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Tarptautinių terminologijos principų taikymas mūsų terminijai

Kazimieras Gaivenis

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXI (1994) FRAGEN DER SPRACHNORMIERUNG KAZIMIERAS GAIVENIS ANWENDUNG INTERNATIONALER TERMINOLOGIEPRINZIPIEN AUF UNSERE TERMINOLOGIE Die Nomenklatur ist eine schwierige und verwickelte Angelegenheit, weshalb nur wenige es wagen, nach ihrer Vollkommenheit zu streben. W. Arnold Lewis Die internationale Terminologiearbeit umfasst die Ausarbeitung verschiedener Dokumente – terminologischer Kodizes, Normen und Nomenklaturregister. Diese Dokumente werden gewöhnlich auf internationalen Kongressen beraten und verabschiedet. International normiert sind die Nomenklaturen der Anatomie, Botanik, Chemie, Geologie und Zoologie, die Bezeichnungen kultivierter Pflanzensorten sowie elektrotechnische Fachbegriffe. So wurde beispielsweise 1950 auf dem V. Internationalen Anatomenkongress das Internationale Komitee für Anatomische Nomenklatur (International Anatomical Nomenclature Committee) gegründet, das folgende Grundsätze der Terminologiearbeit bestätigte: 1. Jedes Körperorgan muss mit einem einzigen Terminus bezeichnet werden (Ausnahmen sind sehr selten). 2. In der offiziellen Liste müssen alle Termini auf Latein angegeben werden. Jedes Land hat die Freiheit, Entsprechungen der lateinischen Termini in seiner Muttersprache zu bilden. 3. Anatomische Termini müssen möglichst kurz und einfach sein. 4. Die Termini müssen leicht einzuprägen sein; wünschenswert sind außerdem ihre Anschaulichkeit und ihr beschreibender Charakter. 5. Körperorgane, die topografisch eng miteinander verbunden sind, sollten nach Möglichkeit mit ähnlichen Bezeichnungen versehen werden (arteria femoralis, vena femoralis, nervus femoralis usw.). 6. Verschiedene Adjektive sollten als Gegensatzpaare verwendet werden (major — minor, superior — inferior, superficialis — profundus). 7. In der offiziellen Nomenklatur der deskriptiven und mikroskopischen Anatomie dürfen keine Eponyme (Eigennamen) verwendet werden1. In den internationalen Nomenklaturkodizes für Botanik und Zoologie werden die Rangstufen der systematischen Einheiten und die allgemeine Struktur der Hauptnamen festgelegt; außerdem wird der Gebrauch von Synonymen und Homonymen normiert und Weiteres geregelt. 1 Nomina Anatomica. Международная анатомическая номенклатура. М., 1970. Cit. pagal Keinys S. Terminologijos abėcėlė. V., 1980. P. 88. 11 Die Internationale Organisation für Normung (ISO) vereint die nationalen Normungsorganisationen. Die von den technischen Komitees angenommenen Entwürfe internationaler Normen werden vom ISO-Rat verabschiedet. Normiert werden nicht nur die Fachterminologien einzelner Gebiete, sondern auch die Grundsätze und Methoden der Terminologie. Alle diese internationalen Arbeiten stehen auch in gewissem Zusammenhang mit unserer Terminologie. So veröffentlichte das Medizinische Institut Kaunas (heute Medizinische Akademie Kaunas) 1977 die Publikation „Internationale Nomenklatur der Embryologie“, und 1989 erschien das Büchlein „Internationales Einheitensystem in der Medizin“ von A. Praškevičius, R. Kazakevičius und L. Lukaševičius. Bei der Erstellung mehrbändiger wissenschaftlicher Akademiewerke (z. B. „Die Fauna Litauens“, „Die Flora Litauens“) und litauischer Lehrbücher für Hochschulen (z. B. „Die Anatomie des Menschen“ von S. Pavilonis, R. Stropus, K. Tamašauskas und A. Urbonas, „Die Anatomie der landwirtschaftlichen Nutztiere“ von A. Pabijanskas u. a.) wird die litauische Terminologie an die Anforderungen internationaler terminologischer Kodizes und Normen angepasst. Trotz all dieser Arbeiten ist unsere Terminologie in vielerlei