Об ударении и долготе в балтийских языках. II. Долгота в латышском языке
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXX (1993)
PERIFERINĖS LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS
Aus den Archiven
Ф. Ф. ФОРТУНАТОВ
ÜBER BETONUNG UND QUANTITÄT IN DEN BALTISCHEN SPRACHEN
II. QUANTITÄT IM LETTISCHEN
Veröffentlicht aus dem Archiv der Sankt Petersburger Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften (Bestand 90, Verzeichnis 1, Akte 22). Für den Druck vorbereitet von O. Poljakov.
Im Lettischen besteht bei langen Vokalen, Diphthongen und diphthongischen Verbindungen eines kurzen silbischen Vokals mit einem folgenden Sonoranten¹ ein gewisser Unterschied in der Qualität der Länge des Vokals, des Diphthongs und der diphthongischen Verbindung. Am deutlichsten treten diese Unterschiede auf, wenn solche Laute und Lautverbindungen unter Betonung stehen; diese fällt im Lettischen bekanntlich auf die Wurzelsilbe, d. h. auf die erste Silbe einfacher Wörter. Nur in dieser Stellung, unter lettischer Betonung, beruht die Qualität der lettischen Quantität auf den bekannten Unterschieden zwischen den Quantitätstypen im Litauischen und Lettischen, obwohl in lettischen Wörtern, die einsilbig geworden sind, die Qualität der Quantität, wie wir später sehen werden, teilweise auch durch die spätere Einwirkung der Betonung selbst bestimmt wird. In unbetonter Stellung weisen lange Vokale, Diphthonge und diphthongische Verbindungen im Lettischen ein und denselben Quantitätstyp auf; oder aber in Dialekten, in denen Unterschiede in der Quantitätsqualität auch in unbetonter Stellung vorkommen, sind diese Unterschiede jüngeren Ursprungs und hängen nicht mit den Unterschieden zwischen den Quantitätstypen im Litauischen und Lettischen zusammen. Im Norden des lettischen Sprachgebiets, in der Gemeinde Rūjene (Rūjene), sind nach Mitteilung von Herrn Velme die alten langen Vokale in unbetonter Stellung gekürzt worden; ebenso sind in demselben Dialekt aus den Diphthongen ē und ō in unbetonter Stellung kurze i und u entstanden.
Nach den Angaben von Rosenberger2, Büttner3, Bahr4, Bielenstein5 und Brīvzemnieks (Treiland)6 gibt es in den lettischen langen Vokalen, Diphthongen und
1 Der Kürze halber nenne ich diese Verbindungen im Folgenden einfach diphthongische Verbindungen.
2 Formenlehre der lettischen Sprache. 1830 // Magazin herausgegeben von der Lettisch-Literärischen Gesellschaft; Formenlehre der lettischen Sprache in neuer Darstellung. 1848 // Там же. IX. Zweites Stück.
3 Untersuchungen über die lettischen Sprachlaute. 1848 // Ebenda. IX. Erstes Stück (1847). S. 1 ff.
4 Ueber die in der lettischen Sprache vorkommenden Laute und deren einfache Bezeichnung durch die Schrift. 1847 // Там же. С. 21 и след.
5 Die lettische Sprache. 1863-1864.
6 Sammlung anthropologischer und ethnografischer Aufsätze, herausgegeben von Daschkow. Buch II
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In diphthongischen Verbindungen unterscheiden sich zwei Aussprachefärbungen, zwei Töne, zwei Arten von Länge, ebenso wie auch im lettisch-deutschen Wörterbuch von Ulmann (und zwar ausdrücklich in betonter Stellung) der Unterschied zwischen zwei Arten lettischer langer Vokale, Diphthonge und diphthongischer Verbindungen bezeichnet ist. Am genauesten wurden diese beiden Arten von Länge von Baar und später von Bielenstein bestimmt, der allerdings hinsichtlich einiger der hierher gehörenden Erscheinungen von Baar abwich, wenn auch kaum mit hinreichendem Grund. Baar unterscheidet in diesen lettischen Lauten und Lautverbindungen nämlich folgende „Aussprachefärbungen“ („Nuancen in der Aussprache“): 1) „gedehnte Länge“ und 2) „gestossene Länge“; bei Bielenstein entsprechen ihnen: 1) „gedehnter Ton“ und 2) „gestossener Ton“. Der Terminus „gedehnt“ hat bei Baar und Bielenstein hier die Bedeutung „ohne Unterbrechung“; so sagt Baar beispielsweise über die Vokale mit dieser Länge: „Die gedehnten werden lang, ohne dass die Stimme während des Lautens unterbrochen würde, gleichsam in einem Zuge ausgesprochen“; in diesem Sinne nenne auch ich die lettische Länge „gedehnte“, d. h. „ununterbrochene“ Länge. Unter „gestossene Länge“ einzelner Vokale, Diphthonge und diphthongischer Verbindungen verstand Baar eben jene Aussprache, bei der in einem silbischen langen Vokal und im nicht kurzen unsilbischen Teil eines Diphthongs oder einer diphthongischen Verbindung die Stimme unterbrochen wird, „freilich wenig bemerkbar“, und danach für sehr kurze Zeit erneut erklingt, „so dass gewissermassen ein schwacher Hiatus entsteht“; „es lässt sich diese Nuance schwer beschreiben“, sagt Baar, „sondern man muss sie aus dem Munde des Letten selbst hören“. Diese lettische Länge nenne ich „unterbrochene“ Länge, und zwar Länge mit vollständiger Unterbrechung (im Unterschied zu einer anderen „unterbrochenen“ Länge); die vollständige Unterbrechung der Stimme entsteht durch vollständigen Verschluss der Stimmritze (vgl. „Stosston“ bei Sievers). Bielenstein bestimmt diese Länge, diesen Ton in einzelnen langen Vokalen, ungefähr ebenso wie Baar: „... der Ictus hebt das erste Element vor dem zweiten nachdrücklich heraus und lässt das vom ersten gewissermassen abgesprochene, gewissermassen durch ein freilich unendlich kleines Vacuum vom ersten getrennte zweite Element leicht und kurz nachhallen“; hinsichtlich der „gestossenen“ Diphthonge und diphthongischen Verbindungen im Lettischen weicht Bielenstein jedoch von Baar ab. Nach Baar tritt die vollständige Unterbrechung („Stoss“ bei Sievers) im nicht kurzen unsilbischen Teil solcher Diphthonge und diphthongischer Verbindungen auf (bei kurzen Diphthongen, bemerkt Baar, hat der zweite, d. h. unsilbische, Vokal im Allgemeinen eine größere Quantität als der erste, d. h. silbische Vokal); deshalb werden beispielsweise „gestossene“ ai, au, ar, al bei Baar als ai¹, au¹, ar¹, al¹ 7 bestimmt. Bielenstein hingegen meint, die vollständige Unterbrechung liege zwischen den Bestandteilen des Diphthongs oder der diphthongischen Verbindung. Die von Baar gegebene Bestimmung für
(lettische Volkslieder). 1873; Materialien zur Ethnographie des lettischen Stammes. 1881 // Arbeiten der ethnographischen Abteilung der Kaiserlichen Gesellschaft der Liebhaber der Naturkunde, Anthropologie und Ethnographie. Buch VI.
7 In Baars Artikel steht überall l̥ statt l̥, ein Druckfehler. Bei Bielenstein ist dort, wo er Baars Auffassung wiedergibt, statt l¹, mᵐ gedruckt: l¹, mᵐ (Die lett. Sprache I, 48 Anm.).
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lettischer Diphthonge und diphthongischer Verbindungen mit vollständiger Unterbrechung ist zweifellos richtig, obwohl mir scheint, dass in solchen lettischen Diphthongen a i und u die vollständige Unterbrechung dann entsteht, wenn i und u noch nicht zu klingen beginnen, während das Sprachorgan bereits diejenige Stellung einnimmt, die zur Bildung von i oder u8 erforderlich ist; deshalb klingen beispielsweise die lettischen „gestossenen“ ai und au so, dass die vollständige Unterbrechung tatsächlich zwischen den Bestandteilen des Diphthongs hörbar ist (wo Bielenstein sie hörte); in lettischen diphthongischen Verbindungen mit vollständiger Unterbrechung ist diese Unterbrechung jedoch auch dem Gehör nach die Sonorität des Konsonanten selbst, d. h. sie tritt ein, nachdem ein Teil dieses Konsonanten erklungen ist. Was die Diphthonge ē und ū (ia, ua) mit vollständiger Unterbrechung betrifft, so kann ich nicht genau bestimmen, an welcher Stelle die Unterbrechung in ihnen hörbar wird; offenbar verhalten sie sich in dieser Hinsicht ebenso wie die Diphthonge mit i und u mit vollständiger Unterbrechung. Ein gewisser Unterschied zwischen den Bestimmungen Baars und Bielensteins besteht auch hinsichtlich der lettischen „gedehnten“ Diphthonge (mit „gedehnter“ Länge). Baar gibt beispielsweise die gedehnten ai, au, ū durch die Schreibungen ai, āu, iā wieder, d. h. er bezeichnet die Länge des unsilbischen Teils des Diphthongs ebenso, wie er „gedehnte“ diphthongische Verbindungen ar, em u. a. als āi, ēi u. a. bezeichnet. Nach Bielenstein können lettische „gedehnte“ Diphthonge als āi, āu, īa usw. bezeichnet werden: „der Ton liegt zwischen oder auf beiden Elementen in der Mitte, so dass also keines von beiden Elementen vor dem andern vorwaltet“; „gedehnte“ diphthongische Verbindungen bestimmt Bielenstein jedoch als att, emt usw. und bemerkt, dass die Sonoranten hier „wie verdoppelt“ zu hören seien. Baar hat zweifellos recht: In lettischen „gedehnten“ Diphthongen hat der unsilbische Teil eine größere Quantität als der silbische Teil desselben Diphthongs, obwohl (was Baar nicht vermerkt) der unsilbische Vokal eines „gedehnten“ Diphthongs mir dennoch etwas kürzer zu sein scheint als der Sonorant in „gedehnten“ diphthongischen Verbindungen. Nach Baars Bestimmung kommen gedehnte Länge und vollständige Unterbrechung in lettischen diphthongischen Verbindungen nur dann vor, wenn Verbindungen vom Typ „kurzer Vokal + Sonorant“ vor einem Konsonanten stehen; auch Bielenstein unterscheidet zwei Töne in lettischen Verbindungen des Typs „kurzer Vokal + Sonorant“, sofern sie vor einem Konsonanten stehen, und zwar nur unter dem Akzent. Offenbar kennt auch Baar diphthongische Verbindungen mit gedehnter Länge und mit vollständiger Unterbrechung nur unter dem Akzent; er gibt für beide Arten solcher diphthongischer Verbindungen keine Beispiele in unbetonter Stellung, während Baar bei langen Vokalen und Diphthongen zwei Arten von Länge unter anderem auch in unbetonter Stellung unterscheidet (siehe weiter unten bei mir). Auch Bielenstein sagt, dass der Unterschied zwischen zwei Tönen in lettischen langen Vokalen und Diphthongen unabhängig vom Akzent besteht, obwohl er unter dem Akzent deutlicher hervortritt; allerdings vermerkt Bielenstein in den im „Die lettische Sprache“ behandelten lettischen Wörtern und Suffixen durchweg vollständige Unterbrechung („gestossener Ton“) in unbetonten langen Vokalen und Diphthongen, und einige parallele
8 Vgl. gleichartige Erscheinungen im Dänischen bei vollständiger Unterbrechung; siehe Jespersen. The articulations of speech sounds. S. 45.
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Bildungen mit gedehnter Länge in einer solchen Stellung werden hier als dialektisch (mundartlich – O. P.) angeführt, und zwar aus dem Dialekt von Baar. Hinsichtlich der langen sonorischen Konsonanten bemerkt Baar, dass sie in bestimmten Fällen auch vor einem Vokal vorkommen, nämlich in Entlehnungen aus dem Deutschen, z. B. in kaña, vaña, buḷis usw.; außerdem erscheint l vor einem Vokal in solchen dialektischen (mundartlichen – O. P.) Bildungen wie viḷa, piḷa, wo l aus der Gruppe ln in den Dialekten verkürzt wird (viḷna, piḷna). Dabei bestimmt Baar jedoch nicht, wie solche Lautverbindungen in Silben gegliedert werden (hinsichtlich der Expiration), und trennt diese Fälle von jenen, in denen er eine „gedehnte“ Länge der ganzen Verbindung „kurzer Vokal + sonorischer Konsonant“ feststellt. Offenbar klingt jedoch z. B. viḷa wie viːḷa, d. h. auch hier liegt vor einem Konsonanten eine „gedehnte“ diphthongische Verbindung vor, wenn auch mit einem irrationalen Laut (als Übergangslaut zum folgenden Vokal). Bielenstein schreibt in diesen Fällen den sonorischen Konsonanten doppelt, z. B. villa.
Mit Baars und Bielensteins Bestimmung zweier Längenarten, zweier Töne im Lettischen stimmen auch die kurzen Bestimmungen überein, die Brīvzemnieks gegeben hat. Im Vorwort zu einer Sammlung lettischer Volkslieder aus dem Jahr 1873 weist Brīvzemnieks darauf hin, dass lange Vokale und Diphthonge im Lettischen „zwei Schattierungen“ aufweisen, nämlich gedehnt („gedehnt“) oder „gestoßen“ („gestossen“) sind; bei den gedehnten „wird der Stimmklang während der Aussprache nicht unterbrochen“, während bei der Aussprache der gestoßenen „die Stimme angehalten wird, dann aber noch einmal ganz kurz weiterklingt“. Später, im Vorwort zu einer Sammlung lettischer Sprichwörter, Rätsel, Beschwörungsformeln und Zaubersprüche aus dem Jahr 1881, bezeichnete Brīvzemnieks die einen dieser langen Vokale und Diphthonge als „gedehnt“, die anderen als „unterbrochen“ (nach meiner Terminologie) und bemerkte, dass im Lettischen hinsichtlich dieses Unterschieds neben den Diphthongen auch die Verbindung eines kurzen Vokals mit einem folgenden sonorischen Konsonanten vor einem Konsonanten gleichartig ist. Brīvzemnieks bezeichnet gedehnte Diphthonge in der Sammlung von 1881 mit den Schreibungen ai, au, ū usw., während gedehnte diphthongische Verbindungen dort so geschrieben werden: aḷ, aṃ usw.; daraus ist ersichtlich, dass auch Brīvzemnieks einen Quantitätsunterschied zwischen dem nichtsilbischen Vokal eines gedehnten Diphthongs und dem sonorischen Konsonanten einer gedehnten diphthongischen Verbindung feststellt (siehe oben). Zu Fällen wie brīle usw. bei Brīvzemnieks vergleiche, was ich zu Baars buḷis, viḷa usw. gesagt habe.
Der Erste, der auf das Vorhandensein zweier „Töne“ im Lettischen hinwies, war Rosenberger. In seiner „Formenlehre der lettischen Sprache“ von 1830 unterschied Rosenberger zwei „Arten der Betonung“ („Art der Betonung“), zwei „Töne“ („Töne“) unter dem Akzent in den langen lettischen Vokalen, Diphthongen und Verbindungen eines kurzen Vokals mit einem folgenden sonorischen Konsonanten9 (unter anderem auch vor einem Vokal); den einen dieser Töne nannte er „gehalten“, in Klammern „gezogen“, den anderen „gestossen“.
9Bei Rosenberger werden diese Konsonanten nicht als Liquide oder Nasale bestimmt; die von ihm angeführten Beispiele zeigen jedoch, dass er genau Verbindungen eines kurzen Vokals mit einem folgenden Liquiden oder Nasal meinte.
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Später, in der „Formenlehre der lettischen Sprache in neuer Darstellung“ von 1848, sprach Rosenberger erneut von zwei lettischen Tönen, wobei er den Terminus „gehalten“ als unzutreffend erkannte und durch den Terminus „gezogen“ ersetzte. Den Unterschied zwischen diesen Tönen bestimmt er folgendermaßen: „Ein allgemeines Merkmal ist, dass der gestossene Ton sogleich im Anfange seines Hervortretens seine ganze Kraft wie in einem Punkte concentrirt, daher abbricht und die Elemente der Sylbe, die in den Bereich des Tones kommen, einen Augenblick, sey’s auch der kürzeste, frei lässt, bevor sie dem folgendem Laute sich anschliessen, während dagegen der gezogene allmählich beginnend und stetig anschwellend die von ihm beherrschten Elemente der Sylbe bis zum folgenden Laute fortwährend begleitet.“ Daraus ist ersichtlich, dass Rosenberger im Lettischen dieselben zwei Längenarten, dieselben zwei Töne (und zwar gerade unter dem Akzent) unterscheidet, von denen später Baar, Bielenstein und andere sprachen; dem Terminus „gezogen“ bei Rosenberger entspricht „gedehnt“ bei Baar und Bielenstein. Im Deutschen, d. h. im Deutschen des lettischen Landes, findet Rosenberger nur den „gestossenen“ Ton, weist aber zutreffend darauf hin, dass in lettischen Wörtern, die aus dem Deutschen entlehnt sind, ein „gezogener Ton“ vorkommt. Zu den lettischen Verbindungen „kurzer Vokal + sonorischer Konsonant“ ist zu bemerken, dass Rosenberger in ihnen den „gestossenen“ Ton von demjenigen Ton unterscheidet, den er „gezogen“ nannte, unter anderem auch dann, wenn der sonorische Konsonant vor einem Vokal steht; unter den Beispielen für den gestoßenen Ton in solchen Verbindungen führt er nicht nur salt, veļs „wird rollen“, irt „rudern“ (d. h. sait, veļs, irt) an, sondern auch īrfu, d. h. īru „ich rudere“, meļļi, d. h. meļi „Lügner“ (Pl.). Wahrscheinlich gelangte Rosenberger unter dem Einfluss dessen, dass ihm der andere Ton, der „gezogene“, unter anderem auch bei einem sonorischen Konsonanten vor einem Vokal bekannt war, z. B. in seinem zeļi, d. h. zeļi (Stamm zeļis) „Gesell“, zu der irrigen Auffassung, dass in Fällen wie īrfu, meļļi ein „gestossener“ Ton vorliege; vergleiche, was ich oben zu kāna, buļis, brīle usw. gesagt habe.
