Gramatinių formų vartojimas lietuvių kalbos moksliniame stiliuje
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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
XLVI (2002), 173–183
Verwendung grammatischer Formen im wissenschaftlichen Stil der litauischen Sprache
VIDA ŽILINSKIENĖ
Lietuvos teisės universitetas, Vilnius
Der Artikel präsentiert Häufigkeitsdaten zu den grundlegenden Wortarten (Substantive, Adjektive, Verben) und ihren Flexionsformen, die in litauischen wissenschaftlichen Texten verwendet werden. Grundlage sind das Häufigkeitswörterbuch des modernen geschriebenen Litauischen (Grumadienė & Žilinskienė 1997) und insbesondere dessen elektronische Version mit Daten zur Wissenschaftssprache (Grumadienė & Žilinskienė 1996). Darüber hinaus wird die Häufigkeit der Wortarten in der Sprache wissenschaftlicher Texte mit ihrer Häufigkeit in den Sprachvarietäten des geschäftlichen und publizistischen Schreibens verglichen.
In einer Zeit, in der die litauische Sprache in der Informationsgesellschaft immer stärker präsent ist, wird die Untersuchung bestimmter Stile und sogar konkreter thematischer Textgruppen innerhalb eines einzigen Stils auf verschiedenen Sprachebenen zunehmend aktueller. Dies gilt vor allem für statistische Untersuchungen einzelner Sprachebenen (Lexik, Morphologie, Wortbildung). Nachdem die morphologische Struktur des publizistischen und des geschäftlichen Stils im Litauischen beschrieben und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten im Gebrauch der Wortarten und ihrer grundlegenden grammatischen Formen aufgezeigt wurden (siehe Žilinskienė 2002: 106–116), ist es wichtig, die Verwendung dieser Formen auch im wissenschaftlichen Stil zu untersuchen. Würde festgestellt, dass der Gebrauch bestimmter grammatischer Formen in Texten verschiedener Stile stabil ist, während sich der anderer Formen deutlich unterscheidet, wäre klar, worauf bei der Klärung der automatischen Erkennung, Übersetzung und anderer damit zusammenhängender Fragen vor allem zu achten ist.
Sowohl bei der Untersuchung der morphologischen Struktur des publizistischen und des geschäftlichen Stils als auch in der vorliegenden Arbeit wurde die computergestützte Version für den wissenschaftlichen Stil des „Häufigkeitswörterbuchs des modernen geschriebenen Litauischen“ (Grumadienė, Žilinskienė 1997) verwendet (Grumadienė, Žilinskienė 1996). Die Texte für das Häufigkeitswörterbuch dieses Stils wurden aus wissenschaftlichen Publikationen (Monografien, Artikeln, Abstracts, wissenschaftlichen Zeitschriften) zusammengestellt, die zwischen 1990 und 1995 in Litauen erschienen waren, sowie aus Arbeiten, die von wissenschaftlichen Einrichtungen genehmigt worden waren (Dissertationen, Abstracts von Doktorarbeiten, Berichte, Patente). Einige wenige Texte mussten aus einem etwas früheren Zeitraum herangezogen werden, da es Wissenschaftsgebiete gab, in denen nur sehr wenige Arbeiten auf Litauisch veröffentlicht wurden1, zum Beispiel gab es aus dem genannten Zeitraum keine wissenschaftlichen Artikel und Konferenzthesen auf Litauisch aus einigen Bereichen der Chemie und Biologie
1 Es wurde strikt darauf geachtet, dass die Stichproben (fortlaufende Textabschnitte mit jeweils 1000 Wortvorkommen) für das Häufigkeitswörterbuch ausschließlich aus rein wissenschaftlichen Publikationen zusammengestellt und nicht aus Lehrbüchern, populärwissenschaftlichen Publikationen und Ähnlichem entnommen wurden.