Hinsicht noch provinziell und nicht angemessen geordnet. Andererseits weisen auch nicht alle internationalen Terminologienormen und -kodizes ein hohes wissenschaftliches Niveau auf. Bei der Ausarbeitung der litauischen Fassung der ISO-Norm „Grundsätze und Methoden der Terminologie“ (704—87) stellten wir beispielsweise fest, dass einige ihrer Aussagen den modernen linguistischen Auffassungen nicht entsprechen (z. B. die Erläuterung der Begriffe Synonym und Quasisynonym sowie der Wechsel zwischen synchronischen und diachronischen Prinzipien bei der Angabe und Beschreibung der Wortbildungsmethoden für Termini u. a.). Dasselbe lässt sich auch über in Litauen veröffentlichte Arbeiten sagen. So enthält die Sammlung „Internationale Nomenklatur der Embryologie“ zahlreiche fehlerhafte Termini, z. B.: tarpruja (metoestrus), dviruja (dioestrus), priešruja (prooestrus), gimdyminis periodas (puerperium), daugiagemalinis nėštumas (polyembrionica gestatio), vienasegmentiniai raumenys (musculi monosegmentales), trilapėlinis trynio maišas (trilaminaris saccus vitellinus) usw. Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Anwendung internationaler terminologischer Grundsätze auf unsere Terminologie? Erstens wissen wir nur wenig über die Tätigkeit und die Arbeiten internationaler Terminologieorganisationen (z. B. INFO-TERM, des Internationalen Instituts für Terminologieforschung u. a.) und unterhalten keine direkten Verbindungen zu ihnen. In den wissenschaftlichen Bibliotheken Litauens findet man nicht einmal die von ihnen herausgegebenen Werke. Zweitens sind unsere Wissenschaftler und Fachleute aus der Industrie daran gewöhnt, nach terminologischen Vorbildern statt nach universellen Prinzipien zu suchen. Daher wendet man sich mit dem sinkenden Prestige der russischen Sprache dem Englischen zu, und der Einfluss von Anglizismen wird immer deutlicher. Auch das ist unerwünscht. In einigen wissenschaftlichen Fachgebieten (z. B. der Systematik von Pflanzen und Tieren, der Medizin u. a.) kann teilweise nur das Lateinische als internationales Vorbild gelten. Doch auch dieses sollte nicht blindlings kopiert werden. In internationalen Terminologiekodizes wird häufig darauf hingewiesen, dass Termini in die Nationalsprachen übersetzt werden müssen. Unsere Fachleute verstehen die Übersetzung von Termini jedoch oft zu wörtlich, nämlich nur als grammatisch adäquate Übersetzung. So wird der russische Terminus комплектующие детали ins Litauische grammatisch adäquat übersetzt (Partizip Aktiv durch Partizip Aktiv) als komplektuojančios detalės; erforderlich wäre jedoch eine nicht adäquate Übersetzung mit dem Partizip Passiv, also komplektuojamosios detalės. Schlechte Übersetzungen führen zu solchen 12 Wortverbindungen, die es in unserer Sprache gar nicht geben kann. Am schlimmsten ist, dass manche Bezeichnungen nicht nur in der Terminologie, sondern auch in der Nomenklatur von Unternehmen festgeschrieben werden und jahrzehntelang fortbestehen, z. B.: remonto mechaninė gamykla (oder: remonto-mechaninė gamykla). Ihre russische Bezeichnung lautet ремонтно-механический завод. Die litauische Bezeichnung sollte mechaninio remonto įmonė lauten. Drittens widerspricht die interlinguistische Richtung der Terminologie unseren Traditionen der Terminologiearbeit. So stützt die internationale Organisation zur Vereinheitlichung terminologischer Neologismen in Warschau, IOUTN (International Organization for Unification of Terminological Neologisms), ihre Empfehlungen zur Ordnung technischer Termini auf folgende Grundsätze2: 1. Neuen Entdeckungen, Erfindungen oder neu entstehenden Begriffen Bezeichnungen geben, die unverändert oder mit nur geringen Änderungen in andere Sprachen übernommen werden können. 