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Continuous Terminological Work as a Base and Precondition in the Development of the Standard Language

Rein Kull

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXI (1994) FRAGEN DER SPRACHNORMIERUNG REIN KULL KONTINUIERLICHE TERMINOLOGIEARBEIT ALS VORAUSSETZUNG UND GRUNDLAGE EINER ENTWICKELTEN SCHRIFTSPRACHE Damit die Schriftsprache alle wichtigen Funktionen erfüllen und die Aufgaben einer Staatssprache erfolgreich bewältigen kann, muss sie ein angemessenes Entwicklungsniveau sowie einen reichen und vielseitigen Wortschatz aufweisen. Als vollwertige Nationalsprache kann die Schriftsprache dann fungieren, wenn sie in der Lage ist, die anspruchsvollen Aufgaben einer Hochschul- und Wissenschaftssprache zu erfüllen. Die Voraussetzungen dafür schafft eine kontinuierliche und zielgerichtete Terminologiearbeit. Die estnische Schriftsprache erfüllte die Aufgaben einer Staatssprache während der Existenz der Republik Estland in den Jahren 1918–1940, genauer im Zeitraum 1920–1940, denn 1918 und 1919 waren Jahre der Besatzung, des Machtwechsels und des Krieges. Erst nach dem am 2. Februar 1920 mit Sowjetrussland geschlossenen Frieden von Tartu konnte Estland sich unter den Bedingungen der Eigenstaatlichkeit frei entwickeln und die estnische Sprache beginnen, die Aufgaben einer Staatssprache zu erfüllen. Ein sehr wichtiger Faktor dabei war die Umstellung der Hochschulbildung auf Estnisch und der rasche Ausbau einer estnischsprachigen Fachterminologie für zahlreiche Fachgebiete. Et eesti kirjakeel 1920. aastail suhteliselt kiiresti suutis hakata täitma kõiki riigikeele ülesandeid, selleks kujunesid vajalikud eeltingimused pika aja jooksul nii meie kirjakeele üldise arenemiskäigu, rahvahariduse, rahvusliku eneseteadvuse tõusu näol ja ka sotsiaal-majanduslike tingimuste tõttu. Nimetagem siin selliseid olulisi lähte-eeldusi, nagu eesti kirjakeele kujunemisprotsess ja kirjasõna areng alates 16. sajandist, rohkem kui 300 aasta pikkune eesti rahvakooli ajalugu, eestikeelse ajakirjanduse pikaajalised traditsioonid: esimene eestikeelne perioodikaväljaanne 1755, pidevamalt ilmuv eestikeelne ajakirjandus alates 19. sajandi alguskümnendeist, eestikeelse populaarteadusliku ja erialasema kirjanduse, samuti eestikeelsete kooliraamatute väljaandmine ja vastava sõnavara kujunemine ligikaudu samast ajast alates, rahvuslik ärkamisaeg oma suurüritustega möödunud sajandi teisel poolel, püüdlused eestikeelse kesk- ja kõrghariduse poole möödunud sajandi lõpu- ja käesoleva sajandi alguskümnendeil, eesti kirjakeele ühtlustamis- ja normimistaotlused nii juba möödunud sajandi 70-ndatel aastatel kui ka eriti alates käesoleva sajandi esimese kümnendi lõpust. Kõik see valmistas ette pinna eesti keele kui rahvuskeele kõigekülgsele väljakujunemisele. Eine wichtige Voraussetzung für eine entwickelte Schriftsprache und ihre Funktion als Staatssprache ist das Vorhandensein muttersprachlicher Fachterminologie in allen denkbaren Bereichen. Und je weiter das Jahrzehnt fortschreitet, desto wichtiger wird die Terminologieleksik für die modernen Schriftsprachen. 5ª 67 Die Anfänge der Herausbildung einer estnischsprachigen Fachterminologie reichen auf manchen Gebieten mehrere Jahrhunderte zurück. Eine kontinuierlichere und umfassendere Entwicklung des estnischsprachigen Fachwortschatzes lässt sich seit den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts in Form estnischsprachiger Schulbücher, populärwissenschaftlicher Druckwerke und fachlicherer Literatur verfolgen. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ist bereits eine bewusstere Tätigkeit zur Entwicklung einer estnischsprachigen Fachterminologie festzustellen – zu nennen sind hier die Aktivitäten von Persönlichkeiten der Nationalbewegung, Intellektuellen und Wissenschaftlern wie Fr. R. Kreutzwald, C. R. Jakobson, J. Kunder, J. Kurrik, K. A. Hermann, P. Hellat u. a. Bis zur Jahrhundertwende gingen die Beteiligten bei der Schaffung und Gestaltung muttersprachlicher Fachbegriffe jedoch noch jeweils für sich und individuell vor. Ab dem Ende des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts wurde sowohl bei der Normierung der Schriftsprache als auch bei der Entwicklung des Fachwortschatzes konsequenter und planmäßiger gearbeitet, und diese Arbeit nahm kollektiven Charakter an. Bei der Festlegung der Grundlagen der modernen estnischen Schriftsprache und ihrer allgemeinen Normierung spielten vier aufeinanderfolgende Konferenzen zur Normierung der Schriftsprache in den Jahren 1908, 1909, 1910 und 1911 eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse dieser Arbeit spiegeln sich im 1918 erschienenen estnischen Rechtschreibwörterbuch wider; später wurde diese Richtung durch das dreibändige orthologische Wörterbuch (EÕS 1., 2., 3., 1925, 1930, 1937) und das kleine Wörterbuch der korrekten estnischen Sprache von E. Muuk (10 Auflagen, 1933–1946) sowie durch estnische Schulgrammatiken gründlicher und vertiefter fortgesetzt. Die bewusste kollektive Arbeit an der Schaffung und Ordnung des estnischen Fachwortschatzes in verschiedenen Terminologiekommissionen und Arbeitsgruppen begann im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Als Ergebnis solcher Aktivitäten erschienen ab 1909 nacheinander verschiedene terminologische Wörterbücher: 1909 auf dem Gebiet der Mathematik, 1911 der Geografie, 1914 der Medizin, des Militärwesens und der Chemie (zwei Fachwörterbücher), 1917 die Bezeichnungen estländischer Pflanzen und 1919 ein Fachwörterbuch auf dem Gebiet der Physik. Im Zeitraum 1909–1919 erschienen neun terminologische Wörterbücher mit insgesamt etwa 10.000 Termini. Einen besonderen Aufschwung nahm die Vereinheitlichung der estnischsprachigen Terminologie und die Zusammenstellung terminologischer Wörterbücher, nachdem die Republik Estland gegründet worden war und an der Universität Tartu begonnen wurde, verschiedene Fachgebiete auf Estnisch zu lehren. Dies konnte natürlich nicht schlagartig geschehen, sondern nur schrittweise, sodass einige Fachvorlesungen noch eine Zeit lang von ausländischen Professoren auf Deutsch oder Russisch gehalten wurden. Dennoch ging es recht rasch, ermöglicht durch die fruchtbare Arbeit an der Schaffung und Entwicklung muttersprachlicher Fachterminologie für zahlreiche Wissenschaftsgebiete. In den Jahren 1920–1940 erschienen als Ergebnis dieser regen und wirksamen Terminologiearbeit mehr als 40 Fachwörterbücher, die meisten davon in Tartu. Insgesamt enthielten sie annähernd 200.000 Fachwörter. In den an der Universität Tartu tätigen Terminologiekommissionen wurde eine solide Grundlage für die systematische Terminologie zahlreicher Wissenschaftsgebiete gelegt, etwa der Botanik, Zoologie, Geologie, Medizin, Rechtswissenschaft und weiterer Fachgebiete. Besondere Verdienste um die Schaffung und Entwicklung der modernen estnischsprachigen Wissenschaftsterminologie gebühren dem Sprachwissenschaftler J. V. Veski, der sich aktiv und erfolgreich an der Arbeit aller zwischen 1920 und 1940 an der Universität Tartu tätigen Terminologiekommissionen sowie an der Tätigkeit mehrerer weiterer Fachwortschatzkommissionen beteiligte. Von großer Bedeutung ist dabei nicht nur 68 Nicht nur die von J. V. Veski unter tatkräftiger Mitwirkung geordnete Menge muttersprachlicher Termini (über 180.000 Fachwörter), sondern auch sein schöpferischer Zugang zu dieser Arbeit sowie die vielseitige und einfallsreiche Nutzung des vorhandenen Sprachmaterials und der Möglichkeiten des Estnischen schufen eine gute Grundlage für