Metodologinės naujovės kalbinio variantiškumo tyrimuose
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DIANA DAMBRAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0002-0346-8421
FORSCHUNGSGEBIETE: Soziolinguistik, Geolinguistik, perzeptive Dialektologie.
DOI: https://doi.org/10.35321/bkalba.2024.97.11
JOGILĖ TERESA RAMONAITĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0002-2988-5194
FORSCHUNGSGEBIETE: Psycholinguistik, Soziolinguistik.
DOI: https://doi.org/10.35321/bkalba.2024.97.11
NIJOLĖ TUOMIENĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0001-6662-4615
FORSCHUNGSGEBIETE: Soziolinguistik, Geolinguistik, Sprachkontakt, Codewechsel.
DOI: https://doi.org/10.35321/bkalba.2024.97.11
METHODISCHE NEUERUNGEN IN DER ERFORSCHUNG SPRACHLICHER VARIATION
Am 10. und 11. Oktober 2024 fand am Institut für Litauische Sprache die internationale wissenschaftliche Konferenz METHODISCHE NEUERUNGEN IN DER ERFORSCHUNG SPRACHLICHER VARIATION (METHODOLOGICAL INNOVATIONS IN THE STUDY OF LINGUISTIC VARIATION) statt. Die Organisatoren der Konferenz, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Geolinguistik am Institut für Litauische Sprache, hatten die internationale akademische Gemeinschaft eingeladen, Erkenntnisse über Traditionen und Neuerungen der Geolinguistik, das Wort und seine Bedeutung, Regionalität und sprachliche Variation, die Standardisierung und Substandardisierung der Standardsprache sowie die Wechselwirkungen zwischen Sprachen und Kulturen auszutauschen. An den beiden Konferenztagen hielten 48 Teilnehmende aus acht Ländern (Deutschland, den Niederlanden, Slowenien, Rumänien, Polen, der Ukraine, Lettland und Litauen) 36 Vorträge. Die Abstracts der Vorträge wurden auf der Website des Instituts für Litauische Sprache veröffentlicht1.
1 Die Abstracts der Vorträge finden Sie unter https://lki.lt/wp-content/uploads/2024/10/Anotacijos_Konferencija_Metodologines_naujoves_kalbinio_variantiskumo_tyrimuose.pdf.
DIANA DAMBRAUSKIENĖ, JOGILĖ TERESA RAMONAITĖ, NIJOLĖ TUOMIENĖ.
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Metodologinės naujovės kalbinio variantiškumo tyrimuose
Der erste Tag begann mit einer Plenarsitzung, die von Prof. habil. Dr. Danguolė Mikulėnienė, Leiterin des Zentrums für Geolinguistik am Institut für Litauische Sprache, geleitet wurde. Die Direktorin des Instituts für Litauische Sprache, Dr. Albina Auksoriūtė, begrüßte die Konferenzteilnehmenden und Zuhörenden mit einleitenden Worten.
Den ersten Vortrag Netolimi horizontai dialektologijoje (The near Horizon in Dialectology) hielt Prof. Dr. John Nerbonne von den Universitäten Groningen in den Niederlanden sowie Freiburg und Tübingen in Deutschland. Der Vortragende hob die Bedeutung linguistischer Forschung in der Dialektologie hervor und sprach über neue Technologien und Theorien, die eine neue Untersuchung der Verbreitung sprachlicher Varianten ermöglichen. Der Gastredner würdigte die neuen Methoden zur Erforschung sprachlicher Variation, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Zentrums für Geolinguistik am Institut für Litauische Sprache angewandt werden.
Die andere Gastrednerin, Prof. Dr. Jožica Škofic vom Fran-Ramovš-Institut für slowenische Sprache am Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste, stellte in ihrem Vortrag Interaktyvus slovenų kalbos atlasas – nauji tarptautiniam naudojimui skirti slovenų geolingvistikos įrankiai (Interactive Slovenian Linguistic Atlas – new Tools in Slovenian Geolinguistics for International Use) den entwickelten interaktiven Atlas der slowenischen Sprache vor, in dem sowohl für die Forschung relevantes Dialektmaterial als auch wissenschaftliche Arbeiten leicht zugänglich sind. Darüber hinaus kann der digitale Atlas fortlaufend mit Sprachdaten ergänzt werden, auch unter Einbeziehung der Öffentlichkeit.