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Fachbereiche2, und aus der Theologie ließ sich keine einzige Monografie in litauischer Sprache finden, sodass nur Artikel herangezogen werden konnten. Der wissenschaftliche Stil war durch acht thematische Gruppen vertreten:
1) Agrarwissenschaften (Agronomie, Forstwirtschaft, Veterinärmedizin, Zootechnik); 2) Naturwissenschaften (Astronomie, Biologie, Chemie, Geografie, Geologie und Mineralogie, Physik); 3) Geisteswissenschaften (Architektur, Kunstwissenschaft, Ethnologie, Philosophie, Folkloristik, Geschichte, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft); 4) mathematische Wissenschaften (Mathematik, Logik, Statistik, Informatik, Systemwissenschaft); 5) medizinische Wissenschaften (Medizin, Pharmazie, Stomatologie); 6) Sozialwissenschaften (Pädagogik, Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie, Recht, Management, Bibliotheks- und Buchwissenschaft); 7) technische Wissenschaften (Landwirtschafts- und Umweltingenieurwesen, chemische Technologie, Elektronik und Elektrotechnik, Energietechnik und Wärmetechnik, Steuerungs- und Informationstechnologie, Mechanik, Werkstoffwissenschaft, Metrologie und Messtechnik, Verkehrstechnologie, Bauwesen); 8) theologische Wissenschaften (Fundamentaltheologie, dogmatische Theologie, Moraltheologie, Skripturistik (Heilige Schrift), Patrologie (Traditionen der Alten Kirche), Kirchengeschichte, Pastoraltheologie, Kirchenrecht).
Diese thematischen Gruppen wurden anhand der Klassifikation der Wissenschaftsgebiete und -richtungen ausgewählt, die durch den Beschluss Nr. 739 der Regierung der Republik Litauen vom 7. Oktober 1992 bestätigt wurde.
Aus den Publikationen der aufgelisteten Wissenschaftsgebiete und -richtungen wurden – unter Berücksichtigung dessen, dass es in einigen Wissenschaften, etwa den Geistes- und technischen Wissenschaften, sehr viele Publikationen gab, in anderen dagegen nur wenige – nach dem Zufallsprinzip 300 Stichproben ausgewählt, das heißt fortlaufende Abschnitte mit jeweils 1000 Wortvorkommen3, und die Häufigkeitsverzeichnisse für jede Stichprobe berechnet; daraus wurden die Verzeichnisse für jede thematische Gruppe und aus diesen wiederum das Häufigkeitswörterbuch des wissenschaftlichen Stils erstellt. Bei der Berechnung der Wortfrequenzen (der Lexeme) wurden auch die Häufigkeiten ihrer grammatischen Formen ermittelt, die wir nun erörtern.
Betrachten wir zunächst den Gebrauch der Wortarten in wissenschaftlichen Texten (siehe Tabelle 1).
TABELLE 1. GEBRAUCH DER WORTARTEN IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Wortart
Anzahl der Wortvorkommen
Wortvorkommen (%)
Substantiv
121 696
43,73
Verb
50 958
18,31
Adjektiv
32 806
11,79
2 Früher veröffentlichten viele Wissenschaftler bestimmter Fachgebiete ihre Arbeiten nur auf Russisch, heute hingegen schreiben einige von ihnen ausschließlich auf Englisch. Auf diese Weise entsteht ein zweifaches Problem: Zum einen werden keine oder kaum wissenschaftliche Texte auf Litauisch geschrieben, sodass die Terminologie des betreffenden Fachgebiets weder weiterentwickelt noch geschaffen wird; zum anderen wäre es interessant zu wissen, auf welchem Niveau die englische Sprache ist, in der diese Texte verfasst sind.
3 Gerade ein zusammenhängender Text zeigt den tatsächlichen Gebrauch der Wortarten und ihrer grammatischen Formen.
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Wortart Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendung (%) Konjunktion 21 247 7,63 Pronomen 18 899 6,79 Präposition 12 073 4,34 Adverb 11 753 4,22 Partikel 5 963 2,14 Numerale4 2 863 1,03 Interjektion 48 0,02 Lautmalendes Wort 5 0,002
Wie aus diesen Daten hervorgeht, werden im wissenschaftlichen Stil am häufigsten Substantive verwendet; das heißt, fast die Hälfte (43,73%) der Wörter eines wissenschaftlichen Textes sind Substantive. Einen beträchtlichen Anteil wissenschaftlicher Texte (30,10%) machen außerdem Wörter aus, die den beiden anderen Wortarten – dem Verb und dem Adjektiv – angehören. Somit entfallen auf Wörter aus nur drei Wortarten fast drei Viertel (73,83%) der untersuchten Texte.
