Skonio semantikos hidronimai Latvijoje
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXII (1993)
BALTŲ ONOMASTIKOS TYRINĖJIMAI
LAIMUTĖ BALUODĖ
HYDRONYME MIT GESCHMACKSSEMANTIK IN LETTLAND
Hydronyme mit einer Semantik der Wasserqualität (Geschmack, Farbe, Temperatur usw.) sind nicht nur für die baltischen Sprachen*, sondern auch generell für die indoeuropäische Namenlandschaft charakteristisch. Die Geschmackssemantik ist eine der hydronymreichsten, da sie auf eine der wichtigsten Eigenschaften des Wassers hinweist (Vanagas 1981, 117). In Litauen sind insgesamt etwa 55 Hydronyme mit Bedeutungen des Wassergeschmacks bekannt. In Lettland wurden rund 30 solcher Hydronyme verzeichnet.
In Lettland sind Hydronyme mit der Semantik eines salzigen Geschmacks am weitesten verbreitet – 16 solcher Namen sind belegt. Es handelt sich um Potamonyme adjektivischer Herkunft Sāl-upe + Bach. Perk 1970, Sāl2-upte + Bach, kleiner Fluss Kalu (nach Aussage des Informanten – ein Sack riss, und das Salz wurde verschüttet) 1958: lett. sāļš „salzig“ ME III 803. Diese Wurzel findet sich auch in Flussnamen Sālija2 Bach Kul E II 162, =? Maz-sālija2 Bach Spēn U IV 162 k (1963), sowie in der späteren, von einem Flussnamen abgeleiteten Bezeichnung Sāl2-sudmal2-dīķis Teich Snēp 1963, Sālē2-puōrs2 Teich Aizp U IV 16: lett. sālijs, dialektale Form sāļejs „salzig; salzhaltig“ ME III 802.
Eng mit der Semantik des salzigen Geschmacks verbunden sind auch solche lettischen Hydronyme nominaler Herkunft wie Sāls-avots Quelle J-laic 1963 und +Quelle Viesn (früher in einer Mulde am Berg Gaiziņš) p, Sāls2-ezers See L-str Konv. XII 24029 k (1972), Sāls2-likums Flussschleife Zebr 1958, Sāls2-valks Sumpf GrīķE II 93: lett. sāls „das Salz“ ME III 802–803. Möglicherweise gehört auch Sāls-ace // Salace Bach Skaņk 1966 hierher, obwohl es sich in diesem Fall wahrscheinlich nur um eine Volksetymologie handelt, die dieses Potamonym mit Salz verbindet. J. Endzelin und K. Būga betrachten dieses Hydronym als Finnougrismus – vgl. estn. Salatsi Siedlung <*Salatsa (Būga RR III 648, Endzelins handschriftliches Ortsnamenwörterbuch).
Hier sind außerdem lettische Hydronyme zu erwähnen, die aus lettischen Substantiven gebildet wurden: sāļijums „1. einmaliges Salzen; 2. Salzlake“ ME III 802, sālums, sālims „Salzlake“ ME ebenda – Sāļijuma dīķis Teich Strut U V 509, = Sālima dīķis E II 142 k (1959), Sāļijuma dīķis Teich V-au U V 463, Sāļijuma upīte Bach Annen 1958, = Sālima upīte U V 455 k, Sāļijuma2 upīte Bach Skrīy E I 115. Siehe dazu FBR XII 128.
Diese Wurzel ist auch in der Bildung anderer lettischer Toponyme recht weit verbreitet, nä-
*Zu lettischen Hydronymen adjektivischer Herkunft siehe Endzelin 1934, 124–126; Balo-de 1983, 25–34; zu Hydronymen mit Farbbedeutungssemantik in den baltischen Sprachen siehe Baluodė L. Aus lettisch-litauisch-altpreußischen hydronymischen Parallelen // Colloquium Pruthenicum. Warszawa, 1992. S. 157–172.
