Dėl sintaksinių ryšių skirstymo
Full text
ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LII (2005), 157–166
ANMERKUNGEN
Remarks
ZUR KLASSIFIKATION SYNTAKTISCHER BEZIEHUNGEN
Die hier dargelegten Gedanken wurden durch eine interessante Rezension von Prof. Vytautas Ambrazas (ALL 52, 167–170) zu den 2003 erschienenen Untersuchungen syntaktischer Beziehungen ausgelöst. Diese Rezension, die wertvolle polemische Anmerkungen enthält, insbesondere zur Theorie syntaktischer Beziehungen, die in der genannten Publikation dargelegt wird, zeigt, dass das Ziel der Autoren erreicht wurde – theoretische Diskussionen über Fragen der litauischen Grammatik anzuregen. Besonders erfreulich ist, dass die Diskussionen von einer bedeutenden Autorität auf dem Gebiet der synchronen und diachronen litauischen Syntax eröffnet werden, dem Autor vieler inzwischen klassisch gewordener Arbeiten, Prof. Vytautas Ambrazas. Der Professor selbst hat wiederholt an den Seminaren der Abteilung für Grammatik des Instituts für Litauische Sprache teilgenommen und als wohlwollender, zugleich aber scharfsinniger und kritischer Zuhörer die Herausbildung der Gedanken beobachtet und gefördert. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein immer größerer Kreis von Forschenden an den Diskussionen beteiligen wird.
Keine syntaktische Theorie ist vollkommen; vollkommen ist auch die in Untersuchungen syntaktischer Beziehungen vorgestellte Theorie syntaktischer Beziehungen nicht, die ich der Einfachheit halber im Folgenden mit der Abkürzung „SRT-Theorie“ bezeichnen werde. Auf einige damit verbundene Probleme weist Prof. Ambrazas zu Recht hin. Es ist schwierig, diese Probleme zu widerlegen; am schlimmsten wäre es, sie unter den Teppich zu kehren. Die Autoren des SRT-Konzepts haben jedoch beschlossen, sich nach dem Prinzip des „kleineren Übels“ mit ihnen abzufinden. Daher möchte ich hier auf einige größere Übel hinweisen, die sich mithilfe der SRT-Theorie vermeiden lassen.
Der Rezensent merkt an, dass die von den SRT-Autoren verwendeten Begriffe der Rektion und der Modifikation sehr weit gefasst sind. Zum Beispiel gelten sowohl Attribute als auch Adverbialbestimmungen und prädikative Attribute als Modifikatoren (hier ist eine Präzisierung nötig: Nach der SRT-Theorie gelten nur vom Verb nicht geforderte freie Prädikative als Modifikatoren). Die teilweise Berechtigung dieser Anmerkung lässt sich schwer bestreiten: Man verzichtet beispielsweise auf die „doppelte syntaktische Beziehung“, anhand deren die DLKG den nominalen Teil des Prädikats und die prädikativen Attribute unterscheidet. Das Problem besteht darin, dass diese doppelte syntaktische Beziehung zu schwer lösbaren Widersprüchen führt.
Ein prädikatives Attribut wird anhand zweier Merkmale definiert: Es schließt sich an ein Verb an und kongruiert mit dem Subjekt (Broliai grįžo linksmi) oder mit einem direkten Objekt (Visada matau Joną linksmą). Darin unterscheidet sich das prädikative Attribut von einer Adverbialbestimmung in einem Satz wie etwa Nudažiau duris žaliai. In diesem Satz kongruiert das Adverb žaliai mit nichts; die syntaktische Beziehung ist in diesem Fall also einseitig. Doch warum sollte man nicht die Behauptung aufstellen können, dass das Adverb žaliai ebenso an das Substantiv duris angeschlossen ist wie an das Verb? Denn semantisch betrachtet wird das von ihm ausgedrückte Merkmal den Türen, nicht dem Streichen, zugeschrieben: Nudažiau duris žaliai bedeutet ‚beim Streichen machte ich die Türen grün‘. Eine solche Behauptung lässt sich nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen. Denn der Anschluss ist eine solche „syntaktische Beziehung“, die unsichtbar ist – sie tritt nicht durch morphologische Merkmale in Erscheinung. Somit ist die Behauptung, dass im Satz Nudažiau duris žaliai das Wort žalias in einer doppelten syntaktischen Beziehung steht, ebenso richtig wie die Behauptung, dass es in einer einseitigen syntaktischen Beziehung steht.
