis-Kennzeichnung markiert (siehe Abbildung 6). So wird HDL cholesterol umgangssprachlich häufig good cholesterol genannt. Beide Bezeichnungen sind im Wörterbuch enthalten, die letztere ist jedoch als umgangssprachlich gekennzeichnet. Abb. 6. Beispiele für grammatische Kennzeichnungen und Gebrauchshinweise Unregelmäßige Pluralformen werden in runden Klammern kursiv angegeben, um die Nutzer auf die ungewöhnliche Flexion hinzuweisen. Termini, die typischerweise im Plural verwendet werden, erhalten einen Hinweis (siehe Abbildung 7). Abb. 7. Beispiele für unregelmäßige grammatische Formen und einen Hinweis auf die überwiegende Verwendung im Plural Russische Äquivalente, die auf das Weichheitszeichen („ь“) enden, sind mit Genusangaben versehen, da ihr Genus nicht offensichtlich ist (siehe Abbildung 8). Genusangaben werden auch bei Wortverbindungen mit Bestandteilen auf „ь“ hinzugefügt, sofern sich ihr Genus nicht aus dem oder den abhängigen Wörtern erschließen lässt. Abb. 8. Beispiele für die Genuskennzeichnung 9 http://new.gramota.ru/spravka/letters/60-rubric-91 42 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Partielle Äquivalente werden mit dem Zeichen ≈ markiert (siehe Abbildung 9). So unterscheidet sich beispielsweise das finnische Konzept luontaistuote (≈ „Naturprodukt / gesundheitsförderndes Lebensmittel“) vom russischen Konzept биодобавка (≈ „Nahrungsergänzungsmittel“), obwohl sie in vielen Fällen als kontextuelle Äquivalente verwendet werden können. Abb. 9. Umgang mit partiellen Äquivalenten Idealerweise sollten auch die Unterschiede zwischen den Konzepten kommentiert werden, doch solche Kommentare würden zugleich verhindern, dass das Wörterbuch ein kompaktes Nachschlagewerk ist. Dies ist ein Beispiel für die unvermeidlichen inneren Widersprüche eines Wörterbuchs, das mehrere Funktionen erfüllt und/oder auf mehrere Zielgruppen ausgerichtet ist. In solchen Fällen müssen die Wörterbuchverfasser entweder Prioritäten setzen oder Kompromisse eingehen. 7. IM PROJEKT AUFGETRETENE HERAUSFORDERUNGEN 7.1. Kultur- und sprachspezifische Fachbegriffe Zu den größten Herausforderungen jedes zweisprachigen Wörterbuchprojekts zählen natürlich kulturspezifische Begriffe, da nationale Begriffssysteme und Terminologien selbst in einem so internationalen Bereich wie der Medizin voneinander abweichen. Insbesondere Begriffe, die mit der Organisation der Gesundheitsversorgung in verschiedenen Ländern zusammenhängen, können Schwierigkeiten bereiten. So bedeuten etwa das finnische fysioterapia und das russische физиотерапия Unterschiedliches. Der finnische Begriff bezeichnet hauptsächlich physical therapy, der russische dagegen electrotherapy. Auf Wikipedia wird ausführlich über die Unterschiede zwischen diesen Konzepten im Westen und in den postsowjetischen Ländern diskutiert. In solchen Fällen ist nicht immer klar, welche Strategie – Domestizierung oder Verfremdung – angewendet werden sollte. Unterschiede zwischen Sprachen können dazu führen, dass ein Substantiv mit einem Verb oder Adjektiv und umgekehrt übersetzt werden muss. So lässt sich beispielsweise der finnische Begriff raskauden yliaikaisuus (wörtlich „Übertragung der Schwangerschaft“) nicht direkt mit einer substantivischen Konstruktion ins Russische oder Englische übersetzen. Zumindest würde es nicht natürlich klingen. In solchen Fällen ist ein „kontextuelles“ Äquivalent (переношенная беременность „übertragene Schwangerschaft“) mit einer Anmerkung vermutlich die bessere Lösung (vgl. Vehmas-Lehto 2010: 368; Probirskaja-Turunen 2005: 104). Terminologija | 2020 | 27 43 Um die Feinheiten der Übersetzung kultur- und sprachspezifischer Begriffe zu verstehen, muss man in den meisten Fällen die im Wörterbuch verwendeten Sprachen gut beherrschen, in unserem Fall Finnisch und Russisch. Da es keinen Sinn hat, solche Fragen in einem auf Englisch verfassten Artikel zu erörtern, lassen wir dieses Thema aus und konzentrieren uns auf einige weniger sprachspezifische Herausforderungen. 