Zwei Arten langer Vokale und Diphthonge sowie zwei Arten kurzer Vokale vor einem Liquiden oder Nasal unterscheidet im Lettischen Büttner in jenem 1842 verfassten Aufsatz, der im ersten Heft des IX. Bandes des „Magazins der Lettisch-Literärischen Gesellschaft“ unmittelbar vor Baars Aufsatz (1847) veröffentlicht wurde. In den langen lettischen Vokalen und in den Diphthongen liegt nach Büttners Bestimmung in manchen Fällen ein „gedehnter Laut“, in anderen ein „accentuirter Laut“ vor; worin genau der Unterschied zwischen diesen Lauten besteht, erläutert Büttner jedoch nicht. Er gibt Beispiele für beide Lautarten in der ersten Silbe von Wörtern, bemerkt aber außerdem hinsichtlich der Endung des Lokativs Singular, dass hier stets ein „accentuirter Laut“ vorliegt. Aus Büttners Beispielen ist ersichtlich, dass sein Terminus „gedehnt“ vollständig mit Baars und Bielensteins „gedehnt“ übereinstimmt; der „accentuirte Laut“ in Büttners Beispielen entspricht einer Länge (oder einem „Ton“) mit vollständiger Unterbrechung, dem „gestossenen“ Ton bei Baar und Bielenstein (in der Endung des Lokativs Singular ist dieser „Ton“ bei Bielenstein anzutreffen, während Baar hier gedehnte Länge kennt, wie wir weiter unten sehen werden). Bei den lettischen kurzen Vokalen in ihrer Verbindung mit
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Vor dem folgenden sonoren Konsonanten unterscheidet Büttner (in der ersten Silbe der Wörter): „kurzer Laut“, z. B. in irbe, kals, kurt, lemt, willa „Wolle“, kanna, d. h. dort, wo eine anhaltende Länge besteht, und „accentuirter kurzer Laut“ (auf den sonoren Konsonanten folgt in allen diesen Fällen ein Konsonant), z. B. in tirpt, tumsch, urbt, wili (d. h. wilńi), also dort, wo beispielsweise baap und Bielenstein eine vollständige Unterbrechung in der Diphthongverbindung feststellen. Von diesen vier Vokaltypen (zwei langen und zwei kurzen mit folgendem sonoren Konsonanten) unterscheidet Büttner noch einen fünften Typ, den er „einfacher Laut“ nannte; hierzu rechnet er einzelne kurze Vokale, z. B. in liks, klupt, ballēt (d. h. balēt), Wille (d. h. Vile). Seltsam ist jedoch, dass er unter den Beispielen für „einfacher Laut“ auch die Wörter farkis (d. h. starkis)10 und burwis mit diphthongischen Verbindungen anführt (bei burwis, d. h. burvis, dachte er an die in den Mundarten vorkommende Aussprache buris?).
Der Unterschied zwischen anhaltender Länge und Länge mit vollständiger Unterbrechung in der ersten Wurzelsilbe der Wörter besteht in allen uns bekannten kurländischen Mundarten des Lettischen (d. h. in allen, in denen entsprechende Beobachtungen gemacht wurden). Dabei bleibt dieser Unterschied auch erhalten, wenn das betreffende Wort oder ein davon abgeleitetes Wort im zweiten Bestandteil eines Kompositums verwendet wird, also in unbetonter Stellung: vgl. beispielsweise sasait (sait), samait (mait), atbraukt (braukt), atnākt (nākt), parkāpt (kāpt), parlūkt (lūkt), pērna-pūds (pūds), sānkauls (kauls), pagaive (vgl. gaiva), pabērze (vgl. bērzs) u. a. Ferner zeigt ein Vergleich des von Bielenstein, Ullmann und Brīvzemnieks gesammelten Materials sowie einzelner Beispiele von Rosenberger, Büttner und Baar, dass es hinsichtlich des Unterschieds zwischen diesen beiden Längentypen in der Wurzelsilbe der Wörter zwischen den einzelnen kurländischen Mundarten keine Unterschiede gibt, die sich phonetisch im Zuge ihrer selbstständigen Entwicklung herausgebildet hätten; die Angaben der verschiedenen Mundarten über den Längentyp in der Wurzelsilbe eines bestimmten Wortes stimmen größtenteils miteinander überein11. In den mehr oder weniger vereinzelten Fällen, in denen einige Mundarten in der Wurzelsilbe eines bestimmten Wortes anhaltende Länge, andere dagegen Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweisen, handelt es sich ihrem Ursprung nach zumindest größtenteils (abgesehen von Fällen, in denen eine Analogie zwischen verschiedenen Bildungen wirksam ist) um alte Unterschiede, die sich aus bekannten Unterschieden erklären lassen, welche in solchen Wörtern im Gesamtlettischen bestanden und somit noch älter sind. Zu diesen Fällen gehören beispielsweise bērzs, bērzs in einem Teil der kurländischen Mundarten gegenüber bērzs in anderen kurländischen Mundarten, vārpa gegenüber vārpa, sirgt gegenüber sirgt, sirms gegenüber sirms, kurpe gegenüber kurpe, sveiks gegenüber sveiks, traukt gegenüber traukt, dzīt gegenüber dzīt u. a.“
10 In Ullmanns Wörterbuch: „Jahrrkis, ein Fisch (bei Libau soll der Name zu hören sein)“.
11 Man muss allerdings berücksichtigen, dass Bielenstein und Ullmann (in Übereinstimmung mit Rosenberger) in der ersten Silbe des Wortes die Diphthonge ai, ei, ui (gewöhnlich mit vollständiger Unterbrechung) vor j mit folgendem Vokal schreiben, während andere kurländische Mundarten (z. B. bei Baar und Brīvzemnieks) sowie die Mundarten Livlands in diesen Fällen den alten kurzen Vokal vor j bewahren. So stehen beispielsweise im Gegensatz zu vāiajaga, leija, sauja bei Bielenstein, wo eine vollständige Unterbrechung vorliegt, vājaga usw.; bei Ullmann findet man in anderen kurländischen Mundarten vajaga, leja, sauja.
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Was die nicht ersten Silben des Wortes (also nicht die Wurzelsilbe) betrifft, so bestehen zwischen den kurländischen Mundarten hinsichtlich des Vorkommens anhaltender Länge und von Länge mit vollständiger Unterbrechung gewisse Unterschiede, die sich im Zuge der selbstständigen Entwicklung des Lettischen phonetisch herausgebildet haben (vgl. unten). In denjenigen kurländischen Mundarten, die Bielenstein unmittelbar bekannt waren und zu denen auch die Mundart der von Brīvzemnieks herausgegebenen lettischen Texte gehört, weisen nicht aus dem Lettischen entlehnte Wörter in einer nicht ersten Silbe keine anhaltende Länge auf, d. h. in diesen Fällen findet sich nur Länge mit vollständiger Unterbrechung. Ausgenommen ist der expiratorisch-fallende Ton in denjenigen diphthongischen Verbindungen und dialektalen (dialektischen – O. P.) Diphthongen auf kurze i und u, von denen ich oben gesprochen habe. Nur in aus dem Lettischen entlehnten Wörtern kann man in diesen kurländischen Mundarten in einer nicht ersten Silbe anhaltende Länge finden, z. B. in Wörtern bei Bielenstein wie siktērs „Secretär“, brankūzis provinz. „Brankhaus“ (Branntweinsbrennerei), die aus dem Niederdeutschen mit „-hus“ am Ende ins Lettische entlehnt wurden, u. a. In den Mundarten Nordwestkurlands dagegen, unter anderem in der Mundart Baars, weisen auch nicht entlehnte Wörter unter bestimmten Bedingungen in einer nicht ersten Silbe anhaltende Länge auf. Diese Mundarten haben also in nicht ersten Silben der Wörter je nach Fall Länge mit vollständiger Unterbrechung oder anhaltende Länge, während wir beispielsweise bei Bielenstein und Brīvzemnieks nur Länge mit vollständiger Unterbrechung finden. Anhaltende Länge in einer nicht ersten Silbe tritt in den nordwestkurländischen Mundarten phonetisch gerade dann auf, wenn ein langer Vokal oder Diphthong vor j steht, unter anderem auch dort, wo j anschließend phonetisch geschwunden ist, sowie vor sonoren Konsonanten, d. h. vor Nasalen und Liquiden. In diesen kurländischen Mundarten finden wir daher in einer nicht ersten Silbe anhaltende Länge dort, wo die Mundarten Bielensteins und Brīvzemnieks Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweisen, und zwar in den folgenden Fällen.
Vor j:
1) In den Endungen des Lokativs Singular, wo einst am Ende der Form ein j stand, auf das ein kurzer Vokal folgte, z. B.: daržā, istabā, bedrē, pirti, tiŋgū. Steht der lange Vokal jedoch in der ersten Silbe, so weist er in etymologisch gleichartigen Bildungen auch in den nordwestkurländischen Mundarten Länge mit vollständiger Unterbrechung auf, ebenso wie in den Mundarten Bielensteins und Brīvzemnieks: Dazu gehören die Adverbien tā, šā „so“, kā „wie“ (Beispiele für Formen mit der Bedeutung des Lokativs Singular von entsprechenden pronominalen Stämmen sind mir aus den nordwestkurländischen Mundarten nicht bekannt).
2) In den abgeleiteten nominalen Stämmen auf -tāja-, -āja-, -ēja-, z. B. in der Form des Genitivs Singular: mācītāja, arāja, skrējēja. Der Nominativ Singular dieser Nomina endet in der Mundart Baars auf -tais, -ais, -eis, wobei ai und ei aus āj(i) und ēj(i) hervorgegangen sind.
3) In den Endungen der bestimmten Adjektive, sowohl in jenen Kasusformen, die j zwischen Vokalen bewahren, als auch in den Kasusformen
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Bildungen, bei denen j zwischen Vokalen geschwunden ist und die eine Kontraktion der Vokale erfahren haben. Der Nom. Sg. Mask. endet im Baar-Dialekt auf -āis, z. B. in baltais, wobei ai aus āj(i) hervorgegangen ist; der Nom. Sg. Fem. und der Gen. Sg. Mask. enden auf -ā aus -āja, der Gen. Sg. Fem. auf -ās aus -ājas, der Akk. auf -ū, meiner Ansicht nach aus -ūju-, der Lok. auf -ājā, der Dat. Sg. Mask. auf -ājam, der Dat. Sg. Fem. auf -ājai (Baar schreibt am Ende ai); im Plural endet der Nom. Mask. auf -ē, meiner Ansicht nach aus -ēji, der Nom. und Akk. Fem. auf -ās aus -ājas, der Akk. Mask. auf -ūs, meiner Ansicht nach aus -ūjus, der Gen. auf -ū, meiner Ansicht nach aus -ūju.
3) (= За — О. П.) In den Stämmen der vollständigen Formen der bestimmten Adjektive, d. h. in den Lokativ- und Dativ-Instrumentalformen des Singulars und Plurals; bei Baar z. B. in den Lokativformen bal̦tājā, bal̦tājās, bal̦tājās (zur dauernden Länge in den Lokativendungen des Mask. bei Baar siehe unten), bal̦tājam, bal̦tājai (Baar schreibt am Ende j, siehe oben), bal̦tājēm, bal̦tājām (zur dauernden Länge vor m bei Baar siehe unten). Im Nom. Sg. Mask. der bestimmten Adjektive enden die Formen im Baar-Dialekt auf -ais, z. B. bal̦tais¹², wobei -ais aus -āj(i)s hervorgegangen ist; vgl. oben die Substantive auf -ais, -eis aus demselben Dialekt. Die dauernde Länge im Baar-Dialekt, neben der Länge mit vollem Nachhall bei Bielenstein und Brīvzemnieks, findet sich auch in den Endungen anderer kurzer Kasusformen der bestimmten Adjektive, d. h. in den Endungen, die ā und die Diphthonge ē und ūā enthalten. Diese Kurzformen sind meiner Ansicht nach zum Teil durch Kürzung vollständiger Formen entstanden, zum Teil aber, und zwar vorwiegend, Neubildungen, die durch den Einfluss der Analogie hervorgerufen wurden. Die Formen auf -ā, d. h. auf -ā bei Baar und auf -ā in den Dialekten Bielensteins und Brīvzemnieks, im Gen. Sg. Mask. und im Nom. Sg. Fem., z. B. bal̦tā, bal̦tā, entstanden durch den Abfall des aus dem langen ā und dem vorausgehenden j in der Vollform auf -āja (d. h. -āja und -āja) phonetisch gekürzten End-a. Ähnlich haben Bildungen wie mazgāja, velēja (mazgāja, velēja bei Baar und mazgāja, velēja bei Bielenstein und Brīvzemnieks) u. a. in der 3. Pers. Prät. in verschiedenen Dialekten parallele Kurzformen mazgā, velē u. a.¹³, bei denen das End-a abgefallen ist, das aus ā und dem vorausgehenden j hervorgegangen war. Ebenso, so meine ich, sind auch die Nom. Pl. Mask. der bestimmten Adjektive auf -ē (d. h. -ē und -ē, z. B. bal̦tē, bal̦tē) durch den Abfall des kurzen End-i entstanden, das sich phonetisch aus ē und dem vorausgehenden j in der Vollform auf -ēji (d. h. -ēji und -ēji) gebildet hatte. Diese Form bestand einst im Lettischen (vgl. das Litauische) und wurde dann durch die Form auf -āji (baltāji, d. h. baltaji in Bielensteins Beispiel) ersetzt; zu der Zeit, als -āj- (-āj- und -āj-) aus den Kasusformen, in denen es vorkam, auch auf die übrigen Kasusformen übertragen wurde (unter anderem auch auf den Nom. Sg. Mask. auf -āji), vgl. den Abfall des kurzen End-i aus ē und dem vorausgehenden j in den Bildungen der 2. Pers. Sg. Prät., z. B. in mazgā, velē
12Diese Form ist in Baars Aufsatz angeführt; die übrigen Kasusformen der bestimmten Adjektive im Baar-Dialekt kenne ich nur aus Bielensteins Buch "Die lettische Sprache". II. S. 58–59, Anm.
13Zu dieser Bildung siehe Bielenstein, "Die lettische Sprache". II. S. 133.
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u. a., die neben den parallelen Vollformen mazgāji, veleji (mazgāji, veleji und mazgāji, veleji) u. a. verwendet werden.14
Ferner entstanden unter dem Einfluss solcher Bildungen der bestimmten Adjektive wie baļtā neben baļtāja und baļtē neben * baļtēji auch bei den Formen auf -ūju (-ūju, -ūju), die einst im Lettischen im Akk. Sg. und Gen. Pl. bestanden (vgl. das Litauische)15 und später durch Neubildungen auf -āju (agrāju, bēzāju, d. h. agrāju, bēzāju, u. a. in Bielensteins Beispielen) ersetzt wurden, Kurzformen auf -ī, z. B. baļtī, baļtī. Da all diese Kurzformen der bestimmten Adjektive in ihren Endungen mit den entsprechenden Kasusformen der Pronomen zusammenfielen (wenn auch bei Bielenstein und Brīvzemnieks die Qualität der Länge verschieden war), traten daher auch in den übrigen Kasus der bestimmten Adjektive neben den Vollformen parallele Kurzbildungen auf, die den entsprechenden Kasusformen der Pronomen gleichartig waren; so etwa im Gen. Sg. Fem. und im Nom. und Akk. Pl. Fem. die Kurzform baļtās, baļtās neben dem Nom. Sg. baļtā, baļtā, analog zu tās neben tā.
In den Kasus jedoch, in denen sich die Kurzformen dieser Bildung bei den bestimmten Adjektiven nicht von den Formen der unbestimmten Adjektive unterscheiden, werden die Vollformen der bestimmten Adjektive häufiger gebraucht. Hierzu gehören insbesondere die Lokativ- und Dativformen des Singulars und Plurals, denn die Kurzform des Dat. Sg. Mask. bei den bestimmten Adjektiven, z. B. baļtam (vgl. die Pronominalform tam), fällt mit derselben Kasusform der unbestimmten Adjektive (baļtam) zusammen.
4) In abgeleiteten Verben auf -āju, -ēju, -īju, -ūju sowie in dem hinsichtlich seiner Bildung vereinzelten Verb dabūju (wobei da- seiner Herkunft nach ein Präfix ist), z. B.: mazgāju, mazgājam; veleju, velejam; tīrīju, tīrījam; lūkūju, lūkūjam, dabūju, dabūjam. Die Formen der 2. Pers. Sg. und der 3. Pers. Präs. enden bei diesen Verben auf -ā, -ē, -ī, -ū, -ū infolge des Schwunds der auslautenden Vokale i zusammen mit j: mazgā, vele, tīrī, lūkū, dabū.