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Beispiele: Sālā² lama gn. Dob (bei der Beržė) 1959, Sālīj²-līls ti. Sņep 1963, Sālijas² sodyba Dign 1961, sodyba Sņep E II 104, Sālīj-kalns kln. ebenda 1963, „Sālejas“ pv. Dign U V 324, Sālej² namas Dund E II 146, Sāles² kalns kln. Gav U IV 77, Sāls-akmeņus akmuo Viesn p, 8 Bergnamen Sāls-kalns, Sāls²-kāpa kopa Anc (der Erzählung nach sei hier ein Schiff mit einer Salzladung gesunken) 1964, Sāls²-lama pv. Eng 1959, Sāls²-puor² rst. Aizp 1958, Sālījām-birzs +Birkenhain Adul 1972, Sālījām-kalns kln. Graš 1970, Sālījums² sodyba Rop E I 56, Sāļumi namas Sark 1973, Sālīmi² km. Krās E II 168. Vielleicht sind hier auch solche lettischen Hofnamen wie Sālavas Gram 1955, Sālavi Durb 1964, Priekl E II 42 zu erwähnen.
In den lettischen Dialekten ist auch ein anderes Adjektiv mit der Semantik des salzigen Geschmacks, sūrs¹ „salzig“ ME III 1134, recht weit verbreitet. Dasselbe Adjektiv sūrs wird in den Dialekten jedoch auch in der Bedeutung „2. bitter, herb; sauer“ ME ebenda verwendet — Sūra Fluss Lubn p und Fluss Rug (ausgesprochen syura², nahe dem Dorf Nagļi) 1974, Sūrupīle Fluss Kurmā 1963. Diese Wurzel kommt auch in anders gebildeten lettischen Ortsnamen vor: Sūrais zars Apfelbaum Poc 1958, Sūrcelė Hügel, Sūr-kallīns Berg und Sūr-plava Wiese Kurmā 1963, ebenda auch Sūr-kruogs Schenke U IV 131, ferner eine Schenke in Kul U IV 127, Sūras Wiese Grik E II 93, Wiese Plan E II 97, Sūra purvs Moor J-laic („sūrs plaut, cieta zāle“ (saures Gras mähen, hartes Gras) 1963, Sūr²-terce Schlucht Priekl 1979, Sūrāju birzs Birkenhain Smil 1961. In den Gebieten jedoch, in denen ein finno-ugrischer Einfluss möglich ist, sollte diese Wurzel bisweilen mit livisch sūŗ „gross (groß)“ Kett. 388, estnisch sūŗ „dasselbe“ Wied. 1096 in Verbindung gebracht werden — zum Beispiel Sūrkangar-kalns Berg Dund E II 147. Als unmittelbar livisch sind Ortsnamen aus der Umgebung von Dundaga anzusehen wie „Ƶuhrļuwannga“ Moor U IV 255, „Ƶuhr-muzza“ Wald U IV 258, „Ƶuhr-muzza-tarra“ l. U IV 259. Im benachbarten Kirchspiel Ance wurde 1964 der finno-ugrische Name einer ehemaligen Hofstelle Sūrlag sowie der Flurname Sūrlagda // Dīž-klajums 1964 belegt; der Parallelname ist eine finno-ugrische Lehnübersetzung.
In Litauen sind ungefähr ebenso viele Hydronyme dieser Semantik verzeichnet wie in Lettland. Es handelt sich um 15 Flussnamen und einen Seenamen, gebildet aus dem litauischen Adjektiv sūrus „salzig“ LKŽ XIV 220: Sūrė Fluss, Sūris Fluss, Sūrusis Fluss, Sūrava Fluss, Sūrėlė Fluss, Sūrūnis See u. a. EŽ 320. Außerdem gibt es einige Siedlungsnamen: litauisch Sūriškiai Dorf, Sūr-upis Dorf Ladms. 295. Mit der Semantik des salzigen Geschmacks verbunden sind auch Hydronyme wie Drūskinīs, Drūskinė Fluss, Drūskinė Fluss, Druskōnis, Druskis See, Drūskupis Fluss u. a.: litauisch druskà „Salz“ LKŽ II 767 (EŽ 92–93).