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Dass ein und dieselbe Behauptung und ihr Gegenteil gleichermaßen wahr sein können, ist natürlich unerwünscht.
Hier muss gleich präzisiert werden: Wir sehen nichts Problematisches darin, einen Typ syntaktischer Beziehungen anzusetzen, der keine morphologischen Merkmale aufweist. Im SRT-Konzept werden syntaktische Beziehungen ganz unabhängig von morphologischen Merkmalen differenziert. Schwierigkeiten entstehen dadurch, dass rein morphologische Phänomene auf dieselbe Ebene wie syntaktische Abhängigkeitsbeziehungen gehoben werden. Man kann die morphologische Abhängigkeitsbeziehung (wenn die Flexionsform eines Wortes durch die morphologischen Merkmale eines anderen Wortes bestimmt wird) konventionell als Typ syntaktischer Beziehung bezeichnen; dabei wird jedoch vergessen, dass die heuristischen Verfahren völlig verschieden sind, je nachdem, ob von einem morphologischen Phänomen – der Kongruenz – oder von einem Phänomen ohne morphologische Merkmale – dem Anschluss – die Rede ist. Im Fall der Kongruenz wird eine morphologische Verbindung festgestellt und daraus auf das Vorliegen einer syntaktischen Beziehung geschlossen: Auf eben dieser Grundlage werden sowohl die wechselseitige Verbindung als auch die doppelte syntaktische Beziehung definiert. Gäbe es keine Kongruenz, könnte man das Subjekt als vom Verb regiert und das prädikative Attribut als an das Verb angeschlossen auffassen. Beim Anschluss ist das Verfahren umgekehrt: Man setzt voraus, dass zwischen zwei Wörtern eine syntaktische Abhängigkeitsbeziehung bestehen muss, und nimmt, da diese Beziehung weder Rektion noch Kongruenz sein kann, an, dass es sich um Anschluss handelt. Zum Beispiel wird im Satz Jis greitai atbėgo vorausgesetzt, dass das Wort greitai vom Verb abhängig ist; diese Abhängigkeitsbeziehung wird Anschluss genannt, weil sie kein morphologisches Kennzeichen hat.
Diese Annahme wollen wir keineswegs verwerfen. Im genannten Satz muss das Wort greitai von etwas abhängig sein, und die Annahme, dass es gerade vom Verb atbėgo abhängt, erscheint durchaus plausibel. Eine solche Annahme ist auch im Fall des Satzes Nudažiau duris žaliai begründet. Ebenso ist sie bei der Analyse des Satzes Visada matau Joną linksmą begründet. Das Adjektiv linksmas ist hier vom Verb matau abhängig, und das genügt bereits, um diesem Adjektiv einen Platz in der syntaktischen Hierarchiestruktur des Satzes zuzuweisen. Die zusätzliche Annahme, dass dieses Adjektiv auch vom Substantiv Joną abhängig ist, ist völlig unnötig. Zwar hängt seine Numerus- und Genusform von Numerus und Genus des Wortes Joną ab, doch eine solche morphologische Abhängigkeit kann sogar Wörter verbinden, die in völlig unterschiedlichen Sätzen stehen (z. B. Ant stalo gulėjo pinigai. Išs idėjau juos į kišenę); in einem solchen Fall sieht niemand einen Grund, zwischen ihnen eine syntaktische Abhängigkeitsbeziehung festzustellen. Am schlimmsten ist, dass sich, wenn man auf Grundlage der Kongruenz eine syntaktische Beziehung zwischen den Wörtern Joną und linksmą im Satz mačiau Joną linksmą postuliert, ganz natürlich die Annahme ergibt, dass auch zwischen den Wörtern duris und žaliai im Satz nudažiau duris žaliai eine syntaktische Beziehung besteht. Denn semantisch wie syntaktisch ist hier alles ähnlich; der einzige Unterschied betrifft die Wortart: Verwendet wird entweder ein flektierbares Adjektiv oder ein unflektierbares Adverb. Kann ein solcher Unterschied aber syntaktisch sein? Wohl kaum. Hat man also einmal den Grundsatz akzeptiert, dass syntaktische Abhängigkeit doppelt sein kann, d. h. dass ein Wort von mehreren anderen Wörtern abhängen kann, liegt die Annahme nahe, dass die Wörter duris und žaliai durch Anschluss miteinander verbunden sind. Man könnte entgegnen, dass es in diesem Fall (anders als etwa im Satz Jis greitai atbėgo) a priori keinen Grund gibt, eine syntaktische Beziehung zu vermuten. Doch dann gibt es einen solchen Grund auch im Fall der Konstruktion Mačiau Joną linksmą nicht. In dieser Konstruktion sehen wir nur eine morphologische Verbindung, die – wie bereits festgestellt wurde – keine syntaktische Beziehung impliziert.