Vor einem Nasalkonsonanten:
5) In den Endungen des Dat.-Instr. Pl., z. B.: vīzēm, sēvām, bedrēm, klētēm, ragūm.
6) In den Endungen -ām der 1. Pers. Pl. Prät., z. B.: jāājām, metām, nīkām.
7) In Substantiven, die im Wortbildungssuffix einen langen Vokal oder einen Diphthong vor n enthalten, z. B.: vilāns, vilānīte; sivēns; ēdēns; kurēne; turēne; pērkūns; mākūns, cērpains. Für die dauernde Länge von ai in dieser Stellung kenne ich allerdings nur ein Beispiel (cērpains) aus Baars Aufsatz (S. 45).
14 Siehe “Die lettische Sprache”. S. 133.
15 Bielenstein (ebenda, S. 57) führt aus einem Volkslied einen Beleg für eine Akk.-Sg.-Form auf -ūju an.
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Vor einem Liquida-Konsonanten:
8) In Namen auf -ūlis, -ūls, z. B. ābūlis, kīdūls, sowie in dem seiner Bildung nach vereinzelten Namen auf -āris und -āre, nämlich vagāris, vagāre.
Ich wende mich nun der Verschiedenheit der Arten von Länge in den livländischen Mundarten des Lettischen zu. In Livland gibt es unter anderem solche Mundarten, die drei Arten von Länge, drei „Töne“ in allen langen Vokalen, Diphthongen und diphthongischen Verbindungen aufweisen; dabei bestehen zwischen diesen Mundarten bekannte Unterschiede hinsichtlich des Gebrauchs der drei Arten von Länge und bei den Vokalen auch hinsichtlich ihrer Qualität. Außerdem sind in Livland auch Mundarten bekannt, in denen zwei Arten von Länge vorkommen, die jedoch keine Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweisen und sich somit von den kurländischen Mundarten unterscheiden.
Unter den livländischen Mundarten, die drei Arten von Länge aller langen Vokale, Diphthonge und diphthongischen Verbindungen aufweisen, unterscheide ich auf Grundlage des bisher im Druck veröffentlichten Materials zunächst diejenigen Mundarten, die ich livländische Mundarten A nennen werde. Die drei Arten von Länge, die drei „Töne“ dieser Mundarten, wurden erstmals von Neuland16, dann von Linde17 und später von Peleks18 (der allerdings nichts über diphthongische Verbindungen sagte), Endzelīns19 und P. Schmidt20 bestimmt; Neuland schrieb in jüngster Zeit erneut über diese Arten von Länge21 im Zusammenhang mit den experimentellen Beobachtungen des amerikanischen Gelehrten Schmidt-Wartenberger zu ihnen.
Weder Neuland noch Linde geben an, in welcher Gegend oder in welchen Gegenden des lettischen Landes die drei Arten von Länge, die drei „Töne“, die sie erwähnen, vorkommen; ebenso fehlen bei Krumberg und Sterst, die, wie wir später sehen werden, drei „Töne“ im Lettischen unterscheiden, Angaben dazu, welche Mundarten jeder von ihnen dabei meint. Das Fehlen solcher Angaben sowie der Umstand, dass seit Anfang der achtziger Jahre (genauer seit 1881, als Lindes Artikel gedruckt wurde) mehr als zehn Jahre lang keine Mitteilung über die drei Arten lettischer Länge im Druck erschien, veranlassten mich Anfang der neunziger Jahre, Herrn Velme zu bitten, die Letten auf diese interessanten Tatsachen ihrer Sprache und auf die dringende Notwendigkeit genauer Angaben darüber aufmerksam zu machen, in welchen Gegenden des lettischen Landes die drei Arten von Länge langer Vokale unterschieden werden,
16 Magazin, herausgegeben von der Lettisch-Literärischen Gesellschaft. 1874. XV B. Drittes Stück. (часть без подписи имени автора).
17 Magazin. 1881. XVI B. Zweites Stück.
18 Rakstu krājums, izdots no Rīgas Latv. biedrības Zinību komisijas. 1894. 9. krājums.
19 Rakstu krājums. 1897. 11. krāj.
20 „Dreifache Länge in der lettischen Sprache. Sonderabdruck aus der Sammlung der Abteilung für russische Sprache und Literatur der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1899. Bd. LXVII.
21 Magazin. 1897. XX B. Erstes Stück.
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Diphthonge und diphthongischen Verbindungen. Auf Herrn Velmes22 Anfrage antworteten die Herren Peleks und Endzelīns. Peleks teilt in einer kurzen Notiz über die lettische Länge mit, dass er den von ihm beschriebenen Unterschied zwischen den drei Arten von Länge langer Vokale und Diphthonge (diphthongische Verbindungen berücksichtigt Peleks nicht) in Livland bei Wenden (lettischer Name Cēsis23) und an anderen Orten, z. B. in Dzērbene, gehört habe; Endzelīns sagt in einem ziemlich umfangreichen Artikel über die dreifache Aussprache der lettischen langen Vokale, Diphthonge und diphthongischen Verbindungen (Diphthonge und diphthongische Verbindungen zusammen bezeichnet Endzelīns als Diphthonge)24, dass er die dreifache Aussprache dieser Laute und Lautverbindungen, die er in seinem Artikel beschreibt, selbst in der Umgebung von Wolmar (lett. Namen Valmēra, Valmēre) gehört habe.
Nun berichtet auch Neuland (im „Magazin“, 1897), dass ihm gerade aus der Mundart von Wolmar jene Unterschiede der drei Arten von Länge unmittelbar bekannt seien, die er in dem 1874 im „Magazin“ erschienenen Artikel bestimmt hatte. P. Schmidt stellte Beobachtungen zu den drei Arten lettischer Länge in seiner heimischen Mundart an, genauer „an der Grenze der Kirchspiele Ronneburg und Smilten“, also, wie die Karte Livlands zeigt, ganz in der Nähe der Orte, auf die Peleks, Endzelīns und Neuland hinweisen.
In den livländischen Mundarten A gibt es genau die folgenden Arten von Länge bei langen Vokalen, Diphthongen und diphthongischen Verbindungen:
1) gedehnte Länge,
2) Länge mit vollständiger Unterbrechung,
3) Länge, die ich Länge mit unvollständiger Unterbrechung nenne.
Die ersten beiden Arten von Länge dieser Mundarten sind ihrem Wesen nach gleichartig mit den entsprechenden Längenunterschieden in den Mundarten Kurlands. Zur gedehnten Länge ist zu bemerken, dass Linde sie „ansteigend, zunehmend“ nennt und in ihr eine Verstärkung und Erhöhung der Stimme feststellt (vgl. auch bei Linde „Art der Vocallänge“); nach Peleks kann bei langen Vokalen mit dieser Länge der zweite Teil länger und stärker sein als der erste. Vgl. die oben von mir angeführte Bestimmung dieser Länge als ansteigend bei Rosenberger; auch Bielenzsteins Bestimmung speziell in Bezug auf Diphthonge (siehe oben) weist auf das Vorhandensein eines ansteigenden Elements hin, und zwar am Anfang dieser Länge. Andererseits wird nach P. Schmidt „ein Vokal mit gedehnter Länge gleichmäßig, ohne Erhöhung oder Senkung der Stimme ausgesprochen“, und Endzelīns betrachtet diese Länge bei normaler, gewöhnlicher Aussprache (z. B. nicht bei deklamatorischer Aussprache) ebenso; in Diphthongen und diphthongischen Verbindungen, die
22 Реферат Вельма о троякой латышской долготе (по наблюдениям Крумберга, Нейланда и Линде) напечатан в Rakstu krājums. 1894. 9. кгај.
23 Др. русск. Кѣсь, Кесь, Кись.
24 Endzelīns ir irrtümlich der Ansicht, dass ich unter den verschiedenen Arten der lettischen Länge Unterschiede im Quantitätsmaß verstehe, und vermutet sogar, ich übertrage auf das Lettische Baranovskijs Lehre von den drei Quantitäten im Litauischen. Tatsächlich ist nichts dergleichen der Fall, und mit den Arten der lettischen Länge bezeichne ich Unterschiede der lettischen Länge hinsichtlich ihrer Qualität. In demselben Sinne sprach Baars von zwei Längen (d. h. hinsichtlich der Qualität) im Lettischen, nämlich im Hinblick auf den Unterschied zwischen einer anhaltenden Länge und einer Länge mit vollständigem Abbruch.
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Bei der anhaltenden Länge stellt der zweite Teil nach Endzelīns ebenso wie nach Baars eine größere Quantität als der erste Teil dar. Baars und Neuland sagen ebenfalls nichts von einem steigenden Element in der anhaltenden Länge. Vergleicht man somit die verschiedenen Beschreibungen dieser Länge in den kurländischen und den livländischen Mundarten A, so lässt sich folgern, dass hinsichtlich der anhaltenden Länge sowohl in Kurland als auch in Livland gewisse Unterschiede bestehen und dass sie in einem Teil der einen wie der anderen Mundarten ein steigendes Element enthält, entweder über ihre gesamte Dauer oder an ihrem Anfang. Aber ist diese Länge in den Mundarten tatsächlich sowohl hinsichtlich der Exspiration als auch hinsichtlich des Tons steigend? In diesem Fall müssten Diphthonge und diphthongische Verbindungen mit dieser Länge in ihrem zweiten Teil einen silbischen Laut haben. Oder betrifft das steigende Element dieser Länge nur die Tonseite (das Ansteigen der Stimme), während die anhaltende Länge in denselben Mundarten hinsichtlich der Exspiration fallend ist, wenn auch mit einer Abnahme und Abschwächung der Stimme:
Diphthongische Verbindungen mit anhaltender Länge kommen in den livländischen Mundarten unter anderem auch dann vor, wenn ein Sonorant vor einem Vokal steht, in denselben Fällen wie in den kurländischen Mundarten, z. B. in kaпа, viɫa. Neuland erkennt hier diphthongische Verbindungen ("unechte Dift onge") an und sagt, man müsse in diesen Fällen den Sonoranten verdoppelt schreiben; so liest Neuland etwa viɫɫa in viɫa.
Die Länge mit vollständigem Abbruch ist in den livländischen Mundarten A im Allgemeinen dieselbe wie in Kurland; von einem Verschluss der Stimmlippen als Voraussetzung für den vollständigen Abbruch sprechen Linde, Peleks und Endzelīns. Die Bestimmung dieser Länge bei P. Schmidt, der sie „abgebrochen“ nennt, bleibt unklar; Schmidt bemerkt zwar, dass „bei der Aussprache dieser Länge die Stimme gleichsam plötzlich abbricht oder sich zusammenzieht“, doch scheint es ihm dennoch, dass „dies vielleicht gar keine eigentliche Länge, sondern ein gleichsam gewaltsam hervorgepresster kurzer Laut ist“. In Diphthongen und diphthongischen Verbindungen mit dieser Länge hören Linde und Endzelīns ebenso wie Baars den vollständigen Abbruch im zweiten Laut, d. h. im zweiten Vokal oder im Sonoranten; deshalb bestimmt Endzelīns, Baars entsprechend, auch in diesen Diphthongen und diphthongischen Verbindungen den zweiten Laut als länger als den ersten. Über den Endteil der Länge mit vollständigem Abbruch sagt Linde, das Ende des langen Vokals werde nach dem vollständigen Abbruch geflüstert ausgesprochen; zu den Diphthongen bemerkt er, dass in ihnen der zweite Vokal, der den vollständigen Abbruch enthält, fast geflüstert ausgesprochen werde (d. h. Linde hört wahrscheinlich nach dem Abbruch ein Flüstern). Nach Endzelīns wird das Ende der Länge mit vollständigem Abbruch sowohl bei langen Vokalen als auch bei Diphthongen und diphthongischen Verbindungen geflüstert gebildet; nach Peleks ist bei langen Vokalen mit dieser Länge der zweite Teil nach dem Abbruch gerade der leise ausgesprochene. Vgl. die nicht ganz klare Bestimmung bei Bielenstein, dem zufolge in Diphthongen der zweite Vokal „klingt tonlos, deshalb gelinder und kürzer nach“, in diphthongischen Verbindungen der Liquida- oder Nasalkonsonant „hallt leise und leicht nach“, und bei langen Vokalen das zweite Element „leicht und kurz“ ausgesprochen wird. In
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bleibt bei dem ersten Teil der Länge mit vollständigem Abbruch, d. h. bei dem Teil vor dem vollständigen Abbruch, dessen Quantität mehr als ein Maß beträgt (nach Baars und Endzelīns), die Tonseite ungeklärt; dabei kann sich, wie wir später sehen werden, die Frage stellen, ob dieser Teil vor dem vollständigen Abbruch nicht ein Ansteigen der Stimme enthält, d. h. ob er hinsichtlich des Tons steigend ist.
Die dritte Art der Länge in den von mir livländische Mundarten A genannten Mundarten wurde von Neuland entdeckt (in einem Artikel aus dem Jahr 1874)25, nachdem Krumberg bereits drei „Töne“ im Lettischen unterschieden hatte, und zwar im Hinblick auf andere Unterschiede im „Ton“ in irgendeiner anderen Mundart (siehe unten). Neuland nennt diese Länge „halbgestossene Aussprache“; in seinem ersten Artikel bestimmte er einen solchen langen Vokal als bestehend „aus einem gestossenen und einem gedehnten kurzen Vokal“. Diese Bestimmung der langen Vokale (bei denen „gestossene Aussprache“ und „gedehnte“ unterschieden werden) erscheint inzwischen auch Neuland selbst unbefriedigend („Magazin“, XX B., erstes Stück, S. 8), ist für uns aber insofern doch zutreffend, als sie bezeugt, dass Neuland beim Hören in dieser Länge einen gewissen Abbruch wahrnahm. Dieselbe Aussprache kommt nach Neulands Worten bei langen deutschen Vokalen und Diphthongen in den Ostseeprovinzen vor (während Rosenberg, wie wir sehen, die deutsche Länge nicht von der lettischen Länge mit vollständigem Abbruch, d. h. von der „gestossenen Aussprache“, unterschied).
Nach Lindes Beschreibung ist die von Neuland „halbgestossene Aussprache“ genannte lettische Länge „fallend, sich abschwächend“, und zwar eine solche, bei der der zweite Teil schwächer und tiefer im Ton klingt als der erste; über lange Vokale mit einer solchen Länge sagt Linde, dass sie deutlich als zwei eng verbundene kurze Vokale hörbar seien, und diese Bemerkung bezeugt wiederum den abgebrochenen Charakter dieser Länge. Neuland entsprechend findet auch Linde in langen deutschen Vokalen und Diphthongen (im lettischen Gebiet) eine Länge, die mit der dritten lettischen Länge identisch ist. — Aus dem Vergleich der Beschreibungen dieser lettischen Länge bei Neuland (im ersten Artikel) und bei Linde schloss ich, noch zu einer Zeit, als die Beobachtungen von Peleks nicht bekannt waren,
25 Neuland selbst erkennt, wie aus seinen beiden Artikeln zu dieser Frage (1874 und 1897) hervorgeht, jedoch nicht an, dass ihm tatsächlich die ganze Ehre der Entdeckung jener lettischen (dialektalen) Länge gebührt, die er „halbgestossene Aussprache“ nennt. Neuland beruft sich auf Krumberg, obwohl er sieht, dass er in dieser Frage erheblich von ihm abweicht; der dritte „Ton“ bei Krumberg („fallend“) ist sowohl nach Krumbergs Bestimmung als auch vor allem nach seinem Gebrauch keineswegs dasselbe wie Neulands „halbgestossene Aussprache“ (siehe weiter unten). Außerdem meint Neuland, dass bereits Büttner in einem Büchlein des „Magazins“ auf das Beispiel vile mit drei Bedeutungen („Säge“, „Kleiderbesatz“, „betrogen“) hingewiesen habe, wobei sich die drei Aussprachen unterschieden, die Neuland später auch in anderen Fällen unterscheidet. Ich finde diesen Hinweis jedoch nicht in den Heften des „Magazins“; auch Endzelīns sagt, dass er ihn nicht finden konnte. Büttner unterscheidet in jenem Artikel im „Magazin“, in dem er die Arten der lettischen Längen behandelt, zwei, nicht drei Arten (siehe oben); und unter den Beispielen zur Bestimmung der Unterschiede in den „Vokallauten“ führt er an verschiedenen Stellen des Artikels sowohl drei als auch vier Wörter vile an. Dabei schreibt er wihle „Säge“ mit einem anhaltend langen i und wihle „Kleiderbesatz“ mit jenem langen i, das Büttner als „accentuirter Laut“ bezeichnet (d. h. mit vollständigem Abbruch); außerdem unterscheidet er den Eigennamen Wille (Vile) mit kurzem i von wihle „Wolle“, d. h. vile, obwohl er das letzte Wort auch wille schrieb. Zu beachten ist, dass vile „Kleiderbesatz“ in Neulands Mundart die dritte Art der Länge, „halbgestossene Aussprache“, mit langem i aufweist, während Büttner diese Art der Länge, wie ich vermute, nicht kannte.
