Finnisch „sii”
Full text
LIETUVIY KALBOTYROS KL AU S DMA L VI
LIFT UVOS TSR MOKSLUYU AKSA D E MOT JA
FINNISCH SIT
E. NIEMINENAS
Rengiant spaudai šį „Lietuvos kalbotyros klausimų“ tomą, buvo gau-
ta skaudi žinia, kad 1962 m. gegužės 24 d. Helsinkyje mirė garsus lygi-
namosios istorinės kalbotyros specialistas, baltų ir slavų kalbų ryšių su
suomių kalbomis tyrinėtojas prof. E. Nieminenas. Šio žymaus lingvisto
mirtis — didelis nuostolis baltų filologijai ir lituanistikai, kuriai jis yra
daug nusipelnęs. Prof. E. Niemineno straipsnis „Finnisch sii“, gautas iš
autoriaus 1962 m. balandžio 16 d., yra, tikriausiai, paskutinis jo darbas
apie baltiškos kilmės skolinius suomių kalboje.
In diesem Aufsatz unterziehe ich ein finnisches Substantiv, das einen
Begriff ausdriickt, der kulturgeschichtlich nicht uninteressant ist, einer
etwas griindlicheren Untersuchung. Das Wort, das ich hier im Sinne habe,
ist finn. sii „ein die Unterlage des Daches stiitzender, {iber die Wandfla-
che des Hauses hinausragender Wandbalken”. Da sii durch das Fehlen
etymologischer Beziehungen im Zusammenhang mit dem iibrigen Sprach-
material nicht steht, so konnte es schon friih leicht geschehen, dass sich
das Bestreben zeigte, das genannte Wort dem Sprachbewusstsein nėaher
zu bringen. Das geschieht durch verdeutlichende Zusammensetzung. Man
hat das Kompositum sii-hirsi' gebildet, wo, rein logisch betrachtet, beide
Teile der Komposition nahezu das gleiche aussagen; denn hirsi bedeutet
im allgemeinen ,Balken"?. Sonst begegnet als Schlussglied mundartlich
auch’ puu , Holz" (sii-puu)®. Nach allem zu urteilen ist sii eine alte Benen-
nung, die von jeher zu der Terminologie des Hausbaus gehort.
Finn. sii erkldren u. a. Toivonen! und Itkonen® als finnischugrisches
Erbwort, das sie zu der folgenden Wortsippe stellen: syrjanisch šig-er
! Verschiedene siihirsi-Typen sind bei Valonen, Satakunta, XV, S. 123, abgebildet.
2 sii od. sii-hirsi „tignus medius tectum interius supportans, grosser Balken unter dem
innern Dache”, Renvall, Lexicon linguae finnicae (Aboae, 1826), II, S. 170; sii-hirsi
„katon alusrakennetta tukeva, seindn tasosta ulkoneva ylin néhirsi’, Vuorela, Kansatie-
teen sanasto (Helsinki, 1958), S. 95.
8S. Valonen, Satakunta, XV, S. 124.
* Virittdja XXV (Helsinki, 1922), S. 20 f.
5 Finnisch-ugrische Forschungen, XXX, (Helsinki, 1949), S. 48, Ural-Altaische Jahr-
biicher, XXVIII, (Wiesbaden, 1956), S. 66. Hier wird fiir sii als Bedeutung , Dachbalken”
angegeben.
12, Kalbotyros klausimai VI. 177
„Dachstuhl; Dachfirst; Gewolbe“, wotjakisch šig ,Dachboden; Zimmer im
Oberteil des Hauses; Gewūėlbe, Spitze", ostjakisch siy ,,Biegung der Schlit-
tenkufe (vom Erdboden bis zum Vorderteil des Schlittens)“*. Was finn. sii
anbelangt, so hat man nach Itkonen’ fiirs Urostseefinnische als Urform
ein *sije<<* Sige aufzustellen. Die Lautgruppe -ije- sei ursprachlich in -iji-
iibergegangen, wonach daraus durch Kontraktion -i- entstand. Die Bedeu-
tungen der in Rede stehenden finnisch-ugrischen Worter lassen nach Toi-
vonen aller Wahrscheinlichkeit nach eine Grundbedeutung „Gewolbe“
u. dgl. erschliessen. Meines Erachtens ist die Zusammenstellung von finn.
sii mit den verglichenen finnisch-ugrischen Wortern zu unsicher, als dass
darauf etwas gebaut werden kénnte. Die Bedeutung von sii scheint den
Bedeutungen der herangezogenen finnisch-ugrischen Substantiva so fern
zu stehen, dass man lieber annimmt, dass wir es hier mit verschiedenen
unverwandten Wortern zu tun haben.