Auf der Grundlage der nach derselben Methodik (ausführlicher dazu siehe Žilinskienė 1998: 219–227) erstellten computergestützten Häufigkeitswörterbücher des wissenschaftlichen, sachbezogenen und publizistischen Stils (Žilinskienė 2002: 106–116), die Texte aus den Jahren 1993–1995 erfassen, vergleichen wir den Gebrauch der Wortarten in Texten dieser Stile, denn nur ein Vergleich kann die tatsächliche Situation am besten aufzeigen (siehe Tabelle 2). Aus den Daten dieser Tabelle geht hervor: 1) In Texten aller drei Stile überwiegen Substantive deutlich, das heißt, allen verglichenen Stilen ist eine substantivische Ausdrucksweise eigen; lediglich in der Publizistik gibt es weniger Substantive als in Texten der beiden anderen Stile; 2) Die lexikalische Vielfalt all dieser Stile wird vor allem von denselben zwei Wortarten bestimmt – dem Substantiv und dem Verb; die Funktionswörter und das Pronomen (das sich statistisch gesehen stets wie ein Funktionswort verhält), von denen in Texten aller Stile jeweils nur einige Dutzend verschiedene Wörter (nicht Wortverwendungen) gefunden wurden, machen einen sehr kleinen Teil des Wortschatzes aus und nehmen ungefähr ein Viertel bis ein Fünftel der Texte ein (20,90% im wissenschaftlichen, 22,59% im sachbezogenen und 26,13% im publizistischen Stil); 3) In Texten aller Stile ist das Verb die zweithäufigste Wortart.
4 Wie bei der Erstellung von Häufigkeitswörterbüchern üblich, wurden hier nur jene Numeralia erfasst, die ausgeschrieben waren; mit arabischen oder römischen Ziffern geschriebene Numeralia gingen lediglich in die Beschreibung der statistischen Struktur ein.
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… in den verglichenen Stilen unterscheidet sich seine Verwendung nur geringfügig; 4) Die Verwendung von Adjektiven unterscheidet sich; sie kommen am häufigsten in wissenschaftlichen5 Texten vor, während sie im publizistischen und sachlichen Stil deutlich seltener sind; 5) Substantive, Adjektive und Pronomen machen in wissenschaftlichen, sachlichen und publizistischen Texten 63,34%, 62,34% beziehungsweise 56,54% aus; 6) Insgesamt stehen wissenschaftliche Texte hinsichtlich der Verwendung aller Wortarten den sachlichen Texten näher.
TABELLE 2. VERWENDUNG DER WORTARTEN IN WISSENSCHAFTLICHEM, SACHLICHEM UND PUBLIZISTISCHEM STIL
Wortart Wissenschaftlicher Stil Sachlicher Stil Publizistischer Stil Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Substantiv 121 696 43,73 126 520 45,27 109 724 38,54 Verb 50 958 18,31 54 491 19,50 59 814 21,01 Adjektiv 32 806 11,79 22 462 8,04 20 175 7,09 Konjunktion 21 247 7,63 23 706 8,48 22 973 8,07 Pronomen 18 899 6,79 22 438 8,03 27 346 9,61 Präposition 12 073 4,34 12 354 4,42 14 272 5,01 Adverb 11 753 4,22 9 817 3,51 16 541 5,81 Partikel 5 963 2,14 4 629 1,66 9 806 3,44 Numerale 2 863 1,03 2 778 1,00 3 695 1,30 Interjektion 48 0,02 299 0,11 328 0,12 Lautmalendes Wort 5 0,002 11 0,005 13 0,005
5 Kaip matome, šie rezultatai atitinka A. Bitinienės (žr. Bitinienė 1995: 11–19) padarytą išvadą, kad moksliniame stiliuje teksto informatyvumą, be daiktavardžio, didina ir būdvardis, t. y. abi šios kalbos dalys padeda perteikti faktinę informaciją.
