Berufsnamen im Preußisch–litauischen
Full text
CHRISTIANE SCHILLER
Humboldt-Universität zu Berlin
Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: Preußisch-litauische Lexikographie, Onomastik, Baltisch-deutsche Sprach-, Literatur- und Kulturbeziehungen.
BERUFSNAMEN IM PREUSSISCH-LITAUISCHEN
Su profesija susiję asmenvardžiai Prūsijos lietuvių kalboje
ANMERKUNG
Im Mittelpunkt des Beitrages steht mit den Berufsnamen eine Namenklasse, die in der litauischen onomastischen Forschung, anders als etwa in der deutschsprachigen und englischsprachigen, bisher nicht als eigenständige Namenklasse ausgewiesen wurde. Aus einer Quelle preußisch-litauischer Provenienz aus dem 18. Jahrhundert wurden sämtliche, als Berufsnamen einzustufende Familiennamen erfasst und nach derivationsmorphologischen sowie semantischen Prinzipien klassifiziert. Daneben wurde die Frequenz der einzelnen Berufsnamen und ihrer Ableitungen ermittelt, die Aussagen über die Verbreitung einzelner Berufsfelder innerhalb der litauischsprachigen Gemeinschaft ermöglicht. Zum Abschluss werden Probleme im Zusammenhang mit der Klassifizierung der Berufsnamen besprochen.
ANNOTATION
This paper focuses on occupational surnames. Unlike German and English research Lithuanian onomastics has not given attention to occupational surnames as a name class of its own hitherto. The basis for the research results presented here is a Lithuanian-Prussian source from the beginning of the 18th century. From this source all occupational surnames are excerpted and classified according to derivational-morphological and semantic principles. Furthermore the frequency of some occupational surnames and their derivations are determined, which gives information about the distribution of some occupations within the Lithuanian-speaking community. In the end of this paper problems with classifying occupational surnames are discussed.
SCHLÜSSELWÖRTER: Onomastik, Berufsnamen, Preußisch-Litauen.
KEYWORDS: occupational surname, Prussia Minor, onomastics.
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Berufsnamen im Preußisch-litauischen
Berufsnamen sind in der litauischen Onomastik bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Das liegt u.a. darin begründet, dass sie, anders als in der deutschsprachigen Onomastik1, hier nicht als eigenständige Klasse der Familiennamen ausgewiesen, sondern der Klasse der Übernamen zugeordnet werden.2 Einschlägig für das großlitauische Sprachgebiet sind allein die Arbeiten von Zigmas Zinkevičius (1977: 59–62) bzw. (2008: 539–548). Für Preußisch-Litauen ist in diesem Zusammenhang die Studie von Asta Urbonavičiūtė (2005) zu nennen.
Im Rahmen dieses Beitrages wird die Klasse der direkten Berufsnamen Preußisch-Litauens untersucht. Unter den direkten Berufsnamen werden die ursprünglich aus Beinamen gebildeten Familiennamen verstanden, die sich sowohl auf die Haupterwerbstätigkeit als auch auf die Nebenerwerbstätigkeit, die soziale Stellung oder auf von den Namensträgern ausgeübte Ämter beziehen (Kunze 1998: 107). Von den indirekten Berufsnamen unterscheiden sich diese durch die nichtmetonymische Verwendungsweise.3 Die Quellengrundlage für diese Studie bildet das von Horst Kenkel 1972 herausgegebene Verzeichnis der Amtsbauern und Kölmer im nördlichen Ostpreußen um 1736 (weiterhin zitiert als K), von dem die Register III „Litauer“ (K 249–273) sowie IV „Kölmer und Erbfreie“ (K 273–282) ausgewertet wurden. Dieses Verzeichnis erfasst für den berücksichtigten Zeitraum umfassend den historischen Familiennamenbestand in Preußisch-Litauen. Aufgrund der Tatsache, dass im 18. Jahrhundert die Herausbildung der Familiennamen noch nicht abgeschlossen war, ergibt sich ein konkreter Bezug zur Berufs- bzw. Tätigkeitsausübung der jeweiligen Namensträger bzw. ihrer unmittelbaren Vorfahren. Insofern können die ermittelten Familiennamen Aufschluss über die tatsächlich von Litauern ausgeübten Berufsfelder geben.
Im Gegensatz zu den deutschen Familiennamen, bei denen die direkten Berufsnamen zu den häufigsten Familiennamen überhaupt gehören,4 stehen in Preußisch-
1 In der deutschsprachigen Onomastik werden die Familiennamen üblicherweise in fünf Klassen eingeteilt: Familiennamen aus Rufnamen, Familienname nach Herkunft, Familiennamen nach der Wohnstätte, Familiennamen nach Beruf, Amt und Stand sowie Familiennamen aus Übernamen, vgl. Fleischer (1968: 98–120), Kunze (1998: 63), Kohlheim/Kohlheim (2008: 21–40) u.a.
2 So von Zigmas Zinkevičius (2008), der, wie das Inhaltsverzeichnis (S.10) erkennen lässt, die Berufsnamen (Asmenvardžiai, susiję su žmogaus amatu) unter III. Übernamen (Pravardynas) behandelt. Aleksandras Vanagas (1999: 470f.) verzichtet in seiner Klassifikation der litauischen Familiennamen gänzlich auf die Ausgliederung der Berufsnamen.
3 Bei indirekten Berufsnamen werden Personen nach für ihren Beruf typischen Werkzeugen, Produkten, Arbeitskleidungen u. ä. benannt, z. B. Mehlhose für einen Bäcker oder Kupfer für einen Schmied. Die indirekten Berufsnamen nehmen eine Zwischenstellung zwischen den Berufs- und den Übernamen ein, da sie sich nur in metonymischer Weise auf den Beruf beziehen. Kunze (1998: 137).