2. In der Wissenschafts- und Techniksprache neue Wörter, wenn möglich, in der Originalform oder nur leicht verändert verwenden (etwa durch Hinzufügen eines Präfixes oder Suffixes), dabei jedoch die ursprüngliche Wortwurzel beibehalten. 3. Entsprechend der in einigen Wissenschafts- und Technikbereichen etablierten Tradition ist es sinnvoll, Griechisch und Latein als Grundlage für die Bildung von Termini zu verwenden (ähnlich wie in der Kosmonautik Russisch und Englisch verwendet werden). 4. Das Gesagte gilt nicht für die bereits verwendete Terminologie. Wenn ihre Mängel das Leben oder die Gesundheit von Menschen gefährden können, sollten auch die bereits verwendeten Termini vereinheitlicht werden. 5. Wenn sich die Originalform eines neuen Terminus nicht übernehmen lässt, wird empfohlen, in Wissenschafts- und Techniklexika neben der Übersetzung auch die Originalbezeichnung anzugeben. In den vergangenen Jahrzehnten sind für unsere Wissenschaftssprache und Terminologie besonders gefährliche Tendenzen aufgekommen: 1) ein schwer zu regulierender Zustrom internationaler Termini und 2) eine Flut von Lehnübersetzungen aus dem Russischen. Fachleute begannen, litauische Neubildungen zu meiden. Die Terminologisierung, die in S. Šalkauskis Terminologietheorie die wichtigste Methode zur Bildung neuer Termini gewesen war, wurde unproduktiv. Verdrängt wurde sie durch die Entlehnung von Termini und die Bildung hybrider Neubildungen. Angesichts dieser Lage unserer Terminologie scheinen interlinguistische terminologische Grundsätze schwer anwendbar zu sein. Viertens räumen internationale Terminologiekodizes den Nationalsprachen zwar viel Freiheit ein, entfernen die Terminologie und Nomenklatur dennoch zu weit sowohl von der Standardsprache als auch von der Umgangssprache. Daher werden in unserer Terminologie mitunter sogar wichtige Anforderungen der Terminologiekodizes missachtet (z. B. wird das binäre Prinzip der Benennung von Arten in der Terminologie der Systematik von Pflanzen und Tieren nicht eingehalten u. a.). Unsere Physiker verwenden andere Bezeichnungen für abgeleitete Einheiten des SI-Systems als die Mediziner. So werden im „Wörterbuch der physikalischen Termini“ (V., 1979) die Bezeichnungen liumensekundė (Maß der Lichtenergie) und metras kubu sekundei (Volumenstromgröße) angegeben, während das erwähnte Büchlein „Internationales Einheitensystem in der Medizi- 2 Ausführlicher siehe Стоберский З. Научная и техническая терминология // Известия АН СССР. Серия лит. и языка. М., 1974. Т. 33(5). С. 448 – 453; Neoterm. Warszawa, 1987. Nr. 7 – 8. S. 6 – 10. 13 je“ — Lumen pro Sekunde, Kubikmeter pro Sekunde und dergleichen. Das von Medizinern verwendete System der Bezeichnungen abgeleiteter Einheiten steht der Allgemein- und Umgangssprache näher, während die von Physikern verwendete Terminologie sehr streng normiert ist. Fünftens — einige Empfehlungen internationaler Kodizes widersprechen einander. So ist beispielsweise im internationalen Nomenklaturkodex der Anatomie die Verwendung von Personennamen-Termini (gebildet aus den Namen von Wissenschaftlern, Entdeckern und Erfindern) verboten, im internationalen Nomenklaturkodex der Zoologie auf bestimmte Taxa beschränkt und in der technischen Terminologie ohne Einschränkungen erlaubt. Personennamen-Termini gibt es in allen Wissenschaftsbereichen. Besonders viele werden in der Terminologie der Medizin, Technik, Physik und Mathematik verwendet. Diese Termini unterscheiden sich von anderen vor allem dadurch, dass sie unzureichend motiviert sind. Ihr positiver Zug ist, dass sie Menschen, die sich um die Wissenschaft verdient gemacht haben, ein Denkmal setzen können. In unserer Terminologie gibt es zwei Arten solcher Termini: 