Wege der deutschen Entlehnungen in die ostpreußische Zeitung „Naujasis Tilžės keleivis“ (1924–1940)
Full text
Acta Linguistica Lithuanica
LIV (2006), 27 — 47
Wege der deutschen Entlehnungen
in die ostpreuldische Zeitung
Naujasis Tilžės keleivis (1924-1940)
INDRE BROKARTAITE-PLADIENĖ
Šiaulių universitetas
In this article an attempt is made at evaluating the chronological layering
of the German loanwords attested in the newspaper Naujasis Tilžės keleivis,
whose period of publication spans the last decades of the existence of the
Prussian-Lithuanian linguistic community. An overview is given of the
typological properties (structure, chronological distribution) of this group
of loanwords. The basic German language varieties serving, to various
extents, as sources of German loanwords in the Lithuanian language of
East Prussia are discussed: these are the Lower German dialects of East
Prussia and the standard language that grew out of the written language
and developed its professional and political variants. Attention is further
given to the Lithuanian language varieties that could have influenced the
structural transformation or ousting of German loanwords; the way in which
German loanwords were adapted in Prussian Lithuanian from the 18th
century onward; the public discussions regarding their use in the written
Lithuanian language of East Prussia; and the extent to which the nascent
standard language affected their use in the Naujasis Tilžės keleivis.
0. VORBEMERKUNGEN
Die litauische Zeitung Naujasis TilZés keleivis, die von 1924 bis 1940 in
Tilsit erschien, bietet die Gelegenheit, deutsche Entlehnungen in der
litauischen Presse Ostpreuffens fiir einen Zeitraum zu untersuchen, als
das Preultisch-Litavische' schon eine eigenstdandige Sprachvarietit bil-
"In der o.e. Zeitung wird diese Minderheitensprache von den Sprachtragern selbst
mit den synonymen Begriffen Prūsų lietuviy/lietuvininky kalba (deutsch: Preufisch-
27
INDRE BROKARTAITE-PLADIENE
dete, deren Spezifik mallgeblich durch die Folgen des Sprachkontakts
und die gesellschaftliche Zweisprachigkeit geprdgt war (vgl. Schiller
1999: 225-226, 228).
Dieser auf den Grundlagen der Kontaktlinguistik? basierende Beitrag
setzt sich zum Ziel, die Wege der deutschen Entlehnungen in die o.e.
Zeitung zu verfolgen, und soll demnach zwei Aufgabenbereiche abdek-
ken:
1. Theoretische Konzipierung des UNTERSUCHUNGSGEGENSTANDES (deutsche
Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis), die sowohl einen breiteren
theoretischen Ansatz (Analyse der typologischen und strukturellen Be-
sonderheiten) als auch einen geschichtlichen Uberblick voraussetzt.
2. Eine exemplarische Darstellung per WEGE DEUTSCHER ENTLEHNUNGEN
in den Naujasis Tilžės keleivis, die sich auf die qualitative Analyse des
gesammelten Korpus stiitzt.
1. ZU DEN BESONDERHEITEN DES UNTERSUCHUNGSGEGENSTANDES
Die deutschen Entlehnungen in Naujasis TilZés keleivis lassen sich als
nur schwer klassifizierbares und nicht systematisches Untersuchungs-
objekt bezeichnen, das terminologische, typologische und strukturelle
Litauisch) bzw. Rytprisiy lietuviy kalba (deutsch: Ospreufisch-Litauisch) bezeichnet.
Von diesen beiden die politische Zugehorigkeit widerspiegelnden Bezeichnungen hat
sich die erste mehr in der deutschsprachigen Literatur eingeburgert, die geographisch
prazisere Bezeichnung Ostpreufisch-Litauisch wird von Zinkevičius (2002b: 476)
verwendet. In der litauischen Sprachforschung wird der Terminus Mažosios Lietuvos
lietuvių kalba (deutsch: das Kleinlitauische) bevorzugt, der bei deutschen Autoren auch
als Synonym zu PreufSisch-Litauisch angefiithrt wird (vgl. Hinderling, Hasselblatt 2004:
3272). Heutzutage gelten alle diese Bezeichnung als historische Begriffe, weil die
preulBisch-litauische Sprachgemeinschaft bereits am Aussterben ist.
* Die Kontaktlinguistik erforscht Situationen, in denen zwei (oder mehr) Sprachen in
Beriihrung stehen, und mindestens eine davon sich infolge dieses Kontaktes wandelt.
Der Wandel ist als ein Komplex von eng verflochtenen linguistischen und aufer-
linguistischen Phanomenen anzusehen (Oksaar 2004: 3160, Clyne 1996: 12). Die
Sprachkontaktforschung gilt als verhaltnismadBig junge und dynamische linguistische
Disziplin und bemuiht sich noch um eine klare Definition ihrer Theorien und Instru-
mentarien, der bereits erreichte Wissensstand hat in den beiden Kontaktlinguistik-
Būnden der HSK-Reihe (Goebl, Nelde, Stary, Wolck 1996, 1997) eine enzyklopadische
Dokumentation gefunden.
28
Deutsche Entlehnungen 1m Naujasis Tilžės keleivis
Prazisierungen erfordert. Soweit kein kompaktes Theoriegebaude fiir
Forschungen solcher Art vorhanden ist, werden im vorliegenden Teil die
grundlegenden Merkmale und die Erforschungsmethodik von Entlehnun-
gen in der o.e. Zeitung anhand der konzeptuellen Lehngutsforschungen
und Untersuchungen von deutschem Lehngut in anderen preufisch-li-
tauischen Primarquellen diskutiert.
1.1. Terminologische, strukturelle und typologische
Vorbemerkungen
Der Untersuchungsgegenstand wird wegen der thematischen Spezifik der
Zeitung mit dem ergebnis- und prozessorientierten Terminus ENTLEHNUNG?
bezeichnet. Dabei lasst sich vor allem die chronologische Vielschichtigkeit
des Korpus an folgenden Beispielen veranschaulichen®:
... Bernas, ant Staldo (1) Bertainio (2) stowédamas, nuwirto ....
(1926-52-3, If mufu Krafdto),
... apfiredziufi jūdu Kedeliu (3) ... (1924-62-3, If mulu Kral3to),
. atidengė Piningy (4) Szmugeli (5)... (1938-72-3, I mulų
Kralšto),
. nuwirto ant Szafijos (6) į Kampą [ukdamas ... (1926-8-4,
Margumynai),
... Wokietijos Fūhreris (7) ir Reichskancleris (8) Adolf Hitler ...
(1937-46-2, Politikos Naujienos)
Wahrend staldas „Stall“, bertainis ,ein Fach in der Scheune auf den Seiten
der Dreschtenne liegend', kedelis ,Frauenrock, Kittel‘, piningas „Geldstūck,
Geldmiinze“, sgmugelis ,Schmuggel, szafija „Chausee“ auch in anderen Quel-
len (s. dazu: Alminauskis 1935, Čepienė 1995, Kurschat 1883) als deutsche
Entlehnungen belegt sind, mogen fiihreris ,Leiter, Fūhrer“, reichskancleris
* Auf der Basis der Betzschen Typologie hat sich die Entlehnung in der deutschen
Fachliteratur zu einem breiten Begriff entwickelt (als Ergebnis aus Wortentlehnung
und Lehnpragung bestehend, aber auch als Lehnvorgang) und stimmt inhaltlich mit
der lit. Entsprechung skolinys (Lehnwort) nicht mehr ūberein.