4 Die Position 1–14 der häufigsten deutschen Familiennamen werden von direkten Berufsnamen eingenommen, vgl. Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber, Meyer, Wagner, Becker, Schulz, Hoffmann, Schäfer, Bauer, Koch, Richter. Erst an Position 15 folgt mit Klein ein Übername. Quelle: TopNames 5000.
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ßisch-Litauen die direkten Berufsnamen litauischer Provenienz in direkter Konkurrenz zu den Patronymika und den Übernamen. Diese Unterschiede erklären sich in erster Linie durch die unterschiedliche Genese beider Namensysteme. Das System deutscher Familiennamen wurde im Wesentlichen im Kontext mittelalterlicher Städte geprägt, in denen aufgrund einer relativ hohen Bevölkerungsdichte und berufsgebundener Siedlung sich gerade der Beruf als namengebendes Motiv anbot. Demgegenüber herrschten in Preußisch-Litauen kleinräumige Siedlungsstrukturen mit einer gering ausgeprägten Arbeitsteilung (und einer dementsprechend wenig differenzierten Berufsstruktur) vor, in denen die Herausbildung der Familiennamen in erster Linie auf patronymische, d. h. rufnamenbasierte, sowie übernamenbasierte Bildungsmuster zurückgeht. Einzige Ausnahme bildet der Familienname Kalwis, auf den weiter unten noch einzugehen sein wird.
Im Zusammenhang mit der Darbietung der Namenformen im Korpus ist zu berücksichtigen, dass die Aufzeichnung in der Regel von Deutschen vorgenommen wurde, bei denen die Kenntnis des Litauischen nicht zwangsläufig vorausgesetzt werden kann. Demzufolge muss von einer ungenauen, d. h. nicht lautgerechten Wiedergabe der litauischen Namen ausgegangen werden. Darüber hinaus müssen Aspekte der Integration des litauischen Namengutes in das deutsche Sprachsystem auf phonetischer und morphologischer Ebene berücksichtigt werden. Die preußisch-litauischen Namenformen werden hier in der Originalschreibung angeführt; das litauische Vergleichsmaterial in der standardsprachlichen Orthographie. Variationen, die dem zeitgenössischen Aufzeichnungskontext geschuldet sind, werden nicht kommentiert.
1. NAMEN TYPEN UNTER DERIVATIONSMORPHOLOGISCHEM UND GENETISCHEM ASPEKT
Berufsnamen lassen sich auf der Basis der zugrunde liegenden Appellativa unter derivationsmorphologischem Aspekt in Simplizia, Derivate und Komposita einteilen.
1.1. Simplizia
Als Simplizia werden an dieser Stelle alle originär litauischen Lexeme betrachtet, die synchron, bezogen auf den betrachteten Zeitraum (17./18. Jahrhundert),
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weder als Derivate noch als Komposita analysiert werden können. Entsprechend dieser Definition können als einzige Simplizia im Korpus die auf der Berufsbezeichnung kálvis5 ‘Schmied’ basierenden Namensformen Kalwis (K 53, K 140), Kalwies (K 20, K 32, K 35 u. a.), Calwis (K 131) bzw. Calwies (K 35) nachgewiesen werden.6 Diese Tatsache deutet auf ein hohes Alter der Bildung, das Ausdruck frühester Arbeitsteilung ist. Die herausragende Stellung dieses Berufsfeldes dokumentiert die hohe Frequenz von direkten Berufsnamen mit der Bedeutung ‘Schmied’ in allen europäischen Sprachen.7
1.2.
Derivate
Das Litauische bildet mit den Derivationsaffixen -ius und -ininkas (-inykas) Nomina agentis. Mit einer Bezeichnung eines Werkzeuges oder eines Produktes als Ableitungsbasis fungieren diese als Berufsbezeichnungen, aus denen direkte Berufsnamen entstehen können.
1.2.1. -ius8. Die Bildung von Berufsbezeichnungen mit dem Derivationsaffix -ius ist komplex und umfasst neben der Suffigierung gewöhnlich auch Metatonie in der Wurzel, vgl. puõdžius zu púodas (Stundžia 2009: 127). Die auf Berufsbezeichnungen dieses Typs zurückzuführende Berufsnamen sind im vorliegenden Korpus häufig. Die Ableitungsbasis des entsprechenden Appellativums kann sowohl ein Erbwort, wie in Bal(l)nus (K 30 u. a.) zu lit. bálnus ‘Sattler’ (vgl. lit. bálnas ‘Sattel’), Girnus (K 20 u. a.) zu lit. gĩrnius ‘Mühlsteinhauer’ (vgl. lit. gìrnos ‘Mühlsteine’), Dirszus (K 32 u. a.) zu lit. diržius ‘Riemer’ (vgl. lit. diržas ‘Riemen’), als auch ein Lehnwort sein, wie in Bludszus (K 84 u. a.) zu lit. bliùdžius ‘Schüssler’ (vgl. lit. bliùdas ‘Schüssel’ aus wruss. блюдо), Kubillus (K 95) zu lit. kubìlius ‘Böttcher (vgl. lit. kùbilas ‘Kübel’ zu ahd. kubilo, mhd. kübel). Die Palatalität des dem Flexionsausgang vorausgehenden Konsonanten bleibt in den untersuchten Familiennamen in der Regel unbezeichnet.
5 Sämtliche standardsprachlichen litauischen Referenzformen werden nach dem LKŽe zitiert.
6 Sowohl Pranas Skardžius (1943 [1996]: 379) als auch LKG I (§ 530) analysieren kálvis als Ableitung aus dem Verb ká lti mit dem Suffix -vis (Skardžius -vja-). Diese Interpretation hat aus diachroner Perspektive durchaus ihre Berechtigung, wird aber dem synchronen Befund nicht gerecht, da das Suffix -vis längst nicht mehr produktiv war und dementsprechend im betrachteten Zeitraum nicht mehr zur Bildung von Nomina agentis und damit zur Bildung von Berufsnamen verwendet wurde.