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Betrachten wir die Verwendung der Kasus des häufigsten Wortart – des Substantivs –, die in Tabelle 3 dargestellt ist.
TABELLE 3. VERWENDUNG DER SUBSTANTIVKASUS IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Singular
Plural
Substantivkasus
Anzahl der Wortverwendungen
Wortverwendungen (%)
Anzahl der Wortverwendungen
Wortverwendungen (%)
Genitiv
37 703
46,47
18 546
45,85
Nominativ
18 391
22,67
9 355
23,13
Akkusativ
10 763
13,27
5 828
14,41
Lokativ
5 534
6,82
2 068
5,11
Instrumental
5 488
6,766
2 939
7,27
Dativ
3 234
3,999
1 685
4,17
Vokativ
19
0,022
29
0,07
Aus den Daten in Tabelle 3 ist ersichtlich, dass sich in wissenschaftlichen Texten unter den Kasus der Substantive der Genitiv deutlich abhebt – fast die Hälfte aller Substantivkasus entfällt auf den Genitiv. Die große Häufigkeit der Genitivformen ist vor allem damit verbunden, dass Genitive in Texten meist die Funktion relationaler Adjektive übernehmen. Dies zeigt sich daran, dass bei einigen Substantiven (von denen manche sehr häufig gebraucht werden, z. B. Kultur, Daten, Litauer, Wissenschaft, Tätigkeit, Land, Energie u. a.) die Häufigkeit des Genitivs die Häufigkeit der übrigen Kasus desselben Substantivs übersteigt. Auch die beiden anderen Kasus – Nominativ und Akkusativ – weisen eine höhere Häufigkeit auf, wobei der Nominativ, wie aus der Tabelle ersichtlich, fast doppelt so häufig ist wie der Akkusativ. Somit machen die drei häufigsten Kasus in wissenschaftlichen Texten mehr als 80% aller Substantivkasus aus. Eine ausgewogenere Gruppe bilden die drei seltener gebrauchten Kasus (mit Ausnahme des Vokativs). Außerdem wurden in den untersuchten wissenschaftlichen Texten 113 Verwendungen unveränderlicher Substantive gefunden.
Vergleicht man die absoluten Häufigkeiten der Singular- und Pluralkasus (Tabelle 3), so zeigt sich, dass jeder einzelne Singular-Kasus etwa doppelt so häufig ist wie der entsprechende Pluralkasus. Das Gesamtverhältnis der Singular- und Pluralformen der Substantive ist wie folgt: Singular – 81 132 (66,73%), Plural – 40 450 (33,26%), Dual – 1 (0,001%).
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Somit werden in Texten des wissenschaftlichen Stils Singularformen von Substantiven doppelt so häufig verwendet wie Pluralformen. Diese Verwendung hängt zum einen damit zusammen, dass der Singular das unmarkierte Glied der Opposition ist, und zum anderen damit, dass man zwar zahlreiche Substantive sowohl im Singular als auch im Plural verwendet, dennoch aber bei vielen Wörtern eher zum Singular tendiert, insbesondere bei solchen, die Stoffe, Prozesse oder abstrakte Begriffe bezeichnen und deren Plural oft eine spezifische Bedeutung annimmt (z. B.: Element, Stoff, Wasser, Kultur, Tätigkeit, Messung, Verhältnis, Steuerung, Schicht, Masse, Produktion, Gesellschaft u. a.).
In Texten des untersuchten Stils werden maskuline Substantive wesentlich häufiger verwendet als feminine: Maskulinum – 73 296 (60,28%), Femininum – 48 287 (39,72%). Diese Verwendung hängt natürlich ebenfalls damit zusammen, dass das Maskulinum das unmarkierte Glied der Opposition ist.
Wie aus den Daten in Tabelle 1 hervorging, ist das Verb in Texten des wissenschaftlichen Stils die zweithäufigste Wortart. Die häufigsten Verben des Sachstils sind: sein, können, haben, nennen, bilden, verwenden, feststellen, vorlegen, widmen, nicht sein, gehören, ausführen, erhalten, benötigen. Schon anhand einiger dieser Verben können wir erkennen, worüber in Texten des wissenschaftlichen Stils hauptsächlich geschrieben wird. Das Verhältnis der einzelnen Verbformen ist in Tabelle 4 dargestellt.
