Die Landkarte des Schlossgebietes Bērzaune vom 17. Jahrhundert und die baltische Hydronymie
Full text
OJĀRS BUŠS
Institūt für lettische Sprache der Universität Lettlands
Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: lettische Onomastik, allgemeine theoretische Onomastik, Lexikologie.
RENĀTE SILIŅA-PĪŅĶE
Institūt für lettische Sprache der Universität Lettlands
Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: lettische historische Onomastik, historische Lexikographie, lettisches historisches Wörterbuch, deutsch-lettischer Sprachkontakt.
DIE LANDKARTE DES SCHLOSSGEBIETES BĒRZAUNE VOM 17. JAHRHUNDERT UND DIE BALTISCHE HYDRONYMIE1
XVII a. Berzaunės pilies apylinkės žemėlapis ir baltų hidronimija
ANNOTATION
Die erste umfangreiche Sammlung der Toponyme Lettlands ist mit wirtschaftlichen Aktivitäten Schwedens (der nördliche Teil Lettlands gehörte dazu) im 17. Jahrhundert verbunden. Die Ergebnisse dieser Aktivitäten sind (1) Protokolle der Landesrevision, die eine große Menge lettischer Siedlungsnamen, und (2) die Vermessungskarten, die ziemlich viele lettische Gewässer- und Flurnamen beinhalten.
Die Karte des Schlossgebiets Bērzaune (entstanden um 1680–1685) zeigt mehr als 70 Hydronyme. Die etymologische Analyse zeigt: die meisten von ihnen sind Namen baltischer (lettischer) Herkunft, z. B. die Flussnamen Ackman ups (= *Akmen̦upe), Roabesche
1 Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Projekts „Studies of the Latvian language in the context of 21st century science” im Staatlichen Forschungsprogramm „Lettonics: history of Latvia, languages, culture and values”.
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ups (= *Robežupe). Der Seename Plaxen Siö (jetzt Plaksis oder Plaksnis) könnte als Name onomatopoetischer Herkunft verstanden werden. Der Flussname Plising Rīvus kann von der lettischen Wurzel plīs-/plēš- ‘brechen; reißen’ abgeleitet sein. Die vom Stamm Sau- abgeleiteten Hydronyme (Savins ups, Sawitz Lacus, jetzt Savīte, Savītes ezers) sind zwar scheinbar den indoeuropäischen Hydronymen und der indoeuropäischen Wurzel *sh2eu- ‘schütten, regnen’ ähnlich, eher sind die Namen aber ostseefinnischen Ursprungs, vgl. estnisch sau, savi ‘Ton, Lehm’. Die ähnlich klingenden Namen auf Sāv- (jetzt Savīte, Sāvienas ezers) haben wahrscheinlich als Etymon das lettische dialektale Wort sāva ‘die Narbe’.
SCHLÜSSELWÖRTER: Onomastik, Hydronymie, 17. Jahrhundert, Schlossbezirkskarten, Livland.
ANNOTATION
The first ample collection of ancient toponyms of Latvia had been connected with economic activities in Sweden in the 17th century when the northern part of Latvia belonged to this country. Results of these activities are the materials of land revision, which represent a large number of Latvian oikonyms as well as surveying maps for the reduction of the estates that contain quite a lot of Latvian hydronyms and microtoponyms.
The map of the Bērzaūne castle district (apr. 1680–1685) contains more than 70 hydronyms. Their etymological research shows that most of them are names of Baltic (Latvian) origin, e.g., the river names Ackman ups (=*Akm eņūpe), Roabesche ups (=*Robežupe). The lake name Plaxen Siö (now Plaksis or Plaksnis) is most likely to be treated as a name of onomatopoetic origin. The river name Plising Rīvus could be derived from the Latvian stem plīs-/plēš- ‘to break, to tear’. The hydronyms derived from the stem Sau- (Savins ups, Sawitz Lacus, now Savīte, Savītes ezers), although seemingly compare with the Indo-European hydronyms originating from the root ide. *sh2eų- ‘to pour, to rain’, are most likely the names of Finno-Ugric origin, cf. Estonian sau, savi ‘clay’. Similar names with -ā- (now Savīte, Sāvienas ezers) are probably an etymon of the Latvian dialect word sāva ‘scar’.
KEYWORDS: onomastics, hydronymy, 17th century, maps of castle districts, Livonia.
