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Dėl tarmybių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“

Vilija Lazauskaitė

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXIX (1998) Vilija LAZAUSKAITĖ Institut für Litauische Sprache, Vilnius ZUR DARSTELLUNG DIALEKTALER WÖRTER IM „WÖRTERBUCH DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE“ Pirmojo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyno“ (1954) Įvade (p. V) skelbta nuostata, kad „sutinkamai su praktiniu, norminamuoju Žodyno pobūdžiu, į šį Žodyną įeina <...> liaudies kalbos bei įvairių tarmių žodžiai, plačiau užtinkami literatūroje arba reikalingi kai kurioms sąvokoms reikšti, pvz., buklus, skubrus, namiegas“, nepakito rengiant ir kitus du šio žodyno leidimus. Pasirodžius antrajam „Dabartinės lietuvių kalbos žodyno“ leidimui (1972) tarmybės rengėjų ir recenzentų vertintos kaip bendrinės kalbos turtinimo šaltinis, nes, pasak A. Lyberio (1973: 4), visa tai, kas yra geriausia liaudies kalboje, liejasi į bendrinę kalbą ir ją turtina naujais žodžiais, posakiais, naujomis išraiškos priemonėmis. Kad tarminiai žodžiai buvo (ir tebėra) laikomi lietuvių kalbos turtu, papildančiu bendrinės kalbos žodžių lobyną, nurodoma ir kitų kalbininkų (Paulauskas 1979: 77). E. Grinaveckienė (1973: 5), pasidžiaugusi, kad žodynas teisingai sprendžia bene pačią sudėtingiausią mūsų laikų praktinę kalbos problemą – bendrinės kalbos ir tarmių sąveiką, pastebėjo, kad į žodyną „be reikalo bus pakliuvę kai kurie dialektizmai ar šnekamosios kalbos žodžiai“. Atkreiptas dėmesys į tarminių variantų atrankos problemą, nes bendrinėje kalboje atsirado daug variantų, tik išplečiančių jos žodžių fondą, o leksikos reikšmių fondui nieko neduodančių (Paulauskas 1979: 77). Bei der Erörterung der Fragen zur Aufnahme dialektaler Wörter werden zwei Aspekte hervorgehoben: Als Wörter der Standardsprache gelten Dialektismen, die Begriffe bezeichnen, für die es keine anderen geeigneten Wörter gibt (Paulauskas 1974: 43), sowie die Etablierung von Dialektismen und ihre zunehmende Verbreitung im Gebrauch der Standardsprache (Lyberis 1983: 148). Diese Grundsätze gelten als wichtigste Auswahlkriterien für Dialektismen, die bei der Vorbereitung der dritten Ausgabe des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ (1993) letztlich doch nicht vollständig berücksichtigt wurden. Vergleicht man die erste und die dritte Ausgabe des Wörterbuchs, so zeigt sich, dass die Zahl der Dialektismen zunahm. So kamen beispielsweise in der zweiten Ausgabe des Wörterbuchs Dialektismen hinzu, die in der ersten überhaupt nicht enthalten waren: J. Paulauskas (1974: 43) führte davon allein für den Buchstaben d mehrere an: deinauti, dygmuo, dykoji, dylatė, dilikas, dosai und andere. K. Morkūnas (1997: 43) wies darauf hin, dass die dritte Ausgabe Wörter enthält, die für den einen oder anderen Teil des litauischen Sprachgebiets typisch sind und keine besonderen Kennzeichnungen tragen, obwohl sie in den Dialekten nur in einem recht begrenzten Gebiet verwendet werden, z. B. kapōklė (2) 3. ‘vedega’ und andere. All dies zeigt, dass das in der ersten Ausgabe des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ (S. VI) gesetzte Ziel, keine eng begrenzt verwendeten und für die Standardsprache wenig erforderlichen terminologischen Wörter in das Wörterbuch aufzunehmen, nicht vollständig erreicht wurde— 228 wie etwa šutrus ‘heiß’, klūkti ‘sehr bitten’1. So wurde beispielsweise in die zweite Ausgabe des Wörterbuchs der žemaitische Dialektismus 2 klūkti, ~ia, ~ė ‘sehr bitten, flehen’ aufgenommen, obwohl das Material des akademischen „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ zeigt, dass das Wort in den Dialekten recht selten verwendet wird – J, Vdk, Užv (LKŽ VI 166). In der dritten Ausgabe des Wörterbuchs wurde es wiederum weggelassen. Noch weniger verständlich ist die Aufnahme des Homonyms klūkti, ~ia, ~ė žem. ‘im Winter fischen, indem man Eislöcher schlägt und Fische hineinscheucht’ in allen drei Ausgaben des Wörterbuchs. Im akademischen Wörterbuch findet sich dafür lediglich die Abkürzung J (LKŽ VI 166). Die Auswahl terminologischer Wörter, ihre Funktion, ihr Verhältnis zum Wortschatz der Standardsprache und weitere Fragen werden bis heute unter verschiedenen Gesichtspunkten erörtert. Die unterschiedliche Darstellung der Dialektismen in allen drei Ausgaben des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ sowie die Analyse der Dialektismen in der dritten Ausgabe zeigen, dass für ein künftiges Wörterbuch der Standardsprache neue Auswahlkriterien erforderlich sind. Zumal ein Wörterbuch der Standardsprache normativ sein muss. Sein Wortschatz sollte verschiedene Sprachebenen umfassen, und im Hinblick auf seine Funktion sollte mit minimalen Ausdrucksmitteln ein Höchstmaß an Information vermittelt werden (Zabarskaitė 1996: 106). Kriterien für die Auswahl von Dialektismen In der dritten Ausgabe