Die Sitzung wurde von Aidas Gudaitis, Doktorand am Zentrum für Geolinguistik des Instituts für Litauische Sprache, und der Forscherin dieses Zentrums, Dr. Agnė Čepaitienė, fortgesetzt. Die Autoren des Vortrags GIS įrankių ir geoerdvinės analizės metodų taikymas lietuvių kalbos variantiškumo tyrimuose (Application of GIS Tools and Geospatial Analysis Methods in the Research of Lithuanian Variation) stellten ihre neuesten Forschungen sowie eine für die litauische Dialektologie neue Methodik vor, bei der GIS-Technologien zur Erhebung und Analyse von Daten der perzeptiven Dialektologie eingesetzt werden. Die Vortragenden erläuterten dem Publikum, wie sich mittels geospatialer Analyse Verbreitungsschwerpunkte dialektaler Varianten, der Prestigegrad lokaler Sprachvarianten und die Assoziationswerte von Dialektsprechenden bestimmen sowie deren Zusammenhänge mit verschiedenen sozioökonomischen Faktoren erkennen lassen.
Die Plenarsitzung schloss Prof. habil. Dr. Danguolė Mikulėnienė mit dem Vortrag Ideologinis sovietmečio naratyvas lietuvių dialektologijoje (Ideological Narrative of the Soviet Period in Lithuanian Dialectology). Mit Blick auf die verschiedenen Perioden der Sowjetzeit und die Vielschichtigkeit des ideologischen Narrativs erörterte die Vortragende mehrere Etappen der Entwicklung der litauischen Dialektologie während der Sowjetzeit und stellte die wichtigsten Merkmale des vulgären ideologischen Narrativs vor.
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Die Wissenschaftlerin wies darauf hin, dass dieser Zeitraum die Entwicklung der Dialektologie nicht nachhaltig beeinflussen konnte: Damals und auch später wurde in Litauen die Tradition der Zwischenkriegszeit-Litauistik bewahrt, die als Gegenmittel gegen das Narrativ einer drastischen ideologischen Anpassung wirkte. Zusammenfassend betonte die Professorin, dass der ideologische Einfluss auf die Wissenschaft durch die Sprachwissenschaftler selbst gebremst wurde.
Anschließend fanden die Präsentationen wissenschaftlicher Untersuchungen und die Diskussionen in zwei Sektionen statt: Das Thema der ersten lautete Traditionen und Innovationen der Geolinguistik, das der zweiten Wort und Bedeutung. In vier Sitzungen beider Sektionen wurden 15 Vorträge gehalten.
Den Sitzungen der Sektion Traditionen und Innovationen der Geolinguistik standen die Wissenschaftlerinnen des Zentrums für Geolinguistik des Litauischen Sprachinstituts, Dr. Asta Leskauskaitė und Rima Baksienė, vor.
In der ersten Sitzung erläuterten Florinas-Teodoras Olariu, Silviu Bejinariu, Veronica Olariu, Ludmila Malahova und Tudoras Bumbu von der Zweigstelle Jassy der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und der Staatlichen Universität Moldau die Probleme bei der Digitalisierung des Sprachatlas und berichteten über ihre Erfahrungen bei der Transliteration terminologischer Texte in das lateinische Alphabet. Heiko Kammers, Simon Kasper und Jeffrey Pheiff vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas der Universität Marburg sowie von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Bern stellten einen in Vorbereitung befindlichen Atlas zum morphologischen und syntaktischen Variieren vor, der sowohl alte Dialekte als auch heute verwendete lokale Sprachvarietäten berücksichtigt und zugleich ihre vertikale Beziehung zur Standardsprache einbezieht. Die Vertreterinnen der Universität Lettlands Anna Stafecka und Liene Markus-Narvila machten mit den Ursprüngen der geolinguistischen Forschung in Lettland bekannt und erörterten die wichtigsten Publikationen auf diesem Gebiet. Die Vortragenden wiesen auf die Methodik der Erstellung geolinguistischer Karten der lettischen Sprache in verschiedenen Zeiträumen hin und betonten, dass die Karten in mehreren im 21. Jahrhundert veröffentlichten Bänden des lettischen Dialektatlasses mit dem Programm „Paint Shop Pro“ erstellt wurden, während die 2022 vom Lettischen Sprachinstitut eingerichtete Website dialekti.lu.lv kostenlosen Zugang zu digitalen Karten lettischer Dialekte bietet. Eine weitere Wissenschaftlerin der Universität Lettlands, Lidija Leikuma, beschrieb Adalbert Bezzenbergers 1885 erschienene Publikation Lettische Dialekt-Studien, die erste Monografie zu den lettischen Dialekten, und erörterte ausführlich die Schwierigkeiten, mit denen Nichtmuttersprachler bei der Erfassung phonetischer Nuancen dialektaler Texte konfrontiert sind. Sie betonte, dass Bezzenbergers Monografie eine kulturell nützliche wissenschaftliche Kontroverse zwischen dem Klerus und der Intelligenz Latgales ausgelöst habe und dass die von Nichtmuttersprachlern dokumentierten Abweichungen und Fehler in den Dialektaufnahmen in späteren Untersuchungen von Vertretern der Sprachvarietäten Latgales korrigiert worden seien.