* Die im Naujasis Tilžes keleivis in deutscher Frakturschrift abgedruckten Beispielssat-
ze werden hier in lateinischer Druckschrift wiedergegeben (mit Erhalt von einigen
kennzeichnenden Frakturbuchstaben).
29
INDRE BROKARTAITE-PLADIENE
,Reichskanzler als spūter iibernommene Vokabeln gelten, die in anderen
Schriften noch nicht eingebiirgert waren.
Demnach ware es m.E. sinnvoll in chronologischer Hinsicht von zwei
Gruppen der Entlehnungen zu sprechen:
1. Auf dem Wege der natiirlichen deutsch-litauischen Sprachkontakte
tibernommener und sowohl im gesprochenen als auch im geschriebenen
Preulisch-Litauischen verwendeter Lehnwortschatz, fiir den diese Zei-
tung eindeutig nur als sekunddre Verwendungsquelle gilt (Bsp. 1, 2, 3,
4, 5, 6). Bei der Untersuchung von linguistischen Besonderheiten solcher
deutschen Entlehnungen in Naujasis Tilžės keleivis stiitze ich mich auf
die vergleichende Methode, bei der man die Beispiele mit Daten der dia-
lektologischen Forschungen (in benachbarten Dialekten, s. Zinkevičius
2002a), mit Eintragen in ostpreuflischen Worterbiichern (Drotvinas 1987,
Kurschat 1883, Alminauskis 1935) bzw. lexikologischen Studien zu diesen
Wérterbiichern (Čepienė 1993, 1995, 2000b) oder anderen ostpreufi-
schen Schriften (Cepiené: 1998a, 1998b, Kaukiené: 1997, Palionis: 1995)
vergleicht. Der Vergleich mit anderen litauischen Zeitungen Ostpreuf3ens
kann nur in sehr beschrédnktem Malle geschehen, denn nach J. Range
(1994: 216) und Z. Zinkevičius (2002b) wurde das deutsche Lehngut in
der preufdisch-litauischen Presse am Anfang des 20. Jhs. bis heute nur
andeutungsweise erforscht, genauso wie die deutschen Entlehnungen in
der Presse Ostpreulšens in friiherer Zeit (s. dazu Palionis 1995: 175).
2. Fir die Presse als Medium unentbehrliche neue Entlehnungen,
die teilweise noch den Entlehnungsprozess darstellen, aber hohe Fre-
quenz in den Texten zeigen (Bsp. 7, 8), von denen jedoch manche nur
schwache phonologisch-morphologische Eingliederung aufweisen (Bsp.
7). Solche Vokabeln sind im Hinblick auf die Dynamik der Synchronie®
den Entlehnungen zuzuordnen, weil fiir sie diese Zeitung iiberhaupt die
primdre Erscheinungsquelle ist. Thre linguistische Analyse erfolgt vor
allem mithilfe der Arbeiten von C. Berning (1960), K. Doerr (2002),
S. Miiller (1994), A. Wolf (1991).
* Vaicekauskiene (2004: 8) definiert die dynamische Synchronie als variablen
Gebrauch von Fremdwaortern in Verbindung mit den primaren Ergebnissen dieser
Entwicklung, d.h. als die Herausbildung bestimmter Verhéaltnisse zum Sprachsystem
(s. dazu auch Tesch 1978: 23-24, Bechert, Wildgen 1991: 9, Wolff 2004: 21, Coseriu
1975: 138).
30
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
Eine weitere Bemerkung bezieht sich auf die strukturelle Vielfalt des Kor-
pus. Da die Sprachkontakte auf einem dynamischen Modell basieren, wei-
sen auch die Beispiele strukturelle Mischbildungen und Hybridisierungen
auf (vgl. Bechert, Wildgen 1991:154, Vaicekauskienė 2004: 124, Weinreich
1976). Die Struktur der Entlehnungen reicht von Wortentlehnung (Bsp.1, 2,
3, 4, 5, 6, 7, 8, 12) liber Lehntibersetzung (Bsp. 9, 10, 11a) bis zu Hybriden
(Bsp. 11b):
Beto wažiūja wienas Trukis (9) iff Klaipėdos (1924-54-4, Gelgkeltrukiu
(10) Wažiawimo Saralias)
Orlaiwiu (11a) (1925-44-1, Naujaufios žinios)
... tapė didyfis Orf3epis (11D) ... fudraskytas (1925-72-1, Naujaulios
žinios)
Winterhilfes (12) Darbas bus [šią žiemą prawedamas. (1936-63-1,
Politikos Apžwalga)
Dabei soll man natūrlich strukturell prototypische und periphere Ele-
mente herausarbeiten, wobei die Entlehnungen von ihren Erweiterungen
(Ableitungen, Nachbildungen) in der Sprache zu trennen sind.
Strukturell gesehen werden hier als deutsche Entlehnungen vor allem
die Ergebnisse der Wortentlehnung bezeichnet (die ihrerseits in Lehn-
worter und Fremdworter zerfallen; Range (1994: 218) hilt diese Unter-
scheidung fiir die baltischen Sprachen allerdings nicht fiir sinnvoll). Die
volkssprachlichen Entlehnungsformen umfassen alltagliche Bereiche des
Wortschatzes und prasentieren sich meistens in der Form von assimi-
lierten Lehnwortern (Bsp.1, 2, 3, 4, 5). In diese Gruppe fallen sowohl
Internationalismen deutscher Herkunft (reichskancleris ,Reichskanzler*),
als auch Internationalismen deutscher Vermittlung (szafija ,Chausse’,
automobylas ,veralt. Form: Automobil®).
Neben Wortentlehnungen werden hier auch die bevorzugten Formen der
Lehnpragung (vor allem die Lehniibersetzungen (trukis < Zug, gelZkeltrukis
< Eisenbahnzug, orlaivis < Luftschiff) und die Hybridformen (orsépis <
lit. oras + lit. šėpis / dt. Schiff) untersucht. Die verschiedenen Entleh-
nungsformen ringen meistens bei der Einfiihrung der neuen Bezeichnung
um ihre Stellung, z.B. die Lehniibersetzung und die Hybridform (orlaivis
vs. orsépis). J. Range (1994: 211) betrachtet die Lehnpragungen im Preu-
Bisch-Litauischen als sprachliche Interferenzen, die sich auf dem Wege
31
INDRE BROKARTAITE-PLADIENE
der literarischen Entlehnung ergaben. So geben die Beispiele 9, 10, 11
zur Vermutung Anlass, dass die Autoren der Texte auch absichtlich bei
der Festlegung der Entlehnungsform mitgewirkt haben, und das verlangt
nach einem geschichtsbezogenen Uberblick, der ermittelt, in welchem
Male die geschichtlichen Voraussetzungen den deutschen Lehngutsbe-
stand im Naujasis Tilžės keleivis beeinflussen konnten.
1.2. Zu den geschichtlichen Voraussetzungen
Das gesammelte Korpus lasst sich nicht als wahres Abbild des realen
Bestandes des deutschen Lehnwortgutes im geschriebenem Preuflisch-
Litauischen am Anfang des 20. Jhs. betrachten, was in groffem Male auf
die Spezifik der Zeitung zuriickzufiihren ist, z.B. Einstellung zur Sprache
und linguistische Kenntnisse der Textverfasser, unterschiedliche Qualitat
von Entlehnungen (allgemeine Lexik vs. Spezialausdriicke).