Im Preußischen gibt es ebenfalls einen Potamonymen, S u r e 1385, sowie einige Toponyme — S u r i k e n Dorf, S u r i t i, S u r i k, S u r k e Moor (Apr. 177), die ebenfalls mit den erwähnten litauischen und lettischen Adjektiven der Semantik des salzigen Geschmacks verbunden werden (Apr. 177; Daubaras 1990, 105), obwohl das entsprechende Appellativ im Preußischen nicht erhalten ist (vgl. jedoch das preußische Substantiv suris „Käse“ Mažiulis 1981, 314).
In Lettland gibt es zahlreiche Hydronyme, die aus Lexemen der Semantik des süßen Geschmacks gebildet sind — aus den lettischen Adjektiven salds „süss“ ME III 669, saldens „dasselbe“, den Kurzformen saldans, saldins, saldains ME III 668 — Sald-dzījums Tiefstelle im Engurer See Mērs U IV 207, Sald-upe Fluss Zau 1969, Saldanijs aluotens² Quelle (Dialektform) Dag 1962, Saldanais² licis Bucht Akn (Einbuchtung der Radzupe) U V
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277 k. Soldenais pūranė (Dialektform) Teich Dign U V 326. Diese Wurzel lässt sich offenbar auch in lettischen Hydronymen wie Saldus2 See Broc E II 90, Saldus2 upe Fluss Sald 1953 erkennen, die mit dem Namen des Städtchens Saldus2* ME III 670 verbunden sind. Darüber hinaus gibt es weitere lettische Toponyme, die von diesem Adjektiv abgeleitet sind: Saldais2 Hofstelle Ruc E II 45, Saldais purvs Sumpf Beļ 1956, Saldā pļava Wiese Ezern 1979, Saldže Dorf Dag 1972, Saldacnie Dorf Kārsav E II 178 u. a.
Diese Wurzel tritt auch häufig in litauischen Hydronymen auf — Saldus Fluss, Saldeikis Fluss, Saldi-upis Fluss, Salduškis See (EŽ 288), sowie in Oikonymen und Mikrotoponymen — Salda Hügelland, Sal-d-krūvė Erhebung, Saldė Wiese, Saldenis Sumpf, Saldynė Wiese u. a. (EŽ 288), Saldėnė Dorf, Saldiūtiškis Dorf (Ladms. 270).
Ergänzend sei bemerkt, dass litauisch gėlas vanduo = lettisch saldūdens2 „süßes (nicht salziges) Wasser“ ME III 670 entspricht. Semantisch lassen sich lettische Hydronyme mit sald- somit auch mit litauischen Gewässernamen wie Gėlys See, Gėlà Fluss, Gėlainis See, Gėliškė Fluss, Gėluotas See, Gėlūžis See, Gėl-upis Fluss, Gel-upis Fluss vergleichen, litauisch gėlas, gėlas bedeutet „ohne Salz, ohne Säure, frisch, süß“ LKŽ III 209 (EŽ III; anders Savukynas 1966, 188). Folglich könnten Hydronyme mit der lettischen Wurzel sald- teilweise als Antonyme zu Hydronymen mit den Wurzeln sal- und sūr- gelten.
Im Preußischen sind keine Hydronyme mit sald- oder gėl- erhalten; auch Appellative dieser Semantik sind nicht belegt.
Besonders ist das Verhältnis der Adjektive der Geschmackssemantik in solchen lettischen und litauischen Sprachen: lit. sauer = lett. sauer, lit. bitter = lett. bitter.
