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Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen

Eglė Alosevičienė

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Acta Linguistica Lithuanica LIV (2006), 1 – 25 Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen Eglė Alosevičienė Vilniaus universitetas The article deals with the role of hedges in organising discourse structure. A comparative analysis of speeches by German and Lithuanian politicians reveals the significance of hedges as elements of discourse. Attention is paid, first of all, to thematicisation and argumentation strategies as well as to metalinguistic comments in which hedges perform several linguistic functions. They lend emphasis to an utterance, help the speaker distance himself from it, or allow him to present it as reflecting his own subjective point of view. The results of the analysis are grouped according to the pragmatic functions hedges may perform (evaluation, emphasis, distancing, degree of likelihood, metalinguistic). Morpho-semantically and syntactically, hedges comprise almost all parts of speech, including modal markers, as well as a considerable part of the syntactic constructions and even stylistic and graphic properties of the text. 0. VORBEMERKUNGEN Das Ziel dieses Beitrags ist es, auf die Zusammenhänge zwischen Heckenausdrücken (hedging) und der Diskursstrukturierung hinsichtlich von Thematisierungs-, Argumentationsstrategien sowie der Metakommunikation einzugehen, und zwar unter Berücksichtigung von Unterschieden und Ähnlichkeiten bei der Verwendung von Heckenausdrücken im Deutschen und Litauischen. Das untersuchte Korpus umfasst Texte mit insgesamt 100.000 Wörtern aus litauischen und deutschsprachigen Politikerreden, die thematisch dem Bereich „Außenpolitik“, strukturell-funktional den Textsorten „Konferenz-, Anlass-, Eröffnungs- und Parlamentsrede“ zuzuordnen sind. 1 EGLE ALOSEVIČIENĖ Die linguistischen Hecken, die über ein großes kommunikativ-pragmatisches Potenzial verfügen, werden hier als Diskurs-Einheiten betrachtet. Dabei strukturieren sie die einzelnen Redebeiträge, kommentieren jedoch auch den Diskurs selbst, indem sie sich zugleich auf die Sprecher und Hörer beziehen. Innerhalb des politischen Diskurses erweisen sie sich als wichtige Mittel, die für strategische Sprachhandlungen eingesetzt werden können. Beim Argumentieren und der Themenorganisation sowie Metakommunikation erfüllen die Heckenausdrücke bestimmte Funktionen. Dabei können Sie die Redebeiträge sowohl einschränkend als auch intensivierend gestalten. Sie können aber auch Aussagen epistemisch abschwächen oder sie – im Gegenteil – als Ergebnisse subjektiver Wertungen präsentieren. Auf diese Funktionen der Heckenausdrücke wird im Rahmen dieses Beitrags besonders eingegangen. 1. HECKENAUSDRÜCKE AUS LINGUISTISCHER SICHT Der von Lakoff (1972) eingeführte Terminus hedge, hedging hat sich in der Sprachwissenschaft als Untersuchungsgegenstand etabliert. Einerseits werden dabei ausschließlich Indikatoren der Unbestimmtheit analysiert, die der Abschwächung der Gewissheit oder auch der Einschränkung der Verantwortung des Textverfassers dienen (vgl. House/Kasper 1981: 167, 185; Skelton 1997: 45). Andererseits wird für eine weite Auffassung des Phänomens plädiert, wobei auf Zusammenhänge zwischen Modalität und diskursanalytischer Perspektive eingegangen wird und verschiedene Aspekte der Sprechereinstellungen (von der Ungewissheit bis zur Intensivierung und Evidentialität) und der möglichen Auswirkungen auf den Rezipienten berücksichtigt werden (vgl. Markkanen/Schröder 1997: 5f.). In den meisten Untersuchungen steht aber das kommunikativ-pragmatische Potenzial der Heckenausdrücke im Vordergrund, so dass darauf verzichtet werden kann, das Heckenphänomen auf bestimmte Wortart-Listen einzugrenzen. 2. SEMANTISCHE UND PRAGMATISCHE CHARAKTERISTIKA DER DISKURSMARKER Sprachliche Einheiten mit einer diskursstrukturierenden Funktion werden unter verschiedenen Termini zusammengefasst: „Gesprächswörter“ (Hen- 2 Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen ne 1978), „Modalisierungsmarker“ bzw. „Modalisatoren“ (Fairclough 2003: 170f.; Dalmas 2003), „pragmatische Marker“ (Fraser 1990; Brinton 1996) und schließlich „Diskursmarker“ (Schiffrin 2001). Im Hinblick auf ihre semantischen und pragmatischen Besonderheiten bilden sie eine Teilmenge innerhalb des Heckenkomplexes. Ihr semantisches Charakteristikum lässt sich durch deren kohärenzstiftende Funktion, d.h. die Relation zwischen einzelnen Sprachelementen bzw. -einheiten bei der Redegestaltung beschreiben. Aus diskursiv-pragmatischer Sicht sind sie sprecherorientiert und diskursbezogen, dienen