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Endzelīns und P. Schmidt gelangten zu dem Schluss, dass die dritte Länge der livländischen Mundarten A und dergleichen eine unterbrochene Länge dieser Art ist, nämlich eine solche, die zumindest in expiratorischer Hinsicht zwei Gipfel aufweist: einen Hauptgipfel am Anfang und einen sekundären, geringfügigen am Ende. Eine solche unterbrochene Länge nenne ich Länge mit unvollständiger Unterbrechung. Diese Schlussfolgerung wird durch die Tatsache bestätigt, dass Neuland im zweiten Artikel die halbgestossene Aussprache diphthongischer Verbindungen von der Aussprache unterscheidet, die Verbindungen aus „kurzem Vokal + sonantischem Konsonanten“ haben, wenn sie nicht vor einem Konsonanten stehen; nur vor einem Konsonanten unterscheiden sich diese Verbindungen durch „gedehnte, gestossene, halbgestossene Aussprache“, und folglich besitzen diphthongische Verbindungen in Neulands Mundart in Wortendstellung, ebenso wie in den kurländischen Mundarten, eine expiratorisch-fallende Qualität der gesamten Verbindung, die sich von der „halbgestossenen Aussprache“ unterscheidet (bei Neuland gibt es keine Beispiele)26. Ferner ist zu bemerken, dass Neuland und Linde die dritte lettische Länge der livländischen Mundarten A mit der deutschen Länge (im lettischen Gebiet) nur bei deutschen langen Vokalen und Diphthongen gleichsetzen, nicht aber bei deutschen Verbindungen aus „kurzem Vokal + sonantischem Konsonanten desselben Wortes“; letztere weisen folglich eine expiratorisch-fallende Qualität der gesamten Verbindung auf, während die Diphthonge im Deutschbalten-Dialekt meiner Ansicht nach ebenfalls zwei expiratorische Gipfel zu haben scheinen.
Peleks bezeichnet die dritte Längenart (bei Peleks die zweite) mit einem lettischen Terminus, der eine Übersetzung des deutschen „gestossen“ darstellt, und bestimmt die langen Vokale mit dieser Länge als solche, bei denen der erste Teil stärker und lauter als der zweite ausgesprochen wird; hinsichtlich der Quantität ist diese Länge, so Peleks, kürzer als die gedehnte, doch gibt er keinen quantitativen Unterschied gegenüber der Länge mit vollständiger Unterbrechung an.
Bei P. Schmidt heißt diese lettische Länge „fallend“: „Ein Vokal mit fallender Länge wird so ausgesprochen, als bestünde er aus zwei Teilen, wobei der erste betont ist“ (vgl. Lindes Definition).
Eine solche Länge langer Vokale findet Schmidt ebenso wie Neuland und Linde auch im baltischen Dialekt der deutschen Sprache; zu den Diphthongen mit dieser Länge sagt er, dass „dies im Allgemeinen die natürlichste und gewöhnlichste Aussprache“ sei und dass sie auch im Russischen vorkomme, zum Beispiel in den Wörtern: чай, рай, лай. Einen Hinweis darauf, dass die lettische Länge, die Schmidt fallend nennt, in Wirklichkeit keine einfache fallende Länge ist, sehe ich in dem von Schmidt anerkannten Unterschied zwischen diphthongischen Verbindungen mit dieser Länge und diphthongischen Verbindungen am Wortende. Bei der Schreibung solcher Wörter wie там,
26 Linde findet bei der Betrachtung dreier Töne in diphthongischen Verbindungen den „fallenden Ton“ (d. h. die dritte Längenart) unter anderem auch in Verbindungen aus „kurzem Vokal + sonantischem Konsonanten vor einem Vokal“, z. B. in gaja, zeme u. a. (Beispiele für Verbindungen aus „kurzem Vokal + sonantischem Konsonanten“ am Wortende gibt er jedoch nicht). Man kann aber annehmen, dass Linde zu diesem Schluss nur deshalb gelangte, weil Verbindungen aus „kurzem Vokal + sonantischem Konsonanten vor einem Vokal“ im Lettischen in Fällen wie kaņa (siehe oben) einen „gedehnten Ton“ haben, obwohl Linde bei Stellung des sonantischen Konsonanten vor einem Vokal keinen „Ton“ mit vollständiger Unterbrechung feststellt. Neuland hat, wie ich meine, im zweiten Artikel recht, wenn er Lindes Ansicht über Fälle wie gaja, zeme u. a. für irrig hält.
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kam kennzeichnet Schmidt in diphthongischen Verbindungen keine der drei von ihm behandelten Längenarten, eben weil diese Verbindungen in Wortendstellung auch in Schmidts Mundart, ebenso wie in den anderen, von denen ich oben gesprochen habe, eine expiratorisch-fallende Qualität der gesamten Verbindung aufweisen. Auch ist zu beachten, dass Schmidt zur Bezeichnung der dritten Längenart das Zeichen ~ verwendet, das er bei der Schreibung von Diphthongen und diphthongischen Verbindungen über den Buchstaben setzt, der den zweiten Laut der Lautverbindung wiedergibt, z. B. in ai, aɣ u. a.; eine solche Bezeichnungsweise dieser Länge wäre wohl kaum gewählt worden, wenn die Länge selbst einfach fallend wäre.
Somit stellt auch in Schmidts Mundart die dritte Längenart meiner Ansicht nach eine Länge mit unvollständiger Unterbrechung und zwei expiratorischen Gipfeln dar; Peleks’ Definition dieser Länge erläutert zwar ihre Natur nicht, weist jedenfalls aber nicht auf eine einfach fallende Qualität hin, und diese Längenart wird bei Peleks selbst auch nicht als fallend bezeichnet.
Bei Endzelīns ist die dritte Länge jedoch so definiert, dass sie sich tatsächlich nicht von einer expiratorisch-fallenden Länge unterscheiden lässt. Endzelīns nennt diese Länge „fallende Aussprache“ und sagt, dass diese „fallende Aussprache“, bei der der erste Teil stärker ist als der zweite, unter anderem auch in diphthongischen Verbindungen am Wortende vorkommt, z. B. in kur, kat. Silben mit „fallender Aussprache“ sind nach Endzelīns’ Beobachtung kürzer als Silben mit „gedehnter Aussprache“ und solche, die eine vollständige Unterbrechung enthalten, und umfassen offenbar nur etwa zwei Moren, während Endzelīns bei den beiden anderen langen „Aussprachen“ etwa drei Moren feststellt; deshalb sind bei Diphthongen und diphthongischen Verbindungen mit „fallender Aussprache“ beide Bestandteile der Lautverbindung kurz, und Diphthonge dieser Art, ai, au, ei, sollte man nach Endzelīns’ Ansicht als aj, av, ej schreiben, ähnlich wie man ev in sev, tev schreibt, wo der Diphthong eu eine „fallende Aussprache“ hat. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Endzelīns selbst die Aussprache von Diphthongen und diphthongischen Verbindungen dennoch mit dem Zeichen ` über dem Buchstaben kennzeichnet, der den zweiten Teil der Lautverbindung wiedergibt, z. B. in den Schreibungen ai, aг u. a.
Endzelīns kennt übrigens auch eine Mundart, und zwar in Društi, in der Silben mit „fallender Aussprache“ ebenfalls eine Quantität von ungefähr drei Moren haben können, z. B. in draūgs (bei Endzelīns mit dem Zeichen für „fallende“ Aussprache); hier umfasst der Diphthong au ungefähr zwei Moren, doch hat draūga in dieser Mundart mit „fallender Aussprache“ ungefähr drei Moren. Mit diesem quantitativen Unterschied könnte auch ein Unterschied in der Qualität der Länge einhergehen (vgl. die von mir angeführten Längendefinitionen bei Sterste), doch spricht Endzelīns nicht von einem solchen Unterschied.
Ich denke also, dass die dritte Länge in den livländischen Mundarten A gerade eine Länge mit unvollständiger Unterbrechung und zwei expiratorischen Gipfeln ist, obwohl ich es für möglich halte, dass sie sich in einem Teil dieser Mundarten (in Endzelīns’ Mundart) zu einer expiratorisch-fallenden Länge verändert. Aus dem Gemeinlettischen ist in diesen Fällen auch eine Länge mit unvollständiger Unterbrechung belegt, wie wir im Folgenden sehen werden.
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Der Quantität nach ist die lettische Länge mit unvollständiger Unterbrechung offenbar ebenso lang wie die Länge mit vollständiger Unterbrechung und etwas kürzer als die gedehnte Länge. Daher ist wohl anzunehmen, dass in Diphthongen und diphthongischen Verbindungen auch bei dieser Art der Länge, wie bei den beiden anderen, der zweite Laut länger ist als der erste, wenn auch etwas kürzer als derselbe Laut in Diphthongen und diphthongischen Verbindungen mit gedehnter Länge. Zur Bezeichnung der Länge mit unvollständiger Unterbrechung (der dritten Länge) in den livländischen Mundarten A verwende ich das Zeichen ~, das, wie ich bereits bemerkt habe, mit derselben Bedeutung auch bei P. Schmidt gebraucht wird.
Der Unterschied zwischen den drei Arten der Länge in den livländischen Mundarten A ist von P. Schmidt anhand der größten Zahl von Beispielen für verschiedene Silben des Wortes bestimmt worden. Für die erste Silbe der Wörter liefert auch Endzelīns viele Beispiele; bei ihm ist im Text seines Aufsatzes zugleich die Qualität der Länge in der Endsilbe mehrsilbiger Wörter angegeben, obwohl Endzelīns sagt, dass es ihm schwerfällt, die gedehnte und die „fallende“ Aussprache in einer nicht ersten Silbe der Wörter genau zu unterscheiden. Bei Neuland finden sich Beispiele für die drei Arten der Länge nur für die erste Silbe; Linde und Peleks teilen außer Beispielen für die drei Längen in derselben Mundart auch einiges über die Qualität der Länge in nicht ersten Silben mit, wobei Linde aus Fällen dieser Art ausschließlich lange Vokale am Wortende heranzieht. Hinsichtlich der ersten Silbe der Wörter scheinen die lettischen Mundarten, die ich livländische Mundarten A nenne, im Gebrauch der drei Arten der Länge keine allgemeinen Unterschiede untereinander aufzuweisen; das heißt, soweit das bislang gesammelte Material ein Urteil zulässt, treten im Gebrauch der drei Arten der Länge in der ersten Silbe der Wörter Unterschiede zwischen diesen Mundarten nur in mehr oder weniger vereinzelten Fällen auf27.
Zu solchen Ausnahmen gehören z. B. aãkla „Schnürchen“ bei Endzelīns28 und Schmidt = aükla bei Neuland, aükle „Kindermädchen“ bei Endzelīns gegenüber aükļis bei Neuland, grēzt „drehen“ in Schmidts Mundart = grēzt bei Wolmar (bei Schmidt angeführt), kuṛlis in Schmidts Mundart = kuṛlis bei Schmidt aus anderen Mundarten und kuļlis bei Endzelīns, ūḑze bei Schmidt (als Wort aus der Schriftsprache angeführt) = ūḑze bei Endzelīns, ūtris in Schmidts Mundart = ūtris in der Mundart der Gemeinde Trikaten (bei Schmidt angeführt), snēgt „erreichen“ bei Endzelīns und Schmidt = snēgt bei Neuland u. a. Beim Vergleich der livländischen Mundarten A mit den kurländischen Mundarten muss man hinsichtlich der Qualität der alten Länge (d. h. nicht in neuen Diphthongen und diphthongischen Verbindungen) in der ersten Silbe der Wörter unterscheiden zwischen erstens Wörtern, die aus mehrsilbigen Wörtern entstanden sind (also unter anderem auch neuen einsilbigen Wörtern, bei denen der Vokal der Endsilbe weggefallen ist), und zweitens alten einsilbigen Wörtern. In der ersten Silbe von Wörtern, die aus mehrsilbigen Wörtern entstanden sind, entspricht der gedehnten Länge der kurländischen Mundarten auch in
27Im Wörterbuch von Schmidt finden sich übrigens auch zweifelsfreie Druckfehler bei den Längenbezeichnungen.
28Beim Vergleich des bei Endzelīns und Schmidt gesammelten Materials darf man nicht vergessen, dass die Zeichen ˇ und ~ bei Endzelīns eine andere Bedeutung haben als bei Schmidt: Das Zeichen ˇ bezeichnet bei Endzelīns die Qualität der dritten Länge („fallende Aussprache“ nach Endzelīns), während ~ bei ihm zur Bezeichnung einer vollständigen Unterbrechung dient.
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auch in den livländischen Mundarten A die gedehnte Länge (mit vereinzelten Ausnahmen), während der kurländischen Länge mit vollständiger Unterbrechung in den livländischen Mundarten A teils dieselbe Länge mit vollständiger Unterbrechung, teils die dritte Länge (mit unvollständiger Unterbrechung) entspricht; der Unterschied zwischen diesen Fällen lässt sich nicht aus dem Lettischen als einer für sich bestehenden Sprache erklären. Wie jedoch der Vergleich des Lettischen vor allem mit dem Litauischen zeigt, beruht der Unterschied, der in diesem Fall in den livländischen Mundarten A zwischen der Länge mit vollständiger Unterbrechung und der dritten Länge (mit unvollständiger Unterbrechung) bewahrt, in den kurländischen Mundarten aber verloren ist – dort sind beide Arten der Länge zu einer Länge mit vollständiger Unterbrechung zusammengefallen –, auf alten vorlettischen Unterschieden der Längenarten und der Akzentstelle. Beispiele werde ich weiter unten anführen, wenn ich von der Entstehung der gemeinlettischen Längenarten sprechen werde.
In alten einsilbigen Wörtern haben die livländischen Mundarten A im Vergleich zur gedehnten Länge der kurländischen Mundarten teils dieselbe Länge, teils die dritte Länge; so entsprechen den kurländischen Wörtern tâ „diese“, mès „wir“, jûs „ihr“ auch in den livländischen Mundarten A tâ, mès, jûs. Bei kurländischen tâ „dieses“, Genitiv (Bielenstein führt auch tâ mit Fragezeichen an), tû, tâs, mûs, jûs finden wir dagegen in den livländischen Mundarten A: tâ, tû, tâs, mûs, jûs.
Eine Erklärung dieser Fälle wird viel weiter unten gegeben. Der kurländischen Länge mit vollständiger Unterbrechung in alten einsilbigen Wörtern entspricht in den livländischen Mundarten A im Allgemeinen die dritte Länge, z. B. kurl. kû (bei Bielenstein auch kû in bestimmtem Gebrauch) = livl. A kû, kurl. tai (und tai in einem Teil der Mundarten) = livl. A tai, kurl. jai (und jai in einem Teil der Mundarten) = livl. A jai; der kurländischen Form trīs „drei“ entspricht jedoch in den livländischen Mundarten A trīs (eine Erklärung dieser Ausnahme siehe unten).
Der Unterschied in der Art der alten Länge in nicht ersten Silben der Wörter ist in den livländischen Mundarten A, wie ich bereits bemerkt habe, meist nur bei Schmidt bestimmt. In nicht ersten Silben einfacher Wörter unterscheidet Schmidt im Allgemeinen zwei Arten alter Länge: die gedehnte und die mit vollständiger Unterbrechung. Die dritte Länge in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter mit alter Länge ist bei Schmidt nur für die Diphthonge ai, ei, ii in den Endungen des Dativs Singular von Substantiven angegeben, z. B. in malai, mâtei, sirdi, obwohl „im Gespräch ein alter Mann“, so Schmidt, „alle diese drei Formen durch einen kurzen Vokal i ersetzt“ (d. h. durch eine Form auf i?), und anstelle von -ii spreche auch die jüngere Generation gewöhnlich -i, z. B. sirdi. Die gedehnte Qualität der Länge in nicht ersten Silben einfacher Wörter finden wir in Schmidts Mundart unter anderem vor j, sowohl erhaltenem als auch geschwundenem, sowie vor Liquiden und Nasalen; in denselben Fällen tritt, wie wir sehen, gedehnte Länge auch in den nordwestkurländischen Mundarten auf, doch bestehen zwischen diesen Mundarten und Schmidts Mundart dennoch gewisse Unterschiede hinsichtlich der Bedingungen, unter denen in solchen Fällen gedehnte Länge entsteht. Alle langen Vokale in nicht ersten Silben einfacher Wörter stehen sowohl vor erhaltenem oder geschwundenem j als auch vor
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Nasale und Liquide haben im Dialekt Schmidts eine dauernde Länge. Hierher gehören bei Schmidt folgende Fälle: die Endungen des Lokativs Singular der Substantive, z. B. malā, bedrē, būri, sirdī, tirgū;29 die Endungen der Kasusformen bestimmter Adjektive, z. B. labais (wobei ai aus āi stammt, siehe oben), labā, labās; abgeleitete Substantive mit den Stämmen -tāja-, -āja-, -ēja-, z. B. mācītās (-āš aus -ājš), Genitiv mācītāja; arāš (-āš aus -ājš30), Genitiv arāja; gājēš (-ēš aus -ējš), Genitiv gājēja31; abgeleitete Verbalstämme des Präsens und Präteritums, die in einem Suffix die Vokale ā, ē, i vor j enthalten, z. B. in raudāju, sēdēju (Präteritum), skaitīju (Präteritum); die Endung der 1. Person Plural des Präteritums auf -ām, z. B. in devām, staigājām; die Endungen des Dativs Plural der Substantive auf -ām, -ēm, z. B. in malām, mātēm; das Adverb prūjām „fort, weg“, die Konjunktion ēkām „bevor“ (letzteres ist bei Schmidt als Wort aus der Literatursprache vermerkt, während ēkām bei Bielenstein beispielsweise ein kurzes a hat); abgeleitete Substantive mit den Stämmen -āna-, -īna-, z. B. dzāltānc (das aus s nach n entstandene auslautende c)32, cēmīc (-īc aus -īns), Genitiv cēmīna; das Substantiv vagārs „Dorfältester“ (aus der Literatursprache, nach Schmidt).