Wie man sieht, entstehen die logischen Widersprüche im traditionellen Modell syntaktischer Beziehungen dadurch, dass rein syntaktische (Anschluss) und rein morphologische (Kongruenz) Phänomene auf einer Ebene behandelt werden. Grundsätzlich gibt es keinen Anlass, die Kongruenz in das Schema zur Klassifikation syntaktischer Beziehungen aufzunehmen. Explicitis verbis schlägt Prof. Ambrazas dies in seiner Rezension auch nicht vor; die vorgeschlagenen Begriffe der wechselseitigen Verbindung und der doppelten syntaktischen Beziehung beruhen jedoch auf der falschen Annahme, dass Kongruenz eine syntaktische Beziehung ist,
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oder setzt eine syntaktische Beziehung voraus. Gibt man diese Annahme auf, entfällt die Notwendigkeit, mit den Begriffen der wechselseitigen Verbindung und der dualen syntaktischen Beziehung zu operieren; aus dem traditionellen Schema syntaktischer Beziehungen bleiben dann nur zwei Begriffe übrig: Rektion und Anfügung. Diese Begriffe sollten genau so definiert werden, wie es im SRT-Konzept geschieht.
Prof. Ambrazas zufolge würde die Anwendung des Begriffs der Rektion ausschließlich auf einseitige Anfügung (wobei wechselseitige Verbindung und duale Beziehung als eigenständige Beziehungstypen bestehen blieben) „es ermöglichen, dem von den Autoren selbst anerkannten Erfordernis gerecht zu werden, die Funktionen der Satzglieder auf der Grundlage syntaktischer Beziehungen zu definieren“. Tatsächlich ist die Fähigkeit beider Modelle syntaktischer Beziehungen – sowohl des von Prof. Ambrazas vorgeschlagenen als auch desjenigen der SRT-Autoren –, Satzglieder nach der Art der syntaktischen Beziehung zu unterscheiden, ungefähr gleich. Das SRT-Konzept unterscheidet Subjekt, Objekte und notwendige Prädikative nicht nach der syntaktischen Beziehung. Dafür unterscheidet es Objekte von Adverbialbestimmungen und notwendige Prädikative von freien Prädikativen, was das in der DLKG dargestellte Modell nicht leisten kann. Nimmt man die in Prof. Ambrazas Stellungnahme vorgeschlagene verbesserte Variante an, in der Rektion und Anfügung nicht mehr anhand morphologischer Kriterien definiert werden, wird es tatsächlich möglich, Objekte (regierte) und Adverbialbestimmungen (angefügte) anhand der syntaktischen Beziehung zu unterscheiden. Bei „nominalen Teilen des Prädikats“ und „prädikativen Attributen“ gelingt dies nicht. Es heißt, dass im Satz Jonas yra linksmas das Wort linksmas kein eigenständiges Satzglied ist, weil die Kopula būti keine selbstständige Bedeutung hat. Als Satzglied gilt das „prädikative Attribut“ im Satz Jonas grįžo linksmas. Welche Funktion hat aber das Wort linksmas im Satz Jonas atrodo linksmas? Auf diese Frage gibt die DLKG zwei unterschiedliche Antworten: Auf S. 507–508 wird das Verb atrodyti unter den uneigentlichen Kopulae aufgeführt, während auf S. 589 der Satz Mokytojas atrodė piktas als Beispiel für ein prädikatives Attribut angeführt wird. Von diesen beiden Analysen ist die zweite als besser anzuerkennen, denn es ist schwer zu behaupten, das Verb atrodyti habe keine Bedeutung, ähnlich wie būti. Nach dem SRT-Konzept steht das Adjektiv linksmas in den Sätzen Jis atrodė linksmas und Jis grįžo linksmas in unterschiedlichen syntaktischen Beziehungen – im einen Fall durch Rektion, im anderen durch Modifikation. Das erklärt, warum das Adjektiv im ersten Fall obligatorisch ist (*Jis atrodė ist ein unvollständiger Satz), im zweiten hingegen nicht. Im Wesentlichen ist dieser Unterschied ganz analog zum Unterschied zwischen Objekten und Adverbialbestimmungen, den Prof. Ambrazas selbst mit einem Unterschied syntaktischer Beziehungen zu erklären geneigt ist. Bei den „prädikativen Attributen“ verbirgt sich