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In der zweiten Sitzung der Sektion stellte Edmundas Trumpa von der Universität Lettlands den Konferenzteilnehmenden und Zuhörenden eine Neuerung aus der an der Universität Lettlands im Lettischen Sprachinstitut durchgeführten Untersuchung der Intonation lettischer Standardsprache und des livischen Dialekts von Kurland vor: eine entwickelte Methode, die Bewegung der ersten und zweiten Formanten (F1/F2) zwischen Konsonanten vergleichsweise schnell zu visualisieren. Außerdem präsentierte er einzelne Forschungsergebnisse und teilte Erkenntnisse zu den Regelmäßigkeiten des Qualitätswandels von Allophonen. Die Forscherinnen Rima Bakšienė und Agnė Čepaitienė vom Zentrum für Geolinguistik des Litauischen Sprachinstituts beschrieben die in Kazimieras Šaulys’ 1988 erschienenem Werk Juodžiūnų tarmė verwendeten Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) zur Verschriftlichung von Beispielen aus dem ostaukštaitischen Unterdialekt von Kupiškis und verglichen sie mit dem aktuellen IPA-Zeichensatz für litauische Dialekte. Die Vortragenden zeigten den Kontrast zwischen dem damaligen und dem heutigen Unterdialekt von Kupiškis auf, unterstrichen die Bedeutung der von Šaulys gesammelten Daten und erörterten ergänzend in groben Zügen die gegenwärtige soziokulturelle und sozioökonomische Situation im Gebiet von Kupiškis. Asta Leskauskaitė, Wissenschaftlerin desselben Zentrums, betonte in ihrem Vortrag nicht nur die zunehmende Bedeutung morphologischer Merkmale für die Identifizierung dialektaler Varianten, sondern auch, dass die Komplexität dialektaler Merkmale sowohl für die reine Linguistik als auch für die Entwicklung, Modellierung und Verbesserung von Spracherkennungswerkzeugen und künstlicher Intelligenz von Bedeutung ist. Die Forscherin wies auf einige Aspekte des morphologischen Wandels und dessen Beziehung zum horizontalen und vertikalen Kontinuum hin. Daira Vēvere von der Universität Lettlands erörterte den Bedarf, die Klassifikation lettischer Dialekte zu überprüfen und eine Terminologie für einzelne Sprachvarietäten zu entwickeln. Sie thematisierte zudem die Probleme der historischen Einteilung der livischen Sprachvarietäten Kurlands, der sogenannten tamnieku, anhand tiefer und oberflächlicher Merkmale und schlug vor, diese nach vier phonetischen Merkmalen zu gliedern und eine für die Beschreibung der livischen Sprachvarietäten Kurlands geeignete Terminologie zu übernehmen.
Den Sitzungen der zweiten Sektion Wort und Bedeutung standen die Wissenschaftlerinnen des Zentrums für Untersuchungen der Standardsprache am Litauischen Sprachinstitut, Dr. Vilija Sakalauskienė und Dr. Loreta Vaičiulytė-Semėnienė, vor.