7 Eine entsprechende Übersicht bietet Kunze (1998: 117).
8 Zu diesem Wortbildungstyp s. Skardžius (1943 [1996]: 78).
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1.2.2. -inin kas9. Appellative mit dem auch in der modernen litauischen Standardsprache produktiven Suffix -inin kas sind die Grundlage für eine Vielzahl weiterer Berufsnamen. Auch in diesem Fall können als Ableitungsbasis neben den entsprechenden Erbwörtern, wie in Drawenings (K 100) zu lit. draviniṅkas ‘Beutner’ (vgl. lit. dravė bzw. lit. draviš ‘Bienenstock’), Laukenings (K 188) zu lit. laukininkas ‘Bauer’ (vgl. lit. laũkas ‘Feld’) oder Szardinings (K 131) zu lit. žardininkas ‘Gärtner’ (vgl. lit. žardis ‘Rossgarten’), auch Lehnwörter, wie in Kalkenings (K 116 u. a.) zu lit. kalkininkas ‘Kalkbrenner’ (vgl. lit. kálkis ‘Kalk’ aus mnd. kalk10), Kragenings (K 122 u. a.) zu lit. krāgininkas ‘Kannengießer’ (vgl. lit. krāgas ‘Krug’ aus mnd. krōg) oder Murenings (K 157) zu lit. mūrininkas ‘Maurer’ (vgl. lit. mūras ‘Mauer’ aus mhd. mūr(e) bzw. mnd. mūre) auftreten. Das Suffix -iniṅkas zeigt in den untersuchten Familiennamen die für das Deutsche typische Reduzierung des Vokals in unbetonter Silbe, so dass es in der Regel als -enings notiert wird.
Zuweilen lassen sich Berufsnamen nachweisen, die auf Appellativa zurückgehen, die von einem Stamm unter Nutzung beider Affixe gebildet wurden, vgl. Kurpenings (K 37) zu lit. kùrpininkas ‘Schuster’ und Kurpius (K 59 u. a.) zu lit. kur̃pius ‘Schuster’ oder Plitzus (K 90) zu lit. plyčius ‘Ziegelmacher, Ziegler’ und Plietenings (K 117) zu lit. plytininkas ‘Ziegelmacher, Ziegler’.
1.2.3. -ėjas11. -ėjas stellt ein weiteres, noch heute produktives Derivationsaffix dar, das zur Bildung von Nomina agentis verwendet wird. Als Ableitungsbasis fungiert hier der Präteritalstamm des Verbs. Berufsnamen, die auf mit diesem Affix gebildete Berufsbezeichnungen zurückgeführt werden können, sind im vorliegenden Korpus allerdings kaum zu belegen. Hier konnte nur ein entsprechender Berufsname nachgewiesen werden: Audeyus (K 14) zu lit. audėjas ‘Weber’. Dieser Befund deckt sich weitgehend mit dem von Zinkevičius (2008: 539–548). Neben Audėjas (541) führt er nur noch Kalejas ‘Schmied’ (543) an. Der historisch gut bezeugte ių-Stamm audėjus12 folgt offenbar dem Muster der anderen Berufsbezeichnungen auf -ius.
1.3. Komposita
Die Zahl der direkten Berufsnamen, die auf ein zusammengesetztes Appellativum zurückgeführt werden können, ist gering, und entspricht damit der Rolle der
9 Zu diesem Wortbildungstyp s. Skardžius (1943 [1996]: 140–148).
10 Sämtliche mhd. und mnd. Formen werden nach dem EWD zitiert.
11 Zu diesem Wortbildungstyp s. Skardžius (1943 [1996]: 83f.).
12 Kurschat (1876: 204). LKŽe führt darüber hinaus Belege aus den Wörterbüchern von Konstantinas Sirvydas und Christian Gottlieb Mielcke an.
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Komposition innerhalb der litauischen Wortbildung. Anzuführen wären in diesem Zusammenhang die aus den entsprechenden Appellativa gebildeten Familiennamen Rupkalwis (K 139 u. a.) zu lit. rùpkalvis ‘Grobschmied’, Schaltkalwis (K 140) zu lit. šáltkalvis ‘Kaltschmied’, Kraule(y)dies (K 43 u. a.) zu lit. kraujalėdỹs ‘Aderlasser, Schröpfer’ oder Bandszerus (K 142 u. a.) vermutlich zu lit. bandšėris ‘Knecht, der das Vieh versorgt’. Auch im Fall von Bandszerus kann, sofern die Deutung als Berufsname zutreffend ist, von einer Beeinflussung des iu-Stammes durch die anderen iu-stämmigen Berufsbezeichnungen ausgegangen werden.