Die Diphthonge ē und ū in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter weisen im Dialekt Schmidts unter denselben Bedingungen ebenfalls eine dauernde Länge auf, jedoch nicht in allen Fällen. In Stellung vor j, das erhalten geblieben oder geschwunden sein kann, haben die Diphthonge ē und ū der nicht ersten Silbe einfacher Wörter in Schmidts Beispielen ausschließlich dauernde Länge, und zwar in den Kasusendungen der Adjektive auf -ē, -ū, -ūs, z. B. in labē, labū, labūs, sowie in den abgeleiteten Verben auf -ūju, z. B. in streipūju, zvā rāju u. a. Doch sind ē und ū vor den nasalen und liquiden Konsonanten der Wortbildungssuffixe33 bei Schmidt überhaupt nur in den Fällen mit dauernder Länge bezeichnet, in denen die vorangehende Silbe Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweist; fehlt diese Bedingung hingegen, so haben ē und ū in solchen Suffixen in Schmidts Dialekten Länge mit vollständiger Unterbrechung (siehe Schmidts Aufsatz, S. 8). Man vergleiche etwa einerseits Fälle wie aigāns, dzēēns, ēdēns (Schmidt, S. 8, Druckfehler); ābūls, kūdūls, ūzūls, vītūls, andererseits jedoch beispielsweise: dzāltūnc (dzāltūnc – O. P.) gāūne, magūne, mākūnis; jaūtājēne, kamēnc, nesēni, dzānūls, pūpūls (obwohl kamūls aus irgendeinem Grund dauernde Länge aufweist).
Wir sehen, dass in den nordwestlichen kurischen Dialekten, beispielsweise bei Baar, die Länge der nicht ersten Silbe einfacher Wörter an sich eine Länge mit vollständiger Unterbrechung ist, wie auch in den übrigen Dialekten Kurlands, und dass dauernde Länge langer Vokale und der Diphthonge ē, ū (in einem mir bekannten Beispiel auch des Diphthongs ai) in der nicht ersten Silbe einfacher Wörter in diesen kurischen Dialekten nur
29 In den Lokativendungen Plural der Substantive liegt im Dialekt Schmidts Länge mit vollständiger Unterbrechung vor (siehe unten), z. B.: malās, bedrēs usw.; bei Baar erklärt sich die dauernde Länge in diesen Endungen, wie ich gesagt habe, durch den Einfluss der Analogie.
30 Der Unterschied zwischen diesem -āš aus -ājš, -ājš und -āis aus -ājs, -āis im Nominativ der bestimmten Adjektive erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass auf den Nominativ Singular der Substantive mit den Stämmen -tāja-, -āja- das āj einwirkte, mit j vor dem Vokal im Stamm der übrigen Kasus.
31 In einem Fall, nämlich im Wort virsājai, d. h. virsājai „Heidekraut“, ist bei Schmidt aus irgendeinem Grund (Druckfehler?) Länge mit vollständiger Unterbrechung angegeben.
32 Der Buchstabe ā bezeichnet bei Schmidt „offenes ē.
33 Der Dativ Plural der maskulinen Substantive endet im Dialekt Schmidts nicht auf -ēm, sondern auf -īm.
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in der Stellung vor j, das erhalten geblieben oder geschwunden ist, und vor Liquiden und Nasalkonsonanten; zweifellos ist daher die langdauernde Qualität der Länge in all diesen Fällen hier durch den phonetischen Einfluss von j, Liquiden und Nasalkonsonanten bedingt. Im Dialekt Schmidts tritt die langdauernde Länge einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter jedoch nicht nur auf, wenn lange Vokale und ein Teil der Diphthonge ē und ū vor j stehen, das erhalten geblieben oder geschwunden ist, sowie vor einem Liquid oder Nasalkonsonanten, sondern auch in anderen Fällen.
So ist bei Schmidt die langdauernde Länge verzeichnet in Substantiven auf -iba, -ēs (aus -ētis), Fem. -ēte, -īc (aus -itis), Fem. -ite, -nēks, Fem. -nica, z. B. in ticība, vāce, krēvēte, brālīc (Gen. brālīša), saimnēks, saimnīca; in der Endsilbe von Adjektivstämmen und von Partizipien Aktiv Präsens und Futur, z. B. in vārdīc, tākuš (wobei š aus den Stämmen anderer Kasus stammt), nākīt, nākšūt, zinīt; in der Endung -āt der 2. Pers. Pl. Präteritum, z. B. in devāt, staigājāt. Die langdauernde Länge der alten diphthongischen Verbindung in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter ist bei Schmidt z. B. in cāturtais, cēkurzis „Zapfen“, titīlbis (Vogelname) angegeben.
Die Länge mit vollständiger Unterbrechung in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter bestimmt Schmidt: bei Adjektiven auf -āc (Fem. -āda), -āks, -īgs, -aine und bei Substantiven auf -ainis, z. B. in dazāc, labāks, pēdīgs, bābarainc, kukaīnis, tāvainis; in abgeleiteten Verbalstämmen auf -ā-, -ē-, -ī-, -ū- in Stellungen nicht vor j, z. B. in gaidāt, raudāšana, ecēt, ecēksas, adīt, adīklis, vaizūt; in den Endungen der Reflexivform von Verben, Partizipien und Substantiven, z. B. in kaunūs, kaunēs, kaunatēs, kaunatēs, kautūs (Trocknung), kaunūtēs (Nom. Pl. Partizip Präsens), kaušanās; in den Endungen des Lokativs Pl. haben sie beispielsweise gaidūs, malās, bedrēs, sirīdīs; in solchen Substantiven, die mehr oder weniger vereinzelt gebildet sind, wie z. B.: apūgs; balūdis galūda; valūda; tū kstūc und tū kstūš, valūdze; putraims u. a. Die Länge mit vollständiger Unterbrechung der alten diphthongischen Verbindung in einer nicht ersten Silbe von Wörtern ist bei Schmidt z. B. in parapāde, skabārga angegeben.
Es ist also zweifellos, dass der Unterschied zwischen der langdauernden Länge und der Länge mit vollständiger Unterbrechung in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter im Dialekt Schmidts in vielen Fällen nicht vom phonetischen Einfluss benachbarter Laute im Wort abhängt, d. h. auf alten Unterschieden in der Qualität der Länge solcher Silben beruht (siehe unten). Folglich müssen wir auch dort, wo wir in diesem Dialekt in denselben Silben vor j, einem Nasal oder einem Liquid langdauernde Länge finden, verschiedene Fälle unterscheiden: solche, in denen die langdauernde Qualität anstelle der Länge mit vollständiger Unterbrechung durch den Einfluss von j, einem Nasal oder einem Liquid bedingt ist, und Fälle anderer Art, in denen jene Länge auftrat, die im Dialekt Schmidts an sich bei Stellung in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter langdauernd sein musste. Daher lässt sich etwa für die Endung der 2. Pers. Pl. Präteritum auf -āt, z. B. in devāt, nicht behaupten, die langdauernde Qualität der Länge sei hier unter dem Einfluss der Form der 1. Pers. Pl. auf -ām, z. B. in devām, entstanden; wir werden später sehen, dass in beiden Fällen -ā mit jener Länge entstanden ist, die im Dialekt Schmidts bei Stellung in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter in langdauernde Länge übergehen musste.
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In bestimmten Fällen ist die Stammsilbe eines Wortes im zweiten Teil einer Wortverbindung hinsichtlich der Bedingungen für die Entstehung langdauernder Länge im Dialekt Schmidts der nicht ersten Silbe einfacher Wörter gleichartig; gemeint sind eigentliche Komposita, die entweder eine Verbindung von Nominalstämmen oder eine Verbindung eines unflektierbaren Wortes mit dem Stamm eines Substantivs enthalten, nicht aber zusammengeschriebene Komposita, die aus der Verbindung von Präpositionen mit Verben und Adjektiven gebildet werden. In den Fällen, in denen die Stammsilbe des Wortes im zweiten Teil solcher Komposita für sich allein, als Einzelwort, Länge mit unvollständiger Unterbrechung aufweist, geht diese im Dialekt Schmidts bei Verwendung im zweiten Teil dieser Komposita in langdauernde Länge über. Hierzu gehören beispielsweise Fälle wie agrēcīs, ēgūcīs — vgl. rūka; gaidauc, kaklauč, vgl. aūc (d. h. aūts)34; mataūkla, vgl. aūkla; paspārne „Zuflucht“ (nach Bielenstein „Raum unter dem Flügel“), vgl. sparni „Flügel“ (siehe bei Schmidt S. 8–9)35.
Die Länge mit unvollständiger Unterbrechung bleibt jedoch im zweiten Teil bedeutungsmäßig verschmolzener Wörter und in ihren Ableitungen unverändert erhalten, z. B. in appūstēs (aus atspūstēs), aizmirfst (obwohl das einfache Verb *mifst „vergessen“ nicht gebraucht wird), aizmašfigs, ēslips, ēskibs u. a. Der Unterschied zwischen den einen und den anderen nicht einfachen Wörtern hinsichtlich der Qualität der Länge in der Stammsilbe des zweiten Teils im Dialekt Schmidts erklärt sich wohl dadurch, dass bei bedeutungsmäßig verschmolzenen Wörtern der Hauptakzent einst im Lettischen weiterhin auf der Stammsilbe des zweiten Wortes lag, als das Gesetz der relativen Betonung der ersten Wortsilbe bereits bestand. Auch bei etymologisch verschmolzenen Wörtern bleibt die Länge mit unvollständiger Unterbrechung in der Stammsilbe des zweiten Wortes im Dialekt Schmidts unverändert erhalten, obwohl diese Silbe keinen Hauptakzent trägt, z. B. in paldēs „danke“ (bei paldēs mit Hauptakzent auf der zweiten Silbe, siehe unten).
In den kurländischen Dialekten tritt in all diesen Fällen (sowohl bei verschmolzenen als auch bei eigentlichen Komposita) Länge mit vollständiger Unterbrechung in der Stammsilbe des zweiten Teils eines nicht einfachen Wortes auf; in dieser kurländischen Länge könnten die beiden Längentypen in den betreffenden Fällen zusammengefallen sein, die im Dialekt Schmidts als Länge mit unvollständiger Unterbrechung und als langdauernde Länge unterschieden werden, da ja auch in der nicht ersten Silbe einfacher Wörter die kurländische Länge mit vollständiger Unterbrechung unter anderem der langdauernden Länge im Dialekt Schmidts entspricht. Was dagegen jene nicht einfachen Wörter betrifft, deren zweiter Teil ein Wort mit langdauernder Länge in der Stammsilbe im Einzelgebrauch enthält, so finde ich bei Schmidt in den Beispielen, die zwar sehr spärlich sind, diese Länge unverändert auch im zweiten Teil sogar eigentlich verschmolzener Wörter erhalten, z. B. in
34 Es ist jedoch nicht klar, warum bei Schmidt in prēkšauc Länge mit vollständiger Unterbrechung auftrat.
35 Schmidt erklärt das Wort adēne „Kuh, die nur alle zwei Jahre kalbt“ irrtümlich aus at+dēna (wobei die Herkunft der Bedeutung unverständlich bliebe); tatsächlich ist der zweite Teil von adēne natürlich mit litauisch dēni „trächtig, kalbend“ verwandt. dēninga „hochträchtig“ im Wörterbuch von Koševic (vgl. bei Kurschat in LDW „dēna d. diena trächtig“) hat, wie ich meine, eine alte langdauernde Länge, d. h. eine, die nicht in der Komposition entstanden ist (siehe unten zu ähnlichen Fällen). Auch Schmidts Ansicht, das Wort adēni „Färse“ sei aus at+dēna gebildet, scheint mir unzweifelhaft; Ullmann führt bei adēni, adēnis auch adini an und verweist auf litauisch adia.
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pasaule, vgl. saūle; nicht nur in verschmolzenen Wörtern, z. B. in pazīt, vgl. zīt; auch in den kurländischen Mundarten liegt, wie ich sagte, in all diesen Fällen eine anhaltende Länge vor. Daher ist wohl anzunehmen, dass eine Wurzelsilbe mit anhaltender Länge oder der Gebrauch eines Wortes als zweitem Bestandteil eines eigentlichen Kompositums im Lettischen einen starken Akzent trägt (während sie in verschmolzenen Wörtern den einstigen vollen Akzent bewahrt), denn sonst wäre hier dieselbe Veränderung der anhaltenden Länge zu erwarten wie in einer Nicht-Erstsilbe einfacher Wörter, nämlich Länge mit vollständigem Abbruch, sowohl in den kurländischen Mundarten als auch in Schmidts Mundart. Schließlich bleibt in den nicht einfachen Wörtern mit einem zweiten Bestandteil, der aus einem Wort gebildet ist, dessen Wurzelsilbe in Schmidts Mundart Länge mit vollständigem Abbruch aufweist, diese Länge im zweiten Bestandteil verschmolzener und eigentlicher zusammengesetzter Wörter erhalten, z. B. in atraūgātēs, ēgāivis, raūgātēs, gāiva; in den kurländischen Mundarten liegt in diesen Fällen ebenfalls Länge mit vollständigem Abbruch vor.
Linde bestimmt die Qualität der Länge in einer Nicht-Erstsilbe von Wörtern nur im Hinblick auf lange Vokale am Wortende, nämlich in den Endungen des Lokativs Singular der Substantive, in den Endungen der 2. Person Singular und der 3. Person Präsens abgeleiteter Verben mit Stämmen auf -ā, -ē, -i sowie im auslautenden -ā bestimmter Adjektive, d. h. überhaupt in einigen Fällen, in denen nach einem langen Vokal j geschwunden ist. Nach Lindes Bestimmung haben die langen Vokale in diesen Endungen die dritte Länge („fallende“ nach Linde), z. B. in kūt (Lokativ), mazgā (2. Person Singular und 3. Person Präsens), labā (Nominativ Singular Femininum und Genitiv Singular Maskulinum); folglich unterscheidet sich Lindes Mundart in solchen Fällen von Schmidts Mundart.
Neuland erwähnt in seinem zweiten Aufsatz diese Beobachtung Lindes, ohne Einwände zu erheben, weshalb man annehmen kann, dass auch in Neulands Mundart die auslautenden langen Vokale in einer Nicht-Erstsilbe vor geschwundenem j dieselbe dritte Länge aufweisen.
Auch bei Endzelīns ist im lettischen Originaltext seines Aufsatzes die dritte Länge („fallend“ nach Endzelīns) sowohl in diesen Fällen als auch in einigen anderen gleichartigen Fällen bezeichnet, in denen bei Schmidt anhaltende Länge vorliegt, nämlich in den Formen bestimmter Adjektive auf -ās und in den Endungen des Dativs Plural auf -ām, -ēm. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Endzelīns, wie er selbst sagt, Schwierigkeiten hat, in einer unbetonten Silbe zwischen anhaltender und „fallender“ Aussprache zu unterscheiden; in einer Anmerkung weist er darauf hin, dass er nicht genau bestimmen kann, ob in den Endungen des Lokativs Singular der Substantive anhaltende oder „fallende“ Aussprache vorliegt, z. B. in namā, irē (im Aufsatztext bezeichnet er in diesen Fällen jedoch „fallende“ Aussprache, d. h. die dritte Länge). In der Mundart von Peleks hingegen weisen die langen Vokale in den Endungen des Lokativs Singular der Substantive Länge mit vollständigem Abbruch auf, z. B. in namā, lejā; dieselbe Länge in diesen Endungen ist auch Schmidt aus Mundarten bekannt, obwohl in seiner Heimatmundart, wie wir gesehen haben, in diesen Endungen anhaltende Länge vorliegt. Außer in diesen Fällen ist die Qualität der Länge in einer Nicht-Erstsilbe einfacher Wörter bei Peleks und Endzelīns (bei Letzterem im Aufsatztext selbst) auch in den Endungen der reflexiven Verbformen und Partizipien bezeichnet; bei Endzelīns außerdem in den Endungen
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des Lokativs Plural der Substantive, wobei in beiden Formen gerade Länge mit vollständigem Abbruch bestimmt ist; dieselbe Art von Länge liegt in diesen Fällen, wie ich sagte, auch in Schmidts Mundart vor.