der Gesichtswahrung beim Ausdruck von Einschätzungen und Glaubensinhalten, markieren die Sprechereinstellung, sind Mittel der Argumentationsstrategien und Ökonomie (vgl. Lewis 2006).1 Fraser (2005) unterscheidet vier Typen von pragmatischen Markern, wobei er nur kommentierende (d. leider, offen gesagt, sicher, glücklicherweise; lit. deja, atvirai pasakius, iš tikrųjų, laimei) als eigentliche Diskursmarker versteht, die u.a. als Heckenausdrücke eingestuft werden können. Sie signalisieren den sequentiellen Diskurszusammenhang bzw. die Intention des Sprechers im Hinblick auf die Rolle der Aussage in Verbindung mit dem früheren Diskurs. Im Hinblick auf das Heckenphänomen betont Brinton (1996: 37) die Eigenschaft der Diskursmarker, den Diskurs subjektiv zu thematisieren und Unsicherheiten des Sprechers zu bekunden. Auch Walrod (2006: 6) misst den eigentlichen Stellenwert der Diskursmarker den unmittelbar mit dem Heckenphänomen verbundenen Erscheinungen wie Abschwächungen (d. ziemlich, teilweise, sozusagen; lit. gana, pakankamai, iš dalies, vadinamas), Distanzierungen (d. vermeintlich, anscheinend; lit. tariamas, menamas), Unsicherheiten (d. vielleicht, möglich, es scheint; lit. galbūt, įmanoma, regis) oder Intensivierungen (d. sicher, bestimmt, gerade, genau; lit. esu tikras, žinoma, būtent) bei. 1 Schiffrin (1986: 42) bezeichnet im engeren Sinne nur solche Elemente als pragmatische Marker, die multifunktional und schwer lexikalisch zu bestimmen sind und die keine propositionale Bedeutung haben. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich auf solche Elemente wie und, aber, weil, deswegen etc. Diese Diskursmarker sind nicht sprecherbezogen, sondern beziehen sich auf objektive Gegebenheiten, indem sie Wirklichkeit beschreiben, und sind daher nicht Gegenstand dieser Untersuchung. 3 EGLĖ ALOSEVIČIENĖ 3. EXPLIZIERUNG UND NUTZBARMACHUNG DES DISKURSBEGRIFFS Der Begriff „Diskurs“ ist sehr komplex und wird auf viele Gebiete angewendet. Im Zentrum der Untersuchungen des Begründers des Diskursbegriffs, Foucault (1970), stehen die gesellschaftlichen Institutionen und Praktiken, deren Regeln, Konstitutionsweisen und Beschränkungen („diskursive Praktiken“).2 Für die vorliegende Untersuchung sind nur zwei Herangehensweisen an den Diskursbegriff relevant. Zum einen meinen wir damit bestimmte Relationen innerhalb einzelner Textexemplare, vor allem die semantischen Beziehungen von Texteinheiten untereinander. Damit distanzieren wir uns von der diskursanalytischen Perspektive, die vor allem Phänomene der Gesprächsorganisation erforscht, aber auch unmittelbar mit der Auseinandersetzung mit den Heckenausdrücken verbunden ist3. Da das untersuchte Korpus sich aus Politikerreden zusammensetzt, gehen wir zum anderen von dem Verständnis eines politischen Diskurses aus, der sich durch eine Reihe von spezifischen (vor allem sprachlichen) Merkmalen auszeichnet. Hierbei schließen wir uns dem gängigen Konzept des Diskurses an – Textexemplare verschiedener Textsorten4, die aufeinander Bezug 2 Obwohl Foucault mit einem Diskurs eine Menge von Äußerungen meint, interessiert ihn die sprachliche Seite nicht. Sein Diskursbegriff bezieht sich vielmehr auf die Regelmäßigkeit sozialer Handlungen. Für Foucault bedeutet die Untersuchung von Diskursen immer auch die Untersuchung von Macht als einer diskursstrukturierenden Größe. Darüber hinaus unterscheidet er zwischen Original- und Kommentardiskurs, wobei der letztere Variationen des ersteren darstellt und umgekehrt Originaldiskurse Anstoß geben für weitere Sprechakte (vgl. Foucault 1998: 15ff.). In diese Richtung zielt auch die kritische Diskursanalyse, die sich als eine interdisziplinär ausgerichtet Gesellschaftsanalyse versteht und der es um die Aufdeckung der diskursiven Machtrelationen geht (vgl. Jäger 1993; Fairclough/Wodak 1997). 3 Mit den Heckenausdrücken im mündlichen Diskurs beschäftigten sich die Arbeiten von Prince et al. (1982), Low (1996), Tschizmarova (2005). 4 Unter Textsorten verstehen wir bestimmte Handlungsmuster bzw. kommunikative Formen, „die sich besonders bei immer wiederkehrenden Vorgängen als habitualisiertes Kommunikationsverhalten manifestieren“ (Pappert 2003: 23). Günthner (2000: 21) bezeichnet sie als „konventionalisierte, jedoch flexible und dynamische Erwartungsstrukturen bzgl. der Organisation sprachlicher und kommunikativer Verfahren im konkreten Diskurszusammenhang“. Dabei ist zu betonen, dass die Bestimmungsmerkmale einer Textsorte meistens auf vielen Ebenen zugleich angesiedelt sind: auf 4 DIE ROLLE DER HECKENAUSDRÜCKE BEI DER DISKURSSTRUKTURIERUNG IM DEUTSCHEN UND LITAUISCHEN nehmen, konstituieren einen bestimmten Diskurs bzw. bilden ein kommunikatives