des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ sind etwa 2150 Wörter mit den Kennzeichnungen tarm., aukšt., dz., ryt., vak., žem. verzeichnet. Das sind ungefähr drei Prozent aller im DŽ3 aufgeführten Wörter (Grumadienė 1995: 15). Die meisten sind mit den Kennzeichnungen tarm. und žem. versehen (insgesamt 698 bzw. 687); deutlich weniger tragen die Verweise ryt., dz. und vak. (478, 161 bzw. 111), und nur einige wenige die Kennzeichnung aukšt. (8). Den größten Teil des im DŽ3 enthaltenen dialektalen Materials bilden Substantive und Verben, Adjektive und Adverbien sind dagegen wesentlich seltener. Etwa ein Drittel der Substantive lässt sich als Ethnographismen einordnen, z. B. karinỹs (3b) dz. ‘in einen Baum gehängter Bienenstock, Nistkasten zum Fangen von Bienenschwärmen’, kėkšis (2) ryt. ‘Stange mit Haken’, 2 mazginỹs (3b) 1. žem. ‘Korb zum Tragen von Kartoffeln, Äpfeln u. a.’, 2. žem. ‘in der Küche oder an der Wand befestigter Korb zum Aufbewahren von Geschirr und Löffeln’, 3. dz. ‘in ein Tuch gebündelte Gegenstände’, pamautas (2) žem. ‘Zaumzeug ohne Gebiss’, rėzgė (2) dz. ‘Korb zum Tragen von Getreide und Mehl’, rintė (2) vak. 1. ‘gerilltes Brett, mit dem das Nudelholz beim Glätten der Wäsche hin und her gerollt wird’, 2. ‘gerilltes Waschbrett, Rumpel’, sąmatas (1) ryt., dz. ‘Schnur oder Lederriemen zum Zusammenziehen der Zugstränge beim Anschirren’, strustis, ~iės (4) vak., dz. 1. ‘Zähne des Webblatts’, 2. ‘Kreuzgeflecht eines Korbes’ und andere. Im Wörterbuch sind jedoch nur einige von ihnen mit dem Verweis etnogr. gekennzeichnet, z. B. darýtinis (1) etnogr. dz. ‘Quark, mit süßer oder saurer Milch oder mit Sahne vermischt’, palankynos 1 Die Beispiele in Klammern sind der Einleitung zur ersten Wörterbuchausgabe entnommen. 229 Pl. (2) etnogr. dz. ‘Besuch bei einer Wöchnerin’, pirmaryčiai Pl. (1) etnogr. ryt., dz. ‘Brauch, das Brautpaar am ersten Morgen nach der Hochzeit zu wecken’, sōdas (2) 3. etnogr. ryt., dz. ‘Hochzeitsdekoration aus Stroh, die am Tisch aufgehängt wird’ usw. Eine beträchtliche Gruppe bilden Substantive mit spezifischer Bedeutung (Bezeichnungen von Dingen oder Erscheinungen), z. B. bangas (4) dz. ‘starker Regen mit Gewitter’, blauždlaūža (1) žem. ‘Zeit, in der der gefrorene Schlamm noch aufbricht’, čirškė (1) dz., ‘trockener Kiefern- oder Fichtenzweig, Nadel’, dalgėna (3b) ryt. ‘große Schwanzfeder eines Hahns oder eines anderen Vogels’, gaidūonė (1) tarm. ‘surrendes Insekt’, iesmė (3) tarm. ‘Menge an Brennholz, die auf einmal in den Ofen gelegt wird’, irmedė (1) ryt. ‘bei Erkältung, Übermüdung oder Erschrecken entstandene Krankheit; Schüttelfrost, Zittern’, kimša (1) vak. ‘Öffnung im Dach oder in der Decke, durch die Heu oder Stroh auf den Dachboden gestopft wird’, kriōgis (2) žem. ‘aus Stöcken zusammengefügtes Dreieck, das einem Schwein um den Hals gelegt wird, damit es nicht durch den Zaun schlüpft, einer Kuh, damit sie nicht saugt, und Rindern, damit sie beim Weiden nicht davonlaufen’, pūtra (1) vak. ‘irgendein verrotteter Gegenstand (Haus, Baum)’, rūopis (1) žem. ‘Lagerhaufen für Kartoffeln oder Rüben’, šešiaūninkė (1) tarm. ‘Wöchnerin während der sechs Wochen nach der Geburt’ usw. Einige dieser Substantive bezeichnen Begriffe, für die es in der Standardsprache keine anderen Wörter oder Bezeichnungen gibt, z. B. balymas (1) ryt. ‘un gemähtes Gras vom Vorjahr’, dangùs (4) 3. tarm. ‘oberer Innenraum des Ofens’, skēršė (2) 3. tarm. ‘langer, weiter, traditioneller gestreifter Rock’, šēkštis (2) žem. ‘Leiste, die an die Seiten eines Wagens gesetzt wird, damit mehr hineinpasst’, trīnalas (3ᵇ) 2. dz. ‘Speckstück, mit dem die Pfanne eingerieben wird, damit beim Braten nichts anbrennt’, žindenė (2) vak. ‘säugendes Schwein, säugende Stute’ usw. Die meisten derartigen Substantive haben in der Standardsprache jedoch gebräuchlichere, häufiger verwendete Entsprechungen, z. B. dėrgna (1) tarm. ‘schlechtes, regnerisches Wetter mit Schneeregen’, gimulys (3ᵇ) tarm. ‘Neugeborenes, Säugling’, likštis, ~iēs m. (4) tarm. ‘Makel, Mangel’, skyrà (4) žem. ‘Unterschied’, skivytas (2) vak., žem. ‘Lumpen, Lappen’, sōpė (1) ryt., dz. ‘Schmerz, Weh’, spandà (4), spánda (1) ryt., dz. ‘Stütze, Widerlager’, spirgà (4) vak. ‘Hitze, Dürre’, stalgītis, ~iēs (4) ryt. ‘großes Verlangen’ und dergleichen. Eine semantische Analyse der Verben mit den Verweisen tarm., dz., ryt., vak., žem. zeigt, dass die meisten von ihnen expressiv sind, z. B. čiōkšti, ~škia, ~škē dz. ‘stark, in Strömen fließen, regnen’, šliōti, ~ja, ~jo tarm. ‘etwas heftig tun (schlagen, regnen, gehen)’, tuliōti, ~ja, ~jo ryt. ‘mit Geschrei verjagen, scheuchen’ usw. Eine eingehendere Untersuchung etwa der dzūkischen Verben ergab, dass Wörter überwiegen, die Bewegung oder Handlung ausdrücken, z. B. plūkti, plūnka, ~o ‘fließen, strömen’, salvėti, salva, ~jo ‘langsam fließen, sickern’ usw. Unter den lautmalenden Verben sind dzūkische Verben zu nennen, die das Sprechen