TABELLE 4. VERWENDUNG VON VERBFORMEN IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Verbform | Anzahl der Verwendungen von Wortformen | Verwendung der Formen (%)
Finite Formen | 20 483 | 41,20
Partizipien | 19 180 | 37,64
Infinitiv | 7 266 | 14,26
Halbpartizipien | 3 365 | 6,60
Gerundien | 659 | 1,29
Adverbialpartizipien | 5 | 0,01
Aus dieser Tabelle geht hervor, dass in wissenschaftlichen Texten am häufigsten finite Formen verwendet werden und nur etwas seltener Partizipien. Der relativ häufige Gebrauch von Partizipien im wissenschaftlichen Stil weist offenbar darauf hin, dass in diesen Texten viele zusammengesetzte
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Tempora verwendet werden, z. B.: Einige nach den Prinzipien der Barockarchitektur konzipierte Anlagen wurden an den Stellen von Gebäuden oder Vierteln errichtet, die im Krieg zerstört worden waren. Um das Intervall der Messwerte zu bestimmen, wurden die Verhältnisse der Längswiderstände der Zonen verändert. Wie zu erwarten war, überwiegen unter den finiten Formen eindeutig die Formen des Indikativs: Indikativ – 19 328 (94,36%), Konjunktiv – 1 015 (4,96%), Imperativ – 140 (0,68%).
Aus Untersuchungen zum Gebrauch grammatischer Formen in anderen litauischen Sprachstilen lässt sich schließen, dass für verschiedene Stile ein bestimmter Gebrauch der Verbtempora charakteristisch ist (vgl. Žilinskienė 2002: 106–116). Das Verhältnis der Indikativtempora in Texten des wissenschaftlichen Stils ist in Tabelle 5 dargestellt.
TABELLE 5. GEBRAUCH DER VERBTEMPORA IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Verbtempus | Anzahl der Belege von Wortformen | Gebrauch der Formen (%)
Präsens | 12 901 | 66,75
Präteritum | 5 475 | 28,33
Futur | 780 | 4,04
Iterativpräteritum | 172 | 0,89
Wie aus dieser Tabelle hervorgeht, werden in wissenschaftlichen Texten am häufigsten Präsensformen verwendet, das heißt, sie sind mehr als doppelt so häufig wie die Formen des anderen Haupttempus – des Präteritums. Dies hängt offenbar damit zusammen, dass der wissenschaftliche Stil meist entsprechende, dauerhaft existierende Erscheinungen der Wirklichkeit, ihre Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten festhält sowie Produktionsprozesse, Experimente und Ähnliches beschreibt. Z. B.: Am stärksten werden die von Trittspuren geschädigten, vernässten Lagunen-, Moor- und Muldenbiozönosen in Mitleidenschaft gezogen, in denen sich eine lockere Decke aus zerbrechlichen Torfmoosen befindet. Östlich des Schlosses erstreckt sich das Parterre, an das sich im Norden das Wirtschaftsgebäude und im Süden die Scheune anschließen; neben der Scheune steht das Gestüt. Wenn ein Beamter, der dies tun muss, einer Straftat nicht Einhalt gebietet... Ähnliche Ergebnisse, nämlich dass in wissenschaftlichen Texten das Präsens deutlich häufiger ist als das Präteritum, hat A. Bitinienė veröffentlicht, die 38,5 Tausend Wörter untersuchte (vgl. Bitinienė 1995: 11–19). Auch fanden lettische Linguisten in den 1966 untersuchten wissenschaftlich-technischen Texten (292 Tausend Wortvorkommen) einen Präsensanteil von sogar 93,1 Prozent (vgl. Jakubaite ir kt.1968: 122).