Obwohl die Verwendung von Entlehnungen in litauischen Zeitungen
Ostpreullens hdaufig personenbezogen war“, hegte der Naujasis Tilžės kelei-
vis Ambitionen fiir den Erhalt der litauischen Sprache und wurde zu den
patriotischen Zeitungen gerechnet. Neben Information ūber das politische,
soziale und kulturelle Leben, engagierte sie die Litauer Ostpreuflens zur
kultur-und sprachpflegerischen Téatigkeit (Kaunas 1996: 548). Ihr Heraus-
geber Enzys Jagomast war bekannt als Verleger von litauischen Schriften
in Ostpreulden, aktiver Kulturarbeiter, die Identitdtsfragen wurden in
Vydunas’ Artikeln” behandelt. Aus diesem Grund ist der Naujasis Tilžės
® Nach Palionis (1995: 175) kam es dabei meistens auf den Herausgeber an: auch
im Keleivis von F. Kurschat (bis 1880) gibt es entbehrliche Entlehnungen: festungas
„Festung“, kurbas ,Korb‘. Alminauskis (1935: 14) fiihrt auch unbegriindete Verwendung
von Entlehnungen an: ,Fehlt dem Zeitungsschreiber fiir irgendeinen Ausdruck das li-
tauische Wort, so bedient er sich des deutschen Wortes mit litauischer Endung. Zu sol-
chen Fremdwortern gehoren bestimmt armekoras „Armeechor“, haubitsas „Haubitze“.
Am Anfang des 20 Jhs. storten solche Bildungen die zweisprachigen Leser nicht mehr.
* Z.B. erschienen 1924 seine Artikel auf Deutsch und Litauisch: Nr. 1 Téviskes žemė
/ Heimaterde, Nr. 2 Tikrasis lietuvių gymis / Das wahre litauische Gesicht, Nr. 8
Klaipėdos krašto bažnyčia / Die Kirche im Memelgebiet (und Polemik: Nr. 20 Erwi-
derung von Pfarrer Romer, Nr. 33 Vydiinas: Eine Erwiderung zur Erwiderung), Nr. 21
Vokiečiai ir Lietuviai / Deutsche und Litauer, Nr.37 Liikes¢iai / Erwartungen, Nr 43
Kaip mums pasielgt reikėtų / Wie wir uns verhalten sollten.
32
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
keleivis nicht nur als Verzeichnis des Sprachgebrauchs*, sondern auch
als Kulturprodukt, teilweise auch als korpusplanerisches Instrument zu
verstehen, was sich in den raren Artikeln fiir Sprachpflege (besonders
in den Jahren 1936-1938) widerspiegelt.
2. DEUTSCHE ENTLEHNUNGEN IM NAUJASIS TILZES KELEIVIS: DIE
ALS QUELLEN DIENENDEN DEUTSCHEN SPRACHVARIETATEN UND
DIE PREUSSISCH-LITAUISCHE VERMITTLUNG
Dieses Vorhaben steht natiirlich in engem Zusammenhang mit den ge-
schichtlichen und soziokulturellen Erscheinungen in Preul8isch-Litauen
vom 13. bis zur Mitte des 20. Jhs., wie auch mit soziolinguistischer Dif-
ferenziertheit einer jeden Sprache. Die grundlegenden Fragen bei dieser
Forschung lauten: Aus welchen deutschen Sprachvarietdaten haben schon
frither Entlehnungen in preuf8isch-litauische Mundarten bzw. Schriften
Eingang gefunden und tauchen deshalb auch in der Zeitung auf? Aus
welchen deutschen Sprachvarietiten wurden die Entlehnungen direkt
tiibernommen? Bei der Untersuchung der deutschen Ursprungsvarietiten
zielt diese Analyse auf die ErschlieBung der kennzeichnenden thematischen
Gruppen wie auch auf die sachbezogene Schichtung des Lehnwortgutes.
Bei der Darstellung der preu8isch-litauischen Vermittlungsvarietdten wird
auch behandelt, inwieweit die entsprechenden damaligen konzeptuel-
len Tendenzen beim Gebrauch der Entlehnungen eingesetzt wurden. All
das erfordert eine chronologische Vorgehensweise und terminologische
Klarheit, was sich wiederum nur sehr schematisch darstellen lasst, weil
immer mit Uberschneidungen und Uberlappungen zu rechnen ist.
Als friiheste Entlehnungsquelle (deutsche Mundarten) kann der im
ehemaligen Preullisch-Litauen hauptsédchlich verbreitete lokale Dialekt
(Siedeldialekt) Niederpreufisch (auch: Ostpreufisch) gesehen werden,
der unter dem Oberbegriff Niederdeutsch (auch: Plattdeutsch) zusam-
mengefasst wird. Die auf westaukschtaitischen Merkmalen basierenden
* Bei der Untersuchung der Entlehnungen wurde auch Grosses (2002: 257) Hinweis
in Acht genommen, dass die Zeitung eine mosaikartige Gemeinschaftsarbeit vieler
Autoren ist, wobei die Gefahr subjektiver Spracherscheinungen entsteht. Deswegen
wurde in dieser Forschung die individuelle Verwendung (z.B. wenn die Entlehnung
nur einmal vorkommt) als Sonderfall behandelt.
33
INDRE BROKARTAITE-PLADIENĖ
preufšisch-litauischen Mundarten mogen als litauische Vermittlungsva-
rietaten gelten.
Als eine jūngere Varietat fūr Entlehnungen kann die unter histori-
schem Gesichtspunkt unterscheidbare deutsche Schriftsprache angesehen
werden. Die preufšisch-litauische Schriftsprache gilt dabei als eventuelle
Vermittlungsvarietat.
Die jūngste Entlehnungsvarietat wird als deutsche Standardsprache (so
wie sie in Worterbiichern und Grammatiken gesammelt und normiert am
Anfang des 20. Jhs. vorlag) oder Hochdeutsch (dieser Begriff gilt hier als
Gegensatz zu Niederdeutsch, obwohl er in der Gegenwart mehrdeutig
geworden ist) bezeichnet. Aus historischen Griinden lasst sich dabei keine
preufdisch-litauische Sprachvarietat als Vermittlervarietat anfiihren.
2.1. Aus deutschen Siedeldialekten entiehnte Allgemeinlexik und
ihre preussisch-litauischen Vermittlungsvarietaten
Fiir die Entlehnungen aus deutschen Siedeldialekten gelten natiirlich als pri-
mare Verwendungsquellen die litauischen Dialekte Ostpreuldens. Der deut-
sche Wortschatz blieb im Preuf3isch-Litauischen seit Anfang 13. Jhs. durch
intensive volkssprachliche Kontakte miindlich iibernommen. In der Zeitung
werden aus deutschen Mundarten ins Preullisch-Litauische iibernomme-
ne Substantive fiir die materielle Kultur verwendet, die einige Aspekte der
osteuropiischen Sozialgeschichte aufdecken (vgl. Čepienė 1993, vgl. im
Polnischen Wiktorowicz 2002: 337). Es handelt sich um Entlehnungen aus
folgenden thematischen Gruppen: Haushaltsgegenstande (kurbas ,Korb‘<
ostpr. korb, korv’, dekis ,Decke‘< ostpr. dek), Kleidung (kedelis ,Frauenkit-
tel‘ < ostpr. kédel, ceikis ,Zeug‘< ostpr. zeik), Gebaude und Gebaudeteile
(staldas „Stall“ < mnd. stall, stuba ,Stube‘< ahd. stuba), Baumaterial (balkis
,Balken, Sparren‘ < mnd. balke, planka ,Planke‘ < ostpr. planke), Verwaltungs-
wortschatz (vaktmistras ,Wachtmeister‘ < ostpr. wachméster), Essen (šmanta
,Sahne, Schmand‘ < ostpr. Smant, plume / pliume ,Pflaume‘ < ostpr. plume).