Aus dem lettischen Adjektiv skābs „sauer“ ME III 878 wurde nur ein Hydronym in Lettland gebildet — Skābais dīķis Teich Sēļ 1952. Hier sind jedoch auch die von Substantiven abgeleiteten Gewässernamen Skāb2-upe Fluss Aizp E II 163 zu erwähnen: skābe „die Säure“ ME III 878, Skābuma baļļa Quelle M-sal 1965 und = Veļa skābuma baļļiņa Quelle M-sal 1952: skābums „die Säure“ ME III 878. Diese Wurzel ist auch in anderen lettischen Ortsnamen häufig, zum Beispiel: Skābā2 Wiese Cīr 1958, Skābais kalns Berg Beļ 1960, Skābā2 bidē Nīzemju U IV 65, Skābie Hofstelle Pals E I 81, Skābiņi2 Hofstelle Bēn E II 131 u. a.
In Litauen ist nur ein Seenamen dieser Semantik verzeichnet, Rūkštýs: litauisch rūgštùs „sauer“ LKŽ XI 903 (EŽ 284), ferner einige Mikrotoponyme — Rūkštýs Wiese, Rūkšt-pjaunis Wiese (EŽ 284) und Oikonyme — Rūgšteliškis Dorf (Ladms. 267).
* E. Blese neigt dazu, lettische Ortsnamen mit der Wurzel sald- mit norwegisch-dialektalem sylt „niedriger, bei Hochwasser überschwemmter Meeresstrand, kleiner Salzsumpf“ in Verbindung zu bringen, und stellt die Hypothese auf, dass lettisch saldus einst „niedrige, sumpfige Stelle, kahle graue Fläche“ bedeutet haben könnte (Blese 1933, 111—113). A. Vanagas weist jedoch zu Recht darauf hin, dass eine solche Rekonstruktion zur Wurzel sal- passen würde, möglicherweise aber nichts mit Toponymen zu tun hat, die die Wurzel sald- enthalten. Schwer zu sagen ist, welche litauischen und lettischen Ortsnamen mit sald- die alte Bedeutung dieser Wurzel (genauer: der Wurzel sal-) bewahrt haben könnten und welche etwas jüngere baltische Bildungen sind, die mit litauisch saldùs und lettisch salds zusammenhängen (EŽ 288—289). Offenbar lassen sich die meisten litauischen und lettischen Toponyme unmittelbar von litauisch saldùs und lettisch salds ableiten (Endzelīns 1933, 157—158; EŽ 289).
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Zu dieser Semantik zählen bei den litauischen Hydronymen auch Gewässernamen wie Spālēs ež.: lit. spalhis „sauer“ (EŽ 310) und Škob-upis up.<(?) *Skob-upis: lett. skābs „sauer“ (EŽ 333) (Vanagas 1981, 117).
In der prußischen Sprache sind die Ortsnamen Ructiten, Roctiten belegt, die möglicherweise die Wurzel des prußischen Adjektivs rukthan „sauer“ bewahrt haben (Apr. 145–146). Prußische Hydronyme mit dieser Wurzel sind nicht erhalten.
Die Wurzel des lettischen Adjektivs rūgta „bitter, herb“ ME III 568 findet sich nur im Namen eines lettischen Sees – Rūgtens Krās E II 168: lett. rūgtens „etwas bitter, bitterlich“ ME III 568. Diese Wurzel ist in der Toponymie Lettlands selten; es gibt nur einige wenige Ortsnamen, die alle in Latgale verzeichnet sind: Rūgtais kalna Hügel Bel 1965, Rūgtens pv. Krās 1957 u. a. Dieses semantische Feld wird in Lettland (genauer: in der lettischen Hydronymie) offenbar durch die zweite Bedeutung des bereits erwähnten Adjektivs sūrs „bitter“ abgedeckt (siehe s. v. sūrs).
In Litauen gibt es zahlreiche Potamonyme dieser Semantik: Karč-upis, Karč-upys, Kārt-upis, Kart-upis, Kartenalė u. a.: lit. kartùs LKŽ V 347 (EŽ 147, 148; Vanagas 1981, 117); zahlreich sind auch Oikonyme, von denen die meisten hydronymischen Ursprungs sind: Karč-upis D., Karč-upys D., Karč-rūdė D. (Ladms. 123), Kart-upėnai D., Kartena St. u. a. (Ladms. 125).