Ensemble5. Die von uns untersuchten Politikerreden sind Bestandteile des informativ-appellativen bzw. informativ-persuasiven Sprachgebrauchs, die auf die Steuerung und Manipulierung der öffentlichen Meinung ausgerichtet sind (vgl. Pappert 2003: 59). Selbstverständlich werden andere Funktionen (Kontakt-, Obligations- und Deklarationsfunktionen) nicht ausgeschlossen, umso mehr, als im politischen Diskurs von einer Bandbreite möglicher Sprachhandlungen wie Begründen, Rechtfertigen, Darstellung von Sachverhalten, Selbstdarstellung, Herstellen von Bezügen, Einschränken, Modifizieren, Steuern etc. die Rede ist. Im Zusammenhang mit der Verwendung der Heckenausdrücke und deren Rolle bei der Diskursstrukturierung sind auch die strategischen Aspekte6 innerhalb des politischen Diskurses besonders zu erwähnen. Sie verbinden sich unmittelbar mit der sprachlichen Realisierung der o.g. Sprechhandlungen. Dabei geht es nach Klein (1998) um • Relevanzstrategien (Modalisierungsstrategien, Einnahme der Adressatenperspektive), • Suggestivitätsstrategien (Evidenzvermittlung, Bekräftigung und Bewertung), • Plausibilitätsstrategien (Signalisieren von Präferenzen über mögliche Vorbehalte der Hörer) und • Kaschierstrategien (Auslassung relevanter Informationen, implizite Andeutungen und indirekte Bezugnahme, Vorgabe der Ungewissheit). der sprachlichen (prosodische und phonologische, lexico-semantische und morphosyntaktische Mittel), situativen (diskursanalytische, mediale Voraussetzungen etc.) sowie sozialen (institutioneller Rahmen, Geschlechterkonstellation etc.) Ebenen. 5 Zur Explizierung des Diskursbegriffs s. vor allem Busse und Teubert (1994) sowie Bluhm et al. (2000). 6 Zu strategischen Aspekten der politischen Kommunikation s. auch Hoffmann (1998). 5 Egle Alosevičienė 4. HECKENAUSDRÜCKE ALS DISKURSSTRUKTURIERENDE EINHEITEN Die Rolle der Heckenausdrücke als Diskursmarker ergibt sich aus der Beschaffenheit des jeweiligen Diskurses. Diskurse haben Strukturen (Einheiten und Segmente) und Relationen (rhetorische Relationen und Kohärenzrelationen, d.h. Argumente) und sind durch Kohäsion (sprachliche und lexikalische Mittel) und Kohärenz (inhaltlichen Zusammenhang) verknüpft. Die textuellen (Beitrag zur Herstellung der Kohärenz und Kohäsion) und interpersonellen (Modalisierung, Intensivierung) Funktionen der Diskursmarker organisieren in dem von uns untersuchten monologischen und schriftlich fixierten Diskurs einzelne Teile von Textabschnitten, so dass sie nicht auf die linguistische Perspektive beschränkt sind, sondern gleichzeitig Aussagen über die kognitive, expressive, soziale und textuelle Kompetenz der Sprachbenutzer zu machen erlauben (vgl. Schiffrin 2001: 67). Bei der Diskursstrukturierung weist das Hedging einen vielfältigen sprachlichen Ausdruck auf. Die Bandbreite des heckenmäßigen Gebrauchs reicht von Modalitätsausdrücken (Modalpartikeln, Modalwörter, Modalverben im performativen Gebrauch) bis zu syntaktischen (Konditionalsätze), stilistischen (Litotes, rhetorische Frage) und graphischen (Anführungszeichen) Sprachformen. Partizipien, metaphorische Übertragungen sowie Interjektionen kommen in unserem Korpus als marginale Erscheinungsformen der sprachlichen Hecke vor. Der Häufigkeit nach liegt das Zentrum des Heckenphänomens im epistemischen und einschränkenden Gebrauch. Daher weisen die Modalitätsausdrücke sowie Restriktoren verschiedener Art die höchste Frequenz auf, und zwar in beiden Sprachen. Diese und andere kommunikative Funktionen wie Wertung, Intensivierung und Redekommentierung und deren Rolle im Diskurs sind im Folgenden im Zusammenhang mit der thematischen Struktur sowie Argumentationstheorie zu analysieren. 4.1 Themenorganisation und Argumentation Im Hinblick auf die thematische Textstruktur erweisen sich die Heckenausdrücke als Mittel der Modalisierung und Evaluierung von thematischem Kern und Einzelthemen. Im Hinblick auf die Themenorganisationsstruktur 6 Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen sind Diskursmarker Elemente der Sequenzierungsstrategien, d.h. sie tragen zur Organisation von thematischen Einheiten bei. Argumentieren ist ein „sprachliches Verfahren, das ‚unterhalb‘ der Einheit ‚Diskursart‘ anzusiedeln ist, das aber auch in Diskursen eine wichtige Rolle spielt, die als ‚öffentliche Reden‘ bezeichnet werden“ (Trautmann 2004: 21). Argumentationen sind nach Klein (1980) als komplexe Sprachhandlungen anzusehen, die Behauptungen, Einwände usw. enthalten und grundsätzlich vage, mehrdeutig, kontextabhängig und illokutiv polyfunktional sind. Das wohl bekannteste Argumentationsschema von Toulmin (1975: 90ff. nach Ohlinger 2003: 28f.) schließt folgende Komponenten ein: Daten bzw. die