die vielseitige spätere Entwicklung der estnischsprachigen Terminologie. Die terminologische Tätigkeit und die Vereinheitlichung der Terminologie wurden in Estland auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Im Zeitraum 1945—1990 erschienen etwa 130 verschiedene terminologische Wörterbücher als selbstständige Publikationen. Darüber hinaus wurde vereinheitlichte Terminologie sowie eine Vielzahl von Spezialwörterbüchern auch in Fachzeitschriften, Informationsbulletins und methodischen Publikationen sowie als Anhänge zu Fachbüchern veröffentlicht. Die Ergebnisse der Terminologiearbeit finden sich auch in zahlreichen Bestimmungsbüchern für Pflanzen, Vögel, Insekten, Pilze u. a., aber ebenso in solchen umfangreichen Fachpublikationen wie der elf Bände umfassenden „Flora der Estnischen SSR“, der siebenbändigen Reihe „Leben der Tiere“ u. a. Terminologie verschiedener Fachgebiete enthält auch die „Estnische Sowjetenzyklopädie“, sowohl die 1. als auch die derzeit in Arbeit befindliche 2. Auflage, ebenso das „Wörterbuch der richtigen Sprache“ (1976 ff.). Ein unmittelbares Verfahren zur Vereinheitlichung der Terminologie war die Ausarbeitung republikanischer Terminologiestandards (bisher sind es annähernd 70). Diese kontinuierliche, über Jahrzehnte geleistete Arbeit an der Gestaltung und Entwicklung des estnischen Terminwortschatzes hat die lexikalische Vielseitigkeit und das Potenzial der estnischen Schriftsprache gewährleistet. Dies ist im Hinblick auf die Erfüllung sämtlicher Funktionen der Schriftsprache von großer Bedeutung und ermöglicht es ihr, auch die Aufgaben einer Staatssprache zu erfüllen. Während des Bestehens der unabhängigen Republik Estland (1918—1940) erfüllte die estnische Sprache erfolgreich die Aufgaben einer Staatssprache; wie wir gesehen haben, wurde dies in hohem Maße durch intensive und vielseitige Terminologiearbeit gewährleistet. Sisuliselt täitis eesti keel riigikeele ülesandeid suurel määral ka pärast 1940. aastat nõukogude võimu aastatel. Kahjuks on üheülgne suurriiklik majandus- ja rahvuspoliitika (tootmise ekstensiivareng, sellega kaasnev tugev migratsioon ja demograafilise situatsiooni halvenemine, vene keele mõju ja eelisseisundit tugevdanud riiklikud erinõud jm.) viimastel aastakümnetel negatiivselt mõjunud ja ahendanud eesti rahvuskeele loomulikke funktsioone. Eriti halvavalt arenes see protsess 1970. ja 1980. aastatel. Kõige selle tagajärjel on viimastel aastatel järsult halvenenud üldkasutatava eesti keele tase, kujutades endast praegu tõsist probleemi. Seetõttu tuli hakata eesti keele õigusi otsustavalt kaitsma ning osutus vajalikuks vastu võtta ja kehtestada keeleseadus. Pärast pingelist tööd ja politiseeritud õhkkonnas selle seaduse kehtestamise ümber käinud võitlust (muulaste poolt esitatud süüdistused ebademokraatlikkuses, nende õiguste diskrimineerimises jms.) võeti keeleseadus jaanuaris 1989 lõpuks vastu ning see jõustus 1. veebruarist 1989. Oma loomult oli see seadus eesti keele kaitse seadus. Vaatamata teatud raskustele selle seaduse saamise ja vastuvõtmise protsessis ja mõningatele vajakajäämistele mõnedes selle akti sätetes (vene keele just nagu eriline seisund teiste keelte seas peale eesti keele kui riigikeele, mõningate paragrahvide rakendumise ebareaalne tähtaeg, nimetarvituse reguleerimisega seotud küsimused jms.) sai sellest eesti 60 Ein gutes und notwendiges Gesetz im Hinblick auf die Zukunft der Sprache. Das Gesetz legte bestimmte Anforderungen sowohl an Institutionen als auch an Amtsträger fest, führte klare Sprachkenntnisanforderungen für bestimmte Beschäftigtengruppen ein und präzisierte diese später; außerdem wurde ein Verfahren zur Umsetzung dieser Anforderungen ausgearbeitet. Das Sprachgesetz schuf die notwendigen Voraussetzungen, um den