Der Gebrauch der Personenformen des Indikativs ist in Tabelle 6 dargestellt. Daraus geht hervor, dass die dritte Person eindeutig überwiegt, was ihre besondere Stellung im Personensystem zeigt. Daher ist offenbar die Auffassung einiger Linguisten durchaus berechtigt (Žulys 1974: 83–
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92), dass diese Form nicht als Personenform anzusehen ist; außerdem fällt die höhere Häufigkeit der ersten Person Plural gegenüber den anderen Personen auf. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass in wissenschaftlichen Texten auch ein einzelner Autor beim Beschreiben eines Versuchs, beim Kommentieren der erzielten Forschungsergebnisse oder beim Ziehen von Schlussfolgerungen häufig den Plural verwendet, z. B.: wir verbinden, bilden, beobachten, nennen, haben untersucht, haben festgestellt.
TABELLE 6. VERWENDUNG DER PERSONEN DES VERBS IM INDIKATIV IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Verbperson Präsens Präteritum Futur Frequentatives Präteritum Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Sg. 1. P. 45 0,35 27 0,49 7 0,89 – – Sg. 2. P. 19 0,15 4 0,07 8 1,03 – – Pl. 1. P. 522 4,05 190 3,47 275 35,26 7 4,07 Pl. 2. P. 2 0,02 2 0,04 3 0,38 – – 3. P. 12 313 95,44 5 252 95,93 485 62,44 165 95,93
Wie aus den Daten in Tabelle 4 hervorgeht, werden im wissenschaftlichen Stil neben den finiten Formen auch viele Partizipien verwendet. Ihre Verteilung nach Genus ist wie folgt: Partizipien des Aktivs – 4 539 (23,67%), Partizipien des Passivs – 14 641 (76,33%).
Somit ist deutlich zu erkennen, dass in wissenschaftlichen Texten dreimal mehr Partizipien des Passivs als des Aktivs verwendet werden. Die Verwendung der Tempora bei Partizipien beider Genera weist eine ähnliche Tendenz auf wie bei den finiten Formen (siehe Tabelle 7), d. h., Präsensformen werden häufiger verwendet als Präteritumformen, doch ist der Unterschied hier nicht so ausgeprägt.
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TABELLE 7. VERWENDUNG DER PARTIZIPIALTEMPERA IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Partizipialtempus Aktiv Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Passiv Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%)Präsens 2 608 57,46 8 275 56,52; Präteritum 1 923 42,37; frequentatives Präteritum 3 0,07; Vergangenheit 6 060 41,39; Futur 5 0,11 30 0,20; Notwendigkeitspartizip 276 1,89
Betrachten wir noch eine wichtige Wortart – das Adjektiv. In wissenschaftlichen Texten werden am häufigsten die folgenden Adjektive verwendet: groß, vielfältig, grundlegend, neu, wichtig, allgemein, klein, sozial, gesondert, unterschiedlich, wirklich, charakteristisch, hoch, gleich, wissenschaftlich, politisch, letzterer, wirtschaftlich, gut, speziell. Betrachten wir die Häufigkeit der grammatischen Kategorien des Adjektivs. Die Verwendung der Adjektivkasus ist in Tabelle 8 dargestellt.
TABELLE 8. VERWENDUNG DER ADJEKTIVKASUS IM WISSENSCHAFTLICHEN STIL
Adjektivkasus Singular Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%) Plural Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendungen (%)Nominativ 6 406 34,23 4 136 30,52; Genitiv 6 066 32,41 4 962 36,62; Akkusativ 2 992 15,99 2 102 15,51
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Singular Plural Adjektivkasus Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendung (%) Anzahl der Wortverwendungen Wortverwendung (%)Instrumental 1 667 8,91 1 196 8,83 Lokativ 903 4,82 657 4,85 Dativ 672 3,59 498 3,68 Vokativ 10 0,05 – –
Aus der Tabelle geht hervor, dass sich wie bei den Substantiven auch bei den Adjektivkasus Gruppen häufig verwendeter (Nominativ, Genitiv, Akkusativ – sie machen über 80% aller Adjektivkasus aus) und selten verwendeter Kasus (Instrumental, Lokativ, Dativ) unterscheiden lassen. Der Genitiv der Adjektive ist jedoch nicht so häufig wie der Genitiv der Substantive, der in Texten an die Stelle eines relativen Adjektivs tritt. Außerdem unterscheiden sich die Verwendung der entsprechenden Singular- und Pluralformen der Adjektive nicht so stark wie bei den Substantiven (vgl. Tabelle 3). Das Verhältnis der gesamten Singular- und Pluralformen der Adjektive ist wie folgt: Singular – 18 716 (58,00%), Plural – 13 551 (42,00%).