Obwohl das prußische Adjektiv der Geschmack-Semantik pr. kārtai „bitter“ bekannt ist (Mažiulis 1981, 278), sind keine prußischen Ortsnamen erhalten, die von diesem Lexem abgeleitet sein könnten.
Neben den bereits analysierten Geschmacksadjektiven sōls, sūrs, salds, saldēns, skābs, rūgts werden im Lettischen auch ass „scharf, beißend“, kuōdīgs „beißend“, plekans „fade, frisch“, sājš „fade, geschmacklos“, sal̄kans „leicht salzig, leicht süß“, sīvs „scharf, reizend; bitter“, skāns „leicht sauer, säuerlich, herb“, šķebīgs „ekelhaft, übelkeitserregend“, šķēms „herb, reizend“ verwendet. In lettischen Hydronymen sind jedoch keine Wurzeln dieser Adjektive belegt (vielleicht findet sich das Adjektiv sīvs unklarer Bildung im Potamonym Sīvēkste Lubn p; vgl. den anderen lettischen Flussnamen Aiviekste² E I 115).
In der litauischen Hydronymie sind neben den bereits erwähnten litauischen Adjektiven auch Bildungen aus den Geschmacksadjektiven aižus, aitrūs, gailūs, gaižūs, gorius, laiskūs belegt (Vanagas 1981, 117).
Ein quantitativer Vergleich der Hydronyme einzelner Untergruppen der Qualitätsemantik zeigt, dass sowohl im Lettischen als auch im Litauischen Hydronyme der Farbsemantik zahlreicher sind als solche der Geschmackssemantik; noch seltener sind Gewässernamen der Semantik von Wasserklarheit, Reinheit, Temperatur u. a.
ABKÜRZUNGEN
Abkürzungen der Namen von Siedlungen
Adul — Aduliena (Gulbenes raj.)
Aiv — Aiviekste (Jekabpilio raj.)
Aizp — Aizpute (Liepājas raj.)
Akn — Aknysta (Jekabpilio raj.)
Anc — Ance (Ventspilio raj.)
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Annen — Anenieki (Duobelēs raj.)
Bel — Beliava (Gulbenes raj.)
Bēn — Bēnē (Duobelēs raj.)
Broc — Bruocenai (Saldaus raj.)
Cīr — Cyrava (Liepōjos raj.)
Dag — Dagda (Kraslavas raj.)
Dign — Dignaja (Jekabpilio raj.)
Dob — Duobele (Duobelēs raj.)
Dund — Dundaga (Talsu raj.)