Status und die tatsächliche Lage des Estnischen zu verbessern. Die Einhaltung dieses Gesetzes war jedoch nicht hinreichend gewährleistet, da ein angemessener Überwachungsmechanismus zur Kontrolle seiner Umsetzung fehlte. Die beim Präsidium des Obersten Rates eingerichtete besondere Sprachschutzkommission konnte als gesellschaftliches Organ nicht sicherstellen, dass unser Sprachgesetz überall und von allen eingehalten wurde. In jüngster Zeit hat man versucht, diese Situation durch einige Maßnahmen zu verbessern. Das Inkrafttreten und die Umsetzung unseres Sprachgesetzes haben dennoch viel Positives bewirkt. Es hat sich günstig auf das Sprachenlernen ausgewirkt; man begann, rasch verschiedene Lehrmittel, Wörterbücher, Sprachführer u. a. zusammenzustellen und herauszugeben. In der Terminologiearbeit hat all dies zwar keine wesentlichen inhaltlichen Veränderungen mit sich gebracht, doch ist der Umfang der Terminologievereinheitlichung stark gewachsen. Auch in den Fachgebieten, in denen die Ordnung des estnischsprachigen Fachwortschatzes lange Zeit vernachlässigt worden war, begann man, den Fachwortschatz zu vereinheitlichen, etwa in der Textilindustrie, der Leichtindustrie, im Eisenbahnverkehr und weiteren Bereichen. Es wurden Schritte unternommen, damit Estnisch als Staatssprache in allen Lebensbereichen verwendet werden kann und Verwaltung, technische Dokumentation, Handelssprache (Etiketten, Gebrauchsanweisungen für Produkte usw.) u. a. den Anforderungen des Sprachgesetzes entsprechen. Die Verabschiedung des Sprachgesetzes bei uns in Estland und auch in den anderen Republiken der Sowjetunion schuf die notwendigen Voraussetzungen für die allseitige Entwicklung der Nationalsprachen und ihre Verwendung in der Rolle einer Staatssprache. Leider hat das unionsweite Sprachgesetz, das der Oberste Sowjet der UdSSR am 24.04.90 verabschiedete (Закон о языках народов СССР), diese Sprachgesetze und ihre positive Wirkung blockiert; als großmachtstaatlicher Akt hat es die mit den Sprachgesetzen der Republiken erzielten Ergebnisse in vielerlei Hinsicht zunichtegemacht. Es ist deutlich geworden, dass der vollberechtigte Status der Nationalsprachen und ihre tatsächliche Verwendung als Staatssprache nur bei vollständiger Souveränität der Nationalrepublik möglich sind. Umso notwendiger ist die intensive Vereinheitlichung der Fachsprache und des Fachwortschatzes auch in der gegenwärtigen Übergangsphase auf dem Weg zur vollständigen Souveränität. Die tiefgreifenden Veränderungen in der heutigen Politik Estlands, die grundlegende Umgestaltung von Produktion und Wirtschaft sowie die immer lebhafteren und umfangreicheren Kontakte mit der Außenwelt erfordern auch eine Neuausrichtung unserer sprachlichen Kommunikation; sie verlangen, dass wir auf das Handeln und die Verwaltung in mehreren Sprachen vorbereitet sind. Rasch, schon in nächster Zeit, muss die Terminologie in zahlreichen Fachgebieten vereinheitlicht werden, vor allem jedoch in Bereichen wie Produktionsorganisation, Handel, Versorgung, Absatz, Finanzwesen, Bankwesen u. Ä., also im weitesten Sinne im Wirtschaftsbereich. Und in diese Richtung wird bereits gearbeitet. Juuni 1990 70 KONTINUIERLICHE TERMINOLOGIEARBEIT ALS VORAUSSETZUNG UND GRUNDLAGE FÜR DIE ENTWICKLUNG DER STANDARDSPRACHE Zusammenfassung Damit eine Nationalsprache alle grundlegenden Funktionen erfüllen und Amtssprache sein kann, benötigt sie einen umfassenden und ausgebauten Wortschatz für sämtliche Bereiche. Der Artikel gibt einen Überblick darüber, wie dieser Prozess in der Geschichte der estnischen Sprache verlaufen ist. Die Anfänge des estnischen Fachwortschatzes in einigen Bereichen menschlicher Tätigkeit reichen bis in graue Vorzeit zurück. Seit dem vorigen Jahrhundert wurde die Entwicklung des estnischen