Zur Bestimmung der Qualität der Länge in der Wurzelsilbe des zweiten Bestandteils nicht einfacher Wörter liefern Neuland, Linde und Peleks kein Material. Bei Endzelīns wird im lettischen Text seines Aufsatzes die Qualität der Länge der Wurzelsilbe im zweiten Bestandteil verschmolzener Wörter bezeichnet; in dieser Stellung finde ich bei Endzelīns jedoch nur Zeichen für anhaltende Länge und Länge mit vollständigem Abbruch, nicht aber ein Zeichen für die dritte Länge. Anhaltende Länge ist in dieser Stellung sowohl dort bezeichnet, wo der zweite Bestandteil eines verschmolzenen Wortes auch bei selbständigem Gebrauch dieselbe Länge der Wurzel aufweist, z. B. in atžīdams, als auch in den Fällen, in denen dieser Bestandteil, zumindest in morphologisch verschmolzenen Wörtern, für sich genommen bei selbständigem Gebrauch die dritte Länge aufweist, z. B. in pēslējās (vgl. slēju, Präteritum des Verbs slēt), izkŗīt (vgl. kŗītu, Präsens des Verbs krist); bei Schmidt bleibt in Fällen der zweiten Art, wie wir sehen, die dritte Länge erhalten. Länge mit vollständigem Abbruch in der Wurzelsilbe des zweiten Bestandteils verschmolzener Wörter ist bei Endzelīns dort bezeichnet, wo dieser Bestandteil als selbständiges Wort dieselbe Länge aufweist, z. B. in uzstājās (vgl. stāju), und wie wir sehen, liegt dieselbe Länge auch in Schmidts Mundart vor.36
Bislang habe ich auf den Gebrauch verschiedener Arten alter Länge in den livländischen Mundarten A und auf das Verhältnis dieser Arten zur alten Länge in den kurländischen Mundarten hingewiesen. Was die lettischen neuen Diphthonge und diphthongischen Verbindungen vor einem Konsonanten betrifft, die infolge des Verlusts eines kurzen Vokals nach j, v, einem Liquida- oder Nasalkonsonanten entstanden sind, so weisen sie in den kurländischen Mundarten, wie ich bereits sagte, sowohl in Erst- als auch in Nicht-Erstsilben Länge mit vollständigem Abbruch auf; auch neue Diphthonge am Wortende weisen in einem Teil der kurländischen Mundarten, wie wir gesehen haben, dieselbe Länge auf, während sie in den nordwestlichen Mundarten Kurlands exspiratorisch-fallende Qualität annehmen. In den livländischen Mundarten A liegt in allen Fällen die dritte Länge vor, die ausdrücklich bei Endzelīns, häufig bei Schmidt und vereinzelt bei Linde angegeben ist. Z. B. kurl. aūzas = livl. A aūzas (vgl. litauisch āvižos), kurl. birkauš (geschrieben birkaws), Genitiv birkava = livl. A birkāts, Genitiv birkava; kurl. dialektal naū = livl. A naū; kurl. gaŕs = livl. A gaŕs; kurl. naŕns = livl. A naŕns; kurl. arum̄s = livl. A arum̄s u. a. Die diphthongischen Verbindungen am Wortende, sowohl alte als auch neue, weisen auch in den livländischen Mundarten A, zumindest bei Schmidt und Neuland (siehe oben), wie in den kurländischen Mundarten exspiratorisch-fallende Qualität auf (bei Endzelīns unterscheidet sie sich, wie ich sagte, nicht von der dritten Länge, die er „fallende Aussprache“ nennt), z. B. in kur (alte diphthongische Verbindung), kām (neue diphthongische Verbindung).
Zu den livländischen Mundarten, die drei Arten von Länge in langen Vokalen, Diphthongen und diphthongischen Verbindungen unterscheiden, gehört auch jene Mundart, in der Krumberg seine Beobachtungen angestellt und deren Ergebnisse er mitgeteilt hat
36Auf S. 110 im Aufsatz von Endzelīns ist pazīt, also nach meiner Bezeichnung der Längenarten pazīt, statt des zu erwartenden pazīt (d. h. nach meiner Bezeichnung pazīt) gedruckt; es handelt sich jedoch um einen Druckfehler.
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Untersuchungen in mehreren Aufsätzen, die 1873 und 1881 im Magazin der Lettischen Literarischen Gesellschaft erschienen37, doch ist der Unterschied der drei Arten von Länge im Dialekt Krumbergs teils hinsichtlich des Gebrauchs, teils hinsichtlich der Natur nicht derselbe, wie er uns aus den livländischen Dialekten A bekannt ist.
Die Wissenschaft verdankt Krumberg den Hinweis, dass es in der lettischen Sprache drei Längen („Töne“), d. h. drei Arten von Länge, gibt; er veranlasste Neuland, Linde und andere, die drei lettischen Längen auch in anderen Dialekten zu beobachten. In den Überschriften von Krumbergs Aufsätzen wird 1873 als Wohnort des Verfassers und 1881 als dessen früherer Wohnort Valmērmuiža (Wolmarshof) in Livland genannt; in den Aufsätzen selbst hält Krumberg es jedoch nicht für nötig, die Orte, an denen er seine Beobachtungen anstellte, genau zu bestimmen, da er meinte, der von ihm angegebene Unterschied der drei „Töne“ sei der lettischen Sprache überhaupt eigen. Daher hielt er die Erörterungen Ulmanns über Tonunterschiede ebenso wie diejenigen Neulands in vielen Fällen für unrichtig und verfehlt. Übrigens dachten weder Neuland (im ersten Aufsatz) noch Linde an dialektale Unterschiede innerhalb der Sprache hinsichtlich der Arten der lettischen Länge.
Krumberg bestimmte in der lettischen Sprache die folgenden drei langen „Töne“: 1) den „alphabetischen Ton“: „Vocallaut, wie beim Lesen des Alphabets“, 2) den „steigenden Ton“: „vom alphabetischen Ton abschwenkend, wie beim Aufziehen einer angeschlagenen tönenden Saite sich etwas hinaufschwingend“, 3) den „fallenden Ton“, der kürzer ist: „vom alphabetischen Laut ausgehend zum Kurzlaut jäh abfallend und tonlos schliessend, wie beim plötzlichen vollen Nachlassen einer angeschlagenen tönenden Saite“.
Aus dem Vergleich der von Krumberg in sehr großer Zahl angeführten Beispiele mit den Beispielen bei Schmidt, Endzelīns, Neuland, Linde und Peleks ziehe ich folgende Schlüsse zum Verhältnis der drei Längenarten einerseits im livländischen Dialekt Krumbergs und andererseits in den livländischen Dialekten A. Zunächst betrachten wir die erste Silbe (d. h. die betonte Silbe) einfacher mehrsilbiger Wörter sowie einsilbige Wörter. Der „steigende Ton“ Krumbergs entspricht in dieser Stellung gewöhnlich hinsichtlich des Gebrauchs der Länge mit vollständiger Unterbrechung in den livländischen Dialekten A, unterscheidet sich von ihr aber vermutlich seiner Natur nach, da Krumberg bei der Bestimmung des „steigenden Tons“ die durch den Verschluss der Stimmbänder gebildete Unterbrechung nicht erwähnt. So ist beispielsweise in den folgenden Wörtern, deren erste Silbe in den livländischen Dialekten A eine Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweist, bei Krumberg ein „steigender Ton“ verzeichnet, den ich mit dem Zeichen ˇ bezeichne (dieselbe Bedeutung hat ˇ auch in Krumbergs Aufsätzen 38): āda, ārt, aūgt, aūst „weben“, bārt, bēgt, bīties, biaūt, bŭrbulis, bŭt, caūne, ceft, dēgs, defis, dēt, dzēdat, dzērt, dzīvs, ēst, gailis, gaīva, graūzt, grūzt, īgt, jāt, jaūns, jūsta, kāils, kāīns, kāuss, kaūt „erstechen, schlagen“, knēbt, krēls „Stuhl“, lācis,
37 Magazin. 1873. XV Band. Zweites Stück. 1881: XVI Band. Zweites Stück.
38 Im Wörterbuch Krumbergs wird anstelle des Zeichens ˇ ˘ verwendet; ich verwende dieses Zeichen nicht, weil ich mit ˇ die Palatalisierung der Konsonanten bezeichne.
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laist, lēt (die Länge mit vollständiger Unterbrechung ist in diesem Wort bei Linde und Endzelīns bezeichnet; bei Schmidt ist leēt ein Druckfehler anstelle von leēt, d. h. lēt, wie aus der von Schmidt angeführten Form der Vergangenheit hervorgeht: lēju, d. h. lēju), lētus, līt, lūks, mācēt, mērs, mīksts, mījzt, mīt „tauschen“, naids, nauda, nirt, paņnala, pēda, pētis, peit, pīt, plaņs, plaūkt, prēks usw. (weitere Beispiele siehe unten).
Nur selten finden sich Fälle, in denen der „steigende Ton“ in der ersten Silbe bei Krumberg der gedehnten Länge der livländischen Dialekte A entspricht; noch seltener entspricht der „steigende Ton“ in dieser Stellung vor einem Konsonanten (nicht in einsilbigen Wörtern, die auf einen Diphthong oder eine diphthongische Verbindung enden; siehe weiter unten) der dritten Länge der livländischen Dialekte A. Zu diesen Ausnahmen gehören beispielsweise: bau̯rīt bei bau̯rīt bei Neul., Endz., Schm.³⁹; dāvāt und dāvana, dāvāt bei E., Sch. und dāvana bei E.; gai̯nāt, gai̯nāt bei Sch.; grūt, grūt bei Sch.; krīts „Kreide“, krīts bei Pel. und Sch.; lēms, lēms bei Sch.; mānīt (vgl. mīt „tauschen“), mainīt bei E. und Sch.; smaīdīt, smaīdīt bei Sch.; slaūcītēs, slaūcit bei E., Sch.; tulīn, tūlin bei Sch.; lēvars, gegenüber lēvars (lāvars) bei Sch.; plaicēt, placēt bei E. und Sch.; rūns, rūns bei Sch.; rēkšava, rēšava bei Sch.; taūre, taūre bei Sch.; tūls, tūls bei Sch.
Diese Fälle sind im Allgemeinen gleichartig mit denjenigen, bei denen sich auch zwischen einzelnen livländischen Dialekten A Unterschiede in der Qualität der Länge der ersten Silbe desselben Wortes zeigen; Beispiele dafür habe ich oben angeführt. Hierher gehören unter anderem auch peidēt, raidīt, stīga bei Schmidt, gegenüber peidet, raidit, stīga bei Endzelīns; mit den letzteren stimmen auch peidē, raidīt, stīga bei Krumberg überein⁴⁰.
Einen andersartigen Ursprung hat der „steigende Ton“, den Krumberg in einigen Fällen bei einsilbigen Wörtern verzeichnet, die am Ende entweder einen Diphthong mit i oder u (alt oder neu) oder eine diphthongische Verbindung (alt oder neu) aufweisen; dies sind Fälle, in denen in den livländischen Dialekten A die dritte Länge bei Diphthongen mit i, u sowie eine expiratorisch-fallende Qualität der diphthongischen Verbindung auftritt. Beispielsweise in den Wörtern tai, jau, tēw, sēw, d. h. teū, seū (bei nau ist die Qualität des „Tons“ jedoch nicht bezeichnet), kuŗ, aŗ, uņ, taм (bei der 3. Person, die auf eine diphthongische Verbindung endet, z. B. waŗ, d. h. var, ist die Qualität des „Tons“ jedoch nicht bezeichnet).
Der „alphabetische Ton“ Krumbergs, den ich mit dem Zeichen ˉ bezeichne (dasselbe Zeichen verwendet Krumberg in seiner Wortliste), entspricht seiner Natur nach natürlich der gedehnten Länge der livländischen Dialekte A; der „fallende Ton“, den ich mit ` bezeichne (ˋ auch bei Krumberg in der Wortliste), ist seiner Natur nach gleichartig mit der dritten Länge der livländischen Dialekte A. Aufgrund der Definition, die Krumberg diesem Ton gibt (siehe oben), lässt sich zudem annehmen, dass er gerade die Länge mit unvollständiger Unterbrechung darstellt, d. h. mit zwei Gipfeln: Ein Ton, bei dem ein steiler Abfall, ein Fallen, hörbar ist, kann meines Erachtens wohl nur eine Länge mit zwei Gipfeln sein, einem Hauptgipfel am Anfang und einem Nebengipfel am Ende (obwohl Krumberg den zweiten Gipfel nicht erwähnt). Dem
39 Die Qualität der Länge der ersten Silbe in den von mir hier aus den livländischen Dialekten A angeführten Wörtern bezeichne ich so, wie sie bei Schmidt angegeben ist.
40 „Der steigende Ton“ ist bei Krumberg unter anderem in den Wörtern tēм, tām (tēm, tām), Dativ Plural, bezeichnet; die Qualität der Länge in diesen lokalen Formen aus den livländischen Dialekten A ist mir nicht bekannt (in den kurländischen Dialekten tēm, tām).
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Der Menge nach ist dieser „Ton“ bei Krumberg kürzer als die beiden anderen; vgl. bei Endzelīns die Bestimmung der Dauer der „fallenden Aussprache“. Hinsichtlich der Verwendung unterscheidet sich Krumbergs „alphabetischer“ und „fallender“ Ton jedoch von den ihnen ihrer Natur nach entsprechenden Arten der Länge in den livländischen Dialekten A, und zwar in der ersten Silbe einfacher Wörter und in einsilbigen Wörtern. Jeder dieser beiden „Töne“ tritt sowohl entsprechend der Dauerlänge als auch der dritten Länge der livländischen Dialekte A auf, je nach dem Unterschied in bestimmten Bedingungen also. Der Unterschied zwischen diesen Bedingungen (den ich erst spät entdeckt habe) ist ganz einfach, nämlich: Der „alphabetische Ton“ erscheint in der ersten Silbe einfacher Wörter und in einsilbigen Wörtern, entsprechend sowohl der Dauerlänge als auch der dritten Länge der livländischen Dialekte A, phonetisch dann, wenn der mit der einen oder der anderen Längenart entstandene Laut oder Lautkomplex vor einem stimmhaften Konsonanten steht, einem Geräuschlaut oder Sonoranten; bei Substantiven mit einem stimmhaften Konsonanten in der zweiten Silbe der Stämme wurde er auch auf die Nominativ-Singular-Form auf -s übertragen, wo der stimmhafte Konsonant, dem ein kurzer Vokal ausgefallen war, vor s stand und stimmlos wurde. Krumbergs „fallender Ton“ in der ersten Silbe einfacher Wörter und in einsilbigen Wörtern, entsprechend sowohl der dritten als auch der Dauerlänge der livländischen Dialekte A, tritt auf, wenn der mit der einen oder der anderen Längenart entstandene Laut oder Lautkomplex nicht vor einem stimmhaften Konsonanten steht, d. h. entweder vor einem stimmlosen Konsonanten (mit der oben genannten Ausnahme) oder am Ende eines einsilbigen Wortes. Diese Regel, die unter anderem auch für Lehnwörter gilt, habe ich anhand sämtlicher zahlreicher Beispiele überprüft, die Krumberg für die Unterschiede im „Ton“ anführt; eine einzige Ausnahme fand ich im Wort mēs „wir“, das aus irgendeinem Grund den „alphabetischen Ton“ aufweist, nicht den „fallenden“, wie wir nach der von mir angegebenen Regel erwarten würden, während jūs „ihr“ bei Krumberg den „fallenden Ton“ hat, der Regel entsprechend (in den livländischen Dialekten A und den kurländischen Dialekten mēs und jūs). Eine weitere Ausnahme wäre das Lehnwort drēskambaris mit „alphabetischem Ton“ vor einem stimmlosen Konsonanten (siehe Ullmanns Wörterbuch: drehskambaris, d. h. drēskambaris, „Dresskammer, Sakristei“); doch ist dieses Wort in dieser Lautgestalt von einem anderen Dialekt in den betreffenden Dialekt gelangt (aus der Kirchensprache). In Zusammensetzungen bleibt bei Krumberg der „fallende Ton“ des ersten Bestandteils auch dann erhalten, wenn dieser vor einem stimmhaften Konsonanten am Anfang des zweiten Bestandteils steht, oder, wie Wörter mit den präpositionalen Präfixen nì- (vgl. die Präposition nì = nū in den livländischen Dialekten A) und ē- (vgl. ē- bei Endzelīns und in einigen Fällen bei Schmidt; obwohl ē- in Schmidts Beispielen gewöhnlich und bei Endzelīns häufig) zeigen, auch vor stimmhaften Konsonanten, etwa in nì·vads, ēgaiva, ēgūt; deshalb schreibt Krumberg beispielsweise Vàczeme (obwohl er anmerkt, dass c hier wie d klingt), da vàcis nach der von mir angegebenen Regel demnach der Dauerlänge vor einem stimmlosen Konsonanten im Dialekt Schmidts entspricht (siehe bei Schmidt vâcēs). Der „alphabetische Ton“ im ersten Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes wird jedoch vor einem stimmlosen Konsonanten am Anfang des zweiten Bestandteils zu einem „fallenden“; zumindest,
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Das präpositionale Präfix rāg- (vgl. bei Schmidt die Präposition pā41), das vor einem Vokal und vor einem stimmhaften Konsonanten in dieser Form erhalten bleibt, erscheint vor einem stimmlosen Konsonanten als rāg-, zum Beispiel pārasmins, pārlūkūt, aber etwa pārkaras, pārteikt.
Zur Erläuterung der von mir angegebenen Regel für die Verwendung des „alphabetischen“ und des „fallenden Tons“ bei Krumberg in der ersten Silbe einfacher Wörter und in einsilbigen Wörtern führe ich einige Beispiele an; die entsprechenden Wörter der livländischen Dialekte A setze ich in Klammern.