dieser Unterschied jedoch hinter dem einheitlichen Etikett „duale syntaktische Beziehung“. Darauf, dass man besser auf die duale syntaktische Beziehung verzichten sollte, weil sie zu grundlegenden Widersprüchen führt, wurde bereits früher hingewiesen. Ebenso fehlerhaft wie der Begriff der dualen syntaktischen Beziehung ist der Begriff der wechselseitigen Verbindung. Daher ist zu bezweifeln, ob sich auf Grundlage des in der DLKG dargestellten Konzepts Subjekte und Objekte anhand der syntaktischen Beziehung unterscheiden lassen. Überzeugend gelingt dies nur der generativen Grammatik, die sich auf die Konstituentenanalyse stützt und den Satz bereits in der ersten Analyseebene in ein Subjekt und eine Verbalphrase gliedert. Die SRT-Autoren wenden diese Methode nicht an und räumen deshalb auch ein, dass der Unterschied zwischen Subjekt und Objekten kein Unterschied zwischen Typen syntaktischer Beziehungen ist. Ihr einziger syntaktischer Unterschied betrifft ihre Position in der Hierarchie der Nominalphrasen (engl. obliqueness hierarchy) – die übrigen Unterschiede sind morphosyntaktischer Art.
Prof. Ambrazas zufolge würde der Begriff der wechselseitigen Verbindung helfen, den „widersprüchlichen Begriff der notwendigen Adverbialbestimmungen“ zu vermeiden. Dieser Begriff wird im SRT-Konzept beispielsweise zur Beschreibung von prie ežero im Satz Namas yra prie ežero verwendet. Man muss einräumen, dass der Begriff selbst nicht besonders gelungen ist, doch lässt er sich durch einen besseren ersetzen. Das eine ist der Begriff, das andere die Sache selbst. Wesentlich ist, dass es sich bei „notwendigen Adverbialbestimmungen“ um einen Zwischenfall zwischen Rektion und Modifikation handelt. Der Satz ist lokativ, und die Ortsangabe nimmt zweifellos eine Argumentposition ein. Eine Argumentposition einzunehmen ist ansonsten typisch für Objekte, doch hindert eine gewisse Ausdrucksanomalie daran, prie ežero als Objekt zu bezeichnen: Streng genommen müsste man das Prädikat als ‚sein bei‘ formulieren, und dieses Prädikat eröffnet die Argument-
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positionen für die Bezeichnungen eines Gegenstands und eines Ortes. Die räumliche Relation wird jedoch nicht durch das Verb, sondern durch eine mit einem Nomen verwendete Präposition ausgedrückt. Somit erinnert ežero sowohl seiner Bedeutung als auch seiner Ausdrucksform nach an eine Adverbialbestimmung (in der gängigen Terminologie: einen Modifikator) – nur dass dieser Modifikator in diesem Fall nicht eine zusätzliche, sondern die grundlegende Satzprädikation ausdrückt. Genauer gesagt drückt nicht das Nomen ežeras die Prädikation aus, sondern die Präposition prie. Die üblichen Regeln der syntaktischen Analyse erlauben es jedoch nicht, den Satz als Namas / yra prie / ežero zu gliedern. Üblicherweise wird anders gegliedert: Namas / yra / prie ežero. Ein solches Argument, das syntaktisch als Modifikator realisiert wird, heißt nach dem Grundsatz „Der Name tut nichts zur Sache“ notwendige Adverbialbestimmung. Dass es Zwischenfälle zwischen Rektion und Modifikation geben kann, widerspricht der Theorie nicht. Die Grenzen sprachlicher Kategorien sind generell unscharf; entscheidend ist, dass die Werkzeuge des Forschers scharf sind. Und die Alternativen zu „notwendigen Adverbialbestimmungen“ sind nicht viel besser. Wenn man behauptet, dass im Satz Namas yra prie ežero die Wortfolge prie ežero kein Satzglied, sondern lediglich ein Teil eines Satzglieds ist, weicht man einer Antwort auf eine schwierige Frage schlicht aus. Wie lässt sich erklären, dass die Wortfolge prie ežero, die in einem Satz (Namas yra prie ežero) „nichts“ ist, in einem anderen Satz (Jis pasistatė namą prie ežero) zu einem Satzglied wird?