Die erste Sitzung eröffneten die Wissenschaftler Ihoris Koroliovas, Aurelija Gritėnienė und Svitlana Hrycenko von der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kyjiw und dem Litauischen Sprachinstitut. Die Vortragenden stellten die Datenfelder der Makro- und Mikrostruktur des „Litauisch-Ukrainischen Wörterbuchs“ vor und widmeten den Belegbeispielen besondere Aufmerksamkeit. Vilija Sakalauskienė, die den Vorsitz der Sitzung führte, erörterte ethnolinguistische Informationen in der Makro- und Mikrostruktur von Wörterbüchern und zeigte, welche ethnolinguistischen Infor-
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mationen, die ein sprachlich-kulturelles Bild von Pflanzen entstehen lassen, sich in Wörterbuchartikeln, Beispielsätzen, Termini, Phraseologismen, Sprichwörtern, Ableitungen, Kollokationen usw. finden lassen. Vilija Ragaišienė, Forscherin am Zentrum für Geolinguistik des Litauischen Sprachinstituts, lud dazu ein, über die Bedeutung von Dialektwörterbüchern für die Untersuchung des Verständnisses des sprachlichen Weltbildes zu diskutieren. Die Wissenschaftlerin präsentierte lexikografische Artikel zum Wort miškas und seinen Synonymen aus ethnolinguistischer Perspektive und erschloss die wichtigsten in Wörterbüchern belegten Bedeutungen des Begriffs miško. Silvija Papaurėlytė-Klovienė, Forscherin am Zentrum für Untersuchungen der Standardsprache, analysierte die Assoziationen zum Wort mama und erörterte dessen Assoziationsfeld im litauischen Weltbild. Sie stellte fest, dass litauischsprachige Menschen die grundlegenden Eigenschaften der Mutter über ihre emotionale Beziehung zu ihr erfassen, sich nicht auf ihr Äußeres oder ihre berufliche Tätigkeit konzentrieren und sie ausschließlich als eine Person beschreiben, die positive Gefühle hervorruft.
Veslava Čižik-Prokaševa vom Zentrum für Untersuchungen der Standardsprache am Litauischen Sprachinstitut eröffnete die zweite Sitzung und untersuchte anhand von Texten der Belletristik, Sachliteratur und Publizistik vom Ende des 20. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts aus dem Textkorpus der Gegenwärtigen Litauischen Sprache das Bild der russischen Frau. Ihrer Aussage nach ist dieses Bild nicht besonders differenziert: Die Russin wird in physischer, charakterlicher, sozialer, lokaler, häuslicher, tätigkeitsbezogener, ideologischer und religiöser Hinsicht beschrieben. Loreta Vaičiulytė-Semėnienė sprach über das Bild der Einsamkeit in der Publizistik und stellte die Frage, ob ein Einsamer immer allein ist, ob und wann Einsamkeit für ihn notwendig sein kann und wie sich das semantische Kontinuum der Einsamkeit entfaltet. Dabei berücksichtigte sie die Definitionen des Wortes vienatvė in den maßgeblichen litauischen Wörterbüchern und fasste kurz die Forschung anderer Autorinnen und Autoren zusammen. Rūta Kazlauskaitė von der Šiauliai-Akademie der Universität Vilnius analysierte die Semantik der Farben von Sternen und die Motivation ihrer Benennung in der Poesie litauischer Autorinnen und Autoren. Sie kam zu dem Schluss, dass die Farbe der Sterne beziehungsweise der Lichtton und häufig auch ihr Glanz in der Dichtung sowohl direkt als auch metaphorisch benannt werden.
Am Abend des ersten Konferenztages nahmen die Gäste und Organisatoren an einer Führung durch den Sapiegų-Palast teil, der erst vor Kurzem seine Türen für Besucher geöffnet hatte. Dabei lernten sie das einzigartige architektonische Ensemble des Barock kennen, das im Laufe der Jahre nicht nur sein Aussehen, sondern auch seine Funktion verändert hatte.
Am zweiten Konferenztag wurden in drei Sektionen – Regionalität und Variabilität, Standardisierung und Substandardisierung der Standardsprache sowie Wechselwirkung von Sprachen und Kulturen – 14 Vorträge gehalten.