These (stützungsbedürftige Äußerungen), von denen mittels der Schlussregel von der stützenden zu der zu stützenden Äußerung auf eine Konklusion gefolgert wird. Auf Daten wird explizit, auf Schlussregeln dagegen implizit Bezug genommen. Wenn mittels Schlussregeln keine eindeutigen Behauptungen annehmbar sind, sind Stützungen (weitere Argumente), modale Einschränkungsoperatoren (Modifikatoren bzw. Qualifikatoren) bzw. Ausnahmebedingungen einzuführen, die die Gültigkeit der Konklusion außer Kraft setzen bzw. in Frage stellen können. Die kohärenzstiftende Struktur der Argumentationen ergibt sich daraus, dass sie bei der Erschließung von Präsuppositionen helfen können7. Generell wird zwischen induktiven und deduktiven Argumenten unterschieden. Zu den ersteren werden solche Argumente gezählt, die auf der Struktur der Wirklichkeit gründen (Koexistenzverknüpfungen, Ursache-Wirkungs-Beziehungen), so dass hier nicht von Kohärenz, sondern von Evidenz die Rede ist (vgl. Petter 1988: 117). Bei der zweiten Argumentgruppe stellen die Daten eine eindeutige Verbindung zwischen Einstellungen, Haltungen und Intentionen einerseits und Handlungen andererseits her (vor allem bei den Kaschierstrategien). Argumente wie auch Einheiten der Metakommunikation sind sprachliche Handlungen, die zur Konflikt- bzw. Problemlösung beitragen. Sie werden eingesetzt, um einen Konsens in strittigen Fragen herzustellen. Dabei haben die Heckenausdrücke folgende Argumentfunktionen: Einschätzung, Erläuterung (Kommentieren), Relativierung, Einschränkung, Beitrag zur Stützung oder Problematisierung einer Position etc. Nicht zu unterschätzen ist dabei 7 Vgl. hierzu auch Linke et al. (1994: 242ff.). 7 EGLE ALOSEVIČIENĖ der Persuasionsaspekt, der vor allem implizit die Absichten des Sprechers andeutet. Der argumentative Erfolg und somit auch gelegentlich der persuasive Effekt hängen davon ab, ob ein logischer Zusammenhang zwischen der These und den dargebotenen Daten hergestellt wird. Explizit kommt das durch die Verwendung von verstärkenden und positiv bewertenden Elementen zum Ausdruck. Die strategisch eingesetzten Abschwächungen dienen dagegen dazu, eventuelle Einwände zu entkräften. Texte, die sich durch ein hohes Maß an Modalität auszeichnen, weisen einen erhöhten Anteil an impliziter Information auf und tragen wesentlich dazu bei, bestimmte kommunikative Funktionen zu erfüllen. Eine partik elreiche Sprache wie das Deutsche kann beispielsweise mithilfe von Modalpartikeln (ja, wohl) implizit bzw. indirekt gemäß den Höflichkeitsnormen die Aussagen abschwächen und relativieren, was im Litauischen mit anderen Mitteln, wie epistemischen Verben (manyti, tikėtis, laikyti), Substantiven (prielaida, galimybė, viltis) und Partizipien (tikėtina, abejotina, priimtina) gemacht werden muss. Wohl am breitesten untersucht sind im Zusammenhang mit der Argumentation die Modalpartikeln8. Dies lässt sich durch ihre Polyfunktionalität sowie durch ein hohes Maß an Implizitheit erklären; durch die Verwendung von Modalpartikeln können logische Verknüpfungen und argumentative Bezüge implizit bleiben. Die Anzahl der Modalpartikeln ist in beiden Sprachen gleich, obwohl das Deutsche als eine partikelreiche Sprache bezeichnet wird. Dies ergibt sich daraus, dass viele litauische Partikeln (gal, galbūt, tarsi) deutschen Modalwörtern entsprechen. Unterschiede ergeben sich aber innerhalb der einzelnen Funktionsbereiche. Während im Deutschen als Argumentanführungen Begründungs- und Evidenzindikatoren (ja) bzw. Indikatoren für einen hohen Wahrscheinlichkeitsgrad (wohl) dominieren, sind im Litauischen die Komponenten der Vermutung dominant (bene, tarsi, gal, galbūt, turbūt), wobei die hypothetische Natur der Argumente unterstrichen wird. Außerdem beziehen sie sich im Litauischen nicht nur auf die vorangehenden Aussagen: (1) Die internationale Gemeinschaft muss das Netz der Wiederaufbauteams in den Provinzen dichter knüpfen. Deutschland ist ja bereits 8 S. hierzu Beiträge von Brauße (1986) und Rost-Roth (1998). 