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Gibt es im Estnische lettische Landschaftsnamen?

Lembit Vaba

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXII (1993) BALTU ONOMASTIKOS TYRINEJIMAI ; : LEMBIT VABA GIBT ES IM ESTNISCHEN LETTISCHE LANDSCHAFTSNAMEN? Als in den siebziger Jahren die vom Unterzeichneten verfaßte Monographie über lettische Lehnwörter im Estnischen (VABA 1977) erschien, war nur ein einziges geographisches Appellativum lettischer Herkunft bekannt, das bereits 1937 von Peeter Arumaa (ARUMAA 1937, 42) als lettisches Lehnwort erfaßt worden war: atak Gen. atagu ” Altwasser, abgetrennte Flußkrümmung, die bei Hochwasser mit dem eigentlichen Flußbett vereint wird” (HARGLA Koikküla) < lett. atiaka, atteka "ein Flußarm, der in den Fluß wieder zurückfließt; altes Flußbett, welches bei hohem Wasserstande mit Wasser erfüllt wird; ein Teich, ein See, nementlich ein solcher, der sich im früheren Flußbett gebildet hat” (ME I 203). : Die semantische Analyse althergebrachter lettischer Lehnwörter im Estnischen zeigt, daß gerade Bezeichnungen von Lebensmitteln und Getränken eine zahlenmäßig große Begriffsgruppe bilden, was doch recht eindeutig auf estnisch—lettische Kontakte im familiären Bereich hinweist. Es ist bemerkenswert, daß sich in dem umfangreichen Wortschatz lettischer Herkunft im Sprachgebrauch der heute af lettischem Territorium gelegenen estnischen Sprachinseln (Lutsi und Leivp), für den in VABA 1977 876 lettische Stämme analysiert wurden, nicht ein kinzigerlettischer Landschaftsname findet. Bei der weiteren Erforschung der Herkunft des estnischen Wortschat- 'zes ist man jetzt überraschenderweise auf noch drei solche estnische Landschaftsnamen gestoßen, bei denen es sich wahrscheinlich um lettische Lehnwörter handeln könnte. Im folgenden sollen diese näher betrachtet werden. (1) lonk Gen. longi ”feuchtes (fluBnahes) Heuland; Sumpf” (KARKSI Mae, Vöhmaste), longas Gen. lonkarvlöngas Gen. lönka "in der Flußkrümmung gelegenes Land” (HARJU—-JAANI) <lett. lunka "eine Meeresbucht; eine niedrig gelegene (an einer Flußkrümmung) Wiese, die im Frühjahr überschwemmt wird” (ME II 513-514); s. auch: VABA 1991, 56. Zusätzliche Untersuchungen machen sich notwendig, um herauszufinden, ob KADRINA Töugu löngas "schmaler Landrücken, der ins Meer reicht” mit dem hier behandelten Toponym lettischer Herkunft etymologisch verbunden ist. (2) lava "ein großer kahler Heuschlag; kahler Sumpf” (KARKSI Metsakuru) <lett. plava "die Wiese, der Heuschlag” (ME III 367). Infolge des möglichen telmatologischen Inhalts von läva (ma_i-Ima suu lava "eine ausgedehnte kahle Sumpffläche”, Läve/soo mets (ein Waldname in Karksi; soo "ein Sumpf’) kann man hier die lettischen appellativischen 172 und toponymischen Wortstämme Jev(a)-, Java-, lév(e)- nicht ganz außer acht lassen, z.B. Java "eine moorige, sich bewegende Stelle, ein halbzugewachsener See” (ME III 533); s. auch: VABA 1988, 47-48. (3) tir Gen ? ”Sumpf” (WIED 1163) < lett. tirs = tirelis (EH II 686); tirelis "ein (großer und tiefer) Morast, ein hochgelegener Morast, ein zum Heuschlag gereinigter Morast (oder Busch); unbesätes Feld” (ME IV 203). Eine seltene Sumpfbezeichnung hat H. Göseken in