Von ihrer Einbiirgerung im Preullisch-Litauischen zeugen die Erweite-
rungen, vor allem die Diminutivbildungen (Kedelukas kleiner Frauenkittel’,
* Die ostpreuffischen Entlehnungsformen werden anhand Alminauskis (1935), Drotvi-
nas (1987), Fraenkel (1962), Kurschat (1883) angefiihrt.
34
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
Stubelė „kleine Stube“). An einigen Entlehnungen lūsst sich Entwicklung von
niederdeutscher (Burgermiftras) zu hochdeutscher Form (Burgermeifteris,
Biirgermeifteris) nachweisen.
Da viele solche Entlehnungen aus dialektologischen Forschungen der
westlitauischen Mundarten des 20 Jhs. bekannt sind, sollten sie auch im ge-
sprochenen Preufšisch-Litauischen verbreitet gewesen sein. Was ihre Assimi-
lation betrifft, lasst sich jedoch nur bei wenigen Beispielen nachweisen, dass
die Zeitung sich direkt der im gesprochenen Preuflisch-Litauischen vorhan-
denen Entlehnungsformen bediente: so steht fiir ,Gefangnis, Zuchthaus‘ im
Naujasis Tilžės keleivis nicht die volksetymologisch veranderte Form Siktiizé,
sondern Cuktuzé, was mehr der Ursprungsgestalt zuxthiis entspricht.
Die Zeitungsbeispiele legen die Annahme nahe, dass im Naujasis
Tilžės keleivis die in anderen Schriftstiicken verbreiteten Schriftformen
volkssprachlicher Entlehnungen verwendet wurden. So erweist sich die
preullisch-litauische Schriftsprache als Vermittlungsvarietat. Aus dem ge-
sprochenen Preul3isch-Litauischen (in manchen Fallen auch direkt) gelangte
das deutsche Lehngut in die geschriebene Variante (religiose Schriften,
Worterbiicher, spater auch in die Pressesprache). In der Tat finden sich im
Naujasis Tilžės keleivis Wortentlehnungen volkssprachlichen Ursprungs, die
in den Schriften des 16.-17. Jhs. verwendet wurden, z.B. stunda ,Stunde,,
turmas ,Turm’, stukis ,Stiick‘ (vgl. Čepienė 1998a, 1998b, 2000b).
Es lasst sich aber sagen, dass die sprachpflegerischen Ideen hinsichtlich der
Entlehnungen in Preuf3isch-Litauen nur in bescheidenem Maf3e in die Praxis
umgesetzt wurden. Die allgemeine litauische Schriftsprache Ostpreuflens
bildete sich auf der Grundlage des westaukschtaitischen Dialektes heraus
und wurde von Daniel Klein in seinen Grammatiken von 1653 und 1654
kodifiziert (Rimša 1972: 75, Palionis 1995: 39). Im 18 Jh. verbreiteten sich
die Ideen der Sduberung und der breiteren Verwendung des Preul3isch-Li-
tauischen gleichzeitig mit den Ideen zur Sauberung der deutschen Sprache.
Michael Morlins Traktat Bedencken iber das principium primarium in lingva
lithvanica (1706) war ein Projekt’? zur Reformierung der religiosen Schrif-
ten (Girčienė 2003: 397, dazu auch Aleknavičienė, Schiller 2002: 91-97,
19 Das Traktat forderte, Polonismen und Germanismen zu vermeiden (alles, was
deutsch ist, soll man nicht verwenden, wenn man dafiir eine andere Redensart finden
kann) und der Volkssprache nicht so viel zu vertrauen, weil sie durch Germanismen
vedorben ist. Die unverstandlichen Begriffe sollen Umschreibungen erhalten, keine
35
INDRĖ BROKARTAITĖ-PLADIENE
Palionis 1995: 125). Dieses Traktat veranlasste philologische Diskussionen
zur Sprachsauberung: Morlin z.B. sah keine Moglichkeit eines Kompromis-
ses hinsichtlich der Verwendung von Wortern nichtlitauischer Herkunft,
Perkuhn warf ihm die umschreibende Ubersetzung vor (Aleknavičienė,
Schiller 2003: 36-47). Morlins Ideen hinsichtlich der Entlehnung wurden
hauptsédchlich von Johannes Schulze, Philipp Ruhig, Ludwig Rhesa fortge-
setzt. In den Schriften herrschte jedoch Unsicherheit bei der Verwendung
von Entlehnungen. Die Textverfasser verwendeten fiir denselben Begriff an
einer Stelle das Lehnwort, an einer anderen schon die litauische Entspre-
chung (Palionis 1995: 84-88), nicht alle hatten ausreichende linguistische
Kenntnisse: So schlug Rhesa vor, manche deutsche Entlehnungen durch
Worter slawischer Herkunft zu ersetzen (Jonikas 1987: 402). Deutsche
Entlehnungen waren bei manchen Autoren schon Bestandteil der Sprache
und wurden in Worterbiichern nicht speziell markiert, Philipp Ruhig z.B.
betrachtete sie als einheimische Worter und gab keine Randbemerkungen
dazu (Girciené 2003: 398). Als die litauische Schriftsprache in Ostpreuf8en
seit Mitte des 19. Jhs. wegen der aufšerst restriktiven sprachpolitischen
Gesetze einem starken Assimilationsdruck seitens des Deutschen ausgesetzt
war und stufenweise zuriickzog, vermieden nur bestimmte Einzelgidnger
in ihren Schriften die deutschen Entlehnungen. So empfahl Ludwig Rhesa
cuktūžė ,Zuchthaus’, jégéré Jager‘, bekeris ,Backer’, gruntas ,Grundlage’,
skiiné ,Scheune‘ durch apkalimas, medéjas, kepéjas, tvirtumas, kluonas zu
ersetzen (Palionis 1995: 174).
Die Grammatiken und Worterbiicher in Ostpreufen konnen auch nicht
als Stiitze dienen, weil sie nicht fiir die einfachen Sprecher bestimmt
waren, sondern wissenschaftliche Interessen verfolgten. Von Vorteil er-
weist sich nur die Tatsache, dass der Gebrauch der Schriftsprache in
Ostpreullen durch die Grammatiken und Worterbiicher im 18. Jh. stan-
dartisiert worden war (Palionis 1995: 169). Die lexikographische Arbeit
in Ostpreufen intensivierte sich erst in der zweiten Halfte des 19. Jhs."',
erreichte jedoch kein so breites Ausmalš wie in Grof3litauen.
engen Dialektismen durfen verwendet werden. Das Ziel der Schriftsprache sei es, die
erfolgreiche Kommunikation zu gewihrleisten (Jonikas 1986: 391-395).