7.2. Interdisciplinary Terminology Eine der Herausforderungen bei der Erstellung medizinischer Wörterbücher besteht darin, dass die moderne Medizin ein multidisziplinäres Fachgebiet ist, das mit vielen anderen Fachgebieten verbunden ist: Biologie, Chemie, Pharmakologie, Ingenieurwissenschaften usw. (z. B. Georgievskij 1981: 82). In Finnland ist das Gesundheitswesen auch eng mit dem Bereich der sozialen Sicherheit und der Sozialfürsorge verknüpft. Selbst das für das Gesundheitswesen zuständige Ministerium heißt Ministry of Social Affairs and Health. Daher ist es nicht immer leicht zu entscheiden, ob Begriffe wie sairausloma („Krankenstand“), äitiyspäiväraha („Mutterschaftsgeld“) oder ammatillinen kuntoutus („berufliche Rehabilitation“) dem medizinischen oder dem Bereich der Sozialfürsorge zuzuordnen sind. Da diese Begriffe jedoch häufig in Texten für Patientinnen und Patienten vorkommen und Community-Dolmetscherinnen und -Dolmetscher die Terminologie der sozialen Sicherheit ohnehin beherrschen müssen, haben wir in unser Wörterbuch Begriffe aus den Bereichen soziale Sicherheit und Sozialfürsorge aufgenommen, die im Gesundheitswesen häufig verwendet werden. 7.3. Form der Stichwörter und Äquivalente As was demonstrated in several studies (e.g. Kudashev 2007: 360–363; Kudashev 2012; Kudashev 2013: 64–70; Kudashev 2016), terms a) are not always used in texts and reference resources in their full and unambiguous form, and b) some lexicographic practices aimed at data compression may disorient users as regards the form of terms and target language equivalents. Dictionary compiler should avoid these pitfalls by extracting and reconstructing terms correctly from the dictionary sources and presenting them unambiguously in the dictionary. Zu den häufigsten Herausforderungen beim „Text Mining“ gehören: kontextabhängige Verwendung gekürzter und abgekürzter Termini nicht gerechtfertigte Großschreibung des gesamten Terminus oder seines Anfangsbuchstabens Ersetzung von Teilen der Termini durch ein Sonderzeichen, selbst in Fällen, in denen der ursprüngliche Terminus nicht mechanisch rekonstruiert werden kann Verwendung der Inversion Zusammenfassung mehrerer Termini zu einem einzigen. 44 Igor Kudashev | Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Olga Semenova | Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Um die Nutzer nicht in die Irre zu führen, sollten Stichwörter und Äquivalente im Wörterbuch in vollständiger, eindeutiger und natürlicher Form angegeben werden. Insbesondere bedeutet dies, dass Großschreibung nur dann verwendet werden sollte, wenn sie nach den Rechtschreibregeln erforderlich ist. So ist beispielsweise die Schreibweise FINNISH INSTITUTE FOR HEALTH AND WELFARE oder Cosmetic Surgery nicht gerechtfertigt, während die korrekte Großschreibung bei Begriffen wie ACE inhibitor oder vitamin D deficiency erforderlich ist. Es sollte keine Inversion verwendet werden. So sollte nasal spray beispielsweise nicht in der Form spray, nasal angegeben werden. Stichwörter und Äquivalente sollten nicht in irgendeiner Weise verkürzt werden, etwa indem wiederkehrende Bestandteile weggelassen und durch Kommas, Schrägstriche, Klammern usw. ersetzt werden. So wird der Begriff transcutaneous electrical nerve stimulation zwar häufig zu transcutaneous electrical stimulation und transcutaneous nerve stimulation verkürzt, doch sollten alle drei Formen als Synonyme vollständig im Wörterbuch aufgeführt werden. Nutzer, insbesondere Studierende, können verkürzte Formen wie transcutaneous (electrical) (nerve) stimulation möglicherweise nicht korrekt interpretieren. Außerdem haben Dolmetscherinnen und Dolmetscher bei schnellen Nachschlageanfragen