8 DIE ROLLE DER HECKENAUSDRÜCKE BEI DER DISKURSSTRUKTURIERUNG IM DEUTSCHEN UND LITAUISCHEN mit einem PRT in Kunduz und einer diplomatischen Aussenstelle in Herat vertreten. (2) Dazu möchte ich insbesondere den Gästen aus den Emiraten ein paar Kennziffern nennen, die der deutschen Wirtschaft wohl bekannt sind [...] (3) Europos Sąjunga išgyvena krizę, gal net atsidūrė savotiškoje aklavietėje. Siauri vienos valstybės ar valstybių grupės interesai iškeliami aukščiau už bendrus visos Europos interesus. Referendumai dėl Europos Sąjungos Konstitucijos sužlugo būtent Europos valstybėse senbuvėse. Ein sehr bequemes Mittel zur Perspektivierungsstrategie des Sprechers und zur Vermeidung von Abbrüchen und Weiterführung der Themenentfaltung ist im Deutschen die Partikel eigentlich. Sie erlaubt zudem das Anknüpfen an eine Situation oder ein Thema, mit denen die Äußerung in keiner Beziehung steht (vgl. Dalmas 2003: 203f.). Außerdem kann damit, wie auch mit der epistemischen Verbform ich finde, der Anspruch auf Allgemeingültigkeit eingeschränkt werden. Im Litauischen erfüllen dieselbe Funktion die parenthetischen Einschübe tiesa, tiesą sakant, iš tikrųjų, die genauso gut als Entsprechungen für die deutschen Diskursmarker tatsächlich, in der Tat als Stützung einer vorhergehenden Äußerung dienen: (4) Einen Gedanken hat Ministerpräsident Karamanlis aufgegriffen, den ich gerne unterstreichen, doppelt unterstreichen möchte. Das ist eigentlich ein neues Thema [...] (5) Nors referendumų Prancūzijoje ir Olandijoje išdavojė aktyviai diskutuojama kuria linkme turėtų toliau plėtotis ES integraciniai procesai, poreikis turėti stipresnę ir vieningesnę bendrą ES užsienio ir saugumo politiką beveik nekelia kontroversijų. Iš tikrųjų, ES autoritetas tarptautinėje arenoje nuolat stiprėja, o ES įtaka bei dalyvavimas sprendžiant konfliktus visame pasaulyje nuolat plečiasi. Wenn die Rolle der Modalitätsausdrücke im Rahmen der Argumentation unterstrichen werden muss, so ist außer den Modalpartikeln nicht zuletzt die Rolle von Modalwörtern zu betonen. Insbesondere hypothetische Argumente können durch epistemische Operatoren wie bestimmt, sicher, offensichtlich, tikrai, tikriausiai etc. unterstrichen werden. Ihre pragmatische 9 EGLĖ ALOSEVIČIENĖ Funktion sieht Eggs (2000: 409) darin, dass sie rationales Argumentieren ermöglichen, ohne für die Wahrheit aller Prämissen einstehen zu müssen: (6) Wir sind auf einem guten Weg. Und die internationale Kritik bescheinigt uns auch, dass dieses Mischsystem wahrscheinlich besser ist als reine Umlagesystem einerseits und reine Kapitaldeckungssysteme andererseits. (7) Šiandien šie dalykai yra labai svarbūs visoms valstybėms, kuriose tarsi ugniakalnių prasiveržimus stebime demokratijos užuomazgas, pavyzdžiui, Ukrainoje, Gruzijoje ar Moldovoje. Tikriausiai visa tai dar svarbiau toms valstybėms, kurios kenčia nuo autokratiško ir izoliuoto režimo, pavyzdžiui, Baltarusijai. Zum Modalitätsphänomen gehören darüber hinaus die Modalverben im performativen Gebrauch und epistemische Verben. So können mithilfe der Verbindung des Modalverbs können (lit. galėti) mit einem performativen Verb9 die Sprecher zu erkennen geben, dass sie auf eine mögliche Kritik bzw. Meinungen der anderen mit einem letzten und quasi evidenten Argument antworten können (vgl. Schwitalla 1979: 125): (8) Ich kann Ihnen an diesem Punkt nur sagen: Wenn hier nicht strategische Entscheidungen zwischen den transatlantischen Partnern in Richtung Herstellung eines Konsenses getroffen werden, wird diese ganze Region verstärkt in eine eher negative Entwicklung hineinrutschen. (9) Galiu tik patvirtinti, kad bus daroma viskas, kad išsikovoti palankesnes sąlygas žemės ūkiui [...] Epistemische Verben können sowohl einen geringen Wahrscheinlichkeitsgrad indizieren als auch Einschränkung des Geltungsanspruchs bzw. die Einschätzung des Sprechers signalisieren. Aus dieser Funktionsvielfalt erweisen sie sich als äußerst bequeme Mittel bei der Diskursstrukturierung. Darüber hinaus kommen die epistemischen Verben sehr selten ohne Stützung durch andere Heckenausdrücke aus: 9 Solche Verbindungen werden laut Fraser (1975) als „hedged performatives“ bezeichnet. Diese Bezeichnung deutet nicht auf die traditionelle Auffassung des Terminus der Performativität hin, sondern eher auf die modalisierende bzw. interaktive Funktion der Modalverben (vgl. Wunderlich 1983; Verstraete 2001: 1517). 10 DIE ROLLE DER HECKENAUSDRÜCKE BEI DER DISKURSSTRUKTURIERUNG IM DEUTSCHEN UND LITAUISCHEN (10) Ich denke, dass auch aus dem nationalen Parlament heraus ein Politisierungsprozess stattfinden kann, der von eminenter Bedeutung ist. (11) Manome, kad mūsų patirtis labai praverstų ir Aljanso partneriams Pietų Kaukazo valstybėse, taip pat Vakarų Balkanuose, Vidurio Azijoje. Die Schlussregeln (Induktion und Deduktion) bilden zusammen mit verschiedenen Argumentationsstypen die zentralen Vertextungsmuster von argumentativen Texten. Deswegen spielen die Formen des generischen Schließens (vor allem bei den Plausibilitätsstrategien) eine besondere Rolle. Im Litauischen überwiegt die adversativ-argumentative, nicht selten zugleich evaluative Aussagenverknüpfung, während sie im Deutschen mit den restriktiven Instrumenten von argumentativ-erklärenden Stellungnahmen konkurriert (konzessive Argumentationen als Dissens- bzw. Korrekturmarker verteilen sich dagegen gleichermaßen): (12) Lietuva