Fachwortschatzes bewusst gefördert; dies war vor allem für solche Vertreter der nationalen Bewegung wie Kreutzwald (F. R. Kreutzwald), Jakobson (C. R. Jakobson), Kunder (J. Kunder), Hermann (K. A. Hermann), Hellat (P. Hellat) und andere charakteristisch. Bis zum Beginn dieses Jahrhunderts hatte die Schaffung rein estnischer Termini in Estland einen abgeschlossenen, individuellen Charakter. Planmäßiger und zielgerichteter wurde diese Tätigkeit im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Die Terminologie verschiedener Fachgebiete wurde in bestimmten Arbeitskommissionen kollektiv bearbeitet. Auf diese Weise wurden in den Jahren 1909—1919 neun Terminologiewörterbücher mit insgesamt fast 10.000 Termini veröffentlicht. Die Terminologiearbeit in Estland weitete sich besonders aus, nachdem die unabhängige Republik Estland gegründet worden war und an der Universität Tartu verschiedene Disziplinen auf Estnisch gelehrt wurden. In den dreißiger und vierziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden die Grundlagen der systematischen Terminologie zahlreicher Wissenschaftszweige geschaffen (Botanik, Zoologie, Geologie, Medizin, Recht usw.). Dank intensiver Arbeit wurden 1920—1940 mehr als 40 Terminologiewörterbücher mit insgesamt fast 200.000 estnischen Termini zusammengestellt und veröffentlicht. Besondere Verdienste um die Entwicklung der heutigen Terminologie erwarb sich Akademiker J. V. Veski (J. V. Veski), der aktiv an der Arbeit vieler damaliger Terminologiekommissionen teilnahm und sich geschickt und umfassend auf die inneren Ressourcen der Volkssprache stützte. Die Terminologiearbeit und die terminologische Normung wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Neben übersetzten Wörterbüchern wurden von 1945 bis 1990 fast 130 verschiedene Terminologiewörterbücher als eigenständige Druckwerke veröffentlicht (Gesamtzahl der Termini: 350.000). Außerdem wurde die normierte Terminologie in Zeitschriften und methodischen Informationspublikationen sowie als Anhang zu Fachbüchern veröffentlicht. Die Ergebnisse der terminologischen Normung zeigen sich in zahlreichen grundlegenden Werken, Enzyklopädien usw. In den letzten Jahrzehnten wird auch eine schnelle Methode der terminologischen Normung angewandt: Es werden republiksweite Terminologienormen ausgearbeitet (derzeit gibt es etwa 70 davon). Die kontinuierliche und intensive Terminologiearbeit half der estnischen Sprache, in den Jahren der unabhängigen Republik Estland (1918—1940) erfolgreich die Aufgaben einer Amtssprache zu erfüllen. Im Wesentlichen erfüllte die estnische Sprache auch nach 1940 – während der Sowjetzeit – in größerem oder geringerem Umfang die Funktion einer Amtssprache. Die einseitige Wirtschafts- und Nationalpolitik der letzten Jahrzehnte wirkte sich negativ auf die estnische Sprache aus und schränkte ihre natürlichen Funktionen ein. Daher wurde es notwendig, im Januar 1989 ein besonderes Sprachgesetz zu verabschieden. Dieses Gesetz dient dem Schutz der Rechte der estnischen Sprache. Es ist jedoch klar, dass ein uneingeschränkter Status als Nationalsprache und die Funktion als Amtssprache nur bei vollständiger Souveränität der nationalen Republik möglich sind. Die Arbeit am Fachwortschatz und an der terminologischen Normung ist auch in der gegenwärtigen Übergangszeit hin zu vollständiger Selbstständigkeit dringend erforderlich. Besonders wichtig ist dies für jene Bereiche, die unmittelbar mit der grundlegenden Umgestaltung von Produktion und Wirtschaft zusammenhängen. Juni 1990 KONTINUIERLICHE TERMINOLOGIEARBEIT ALS VORAUSSETZUNG UND GRUNDLAGE FÜR DIE ENTWICKLUNG DER LITERATURSPRACHE Zusammenfassung Damit eine Nationalsprache in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens normal funktionieren und als