1.4. Lehnwörter
Eine eigene Klasse der direkten Berufsnamen bilden Namen, die auf Berufsbezeichnungen zurückgehen, die aus dem Deutschen oder aus slawischen Sprachen entlehnt worden sind. Die entsprechenden aus dem Deutschen entlehnten Appellativa sind sowohl auf (mittel)hochdeutsche als auch auf (mittel)niederdeutsche Entlehnungsquellen zurückzuführen, vgl. Zimmermons (K 123) zu lit. cìmermonas < mhd. zimmerman, Beckeris (K 30) zu lit. bekėris < mhd. bzw. mnd. becker, Schipporus (K 104) zu lit. šiporius < zu mnd. schipper ‘Schiffer’. Die auf aus dem Slawischen entlehnten Appellativa basierenden direkten Berufsnamen gehen sowohl auf Lehnwörter aus dem Polnischen als auch aus dem Weißrussischen zurück, wobei im Einzelfall oftmals die genaue Quelle nicht festzustellen ist, vgl. Kawohl (K 146 u. a.) zu lit. kavõlis ‘Schmied’ auf poln. kowal bzw. weißruss. кавалъ, Skambraks (K 31 u. a.) zu lit. skámbrakas ‘Spielmann’ auf poln. skomoroch oder Kažemecks (K 90 u. a.) zu lit. kažemėkas ‘Gerber’ auf weißruss. кажемяка. Unter den slawischen Lehnwörtern gibt es, wie das Korpus von Zinkevičius (2008: 539–548) zeigt, eine Reihe von Berufsnamen auf -orius, die auf entsprechende weißrussische bzw. polnische Bildungen auf -арь bzw. -arz zurückzuführen sind. Berufsnamen dieses Typs waren nicht nur Muster für die Nachbildung von Berufsnamen im Litauischen, wie etwa im Fall von Stiglorus (K 97) zu lit. stiklõrius ‘Glaser’13, das reanalysierte Derivationssuffix -orius ersetzte darüber hinaus offenbar in Schipporus (K 104) zu lit. šiporius auch das entsprechende, für Entlehnungen aus dem Deutschen zu erwartende Suffix -eris (vgl. šiùsteris ‘Schuster’) bzw. -ėris (vgl. bėkėris ‘Bäcker’).14
13 Skardžius (1931 [1998]: 264) nimmt für lit. stiklorjus eine Umbildung von wruss. стекларъ auf der Basis von lit. stìklas ‘Glas’ an.
14 Eine slawische Vermittlung, die durch das Suffix -orius nahegelegt wird, ist zunächst nicht wahrscheinlich, da die entsprechende, aus dem Deutschen entlehnte Berufsbezeichnung poln. Szyper (Linde V 633) lautet.
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2. NAMEN TYPEN UNTER SEMANTISCHEM ASPEKT
Bereits Zinkevičius (2008: 539–548), der eine umfassende Liste der litauischen Berufsnamen darbietet, hat eine entsprechende Klassifizierung vorgenommen. Er unterscheidet vier Subklassen: 1. Soziale Stellung, 2. Amt, 3. Handwerk, 4. Militärtär. Diese Subklassifizierung lässt sich durch Differenzierung der Berufsfelder im Bereich Handwerk erweitern. An dieser Stelle soll eine modifizierte Version der von Kunze (1998: 107f.) angeführten Klassifizierung zugrunde gelegt werden. Neben den aus den Berufsbezeichnungen hervorgegangenen direkten Berufsnamen werden, wenn diese selbst nicht greifbar sind, die von diesen gebildeten patronymischen Ableitungen berücksichtigt.15
1. Landwirtschaftliche Berufe, Wald- und Teichwirtschaft, Urberufe
Laukenings (K 188) zu lit. laukininkas ‘Bauer’, Szemenings (K 123) zu lit. žėmininkas ‘Bauer’18, Uckeninck (K 133) zu lit. ūkininkas ‘(Groß-)Bauer’, Szard inings (K 131) zu lit. žardininkas ‘Gärtner’, Bandszerus (K 142 u. a.) vermutlich zu lit. bandžėris ‘Knecht der das Vieh versorgt’, Kum(m)etz (K 154 u. a.) zu lit. kūmetis ‘Instmann’, Bandszus (K 50) zu lit. bandžius ‘Hirte’19, Klaptschus (K 30 u. a.) zu lit. klāpičius ‘Knecht’, Almonaitis (K 72) Patr. zu lit. almonas ‘Hofmann’20, Drawenings (K 100) zu lit. drąnininkas ‘Beutner’.
15 Für die kritische Durchsicht dieser Übersicht und weiterführende Anmerkungen habe ich Frau Asta Urbonavičiūtė zu danken.
16 Da lit. žėmininkas neben ‘Bauer’ auch die Deutung ‘Festlandsbewohner’ zulässt, kann diese Namensform potentiell auch als Herkunftsname klassifiziert werden.
17 Für diese Namensform ist nach LPŽ (I 186) neben der Deutung als Berufsname auch eine Herleitung aus dem weißrussischen Rufnamen Бандзоў (zu Бенедикт) möglich.
18 Lit. almonas in der Bedeutung ‘Hofmann’ ist in den Wörterbüchern Preußisch-Lita uens gut bezeugt, vgl. Clavis Germanico-Lithvana (CIG): Hoffmann Álmonas, ó. M. (962); Hoffmutter Álmonene, ês. F. (965); Philipp Ruhig: Littauisch=Deutsches und Deutch=Littauisches Lexicon (RŽ), Hofmann bey der Pacht, ál=|| monas, ono, m. (208). LKŽe weist daneben einen Beleg aus den Metai von Kristijonas Donelaitis nach: „×álmonas (vok. dial. homann) sm. (1) [K]; R208 dvaro pienininkas: Ir kaip kiaulės álmono – tik gėda sakyti – kiauliškas dainas dainuot ir žvieg į užsimanė K. Donel“. Insofern ist an dieser Stelle für almonas, der Ableitungsbasis für die Namensform Almonaitis, die Deutung als Berufsname der in LPŽ (I 89) als potentiell erwogenen Deutung als zweistämmiger Personenname (hier mit Verweis von Almonáitis→AÍmonas→AÍmanas) vorzuziehen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die in LPŽ (I 89) angeführten Vorkommen der Familiennamen Álmonas und Almonáitis sich in erster Linie auf Orte beziehen, die in unmittelbarer Nähe des historischen preußisch-litauischen Gebiets gelegen sind, für das das Appellativum almonas nachgewiesen ist.