Durb — Durbē (Bezirk Liepāja)
Eng — Engurē (Bezirk Tukums)
Ezern — Ezerniekai (Bezirk Dagda)
Gav — Gavieze (Bezirk Liepāja)
Gram — Gramzda (Bezirk Liepāja)
Graš — Grašiai (Bezirk Madona)
Griķ — Griķiai (Bezirk Kuldīga)
J-laic — Jaunlaicenē (Bezirk Alūksne)
Kalu — Kalupē (Bezirk Daugavpils)
Kārs — Karsava (Bezirk Karsava)
Krās — Kraslava (Bezirk Kraslava)
Kul — Kuldýga (Bezirk Kuldýga)
Kurmā — Kurmalē (Bezirk Kuldīga)
Lim — Limbažiai (Bezirk Limbaži)
L-str — Lielstraupē (Bezirk Cēsis)
Lubn — Lubana (Bezirk Madona)
Lubez — Lubezēre (Bezirk Talsi)
Mērs — Mersrags (Bezirk Talsi)
M-sal — Mazsalaca (Bezirk Valmiera)
Pals — Palsmanē (Bezirk Valka)
Pērk — Perkuonē (Bezirk Liepāja)
Plan — Planyca (Bezirk Kuldīga)
Poc — Puociemas (Bezirk Limbaži)
Priekļ — Priekulē (Bezirk Liepāja)
Priekļ — Priekuliai (Bezirk Cēsis)
Rop — Ruopāžai (Bezirk Riga)
Ruc — Rucava (Bezirk Liepāja)
Rug — Rugāji (Bezirk Balvi)
Sald — Saldus (Bezirk Saldus)
Sark — Sarkanmuiža (Bezirk Ventspils)
Sēl — Sēliai (Bezirk Valmiera)
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Skan — Skankalnė (Bezirk Valmiera) Skriv — Skryveriai (Bezirk Ogre) Smil — Smiltenė (Bezirk Valka) Snėp — Snėpelė (Bezirk Kuldīga) Str — Straupė (Bezirk Cēsis) Strut — Strutelė (Bezirk Tukums) V-au — Vecauce (Bezirk Dobele) Viesn — Viesiena (Bezirk Madona) Zau — Zaubė (Bezirk Cēsis) Zebr — Zebrenė (Bezirk Dobele) Ziemu — Ziemupė (Bezirk Liepāja)
Weitere Abkürzungen
dr. — Boden est. — estnisch ež. — See gn. — Weide įl. — Bucht k — korrigiert, präzisiert k. — Dorf kl. — Weg kln. — Berg l. — Feld lat. — lettisch lyb. — livisch liet. — litauisch žr. — siehe
mstl. — Marktflecken p — zusätzliches Material pav. — Familienname plg. — vergleiche pr. — prußisch pv. — Wiese rst. — Moor s. v. — unter dem Stichwort šlt. — Quelle tarm. — Dialektform ti. — Brücke tv. — Teich up. — Fluss upl. — Bach
+ — vor der Bezeichnung der Objektart (+tež.) zeigt an, dass das Objekt nicht mehr existiert 1956...1978 — die Jahre nach einem Hydronym geben den Zeitraum der Expedition an ∧², \² — Übereinstimmung der Intonationen
LITERATURABKÜRZUNGEN1
Apr. — Gerullis G. Die altpreussischen Ortsnamen. Berlin—Leipzig, 1922.
Balode 1983 — Balode L. Das Adjektiv in der Bildung von Seenamen in der Lettischen SSR. // LPSR ZA Vēstis, 1983. Nr. 1. S. 25–34.
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Būga RR — Būga K. Gesammelte Schriften. V., 1958—1961. Bd. 1—3.
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Endzelin 1934 — Endzelin J. Die lettländischen Gewässernamen. Zeitschrift für slavische Philologie. Wiesbaden, 1934. Bd. II. H. 12. S. 112.—150.
E I—II — Endzelīns J. Lettische Ortsnamen. Teil I: Namen Livlands. Riga, 1922; Teil II: Namen Kurlands und Latgales. Riga, 1925.
Endzelīns 1933 — Anmerkungen zu den Namen Liepāja und Saldus // Schriften der Philologischen Gesellschaft. Riga, 1933. Bd. 13. S. 157–158.
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FBR XII — Hauzenberga E. Was bieten Ortsnamen für die Phonetik der lettischen Sprache? // Schriften der Philologischen Gesellschaft. Riga, 1932. Bd. 12. S. 115–148.
Kett — Kettunen L. Livisches Wörterbuch mit grammatischer Einleitung. Helsinki, 1938.
Konv. I—XXII — Lettisches Konversationslexikon. Riga, 1927—1940. Bd. 1—22.
Ladms. — Lietuvos TSR administracinio-teritorinio suskirstymo žinynas. V., 1976. T. 2.
LKŽ — Wörterbuch der litauischen Sprache. V., 1968—1988. Bd. 1—14.
Mažulis 1981 — Mažiulis V. Denkmäler der prußischen Sprache. V., 1981. Bd. 2.