beschreiben, z. B. kvōkšti, ~čia, ~tē ‘mit heiserer Stimme sprechen, schreien’, švarnōti, ~ja, ~jo ‘Unsinn reden, schwätzen’ usw. Verben, die Licht, körperliche oder geistige Eigenschaften sowie gesellschaftliche Beziehungen bezeichnen, gibt es im Wörterbuch nur wenige; vgl. die dzūkischen Verben jūnkyti, ~o, ~ė ‘ausbilden, unterrichten’, nogėti, nōgisi, ~josi ‘Lust haben, begehren’, žverblėti, žvērblà, ~jo ‘funkeln, glänzen’ usw. (Lazauskaitė 1997: 130). Unter diesem Gesichtspunkt ist es interessant, auch andere Verben mit Kennzeichnungen zu untersuchen, die sie als dialektal ausweisen. Bei den Žemaiten etwa stechen Verben hervor, die Zerstörung bezeichnen, z. B. ingti, ~sta, 230 ~o 1. ‘kahl werden, das Fell verlieren’, 2. übertr. ‘verarmen, verfallen’, spilgti, ~sta, ~o ‘ohne Sonne eingehen, verkümmern’ usw. Expressive Verben verleihen meist keine neue Bedeutungsnuance, sondern benennen, was üblicher mit anderen Wörtern der Standardsprache ausgedrückt wird, z. B. dulbsti, ~čia, ~tė vak. ‘langsam arbeiten’, gorūoti, ~ūoja, ~āvo tarm. ‘schwer gehen, sich kaum bewegen’, niógti, ~ia, ~ė dz., vak. 1. ‘schnell gehen, laufen’, 2. ‘schwer tragen, schleppen’, plūncinti, ~a, ~o tarm. 1. ‘mühsam gehen, sich dahinschleppen’, 2. ‘schlagen’, šižinti, ~a, ~o žem. ‘ärgern, reizen’ und dergleichen. Neben den expressiven Verben führt das DŽ3 oft auch ihre suffix- oder endungsbildungen auf. Letztere sind Personenbezeichnungen mit negativer Konnotation (wie übrigens auch ihre Grundwörter), vgl. palašiaūti, ~iāuja, ~iāvo vak. ‘nach kostenloser Trinkgelegenheit suchen’ und palašys, ~ė dkt. (3b) vak. ‘jemand, der nach kostenloser Trinkgelegenheit sucht’; pliaūnyti, ~ija, ~ijo tarm. ‘Unsinn reden, plappern’ und pliaūnius, ~ė dkt. (2) tarm. ‘jemand, der pliaunija’; tvoróti, ~ja, ~jo ryt. ‘Unsinn reden, herumschreien’ und tvorónas (2) ryt. ‘jemand, der tvorója, herumschreit’; varėzgoti, ~ja, ~jo tarm. ‘Unsinn reden, schwätzen’ und varėzgà b. (2) tarm. ‘jemand, der varėzgoja, ein Schwätzer’ usw. Ableitungen werden in den Dialekten gewöhnlich noch seltener verwendet als ihre Grundwörter, z. B. knėkšlýs, ~ė dkt. (4) dz. ‘Heulsuse, Schreihals, Quengler’ LKŽ VI 216 (Lš, Sn) und vgl. knėkšti, ~čia, ~tė dz. ‘mit schwacher Stimme weinen’ LKŽ VI 216 (Sn, Lp, Mrs, Kb, Šn); purlà b. (4) dz. ‘schmutziger, dreckiger Mensch’ LKŽ X 982 (Rdm, Mrs, Krok) und vgl. puržlìnti, ~a, ~o dz. ‘beim Beschmutzen spritzen, bespritzen’ LKŽ X 992 (Lp, Rdm, Lš, Lzd, Pns) usw. Sie alle sind für die Standardsprache recht unüblich. Unter den im DŽ3 aufgeführten Dialektismen ist Expressivität wohl am stärksten für Adjektive charakteristisch, z. B. mūrglinas, ~à (3b) dz. ‘schmutzig, beschmiert’, rakštìs, ~i (4) ryt., dz. 1. ‘stachelig, stechend’, 2. ‘unklar, verworren, schwierig’, skaugùs, ~i (4) žem. ‘geizig’, uvėrùs, ~i (4) tarm. 1. ‘dreist, aufdringlich, beharrlich’, 2. ‘gefräßig; habgierig’ usw. Wie Personenbezeichnungen haben sie meist eine negative Bedeutungsfärbung. Aus dem Gesagten geht also hervor, dass folgende Wörter nicht in ein Wörterbuch der Standardsprache aufgenommen werden sollten: 1. Ein beträchtlicher Teil des expressiven Wortschatzes, z. B. atlagénti, ~ēna, ~ēno ryt. ‘im Trab, langsam herbeilaufen’, dulbsti, ~čia, ~tė vak. ‘langsam arbeiten’, kluikti, ~ia, ~ė vak., kluókti, ~ia, ~ė žem. ‘inständig bitten, betteln’, krēištis, ~iasi, ~ėsi žem. 1. ‘sich wehren, sich sträuben, Widerstand leisten’, 2. ‘sich anschicken, sich wappnen’, tuliōti, ~ja, ~jo ryt. ‘mit Geschrei verjagen, scheuchen’, vaimétis, ~jasi, ~josi dz. ‘erscheinen, sich einbilden’, vampāžyti, ~ija, ~ijo tarm. ‘schwatzen, Unsinn reden’, žiubrēnti, ~ēna, ~ēno dz. ‘schnell kauen, fressen’ usw.; kemžỹs, ~ė dkt. (4) vak. ‘armer Schlucker, Kümmerling’, pasiūtùkailis (1) žem. abw. ‘Wüterich, Frechdachs’, plūja b. (4) ryt. 1. ‘Landstreicher, Vagabund’, 2. ‘Schwätzer’, terliūzas b. (2) tarm. 1. ‘Schmutzfink’, 2. ‘fetter, übergewichtiger Mensch’ usw.; agniùs, ~i (4) žem. ‘heftig, beweglich, energisch’, grauždùs, ~i (4) 2. dz. ‘böse, grob, grausam’, širdingas, ~a (1) 3. tarm. ‘böse, jähzornig’, vizgùs, ~i (4) žem. ‘beweglich, flink, lebhaft’ usw. 231 Bei der Präsentation anschaulichen dialektalen Materials kann man sich in vielen Fällen mit dem Hinweis šnek. begnügen (dies gilt vor allem für Verben mit dem Hinweis tarm.). Zumal umgangssprachliche Wörter, die sich durch einen ungezwungenen Ausdruck auszeichnen und manchmal eine abwertende oder geringschätzige Färbung haben, den Dialektismen nahestehen (Lyberis 1983: 149). 