Nach Valonen® ist es moglich, dass in finn. sii das schwedische Subs-
tantiv sida „Seite“, in der Komposition side-, steckt. Man vergleiche
schwedisch Side-by>finn. Sii-pyy. Dies ist der Name eines Kirchspiels,
das in Westfinnland an der Kiiste des Bottnischen Meerbusens liegt. In
dem echtfinnischen Kompositum side hirsi , der mittlere Balken der Dec-
ke" hat das Vorderglied (side ,,Verbindung") nach Wegfall von -d- mund-
artlich nicht sii-, sondern sie- ergeben (sie-hirsi). Da das Simplex sii
zweifelsohne alter als das Kompositum sii-hirsi ist, so leuchtet die Erkla-
rung von sii als Lehnwort aus schwedisch sida, side- nicht ein.
Wie gesagt, passt finn. sii, das nur von einem Balken beschriebener
Art gebraucht wird, semasiologisch zu der oben angefiihrten finnisch-ug-
rischen Wortsippe nicht. Hervorzuheben “ist namlich, dass die in Rede
stehenden finnisch-ugrischen Substantiva zur Bezeichnung von Langhél-
zern, Stangen u.dgl. nicht verwendet werden. Dagegen ist die Uberein-
stimmung mit einem litauisch-lettischen Substantiv nicht nur lautlich, son-
dern auch begrifflich sehr schlagend. Die Worter, die ich im Auge habe,
sind lit. sija , Verbindungs-, Briickenbalken; Balken, Querbalken, Holm,
Kappbaum, Deck-, Dachbalken” und lett. sija ,Grund-, Streckbalken,
Querbalken unter einer Briicke oder der Diele, Deck-, Dachbalken". Das
litauische Wort sija gebraucht u. a. der berithmte Zemaitische Schriftsteller
Simonas Daukantas (1793—1864) in der Bedeutung ,.ein dicker langer Bal-
ken, der Teile einer Briicke oder eines Hauses zu verbinden hat"?. Zuzu-
geben ist doch, dass die in Rede stehenden baltischen Substantiva und
sii sehr lautdhnlich sind. All das macht jeden Versuch, das finnische Wort
als ein einheimisches auch etymologisch zu erweisen, bedenklich. Es
fragt sich mit gutem Fug, ob nicht finn. sii, das in den Zusammensetzun-
gen sii-hirsi und sii-puu vorhanden ist, in irgendwelcher Lehnbeziehung
6 Vgl. auch Collinder, Fenno-Ugric Vocabulary (Uppsala, 1955), S. 56; Joki,
Finnisch-ugrische Forschungen, XXXII, Anz. (1956), S. 49.
7 Finnisch-ugrische Forschungen, XXX, SS. 40, 48.
8 Satakunta, XV, S. 129.
95. Daukantas, Rinktiniai raštai (Kaunas, 1955), S. 462.
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zu lit. sija und lett. sija steht. Trotz der Beschrankung von sii auf west-
finnische Mundarten'" wird man, wie ich glaube, das urostseefinnische
Alter des Wortes nicht anzweifeln diirfen. Fiir das Weiterleben eines
Urwortes nur in einem kleinen Teil des Sprachgebiets in der Neuzeit kann
man geniigend Zeugnisse auch sonst anfithren. Beispielshalber mache ich
hier auf neubulg. 6%pra , Lippe”, das in den anderen slavischen Sprachen
keine Entsprechung hat, aufmerksam. Das Wort ist keineswegs eine neue
Bildung, sondern ein aus der vorslavischen Zeit ererbtes uraltes Wort,
wie das genaue litauische Gegenstiick burna , Mund" zeigt!!. Was die
Betonung anbetrifft, so heisst es nach Būga im Zemaitischen burna'?. Das
von der Litauischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene Wor-
terbuch der litauischen Sprache!® kennt burna aus dem Kreis Kretinga.
Die Bedeutungen des bulgarischen Substantivs und von burna sind selbst-
verstandlich nicht unvereinbar. Beziiglich der Bedeutungsdifferenzen
zwischen diesen Wortern verweise ich u. a. auf russ. yecrd ,,Mund; Lip-
pen"; russ. por , Mund”, ¢ech. ret , Lippe" (<urslav. *rnits).