seinem Werk ”Manuductio ad Linguam Oesthonicam. Anführung zur Ohstnischen Sprache” (Reval 1660, 406) festgehalten: Sumpff /lacuna/ Tiir (palus). Wiedemann hat dieses Wort von Göseken übernommen und in seinem estnisch—deutschen ‚Wörterbuch aufgeführt. An dieser Stelle sei erwähnt, daß sich bei Göseken noch andere obsolete Wörter, die offensichtlich gerade in dem estnischen Westdialekt und teils auch im Inseldialekt verbreitet sind, finden lassen (s. Näheres: VALMET 1960, 616-617). Julius Mägiste hat dieses Wort in sein etymologisches Wörterbuch aufgenommen, indem vermerkt wird: ”eiymol[ogisch] unklar” (EEW X 3157). Trotzdem hat auch schon Kazimieras Jaunius auf die baltische Herkunft dieses Landschaftsnamen hingewiesen, und zwar erscheint es in seinem Manuskript für das litauisch-estnische etymologische Wörterbuch (s. Jaunius 1972, 355). Ausführlichere Erklärungen, wie es in der Regel bei Vergleichen der Fall ist, hat Jaunius in seinem Verzeichnis nicht vorgebracht. Nähere Angaben über die Verbreitung und Etymologie von tür sind aus VABA 1991, 59 zu entnehmen. Die Landschaftsnamen atak und läva sind an der lettischen Grenze, d.h. in der aktiven Kontaktzone des Estnischen und Lettischen verbreitet. Gleiches gilt auch für lonk, das jedoch außer im grenznahen Karksi auch im weiteren Landinneren vorkommt, wobei durchaus die Möglichkeit besteht, daß es als in zwei verschiedenen Gebieten Estlands gelegene Enklave verbreitet ist. Bei tiir erheben sich einige Fragen, auf die es aber keine eindeutige Antworten gibt. Die Verbreitung des Wortes läßt sich nicht feststellen. Wie gesagt, findet sich fiir nur im Wörterbuch von Göseken, das vorwiegend Sprachmaterial aus Kullamaa und dessen Umgebung enthält (Göseken war den größten Teil seines Lebens Pastor in Kullamaa). Doch dieser Wortschatz war zweifellos zu der Zeit in ganz Westestland verbreitet, wie Aino Valmet festgestellt hat. Problematisch ist auch der eigentliche Ursprung des Wortes. Bei est. tiir kann nicht von der weiten Verbreitung der lettischen Sumpfbezeichnung tirelis (oder tirulis ausgegangen werden; als Lehnquelle kommt nur der unerweiterte Wortstamm *tirin Frage, der unter anderem als Sumpfbezeichnung im Litauischen vorkommt: tyras ”ödes Land, Steppe, Morast, leerer, öder Ort, Einöde” (LEW II 1099—1100 sub tyras), aber auch im auf Kur land gesprochenen Lettischen erscheint: tirs? (EH II 686; LAUMANE 1987, 199). In est. tiir finden sich nicht solche phonetische Kriterien, die derauf schießen lassen, ob es sich um ein frühes baltisches oder späteres lettisches Lehnwort handelt. Die etymologische Analyse der estnischen Landschaftslexik führt zu dem Schluß, das sich eine beträchtliche Anzahl von separaten Landschaftsnamen baltischer Herkunft in Westestland konzentriert (VABA 1989, 138ff., besonders 217—218; Verbreitungskarte S. 209). Ich ha173 be die Hypothese aufgestellt, daß ein Teil derartiger Landschaftsnamen baltische Reliktwörter mit Substratcharakter ist, der durch den Sprachgebrauch der mit den Ostseefinnen verschmolzenen Balten seine Verbreitung fand. Es ist möglich, daß est. tiir mit seiner vermutlichen westestnischen Verbreitung in eine solche Lehnschicht gehört. Im Grenzgebiet mit