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In der ersten Sitzung der Sektion Regionalität und Variabilität, den die Forscherin Dr. Simona Vyniautaitė vom Zentrum für Geolinguistik des Instituts für Litauische Sprache leitete, hielten Wissenschaftlerinnen des Zentrums für Geolinguistik ihre Vorträge. Dalia Kiseliūnaitė erörterte die Konkurrenz zwischen Lokativ und Präpositionalfügungen in den spätesten Texten der Kurischen Sprache, die während Expeditionen von 1961 bis 2014 aufgezeichnet wurden. Sie wies darauf hin, dass diese Formen in der Sprache nicht aller Informanten und nicht in allen Fällen gleichwertig miteinander konkurrieren: Dies hängt von ihrer syntaktischen Semantik, der Struktur der Präpositionalfügungen, der Semantik des Substantivs und seinem Deklinationstyp ab. Anschließend teilte Jogilė Teresa Ramonaitė ihre und die Erkenntnisse der Übersetzerin Ieva Frigerio zu Strategien für die Übersetzung italienischer Dialekteinschübe in literarischen Texten ins Litauische. Die Referentinnen machten auf die bislang selten angewandte Übersetzungsstrategie aufmerksam, den Dialekt der Originalsprache durch einen Dialekt der Zielsprache zu ersetzen. Unter Bezugnahme auf Lawrence Venutis Theorie der Einbürgerung des Übersetzungstextes (domestication) und der Verfremdung (foreignization) analysierten sie die Übersetzungen sizilianischer Einsprengsel im litauischen Text von Stefania Aucis italienischem Roman Die Löwen Siziliens. Die Saga der Familie Florio I (2023). Diana Dambrauskienė und Simona Vyniautaitė analysierten Ursachen und Richtungen der Mobilität in den Gemeinden der Umgebung von Šilalė und schätzten probeweise die Korrelation zwischen Mobilität und der Realisierung dialektaler Merkmale ein. Die Referentinnen betonten, dass die Dynamik der Sprachbenutzer und ihre Kontakte mit Sprechern anderer Unterdialekte zu den wichtigsten Faktoren gehören, die den Wandel der lokalen Sprachvarianten in den Siedlungen rund um Šilalė bestimmen und auch künftig bestimmen werden. Danutė Valentukevičienė untersuchte mit quantitativen Methoden die Veränderungen bei der Realisierung des Härtungskonsonanten l in der Sprache von Informanten dreier Generationen aus der Geolektzone Varėna. Sie zeigte, dass dieses Merkmal in der Sprache der Jugendlichen zu einem instabilen Dialektalitätsmarker geworden ist, der mit dem Regiolekt verbunden ist und eine Konvergenz mit der Standardsprache widerspiegelt.
Im ersten Vortrag der zweiten Sitzung, deren Vorsitz Nida Poderienė, Wissenschaftlerin am Zentrum für Untersuchungen der Standardsprache des Instituts für Litauische Sprache, führte, bewies die Geolinguistin Laura Brazaitienė durch den Vergleich einiger dialektaler Merkmale, die für die mittleren Mundarten des litauischen Sprachgebiets charakteristisch sind und in den Klassifikationen der litauischen Dialekte unterschiedlich zugeordnet werden, dass sich die Entwicklungslinien des in den Klassifikationen unterschiedlich abgegrenzten untersuchten Mundartgebiets auf der Karte im Wesentlichen nicht verändern. Žydrūnas Šidlauskas, Forscher am Zentrum für Geolinguistik, zeigte auf, inwieweit Bewertungen aus der emic-Perspektive mit statistischen Dialektalitätswerten übereinstimmen: Selbst wenn Informanten auf der emic-Ebene angeben, nicht dialektal zu sprechen, lassen sich in ihrer Sprache aus der etic-Perspektive gewöhnlich dialektale Merkmale feststellen. Er betonte
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die Bedeutung qualitativer und quantitativer dialektologischer Untersuchungen, die die dialektale (In)Kompetenz gewöhnlicher Sprachbenutzer aufzeigen. Im letzten Vortrag dieser Sitzung stellte Nida Poderienė die theoretische Grundlage und das Konzept eines ethnolinguistischen Fragebogens vor, der sich mit den Neigungen zum Gebrauch der litauischen Sprache und des lokalen Dialekts sowie mit den Einstellungen gegenüber Litauisch und Dialekt befasst. Die Referentin betonte, dass der Fragebogen ein Instrument ist, das Untersuchungen zur Bewertung der Vitalitätsparameter regionaler Sprachgemeinschaften erleichtert.