keine Zeit, solche Formen zu entschlüsseln. Auch aus technischer Sicht erschwert die Verkürzung die Suche, Sortierung und Erstellung des Zielsprachenregisters. Obwohl Stichwörter im Wörterbuch üblicherweise im Singular angegeben werden, können und/oder müssen manche Substantive im Plural aufgeführt werden (vgl. Berkov 2004: 30). Pluralia tantum, also Substantive, die immer im Plural verwendet werden (z. B. scissors), sind ein klarer Fall. Manche Substantive haben zwar formal eine Singularform, werden jedoch üblicherweise im Plural verwendet (z. B. bronchus / bronchi, cramp / cramps, chemical / chemicals). Im letzteren Fall sollte das Substantiv den Nutzern zuliebe vermutlich sowohl im Singular als auch im Plural aufgeführt werden. In der medizinischen Sprache gibt es für manche Adverbien Synonyme, die streng genommen keine lexikalischen Einheiten sind. Zum Beispiel подкожно / под кожу („subkutan / unter die Haut“), назально / через нос („nasal / durch die Nase“). Solche Ausdrücke sind jedoch eigenständige lexikalisierte Einheiten innerhalb ihrer jeweiligen Fachgebiete und sollten daher als vollwertige Stichwörter in das Wörterbuch aufgenommen werden (vgl. Kudashev 2013: 59–60). 7.4. Wissenschaftliche vs. informelle Fachbegriffe Der medizinische Diskurs ist, wie viele andere Fachsprachen, mehrdimensional. Insbesondere lässt er sich nach den Beteiligten kategorisieren. Man kann die Kommunikation zwischen Ärzten, Ärzten Terminologija | 2020 | 27 45 and nurses, doctors and patients, etc. (cf. Bergenholtz, Tarp 1995: 19; Abramova 2003; Alekseeva, Mishlanova 2002: 104–105; Agadžanân 2018; Gotti 2018: 13–14). Doctor–patient communication differs from other communicative situations in many respects. Typically, patients (and community interpreters) lack a medical background, which means that they tend to communicate using everyday vocabulary rather than scientific medical terminology. This presents a major challenge for dictionary compilers, who have to balance between the general and professional dimensions. Zum Beispiel war das russische Wort Hypertonie (arterielle Hypertonie) früher ein offizieller medizinischer Terminus. Es ist allgemein verständlich und im Alltagsgespräch sehr häufig. In der wissenschaftlichen Fachsprache ist es jedoch veraltet und wurde durch den Begriff arterielle Hypertonie ersetzt, der den Patienten weit weniger geläufig ist. Ein ähnlicher Fall ist das Begriffspaar Prostataadenom und Prostatahyperplasie (Prostatahyperplasie). Da unser Wörterbuch die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten beschreibt, haben wir beschlossen, neben offiziellen Begriffen auch informelle, aber weit verbreitete Begriffe aufzunehmen. Die offiziellen Begriffe stehen jedoch vor den informellen. Es ist nicht offensichtlich, wie solche informellen Begriffe zu kennzeichnen sind. Aus Sicht der Ärzte sind sie veraltet, aus Sicht der Patienten jedoch nicht. Wir haben beschlossen, sie als umgangssprachlich zu kennzeichnen, da sie Teil des Wortschatzes der Patienten sind und „determinalisiert“ wurden. Viele offizielle Fachbegriffe werden in der mündlichen Kommunikation verkürzt. So wird beispielsweise диабет („Diabetes“) in Texten und Nachschlagewerken üblicherweise in der vollständigen Form verwendet (сахарный диабет „Diabetes mellitus“), im Alltag ist jedoch die verkürzte Form weitaus gebräuchlicher. Begriffe können auch auf konzeptueller Ebene mithilfe einer metaphorischen Übertragung „verkürzt“ werden. So besteht beispielsweise шейка матки („Gebärmutterhals“) aus mehreren Teilen, darunter insbesondere наружное отверстие шейки матки („äußerer Muttermund“). Bei gynäkologischen Untersuchungen unterscheiden Patientinnen jedoch üblicherweise nicht genau zwischen den verschiedenen Teilen und sprechen meist nur vom cervix („Gebärmutterhals“). Sollte ein Lexikograf, der ein Wörterbuch für die Kommunikation zwischen Arzt und Patient erstellt, in dieser Hinsicht übermäßig pedantisch sein oder nicht? Begriffe, die in wissenschaftlichen Klassifikationen verwendet werden, können sich von Fachbegriffen und allgemeinsprachlichen Wörtern unterscheiden, die in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient gebraucht werden. So findet man etwa Wörter wie waist und middle (Körperteile), die für ein Gespräch über Fettleibigkeit wichtig sind, nicht in der Terminologia Anatomica. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, Begriffe aus mehreren Quellen zu entnehmen, statt sich auf nur eine, wenn auch maßgebliche, Quelle zu stützen. 46 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Kulturen und Sprachen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Präferenzen für internationale gegenüber nationalen Bestandteilen in medizinischen Fachbegriffen. So werden in Finnland beispielsweise Begriffe mit nationalen Bestandteilen sowohl von Ärztinnen und Ärzten als auch von Patientinnen und Patienten wesentlich häufiger verwendet als aus dem Lateinischen und Griechischen abgeleitete Begriffe. Es gibt jedoch Ausnahmen. So ist etwa der internationale Begriff diabetes wesentlich gebräuchlicher als der aus finnischen Bestandteilen zusammengesetzte Begriff sokeritauti („Zuckerkrankheit“). Im Russischen sind dagegen Begriffe lateinischen und griechischen Ursprungs beliebter als russische Synonyme, sogar bei Patientinnen und Patienten. Diese kulturspezifischen Präferenzen sollten im Wörterbuch berücksichtigt werden. Zusammenfassend müssen wir einräumen, dass es nicht immer einfach ist zu entscheiden, welche Begriffe – streng wissenschaftliche, fachsprachliche oder umgangssprachliche – in einem Wörterbuch für die Kommunikation zwischen Arzt und Patient vorrangig aufgenommen und in welcher Reihenfolge sie aufgeführt werden sollten. Eine allgemeingültige „Faustregel“ gibt es diesbezüglich nicht; daher muss jeder Fall individuell behandelt werden. 7.5. Behandlung von Synonymen und Abkürzungen Eine Fülle von Synonymen und Abkürzungen ist typisch für die medizinische Sprache (z. B. Georgievskij 1981; Kuryshko 2001; Abramova 2003). Hat ein Grundbegriff viele Synonyme, weisen auch seine Ableitungen zahlreiche Synonyme auf. So hat beispielsweise лекарство („Medikament“) im Russischen mehrere Synonyme: средство, препарат, медикамент usw. Folglich kann (fast) jedes Medikament mit all diesen Wörtern bezeichnet werden; so heißen anti-inflammatory drugs etwa противовоспалительные лекарства / средства / препараты / медикаменты. Die Vielzahl an Synonymen bringt verschiedene Herausforderungen hinsichtlich ihrer Auswahl und der Reihenfolge ihrer Anordnung im Eintrag mit sich. Bei der Lösung dieser Fragen haben wir folgende Kriterien angewandt: • Verständlichkeit (Patientinnen und Patienten sowie Dolmetschende sollten möglichst viele Begriffe verstehen) • Häufigkeit (häufig verwendete Begriffe sind in der Regel verständlicher und leichter zu merken) • Einfachheit und Kürze (einfache und kurze Begriffe sind leichter zu merken) • Vielfalt (damit das Wörterbuch auch seiner Nachschlagefunktion gerecht wird, sollte es zudem Begriffe enthalten, die außerhalb des aktiven Wortschatzes der Dolmetschenden liegen) • Autorität der Quelle (Begriffe aus maßgeblichen Quellen werden bevorzugt). Terminologija | 2020 | 27 47 Diese Kriterien können sich jedoch widersprechen. Abgekürzte Formen sind beispielsweise kürzer und sollten grundsätzlich leichter zu behalten sein. In manchen Fällen trifft das zu. So ist die Abkürzung УЗИ (Ultraschalluntersuchung) im Russischen wesentlich häufiger als ihre ausgeschriebene Form, ультразвуковое исследование. Außerdem ist diese Abkürzung allgemein bekannt. Es ist daher durchaus gerechtfertigt, die Abkürzung vor die ausgeschriebene Form zu