1) Einzelwörter, z. B.: džaulis, kelvinas, kiuris, omas, rentgenas, Voltas und 2) Zusammensetzungen, z. B.: Archimedo dėsnis, Doplerio greitis, Dekarto koordinatės, Adisono liga, Ebšteino sindromas und andere. In der russischen Terminologie sind auch Personennamen-Termini des Typs „Adjektiv + Substantiv“ noch beliebt, z. B.: марковский процесс, гайморова полость, евстахиева труба, дугласово пространство und dergleichen. Solche litauischen Termini vermeiden wir und würden sie als nicht normgerecht betrachten. Generell ist die Bewertung von Personennamen-Termini sehr umstritten; Regeln für ihren Gebrauch sind nicht festgelegt. In einigen Wörterbüchern litauischer Termini (z. B. im „Wörterbuch medizinischer Termini“ und anderen) wurden nahezu alle Personennamen-Termini durch andere Termini ersetzt. Internationale Empfehlungen zur Vereinheitlichung von Termini und internationale terminologische Kodizes berücksichtigen zwei wichtige Aspekte kaum: 1) die Natur der Sprachen (was für analytische Sprachen geeignet ist, muss nicht unbedingt für synthetische Sprachen usw. geeignet sein) und 2) den Entwicklungsstand der Sprachen sowie die Zahl der Menschen, die sie sprechen (Sprachen mit unterschiedlich stark entwickelten funktionalen Stilen und Terminologiesystemen können keine gleichberechtigten Partner sein). Sechstens — die litauische Terminologie und Nomenklatur haben vergleichsweise alte Traditionen der Pflege und wurden wie werden stärker von der Terminologie und Nomenklatur der großen Nachbarsprachen (Russisch, Deutsch usw.) beeinflusst als von internationalen Kodizes, Regelwerken oder Normen zur Terminologienormung. Das zeigt anschaulich die Geschichte der Pflege und die heutige Lage der litauischen chemischen Nomenklatur, die vergleichsweise viele internationale Elemente aufweist und wohl am weitesten von der menschlichen Sprache entfernt ist. Die Internationale Union für reine und angewandte Chemie wurde 1921 gegründet. Nach zahlreichen Sitzungen wurde 1940 ein Regelwerk für die Erstellung einer chemischen Nomenklatur veröffentlicht. In diesen zwei Jahrzehnten wurde auch die litauische chemische Terminologie intensiv gepflegt: Es erschienen originale litauische Chemielehrbücher und Monografien, z. B. F. Butkevičius’ „Elementarinis kokybinis analiz as“ (1929), V. Ruokys „Analizinė chemija“ (1922), „Organinė chemija“ (1923), V. Čepinskis’ „Fizinė chemija“ (1928—1930) und andere; 1928 legte Prof. F. Butkevičius auf dem Kongress der litauischen Lehrer einen Entwurf für eine litauische chemische Nomenklatur vor. Wegen der Kriegswirren wurde das Regelwerk internationaler Vorschriften für die chemische Nomenklatur damals nicht erörtert und war nur wenigen bekannt. Erst 1947 wurde beschlossen, diese Regeln zu überarbeiten. Nach langen Beratungen wurden sie grundlegend überarbeitet und 1953 veröffentlicht 14 in englischer und französischer Sprache. 1955 wurden sie in der Schweiz, 1956 in England und 1957 in Frankreich präzisiert. 1970 erschien eine Ausgabe dieser Regeln, veröffentlicht in der Zeitschrift „IUPAC Information Bulletin: Appendices on Tentative Nomenclature, Symbols, Units and Standards“ (1970, September, N 8). In der Sowjetunion erschien ein eigenes Buch mit diesen Regeln erst 1979 — «Номенклатурные правила ИЮПАК по химии». Unterdessen war K. Daukšas litauisches „Chemijos žodynas“ bereits 1960 erschienen. In diesem Wörterbuch, so heißt es im Vorwort, „werden Zahlwörter zur Angabe der Anzahl der Atome und Gruppen (di, dvi, tri) und unveränderliche Präfixe (azo, nitro, orto, tio usw.) an das Grundwort angefügt, z. B.: dichloridas, divalentis, tribromidas, azobenzolas, nitrojunginys, ortorūgštis, tiosulfatas. Einige Präfixe zur Kennzeichnung der Art