visą laiką pasisakė už kuo greitesnę derybų su Turkija pradžią. Tačiau suvokiame, kad derybų procesas nebus lengvas. (13) Ausländische Investoren - ich betone: auch Finanzinvestoren - sind und bleiben deshalb in unserer Volkswirtschaft hoch willkommen. Unverzichtbar ist jedoch, dass sie sich an die gemeinsam erarbeiteten Spielregeln halten. Traditionell wird die Konditionalität als Beziehung zwischen einer hypothetischen Ursache und deren Wirkung betrachtet (vgl. Girdenienė 2001: 28). In unserem Korpus sind konditionale Satzverknüpfungen im Deutschen häufiger. Es scheint eine primär kulturelle Angelegenheit zu sein, sich beim Argumentieren auf logische Argumente zu beziehen oder hypothetische Aussagen in dieser Form zu machen: (14) Wenn die internationale Gemeinschaft aus Afghanistan abzieht, dann wissen wir genau, was die Folge sein wird. (15) [...] hat am vergangenen Freitag die Staatsduma das Kyoto-Protokoll ratifiziert und damit den Weg frei gemacht zur Bekämpfung der Klimakatastrophe, die drohen würde, wenn wir nicht Maßnahmen ergriffen. 11 EGLE ALOSEVICIENĖ Dennoch ist es durchaus möglich, in Form eines Konditionalsatzes im Deutschen, aber auch mit Hilfe eines speziellen Partizips (Gerundium) im Litauischen implizit einen generischen Zusammenhang zwischen Ursache und Konsequenz herzustellen (vgl. Eggs 2000: 402). Somit wird der Aussage der Aspekt der Eventualität verliehen, der die Bedingung explizit bzw. implizit als möglicherweise erfüllbar charakterisiert: (16) Ohne europäische Einigung wäre es wohl nicht gelungen, nationalistische Eigennsucht und tief verwurzelte Erbfeindschaften zu überwinden. (17) Dalyvaujant Rusijai Baltijos jūros regioną galime paversti vienu iš labiausiai klestinčių regionų Europoje. Rhetorische Fragen werden insofern als Diskursmarker eingestuft, als sie sowohl der Einleitung eines neuen Themas als auch der Ablenkung vom bereits Gesagten dienen können. Gleichzeitig wird aber auch der Hörer angesprochen, seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Sachverhalte gelenkt. Und schließlich können sie zur Vermeidung von kategorialen Aussagen herangezogen werden, was besonders in deutschsprachigen Reden zu beobachten ist. Die Tendenz zum Einsatz der rhetorischen Fragen zur Redestrukturierung ist den litauischen Politikerreden eigen: (18) Lietuvos pastangos imtis aktyvios lyderės vaidmens Juodosios jūros regiono valstybėse yra gerai matomos ir vertinamos. Tačiau ar galime apsiriboti vien pagalba kitiems? Ar Lietuvos išsikelti tikslai jau visi pasiekti? Ar mes jau žinome, ko Lietuva siekia, būdama Europos Sąjungos nare? (19) Die Inspektoren haben also einige Erfolge erzielen können [...] Warum sollten wir gerade jetzt von diesem Weg abweichen? Warum jetzt die Inspektionen abbrechen? Siepmann (2001: 101f.) betont die Rolle der verbalen, nominalen und adverbialen Restriktoren als Mehrwort-Diskursmarker, die einen wesentlichen Teil des Heckenkomplexes bilden und vergleichbare Funktionen haben können (v.a. Bekräftigung bzw. Einschränkung des vorgängigen Diskurses bzw. Redebeitrags): (20) Russland hat sich – das gilt es zu unterstreichen – in dieser Zusammenarbeit als außerordentlich verlässlicher und verantwortungsbewusster Partner erwiesen. 12 Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen (21) Eine Frage ist, ob diese Mahnung, die schon vor einiger Zeit ausgesprochen worden ist, in diesem Ausmaß noch zeitgemäß ist oder ob wir auf dem Wege dorthin nicht doch schon etwas erreicht haben. (22) Buvo girdėti ir nusivylimo gaidų, ypač valstybėms narėms pritrūkus valios įgyvendinti struktūrines reformas. (23) Pagrindinis klausimas – kaip užtikrinti, kad Taryba būtų veiksminga ir atstovaujanti. 4.2 Metakommunikation Metakommunikation wird als ein besonders gut geeignetes Mittel angesehen, um auftretende Konflikte zu harmonisieren oder auch nur befürchteten Konflikten vorzubeugen (vgl. Schwitalla 1979: 139; Adamzik 1984: 70). Dabei hat sie sowohl textuelle (Sequenzierung und Redestrukturierung) als auch interpersonelle (Modalisierungen, Einschätzungen, Kommentierungen) Funktionen. Das metasprachliche Sprechen ist ein Sprechen über die Sprache, das eine pragmatische Funktion hat, mit dem jedoch keine Sprechhandlung vollzogen wird. Somit ist das Konzept der Metakommunikation von dem der Illokution abzugrenzen (vgl. Welte/Rosemann 1990: 137ff.) Diese grundsätzliche Unterscheidung schafft aber keine Voraussetzungen dafür, dass Performativa bzw. performativer Gebrauch einzelner Sprachmittel – wie etwa Modalverben – nicht in metasprachlichen Kontexten vorkommen können. Hierzu gehören auch „Adverbialien mit metakommunikativer Funktion“ (Bartsch 1972: 60). Dabei kommen