Nach der landlaufigen Ansicht sind die im Vorstehenden angefiihr-
ten baltischen Bezeichnungen fiir Balken Sprosslinge der indoeuropai-
schen Wurzel sei- ,,binden”, zu der u. a. lit. siéti ,,anbinden, -kniipfen; bin-
den, verbinden, -kniipfen” und lett. siet ,,binden, kniipfen" gehéren'*. Fir
sija muss man demnach die urspriingliche Bedeutung , Verbindungsbal-
ken" ansetzen. Nach der Etymologie zu schliessen war das Langholz, das
von Haus aus diesen Namen trug, ein Balken, der die gegeniiberliegenden
Winde des Hauses, Teile der Dachkonstruktion usw. zu verbinden hatte.
Die vorerwdhnten baltischen Substantiva dienen noch heutzutage zur
Bezeichnung verschiedener derartiger Balken'®, Die Teile der Dachkon-
struktion, fir die lit. sija gebraucht wird, sind ,,Blockdachbalken (Pfette)”,
.Zwischenpfette” und , Firspfette"'S. |
10 Die Kartenskizze bei Valonen a. a. O. S. 126 gibt eine Ubersicht iiber die sii-Orte
in Finnland.
I S, Mladenov, Indogermanische Forschungen, XXXV (Strassburg, 1915), S. 134,
ETHMOJMOrHYECKH H NPaBONHCEHD peuHHKb Ha OČtbJIrapcKHA KHHXKOBeHDb e3HKb (Codus, 1941),
S, 54.
1? S, Bug a, Tauta ir žodis, I (Kaunas, 1923), S. 406.
13 Lietuvių kalbos žodynas, I (Vilnius, 1941), S. 975.
11 5, u. a Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba (Vilnius, 1943), SS. 41, 48;
Pokorny, Indogermanisches etymologisches Wėrterbuch, 1 (Bern-Miinchen, 1950), S.
891 f.
5S, u. a. Bielenstein, Die Holzbauten und Holzgerite der Letten (Petrograd,
1918), SS. 16, 25 ff., 86, 716, 777. Einen sija genannten Querbalken, auf dem die Decke
eines Zimmers ruht, zeigt auch die Abbildung, die man bei Straubergs, Latviešu tautas
miklas, sakamvardi un parunas (Kopenhagena, 1956), S. 31, firdet
16S, Gimbutas, Das Dach des litauischen Bauernhauses aus dem 19. Jahrhundert
(Stuttgart, 1948), S. 95.
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"Die Lėsung mehrerer lettischen Volksritsel ist sija, der Streckbal-
ken", So lautet eins von den angefithrten Ratseln: Vidus istaba, abi gali
ara, d.i. „der mittlere Teil ist in der Stube, die beiden Enden sind draus-
sen". Gemeint sind die beiden Enden des Streckbalkens, die iiber die
Hauswande ein Stiickchen ins Freie reichen. Damit man sich einen rich-
tigen Begriff von den an den Ausdruck sija angekniipften Vorstellungen
machen konnte, ist es am Platze, hier noch einige Ratsel, deren Losung
das vorerwahnte Wort ist, zu zitieren: Gaspaža ieksa, kajas ara, d. i. „die
Hausherrin ist drinnen, die Fiisse sind draussen”; Pats iek3a, galva ara,
d.i. ,selbst ist drinnen, der Kopf ist draussen"; Marga istaba, bize ara,
d.i. „das Madchen ist in der Stube, der Haarzopf ist draussen"; Guovs
kuti, ragi lauka, d. i. „die Kuh ist im Stalle, die Horner sind draussen”.
Als Original von sii kann indessen ein balt. sija kaum ir Frage kom-
men; denn ein solches ū- Femininum hétten die Ostseefinnen in ihre Spra-
che wohl als *sija iibernommen, in welcher Lautgestalt das Wort sich im
Finnischen unverandert bis auf den heutigen Tag erhalten hatte. Hervor-
gehoben sei namlich, dass Zweisilbler des Typus *sija der Ursprache nicht
fremd waren. Im Urostseefinnischen fand sich sogar ein bodenstdndiges
Substantiv *sija, das im Finnischen als sija ,, Raum; Platz; Stelle” fortlebt.