werden der Tradition entsprechend durch einen Bindestrich abgetrennt, z. B.: alfa-geležis, beta-spinduliai. Fremde Bezeichnungen erhalten litauische Endungen, z. B.: fenilas, toluolas. Bei den Bezeichnungen von Alkoholen und Phenolen wurde versucht, die Endung -olis anzufügen, bei Kohlenwasserstoffen -olas, z. B.: fenolis, naftolis, benzolas, toluolas. Die Bezeichnungen von Elektrolyten und aus Gruppen bestehenden organischen Verbindungen wurden getrennt geschrieben, nämlich: amonio sulfatas, metilo chloridas, etilo acetatas. Die Bezeichnung des in das Molekül der Verbindung eingeführten Atoms oder der Gruppe wurde an das Grundwort angefügt, wobei ein Vokal entfiel, z. B.: brometilenas, diacetilenzobenzolas, etoksilanilinas. Ähnliche Bestandteile von Doppelsalzen wurden durch einen Bindestrich verbunden, z. B.: kalio-aliuminio alūnas. Die Bestandteile von Komplexen wurden durch Bindestriche verbunden, z. B.: kalio heksachloro-plateatas. Komplexsäuren und einige Sulfosäuren wurden auf zwei Arten geschrieben, nämlich: vandenilio heksaciano feroatas oder heksaciano-geležies (2) rūgštis, toluolo sulforūgštis oder sulfotoluolas [...] Säuren wurden überwiegend im Genitiv bezeichnet, z. B.: azoto rūgštis, oksalo rūgštis, sviesto rūgštis, weil diese Bezeichnungen kürzer sind als «azotinę, oksalinę, sviestin껓 (S. 3—4). Später schrieb K. Daukšas ähnlich über die Präzisierung der chemischen Nomenklatur: „Aus Informationsgründen wird in der Nomenklatur zwischen den Endungen „-olis“ und „-olas“, „-alas“ unterschieden. Die Endung „-olis“ bezeichnet die alkoholische Funktion einer Verbindung (fenolis), „-olas“ liefert keine eindeutige Information, sondern zeigt nur die Verwandtschaft mit Kohlenwasserstoffen an (benzolas, toluolas), „-alas“ bezeichnet ein Gemisch (tirpalas, dažalas, tepalas, žibalas). Ebenso zeigt die Endung „-idas“ eine negative Polarisation des Elements an (oksidas, hidridas, sulfidas, chloridas), „-ilas“ eine positive Polarisation des Elements oder der Gruppe (nitrilas, acetilas, kuprilas), „-atas“ eine negative Polarisation der Gruppe (sulfatas, karbonatas). Auch die Zusammenschreibung von Wörtern kann den Informationsgehalt erhöhen. Beispielsweise wird ein komplex gebundenes Atom, eine Gruppe oder ein Molekül mit dem Buchstaben „o“ geschrieben (diamoniakosidabras, heksachloroplatinatas), während nichtkomplex gebundene Substituenten ohne „o“ geschrieben werden (chlorbenzolas)“3. Diese Terminologie war noch nicht an die IUPAC-Regeln angepasst worden. Als man begann, diese Nomenklatur zu verwenden, missfielen den Sprachwissenschaftlern zwei Dinge: 1) die Schreibweise mit Bindestrich in einigen der genannten Wortverbindungen und 2) die langen, mehrstämmigen Bezeichnungen. A. Valeckienė schrieb über diese chemische Nomenklatur: „Manchmal werden Genitivverbindungen mit Bindestrich geschrieben, z. B.: dichloro-auratai, fluoro-aluminatai, fluoro-boratai, fluoro-germanatai, aber stroncio aluminatai, 3 Daukšas K. Apie chemijos terminų darybą // Lietuvių kalbos sekcijos sąsiuvinis. 1969. Sąs. 10. P. 11. 15 Fluorwasserstoff (ohne Bindestrich). Hier ist der Bindestrich unnötig“4. Zu mehrstämmigen Termini stellte sie fest, dass „häufig Bestandteile dieser Art zu einem Wort verbunden werden, anstelle dessen besser eine Fügung der letzteren Art verwendet werden sollte, z. B.: Acetoxyaceton (= Acetoxyaceton), Benzolazonaftylamin (= Benzol-azonaphthylamin), Hexamethylaceton (= Hexamethylaceton), Dimethylaminoazobenzol (= Dimethylamino (oder aminisches) Azobenzol), Triaminbenzoesäure (= Triaminobenzoesäure), Methylaminoxybenzoesäure (= Methylaminooxybenzoesäure) usw.