bekräftigende (d. natürlich, selbstverständlich; lit. žinoma, suprantama), abschwächende (d. anscheinend; lit. matyt, galbūt) und parenthetische (d. sozusagen, genau betrachtet, offen gesagt; lit. taip vadinamas, kitaip tariant, tiesą sakant, žvelgiant istoriškai) Adverbialen in Betracht. Die letztere Gruppe wird noch als „Sprechakt-Adverbiale“ (Pittner 1999: 320) bezeichnet. Dieser Gruppe von Adverbialen schreibt Bartsch (1972: 67) eine diskursorganisierende Funktion zu, und zwar in dem Sinne, dass sie im Gegensatz zu den Konjunktionen nicht beschriebene Sachverhalte bzw. Ereignisse, sondern die verschiedenen Arten der Beschreibung (im Sinne zusätzlicher Information) zueinander in Beziehung setzen. Diese Adverbialen 13 EGLE ALOSEVIČIENĖ sowie die „pragmatischen Konditionale“ (Pittner 2000) lassen sich auch mit den Aspekten der Höflichkeit10 und Abschwächung verbinden. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Aussagen für den Hörer akzeptabel machen, zugleich kann man jedoch auch Annahmen über Präferenzen der Rezipienten signalisieren, um beide Seiten das Gesicht wahren zu lassen. Metakommentare können auch Hinweise zur Sprechereinstellung einschließen, in denen die Sprecher kognitive, emotionale und kommunikative Einstellungen (Bewertungen, Relativierungen, Evidenz, Nachdrücklichkeit etc.) signalisieren. Das Thematisieren von Sprechereinstellungen kann sehr vielfältig sein; hierzu gehören beispielsweise Emotionsindikatoren (d. leider, glücklicherweise; lit. deja, laimei), Sprachmittel, die eine Wertung implizieren (d. unheimlich, großartig; lit. nepaprastas, puikus) oder einschränken (d. ziemlich, recht, ganz; lit. gana, pakankamai) sowie metasprachlich konnotierte Elemente in Anführungszeichen etc. Metakommunikation im politischen Diskurs tritt in Form von Kommentaren über weitergehende Äußerungen, über gemeinsame sprachliche und nichtsprachliche Aktivitäten sowie von einschränkenden bzw. bekräftigenden Zusätzen auf. Metakommentare werden in dem von uns untersuchten Korpus mithilfe unterschiedlicher Sprachmittel ausgedrückt, und zwar durch „hedged performatives“, performative, wertende und parenthetische Adverbialien, durch Einsatz von Negation und Anführungszeichen etc. „Hedged performatives“ als Metakommentare über weitergehende Äußerungen verteilen sich gleichmäßig innerhalb des Heckenkomplexes sowohl in deutschsprachigen als auch in litauischen Politikerreden; zur Bekräftigung der eigenen Position mittels Modalverben im performativen Gebrauch tendieren dagegen nur die litauischen Sprecher: (24) Ich möchte in diesem Zusammenhang [...] auf das eingehen, was Deutschlands Wirtschaft immer ausgezeichnet hat. Unser Interesse ist, faire Partner zu sein. Wir wollen und wir müssen niemanden dominieren 10 Brown und Levinson (1987: 70) unterscheiden grundsätzlich zwischen positiver und negativer Höflichkeit: erstere ist auf das Selbstbild des Sprechers gerichtet, um positive Seiten hervorzuheben, die letztere bezieht sich auf die Beschönigung des Rezipienten. 14 Die Rolle der Heckenausdrücke bei der Diskursstrukturierung im Deutschen und Litauischen (25) Kaip vieną tokių sėkmingų pavyzdžių norėčiau paminėti Klaipėdos regioną, kuriame veikia ir Klaipėdos laisvoji ekonominė zona, stiprus Klaipėdos universitetas, uostas, puiki infrastruktūra. (26) Baigdamas noriu dar kartą pabrėžti, kad Lietuva kartu su partneriais yra pasirengusi įgyvendinti ir „Naujųjų kaimynų“, ir „Šiaurės dimensijos“ iniciatyvų prioritetus bei siekia ieškoti daugiau sąlyčio taškų tarp jų. Parenthesen werden als Nebenhandlungen, d.h. als weniger wichtige als die im umgebenden Satz ausgeführte Sprechhandlungen bezeichnet (vgl. Pittner 1996). Sie sind primär der Informationsstruktur eines Textes zuzuordnen, aber ihre universelle kommunikative Funktion besteht im Signalisieren dieser Nebeninformation auf der metakommunikativen Ebene: (27) Heute stehen wir am Beginn beziehungsweise, besser gesagt, mitten in einer neuen und wirklich glücklichen Partnerschaft. (28) Pasaky­siu tiesiai, jog mes, lietuviai, lenkai ar latviai, neturime stebuklingo recepto, kaip pradėti ir įgyvendinti demokratinius pertvarkymus. Die Markierung rekommentierender Verfahren kann auch mittels evaluativer und intensivierender Ausdrücke erfolgen. Wertende Elemente samt Intensivierungen und Emotionsindikatoren sind wesentliche Bestandteile der politischen Kommunikation. Im Litauischen werden die evaluativen gegebenenfalls auch emotionalen Kommentare gegenüber den intensivierenden bevorzugt, im Deutschen ist die umgekehrte Tendenz zu beobachten: (29) Lietuvos narystė Europos Sąjungoje kokybiškai keičia mūsų dalyvavimą regiono ir pasaulio politikoje. (30) Dėl Artimųjų