2. Wörter, für die es in der Standardsprache geläufigere Entsprechungen gibt, z. B. áitas (1) ryt. ‚Raufbold, Unruhestifter‘, akėivos dgs. (1) ryt. ‚Trugbild, Erscheinung von etwas Nichtvorhandenem; Zauberei‘, ãmas (4) vak. ‚Versprechen, Stimme‘, 1 nibrė (2) tarm. ‚Schnauze (gewöhnlich eines Schweins)‘, smúrgas (3) žem. ‚Rotz‘, stãibis (1) žem. ‚Wade‘, veltỹnės dgs. (2) ryt. ‚Ringen, Ringkampf‘ u. a.; ýlinas, ~à (3ᵃ) žem. ‚spitz‘, kutrùs, ~ì (4) tarm. ‚schnell, flink‘,šliūkinas, ~à (3ᵇ) tarm. ‚schmutzig, schlammig‘, tīm̃sras, ~à (4) vak. ‚dunkelbraun‘ (gewöhnlich von Pferden), ūmùs, ~ì (3) 2. ryt. ‚grün, nicht getrocknet‘ (von Pflanzen, Getreide), 3. ryt. ‚frisch‘ u. a.; 2 áidėti, ~a, ~ėjo tarm. ‚Lärm machen, herumschreien‘, gaksóti, gãkso, ~jo vak. 1. ‚herumliegen‘, 2. ‚gaffen‘, niókti, ~ia, ~ė ryt. ‚zerzausen, durcheinanderbringen, verheddern‘, parkílti, ~ýla, ~ilo žem. ‚heimkehren, zurückkommen‘, pužóti, ~ja, ~jo dz. ‚schäumen, aufgehen, gären‘, skū̃sti, skū̃ndžia, skū̃ndė 4. žem. ‚bedauern, geizen‘, žabáinoti, ~ja, ~jo žem. ‚verwickeln‘ u. a.; ikvãliai Adv. vak. ‚ausreichend‘, nókabrazda Adv. tarm. ‚im Galopp, sehr schnell‘, patarándom Adv. dz. ‚im Galopp‘, tuõžyg Adv. žem. ‚zugleich, zusammen, gemeinsam‘ u. a. Zu beachten ist auch, dass der Verweis žr. in vielen Fällen Zweifel daran aufkommen lässt, ob ein Dialektwort überhaupt in einem Wörterbuch der Standardsprache verzeichnet werden sollte, z. B. kiáukė (1) dz. žr. kuosa, medžiõkas (2) ryt., dz. žr. medkurpė, pãviešis (1) žem. žr. viešnagė, pùtelis (1) žem. žr. putinas, rážas (2) ryt. žr. ražulys, skeliáud(r)a (1) tarm. žr. skeveldra, spáugas (3) aukšt. žr. spuogas u. a.; eškùs, ~ì (4) tarm. žr. ėdrus, pãtisas, ~à (3ᵇ) ryt. 3. žr. pratisas, slìnkas, ~à (4) žem. žr. tingus, sparùs, ~ì (4) tarm. žr. spartus u. a.; dvakinėti, ~ja, ~jo ryt. žr. dvoklinėti, pláusti, ~džia, ~dė tarm. žr. plauti, niáugėti, ~ja, ~jo tarm. žr. rau gėti, ribúoti, ~úoja, ~ãvo dz. 1. žr. raibuliuoti, 2. žr. riedėti 1–2, skrūpsėti, skrū̃psi, ~jo vak. žr. skrūpsoti u. a. 3. Wörter, die selten und in einem kleinen Dialektgebiet verwendet werden, z. B. dabà (4) tarm. ‚Schmuck‘ LKŽ II 199 (Pnm), gùlas (4) dz. ‚ein im Sumpf oder See liegender Baumstamm‘ LKŽ III 705 (Vlk, Asm), ilg vakaris (1) žem. ‚langer Abend‘ LKŽ IV 55 (Bržr), tvorõnas (2) ryt. ‚jemand, der Zaunlärm macht und herumschreit‘ LKŽ XVII 338 (Trgn), vãbolė (1) žem. ‚Schwarzkäfer‘ LKŽ XVII 767 (Krkl, Mžk), valgà (4) ryt. 1. ‚Essen, Essvorgang‘ LKŽ XVII 1049 (Ln), 2. ‚Essensvorrat, Speise‘ LKŽ XVII 1049 (Grš) u. a.; ėdráuti, ~áuja, ~ãvo dz. ‚fressen, knabbern‘ LKŽ II 1046 (Vlk), varangótis, ~jasi, ~josi tarm. ‚sich winden‘ LKŽ XVIII 129 (Lp), vãrškanoti, ~oja, ~ojo žem. ‚zerknittern, runzeln‘ LKŽ XVIII 311 (Vkš, DūnŽ) u. a. 4. Wörter, die im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ lediglich mit dem Vermerk DŽ aufgeführt sind, z. B. įsagtė (3ᵃ) dz. ‚Abheftlasche‘ LKŽ III 144 (DŽ) u. a. 232 5. Wörter, die im DŽ₃ mit Bedeutungen verwendet werden, die im akademischen Wörterbuch nicht verzeichnet sind. Zum Beispiel werden für das Wort 1 rénta (1) ostlitauisch im DŽ₃ folgende Bedeutungen angegeben: 1. ‘leeres Gerede, Geschwätz’, 2. dial. ‘jemand, der deutlich und selten spricht’, 3. dial. ‘Schwätzer’, während die zweite Bedeutung im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ fehlt (LKŽ XI 455). 6. Wörter, die aus anderen Wörterbüchern in das akademische Wörterbuch übernommen wurden, aber in jüngerer Zeit in den Dialekten nicht mehr verwendet werden, z. B. urėti, ūra, ~jo ostlitauisch ‘in einer Gruppe laufen, sich drängen’ LKŽ XVII 528 (NdŽ, FrnW, DŽ) u. a.² Gal pravartu pasinaudoti G. Kirvaičio (1984: 55) siūlymu iš žodyno „išmesti nemažą tarmybių ir šiaip retai vartojamų, pasenusių žodžių. Žodžiu audrotie, blisti, dagoti, keleivystė, laiškus, slasnos, slaptė, šaras, tviega, vystas nesupras nė vienas gatvėje užklaustas žmogus“. Somit werden folgende grundlegende Kriterien für die Auswahl von Dialektismen vorgeschlagen: 1. Verbreitung des Dialektworts in der Literatur und in Wörterbüchern (19.–20. Jh.), z. B. mėdžlie-pis (1) dial. siehe ‘Ahorn’ LKŽ VII 999 (LzP, Vaižg, Kos 135; Ak, Sb, Rm, An, Brž, Vj, Kp, Pnd, Pšl …), uverius, ~i (4) dial. 1. ‘frech, aufdringlich, hartnäckig’, 2. ‘gierig, gefräßig, habgierig’ LKŽ XVII 571 (Š, DŽ, NdŽ, KŽ, V. Myk–Put, V. Krėv; An, Ktk, Rk, Lkm, Dglš, Drsk, Šmn, Ds, Vlk, Vdšk, Žl, Blnk …) u. a. 2. Etablierung des Wortes in den Dialekten, z. B. spalgėna (1) ostlitauisch dz. siehe Preiselbeere LKŽ XIII 312 (Smn, Užg, Brb, Lš, Žln, Dg, Vlk, Dv, Rod, Pb, Ml, Vdš, Dgp, Ob, Pn, Gdr, Dbg, Drsk, Ps, Pv, Glv, Trgn …), vaikis (2) niederlitauisch 1. ‘junger Mann, Knecht’, 2. ‘Dienstbote, Knecht’ LKŽ XVII 867 (Krž, Skdv, Dov, Krg, Akm, Skd, Vgr, Plt, Jdr, Šts, Pln, KlvrŽ, Vn, Šv, Rdn, Als, Trk, Trkn, Bdr, Krš, Všv, Bržr, End, Rt, Pp, Krtn, Lkž …) u. a. 3. Systematik. Neben den in Schriftzeugnissen und Dialekten etablierten Verben müssen auch ihre verbreiteten präfigierten Ableitungen aufgeführt werden, z. B. tėšti, tėšia, ~ė dz. ‘vom Euter anschwellen, bevor das Junge geworfen wird’ LKŽ XVI 128 (Lp, Lzd, Smn, Mrs, Btr, Skdt, Kč, Vrnv, Užp, Klt, Krok), vgl. pritešti ‘stark anschwellen’ LKŽ XVI 129 (Arm, Lp, Švn, Krsn, Smn, Al, Alv, Klt, Osn, Vlk, Srj). Letztere Ableitung ist im DŽ₃ nicht erwähnt. Zum Verb mūginti, ~a, ~o dial. 1. ‘bewegen, rütteln’, 2. ‘antreiben, ermuntern’ wird im DŽ₃ die eher selten gebrauchte präfigierte Ableitung įmūginti, ~a, ~o dial. ‘mit Mühe durch Bewegen hineinstecken’ LKŽ VIII 383 (Ml) aufgeführt. 