“5 Viele Sprachwissenschaftler störte besonders die in einem Wort geschriebene Bezeichnung Aminosäuren. Nicht selten wurde vorgeschlagen, sie zu korrigieren. Die Chemiker waren damit jedoch nicht einverstanden. Bei der Veröffentlichung des Programms zur Präzisierung der Terminologie der organischen Chemie schrieben sie: „Wenn die Bezeichnung einer Atomgruppe durch internationale, nicht flektierbare Wörter (Nitro-, Nitroso-, Azo-, Sulfo-, Thio-, Thia-, Hydroxy-, Methoxy-, Aceto-, Butyro-, Amido-, Acryl- usw.) ausgedrückt wird, schreibt man sie als Präfixe und verbindet sie mit dem Wort, das diese Präfixe näher bestimmen. So entstehen die Wörter Nitromethan, Thiophenol, Hydroxybenzaldehyd, Acetonitril (nicht Aceto Nitril), Acrylnitril (nicht Acryl Nitril). Beginnt das Grundwort mit einem Vokal, wird der verbindende, zu o gewordene Buchstabe ausgelassen (man sagt Acetanilid, Acrylamid). Das Wort Amin kann zwei Bedeutungen haben: Im ersten Fall bezeichnet Amin eine Verbindung mit NH₂- oder NHR-Gruppen (die gesamte Verbindung), im zweiten Fall weist das nicht flektierbare Präfix Amino- nur auf die NH₂-Gruppe selbst hin. Daher muss man Aminoxide sagen (z. B. Methylaminhydrochlorid); im zweiten Fall müssen die Wörter verbunden werden (z. B. Aminophenole, Aminosäuren usw.)“6. Unter Beachtung der internationalen Prinzipien muss unsere chemische Nomenklatur noch erheblich präzisiert werden. Dem ausgearbeiteten Entwurf zufolge7 werden die Bezeichnungen der Ether R¹—O—R² aus der Bezeichnung des Radikals R¹O und der Bezeichnung des dem Radikal R² entsprechenden Kohlenwasserstoffs gebildet, z. B.: Isopropoxypropan, Ethoxyethen. Primäre Amine sowie sekundäre und tertiäre Amine mit symmetrischer Struktur werden durch Anhängen der Endung -amin an das Radikal benannt, z. B.: Ethylamin, Triethylamin. Die Bezeichnungen acyclischer Aldehyde und Ketone werden gebildet, indem man an die Bezeichnung des Kohlenwasserstoffs mit derselben Anzahl von Kohlenstoffatomen die entsprechenden Endungen -al oder -on anhängt, z. B.: Hexanal, 2-Butanon usw. Die Regeln der internationalen (IUPAC-)Nomenklatur verzichten keineswegs vollständig auf Trivialnamen, auch wenn manche sie nicht in unsere Wissenschaftssprache aufnehmen wollen. Insgesamt waren die Regeln der internationalen (IUPAC-)Nomenklatur bislang unpopulär und wenig bekannt. Deshalb steht die Internationalisierung der Nomenklatur nun als Aufgabe vor den Chemikern in Litauen. Bei Einhaltung der internationalen Nomenklatur sollte man Substantivformen im Genitiv den Adjektiven mit dem Suffix -inis, -ė vorziehen, z. B.: Milchsäure, Nikotinsäure und sogar Desoxyribonukleinsäure usw. Der Genitiv eignet sich besser zur Bezeichnung von Zugehörigkeit oder Herkunft, während Adjektive mit dem Suffix -inis, -ė in diesen Bedeutungen meist Entlehnungen aus dem Russischen sind. 4 Valeckienė A. Kitų kalbų kilmės sudurtiniai žodžiai // Kalbos kultūra. 1968. Sąs. 15. P. 21. 5 Ten pat. P. 23. 6 Degutis J., Daukšas V., Mačionis Z. ir kt. Organinės chemijos terminijos tikslinimo programa // Mokslas ir technika. 1989. Nr. 10. P. 30. 7 Autor — E. Butkus. Der Entwurf wurde am 12. Februar 1991 in einer gemeinsamen Beratung von Chemikern und Sprachwissenschaftlern für Terminologie erörtert. 16 ÜBERNAHME INTERNATIONALER TERMINOLOGIEPRINZIPIEN IN DIE LITAUISCHE TERMINOLOGIE Zusammenfassung Dieser Beitrag behandelt die Probleme bei der Anpassung litauischer Termini an die internationalen Kodizes der anatomischen, botanischen und zoologischen Terminologie. Er untersucht außerdem die Standardisierung der chemischen Nomenklatur gemäß den internationalen Anforderungen der IUPAC. Einige Schwierigkeiten, die bei der Modernisierung der Terminologie und der Bewahrung ihres litauischen Charakters auftreten, werden aufgezeigt. 2. Lietuvių kalbotyros klausimai, XXXI