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2. Nahrungsmittelgewerbe
Packawatsch (K 136) zu lit. pakvočius ‘Bäcker’, Beckeris (K 30) zu lit. bėkėris ‘Bäcker’, Meßeningkatis (K 166 u. a.) Patr. zu lit. mėsininkas ‘Fleischer’, Bruweleit (K 68) Patr. zu lit. br(ī)uvėlė ‘Brauer’, Piwor (K 122) zu lit. pyvōras ‘Brauer’.
3. Metallverarbeitung
Kalwis (K 20 u. a.) zu lit. kálvis ‘Schmied’, Kawohl (K 146 u. a.) zu lit. kavõlis ‘Schmied’, Rupkalwis (K 139 u. a.) zu lit. rùpkalvis ‘Grobscmied’, Schaltkalwis (K 140) zu lit. šáltkalvis ‘Kaltschmied’, Kragenings (K 122 u. a.) zu lit. krãginikas ‘Kannengießer’, Katillus (K 32 u. a.) zu lit. katilius ‘Pfannenschmied’, Skauradszus (K 14) zu lit. *skauradžius ‘Pfannenschmied’, Geledzus (K 64) bzw. Gelleszus (K 114) zu geležius ‘Schmied, Eisenkrämer’.
4. Holzverarbeitung
Discheratis (K 27 u. a.) Patr. zu lit. dišerė ‘Tischler’, Deyluaitis (K 105) Patr. zu lit. dailius ‘Tischler?’, Dilluwatis (K 77) Patr. zu lit. dielius ‘Brettschneider’, Geldszus (K 64 u. a.) zu lit. *geldžius ‘Trögner’, Sketschus (K 37) zu lit. skiečius ‘Hersteller von Weberkämmen’, Kubillus (K 95) zu lit. kubilius ‘Böttcher’; Butkkeraitis (K 8 u. a.) Patr. zu lit. bùtkerė ‘Böttcher’, Radszus (K 32 u. a.) zu lit. rãčius ‘Radmacher’, Stellmokatis (K 20) Patr. zu lit. stėl̃mokas ‘Stellmacher’.
5. Ledererzeugung und –verarbeitung
Schicksnus (K 108 u. a.) zu lit. šikšnius ‘Lederer’, Kaßenecks (K 90 u. a.) zu lit. kažemėkas ‘Gerber’, Kurpenings (K 37) zu lit. kùrpininkas ‘Schuster’, Kurpius (K 59 u.a.) zu lit. kùrpius ‘Schuster’, Schustereit (K 33 u. a.) Patr. zu lit. šiùsteris ‘Schuster’, Sapagus (K 759 zu lit. *sopagius ‘Stiefelhersteller’, Bal(l)nus (K 30 u. a.) zu lit. balnius ‘Sattler’, DirsZus (K 32 u. a.) zu lit. diržius ‘Riemer’.
6. Textil- und Pelzgewerbe
Schneid ereit (K 9 u.a.) Patr. zu lit. šneideris ‘Schneider’, Krautzuns (K 13 u. a.) Patr. zu lit. kraučius ‘Schneider’, Kepurnings (K 37) zu kepùrininkas ‘Hutmacher’, Audeyus (K 14) zu lit. audėjas ‘Weber’, Kaylus (K 63 u. a.) zu lit. kai̇lius ‘Kürschner’, Kuschnerus (K 85 u. a.), Kurschnorus (K 119) zu lit. kušniėrius ‘Kürschner’.
7. Bauwesen
Muren ingk (K 157) zu lit. mūrininkas ‘Maurer’, Zimmermons (K 123) zu lit. cìmermonas ‘Zimmermann’, Zimmernings (K 10) zu lit. cìmerininkas ‘Zimmermann’, Kalkenings (K 116 u. a.) zu lit. kálkininkas ‘Kalkbrenner’, Plitzus (K 90) zu lit. plyčius ‘Ziegelmacher, Ziegler’ und Plietenings (K 117) zu lit. plytininkas ‘Ziegelmacher, Ziegler’, Stegus (K 58) zu lit. stiėgius ‘Dachdecker’, Sticklus (K 150 u. a.) zu lit. stiklius ‘Glaser’, Stiglorus (K 97) zu lit. stikliórius ‘Glaser’.
8. Sonstiges verarbeitendes Gewerbe
Bludszus (K 84 u. a.) zu lit. bliūdžius ‘Schüssler’, Bludenings (K 20) zu lit. bliūdininkas ‘Schüssler’, Podszus (K 30 u. a.) zu lit. puõdžius ‘Töpfer’, Girnus (K 20 u. a.) zu lit. gìrnius ‘Mühlensteinhauer’, Rötzus (K 158), Retschus (K 162) zu lit. rėčius ‘Siebmacher’
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9. Dienstleistungen
Kartzaunings (K 113) zu lit. karčiauniṅkas ‘Schankwirt’, Kraule(y)dies (K 43 u. a.) zu lit. kraujaleidýs ‘Aderlasser, Schröpfer’, Waßenings (K 126) zu lit. važininkas ‘Fuhrmann’, Maynus (K 123 u. a.) zu lit. mai̇nius ‘Täuscher, Händler’, Kuptschus (K 157), Kubzus (K 57) zu lit. kūpčius ‘Kaufmann’.
10. Ämter
Bormeistratis (K 25) Patr. zu lit. bormeistras / burmistras ‘Bürgermeister’, Golmisteras (K 154) aus dt. Garnmeister ‘Hilfsbeamter des Fischmeisters’ (Wenskus 1990, 48), Patabuleit (K 53) vermutlich Patr. zu lit. patóbelis ‘Potabel, Kirchendiener’, Starrost (K 139 u. a.) zu lit. stórasta ‘(Orts-)Vorsteher’, Lautzas (K 108 u. a.) zu lit. laũčas ‘Jagdaufseher’, Packmoratis (K 30) Patr. zu lit. pakamórė ‘Gutsaufseher’, Waßna (K 120 u. a.) offenbar zu lit. važnas ‘Bote, Herold’.