'' Das Worterbuch von Kurschat (Worterbuch der littauischen Sprache: Deutsch-lit-
tauisches Worterbuch I. Teil 1870, II. Teil 1874, Littauisch-deutsches Worterbuch 1883)
enthélt viel litauische Lexik, die in Umgebungen von Tilsit und Ragnit gesammelt
36
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
2.2. Das Lehngut aus der deutschen Schriftsprache
und seine preufšisch-litauische Vermittlung
Das Ausmalš an Entlehnungen in preuGBisch-litauischen Schriften des
18-19. Jhs. wurde sowohl durch Veranderungen der natiirlichen und
sozialen Wirklichkeit als auch durch die Herausbildung der deutschen
Schriftsprache hervorgerufen. Im 17-18. Jh. schrankten sich die Ge-
brauchssphédren des Niederdeutschen auf die Haushaltskommunikation
ein, Anfang des 17. Jhs. war auch die niederdeutsche Schriftsprache
verdrangt worden. Wahrend der ganzen neuhochdeutschen Periode wird
an der Normierung der Sprache gearbeitet, aber erst um 1900 wird eine
Einheitlichkeit erreicht.
Das Preuflisch-Litauische musste im 18-19. Jh. neue soziale, admi-
nistrative und politische Verhéltnisse definieren und beschreiben. Das
fremde Fachvokabular des Amtsstils ging im 18. Jh. wegen der haufigeren
Nachdrucke der Gesetze in die preuflisch-litauische Schriftsprache als
Entlehnung ein. Im Naujasis Tilžės keleivis finden sich viele wirtschaft-
liche und rechtliche Termini als Wortentlehnungen, die nach Palionis
(1995:152-154) schon in Prūsų valdžios gromatos, pagraudenimai ir pasaky-
mai lietuvių valstiečiams erschienen waren, z.B. landrotas ,Landrat’, urlaubas
,Urlaub’. In der Zeitung werden Lehnprdagungen verwendet, die sich in der
ostpreuldischen Presse des 19. Jh. als neue religiose und soziale Termini
herausgebildet hatten, z.B. das von F. Kurschat stammende ligonbutis
,Krankenhaus‘, draugbrolis ,Mitbruder‘, gelZkeltriikis ,Eisenbahnzug‘, das
vom Zeitungsherausgeber Kelkis entworfene gelZkelis „Bahn“.
Es ist zu bemerken, das auch die Zahl der ūber die deutsche Schriftspra-
che vermittelten Internationalismen im PreuRisch-Litauischen zunahm.
Dies widerspiegelt die Tatsache, dass im 17.-18. Jh. das Deutsche selbst
einem massiven Einfluss von anderen Sprachen ausgesetzt war. Nachdem
die niederdeutsche Hanse ihre Vormachtstellung im Handel verloren
hatte, ibernahm man Entlehnungen niederldndischer Herkunft (šleuzė
wurde. Die unklaren Worter stehen in Klammern, man streicht die authentischen
Worter heraus, was auch durch deren Verwendung in den fiir Grof8litauen bestimmten
Zeitungen Ausra und Varpas praktische Bedeutung erlangte. Besonders im deutsch-
litauischen Teil dieses Worterbuchs gibt es jedoch viele lexikalische Germanismen
(bukstavas, édelmonas, steliuoti, stundas) (Palionis 1995: 195-198).
37
INDRE BROKARTAITĖ-PLADIENĖ
„Schleuse“, apfelsynė ,Apfelsine‘), in der absolutistischen Zeit wird der
franzosische Einflusses deutlich (kostymas ,Kostiim‘, torté „Torte“, hotelė
„Hotel“, gardynai „Gardinen“). Im 19. Jh.-20. Jh. nahm der englische Ein-
fluss zu, durch direkte Kontakte ūber Politik, Wissenschaft und Handel
vermehrten sich die Wortiibenahmen (sztreikis ,Streik‘, lokomotyvė ,Lo-
komotive“). Daneben wurde im Naujasis Tilžės keleivis das erforderliche
entlehnte Fachvokabular verwendet, das zum grofšen Teil aus lateinischen
und griechischen Wortstammen gebildet war (z.B. Automobylas ,veralt.
Form: Automobil‘) oder auch innovative Internationalismen von anderen
periodischen Druckschriften Ostpreul3ens (z.B. deputiertas ,Deputierte’,
profeseris ,Professor’, teateris ,Theater‘), wobei anhand vieler Details die
deutsche Vermittlung klar ersichtlich ist (Palionis 1995: 218-220).
So war fiir die Zunahme des Fremdwortanteils im Naujasis Tilžės keleivis
(und im Preuf8isch-Litauischen allgemein) nicht nur die damalige politi-
sche Situation verantwortlich, sondern auch die iibergreifende zivilisato-
rische Entwicklung der Industriestaaten. Nach dem 1. Weltkrieg begann
weltweit eine technische Evolution, die die betrachtliche Erweiterung
fachsprachlicher Vokabelbestinde zur Folge hatte, Spezialwortschatz
in Form von entlehnten Internationalismen (deutscher Herkunft oder
Vermittlung) ging auch in die Texte der o.e. Zeitung ein.
Ende des 19. Jhs. konnte man in Fragen zur Verwendung von Ent-
lehnungen keine eindeutige Antwort finden. Die Herausgeber der Ausra
(1883-1886) konnten weder theoretisch den Bann auf Fremdworter be-
griinden, noch ihnen praktisch ausweichen. Dabei waren ihre nicht aus-
reichende linguistische Vorbildung und romantische Einstellungen zur
litauischen Sprache besonders hinderlich. Eine viel groRere Rolle spielte
die Zeitung Varpas, besonders als Jablonskis dort seine Sprachartikel und
Rezensionen nachdrucken lief8. Fiir die Sdauberung der Schriftsprache
sorgte auch Kudirka. Im Varpas gab es viele lexikalische Nebenformen,
indem man bemiiht war, die nichtlitauischen Worter zu ersetzen oder
neue Termini zu bilden: ligonbutis / ligongulis / ligongulta / ligonnamis
,Krankenhaus‘ (Palionis 1995: 233-234). Die Redakteure der Zeitungen
Varpas und Ūkininkas waren bei der Bildung von Neuw®értern zuriickhal-
tender als die Herausgeber der Ausra.
Die Variation neuer Termini in verschiedenen ostpreullischen Zeitungen
lasst sich teilweise durch das Bemiihen um allgemeine Verstiandlichkeit,
38
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžes keleivis
erklaren. So hielfš telegrafas ,Telegraph‘ im Keleivis etwa vielu pustas, vielinis
pustas, žaibinis pustas, in der Zeitung Ausra dagegen tolrašis „Fernschreiber“.
Es herrschte die Gewohnheit, neben der litauischen Entsprechung die Ent-
lehnung in Klammern anzufiihren (Girčienė 2003: 403). Diese Tradition
wird auch im Naujasis Tilžės keleivis fortgesetzt: Neben der Wortentlehnung
fallfchirmas ,„Fallschirm“ finden sich litauische Entsprechungen in Form von
Lehnbildungen (Iff/igelbėjimo Prietaifas, Nufileidimo Įtaifymas, Nufileidimo
Skėtis, Oro Skėtis) oder Lehniibersetzungen (Kritimo Skėtis).