Den Vorsitz bei der Sitzung der Sektion Standardisierung und Substandardisierung der Standardsprache führte Dr. Aurelija Tamulionienė vom Zentrum für Untersuchungen der Standardsprache des Instituts für Litauische Sprache. Alle Vorträge in dieser Sektion wurden von Wissenschaftlern des Zentrums für Untersuchungen der Standardsprache gehalten.
Rita Miliūnaitė wies darauf hin, dass die im Datenbestand litauischer Neologismen dokumentierten Hybridbildungen mit den Suffixen –istas, –ė, die in der öffentlichen Verwendung eine spezifische Konnotation aufweisen, zugenommen haben. Die Wissenschaftlerin benannte die Mechanismen der Wechselwirkung zwischen Erscheinungen der Standardsprache und des Substandards und brachte diese Prozesse mit der Substandardisierung sprachlicher Erscheinungen in Verbindung. Aurelija Tamulionienė stellte auf Grundlage der Antworten von 4 305 Schülerinnen und Schülern auf Fragen zur Sprachwahl und zum Sprachgebrauch im Alltag die Bereiche vor, in denen die Sprache im täglichen Gebrauch vorherrscht. Sie bewertete die Sprachpräferenzen der Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Kommunikationssituationen und zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Sprachgebrauchs an verschiedenen Orten Litauens auf. Žydrūnė Šalaviejūtė widmete sich den Besonderheiten der Motivierung litauischer Fischbezeichnungen. Anhand einer Analyse der in lexikografischen Quellen zur litauischen Sprache verzeichneten Fischbezeichnungen zeigte die Referentin, welche konzeptuellen Merkmale durch die Analyse der lexikalischen Motivierung sichtbar werden. Daiva Šveikauskienė warf die Frage auf, wie sich die in gedruckten Grammatiken enthaltenen Informationen für die Computerverarbeitung von Sprache nutzen lassen, und erörterte Fälle der Rektion und Anfügung eines unflektierbaren Attributs. Ihrer Ansicht nach ist es bei der versuchten Automatisierung der syntaktischen Analyse des Litauischen für die computerbasierte Verarbeitung sehr hinderlich, dass das unflektierbare Attribut als vom Bezugswort regiert gilt.
Die Vorsitzende der Sitzung der Sektion Sprach- und Kulturkontakt, Dr. Violeta Meiliūnaitė, Forscherin am Zentrum für Geolinguistik des Instituts für Litauische Sprache, eröffnete die Sitzung mit einem Vortrag über das sprachliche Umfeld und dessen Einfluss auf das Litauertum im Rajon Šalčininkai. Die Wissenschaftlerin untersuchte sprachliche Informationen in Kult- und Sakralgebäuden, analysierte, in welcher Sprache die wichtigsten Informationen für die Gläubigen bereitgestellt werden, verglich Daten zur Sprachlandschaft mit offiziellen Angaben zur Sprache der Gottesdienste und stellte die Frage, ob dieses Wirkungsfeld der Sprache
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im Rajon Šalčininkai eine positive Einstellung gegenüber der Staatssprache fördert. Nijolė Tuomienė, ebenfalls Forscherin desselben Zentrums, untersuchte die Besonderheiten der Kommunikation unter den zweisprachigen (mehrsprachigen) Einheimischen im Südosten Litauens. Die Wissenschaftlerin betonte, dass der situationsbedingte Sprachwechsel zu einer universellen Strategie wird, um kommunikative Ziele zu erreichen und bestimmte Gesprächsfunktionen zu erfüllen. Sie hob hervor, dass die Analyse formeller und privater Gespräche unterschiedlichen Inhalts in zweisprachigen und mehrsprachigen Gemeinschaften im Südosten Litauens die Bestimmung von acht Situationen – möglichen Strategien des Sprachwechsels – ermöglichte. Violeta Švaikovskaja, Doktorandin am Institut für Litauische Literatur und Volkskunde, stützte sich auf das in Erzählungen von Bewohnern der Region Šalčininkai behandelte Bildungsverständnis, um den Status von Bildung als möglichem kulturellem Konzept zu begründen. Der Referentin zufolge wird Bildung anhand der in der Schule oder auf anderem Wege erworbenen Fähigkeiten sowie anhand der Umstände gemessen, die zum Schulversäumnis geführt haben.