11. Militär
Scherwenings (K 186) zu lit. šárūniṅkas ‘Zeugmeister’, Straltzuhns (K 49) Patr. zu lit. strėlčius, strielčius ‘Schütze’.
12. Sonstige
Schipporus (K 104) zu lit. šiporius ‘Schiffer’, Bugeningk (K 97 u. a.) vermutl. zu lit. būgnininkas ‘Trommler’, Skambraks (K 31 u. a.) zu lit. skámbrakas ‘Spielmann’, Birbindschus (K 128 u. a.) zu lit. birbinčius ‘Schalmeienspieler’.
4. FREQUENZ: TOP 10 DER DIREKTEN BERUFSNAMEN PREUSSISCH-LITAUENS
Eine quantitative Erfassung der direkten Berufsnamen erweist sich aufgrund variierender Orthographien als äußerst schwierig. Darüber hinaus sind viele Berufsnamen nur über die entsprechenden patronymischen Bildungen greifbar. Insofern scheint es an dieser Stelle zweckmäßig, neben den direkten Berufsnamen auch die aus ihnen gebildeten Patronymika und Pentheronymika19 zu berücksichtigen, da nur so die namenbildende Potenz des entsprechenden Appellativums ermittelt werden kann. Unter Berücksichtigung sämtlicher Graphien eines direkten Berufsn amens und aller seiner unmittelbaren patronymischen und pentheronymischen Ableitungen ergibt sich folgendes Bild.
Wie die Tabelle zeigt, existieren abgesehen von den Berufsnamen in der Bedeutung ‘Schmied’, ‘Schneider’ und ‘Wagner’ hinsichtlich der Frequenz kaum Parallelen zu den deutschen Familiennamen. Vielmehr reflektiert das hier herausgearbeitete Frequenzmuster die dörflich geprägte Siedlungsstruktur Preußisch-Litauens mit der Dominanz ihrer spezifischen Berufsfelder.
19 Als Pentheronymika werden von Namensformen des Schwiegervaters abgeleitete Namensformen zur Bezeichnung des Schwiegersohnes bezeichnet.
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TABELLE 1: Die häufigsten direkten Berufsnamen und ihre Ableitungen
Gesamt | Anzahl der Namensträger | Anzahl der Träger der aus dem Berufsnamen gebildeten patronymischen und pentheronymischen Ableitungen
1. | KALVIS ‘Schmied’ | 74 | 11 | 63
2. | ŠNEIDERIS ‘Schneider’ | 45 | 11 | 34
3. | PUODŽIUS ‘Töpfer’ | 39 | 17 | 22
4. | BUTKERĖ ‘Böttcher’ | 28 | 0 | 28
5. | BALNIUS ‘Sattler’ | 21 | 19 | 3
6. | RAČIUS ‘Radmacher, Wagner’ | 19 | 6 | 13
7. | KURPIUS ‘Schumacher’ | 15 | 3 | 12
8. | KAŽEMĖKAS ‘Gerber’ | 15 | 13 | 2
9. | DIŠERĖ ‘Tischler’ | 11 | 1 | 10
10. | KUBILIUS ‘Böttcher’ | 10 | 7 | 3
11. | KUMETIS ‘Knecht’ | 10 | 3 | 7
5. PROBLEME
A. Abgrenzungsprobleme
Nicht alle vermeintlichen direkten Berufsnamen sind als direkte Berufsnamen motiviert. Verbindungen ergeben sich sowohl zu den indirekten Berufsnamen als auch zu den Übernamen. Für den Vorfahren der Träger des Familiennamens Klebons (K 154) kann z. B. nicht die Ausübung eines Pfarramtes, vgl. lit. klebõnas ‘Pfarrer’, in Erwägung gezogen werden. Pfarrer kamen in der Regel aus privilegierten, zumeist deutschsprachigen Schichten, die bereits frühzeitig über vererbbare Familiennamen verfügten. Ihre Tätigkeit konnte somit keinen Einfluss mehr auf die Familiennamen gebung nehmen. Der Name Klebons kann demzufolge nur als indirekter Berufsname z. B. für einen Potabel, d. h. einen Kirchendiener, oder aber als Übername gedeutet werden, wobei im letzten Fall als Benennungsmotiv z. B. eine tiefe Religiosität des Namensträgers anzunehmen wäre.
Entsprechend problematisch ist es, Familiennamen, die vermeintlich die soziale Stellung zum Ausdruck bringen, unter den direkten Berufsnamen zu subsumieren. Offensichtlich ist, dass die Träger des Familiennamens Karalus (K 43 u.a.) (vgl. lit. karãlius ‘König’) nicht das Amt eines Königs ausübten. Vielmehr ist davon auszu-
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gehen, dass es sich bei Karalus um einen Übernamen handelte, der seinen Träger nach gewissen sozialen Eigenschaften charakterisierte. Hingegen kann beim Familiennamen Bajohr (K 109) zu lit. bajōras ‘Adliger‘ in Anbetracht dessen, dass bereits im 16. Jahrhundert dieser Beiname eindeutig zur Kennzeichnung der sozialen Stellung des Namensträgers verwendet wurde,20 von einer entsprechenden Beziehung ausgegangen werden. Doch auch hier muss berücksichtigt werden, dass der entsprechende Beiname ebenfalls in entgegengesetzter Bedeutung, d. h. zur Bezeichnung eines besonders armen Menschen, verwendet werden konnte.21 Dieser Zusammenhang scheint auch für einige Träger von Varianten des Familiennamens Didžiūnas ‘Adliger, Großgrundbesitzer’ zuzutreffen. So bewirtschaftet etwa Albas Dizuns mit 0,15 g (Hufen) die mit Abstand die geringste Fläche des Dorfes.22 Die Möglichkeit der antonymischen Verwendung stellt die Familiennamen, die die soziale Stellung reflektieren, in die Nähe der Übernamen und spricht gegen ihre Subsumierung unter die direkten Berufsnamen.