einer estnisch—lettischen Mischbesiedlung treten für das Lettische typische Bauernhofnamen auf. Besonders zahlreich sind diese beispielweise im östlich von Valga gelegenen ehemeligen Landkreis von Kaagjärve und Lannametsa. Eine tiefgründige Erforschung dieser Gebiete und weitere Expeditionen könnten vielleicht zur Entdeckung von bisher unbekannten lettischen Landschaftsnamen im estnischen Sprachraum führen. Die Verbreitung von Landschaftsnamen lettischer Herkunft im estnischen Sprachgeie LITERATUR ’ ARUMAA 1937 — Arum aa P. Lati laensönu löuna—essti murdeis, II.— Eesti Keel 1937, 42—50. a ZEW — Mägiste J. Estnisches etzymologisches Wörterbuch. Helsinki, 1982. EH —Endzelins J,Hauvzenber ga E. Papildinäjumi un labojumi K. Mülenbacha Latviešu valodas värdn:cai, Riga, 1934— 1946. JAUNIUS 1972 — Kalbininko Kazimiero Jauniaus rankraštinis palikimas. Katalogas ir publikacijos. Vilnius. € 174 LAUMANE 1987 — Laumane B. Lejaskurzemes fiziogeogräfiskie apelativi (kursu—prüSu paraleles). // Onomastikas apceréjumi, Riga, P. 170—214. LEW — Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg— Göttingen, 1962— 1965. į ME — K. Mūlenbacha Latviešu valodas värdnica/Redigejis, papildinäjis, turpinäjis J. 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Reziume SeptyniasdeSimtaisiais metais parašytoje monografijoje apie estų kalbos latviskus skolinius pateiktas tik vienas apeliatyvas (geografinis terminas), kuris Pėterio Arumos nuomone yra skolinys iš latvių kalbos — atak Gen. atagu "'užtakis, atsiauta... < lat. attka, atigka "upės šaka, kur vanduo teka atgal; sena upės vaga..." Senų latviškų estų kalbos skolinių semantinė analizė rodo buvus glaudžius, artimus estų ir latvių kalbų kontaktus buitinėje ir kt. srityse. Straipsnyje aptariami dar trys geografiniai terminai, vietų pavadinimai, kurie, manoma, yra taip pat skoliniai iš latvių kalbos. 1. lorik Gen. 'lorigi "drėgna pieva, pelkė, liūnas", longas Gen. lonka~Iéngas Gen. lönka ”upes vingyje esanti žemė, kraštas" < lat. Ber "jūros užutėkis, ilanka; žema, pavasarį užliejama, patvinstanti pieva". 2. lava "didelė plyna bala, liūnas", < lat. pJava "šienaujama pieva". 3. tiir Gen. ? "pelkė, bala" < lat. tirs=tirelis "didelė ir gili pelkė, liūnas". Julius Mägiste, įtraukęs šį apeliatyvą į savo etimologini žodyną yra, tiesa, pastebėjęs, jog tai "neaiškios etimologijos žodis". Tačiau Kazimieras Jaunius šavo rankraštier lietuviy—esty kalbų etimologijos žodyne yra paaiskines šio žodžio baltišką ©. Sie trys geografiniai pavadinimai aptinkami ir esty toponimuose. Geografiniai vietų pavadinimai atak ir läva pastebėti prie Latvijos sienos, aktyvioje estų ir latviy kalbų kontakty zonoje. Panši situacija ir su lorik pavadinimu, prasidedančiu apie Karksi paribyje ir plintančiu į krašto gilumą. Neaiškumų yra del tiir apeliatyvo paplitimo, problematiska ir jo kilmė. Tačiau hipotetiškai galima teigti, jog dalis tokio tipo terminų, geografinių vietos pavadinimų, yra baltiški substratiniai reliktai Estijos teritorijoje, kurie čia pasklido Baltijos jūros suomiams susiliejus su baltais, Ryne 4 JIZIEL BL + a saoujausilila :sd1sv? sr20d imobeonit are: a aslis 01162 15 2BENVIUA DIRIVIS( S2FIFE <8 Jqslenq — outūiimis esRide1s Bb