Die Konferenz endete mit einer abschließenden Plenarsitzung unter dem Vorsitz der Wissenschaftlerin der Universität Vilnius, Prof. Dr. Kristina Rutkovska. In der Sitzung wurden drei Vorträge gehalten.
Den ersten Vortrag, Polnische Dialektologie im Wandel der sprachlichen Situation in ländlichen Gebieten – neue Methoden unter neuen Bedingungen (Polska dialektologia wobec wyzwań zmieniającej się sytuacji językowej na wsi – nowe metody w nowych warunkach), hielt Prof. habil. Dr. Maciej Rak von der Jagiellonen-Universität in Polen. Der eingeladene Gast wies darauf hin, dass die sich wandelnde sprachliche Situation in den ländlichen Gebieten Polens einen neuen Ansatz erfordert: Für dialektologische Untersuchungen gewinnen soziolinguistische Faktoren an Bedeutung, weshalb sich die Methoden zunehmend denen soziolinguistischer Untersuchungen annähern.
Im zweiten Vortrag, Methoden der Ethnotheologie in der Erforschung alter Schriften, untersuchte die Vorsitzende der Plenarsitzung, Prof. Dr. Kristina Rutkovska, die Anwendung ethnotheologischer Methoden auf die Erforschung religiöser Denkmäler und erörterte die Entwicklung und Verbreitung theologischer Gedanken, die aus der Auslegung der Heiligen Schrift hervorgehen. Die Wissenschaftlerin widmete dem Vorlesungsskript von Konstantinas Sirvydas Explanationes in cantica canticorum Salomonis et in Epistolam D. Pauli ad Ephesios, das 1620 verfasst wurde, besondere Aufmerksamkeit. Nachdem sie die Struktur der Vorlesungen und ihre Bezüge zu Sirvydas’ Punktais sakymų dargelegt hatte, zeigte die Referentin, wie sich in diesen Werken, die Sirvydas’ eigene Gedanken zum Ausdruck bringen, originelle Elemente aus dem kulturellen Kontext der jesuitischen Tätigkeit in Vilnius finden lassen.
Den dritten und letzten Vortrag, Auf der Suche nach neuen Methoden der Grenzlandforschung. Archivisches ethnografisches Material als Quelle für die Erforschung des historischen Multilingualismus an der belarussisch-litauischen Grenze (In Search of New Methods of Border Studies.
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Den Vortrag (Archival Ethnographic Materials as a Source of Research on Historical Multilingualism on the Belarusian–Lithuanian Borderland) hielt Dr. Katarzyna Konczewska, Vertreterin des Instituts für Polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Anhand eines konkreten Beispiels hob die Wissenschaftlerin die Bedeutung historischer Dokumente für linguistische Untersuchungen an Orten hervor, über die keine oder nur äußerst wenige historische Sprachdaten vorliegen.
Zum Abschluss der internationalen wissenschaftlichen Konferenz freute sich die stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates des Instituts für Litauische Sprache, Dr. Vilija Sakalauskienė, über den internationalen Charakter der Konferenz und die große Zahl der Teilnehmenden, betonte die Bedeutung der Geisteswissenschaften und dankte den wissenschaftlichen und organisatorischen Komitees.
Den abschließenden Höhepunkt der Konferenz bildete der den Teilnehmenden gezeigte Dokumentarfilm Išsaugojome kalbą, der 2023 im Auftrag der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache anlässlich des 35. Jahrestags der Wiederherstellung des Status der Staatssprache entstand.
Eingegangen am 15.11.2024
DIANA DAMBRAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
[email protected]
JOGILĖ TERESA RAMONAITĖ
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Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
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NIJOLĖ TUOMIENĖ
Institut für Litauische Sprache
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