2.3. Entlehnungen aus dem Hochdeutschen und indirekter
Einfluss der litauischen Standardsprache
Fūr den Entlehnungsvorgang in der Schriftsprache Ostpreulšens Ende des
19.-Anfang des 20. Jhs. ist die Herausbildung der deutschen Hochspra-
che von besonderem Interesse. Nach der Reichsgriindung 1871 nahm
die Aufwertung der deutschen Sprache aggressive Ziige an, Deutsch war
Weltsprache geworden und sollte entsprechend beachtet werden. Im 20.
Jh. war Preul3en zu offener kultureller Assimilationspolitik der Minder-
heiten tibergegangen (Palionis 1995: 256, Polenz 1998: 9), was natiirlich
Auswirkungen im Lehnwortschatz des Preuf8isch-Litauischen hatte.
Zur nationalen deutschen Hochsprache fiihrte die Verbreitung einer
standardsprachlichen Norm und neues Interesse fiir Purismus (z. B. Ende
des 19. Jhs. wird die Terminologie der Eisenbahn und des Postwesens
schon frūh planmassig eingedeutscht (Bahnsteig fiir Perron, Fahrkarte fiir
Billet, Briefumschlag fiir Kuvert), der 1885 gegriindete allgemeine deut-
sche Sprachverein arbeitet im Namen von Sprachpflege, Sprachsauberung
und Nationalbewul3tsein (Stedje 1989: 148-151). Diesen Ideen folgend
wurden neue Begriffe und Verdeutschungen im Bereich des Turnwesens
entworfen, die auch im Naujasis TilZés keleivis als Wortentlehnungen
verwendet wurden: marsuoti ,marschieren’, turnuoti .turnen’.
Der Nationalsozialismus fiihrte diese aggressive Sprachenpolitik in
OstpreufSen verschéarft weiter. Das nationalsozialistische Fachwortgut
setzte sich vorwiegend aus altbekanntem Vokabular zusammen, das teil-
weise eine Umwertung oder Umdeutung erfuhr, deutlich war die Neigung
zu Schlagwortern und Abkiirzungen (vgl.Wolf 1991, Miiller 1994: 57,
INDRĖ BROKARTAITE-PLADIENĖ
Doerr 2002: 32). Zwei Gruppen von Neubildungen der sog. Reichssprache
lassen sich im Naujasis Tilžės keleivis erkennen:
(a) als Funktionsworter dienende Neupragungen, die haufig durch
Halbaffixe gekennzeichnet sind, z.B. Reich- (reichskancleris ,Reichskanz-
ler“), -karte (lebensmitelkartė ,Lebensmittelkarte).
(b) die Neubildungen mit propagandistischen Oualitaten, die als Tarn-
worter und Euphemismen funktionieren, z.B. Winterhilfė ,Winterhilfs-
werk“ (s. dazu auch Doerr 2002: 38). Im Naujasis Tilžės keleivis neigt
man dazu, daraus Lehniibersetzungen (Žiemos pagalba) zu machen, der
richtige Inhalt bleibt jedoch versteckt'*. Viele dieser Begriffe besitzen
in der o.e. Zeitung nicht selten zwei Formen: Wortentlehnung (mit ge-
ringer linguistischer Eingliederung) und Lehniibersetzung (Beispiel fiir
die literarische Entlehnungsform).
Selbst im deutschem Reich wurde in der Zeit um den 1. Weltkrieg die
Sprachpflege starker in den Dienst des Nationalismus gestellt und der
Fremdwortgebrauch als geistiger Landesverrat bezeichnet (Stedje 1989:
164, Miiller 1994: 95-96). Hitler dagegen betrachtet die Fremdworter
positiv: die Mehrheit des Volkes, welche die fremden Ausdriicke nicht
oder nur ungenau versteht, soll durch deren Verwendung beeindruckt
werden (Miiller 1994: 54). Der Naujasis Tilžės keleivis erweist sich bei
vielen dieser Entlehnungen als primédre Verwendungsquelle, die Text-
verfasser bemiihen sich, die Flut des neuen politischen Lehnguts aufzu-
nehmen und dem Leser in Texten vorzulegen, obwohl kaum diskutiert
wird, welche Form — Wortentlehnung oder Lehnpragung — die passende
sei. Die Bezeichnung einer litauischen Vermittlungsvarietat fallt dabei
besonders schwer.
Schon im 18. Jh. funktionierte und entwickelte sich die litauische
Schriftsprache in Ostpreufen und Grof3litauen unterschiedlich (Palionis
1995: 163). Das Verhaltnis zwischen diesen 2 Varietaten scheint paradoxal
zu sein: Obwohl der preul8ische Zweig der litauischen Schriftsprache in der
Mitte und in der zweiten Hélfte des 19. Jhs. wesentliche Einschrankung
im Gebrauch erfuhr und aus soziopolitischen Griinden nie das Niveau der
Hochsprache fiir die preulisch-litauische Sprachgemeinschaft erreich-
'* Winterhilfswerk (Abkiirzung Winterhilfe) wurde vordergriindig als Funktionswort
ausgelegt, ist aber ein Tarnwort fiir Steuer und Kriegsfinanzierung.
40
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
te, diente sie als Grundlage fiir die Herausbildung der gegenwirtigen
litauischen Standardsprache'"““. Und andererseits, obwohl in den Jahren
der Unabhangigkeit (1918-1940) das Litauische zur Staatssprache wur-
de, konnte es bei der Entlehnung im Preufšisch-Litauischen nur einen
indirekten Einfluss haben, weil diese Sprachen zwei unterschiedliche
Lebensrealitūten (soziale, politische etc. Wirklichkeiten) darstellten.
Obwohl man den Eindruck hat, dass den Textverfassern des Naujasis
Tilžės keleivis bei der Ubernahme und Wiedergabe der neuen Entlehnun-
gen vieles selbst ūberlassen wurde, lūsst sich bei einer genaueren Ana-
lyse feststellen, dass einige sprachpflegerischen Ideen doch von Litauen
ūbernommen wurden. In Litauen wurden 1918-1940 die grundlegenden
Prinzipien zur Normierung von Entlehnungen formuliert (basierend auf
theoretischen Arbeiten von Būga, Slavismenforschungen von Skardžius
und Germanismenforschungen von Alminauskis). Die Reinigung und Be-
reicherung der Lexik der litauischen Standardsprache in der Zwischen-
kriegszeit basierte auf den Daten der Volkssprache (Mundarten) (Palionis
1995: 252-256). Dieses Prinzip konnte leider in der Zwischenkriegszeit
in Ostpreulšen nicht mehr praktisch eingesetzt werden, da dort die litau-
ische Sprachminderheit schon in hohem Malle zweisprachig war.
Im Naujasis Tilžės keleivis werden als Entsprechungen die Neuworter
aus der litauischen Standardsprache angefiihrt, es wird darauf hinge-
wiesen, dass manche davon als Ersetzungen fiir deutsche Lehnworter
dienen konnten'4, auch werden die Aquivalente aus dem Litauischen fiir
die im PreufBisch-Litauischen eingebiirgerten deutschen Entlehnungen
angefiihrt'®, wobei haufig nicht die linguistische Begriindung folgt, son-
dern die Gefiihle angesprochen werden:
'* Auf der Grundlage der Mundart der im stidlichen Ostpreuf3en ansassigen Litauer
bildete sich in der Mitte des 17. Jhs. die hochlitauische Schriftsprache heraus.
'* Z. B. sąjunga, paskaita, uždavinys (1936-16-3), menas, įvykis, gamta (1936-18-3),
padermė, tauta (1940-13-3) u.a.