Die lettische Variante sijs: Gen. Sg. sijs'® bringt uns wohl auf die
richtige Fahrte. Dieses Substantiv, das ein Femininum mit i-Stamm ist,
lasst die Grundform *sijis erschliessen. Die baltischen Substantiva, deren
Entsprechungen im Lettischen und Litauischen der Deklinationsklasse der
i-Stimme angehéren, sind ins Urostseefinnische fast ausschliesslich als
e-Stamme entlehnt worden, also als Worter, deren Nom. Sg. urspriinglich
auf -e auslautete. Aus der Tatsache, dass sowohl die baltischen é-Feminina
als auch fast samtliche baltischen Substantiva, die im Litauischen und
Lettischen als ererbte i-Stimme vorkommen, ins Urostseefinnische als
Worter mit e-Stamm entlehnt worden sind, kann man meines Erachtens
nur den Schluss ziehen, dass in der altbaltischen Sprache, aus der die
Lehnworter stammen, die i-Substantiva in ihrer Deklination allgemein
mit den é - Feminina zusammengefallen waren'’. Zu beachten ist, dass -e
im Auslaut schon im Urostseefinnischen in -i ūberging. Vgl. finn. vuohi
.Ziege" <urostseefinn. *vose<balt. *6Z¢ (:apr. wosee ,ds."); finn. niisi
„Webelitze“ (t>s vor i)<urostseefinn. *nite<balt. *nite (:lit. nytis , ds."
und lett. nits , ds.” i- Stamme). Beildufig gesagt haben die femininen
i-Stamme auch im Litauischen und Lettischen dialektisch die e-Flexion
17 Solche Ritsel findet man u. a. bei Bielenstein, Die Holzbauten und Holzgerdte der
Letten (Petrograd, 1918), S. 26; Ancelane, Latviešu tautas miklas (Riga, 1954), S. 252 {.;
Straubergs, Latviešu tautas miklas, sakamvardi un parunas (Kopenhagena, 1956),
S. 253.
iš S, Milenbachs-Endzelins, Latviešu valodas vardnica, III, (Riga, 1929), S.
836; Endzelins-Hauzenberga, Papildinajumi un labojumi K. Miilenbacha Latviešu
valodas vardnicai, II (Riga, 1946), S. 485.
1958, Nieminen, Sitzungsberichte der Finnischen Akademie der Wissenschaften
1956 (Helsinki, 1957), S. 189 f., 192.
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angenommen. So lautet der Nom. Pl. mundartlich im Litauischen nytės
(z. B. in Ariogala?*") und im Lettischen nites. Unsere Worter werden heut-
zutage vorwiegend im Plural gebraucht.
Es entspricht also der Erwartung, wenn die Urostseefinnen das Sub-
stantiv, das im Lettischen als sijs auftritt, in der Lautgestalt *sije in ihre
Sprache iibernommen héatten. Hat Itkonen den richtigen Weg zur Erkla-
rung des Entwicklungsganges, der zur Entstehung der einsilbigen Wort-
bildung sii fiihrte, angewiesen, so ldasst sich kaum bezweifeln, dass ein
*sije als baltisches Lehnwort im Finnischen nur sii zeitigen konnte.
Auch zugegeben, dass das in Rede stehende Wort fiir Balken in der
baltischen Quellensprache ein a-Femininum *sija war, liegt im Bereich
der Moglichkeit, dass auch es ins Urostseefinnische in der Gestalt *sije
aufgenommen werden konnte. Man vergesse namlich nicht, das in der
Ursprache schon von friher her das oben schon erwdhnte Substantiv
*sija {>finn. sija ,,Raum; Platz; Stelle") vorhanden war. Es ist doch denk-
bar, dass das Urostseefinnische in diesem Falle gegen die Homonymie
reagierte und balt. *sija bei der Aufnahme in die e-Deklination tiberfiihrte.