setzen. Manche Abkürzungen sind den Patienten jedoch weniger gut bekannt. So ist beispielsweise die Abkürzung НПВС (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR) recht selten, obwohl NSAR als solche wahrscheinlich allen geläufig sind. In diesem Fall sollte die ausgeschriebene Form an erster Stelle stehen. Ein weiteres Beispiel veranschaulicht den Widerspruch zwischen Verbindlichkeit und Häufigkeit. Laut einem maßgeblichen medizinischen Handbuch (Denisov, Ševtšenko 2010) lautet die russische Entsprechung für waist circumference окружность талии. Dieser Ausdruck ist für sich genommen häufig: Bei Google finden sich etwa 577.000 Treffer für diese Wortverbindung. Google zufolge sind jedoch zwei andere Synonyme noch häufiger: Für объём талии gibt es über 7.000.000 Treffer und für обхват талии über 11.000.000. In diesem konkreten Fall ist die Reihenfolge der Synonyme nicht besonders wichtig, da sie alle häufig sind. Dieses Beispiel unterstreicht jedoch erneut, wie wichtig eine Gegenprüfung ist, selbst wenn Begriffe und Entsprechungen maßgeblichen Quellen entnommen werden. Wie wir sehen, unterscheidet sich die Gewichtung der allgemeinen Leitprinzipien von Fall zu Fall. Um ihre Entscheidungen zu überprüfen, sollten Wörterbuchautoren Fachleute des jeweiligen Bereichs und Vertreter der Zielgruppen konsultieren. 8. T E C H N I S C H E U M S E T Z U N G Das Wörterbuch wird sowohl als über das Internet zugängliche Datenbank als auch als druckbares Wörterbuch im PDF-Format veröffentlicht. Die elektronische Version ermöglicht effiziente Suchvorgänge sowie einige nützliche dynamische Funktionen. So lassen sich beispielsweise bestimmte Daten (z. B. Querverweise, Verwaltungsdaten und Domänenkennzeichnungen) je nach Verwendungszweck ein- und ausblenden. Die Druckversion wiederum kann auch in Situationen verwendet werden, in denen elektronische Geräte nicht erlaubt sind oder die Internetverbindung schlecht ist. Das Wörterbuch wurde mithilfe einer angepassten Version des hausinternen Wörterbuchredaktionssystems MyTerMS (siehe Kudashev, Kudasheva 2006) erstellt. MyTerMS ist eine Webschnittstelle zur zugrunde liegenden lexikografischen Datenbank. Das System wurde in mehreren Wörterbuchprojekten eingesetzt und dient an der Universität Tampere und der Universität Helsinki in Finnland als Terminologiemanagementsystem für terminologische Projekte. 48 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish-Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Abb. 10. Das Hauptfenster des Wörterbuchredaktionssystems MyTerMS MyTerMS bietet alle grundlegenden Funktionen, die man von einer Wörterbuchverwaltungssoftware erwarten kann, etwa das Hinzufügen, Bearbeiten, Suchen, Durchsuchen, Drucken und Löschen von Einträgen. Darüber hinaus automatisiert das System zahlreiche Vorgänge. So kann beispielsweise beim Hinzufügen mehrerer Einträge derselben Domäne das Domänenfeld vorausgefüllt werden, statt die Domäne jedes Mal manuell auszuwählen. MyTerMS trägt außerdem zur Datenintegrität bei, indem es etwa doppelte Einträge verhindert und Querverweise automatisch verwaltet. Zudem gewährleistet das System die Korrektheit der Eingaben, indem es vor dem Speichern eine Konformitätsprüfung durchführt. Die Einträge sind in Datenfelder untergliedert, und die Artikel werden mithilfe von Skripten und Cascading Style Sheets „on the fly“ erstellt. Mit Ausnahme einiger Verwaltungsdaten, die farblich von den endgültigen Daten abgesetzt sind, entspricht das Layout der Einträge so weit wie möglich der endgültigen Fassung. Verwaltungsdaten und Querverweise lassen sich durch Aktivieren bzw. Deaktivieren der entsprechenden Kontrollkästchen ein- und ausblenden. Eine der Stärken von MyTerMS ist die erweiterte Suchfunktion. Nutzer können mithilfe von Platzhaltern und regulären Ausdrücken sowie durch die Kombination mehrerer