ME I—IV — Mühlenbach K. Latviešu valodas vārdnīca // Redigējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns. Rīga, 1923—1932, S. 1.—4.
Savukynas 1966 — Savukynas B. Ežerų vardai. // Lietuvių kalbotyros klausimai T. 8: Lietuvių kalbos leksikos raida. V., 1966. P. 183—194.
Ū IV—V — Plāķis J. Ortsnamen Lettlands und lettische Familiennamen. Bd. 1: Namen Kurlands. // Latvijas Universitātes raksti. Filologijas un filozofijas sērija. Riga, 1936. S. 4; Bd. 2: Namen Semgallens. // Latvijas Universitātes raksti. Filologijas un filozofijas sērija. Riga, 1937. S. 5. S. 213–528.
Vanagas 1981 — Vanagas A. Lietuvių hidronimų semantika // Lietuvių kalbotyros klausimai. T. 21: Lietuvių onomastikos tyrinėjimai. V., 1981. P. 4—154.
Wied. — Wiedemann F. J. Estnisch-deutsches Wörterbuch. St.Petersburg, 1869 (Tallinn, 1973).
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Hydronyme mit Geschmackssinnesbedeutung in Lettland
Zusammenfassung
Hydronyme mit salzigem Geschmack sind in Lettland die am weitesten verbreiteten Hydronyme dieses Typs: etwa 16 Namen, abgeleitet vom lettischen Adjektiv sāļš „salzig“ und den lettischen Substantiven sāls „Salz“, sālījums, sāļums „Sole“. Auch in Litauen ist ungefähr dieselbe Anzahl solcher Hydronyme belegt.
Ein weiteres lettisches Adjektiv, sūrs „1. salzig“, ist in lettischen Dialekten gut bekannt (vgl. die Potamonyme Sūra, Sāru pīte), bedeutet aber auch „bitter; sauer“. Im Gebiet finno-ugrischen Einflusses könnten solche Toponyme von liv. sūr, est. sär „groß“ abgeleitet sein. Ein Hydronym mit dieser Wurzel — Sure — ist auch in Preußen belegt.
In Lettland gibt es eine recht große Zahl von Hydronymen mit süßem Geschmack. Diese Hydronyme lassen sich mit Hydronymen derselben litauischen Wurzel Sald- und einer weiteren Wurzel Gėl vergleichen: lit. Adj. gėlas [vanduō]=lett. saldūdens „Süßwasser“.
Bemerkenswert sind die Entsprechungen zwischen lit. rūgštìs = lett. skābs „sauer“ sowie lit. kartùs = lett. rūgts „bitter“.
Das lettische Adjektiv skābs wird nur in einem Hydronym erwähnt — Skābais dīķis; es gibt jedoch einige weitere Hydronyme substantivischen Ursprungs — Skābji-upē, Skābuma baļļa usw. Auch in Litauen gibt es nur ein Limnonym, Rukštys.
Die lettische Wurzel rūgts „bitter“ kommt nur in einem Seenamen vor: Rūgtenis: Adj. rūgtenš „ziemlich bitter“. Dieses semantische Feld wird in der lettischen Hydronymik offenbar durch die oben erwähnte zweite Bedeutung des lettischen Adjektivs sūrs „2. bitter“ abgedeckt.
Andere lettische Geschmacksadjektive (wie ass, kuodīgs, plekans, sājš, salkans, siuvs, skāņš, ėkebas, ījērns) werden bei der Bildung lettischer Hydronyme nicht erwähnt.
Geschmacksbezogene Hydronyme sind vielleicht sehr alt; ihre Semantik ist eine der hydronymischsten. Vergleicht man diese Gruppe jedoch mit anderen Hydronymen, die sich auf die Wasserbeschaffenheit beziehen, ist festzustellen, dass die Gruppe der geschmacksbezogenen Hydronyme zahlreicher ist als beispielsweise die Gruppe der farbbezogenen Hydronyme.
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