Dass man die Trennung von finn. sii und lit. sija voneinander nicht
fir richtig halten kann, ergibt sich aus den soeben Entwickelten. Im Grun-
de stimmt das finnische Substantiv in Form und Bedeutung so vorziiglich
zu den von mir verglichenen baltischen Substantiven, dass ūber ihre Zu-
sammenstellung nichts bei mir Bedenken erregen kann. |
Nach Ausweis einiger ins Urostseefinnische herūbergenommenen
baltischen Substantiva scheint die i-Stammsbeugung in der Quellenspra-
che weitverbreitet gewesen zu sein. Nach der i-Deklination gingen solche
Substantiva, deren Entsprechungen im Litauischen ausschliesslich und im
Lettischen gewohnlich als o- oder a-Stamme flektiert werden. Aus der
vorhergehenden Betrachtung ist zu ersehen, dass im Gegensatz zu lit. sija
und lett. sija ein korrespondierendes i-Substantiv nur mundartlich im Let-
tischen vorkommt. Finn. orsi ,,Horizontalbalken, -stange; Wiemen" setzt
die baltische Urform *ardis, also ein i-Substantiv, voraus*'. Das litauische
Gegenstiick afdas ,,waagerechte bewegliche Stange in der Getreidedarre
zum Trocknen der Garben; Stange, an der der Flachs zum Trocknen auf-
gehdangt wird" gehort zu der Deklinationsklasse der o-Stamme. Zu dersel-
ben Klasse gehorig ist weiter auch lett. ards ,,waagerechter beweglicher
Darrbalken in der Getreidedarre zum Trocknen der Garben; Horizontal-
balken, -stange zum Trocknen oder Rauchern": Gen. Sg. drda. Nur im
Lettischen begegnet eine Variante, die der i-Deklination angehorig ist,
und zwar dards (<*ardis) : Gen. Sg. ards®. Finn. nuode ,Schwager, Mann
der Schwester"” lūsst sich auf das baltische j-Maskulinum *Znétis zurtick-
® Elisonas, Archivum Philologicum, III (Kaunas, 1932), S. 159.
I S, Nieminen, Virittdja, XLIX (Helsinki, 1945), SS. 524 ff., 632, Sitzungsberichte
der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1956 (Helsinki, 1957), S. 199.
#2 Uber die Sippe von lit. afdas vgl. jetzt E. Fraenkel, Litauisches etymologisches
Weéorterbuch, I (Heidelberg, 1962), S. 15.
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fūhren??, Aus diesem altererbten i-Maskulinum ist im Lettischen das Subs-
tantiv znudtis ,Schwiegersohn; Schwager, Mann der Schwester” entstan-
den, das zur Deklination der jo-Maskulina iibergegangen ist. Da lett.
znuétis ausschliesslich aus dem alten Kurengebiet aufgezeichnet ist, so ist
es offenbar, dass die in Rede stehende Verwandtschaftsbezeichnung in
der lettischen Sprache zum Erbe des Altkurischen gehėrt. Sonst ist in Lett-
land znuéts in Gebrauch, das als o-Stamm die Vorform *Znétas voraus-
setzt. Noch ist zu bemerken, dass znudtis und znuéts vollig gleichbedeu-
tende Ausdriicke sind?*. |
Wie finn. nuode nur aus dem Altkurischen stammen kann, so ist es
recht wahrscheinlich, dass auch finn. orsi und sii ihren Ursprung in altku-
tischen Wortern haben. In den beiden Fallen haben die Urostseefinnen
von den Balten Sache und Wort ūbernommen. Da die i-Stammsbeugung
bei den entsprechenden Substantiven im Litauischen fehlt, so kann man
keineswegs mit einer litauischen Quelle rechnen.
Helsinki
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ckasi, HH (oHeTHUYeCKasi CTODpOHbI Bhillle YMNOMSIHYTBIX CJIOB.
SUOMIU SII
E. NIEMINENAS
Reziume
Straipsnio autorius nesutinka su Toivoneno ir Itkoneno suom. sii kil-
més aiškinimu, nes pastarąjį žodį jie laiko suomių-ugrų kilmės. Jis taip
pat nesutinka su Valonenu, kuris suom. sii laiko skoliniu iš švedų kalbos.
Autoriaus nuomone, suom. sii reikėtų laikyti skoliniu iš baltų, plg. liet.
sija, lat. sija: liet. siéti, lat. siet. Tokiai prielaidai neprieštarautų tiek žodžių
reikšmė, tiek ir jų fonetika.
# S, Nieminen, Lingua Posnaniensis, V (Poznan, 1955), S. 81, Sitzungsberichte
der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1956 (Helsinki, 1957), S. 192 ff., Virittdja,
LXI, (Helsinki, 1957), S. 25 f., Rakstu krajums, veltijums akadémikim profesoram dr. Janim
Endzelinam vina 85 dzives un 65 darba gadu atcerei (Riga, 1959), S. 205 f.
2% Uber die Sippe von znudtis s. Pokorny, Indogermanisches etymologisches
Worterbuch, I (Bern-Miinchen, 1959), S. 373 f. :