B. Problem Schneiderei
Bisher ist davon ausgegangen worden, dass es sich bei Schneiderei um eine litauische patronymische Bildung zu einem originär deutschen Familiennamen handelt.23 Dagegen spricht aber, dass dieser Name innerhalb der Familiennamen preußisch-litauischer Provenienz in Deutschland mit 741 Namensträgern nach Naujoks (1432), Kalweit (915), Rudat (751) und Petereit (742) den 5. Platz einnimmt,24 während andere litauische patronymische Bildungen, die als Basis eine deutsche Berufsbezeichnung zeigen, weit weniger frequent sind. Zwar ist der Name Schneider auch innerhalb des deutschen Namensystems mit 108291 Namen Vorkommen25
20 In Diehlmann (2006: 237) wird die Sozialstruktur des Ortes Wittgirren (Kreis Tilsit) wie folgt beschrieben: „Zu Widdigire seint ein bayor, ein halbzinsner vnd 6 scharwergker“. Der „bayor“ wird mit dem entsprechenden Beinamen als Jacubel Baior angeführt.
21 Diese Verwendung von lit. Bajoras dokumentiert Butkus (2005: 155) ‘7. neturtingas’.
22 K 25 führt für Wandlauszen (Amt Dinglaucken) die folgenden Einwohner und die von ihnen bewirtschafteten Hufen an: „Pritzck. Aredatis 2 g, Jurg Kundrugs 1 g, Ensk. Waschkuns 1,15 g. Hans Polluckatis 1 g, Albas Dizuns 0,15 g“.
23 Vgl. Vanagas (1989: 964) „Šneideraitis [...] Šneideráitis [...] – žr. Šneideris“, „Šneideris [...]. Plg. Šneidaris, Šneider ys (žr.). Iš vok. Schneider, Schneiders (M. Gottschald, 1954, p. 521; H. Bahlow, 1967, p. 464)“. Kohlheim/Kohlheim (2005: 542) „Schneiderei: ursprünglich in Ostpreußen verbreitete patronymische Bildung zu →Schneider mit dem litauischen Suffix –eit.“ Ebenso auch Schiller (2008: 40).
24 Quelle: TopNames5000. Vgl. hierzu auch Schiller (2008: 40).
25 Quelle: TopNames5000.
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Berufsnamen im Preußisch-litauischen
der dritthäufigste Name, allerdings sind litauische patronymische Bildungen der hinsichtlich der Frequenz unmittelbar benachbarten Familiennamen wie Müller (1.), Schmidt (2.), Fischer (4.) und Weber (5.) nicht oder nur spärlich nachzuweisen, vgl. Schmittat (57), Fischereit (7).26 Insofern muss davon ausgegangen werden, dass nicht der deutsche Familienname Schneider sondern die aus dem Deutschen entlehnte Berufsbezeichnung Šneideris und der daraus gebildete litauische Familienname in der Regel als Basis der patronymischen Bildung Schneidereit anzusehen ist. In Anbetracht der Tatsache, dass die Endung der Familiennamen häufig getilgt ist, muss die im Korpus nachzuweisende Namensform Schneider, insbesondere dann, wenn ihr ein eindeutig litauischer Vorname zugeordnet ist, als Wiedergabe für lit. šneideris angesehen werden.
Insofern können auch andere, zunächst als deutsche Familiennamen identifizierte Namenformen, und zwar dann, wenn sie sich eindeutig auf litauische Namensträger beziehen, der Gruppe der preußisch-litauischen Berufsnamen zugeordnet werden. Zu überlegen wäre es u. a. für die Namenformen Kleinschmidt (vgl. Crisas Kleinschmidt, K 25) und Schuster (vgl. Johnis Schuster, K 132), bei denen die litauischen Endungen der Familiennamen offenbar nicht aufgezeichnet wurden und somit der Integrationsgrad nicht erkennbar ist. Diese Namen geben Auskunft über die ausgeübte Tätigkeit des so Bezeichneten und stehen damit in direkter Beziehung zum Namensträger bzw. seinen unmittelbaren Vorfahren.
Hingegen können die deutschen Berufsnamen, deren Verbreitung in Preußisch-Litauen auf späterer Einwanderung deutscher Namensträger beruht, wie sie u. a. im Korpus von Urbonavičiūtė (2005) erfasst sind, nicht in diesem Sinne gedeutet werden. Nicht nur der Familienname Bergmann, um nur ein Beispiel herauszugreifen, hat keinen Bezug zur historischen preußisch-litauischen Arbeitswelt.
