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Keli mažmožiai dėl „Mažmožių 5, 6“

Laimutis Bilkis

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Acta Linguistica Lithuanica LIV (2006), 107 – 126 Anmerkungen Remarks Ein paar Kleinigkeiten zu Kleinigkeiten 5, 6 Die Bemerkungen Vytautas Vitkauskas’ zu einzelnen Fällen der Erforschung von Helonymen1 veranlassten mich, die schon vor längerer Zeit ins Archiv gelegten Karteikarten mit aus der gesprochenen Sprache erhobenen litauischen Helonymen erneut hervorzuholen und die von ihm angesprochenen problematischen Punkte zu analysieren, zumal vor einem Jahrzehnt manches übersehen worden sein konnte, da mehr als 10 000 Gewässernamen dieser Klasse identifiziert und eingehend untersucht werden mussten. In Kleinigkeit 5 behauptet V. Vitkauskas, dass die in meiner Dissertation und meinem Artikel2 angeführten Sumpfnamen aus der Umgebung von Raudėnai Gelžėlė und Gelžikė neu, spontan und metaphorisch seien, das heißt, nachdem man nach dem Krieg das riesige Gelžė-Moor trockengelegt hatte, hätten die Einheimischen es nur im Gespräch mit den Sammlern von Ortsnamen Gelžėlė und Gelžikė genannt, während junge Sammlerinnen des Ortsnamenmaterials dies lediglich für echte Varianten des Helonyms Gelžė gehalten hätten. Eine erneute Untersuchung der Daten aus der gesprochenen Sprache zeigt, dass nur die Form Gelžėlė als ein erst erheblich nach dem Krieg entstandener Sumpfname gelten kann; sie wurde, wie V. Vitkauskas richtig schreibt, 1982 im Dorf Švendriai aufgezeichnet. Das von der Aufzeichnerin angegebene benannte Objekt war ein ehemaliges, etwa 100 ha großes Moor. Somit ist offensichtlich, dass Gelžėlė eine späte Variante des ursprünglichen Sumpfnamens Gelžė ist. Die Behauptung jedoch, dies sei lediglich ein momentaner, unechter Name, bleibt dennoch zweifelhaft, denn erstens lässt sich das weder überprüfen noch beweisen, und zweitens umfasst die Toponymie der litauischen gesprochenen Sprache, also auch die Helonymie, Ortsnamen, die nahezu während des gesamten 20. Jahrhunderts gesammelt wurden. Die Entstehungsgeschichte des Sumpfnamens Gelžikė ist völlig anders. Es handelt sich keineswegs um einen neuen, das heißt erst Ende des 20. Jahrhunderts belegten, momentanen oder metaphorischen Ortsnamen. Er wurde bereits zweimal in der Zwischenkriegszeit aufgezeichnet3. 1936 das Land des Forstbezirks Raudėnai 1 Siehe Anmerkungen. Acta Linguistica Lithuanica 51, 2004, 113–114. 2 Siehe Bilkis, L. Litauische Helonyme mit Suffixbildung. Dissertation, Vilnius: Institut für die litauische Sprache, Vytautas-Magnus-Universität, 1998; Bilkis, L. Litauische diminutive Helonyme mit Suffixbildung. Acta Linguistica Lithuanica 41, 1999, 51–95. 3 Übrigens wurden den Angaben V. Vitkauskas zufolge die Formen Gelžėlė und Gelžikė in der Gemeinde Raudėnai, im Dorf Švendriai, aufgezeichnet; tatsächlich wurde in diesem Dorf jedoch nur die erste Form belegt. 107 Pastabos In der Ortsnamensammlung wird angegeben, dass Gelžikė eine 2,5 ha4 große, mit Moos bewachsene Senke (d. h. ein Moor – L. B.) ist, die an das große Moor (d. h. Moor – L. B.) Gelžė grenzt und im 10. Quadratmeter in den Wald hineinragt5. Ein weiteres Mal wurde dieser Moorname auf einer Karteikarte aus der Kartei der Namen unbewohnter Orte verzeichnet, die aus der gesprochenen Sprache gesammelt und von der in der Zwischenkriegszeit tätigen Kommission für Familien- und Ortsnamen zusammengestellt worden waren; dort ist angegeben, dass das Moor in der Nähe des Dorfes Paraudžiai liegt. Somit ist Gelžikė ein alter, authentischer Moorname, und die junge Sammlerin von Ortsnamen trifft hier keinerlei Schuld. Einige Kleinigkeiten 6 V. Vitkauskas beanstandet, dass ich in den bereits erwähnten Untersuchungen zu Helonymen aus den Gebieten der žemaitischen und der vilniškischen Aukštaiten mehrsilbige Ableitungen mit dem Suffix -ėlis angeführt habe, obwohl in diesen Dialekten bei Derivaten, die sowohl aus zwei- als auch aus mehrsilbigen Wörtern gebildet sind, nur das Suffix -ėlis verwendet wird. Kritisiert wird auch die Vermutung, dass die lettischen und slawischen Sprachen die Entstehung einiger mehrsilbiger Helonyme mit -ėlis beeinflusst haben könnten; abschließend heißt es, dass den Toponymik-Fachleuten die geografische Verbreitung der Diminutive mit -ėlis, -ėlis unbekannt sei. Zunächst möchte ich sagen, dass mir die geografische Verbreitung der genannten