1) „Alphabetischer Ton“:
alga (alga Neul., Endz., Schm.), aūzas (aūzas N., E., Schm.), bārda (bārda E., Schm.), bērzs, Gen. Sg. bērza (bērzs E., Schm.); bēzs, Gen. Sg. bēza (bēzs N., E., Schm.); brālis (brālis N., E., Schm.), būda (būda N., E., Schm.), cēms (cēms N., E., Schm.), cīrulis (cīrulis E., Schm.), dārzs, Gen. Sg. dārza (dārzs Linde, E., Schm.), dēvs, Gen. Sg. dēva (dēvs N., L., dēs, Gen. Sg. dēva, Schm.), draugs, Gen. Sg. drauga (draugs N., E., Schm.), dūmi (dūmi E., Schm.), dūbe (dūbe N., E., Schm.), dvīnis (dvīnis N., E., Schm.), dzērve (dzērve E., Schm.), ērms (ērms E., ārms Schm.), ērglis (ērglis E., Schm.), ēva (ēva N., E., Schm.), gādāt (gādāt E., Schm.), grīda (grīda N., E., Schm.), gūds, Gen. Sg. gūda (gūds N., E., Schm.), gūvs, Akk. Sg. gūvi (gūvs N., E., gūs, Akk. Sg. gūvi Schm.), īre (īre Schm.), īrēt (īret E.), jaūdāt (jaūdāt E., Schm.), jēga (jēga E., vgl. jēgt Schm.), jūra (jūra E., Schm.), kāja (kāja E., Schm.), kāūdze (kāūdze E., Schm.), kāūls (kāūls L., E., Schm.), krēvs (krēvs L., krēus, Gen. Sg. krēva Schm.), lāūdis (lāūdis E., Schm.), lēls „groß“ (lēls N., L., E., Schm.), līdz (līdz E., Schm.), māja (māja E., Schm.), mēgs, Gen. Sg. mēga (mēgs E., Schm.), mēnesis (mēnesis E., Schm.), mīlēt (mīlēt E., Schm.), nēvāt (nēvat E.), nēzēt (nēzēt.), pēns (pēns N., L., E., Schm.), plēns (plēnc Schm.), prēde (prēde E., Schm.), raibs, Gen. Sg. raiba (raibs N., L., E., Schm.), rāms (rāms E., Schm.), raūdzīt (raūdzīt Schm., raūdzītes E., vgl. acu raūgs N.), rūbs, Gen. Sg. rūba (rūbs L., E., Schm.), sārms (sārms E., Schm.), saūle (saūle E., Schm.), sērga (sārga Schm.), sēns (sēns N., E., Schm.), sēva (sēva L., E., Schm.), snēgs, Gen. Sg. snēga (snēgs N., E., Schm.), spārns (spārns E.), stāvēt (stāvēt Peleks, E., Schm.), straūme (straūme Schm.), sūds, Gen. Sg. sūda (sūds E., Schm.), skēle (skēle E., Schm.), sūni (sūni E., Schm.), tēvs (tēvs N., E.), tās, Gen. Sg. tāva, tirs (tīrs L., E., Schm.), ūgle (ūgle Schm.), ūla (ūla Schm.), vārds, Gen. Sg. vārda (vārds L., E., Schm.), vārna (vārna E., Schm.), vēgls (vēgls E., Schm.), vile „Borte“ (vile N., L., E., Schm.), vīli, Akk. Sg., P.), virs (virs L., E., Schm.), zāzds, Gen. Sg. zāzda (zāzds E., Schm.), zēma (zēma E.), zīle „Meise“ (zīle L., Schm.; bei E. ist für zīle keine Bedeutung angegeben), zīle „Eichel“ (zīle L., Schm. und zīle Schm.), zūbs, Gen. Sg. zūba (zūbs L., E., Schm.), zāvas, zāvāt (zāvas E., zāvātes Schm.).
2) „Fallender Ton“:
aūst „aufblühen“ (aūst N., P., Schm.), baiss (bālss E., Schm.), bārt (bārt N., L., E., Schm.), bērt (bērt N., L., Schm.), brēsma (brēsma E., Schm.), brēkt (N., L., E., Schm.), cēst (cēst E., Schm.), cūka (cūka E., Schm.), cūska (cūska E., Schm.), drāzt42 (drāzt E., Schm.),
41Doch pār in pārdōt bei Schmidt und bei Endzelīns.
42In solchen Fällen schreibe ich z, nicht s, entsprechend der Herkunft.
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drīkstēt (drīkstēt H., Э., Ш.), drūss (drūss H., Э., Ш.), dvēsele (dvēsele Э., Ш.), dzīt „treiben“ (dzīt Ш.), ēka (ēka Э., Ш.), ērce (ērce Ш.), ēsms (ēsms Э., Ш.), grēzt „drehen“ (grēzt Э., Ш. und grēzt Ш.), grūts (grūts Э., Ш.), gūt (gūt Ш.), īpaši (īpašs Э., Ш.), jēgt (jēgt Ш.), jūsu (jūs Э., Ш.), jūks (jūks H., Э., Ш.), kā „bald“ (kā H., Л., Э., Ш.), kārkls (kārkls Э., Ш.), kārt (kārt Л., Э., Ш.), kasēt „husten“ (kasēt Ш.), kāst „filtern“ (kāst Ш.), kaukt (kaukt H., Л., Э., Ш.), klēgt (klēgt Э., Ш.), kū (kū Ш.), krēpes „Mähne“ (krēpes H., Э., Ш.), krēsla „Dämmerung“ (krēsla H., Э., Ш.), kūsis (kūsis Ш.), lāpīt (lāpīt Э., Ш.), lēts (lēts Л., Э., Ш.), lēks (lēks Л., Э., Ш.), lēpa (lēpa H., Л., Э., Ш.), lēss (lēss Э., Ш.), lūpa (lūpa Э., Ш.), lūsis (lūsis H., lūsa Ш.), lūks „Bogen“ (lūks H., Л., Э., Ш.), lūks „Zwiebel“ (lūks H., Л., Ш.), māsa (Э., Ш.), māte (H., Л., Э., Ш.), mērkt (mērkt H., Л., Э., Ш.), mētāt (mētāt Э., Ш.), mēts (mēts Л., Э., Ш.), mēsa (mēsa Э., Ш.), mīt „trampeln, kneten“ (mīt Л., Э., Ш.), nākt (nākt Э., Ш.), nāsis (nāsis Э., Ш.), nēks (nēks H., Л., Э., Ш.), nū (nū H., П., Э., Ш.), pē (pē П., Э., Ш.), pēci (pēci Э., Ш.), pērkūns (pērkūns Э., Ш.), pērt (pērt H., Л., Э., Ш.), prāts (prāts Э., Ш.), pūst (pūst H., П., Э., Ш.), pūt (pūt H., П., Э., Ш.), rāt (Л., Э., Ш.), rēkt (rēkt Ш.), rēksts (rēksts Э., Ш.), rīkle (rīkle Э., Ш.), rīka (rīka Э., Ш.), sārts „Scheiterhaufen“ (sārts Л., Ш.), sēt (sēt Л., Э., Ш.), sēta „Zaun“ (sēta Э., Ш.), sēks (sēks Л., Э., Ш.), slēpt (slēpt Э., Ш.), slēt (slēt Ш.), spēks (spēks Э., Ш.), spēt (spēt Э., Ш.), strauts (strauts Ш.), sūkt (sūkt Л., Ш.), šķīt (šķīt Ш.), šūt (šūt Э., Ш.), tā „diese“ (tā Л., Ш.), tā „dessen“ (tā Л., Э., Ш.), tārps (tārps Л., Э., Ш.), tīks (tīks Л., Э., Ш.), trīset (trīset Ш.), trīt (trīt Э., Ш.), tūkstūts (tūkstūts Ш.), ūpis (ūpis Ш.), ūtrs (ūtris und ūtris Ш.), vākt (vākt Ш.), vārpa (vārpa Э., Ш.), vārti (vārti Э., Ш.), vērpt (vērpt Л., Э., Ш.), vērt (vērt Ш.), vētīt (vētīt Л., Э., Ш.), znūts (znūt Ш.), zūss (zūss Э., Ш.), zvēgt (zvēgt Э., Ш.), žūpa (žūpa Ш.).
In Einzelfällen finden sich der „alphabetische“ und der „fallende“ Ton in der ersten Silbe einfacher Wörter dort, wo aus den livländischen Mundarten A Länge mit vollständigem Abbruch bekannt ist. Z. B.: dēt, aber bei Ш. dēt (aus der literarischen Mundart); krāpt, aber bei Э. und Ш. krāpt; krēpāt, aber bei Ш. krāpat; rēva, aber bei Ш. rēva; siki, aber bei П. und Ш. sīks; skūpstīt, aber bei Ш. skūpstīt; vērgs, aber bei Ш. vārgs.
Bei neuen Diphthongen und diphthongischen Verbindungen vor -s im Nominativ Singular bezeichnet Krumberg die Qualität des „Tons“ nicht, und zwar unabhängig davon, ob diese Lautverbindungen in der ersten oder einer nicht ersten Silbe des Wortes stehen.
In Zusammensetzungen bewahrt bei Krumberg der zweite Bestandteil in der ersten Silbe diejenige Qualität der Länge („des Tons“), die ihm zukommt, wenn er als selbständiges Wort gebraucht wird.
In einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter (sowohl als Einzelwort als auch in Zusammensetzungen) ist bei Krumberg zumeist der „steigende Ton“ bezeichnet, d. h. jene Art der Länge, die der Länge mit vollständigem Abbruch in den livländischen Mundarten A entspricht, z. B. in abgeleiteten Verbalstämmen mit langem Vokal und mit ū, unter anderem auch vor j, in den Endungen der Reflexivform, in den Endungen des Lokativs Singular und Plural sowie in den Namen auf -āins, -ība (bei Schmidt -ība), -īce; in tūkstūts, yālūdze u. a.
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In den weit selteneren Fällen, in denen bei Krumberg in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter der „alphabetische und fallende Ton“ auftritt, sind die Bedingungen, von denen die Unterscheidung dieser beiden „Töne“ abhängt, dieselben wie bei ihrem Auftreten in der ersten Silbe; d. h. der „fallende Ton“ kann auch in einer nicht ersten Silbe nur vor einem stimmlosen Konsonanten und am Wortende vorkommen, der „alphabetische“ dagegen vor einem stimmhaften Konsonanten. Die einzelnen Fälle, in denen ich bei Krumberg in einer nicht ersten Silbe einfacher Wörter den „alphabetischen und fallenden Ton“ finde, sind folgende.
1) „Fallender Ton“ am Wortende: bei Diphthongen auf i in den Endungen des Dativs Singular von Substantiven, z. B. in sirdēi; vgl. bei Schmidt die dritte Länge in diesen Bildungen; bei langen Vokalen und bei ū vor der Vereinfachung von j mit anschließendem kurzem Vokal, in den Verbendungen der 2. Person Singular und der 3. Person Präsens, z. B. in runā, esē, dabū; vgl. bei Linde die dritte Länge in diesen Bildungen, bei Schmidt die anhaltende Länge (in den Endungen des Lokativs Singular bezeichnet Krumberg jedoch, wie ich sagte, den „steigenden Ton“, z. B. im Lokativ varā).
2) „Fallender Ton“ vor einem stimmlosen Konsonanten und „alphabetischer Ton“ vor einem stimmhaften Konsonanten: „fallender Ton“ des Diphthongs ē in den Namen auf -nēks, -ēts, -ētis, z. B. in irnēks, jātņēks, dēdēts, meitēts, sēvē tis, ferner in den Namen auf -ētīna, mārgretīna, moǧētīna; vgl. bei Schmidt die anhaltende Länge in den Namen auf -nēks, -ēc (s. oben); „alphabetischer Ton“ des Diphthongs ē in einigen Namen auf -ēns, in einer gewissen Abhängigkeit von der Qualität des „Tons“ in der vorhergehenden Silbe: Nach einer ersten Silbe mit „steigendem“ Ton zeigen die Namen auf -ēns bei Krumberg nämlich den „steigenden Ton“ des Diphthongs ē, wie der Vergleich des bei Krumberg ohne Bedeutungsangabe angeführten Wortes drāzēns aus drāst, d. h. drāzt, mit drāzēns „Hieb, Schelte“, grūdēns „ein Stoss“, jūdžēns zeigt; vgl. bei Schmidt die Namen auf -ēns und -ēns, wobei jedoch, wie wir gesehen haben, die Bedingungen, von denen in Schmidts Mundart die Unterscheidung der Qualität der Länge des Diphthongs ē in diesen Namen abhängt, nicht dieselben sind wie bei Krumberg (in Schmidts Mundart steht -ēns nach einer Silbe, die Länge mit vollständigem Abbruch hatte); „fallender Ton“ des Diphthongs ū in Partizipien Präsens auf -ūts, z. B. in vērdūts; vgl. bei Schmidt die anhaltende Länge des ū in diesen Bildungen; „fallender“ und „alphabetischer Ton“ des Diphthongs ū in Substantiven: akūts, vgl. akūc bei Schmidt, apūgs (bei Schmidt jedoch apūgs), sipūls; vgl. sipūls bei Schmidt; im entlehnten kāpūsts „Kohl“ (bei Schmidt jedoch kāpūsc). Nicht selten ist bei Krumberg die Qualität des „Tons“ bei Diphthongen vor einem Konsonanten in einer nicht ersten Silbe nicht angegeben, z. B. durchweg bei bestimmten Adjektiven auf -ajs; Beispiele für diphthongische Verbindungen vor einem Konsonanten in einer nicht ersten Silbe finde ich bei ihm nicht.
Zu den lettischen Mundarten, die drei Längenarten unterscheiden, gehören auch jene Mundarten, für die Sterste im ersten Teil seiner Grammatik der lettischen Sprache (187943) die Unterschiede zwischen drei Längenarten anhand einiger Beispiele bestimmt hat. Sterste sagt, dass die von ihm behandelten Längenarten in der „mittleren“ lettischen Mundart vorkommen; von der „mittleren Mundart“ aber, wie etwa auch
43 Sterstu Andreja Latweeschu walodas mahciba. Pirmā daļa. Etimologija. Rīgā un Tehrbatā.
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Bielenstein (Die Lett. Spr. I, S. 12 ff.) unterscheidet den Dialekt des „oberen Landes“, in Augszeme, und den Dialekt der sogenannten Tamniaken (Tāmenēki, Tāmnēki) in einem Teil des nordwestlichen Kurlands; dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Sterstes Angaben zu den Arten der Länge auf viele Mundarten des „mittleren“ Dialekts nicht zutreffen, die in dieser Hinsicht von anderen Forschern beschrieben wurden, von denen ich oben gesprochen habe. Ich bemerke, dass Sterste Beobachtungen über die drei Arten der Länge nur in einigen (oder einer) der Mundarten des „mittleren“ Dialekts anstellte, und zwar offenbar irgendwo in Livland.44. Bei langen Vokalen und Diphthongen unterscheidet Sterste ihrer Natur nach dieselben drei Arten der Länge (bei Sterste Arten des „Quantums“), die auch für die Mundarten bestimmt wurden, die ich livländische Mundarten A nenne, nämlich eine Dauerlänge mit gleichmäßigem Verlauf, eine „fallende“ Länge, bei der „die Stimme abnimmt“, und eine Länge „mit einem Stimmbruch innerhalb ihrer“, d. h. eine Länge mit vollständiger Unterbrechung; hinsichtlich der Diphthonge bemerkt Sterste dabei zweifellos fälschlich, dass sie alle einen kurzen zweiten Teil hätten. Sterstes Definition des „fallenden Quantums“ ist so beschaffen, dass sie sowohl auf eine einfache fallende Länge als auch auf eine Länge mit unvollständiger Unterbrechung und zwei Gipfeln angewandt werden kann; und Sterstes Beispiele für den Gebrauch dieser Länge weisen nicht darauf hin, dass es sich um eine einfache fallende Länge handelt, denn in den Fällen, in denen uns aus anderen Mundarten Diphthonge und diphthongische Verbindungen am Wortende mit einfacher fallender Länge (exspiratorisch fallend) bekannt sind, finden wir bei Sterste, wie weiter unten zu sehen sein wird, nicht das „Quantum“, das er „fallend“ nennt; daher ist es möglich, dass auch in Sterstes Mundart, ebenso wie in den Mundarten von Neyland, Linde und Schmidt (siehe oben), die dritte Länge, d. h. das „fallende Quantum“ bei Sterste, eine Länge mit unvollständiger Unterbrechung und zwei Gipfeln darstellt. Bei diphthongischen Verbindungen unterscheidet Sterste auf S. 5 nach dem „Quantum“ zwei Arten, nämlich diphthongische Verbindungen mit einer dauerlangen Liquida oder einem dauerlangen Nasal, d. h. mit Dauerlänge, und diphthongische Verbindungen mit einer kurzen Liquida oder einem kurzen Nasal. Auf S. 69 werden jedoch bei diphthongischen Verbindungen ohne Dauerlänge ihrerseits Verbindungen mit „fallendem Quantum“ und Verbindungen unterschieden, die jenes „Quantum“ aufweisen, das Sterste jedenfalls zu Unrecht als kurz bezeichnet; diphthongische Verbindungen der letzteren Art entsprechen ihrem Gebrauch nach, wie die Beispiele zeigen, jenen Diphthongen, die Länge („Quantum“) mit vollständiger Unterbrechung haben.
Die Unterschiede zwischen den drei Arten der Länge langer Vokale bei Sterste stimmen ihrem Gebrauch nach (soweit die vereinzelten von Sterste angeführten Beispiele ein Urteil erlauben) mit den entsprechenden Unterschieden langer Vokale in den livländischen Mundarten A überein. Bei Diphthongen und diphthongischen Verbindungen unterscheiden sich jedoch die beiden Arten der nicht dauerhaften Länge hinsichtlich ihrer Gebrauchsbedingungen von den entsprechenden Längen in den livländischen Mundarten A; deshalb betrachte ich Sterstes Mundart (oder Mundarten) getrennt von den Mundarten, die ich livländische Mundarten A nenne. Zunächst führe ich
44 Vgl. das oben von mir angeführte Zeugnis von Esdelins, wonach ihm aus den kurländischen Mundarten die dritte Länge („fallende Aussprache“ bei Esdelins) nicht bekannt ist.