Rytų konflikto toliau beviltiškai didėja aukų skaičius. (31) Die polnische Nation [...] hat viele, ganz außergewöhnliche Beiträge für die Entwicklung Europas geleistet. Innerhalb der Metakommunikation nimmt die Negation eine Sonderstellung ein. Insbesondere die so genannten doppelten Negationen, die in der Rhetorik und Stilistik unter dem Stichwort „Litotes“ bekannt sind, können sowohl zur Abmilderung als auch zur Verstärkung von positiven Wertungen 15 Eglė Alosevičienė eingesetzt werden. Der Grad einer Wertung ist immer mit dem emotionalen Engagement des Sprechers bzw. Schreibers verbunden (vgl. Adamzik 1984: 256). In beiden Sprachen hat die Negation aber primär abschwächende bzw. einschränkende Funktion: (32) Diese Verfassung ist ein Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, ein Angebot an alle Kräfte der europäischen Zivilgesellschaften. Es ist nicht zuletzt an ihnen, die Buchstaben der Verfassung mit Leben zu erfüllen. (33)ūsų tikslai, kurių siekiame, ar principai, kuriais vadovaujamės, nėra skirtingi. Mit Anführungszeichen wird innerhalb der politischen Kommunikation nicht auf eine unzureichende Etablierung eines Wortes bzw. Ausdrucks im Sprachsystem hingewiesen, sondern vielmehr steht ein metasprachlich konnotierter Ausdruck mit der Problematisierung des Sachverhalts gegenüber den Hörern in Verbindung. Dieselbe Funktion können auch andere Heckenausdrücke wie eine Art von, sogenannt; tam tikras, taip vadinamas, vadinamasis, savotiškas übernehmen. Zur Abmilderung problematischer Äußerungen bzw. Sachverhalte mittels Anführungszeichen bzw. Intonation neigen insbesondere die litauischen Politiker, während die deutschen Politikerreden eine höhere Frequenz an einschränkenden Adverbialen aufweisen: (34) Galiausiai turime padėti atit irpdyti „išaldytus“ konfliktus, kurie stabdo minėtų valstybių ekonominę plėtrą ir skaldo visuomenę. (35) Wenn wir etwa die beiden Referenden in Holland und in Frankreich hernehmen, die sozusagen einen Schock auslösten, [...] dann sieht man auch hier dieses Bündel von Motiven. Die Konditionalsätze haben nicht nur eine argumentative Funktion. Die wenn-Sätze im Vorfeld haben unter anderem metakommunikative Funktionen und operieren auf der diskurspragmatischen Ebene, indem sie entweder die Bedingungen formulieren, unter denen die folgenden Sprachhandlungen relevant sind (Beispiele 36 und 37), oder auf Interaktions- und Höflichkeitskonventionen Bezug nehmen (Beispiele 38 und 39): 16 DIE ROLLE DER HECKENAUSDRÜCKE BEI DER DISKURSSTRUKTURIERUNG IM DEUTSCHEN UND LITAUISCHEN (36) Die Türkei hat zwar bereits gewaltige Fortschritte gemacht und aufgeholt. Wenn sie aber erfolgreich sein will, wird sie in Zukunft noch gewaltigere Fortschritte machen müssen. (37) Akivaizdu, kad mūsų regionas, jei norime naudotis ekonominės integracijos privalumais, negali likti trūkstama grandimi Europos infrastruktūroje. (38) Wenn es mir erlaubt ist, will ich einen kleinen Moment auch über die Schwierigkeiten der Umsetzung einer solchen Reformstrategie sprechen. (39) Tačiau, jei įdomi ir mano nuomonė, nebijau pasakyti: ES Konstitucinės sutarties ratifikacijos maratonas bus laimėtas tik tuomet, kai jis bus sėkmingai įveiktas visose ES narėse! 5. SCHLUSSFOLGERUNGEN Das komplexe Phänomen der sprachlichen Hecke kommt nicht isoliert in verschiedenen Diskursen vor, sondern überlappt sich unter anderem mit den semantischen und pragmatischen Charakteristika der so genannten Diskursmarker. Heckenausdrücke spielen eine besondere Rolle bei der Diskursstrukturierung, indem sie thematische Einheiten strukturieren, Argumente der Sprecher stützen sowie metakommunikative Einschübe im Text und Diskurs erlauben. Aus der vergleichenden Analyse und quantitativen Auswertung innerhalb des politischen Diskurses hat sich erwiesen, dass im Deutschen der Einsatz von Diskursmarkern für unterschiedliche Grade der Wahrscheinlichkeit und Intensivierungen eigener Aussagen dominiert. Dabei spielen insbesondere die Modalwörter und Modalpartikeln eine wesentliche Rolle, und zwar als Träger zusätzlicher bzw. impliziter Informationen. Metakommentare sind ebenfalls Kennzeichen deutschsprachiger Politikerreden. Die litauischen Politikerreden zeichnen sich dagegen durch einen höheren Anteil an einschränkenden und wertenden Sprachelementen aus. 17 Eglė Alosevičienė VERZEICHNIS DER BELEGQUELLEN Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem World Economic Forum in Davos, 28.01.2005. URL http://www.bundesregierung.de/-,413.780791/rede/ Rede-von-Bundeskanzler-Gerhard.htm: Beleg (6) Rede von Bundeskanzler Schröder bei der Deutsch-Russischen Investitionskonferenz, 28.10.2004. 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