c. Patronymika der direkten Berufsnamen
Wie die Liste der häufigsten Berufsnamen zeigt, sind viele Berufsnamen nur über die von ihnen gebildeten Patronymika greifbar. Diese Beobachtung kann in zweifacher Hinsicht gedeutet werden. Zum einen so, dass die Namenprägung und-festigung zum Zeitpunkt der Datenermittlung, 1736, bereits weitgehend zum Abschluss gekommen ist und die Familiennamen nur über die entsprechenden Patronymika tradiert worden sind. Allerdings zeigen nicht alle hier untersuchten Familiennamen das gleiche Verhältnis von Berufsnamen und den davon abgeleiteten patronymischen Bildungen. Darüber hinaus gilt es, einen zweiten Aspekt nicht aus dem Blickfeld
26 Quelle: http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/Default.aspx
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zu verlieren. Da die Namenprägung in der Regel vor Beginn der Berufsausübung erfolgte, spielte der später ausgeübte Beruf, soweit es sich um ein etabliertes, d. h. nicht zugezogenes Mitglied der Dorfgemeinschaft handelt, für die Namengebung offenbar nur eine geringe Rolle. Für die Benamung der Kinder hat der vom Vater ausgeübte Beruf eine größere Relevanz. Die entsprechende Berufsbezeichnung und der davon abgeleitete Berufsname konkurrieren bei der Bildung der entsprechenden Patronymika mit den primären, d. h. vom Rufnamen des Vaters abgeleiteten Patronymika, und den vom Übernamen des Vaters abgeleiteten Patronymika. Diese Konkurrenz der einzelnen patronymischen Bildungen zeigt sich etwa im folgenden Beleg: Tumschas Jäckstait oder Schneiderait (K 123); die vom Berufsnamen abgeleitete patronymische Bildung wurde hier als Aliasname notiert.
ZUSAMMENFASSUNG
Wie die vorliegende Untersuchung zeigt, verdienen die litauischen Berufsnamen eine größere Aufmerksamkeit von Seiten der onomastischen Forschung. Da, wie hier deutlich gemacht wurde, in der Regel von einer nichtmetaphorischen und nichtmetonymischen Verwendung der Berufsnamen auszugehen ist, bedarf ihre Subsumierung unter die Übernamen, wie sie in der litauischen Forschung üblich ist, einer Revision. Vielmehr sollten auch hier die Berufsnamen, wie in der deutschsprachigen Forschung üblich, als eigenständige Namenklasse behandelt werden.
Durch ihren engen Bezug zu den entsprechenden Appellativen lassen sich die Berufsnamen relativ gut identifizieren. Anhand der bekannten, hier noch einmal herausgearbeiteten Bildungsmuster der Berufsbezeichnungen können einige der hier zusammengestellten Berufsnamen auf Berufsbezeichnungen zurückgeführt werden, die bisher noch nicht im LKŽ erfasst sind. Damit deutet sich das Potential an, das eine systematische Erfassung des preußisch-litauischen Namenschatzes für die litauische Lexikologie haben könnte.
Die litauischen Berufsnamen erlauben darüber hinaus Aussagen über die von Litauern ausgeübten Berufsfelder. Nicht alle in den preußisch-litauischen Lexika überlieferten Berufsbezeichnungen treten uns auch im Namenschatz entgegen. Berufsnamen, die auf typisch städtische Berufe weisen, wie etwa aukskalis ‘Goldschmied’ oder ziegor(i)ninkas ‘Uhrmacher’ konnten im vorliegenden Korpus nicht nachgewiesen werden. Die Frequenz bestimmter Berufszweige, die in den Berufsnamen repräsentiert sind, lässt vielmehr die dörflich geprägte Siedlungsstruktur Preußisch-Litauens erkennen.
Obwohl Aussagen über die soziale Struktur der preußisch-litauischen Gemeinden zumindest partiell auch anhand der Angabe der Berufsbezeichnungen in den
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Berufsnamen im Preußisch-litauischen
Steuerlisten, Kirchenbucheintragungen etc. möglich sind, ist doch das dadurch vermittelte Bild der Tätigkeitsfelder unvollständig, da derartige Verzeichnisse in der Regel nur die Haupterwerbstätigkeit einer Person angeben. Eine Vielzahl von Tätigkeitsbereichen im Nebenerwerb bleibt so unberücksichtigt. Diese treten uns in den Familiennamen entgegen und dokumentieren somit weitere Aspekte dörflicher Arbeitsteilung.
Die Erforschung nicht nur der preußisch-litauischen Berufsnamen eröffnet somit vielfältige Perspektiven.
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Su profesija susiję asmenvardžiai Prūsijos lietuvių kalboje
S A N T R A U K A
Kaip rodo šis tyrimas, su profesija susiję asmenvardžiai ir Prūsijos lietuvių kalboje sudaro atskirą asmenvardžių klasę. Jų tiesioginė, t. y. nemetonominė ir nemetaforinė, vartosena neleidžia jų priskirti pravardžių klasei. Tiesiogiai su profesija susiję asmenvardžiai yra kilę iš apeliatyvų, žyminčių profesijas, ir iliustruoja šiai leksikos klasei būdingą darybą, plg. darybos afiksų –ius, –ininkas bei –ėjas vedinius ir dūrinius. Kita su profesija susijusių asmenvardžių grupė ki-
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lusi iš slavų (lenkų ir baltarusių) kalbų ir iš profesijų pavadinimų, įvairiais laikotarpiais paskolintų iš vokiečių kalbos.
Straipsnyje siūloma su profesija susijusių asmenvardžių dvylikos lygių klasifikacija leidžia juos diferencijuoti pagal atitinkamą profesinę sritį. Statistinė analizė parodė, kad su profesija susiję asmenvardžiai, reiškiantys profesijas pagal amatininkų gamybos sritį (pvz.: Schmied ‘kalvis’, Schneider ‘siuvėjas’, Töpfer ‘puodžius’, Böttcher ‘drozėjas’, Sattler ‘balnius’, Radmacher ‘račius’, Schumacher ‘batsiuvys’, Gerber ‘kailiadirbys’ ir Tischler ‘stalius’), yra itin dažni.
Ne visos pavardės, kurios gali būti kildinamos iš profesijos ir tarnybos pavadinimų, interpretuotinos kaip tiesiogiai su profesija susiję asmenvardžiai. Retkarčiais jas galima aiškinti kaip pravardes.
Įteikta 2012 m. sausio 7 d.
CHRISTIANE SCHILLER
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Sprache und Linguistik
Unter den Linden 6, D-10099 Berlin, Deutschland
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