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die von Sterste angeführten Beispiele für die drei Arten langer Vokale sowie für die Dauerlänge der Diphthonge und diphthongischen Verbindungen an; dabei bezeichne ich die Unterschiede in der Qualität der Länge mit denselben Zeichen, die ich bei den livländischen Mundarten A verwende (Sterste benutzt andere Zeichen).
Dauerlänge in der ersten Silbe und in einsilbigen Wörtern ist bei Sterste in folgenden Beispielen angegeben: tā ˈsieˈ, tā ˈ, dēlis ˈBrettˈ, vīle ˈSägeˈ, šūt, vaidi, lauks ˈFeldˈ, beigas, lēls ˈgroßˈ, ēla ˈEiˈ, puika (diese Beispiele siehe S. 4), spaļva, viļņa, spiņģts, rūpga, grūmba (S. 5), ē-, pē-, nū- (S. 13), pār ˈhinüber-ˈ (S. 35). In all diesen Fällen, mit Ausnahme von rūķīņи (L. E., Sch. rūkt, bei Sch. auch rūka ˈbrummtˈ), ist uns auch aus den livländischen Mundarten A Dauerlänge bekannt: tā, dēlis E., Sch., vīle, šūt (siehe oben); was dagegen pār- ˈhinüber-ˈ bei Sterste betrifft, vgl. pār ˈüberˈ bei Schmidt. Die Fälle, in denen Sterste Dauerlänge bei Vokalen in einer nicht ersten Silbe eines Wortes verzeichnet, weisen dieselbe Länge auch in Schmidts Mundart auf: Endungen bestimmter Adjektivformen, z. B. in laba, labas (S. 26); Endungen der 2. Pers. Sg. und der 3. Pers. Präs. abgeleiteter Verben, z. B. in tu mazgā, viņš mazgā (S. 45); die Endungen -ām und -āt der 1. und 2. Pers. Pl. Prät., z. B. in mazgājām, mazgājāt (S. 45); Substantive auf -ājs, -ējs (bei Sch. -ās, -ēs), im Gen. auf -āja, -ēja; Substantive auf -ēns (S. 14); (bei Sch. gibt es keine Beispiele, doch ist auch in seiner Mundart vor n ein langer Vokal mit Dauerlänge zu erwarten); rūķīņu, Akk. (S. 69; bei Sch. hat ī vor n des Wortbildungssuffixes, wie wir sehen, nach der ersten Silbe mit vollständiger Unterbrechung Dauerlänge); die Endung des Dat. Pl. -ēm (S. 69; vgl. bei Sch. -ām, -ēm; anstelle von -ēm hat er eine andere Endung, -im).
Länge mit vollständiger Unterbrechung bei Vokalen der ersten Silbe und in einsilbigen Wörtern ist bei Sterste in folgenden Beispielen angegeben: tā ˈsoˈ, dēls ˈSohnˈ, vīla ˈbetrogˈ, žūt (Druckfehler bei Sterste), tālumā. Vgl. dieselbe Länge in den livländischen Mundarten A (entsprechend dem ˈsteigenden Tonˈ bei Krumberg): tā ˈsoˈ L., E., Sch. (tā K.), dēls (siehe oben), vīlu, vīli, vīla und vīle Sch., P., L., N. (vīle K.), žūt L., E., Sch. (žūt K.), tāiš, tāis, tāiu E., Sch., P. (tāiš, tāi, tāiu K.). In einer nicht ersten Silbe des Wortes ist Länge mit vollständiger Unterbrechung bei Verben von Sterste verzeichnet: in der Endung der 3. Pers. Prät. der reflexiven Form, z. B. in mazgajās (S. 45); vgl. dieselbe Länge in den Endungen der reflexiven Form bei Peleks, Endzelins und Schmidt; in den Endungen des Lok. Sg., z. B. in tālumā (S. 69); vgl. Länge mit vollständiger Unterbrechung in diesen Fällen bei Peleks und den steigenden Ton bei Krumberg (Sterste weist demnach, ebenso wie Krumberg, einen Unterschied in der Qualität der Vokallänge vor der Vereinfachung von j in den Endungen des Lok. Sg. einerseits und andererseits in den Endungen der 2. Pers. Sg. und der 3. Pers. Präs. abgeleiteter Verben auf, z. B. in den Formen mazgā (siehe oben).
Für die „fallende Qualität“, d. h. die dritte Länge der Vokale in der ersten Silbe von Wörtern und in einsilbigen Wörtern, sind bei Sterste folgende Beispiele angegeben: tā Gen. Sg., mēle ˈZungeˈ, vīle ˈSaumˈ, grūzis ˈSchlundˈ. Das letzte Wort ist mir aus den livländischen Mundarten A nicht bekannt; die ersten drei weisen diese Länge jedoch auch in diesen Mundarten auf
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Die dritte Vokallänge (siehe oben). In nicht erstsilbiger Stellung ist die dritte Vokallänge der Vokale bei Sterszte nicht angegeben; auch bei Schmidt kommt diese Länge in nicht erstsilbiger Stellung in einfachen Wörtern nicht vor (siehe oben).
Was die Verwendung von Diphthongen mit nicht anhaltender Länge (d. h. sowohl mit vollständiger Unterbrechung als auch mit dritter Länge) bei Sterszte betrifft, ist Folgendes zu bemerken:
1) Diphthonge mit dritter Länge stehen in allen Beispielen bei Sterszte vor einem stimmhaften Konsonanten;
2) Diphthonge mit vollständiger Unterbrechung stehen in allen Beispielen außer einem, das für sich genommen nicht eindeutig wäre (nämlich ūiš), vor einem stimmlosen Konsonanten; dabei ist die Länge mit vollständiger Unterbrechung in den meisten dieser Beispiele aus der dritten Länge in dieser phonetischen Stellung hervorgegangen;
3) Das Wort jau schreibt Sterszte als jaw und bestimmt auf S. 69 den Endlaut als Konsonanten ɥ(v). Folglich wird hier in Endstellung der Diphthong aɥ, der im Dialekt Schmidts dritte Länge aufweist (jaɥ), entweder tatsächlich zu av verändert oder klingt wie ein expiratorisch-fallender Diphthong mit kurzem ɥ (vgl. das oben Gesagte).
Für Diphthonge mit dritter Länge („mit fallender Qualität“) in der Stellung, wie gesagt, vor einem stimmhaften Konsonanten, gibt Sterszte folgende Beispiele: gaida, gaitži, beidzu, ēla, ūla „acis grūza“, plūnit (S. 4), āpnu (S. 5), aiž (S. 69). Diejenigen dieser Wörter, die mir aus den livländischen Dialekten A bekannt sind, weisen auch hier dieselbe Länge auf, nämlich: gaūži E., Sch., beidzu, beigt N., L., E., Sch., ēla E., Sch., āpnu, aūt E., Sch., aiž N., E., Sch. zu gaida bei Sterszte, vgl. gaidīt bei Sch.
Die Länge mit vollständiger Unterbrechung in Diphthongen ist bei Sterszte in folgenden Fällen verzeichnet: gaīta, lauks „mit einer kahlen Stelle auf dem Kopf“ (von Tieren), beigt, ēl, ūls „zeme“ (nämlich „Kalkstein“), suīka „suņa vārds“ (S. 4), beigts, aūts (S. 5), prūtu, jūtu (S. 9). Für die Wörter suīka, jūtu ist mir die Qualität der Länge aus den livländischen Dialekten A bei Sterszte nicht bekannt; ēl hat dieselbe Länge auch in den livländischen Dialekten A (siehe oben), während diese Dialekte bei den übrigen von Sterszte angeführten Wörtern dritte Diphthonglänge aufweisen: gaīta Sch., lauks N., L., P., Sch., ūlis Sch. (vgl. auch ūlis bei Krumberg mit „Alphabetton“), aūt (siehe oben), prūtu Sch.
Somit verändern sich im Dialekt von Sterszte Diphthonge mit dritter Länge, die diese Längeneigenschaft vor stimmhaften Konsonanten bewahren, vor stimmlosen Konsonanten zu Diphthongen mit vollständiger Unterbrechung („mit Veränderungen im Inneren“, nach Stersztes Definition)45. Daher bezeugt ūls bei Sterszte gegenüber ūlis bei Schmidt meines Erachtens, dass l vor dem stimmlosen Konsonanten š in diesem Dialekt seine Stimmhaftigkeit nicht bewahrt, sondern sich zu einem stimmlosen (oder halbstimmhaften?) Konsonanten verändert. Sterszte nimmt mit Blick auf Fälle wie āpnu, beidzu gegenüber aūts, beigts an, dass die Veränderung der „fallenden Quantität“ (d. h. der dritten
45 Aus denselben Gründen erwähne ich hier nochmals das oben besprochene Phänomen des Dialekts von Drusti, nämlich den Quantitätsunterschied beispielsweise zwischen au in draūga, mit 3 Moren, und au in draūgs, d. h. in der Aussprache drauks, mit 2 Moren nach Endzelīns.
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Die Länge) wird hier durch den Einfluss der Konsonantengruppe am Silbenende bedingt; eine solche Erklärung wäre jedoch beispielsweise auf gaīta, prūtu anstelle von gaīta, prūtu nicht anwendbar. Diphthonge mit dritter Länge stehen in allen Beispielen bei Sters(t)e, wie ich sagte, vor einem stimmhaften Konsonanten; daher könnte sich die Frage stellen, ob es in dieser Mundart vor stimmhaften Konsonanten eine Veränderung von Diphthongen mit vollständiger Unterbrechung zu Diphthongen mit dritter Länge gibt. Aufgrund der Erscheinungen, die die nichtgedehnten diphthongischen Verbindungen bei Sters(t)e zeigen, muss man jedoch annehmen, dass Diphthonge mit vollständiger Unterbrechung in dieser Mundart unverändert bleiben, unter anderem auch vor stimmhaften Konsonanten (obwohl Sters(t)e leider keine Beispiele dafür gibt). Bei den nichtgedehnten diphthongischen Verbindungen unterscheidet Sters(t)e, wie ich sagte, „abfallende Quantität“ (d. h. dritte Länge) und „kurze Quantität“; und ebenso wie Diphthonge mit „abfallender Quantität“, d. h. mit dritter Länge, diese Längenqualität in der Mundart von Sters(t)e vor stimmlosen Konsonanten verändern, bewahren auch diphthongische Verbindungen mit „abfallender Quantität“ vor stimmlosen Konsonanten diese Längenqualität in dieser Mundart nicht, sondern verändern sie in jene Art von Länge, die bei Sters(t)e nicht bestimmt und fälschlich „kurze Quantität“ genannt wird (obwohl die Quantität der gesamten diphthongischen Verbindung selbstverständlich nicht kurz ist). Dieselbe „kurze Quantität“ weisen bei Sters(t)e diphthongische Verbindungen vor stimmlosen und stimmhaften Konsonanten auf, auch in den Fällen, in denen ihnen in den livländischen Mundarten A diphthongische Verbindungen mit vollständiger Unterbrechung entsprechen. Für diphthongische Verbindungen mit „abfallender Quantität“, d. h. mit dritter Länge, führt Sters(t)e ein Beispiel an, nämlich dzird (S. 69), also vor einem stimmhaften Konsonanten; dieselbe Länge hat dieses Wort auch in den livländischen Mundarten A: dzirdēt E., Š.
Diphthongische Verbindungen mit „kurzer Quantität“ vor einem Konsonanten sind bei Sters(t)e in folgenden Fällen angegeben: zirgs, pils, mans, nams (S. 5); tumšt, kalnēm (S. 69). Die Wörter zirgs und kalnēm, Dativ Plural (in diesem Wort steht die diphthongische Verbindung vor einem stimmhaften Konsonanten), weisen in den livländischen Mundarten A Länge mit vollständiger Unterbrechung auf; in den übrigen Beispielen bei Sters(t)e sind diphthongische Verbindungen mit „kurzer Quantität“ vor einem stimmlosen Konsonanten aus diphthongischen Verbindungen mit „abfallender Quantität“, d. h. mit dritter Länge, entstanden: tumšt, vgl. tūmša bei Endzelīns; in pils, mans, nams dagegen liegen neue diphthongische Verbindungen vor s vor, die in den livländischen Mundarten A, wie wir sehen, dritte Länge aufweisen (pīls, māns, nāms). „Kurze Quantität“ findet Sters(t)e auch in einer diphthongischen Verbindung am Wortende, beispielsweise tur „dort“ (S. 69). Zu bemerken ist jedoch, dass Sters(t)e die „kurze Quantität“ diphthongischer Verbindungen nicht von der kurzen Quantität der Silben mit einem kurzen einzelnen Vokal unterscheidet; so behandelt er beispielsweise neben tumšt, tur auch die Silben gri und ma im Wort grima.
Die oberlettische Mundart unterscheidet sich nach den Angaben von Sters(t)e (S. 2 und 4) von der mittellettischen in der Verwendung der Längenarten („Quantitäten“), und zwar tritt oberlettische gedehnte Länge in den Fällen auf, in denen die mittellettische Mundart sowohl Länge mit vollständiger Unterbrechung als auch Länge mit „Stoß“ aufweist, während
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die oberlettische Mundart der gedehnten Länge der mittellettischen Mundart entsprechend Länge mit vollständiger Unterbrechung und Länge mit „Stoß“ aufweist. Sters(t)e gibt jedoch weder Beispiele an noch nennt er die Orte (in Livland? oder auch in Kurland?), an denen er seine Beobachtungen zu den Längenarten der oberlettischen Mundarten angestellt hat. Nach den Berichten von Peleks und Endzelīns gibt es im östlichen Livland, beispielsweise in Cēsvaine, Bērzūne (nach Peleks und Endzelīns), Vestēna, Vētalva, Landūna (nach Endzelīns), also im Gebiet der oberlettischen Mundart, Mundarten mit zwei Längenarten: gedehnter Länge und Länge mit „Stoß“, nach der Definition von Peleks; „fallender Aussprache“, nach Endzelīns, d. h. Länge, die ihrem Wesen nach der dritten Länge der livländischen Mundarten A entspricht. Peleks folgert, dass in diesen ostlivländischen Mundarten in den Fällen, in denen die weiter westlich gelegenen, von mir Mundarten A genannten Mundarten Länge mit vollständiger Unterbrechung aufweisen, gedehnte Länge auftritt (vgl. Sters(t)e), wenn auch nicht so lang wie in den livländischen Mundarten A; der gedehnten Länge der livländischen Mundarten A entspricht in diesen ostlivländischen Mundarten Länge mit „Stoß“, wenn auch nicht mit einem so starken wie in den livländischen Mundarten A; schließlich bleibt die Länge mit „Stoß“ der livländischen Mundarten A in diesen ostlivländischen Mundarten entweder erhalten oder verändert sich zu gedehnter Länge. Peleks gibt keine Beispiele an. In Übereinstimmung mit Peleks (vgl. denselben Sters(t)e) weist auch Endzelīns, der ebenfalls keine Beispiele anführt, darauf hin, dass anstelle der „Aussprache“ mit vollständiger Unterbrechung in den anderen livländischen Mundarten, die ich Mundarten A nenne, in diesen ostlivländischen Mundarten eine „gedehnte“ Aussprache auftritt („seviški“, „vorwiegend“).
Zum Abschluss dieses Überblicks über die Unterschiede zwischen den Längenarten, die bislang für verschiedene lettische Mundarten beschrieben worden sind, führe ich eine Beobachtung an, die Herr Vēlme mir über eine der Mundarten Nordlivlands mitgeteilt hat.
„In der Gemeinde Rūjiena (Rūjene) in Livland hat die lettische Sprache lange Vokale und Diphthonge nur in Stammsilben46. In allen Suffixen und Endungen werden lange Vokale und Diphthonge mit Ausnahme von ai um eine Mora gekürzt, sodass sie zu kurzen Vokalen geworden sind, während die alten kurzen Vokale vollständig verschwunden sind; dabei wurde ū zu u und ī47 zu e, z. B. Lokativ Plural tirumus statt tirumīs, mazgates statt mazgātis, meits statt meitas, Genitiv und Akkusativ Plural. Was die Unterschiede in der Tonqualität betrifft, so werden bei den Diphthongen drei Qualitäten unterschieden. Es gibt Diphthonge mit langem zweitem Teil und Diphthonge mit kurzem zweitem Teil; bei den letzteren kann zwischen den beiden Teilen des Diphthongs eine Unterbrechung des Luftstroms auftreten. Dies geschieht jedoch nur, wenn ein stimmhafter Konsonant folgt; vor einem stimmlosen Konsonanten gibt es keine Unterbrechung. Bei langen Vokalen konnte ich diese letzte Tonqualität nicht feststellen. Zum Beispiel māizi, Akkusativ Singular von māize, und maisi, Nominativ Plural von maiss.“
(Fortsetzung folgt*)
46 Und natürlich auch in Präfixen, d. h. allgemein unter dem Hauptakzent.
47 D. h. in meiner Schreibweise ē.
* Kommentare und Anmerkungen sollen am Ende der gesamten Publikation gedruckt werden.
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