Wie zu erwarten war, wird in den Texten des untersuchten Stils das Maskulinum der Adjektive häufiger verwendet als das Femininum: Maskulinum – 18 200 (55,48%), Femininum – 14 067 (42,88%), geschlechtsneutrale Form – 539 (1,64%).
Da im Litauischen die pronominalen Formen von Adjektiven und anderen adjektivisch verwendeten Wortarten vorwiegend in Termini gebraucht werden, um eine wesentliche (markierte) Eigenschaft des durch ein Substantiv ausgedrückten Terminus zu bezeichnen, lässt sich erwarten, dass pronominale Formen in Texten des wissenschaftlichen Stils häufiger vorkommen. Tatsächlich wurden in den Texten folgende Anteile festgestellt: 7,01% aller Adjektive, 12,47% der Partizipien Präsens, 2,61% der Partizipien Präteritum und 27,59% der Partizipien Futur6 im Passiv.
Somit zeigen die durchgeführten Untersuchungen, welche grammatischen Formen der wichtigsten Wortarten für wissenschaftliche Texte des Litauischen charakteristisch sind, das heißt, auf welche grammatischen Formen Fachleute, die im Bereich der automatischen Erkennung und der maschinellen Übersetzung arbeiten, vor allem achten müssen.
6 Dies sind allein die verschiedenen Kasus des Futur des Partizips (siehe Tabelle 7).
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SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. In Texten des wissenschaftlichen Stils im Litauischen ist das Substantiv die am häufigsten verwendete Wortart; auf sie entfällt fast die Hälfte (43,73%) der Textwörter. Die beiden anderen wichtigen Wortarten – Verb und Adjektiv – machen 30,10% des Textes aus.
2. In Texten des wissenschaftlichen Stils lassen sich die Substantivkasus (mit Ausnahme des Vokativs) nach ihrer Gebrauchshäufigkeit in eine Hauptgruppe (Genitiv, Nominativ, Akkusativ) und eine periphere Gruppe (Lokativ, Instrumental und Dativ) einteilen. Besonders häufig ist der Genitiv: In Texten dieses Stils stehen fast die Hälfte aller Kasusformen im Genitiv.
3. Im wissenschaftlichen Stil werden finite Verbformen am häufigsten verwendet (41,20%), Partizipien etwas seltener (37,64%).
3.1. In Texten des wissenschaftlichen Stils werden finite Verbformen und Partizipien im Präsens häufiger verwendet als Formen oder Partizipien im Präteritum (dies gilt besonders für finite Formen).
3.2. In diesem Stil überwiegt bei den Personenformen der Verben eindeutig die dritte Person; unter den übrigen selten verwendeten Personenformen zeichnet sich die erste Person Plural durch eine höhere Häufigkeit aus.
4. Wie bei den Substantiven lassen sich auch die Adjektivkasus des wissenschaftlichen Stils in Gruppen häufig und selten verwendeter Kasus einteilen; der Genitiv der Adjektive ist jedoch nicht so häufig wie der Genitiv der Substantive.
5. In Texten des wissenschaftlichen Stils überwiegen der Singular und das Maskulinum bei Substantiven und Adjektiven als unmarkierte Glieder der Oppositionen.
6. Hinsichtlich der Verwendung der Wortarten stehen wissenschaftliche Texte den fachlichen Texten näher.
LITERATŪRA
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JAKUBAITĖ, T., e.a. 1968: Latviešu valodas biežuma vārdnīca. I- sēj., 2 daļa, Rīga: Zinātne.
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Vida Žilinskienė Lietuvos teisės universitetas Ateities g. 20, 2057 Vilnius, Lietuva [email protected]
Gauta 2002 04 09