> „Medžiaga — wokifškai būtų Material arba Stoff, dėl to nereikia wartoti
nelietuwiBka žodį „Ceikis“, o lakyti „Medžiaga“ Rūbams, MaiRas yra tas pats
kaip „žakas“, bet žodis ,Zakas“ (wok. Sack) liet. Rafšto Kalboje newartojamas“
(1936-71-2). „Krofnis — tai yra lietuwifškafis Pawadinimas Wietoje žodžių „Kakalis“
arba „Peczius“, Kakalis i wok. „Kachel-Ofen“ (1936-23-4, Jaunimo Kampelis)
41
INDRE BROKARTAITE-PLADIENE
Daugiau nebegalime [akyti „S3pygelis“ arba , 3erkolas“, nes wienas žodis
yra wokilškas, kitas lenkilškas, bet mes turime gražiai fakyti „Weidrodis“, tai
yra tas Daiktas, kuris Weidą rodo, Kedė reikia fakyt Wietoj negražaus žodžio
„S3tūlė“, kuris imtas ifš wokifškofios Kalbos. Taip pat netinka wartoti ir žodį
„Kralė“, nes tai yra [lawilškolios Kalbos žodis. Laikrodis — graželnis žodis
negu Pawadinimas „3ėgorius“, kuris palidarė i} wok. Žodžio „3eiger“ arba
platt-wokilškojo ,,3éger, Sėger“ (1936-23-4, Jaunimo Kampelis).
Solche Rubriken zur Sprachpflege erschienen im Naujasis Tilžės ke-
leivis hauptsachlich in den Jahren 1936-1938, die sich herausbildende
litauische Hochsprache galt nur in bestimmten Spharen und nicht ohne
Absicht des Verlegers'* als Vorbild bei der Normierung.
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Im Allgemeinen lasst sich sagen, dass der in der Zeitung Naujasis Tilžės
keleivis prasente deutscher Lehnwortschatz aufgrund von engen deutsch-
litauischen Sprachkontakten in Ostpreufšen entstanden ist, wobei die
deutschen Sprachvarietūten von deutschen Siedeldialekten bis zum
Hochdeutschen reichen und in unterschiedlichem Umfang als Entleh-
nungsguellen gelten konnen. Dabei darf auch die Vermittlungsarbeit von
preulšisch-litauischen Sprachvarietūten (Mundarten, Schriftsprache) nicht
unterschatzt werden. Dieses komplizierte Gebilde wird sehr vereinfacht
durch die Abb. 1 veranschaulicht.
Die volkssprachlichen Wortentlehnungen (Allgemeinwortschatz) im
Naujasis Tilžės keleivis mogen natiirlich nicht direkt aus deutschen Sie-
deldialekten entlehnt sein, sondern durch das gesprochene Preufšisch-Li-
tauische und besonders die preufšisch-litauische Schriftsprache vermittelt
worden sein, wo sie schon friiher ihre linguistische Anpassung gefunden
haben. Viele dieser Wortentlehnungen wurden schon im 17.-18. Jh. disku-
tiert und hatten treffende litauische Entsprechungen, trotzdem haben sie
sich im Preufl8isch-Litauischen eingebiirgert. In der preuffisch-litauischen
Schriftsprache (Bibeliibersetzungen, Zeitungen) wurde die literarische
Entlehnung gepragt, d.h. viele individuelle Lehnpriagungen entworfen,
die spater Eingang in die Texte des Naujasis Tilžės keleivis fanden.
‘** Laut D. Kaunas wurde die Herausgabe dieser Zeitung auch von der litauischen Re-
gierung mitfinanziert.
42
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
Beim entlehnten Fachvokabular ist vor allem der starke Einfluss der
deutschen Schriftsprache und der deutschen Hochsprache hervorzuheben,
wobei die Entlehnungen in bestimmte Fachsprachen (mit entlehnten In-
ternationalismen) und in die Reichssprache zerfallen. Bei der Entlehnung
wahlten die Textautoren verschiedene Lehnformen, die untereinander
konkurrierten. Die Zeitung galt dabei in vielen Fallen als priméare Er-
scheinungsquelle von deutschen Entlehnungen, die Standardsprache des
unabhédngigen Litauens iibte nur einen indirekten Einfluss aus, indem
von ihr die Tendenzen zur Sduberung des Preuflisch-Litauischen und
die Entsprechungen fiir manche der alten Wortentlehnungen angeboten
wurden.
Abb 1. Wege der deutschen Entlehnungen in den Naujasis Tilžės keleivis
oT hy | hy "Te ; »
s ARTF
rT Sa Py A Sd
Deutsche Entlehnungen im
gesprochenen PreulBisch-
Litauischen (in den Mundarten)
(z.B.: kurbas Korb’, staldas Stall’,
šmanta Sahne, Schmand‘)
Deutsche Entlehnungen in der preuBisch-litauischen
Schriftsprache
(z.B.. stundas Stunde’, urlaubas Urlaub’, landrotas
€—> Landrat’)
Relig. Bucher Worterbiicher
Presse
„Naujasis Tilžės keleivis“
(z.B. gardynai ,Gardinen’, hotele „Hotel“,
profeseris Professor’, automobylas „Auto“, štreikis Streik’,
draugbrolis Mitbruder’, gelfkeltrukis Eisenbahnzug')
43
INDRE BROKARTAITE-PLADIENE
LITERATUR
ALEKNAVICIENE, O., ScHiLLER, Ch. 2002: Rastas antras Michaelio Morlino Principium
primarium in lingva Lithvanica (1706) egzempliorius. Archivum Lithuanicum 4,
79-98.
ALEKNAVICIENE, O., ScHILLER, CH. 2003: Jacobas Perkuhnas prieš Michaelį Morlina,
Johanng Schultzg ir Philippa Ruhiga traktate Wohlgegruendetes Bedencken Uber
die Ins Litthaufche Uberfetzte 3ehen Fabeln Zfopi, Und derfelben pasfionirte
Bufchrifft (1706). Archivum Lithuanicum 5, 15-50.
ArLminauskis, K. 1935: Die Germanismen des Litauischen. Teil 1: Die deutschen
Lehnworter im Litauischen. Kaunas: Sv. Kazimiero D-jos Knygynas.
BecHERT, J., WiLpGeEN, W. 1991: Einfiihrung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
BERNING, C. 1960: Vom ,,Abstammungsnachweis“ zum ,Zuchtwart“. Vokabular des
Nationalsozialismus. Berlin-New York: Walter de Gruyter.
Cryne, M. 1996: Sprache, Sprachbenutzer, Sprachbereich. In: H. Goebl, P.H. Nelde,
Z. Stary, W. Wolck, Hrsg., 1996, 12-22.
Coseriu, E. 1975: Synchronie, Diachronie und Typologie. In: D. Cherubim, Hrsg.,
Sprachwandel. Reader zur diachronischen Sprachwissenschaft. Berlin-New York:
Walter de Gruyter.
ČEPIENE, N. 1993: Germanizmai XVII a. Mažosios Lietuvos vakarų aukštaičių tarméje
(remiantis „Lexicon Lithuanicum“). Lietuvių kalbotyros klausimai 30, 37-46.
ČEPIENE, N. 1995: Lietuvų kalbos germanizmai ir jų fonetinė adaptacija. Daktaro
disertacijos santrauka. Vilnius.