Auf diese Frage könnte man antworten, dass im Satz Namas yra prie ežero prie ežero tatsächlich das eigentliche Prädikat ist: Dafür spräche die Möglichkeit, die Präsensform des Verbs būti wegzulassen – ein Phänomen, dem Prof. Ambrazas große Bedeutung beimisst. Den Vorschlag der SRT-Autoren, das notwendige Prädikativ mit dem Verb būti als regiert zu betrachten, kommentiert er folgendermaßen: „Dann muss man wohl annehmen, dass im Satz Knyga įdomi die Nullkopula (d. h. ein Tempus- und Modusmarker ohne lexikalische Bedeutung) beide Nominative als notwendige Ergänzungen der Verbbedeutung regiert.“ Wenn die Nullkopula jedoch für das SRT-Konzept ein Problem darstellt, bereitet sie auch der DLKG und dem Konzept von Prof. Ambrazas Probleme. Wenn die Nullkopula nicht regieren kann, kann sie auch nicht in eine wechselseitige Verbindung eintreten – mit anderen Worten, das Subjekt des Satzes Knyga įdomi lässt sich syntaktisch nicht bestimmen. Was die Bedeutung der Kopula betrifft, ist zu verstehen, dass es eine Frage der Konvention ist, ob wir ihr eine lexikalische Bedeutung zuschreiben oder nicht; ausschlaggebend sind dabei Erwägungen zur inneren Kohärenz der Theorie. Die Kopula būti verbindet nicht immer referentielle Ausdrücke mit prädikativen Wörtern (wie im Beispiel Jonas yra linksmas); manchmal verbindet sie auch referentielle Ausdrücke mit referentiellen Ausdrücken, z. B. im Satz Jonas yra mūsų mokytojas, in dem mūsų mokytojas kein Prädikat, sondern eine definite Beschreibung (engl. definite description) ist, die eine Person bezeichnet. Die Kopula yra drückt hier die Identität der Referenten zweier Ausdrücke aus („Der Mensch namens Jonas und der Mensch, der uns unterrichtet, sind ein und dieselbe Person“). Die Annahme, die Kopula habe keine Bedeutung, führt in diesem Fall zu keinem guten Ergebnis, denn ein Satz kann nicht ausschließlich aus referentiellen Ausdrücken bestehen und keinen prädikativen Gehalt haben. Anders gesagt: Zumindest in manchen Fällen muss der Kopula eine lexikalische Bedeutung zugeschrieben werden. Jedenfalls muss „uneigentlichen Kopulae“ (DLKG 507–508) wie atrodyti, apsimesti usw. eine lexikalische Bedeutung zugeschrieben werden; ihre Ergänzungen sind im Konzept der DLKG im Niemandsland irgendwo zwischen „nominalem Teil des Prädikats“ und „prädikativem Attribut“ verloren gegangen. Erkennt man an, dass auch būti, atrod yti eine gewisse lexikalische Bedeutung haben, lassen sich ihre Ergänzungen einheitlich als regierte Ergänzungen beschreiben. In die Beschreibung von Sätzen wie Jonas yra linksmas bringt dies eine gewisse Redundanz ein, denn man muss anerkennen, dass das Wort linksmas selbst bereits prädikative Bedeutung hat. Von verschiedenen Übeln ist Redundanz jedoch wohl das geringste, denn ohnehin wird niemand bestreiten, dass Redundanzphänomene in der Sprache vorkommen. Semantisch gesehen ist die Kopula im Satz Jonas yra linksmas zweifellos redundant. Eine syntaktische Beschreibung, die so tut, als gäbe es sie nicht, führt jedoch zu weit schwerwiegenderen Widersprüchen.