4. Bedeutungsabweichung. Mit den Markierungen dz., ryt., vak. oder žem. sollten Wörter versehen werden, die in der Standardsprache mit einer Bedeutung, im Dialekt jedoch mit einer anderen verwendet werden; für letztere gibt es meist kein standardsprachliches Wort, z. B. gomurys (3ᵃ) 1. ‘Gaumendach’, 2. ostlitauisch ‘obere Innenseite des Ofens’, stulpas (4) 1. ‘dicker, in den Boden gerammter oder befestigter Pfahl’, 2. ‘Stütze eines Gebäudes’, 3. ‘etwas von länglicher, aufrechter Form’, 4. ostlitauisch ‘Seitenscheune’ u. a. Ebenso gilt dies, wenn ein Wort in den Dialekten mit unterschiedlichen 2 Im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ werden für das Wort švirkštelėti, -ja, -jo 2. ostlitauisch ‘kurz pfeifen’ keine Dialektbelege angegeben, LKŽ XV 599 (Š, DŽ, NdŽ), obwohl dieses Wort beispielsweise in den Schriften von L. Gutauskas häufig verwendet wird. 233 Bedeutungen, z. B. Gróbas (1) 1. hochspr. „Rippe“, 2. niederl. „Darm“, Šautas (2) 1. niederl. „Blättersuppe, Blättereintopf“, 2. dz. „schlechter Geruch, Schweißgeruch“, Vármas (4) 1. niederl. „Mücke“, 2. dz. „Bremse“ usw. Berücksichtigt man die vorgeschlagenen Auswahlprinzipien, blieben im neuen Wörterbuch der Gemeinsprache deutlich weniger als die Hälfte der im DŽ3 aufgeführten Wörter erhalten (also etwa ein Prozent des Umfangs des DŽ3). Zunächst müsste man fast alle Adverbien ausscheiden, für die es in der Gemeinsprache geläufigere Ersatzformen gibt, ebenso einen beträchtlichen Teil der Adjektive und Verben sowie Substantive, die sich nur durch ihre Expressivität auszeichnen (zumal es um ein normatives Wörterbuch der Gemeinsprache geht). Angabe von Verweisen auf Mundartwörter Die Festlegung von Auswahlkriterien für Dialektismen löst noch nicht alle Probleme, die mit ihrer Aufnahme in das „Wörterbuch der litauischen Gemeinsprache“ verbunden sind. Zunächst kann, wie K. Morkūnas (1997: 44) feststellt, „der Leser den Inhalt der Angaben dz., ryt., vak. heute bereits unterschiedlich verstehen: Seit Mitte der sechziger Jahre wird anstelle der von K. Jaunius – A. Salys vorgenommenen Einteilung der litauischen Dialekte die Einteilung von A. Girdenis – Z. Zinkevičius verwendet (eine verbesserte Variante der Einteilung von A. Baranauskas); in dieser gibt es den dzūkischen Dialekt überhaupt nicht, während die Gebiete der ost- und westaukštaitischen Dialekte erheblich vergrößert wurden. Die drei letztgenannten Angaben – dz., ryt., vak. – weisen tatsächlich eher auf die wichtigsten ethnografischen Regionen der Aukštaiten hin.“ Dann stellt sich die Frage, ob die Angabe aukšt. überhaupt notwendig ist (zumal sie nur bei 8 Wörtern vorkommt, von denen bestenfalls nur 2 oder 3 in ein Wörterbuch der Gemeinsprache gehören). Andererseits könnte die Angabe aukšt. in den Fällen anstelle der Kennzeichnung tarm. stehen, in denen ein Dialektismus nur im Gebiet der aukštaitischen Dialekte verwendet wird, z. B. pakaša (3b) tarm. ‘Kartoffelertrag’ LKŽ IX 158 (Dkš, Tr, Lel, Grl, Sdk, Ktk, Švnč, Slm). Nicht immer ist klar, warum bei manchen Wörtern die Angabe tarm. steht, bei anderen hingegen ryt., dz. oder vak., žem. usw. Eine Analyse der Verbreitung von Wörtern mit der Angabe tarm. zeigt, dass sich diese Kennzeichnung häufig durch eine Kombination zweier Angaben ersetzen ließe, z. B. rãktis, rãkas, rãkesi tarm. ‘aus Eiern schlüpfen’ LKŽ XI 112 (Skr, Als, Kv). In diesem Fall könnte man statt tarm. auch žem., vak.3 angeben. In sehr ähnlichen Fällen wird schließlich eine Kombination von Angaben gewählt (vak., dz.) statt der Kennzeichnung tarm., z. B. pèršelis (1) vak., dz. ‘nicht bestellter Streifen auf einem Feld, Umweg’ LKŽ IX 848 (Kps, Krok, Gdl, Al, Rdm). Manchmal enthält das akademische „Wörterbuch der litauischen Sprache“ insgesamt zu wenig Material, um die Wahl der Angaben beurteilen zu können, z. B. pužóti, ~ója, ~ójo dz., vak. ‘aufgehen, säuern’ LKŽ XI 152 (Kt), vėjapjūta (1) 3. b. tarm. ‘Windwurf’ LKŽ XVIII 572 (Gs, Žlb) usw. 3 Auch im DŽ3 gibt es weitere derartige Fälle, z. B. vampážyti, ~īja, ~ījo tarm. ‘schwatzen, Unsinn reden’ (LKŽ XVIII 76 (Rs, Trk, Jrb). 