ČEPIENE, N. 1998a: Mikalojaus Daukšos raštų germanizmai. Lietuvių kalbotyros
klausimai 34, 31-38.
ČEPIENE, N. 1998b: Jono Bretkūno Biblijos germanizmai. Baltistica. V priedas,
91-96.
ČEPIENE, N. 2000a: Germanizmai Mažosios Lietuvos raštuose. In: Mažosios Lietuvos
enciklopedija 1. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 463-
464.
44
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
ČEPIiENĖ, N. 2000b: Vokiškos kilmės namų apyvokos daiktų pavadinimai
F. W. Haacko, P. Ruigio ir K. G. Milkaus žodynuose. Acta Linguistica Lithuanica
43, 34-38.
Doerr, K. 2002: Nazi-Deutsch: An Ideological Language of Exclusion, Domination
and Annihilation. In: R. Michael, K. Doerr, Nazi-Deutsch / Nazi-German: An
English Lexicon of the Language of the Third Reich. Westport: Greenwood
Publishing Group, 27-46.
DroTviNnas, V. 1987: Lexicon Lithuanicum. Rankrastinis XVII a. vokieciy-lietuviy kalbų
žodynas. Vilnius: Mokslas.
FRAENKEL, E. 1962: Litauisches etymologisches Worterbuch. Bd.1, 2. Gottingen: Van-
denhoeck & Ruprecht.
GiRČIENĖ, J. 2003: Leksikos gryninimo polinkiai bendrinės lietuvių kalbos istorijoje.
Archivum Lithuanicum 5, 391-410.
GoEBL, H., NeLpg, P.H., Stary, Z., Worck, W., Hrsg., 1996/1997: Kontaktlinguistik.
Ein internationales Handbuch zeitgenossischer Forschung. Halbbd. 1, 2. Berlin-
New York: Walter de Gruyter.
Grosse, S. 2002: Zur deutschen Sprache zwischen 1918 und 1933. In: D. Cherubim,
J. Karlheinz, A. Linke, Hrsg., Neue deutsche Sprachgeschichte: mentalitdts-, kultur-
und sozialgeschichtliche Zusammenhdnge. Berlin—-New York: Walter de Gruyter,
253-268.
HinDERLING, R., HAssELBLATT, C., 2004: Baltisch / Deutsch. In: W. Besch, A. Betten,
O. Reichmann, S. Sonderegger, Hrsg., Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur
Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 3. Teilbd. Berlin—-New
York: Walter de Gruyter, 3269-3282.
Jonikas, P. 1987: Lietuvių kalba ir tauta amžių biivyje. Visuomeniniai lietuvių kalbos
istorijos bruožai. Čikaga: Lituanistikos instituto leidykla.
Kaukiene, A. 1997: Klaipėdos krašto vakarų aukštaičių tarmė. Brolių Viliaus ir Makso
Gaigalaičių raštų kalbos pagrindu. Klaipėda: KU leidykla.
Kaunas, D. 1996: Mažosios Lietuvos knyga. Lietuviškos knygos raida 1547-1940.
Vilnius: Baltos lankos.
45
INDRE BROKARTAITĖ-PLADIENĖ
Kurscuar, F. 1883: Worterbuch der littauischen Sprache. 2. Littauisch-deutsches
Worterbuch. Halle a. S.: Buchhandlung des Waisenhauses.
MuLLEr, S. 1994: Sprachworterbiicher im Nationalsozialismus: die ideologische
Beeinflussung von Duden, Sprachbrockhaus und anderen Nachschlagewerken
wdhrend des „Dritten Reichs“. Stuttgart: MAP, Verlag fiir Wissenschaft und
Forschung.
Naujafis Tilžės Keleiwis. Tilžė, 1924-1940.
Oxksaar, E. 2004: Terminologie und Gegenstand der Sprachkontaktforschung. In:
W. Besch, A. Betten, O. Reichmann, S. Sonderegger, ed., Sprachgeschichte. Ein
Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 3. Teilbd.
Berlin-New York: Walter de Gruyter, 3160-3170.
Pavionis, J. 1995: Lietuvių rašomosios kalbos istorija. Vilnius: Mokslo ir enciklope-
dijų leidykla.
PoLENz, P. von 1998: Vom Sprachimperialismus zum gebremsten Sprachstolz. Das
20. Jahrhundert in der sprachenpolitischen Geschichte der deutschsprachigen
Lander. In: H. Kamper, H. Schmidt, Hrsg., Das 20. Jahrhundert. Sprachgeschich-
te -Zeitgeschichte. Berlin-New York: Walter de Gruyter, 9-26.
RanGe, J. 1994: Zur Erforschung des Lehngutes in den baltischen Sprachen.
Linguistica Baltica 3, 211-231.
Rimsa, V. 1972: Rytų Prūsijos lietuvių kalbos elementai dabartinėje bendrinėje
lietuvių kalboje. Kalbotyra 24 (1), 75-81.
ScHiLLEr, CH. 1999: [Rec.] Audronė Kaukienė, Klaipėdos krašto vakarų aukštai-
čių tarmė. Brolių Viliaus ir Makso Gaigalaičių raštų kalbos pagrindu. Archivum
Lithuanicum 1, 222-228.
STEDJE, A. 1989: Deutsche Sprache gestern und heute: Einfiihrung in die Sprachgeschichte
und Sprachkunde. Miinchen: Wilhelm Fink Verlag.
Tesch, G. 1978: Linguale Interferenz. Theoretische, terminologische und methodische
Grundfragen zu ihrer Erforschung. Tiibingen: TBL-Verlag Narr.
VAICEKAUSKIENE, L. 2004: Naujųjų lietuvių kalbos svetimZodZiy norminimo teorija ir
praktika. Daktaro disertacija. Vilnius.
46
Deutsche Entlehnungen im Naujasis Tilžės keleivis
WeEiNREICH, U. 1976: Sprachen in Kontakt: Ergebnisse und Probleme der Zweisprachig-
keitsforschung. Hrsg. und Nachwort von A. de Vincenz. Miinchen: Beck.
Wiktorowicz, J. 2002: Die deutsch-polnische Nachbarschaft und ihre Wider-
spiegelung in der polnischen Sprache. In: D. Cherubim, Hrsg., Neue deutsche
Sprachgeschichte. Berlin—-New York: Walter de Gruyter, 337-348.
Worr, A. 1991: Wandel im Jargon des Nationalsozialismus. Freiburg im Breisgau:
Padagogische Hochschule.
Worrr, G. 2004: Deutsche Sprachgeschichte von den Anfdngen bis zur Gegenwart. Ein
Studienbuch. Tiibingen, Basel: A. Francke Verlag.
ZINKEVICIUS, Z. 2002a: Mintys pasirodžius lietuvių kalbos atlaso I tomui. In: Ders.,
Rinktiniai straipsniai 1. Vilnius: Lietuvių Katalikų Mokslo Akademija, 404-
410.
ZINKEVICIUS, Z. 2002b: Zum Einfluss des Deutschen auf das Ostpreufšisch-Litauische
am Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Ders., Rinktiniai straipsniai 2. Vilnius:
Lietuviy Kataliky Mokslo Akademija, 393-398.
Indrė Brokartaité-Pladiené
Siauliy universitetas
Humanitarinis fakultetas
P. Višinskio g. 38, LT-76352 Šiauliai
indpld(Ohotmail. com
47