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Die Suche muss weitergehen, und die Konfrontation von Gedanken und Konzepten wird zweifellos irgendwann eine bessere Theorie der syntaktischen Beziehungen ermöglichen als die von SRT entwickelte.
Axel Holvoet Institut für Litauische Sprache P. Vileišio g. 5, 10308 Vilnius, Litauen
Eingegangen am 13.05.2005
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Seit Langem wissen wir und wurden wir gelehrt, dass das Allophon ŋ des Sonanten n nur vor k’ palatalisiert ist (das hat Prof. Aleksas Girdenis untersucht (Kalbotyra 48–49 (1), S. 165–167); der Verfasser dieser Zeilen hat es im Wörterbuch der litauischen Dialekte (2001) angegeben). So wird in ganz Litauen gesprochen (einige Südhochlitauer, die sogenannten Dzūken, ersetzen es aufgrund slawischen Einflusses durch n).
Dabar žurnale Lituanistica (2004, 4 (20)) pasirodė (po Vilniaus pedagoginio universiteto mokslininkų darbų) Arimanto Raškinio, Gailiaus Raškinio, Astos Kazlauskienės straipsnis „Lietuvių bendrinės šnekamosios kalbos garsų fondo kūrimo principai“ (p. 53–62). Jame teigiama, turbūt pagal prof. Antaną Pakerį (kaip rodo prof. A. Girdenio minimas straipsnis), kad bendrinėje kalboje turi būti tariama an’ks’t’i, tan’km’ė, án’kš’t’is (p. 56), o paprastai visur lietuvių tariama ankš’t’i, tankm’ė, á.nkš’t’is ir pan. Tai neįtikinamas siūlymas ir neigiamas dalykas (gal tame straipsnyje nereikėjo keisti ir daiktavardžių su priesaga -ybė priegaidės – tikimybė (p. 61) = tikimybė).
Aus der VPU gelangt die Unwahrheit über die Schüler auch ins LKI: In der wichtigen Publikation Chrestomathie der litauischen Dialekte (2004) steht luŋ’.kt’ „biegen“ (Širvintos-Dialekt) (S. 162), an’kš’č’áu (Pákražantis) (S. 215), deŋ’.kt’ (S. 18 – theoretischer Teil). Man stellt sich sogar gegen den Berater des Buches, Prof. habil. Dr. A. Girdenis! Es gibt sogar bě’kt’ (S. 62). Und das ist der Šiauliai-Dialekt …
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Im Norden Samogitiens (bei allen Dounininkai, den nördlichen Dūnininkai, den sogenannten Varniai-Dialektsprechern, sowie den nördlichen Donininkai – nördlich von Saūgai) wird der Akzent von allen kurzen und zirkumflektierten Endungen an den Wortanfang zurückgezogen (allgemeiner Akzentrückzug). In diesen Mundarten kann der Akzent auch auf die Präposition eines flektierten Wortes fallen (darauf hat Jonas Jablonskis bei der Bearbeitung des Wörterbuchs von Antanas Juška hingewiesen). Im dritten Band der Fragen der litauischen Sprachwissenschaft (1960) (S. 62–63) wird dies für die samogitischen Mundarten von Kuršėnai, Papilė, Kaunatava, Raudėnai und anderen beschrieben; Ähnliches las man über die Mundarten von Kalnėlis (P. Kniūkšta), Laukuva (V. Grinaveckis) und sogar der westhochlitauischen Mundart von Šakyna (A. Jonaiytė). Ich selbst hörte bei Šiupyliai unweit von Gruzdžiai die Aussprache vā·re aŋ darbu·. Viele Dialektologen, besonders Akademiemitglied Zigmas Zinkevičius, sowie die Verfasser der ersten Chrestomathie der litauischen Dialekte glaubten daran.
Über diese Frage schreibt der Dialektologe Aleksas Girdenis nun ausführlich mit seiner Schülerin Dr. Lina Muriniene im Artikel „Besonderheiten des Akzentrückzugs auf das Proklitikon im östlichen Nord-Samogitischen Dialekt“ (Baltistica 36 (1), 2001, S. 87–102). Hier wird das seit 1960 aufgeworfene Problem sehr überzeugend anhand von Beispielen untersucht, die aus allerlei Aufnahmen transkribiert wurden; sogar die Häufigkeit wird angegeben,