Suchbedingungen auch sehr komplexe Suchvorgänge durchführen. So lassen sich Daten nach nahezu beliebigen Kriterien oder deren Kombinationen abrufen. Abbildung 10 zeigt das Hauptfenster des Programms. Der grüne Rahmen ist das Bedienfeld mit verschiedenen Schaltflächen und Optionen. Die beiden Listen links sind die Terminologieliste und die Trefferliste. Der größte Rahmen ist das Eintragsfenster. Die Buchstabenbereiche im Terminologija | 2020 | 27 49 Die obere linke Ecke ermöglicht es, die Länge der Termliste zu begrenzen, damit sie schneller aktualisiert wird. In derselben Ecke befindet sich außerdem ein Bereich für die „Schnellsuche“, der die Navigation durch die Termliste und die Trefferliste erleichtert. Der Benutzer muss lediglich die Anfangsbuchstaben des gesuchten Terms eingeben. In einem thematischen Wörterbuch ist es besonders wichtig, die Fachgebietskennzeichnungen präzise anzugeben. In MyTerMS geschieht dies mithilfe des Fachgebietsauswahlfelds, das sich über das Formular zum Hinzufügen/Bearbeiten und das Hauptfenster öffnen lässt. Fachgebietskennzeichnungen werden mithilfe von Optionsfeldern und Kontrollkästchen hinzugefügt. Im folgenden Beispiel (siehe Figure 11) wird ein Term Teil I (Osa 1), der thematischen Gruppe „Anatomie und Physiologie“ (Anatomia ja fysiologia) und dem fortgeschrittenen Niveau (Vaikeusaste B) sowie Teil II (Osa 2), der Klasse „Tuberkulose“ (tuberkuloosi) und der Unterklasse „Anatomie und Physiologie“ (c. Anatomia ja fysiologia) zugeordnet. Fig. 11. Fachgebietsauswahlfeld Wie wir sehen, kann ein Term als zur allgemeinen Terminologie gehörig und/oder als mit einer oder mehreren Krankheiten verbunden gekennzeichnet werden. Bei einer Suche können Benutzer sie auf jede beliebige Kombination von Fachgebieten und/oder Teilgebieten beschränken, indem sie dasselbe Auswahlfeld öffnen (siehe Figure 12). Mit demselben Werkzeug lässt sich auch ein Fachgebiet oder eine Kombination von Fachgebieten als „bevorzugt“ festlegen. Das spart Zeit und hilft, Fehler zu vermeiden, wenn der Terminologe mehrere Terme hinzufügt, die demselben Fachgebiet angehören. Einträge werden mithilfe eines HTML-Formulars hinzugefügt und bearbeitet (siehe Figure 13). Das Formular ermöglicht es, für jeden Eintrag bis zu sieben Synonyme hinzuzufügen 50 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation Fig. 12. Für die Suche mithilfe des Fachgebietsauswahlfelds ausgewählte Fachgebiete Sprache. Zusätzliche Abschnitte für Synonyme werden bei Bedarf geöffnet. Das Programm ermöglicht Inline-Formatierungen (z. B. Fettdruck, Kursivschrift sowie Hoch- und Tiefstellung). Die entsprechenden Felder werden jedoch auch als Klartext gespeichert, um korrekte und schnelle Suchvorgänge zu gewährleisten. Die meisten grammatik- und gebrauchsbezogenen Kennzeichnungen sind vordefiniert; Benutzer können aber auch zusätzliche freie Notizen zu diesen Kategorien eingeben. Fig. 13. HTML-Formular zum Hinzufügen und Bearbeiten von Einträgen Terminologija | 2020 | 27 51 MyTerMS erstellt außerdem automatisch den russisch-finnischen Index (siehe Abbildung 14). Abb. 14. Automatisch erstellter russisch-finnischer Index 9. S C H L U S S F O L G E R U N G Die Erstellung eines thematischen Wörterbuchs für Dolmetscher im Gesundheitswesen erwies sich als sehr interessante, zugleich aber auch anspruchsvolle Aufgabe. Einige Informationsbedürfnisse und Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Datenabfrage unterscheiden sich sogar zwischen den Hauptzielgruppen des Wörterbuchs sowie je nach Situation, in der das Wörterbuch verwendet wird. Auch die Verbindung pädagogischer und nachschlagender Funktionen schafft ein gewisses Spannungsverhältnis. Weitere Zielgruppen (etwa Patienten, Ärzte mit Migrationshintergrund usw.) hätten die Situation noch komplizierter gemacht. Im vorliegenden Projekt wurden lexikografische