234 Anhang 1. Verwendung von Dialektmarkierungen im DŽ₃ (auf der Grundlage der Angaben im LKŽ) Ostaukštaitisch, dzūkisch, westaukštaitisch, dzūkisch, westaukštaitisch, niederlitauisch, niederlitauisch, westaukštaitisch. Auf der Grundlage sprachgeografischer Daten wurde die Verbreitung häufiger gebrauchter Dialektismen mit den Verweisen in DŽ₃ ryt., dz.; vak., dz.; vak., žem. und žem., vak. analysiert (siehe Anhang 1). Um festzustellen, ob die genannten Verweiskombinationen stets angebracht sind, wurde Material aus dem akademischen „Lietuvių kalbos žodynas“ herangezogen (siehe Anhang 2). Aus der Karte geht hervor, dass die Kombinationen dialektaler Verweise mitunter ungenau gewählt werden. So werden etwa die Dialektismen medžiokas (2) ryt., dz. siehe medkurpė und sąmatas (1) ryt., dz. ‚eine Schnur oder ein kleines Stück Bindfaden zum Festziehen der Zugstränge beim Anspannen‘ in Radviliškis gebraucht, skerspjūvė (1) vak., dz. siehe skerspjūklis – in Pašvitinys, Kreis Pakruojis, und skivytas (2) vak., žem. ‚Lumpen, Lappen‘ – in Anykščiai verwendet (ausführlicher siehe Anhänge 1 und 2). Wenn die angeführten dialektalen Belege, die eine weitere Verbreitung der Wörter zeigen, nicht zufällig sind, sollte in diesen Fällen der Verweis tarm. verwendet werden. Auch mehrdeutige Wörter sind zu beachten. Mitunter deckt sich das Verbreitungsgebiet einzelner Bedeutungen eines Dialektismus nicht mit demjenigen des Wortes insgesamt. So bei rakštūs, ~į (4) ryt., dz. 1. ‚stachelig, stechend‘ LKŽ XI 110 (Mrk, Ds, Sld, Rš, Trgn, Sdk, Dgšl, Tvr), 2. ‚unklar, verworren, schwierig‘ LKŽ XI 110 (Lzd, LTR (Vlk)), strustis, ~iės m. (4) vak., dz. 1. ‚Zinken eines Siebes‘ LKŽ XIII 1004 (Jz, Ūd, Lš, Švn, Rmš, Žsl, Al, Kt, Bgt, Grš, Lp), 2. ‚Querfaden im Geflecht eines Korbes‘ LKŽ XIII 1004 (Rtn, Dbč, Mrc). Wie aus den angeführten Daten hervorgeht, sind die Verweiskombinationen nur für die jeweils erste Bedeutung der Dialektismen angebracht. Das Material des akademischen Wörterbuchs zeigt, dass die zweiten Bedeutungen der angeführten Wörter nur in einem kleinen Gebiet des südlichen Hochlitauischen bekannt sind. Wenn diese Bedeutungen überhaupt in ein Wörterbuch der Standardsprache aufgenommen werden sollten, wäre daher in beiden Fällen nur die Kennzeichnung dz. zu verwenden. Offenbar ist in Fällen, in denen ein Wort in den Dialekten weit verbreitet ist, die Kennzeichnung tarm. erforderlich; ist es nur in einem kleinen Dialektgebiet belegt oder überhaupt nicht aufzunehmen, sollte sie entfallen beziehungsweise durch einen konkreten Verweis ryt., vak., dz. oder žem. ersetzt werden. S. Keinys (1991: 95) meint, diese Kennzeichnungen „sollten nicht wörtlich verstanden werden“, und schlägt vor, Dialektismen als Wörter der Standardsprache mit eingeschränkterem Gebrauch anzusehen, die für ein bestimmtes Verwendungsgebiet der Standardsprache sowie für die Sprache der aus diesem Gebiet stammenden Auswanderer kennzeichnend sind. Mitunter werden neben den dialektalen Verweisen auch stilistische Kennzeichnungen verwendet – menk., niek., z. B. góngalvis, ~ė Subst. (1) vak. niek. ‚Raufbold, Taugenichts‘ und vgl. áitas (1) ryt. ‚Raufbold, Unruhestifter‘; nepaeitūvas b. (2) vak., dz. menk. ‚jemand, der alles langsam tut, ein gemächlicher Mensch‘ und vgl. čiópa (1) žem. ‚ein unbeholfener Mensch‘ u. a. Semantisch unterscheiden sich die angeführten Beispielpaare kaum. Offenbar sollte man konsequent verfahren und in ähnlichen Fällen neben den dialektalen Verweisen auch stilistische Kennzeichnungen angeben; besser wäre es jedoch, auf Letztere ganz zu verzichten, da Expressivität den meisten Dialektismen in DŽ₃ eigen ist. Nekyla abejonių, kad į bendrinės kalbos žodyną dėtini etnografizmai (Klimavičius 1997: 23). A. Lyberis (1983: 148) atkreipęs dėmesį į tai, kad daugelis tarminių žodžių grožinėje literatūroje kuria kaimo gyvenimo kolor itą, o dalis jų bendrinėje kalboje atlieka etnografizmų funkcijas. Beje, dažnai DŽ₃ apskritai nepateikta pažyma etnogr., pvz., raugtinė (3ᵇ) žem. 1. ‘kibiro talpos medinis indas su dangčiu sviestui ar rūgusiam pienui laikyti’, 2. ‘lauknėša’, ratūkai dgs. 235 (2) 2. vak., dz. ‚kleine Spulen zum Umwickeln der Kettfäden‘, kūltuvas (3b) ryt. ‚Dreschflegel‘ u. a. An der Notwendigkeit dieser Kennzeichnung sollte kein Zweifel bestehen: zuerst sollte der Verweis etnogr. stehen, danach eine Kennzeichnung, die ein bestimmtes Dialektgebiet angibt, obwohl sich in DŽ3 auch gegenteilige Fälle finden, z. B. rytągonė (1) ryt., dz. etnogr. ‚das Hüten des Viehs vom Sonnenaufgang bis zum Frühstück‘. Offenbar sollte man sich am Prinzip der Einheitlichkeit orientieren: Wird der Verweis etnogr. angegeben, sind die Kennzeichnungen tarm. vak., ryt., dz., žem. im Allgemeinen überflüssig. Vielleicht sollten die genannten Kennzeichnungen nur dann angegeben werden, wenn ein Wort in den Dialekten mit unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht wird, z. B. geinys (4) etnogr. 1. dz. ‚ein Seilgerät zum Ersteigen eines Baums, um Honig aus Bienenstöcken zu holen‘, 2. ryt. ‚Kettfäden eines Gewebes, abgenommene Fäden‘, 3. ryt. ‚Schlagklöppel‘, 4. žem. ‚aus Flechtwerk zusammengebundene Landungsstelle zum Beladen von Flößen‘ u. a. Bei der Wahl der Verweise ryt., vak., dz., žem., tarm. und aukšt. ist nicht nur die Verbreitung des Wortes zu berücksichtigen; maßgeblich müssen auch sprachgeografische Daten sein. Die Kennzeichnung tarm. ist außerdem auch dann zu verwenden, wenn ein Dialektismus in der Standardsprache nicht fest etabliert ist. Anhang 2. Liste der auf der Karte angegebenen Orte medžiokas (2) ryt., dz. siehe medkurpė LKŽ VI 997 142 – Vabalninkas, Kreis Biržai. 