Suffixe bestens bekannt ist6. Das Problem liegt hier ganz woanders. Ein beträchtlicher Teil der in den genannten Gebieten verzeichneten mehrsilbigen Moorbezeichnungen ist in der Ortsnamensammlung mit dem Suffix -ėlis aufgeführt. So wurden sie sogar von Sprachwissenschaftlern verzeichnet, weshalb sich bei der Untersuchung der Moorbezeichnungen nicht feststellen ließ, warum sie in dieser Form aus der gesprochenen Sprache aufgenommen wurden. Vielleicht haben die Ortsnamensammler selbst sie normiert, zumal solche Toponyme in der Standardsprache traditionell7 mit -ėlis angegeben werden, z. B. Švenčionėliai, Gedžiūnėliai, Mielagėnėliai. Andererseits könnten manche Moorbezeichnungen, insbesondere solche, die erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzeichnet wurden, mit -ėlis auch von den Einheimischen selbst ausgesprochen worden sein, beeinflusst durch die Standardsprache. Es handelt sich also nicht nur um ein linguistisches, sondern auch um ein soziolinguistisches Problem; daher muss der Forschende entscheiden, ob er anhand der ermittelten Verbreitungsgebiete der Suffixe -ėlis, -ėlis eine Moorbezeichnung so rekonstruiert, wie sie lauten sollte, oder auch die von den Sammlern gelieferten Daten berücksichtigt8. 4 Vgl.: Die Fläche des Gelžė-Moors betrug in der Zwischenkriegszeit mehrere Hundert Hektar! 5 Diese Angaben wurden vom Förster Stasys Rimkevičius verzeichnet; mitgeteilt wurden sie vom Forstaufseher Benys Taraškus. 6 Ich stamme sogar aus diesem Gebiet (Linkmenys), in dem sowohl in drei- als auch in mehrsilbigen Wörtern das Suffix -ėlis verwendet wird, und beherrsche meine heimische Mundart gut. 7 Diese Tradition wurde bereits in der Zwischenkriegszeit von Antanas Salys, Juozas Balčikonis u. a. begründet. 8 Beispielsweise werden in synchronen Untersuchungen zur Bildung von Siedlungsnamen normierte Ortsnamen analysiert; daher wird auch bei Siedlungsnamen, die von mehrsilbigen Wörtern abgeleitet sind, nur das Suffix unterschieden- 108 Pastabos Ergänzend sei auch darauf hingewiesen, dass V. Vitkauskas meine Vermutung zum Einfluss des Lettischen oder der slawischen Sprachen falsch interpretiert. Erstens behaupte ich nirgendwo, dass das žemaitische und das vilniškische Hochlitauische -elis jeweils eine Folge des Einflusses des Lettischen beziehungsweise der slawischen Sprachen seien. Ich versuche lediglich zu erklären, weshalb mehrsilbige Helonyme mit -elis auch aus Gegenden belegt sind, in denen ansonsten das Diminutivsuffix -ėlis zu erwarten wäre: im Süden und Nordosten Litauens sowie im Gebiet um Želva, Alanta und Rūdninkai9. Zumindest manche solcher Helonyme auf -elis (-elė) könnten durchaus durch Slawisierung entstanden sein; vgl. die Schreibweisen ähnlich strukturierter litauischer Siedlungsnamen und Personennamen in slawischen Quellen: Tra[f]zkunele10 1744, 1771, Traszkunele 1775, 1784 = lit. Troškūnėliai (gegenüber Troškūnai), Wilunele 1784 = lit. Vilūnėliai (Dorf in der Gemeinde Jieznas); Vanagelis11 1689 (Skaruliai) = lit. Vanagėlis, Wederelis 1626 (Kaunas) = lit. Vėdarėlis, Zemoytel 1628 (Kaunas) = lit. Žemaitėlis usw. Laimutis Bilkis Institut für Litauische Sprache P. Vileišio g. 5, 10308 Vilnius, Lietuva Zu neuen Ansätzen bei der Suche nach den Endungen der 3. Person des Verbs Seit Langem ist bekannt, dass die nach Numerus undifferenzierten Formen der 3. Person litauischer Verben reinen Vokalstämmen entsprechen und keinerlei Spuren darauf hindeuten, dass sie jemals Endungen gehabt hätten. Diese Besonderheit des Litauischen halten Pisani, Toporov, Ivanov, Schmalstieg und viele andere Forscher für besonders bedeutsam für die Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands des Verbs und für die Sprachtypologie. Sie zeigt sich deutlich im synchronen System des litauischen Verbs, in dem die vokalischen Stammauslaute der 3. Person die Grundlage für die Bildung vieler Formen bilden. ga -ėlis (siehe Razmukaitė, M. Lietuvos priesaginiai oikonimai. Daktaro disertacija, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, Vytauto Didžiojo Universitetas, 1998, 34–35, 36–40). 9 Siehe Bilkis, L. Lietuvių priesaginiai deminutyviniai helonimai. Acta Linguistica Lituanica 41, 1999, 70. 10 Historische Ortsnamen stammen aus der Kartei historischer Ortsnamen der Abteilung für Onomastik. 11 Historische Personennamen stammen aus der Kartei historischer Personennamen der Abteilung für Onomastik. 109