Widersprüche zudem durch externe Faktoren wie den engen Zeitplan und das begrenzte Budget erschwert. Sollten wir die Möglichkeit erhalten, unsere Arbeit fortzusetzen, wird das Wörterbuch in mehreren Richtungen weiterentwickelt. Während die Zahl der auswendig zu lernenden Begriffe (etwa 2.000) dem optimalen Niveau nahekommt, ist der krankheitsspezifische Teil des Wörterbuchs unbestreitbar bescheiden. Unser nächstes Ziel ist es, etwa 100 der häufigsten Krankheiten abzudecken, was ungefähr 10.000–12.000 Begriffen entspricht. Die Krankheiten werden anhand offizieller Statistiken des Gesundheitswesens ausgewählt. Nach dem Pareto-Prinzip (auch als 80/20-Regel bekannt) erwarten wir, einen angemessenen Sättigungspunkt zu erreichen, wenn das Wörterbuch die häufigsten 80% der Gründe für Arztbesuche abdeckt. Ein mögliches Pro- 52 Igor Kudashev Olga Semenova Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation blem dabei ist, dass die in den Statistiken dargestellten Klassen oft „zu groß“ sind und mehrere nicht weiter differenzierte Krankheiten umfassen. Im Rahmen des an der Tampere University organisierten Kurses für Dolmetschen im Gesundheitswesen stellten wir fest, dass die Kenntnisse der Studierenden in medizinischer Terminologie, die überwiegend aus Substantiven besteht, unzureichend sind. Um die Begriffe im Kontext korrekt zu verwenden, müssen die Studierenden auch Verben und Kollokationen beherrschen. Wir planen, unser Wörterbuch um Anwendungsbeispiele zu erweitern. In der elektronischen Version ließen sich diese je nach Verwendungszweck des Wörterbuchs ein- und ausblenden. Obwohl der russisch-finnische Index die Verwendung des Wörterbuchs in umgekehrter Richtung ermöglicht, kann es nicht als vollwertiges russisch-finnisches Wörterbuch gelten. Da das Wörterbuch auf dem finnischen Begriffssystem und finnischen Quellen basiert, fehlen ihm beispielsweise Krankheitsbezeichnungen, die in den postsowjetischen Ländern weit verbreitet, aber von den internationalen Krankheitsklassifikationen nicht anerkannt sind (z. B. остеохондроз [„Osteochondrose“]; дисбактериоз [„Dysbakteriose“], диатез [„Diathese“]; вегетососудистая дистония [„vegetativ-vaskuläre Dystonie“] usw.). Bei medizinischen Dolmetscheinsätzen können diese Begriffe jedoch durchaus vorkommen. Das bedeutet, dass das Wörterbuch um zumindest einige kulturspezifische russische Begriffe ergänzt werden sollte, wahrscheinlich in einem Anhang. Idealerweise sollte außerdem ein separates russisch-finnisches Wörterbuch erstellt werden. Ein weiterer Anhang könnte sogenannten „falschen Freunden“ gewidmet sein, die es sogar zwischen so unterschiedlichen Sprachen wie Finnisch und Russisch gibt. Neben internationalen Begriffen, die in verschiedenen Sprachen Unterschiedliches bedeuten können (siehe das obige Beispiel fyseoterapia / физиотерапия), stellen Abkürzungen eine weitere Quelle falscher Freunde dar. So darf beispielsweise die finnische Abkürzung IBS, die aus dem Englischen („irritable bowel syndrome“) stammt, nicht mit dem russischen ИБС verwechselt werden, das für ишемическая болезнь сердца („koronare Herzkrankheit“) steht. Es ist sinnvoll, Dolmetscher in einem gesonderten Abschnitt auf solche Fälle hinzuweisen. Unser Wörterbuch ist bereits in gewissem Maße dynamisch und anpassbar. Der Grad der Anpassbarkeit lässt sich jedoch weiter erhöhen. Unser übergeordnetes Ziel ist ein vielseitig einsetzbares medizinisches Wörterbuch für mehrere Zielgruppen, dessen Inhalte sich je nach Zielgruppe und Verwendungszweck anpassen lassen. Dies erfordert jedoch eine eingehendere Untersuchung der Perspektiven der Nutzer sowie umfangreiche lexikografische Arbeit und Softwareentwicklung. Terminologija | 2020 | 27 53 REFERENCES Abramova Galina Alekseeva 2003: Абрамова Галина Алексеевна. Медицинская лексика: основные свойства и тенденции развития (на материале русского языка): дис. д-ра филол. наук, Москва, Краснодар: КубГУ. Agadžanàn Sona Aramovna 2018: Агаджанян Сона Арамовна. Вербальная коммуникация „врач – пациент“ в функционально-стилистическом аспекте (на материале английского языка): дис. канд. филол. наук, Москва: МГУ. Alekseev Pavel Michailovič 2001: Алексеев Павел Михайлович. Частотные словари: учеб. пособие, Санкт-Петербург: С.