164a – Radviliškis. 232 – Naujamiestis, Kreis Panevėžys. 267 – Ėriškiai, Kreis Panevėžys. 643 – Miroslavas, Kreis Alytus. 684 – Veisiejai, Kreis Lazdijai. pirmaryčiai Pl. (1) etnogr. ryt., dz. ‚Ritual des Weckens des Brautpaars am ersten Morgen nach der Hochzeit‘ LKŽ X 9 212 – Dūsetos, Kreis Zarasai. 313 – Dūkštas, Kreis Ignalina. 508 – Strūnaitis, Kreis Švenčionys. rakštūs,~į (4) ryt., dz. 1. ‚stachelig, stechend‘, 2. ‚unklar, verworren, schwierig‘ LKŽ XI 110 212 – Dūsetos, Kreis Zarasai. 276 – Sudeikiai, Kreis Utena. 315 – Rimšė, Kreis Ignalina. 346 – Tauragnai, Kreis Utena. 350 – Daugėliškis, Kreis Ignalina. 381 – Saldutiškis, Kreis Utena. 420 – Tverėčius, Kreis Ignalina. 649 – Valkininkai, Kreis Varėna. 672a – Lazdijai. 688 – Merkinė, Kreis Varėna. šąmatas (1) ryt., dz. ‚eine Schnur oder ein kleines Stück Bindfaden zum Festziehen der Zugstränge beim Anspannen‘ LKŽ XII 92 79 – Grūžiai, Kreis Pasvalys. 111 – Joniškėlis, Kreis Pasvalys. 146 – Panemunėlis, Kreis Rokiškis. 164a – Radviliškis. 174 – Kupiškis. 231 – Sidabravas, Kreis Radviliškis. 234 – Miežiškiai, Kreis Panevėžys. 241 – Užpaliai, Kreis Utena. 275 – Vyžuonos, Kreis Utena. 276 – Sudeikiai, Kreis Utena. 315 – Rimšė, Kreis Ignalina. 335 – Surviliškis, Kreis Kėdainiai. 378 – Skudutiškis, Kreis Molėtai. 454 – Kaltanėnai, Kreis Švenčionys. 630 – Pivašiūnai, Kreis Alytus. 670 – Dieveniškės, Kreis Šalčininkai. 678 – Varėna. 686 – Leipalingis, Kreis Lazdijai. 688 – Merkinė, Kreis Varėna. III – Leñtupis, Belarus. IV – Gervėčiai, Belarus. 236 sõdas (2) 3. etnogr. ryt. dz. „Hochzeitsstrohkranz, der über dem Tisch aufgehängt wird“ LKŽ XIII 273 57a – Biržai 176 – Skãpiškis, Rajon Kupiškis 212 – Düsetos, Rajon Zarasai 238 – Šimonys, Rajon Kupiškis 241 – Užpaliai, Rajon Utena 312 – Šalakas, Rajon Zarasai 343 – Skiemonys, Rajon Anykščiai 449 – Žėlyva, Rajon Ukmergė 645 – Ál̃ovė, Rajon Alytus 699 – Dubičiai, Rajon Varėna stavariúotas, -a (1) ryt., dz. „derjenige, der Stavariai hat“ LKŽ XIII 725 212 – Düsetos, Rajon Zarasai 312 – Šalakas, Rajon Zarasai 627 – Krōkialaukis, Rajon Alytus 686 – Leipalingis, Rajon Lazdijai 694 – Druskininkai, Rajon Varėna 697 – Marcinkonys, Rajon Varėna VII – Nočia, Belarus X – Aziérkai, Belarus stōgas (3) 3. östl., Dz. ‘Pfähle’ LKŽ XIII 825 174 – Kupiškis 275 – Vyžuonos, Rajon Utena 276 – Sudeikiai, Rajon Utena 350 – Daugėliškis, Rajon Ignalina 383 – Vidiškės, Rajon Ignalina 415 – Linkmenys, Rajon Ignalina 454 – Kaltanėnai, Rajon Švenčionys 483 – Švenčionys 609 – Balbieriškis, Rajon Prienai 630 – Pivašiūnai, Rajon Alytus 677 – Perloja, Rajon Varėna 687 – Liškiava, Rajon Varėna 704 – Kabeliai, Rajon Varėna IV – Gervėčiai, Belarus VI – Varanavas, Belarus Nutzen Subst. (1) ugspr., iron. ‘ein guter, lobenswerter Mensch’ LKŽ VIII 578 514 – Lekėčiai, Rajon Šakiai 565 – Alksnėnai, Rajon Vilkaviškis 644 – Alytus 684 – Veisiejai, Rajon Lazdijai VIII – Rōdūnia, Belarus unfähiger Subst. (2) ugspr., abwert. „ein Mensch, der alles langsam und ohne Eile tut“ LKŽ VIII 660 468 – Veliuona, Rajon Jurbarkas 566 – Pilviškiai, Rajon Vilkaviškis 585 – Šunskai, Rajon Marijampolė 622 – Bartninkai, Rajon Vilkaviškis 631a – Dūsemenys, Rajon Trakai 649 – Valkininkai, Rajon Varėna 659 – Nemunaitis, Rajon Alytus ratūkai Ortsdialekt (2) 2. westl., dz. „Scheibchen zum Heben von Tinktöpfen“ LKŽ XI 245 547 – Žvirgždaičiai, Rajon Šakiai 605 – Keturvalakiai, Rajon Vilkaviškis 655 – Rudamina, Rajon Lazdijai skėršpjūvė (1) westl., dz. siehe Quersäge LKŽ XII 833 (Queransicht, Querschnitt) 76 – Pašvitinys, Rajon Pakruojis 512 – Šakiai 530 – Griškabūdis, Rajon Šakiai 565 – Alksnėnai, Rajon Vilkaviškis 569 – Veiveriai, Rajon Prienai 603 – Pajevonys, Rajon Vilkaviškis 625 – Dauksiai, Rajon Marijampolė 642 – Simnas, Rajon Alytus spaṅgas, -à (4) westl., dz. ‚blind‘ LKŽ XIII 319 492 – Gelgaudiškis, Rajon Šakiai 513 – Lukšiai, Rajon Šakiai 530 – Griškabūdis, Rajon Šakiai 546 – Kudirkos Naumiestis, Rajon Šakiai 548 – Barzdai, Rajon Šakiai 584 – Vilkaviškis 585 – Šunskai, Rajon Marijampolė 605 – Keturvalakiai, Rajon Vilkaviškis 237 606 – Marijampolė 622 – Bartninkai, Rajon Vilkaviškis 627 – Ūdrija, Rajon Alytus 639 – Kalvarija, Rajon Marijampolė strustis, ~iės Substantiv (4) westl., dial. 1. ‘Zahn der Egge’, 2. ‘Geflecht eines Korbes’ LKŽ XIII 1004 536 – Rumšiškės, Rajon Kaišiadorys 538 – Žasliai, Rajon Kaišiadorys 549a – Bagotoji, Rajon Marijampolė 591 – Jieznas, Rajon Prienai 627 – Ūdrija, Rajon Alytus 672 – Šventežeris, Rajon Lazdijai 686 – Leipalingis, Rajon Lazdijai 687 – Liškiava, Rajon Varėna 697 – Marcinkonys, Rajon Varėna 699 – Dubičiai, Rajon Varėna 702 – Ratnyčia, Rajon Varėna naša (4) 1. westl., dial. ‘Ertrag, Reife, Produktivität’ LKŽ VIII 568 321 – Teneniai, Rajon Šilalė 361 – Skaudvilė, Rajon Tauragė 392 – Tauragė 468 – Veliuona, Rajon Jurbarkas 491 – Jurbarkas 513 – Lukšiai, Rajon Šakiai 514 – Lekėčiai, Rajon Šakiai 584 – Vilkaviškis skivytas (2) westl., dial. ‘Lumpen, Lappen’ LKŽ XII 959 33 – Tirkšliai, Rajon Mažeikiai 305 – Anykščiai 364 – Raseiniai 392 – Tauragė 397 – Vadžgirys, Rajon Jurbarkas 490 – Sudárgas, Rajon Šakiai 491 – Jurbarkas 529 – Sintautai, Rajon Šakiai 565 – Alksnėnai, Rajon Vilkaviškis vinis, ~iės (4) 2. westl., dial. ‘Zahn eines Rechens’ LKŽ Kartothek 392 – Tauragė 399 – Girkalnis, Rajon Raseiniai 426 – Plaškiai, Rajon Šilutė 491 – Jurbarkas spāras (4) 1. westl., dial. siehe gegnė LKŽ XIII 322 216 – Gargždai, Rajon Klaipėda 364 – Raseiniai 490 – Sudárgas, Rajon Šakiai 492 – Gelgaudiškis, Rajon Šakiai 548 – Barzdai, Rajon Šakiai 550 – Skriaudžiai, Rajon Prienai 566 – Pilviškiai, Rajon Vilkaviškis 639 – Kalvarija, Rajon Marijampolė Eingegangen am 28.05.1998 QUELLEN UND LITERATUR Wörterbuch der modernen litauischen Sprache (verantwortlicher Redakteur J. Kruopas), Vilnius: Verlag für staatliche politische und wissenschaftliche Literatur, 1954. Dabartinės lietuvių kalbos žodynas (ats. red. J. Kruopas), Vilnius: Mintis, 1972. DŽ₃ – Wörterbuch der modernen litauischen Sprache (verantwortlicher Redakteur St. Keinys), Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1993. G r i n a v e c k i e n ė E. 1973: Die Vorratskammer der Literatursprache. – Literatur und Kunst 6,5. G r u m a d i e n ė L. 1995: „Dabartinės lietuvių kalbos žodyno“ tarmybės. – Leksikografijos problemos: semantika, etimologija, terminų faktų pateikimas, žodyno sudarymo principai. Konferencijos pranešimų tezės. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 15–16. K e i n y s S. 1991: „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ ir kalbos normalizacija. – Lietuvių kalbotyros klausimai 29, 92–98. 238 Kirvaitis G. 1984: Kokį norėtume turėti „Dabartinės lietuvių kalbos žodyną“. – Kultūros barai 8, 54–57. Klimavičius J. 1997: Kas yra bendrinės kalbos leksika? Sampratos, nuomonės ir prietarai. Žodyno praktika ir teorija. Vartojimo reikmės ir problemos. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 20–32. Lazauskaitė V. 1997: Dėl dėsuk-ybių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Jaunųjų kalbininkų konferencija. Konferencijos tezės. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 13–15. Lyberis A. 1973: Antrasis žodyno leidimas. – Tarybinis mokytojas 19,4. Lyberis A. 1983: Žodžių atrankos problema „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Lietuvių kalbotyros klausimai 22, 147–154. LKŽ II₂ – Wörterbuch der litauischen Sprache 2, Vilnius: Mintis, 1969. LKŽ III – XVIII – Wörterbuch der litauischen Sprache 3–6, Vilnius: Verlag für staatliche politische und wissenschaftliche Literatur, 1956, 1957, 1959, 1962; 7–9: Mintis, 1966, 1970, 1973; 10–15: Mokslas, 1976, 1978, 1981, 1984, 1986, 1991; 16–18: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1995, 1996, 1997. Morkūnas K. 1997: Norminamasis žodynas ir lingvistinė geografija. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 40–45. Paulauskas J. 1974: Aktualios leksikos norminimo problemos ir žodynas. – Kalbos kultūra 27, 40–49. Paulauskas J. 1979: Leksikos variantų norminimas. – Kalbos kultūra 37, 77–80. Zabarskaitė J. 1996: Bendrinės kalbos žodynas – realybė ar fantazija. – Metai 3, 105–107. ZUM PROBLEM DER DIALEKTISMEN IM „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEGENWARTSSPRACHE“ („Wörterbuch der modernen litauischen Sprache“) Zusammenfassung Aufgrund des im „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ (Vilnius,1993) vorliegenden Verzeichnisses (insgesamt 2150 Wörter, d. h. cca 3% der Lexik des ganzen DŽ₃ („Großes Wörterbuch der litauischen Sprache“) werden die Auswahlkriterien der Wörter erörtert sowie der Gebrauch der dialektalen bzw. stilistischen Hinweise. Die Analyse der Wörter mit den beigefügten dialektalen Hinweisendz., ryt., vak., žem., aukšt. und tarm. zeigt, daß in das Wörterbuch der Gemeinsprache Folgendes nicht aufzunehmen ist: 1) ein beträchtlicher Teil der „expressiven“ Lexik; 2) Wörter, die in der Gemeinsprache gebräuchlichere Äquivalente haben; 3) seltene, auf einer kleinen Fläche des Dialektes gebräuchliche Wörter; 4) Wörter, die im akademischen „Lietuvių kalbos žodynas“ durch DŽ allein gekennzeichnet sind; 5) DŽ₃ - Wörter, die mit im akademischen Wörterbuch nicht verzeichneten Bedeutungen auftreten; 6) Wörter, die aus anderen Wörterbüchern in das akademische Wörterbuch übertragen sind, doch gegenwärtig in den Mundarten nicht mehr gebraucht werden. Bei der Auswahl der Dialektismen werden als wichtigste Kriterien folgende empfohlen: 1) Verbreitung des Dialektismus in der Literatur und den Wörterbüchern (19.-20. Jh.) 2) Verbreitung des Wortes in den Dialekten; 3) Systematik; 4) Nichtübereinstimmung der Bedeutungen. Unter Berücksichtigung dieser Auswahlkriterien kann cca 1% der DŽ₃ – Dialektismen in das akademische Wörterbuch aufgenommen werden. 239