Staatssprache dienen kann, muss sie über einen entwickelten, vielseitigen Wortschatz verfügen. Der Artikel untersucht, wie sich der estnische Fachwortschatz entwickelt hat. 71 Die ersten Ansätze eines estnischen Fachwortschatzes in einzelnen Bereichen menschlicher Tätigkeit reichen weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im vergangenen Jahrhundert widmete man sich bewusst der Entwicklung der estnischen Fachsprache, vor allem dank einiger Vertreter der nationalen Bewegung (Kreutzwald, Jakobson, Kunder, Hermann, Hellat u. a.). Zu Beginn dieses Jahrhunderts erfolgte die Bildung estnischer Termini noch individuell. Einen planmäßigeren und zielgerichteteren Charakter nahm diese Tätigkeit im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts an. Fachwortschätze verschiedener Gebiete wurden in den zuständigen Arbeitskommissionen geordnet. Infolgedessen erschienen in den Jahren 1909–1919 neun Terminologiewörterbücher mit insgesamt rund 10.000 Termini. Eine besonders breite Entwicklung nahm die Ordnung der estnischen Terminologie nach der Gründung der souveränen Republik Estland; an der Universität Tartu wurden die Lehrveranstaltungen nun auf Estnisch abgehalten. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde die Grundlage für eine systematische Terminologie zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen geschaffen (Botanik, Zoologie, Geologie, Medizin, Rechtswissenschaft u. a.). In den Jahren 1920–1940 wurden durch intensive Arbeit mehr als 40 Terminologiewörterbücher mit rund 200.000 estnischen Termini erstellt und veröffentlicht. Besondere Verdienste um die Entwicklung der modernen Terminologie hatte der Akademiker J. V. Veski, der aktiv an der Arbeit der meisten Terminologiekommissionen mitwirkte und die inneren Ressourcen der Volkssprache geschickt und auf vielfältige Weise nutzte. Die terminologische Arbeit und die Ordnung der Terminologie wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. In den Jahren 1945–1990 erschienen rund 130 verschiedene Terminologiewörterbücher (mit insgesamt 350.000 Termini) als eigenständige Publikationen, Übersetzungen nicht mitgerechnet. Darüber hinaus wurde die geordnete Terminologie in Zeitschriften und Informations- und Methodikpublikationen sowie als Beilage zu Fachpublikationen veröffentlicht. Über die Ergebnisse der terminologischen Arbeit wurde in zahlreichen grundlegenden Werken, in Enzyklopädien u. a. berichtet. Eine der in den letzten Jahrzehnten besonders rasch einsetzbaren Methoden der Terminologieordnung ist die Erstellung landesweiter Terminologiestandards (derzeit rund 70). Dank der kontinuierlichen und intensiven Arbeit am Fachwortschatz konnte die estnische Sprache während der Unabhängigkeit der Republik Estland (1918–1940) die Aufgaben einer Staatssprache erfolgreich erfüllen. Im Grunde erfüllte die estnische Sprache ihre Funktion als Staatssprache auch nach 1940, während der Sowjetzeit, mehr oder weniger. Die einseitige Wirtschafts- und Nationalitätenpolitik der letzten Jahrzehnte wirkte sich jedoch negativ auf die Funktionsfähigkeit des Estnischen aus und schränkte seinen Verbreitungsbereich ein. Daher wurde es notwendig, im Januar 1989 ein besonderes Sprachgesetz zu verabschieden. Seinem Wesen nach war dieses Gesetz ein Rechtsakt zum Schutz der estnischen Sprache. Es wurde deutlich, dass der vollberechtigte Status einer Nationalsprache und ihr normales Funktionieren als Staatssprache nur unter den Bedingungen der vollen Souveränität des Landes möglich sind. Dennoch ist auch heute intensive Arbeit an der Ordnung der Fachsprache und des Fachwortschatzes erforderlich. Besonders wichtig ist dies in den Bereichen, die unmittelbar mit der grundlegenden Umgestaltung von Produktion und Wirtschaft verbunden sind. Juni 1990