-Петерб. ун-т. 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ACKNOWLEDGEMENTS We wish to express our gratitude to the Finnish Cultura Foundation (https://culturas.fi) for funding the project “Developing Healthcare Interpreting Training”. We also gratefully acknowledge the contribution of the Director of the Pirk ส? TEMINIS SUOMIŲ–RUSŲ KALBŲ ŽODYNAS SVEIKATOS PRIEŽIŪROS SRITIES VERTĖJAMS ŽODŽIU: SUDARYMO PRINCIPAI IR IŠŠŪKIAI S a n t r a u k a Augantis tarptautiškumas lemia vis didėjantį bendruomeninio vertimo (angl. community interpreting) poreikį. Taisyklingų terminų vartojimas yra pagrindinis kokybiško vertimo faktorius. Šiuo atžvilgiu sveikatos priežiūra yra viena iš kritinių sričių, kadangi nesusipratimai, ypač kylantys dėl netinkamo terminų vartojimo, gali baigtis netinkamu gydymu. Medicinos žodynas yra didžiulis, tad sveikatos priežiūros srities vertėjams žodžiu ir vertimo žodžiu studentams reikalingas žodynėlis, kuriame a) būtų dažniausiai vartojami terminai; b) terminai būtų išdėstyti pagal temas; c) kuris būtų patikimas ir leistų greitai surasti tinkamiausius atitikmenis vertimo kalboje. Šiame straipsnyje aprašomas Teminio suomių–rusų kalbų žodyno sveikatos priežiūros srities vertėjams žodžiu sudarymo procesas. Žodyną sudaro dvi dalys. Tam tikrus pagrindinius terminus vertėjai žodžiu turi mokėti atmintinai, taigi pirmoje dalyje pateikiama apie 2000 dažniausiai vartojamų terminų, sugrupuotų pagal temas, kurios buvo pasirinktos remiantis freimų analize (angl. frame analysis). Kiekvienoje temoje žodynas yra toliau suskirstytas į bendruosius ir specialiuosius terminus. Antroji dalis yra suda- 56 Igor Kudashev | Olga Semenova Finnish–Russian Thematic Dictionary for Healthcare Interpreters: The Principles and Challenges of Compilation ryta pagal konkrečias ligas. Ji padeda vertėjams žodžiu ir studentams pasirengti su konkrečia liga susijusiai užduočiai. Be to, kadangi vertėjai žodžiu gali pamiršti konkretų terminą vertimo metu ir norėtų jį pasižiūrėti, antroje dalyje pateikiami su konkrečiomis ligomis susiję atitikmenys, patogiai sugrupuoti į mažesnius skyrius, kad juos būtų galima greitai surasti. Kadangi vertėjams žodžiu skirti žodyno straipsniai turi būti labai glausti, juose pateikiama tik minimali semantinė ir lingvistinė informacija. Vis dėlto vertėjams žodžiu, verčiantiems sveikatos priežiūros srityje, paprastai trūksta medicininio išsilavinimo, tad jiems reikia šiek tiek informacijos apie medicinos terminų tarimą ir gramatinius požymius. Kompaktiškas skirtingų reikšmių išaiškinimas yra labai svarbus pasirenkant teisingą atitikmenį. Žodyno sudarymas buvo be galo įdomi, tačiau ir sudėtinga užduotis. Šiame straipsnyje aprašomi kai kurie iššūkiai, susiję su konkrečioms kultūroms būdingomis sąvokomis, tarpdalykine terminologija, mokslinių ir neformalių terminų opozicija, sinonimų ir sutrumpinimų gausa. Ateityje planuojama žodyną plėsti keliomis kryptimis. Mūsų galutinis tikslas yra daugiafunkcis, įvairioms tikslinėms grupėms skirtas žodynas, kurio turinys galėtų būti pritaikytas pagal tikslinę grupę ir naudojimo tikslą. Vis dėlto tam reikia išsamesnės naudotojų perspektyvų studijos ir daug leksikografinės ir programinės inžinerijos. Gauta 2020-06-30 Igor Kudashev Tampere University Kanslerinrinne 1 FI-33014 Tampere, Finland [email protected] Olga Semenova Tampere University Kanslerinrinne 1 FI-33014 Tampere, Finland [email protected] Terminologija | 2020 | 27 57