Die Erforschung baltischer Hydronyme ist lange noch nicht erschöpfend erfolgt. Viele baltische Hydronyme haben noch keine akzeptablen Herkunftsangaben und keinen eindeutigen ethnolinguistischen Kontext. Besonders viele ungelöste Rätsel sind im Bereich der Etymologien lettischer Hydronyme geblieben. Diese ungelösten etymologischen Probleme sind auch einer der Gründe,
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warum ein etymologisches Wörterbuch der Hydronyme Lettlands noch nicht erschienen ist, und in absehbarer Zeit wahrscheinlich auch nicht erscheinen wird. Zu den Aufgaben der Forschung gehört immer noch die Erweiterung des Hydronymenkorpus. Diese Aufgabe ist weder einfach noch überschaubar, da sich vor allem im Historischen Staatsarchiv Lettlands (Latvijas Valsts vēstures arhīvs) in unveröffentlichten Urkunden bis jetzt unbekannte Fluss- und Seenamen verbergen. Dieser Artikel verfolgt zwei Ziele: (1) die Aufnahme einzelner alter, heute vergessener Hydronyme in die linguistische und onomastische Diskussion, (2) die Herkunftsanalyse einiger sowohl bekannter, als auch weniger bekannter Hydronyme.
Die erste Periode intensiver Aufzeichnung der Toponyme ist in Lettland mit den wirtschaftlichen Interessen des Königreichs Schweden verbunden (s. Abb. 1). Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde im nördlichen Lettland (lett. Vidzeme2), das seit 1629 offiziell zu Schweden gehörte, die so genannte Güterreduktion durchgeführt. Schon in älteren historischen Quellen, besonders mit dem 13. Jahrhundert beginnend, sind zahlreiche Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen belegt, im 17. Jahrhundert erreichen diese Aufzeichnungen jedoch ein neues quantitatives und qualitatives Niveau. Für die Regulierung der Steuerzahlung in den neu erworbenen Territorien waren Informationen über die Ländereien und Einwohner nötig. Aus diesem Grund wurde eine Landesrevision, die so genannte schwedische Hakenrevision, durchgeführt, in deren Protokollen zahlreiche Siedlungsnamen belegt sind. Die Revisionen wurden mehrmals organisiert, die erste schon während des polnisch-schwedischen Krieges im Jahr 1601 (veröffentlicht bei Švābe 1933), dann 1617, 1624, 1630, die umfangreichste im Jahr 1638 (veröffentlicht bei Dunsdorfs 1938, 1940, 1941), wie auch nochmals 1688. Die geplante Güterreduktion benötigte aber genaue Landkarten verschiedener Regionen Livlands. Die schwedischen Kartographen gehörten im 17. Jahrhundert zu den führenden in Europa. 49 schwedische Landvermesser haben in den Jahren 1681 bis 1684 und 1687 bis 1696 das ganze schwedische Livland vermessen (Vidžemes kartes 1996: 7). Als Resultat entstanden zahlreiche Karten einzelner Güter, die dann in den so genannten Fünfte-Teil-Karten als Schlossgebietskarten im Maßstab 1:48.000 oder 1:57.600 zusammengefügt wurden. Es gibt für das heutige Lettland mehr als zwanzig solche Schlossgebietskarten, z. B. von den Schlossgebieten Cēsis (dt. Wenden), Koknese (dt. Kokenhusen), Mālpils (dt. Lemburg), Rauna (dt.
2 Auf deutsch auch lettisches Livland oder Südlivland genannt, im Gegensatz zu dem nördlich gelegenen estnischen Livland.
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ABB. 1. Östliches Baltikum im 17. Jahrhundert. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sw_BalticPr_17cen.jpg
Ronneburg), Suntaži (dt. Sunzel) un Madliena (dt. Sissegall) u. a. Für Toponomasten sind diese Karten, vor allem auf Grund der eingetragenen Hydronyme, wie auch einiger Mikrotoponyme von großer Bedeutung.
Diese Schlossgebietskarten befinden sich im Historischen Staatsarchiv Lettlands (lett. Latvijas Valsts vēstures arhīvs, LVVA Fonds 7404, Beschreibung 3, Akten 1–30). Einige hat der exil lettische Historiker Edgars Dunsdorfs in Australien publiziert und analysiert (Dunsdorfs 1974). Schon dieser, obwohl
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kein Sprachwissenschaftler, hat die Bedeutung dieser Karten gerade für die Hydronymieforschungen erkannt: „Für Namenforscher dürfte die Hydronymie auf den Karten von Interesse sein, die häufig von den heutigen Namen abweicht” (Dunsdorfs 1974: 8). Seit dieser Äußerung sind mehr als vierzig Jahre vergangen, und erst in den letzten Jahren hat – vorläufig ziemlich bescheidene – linguistische Analyse dieser Karten begonnen.
Zu diesen Landkarten gehört auch die Karte des etwa 1500 km2 großen Schlossgebietes Bērzaune. Das Schlossgebiet befindet sich im östlichen Livland und umfasst die Gegend der selonischen Mundarten in Vidzeme3 (s. Abb. 2). Es ist, wie aus der Karte ersichtlich, sehr fluss- und seenreich. Insgesamt sind 70 Hydronyme verzeichnet4 – Seenamen unbedeutend mehr als Flussnamen. Etwa 15 der belegten Hydronyme sind weder aus den heutigen noch aus anderen historischen Quellen bekannt. Es scheint unmöglich oder allenfalls hypothetisch möglich, die entsprechenden heutigen hydrographischen Objekte zu bestimmen. In der Gegenwart unbekannte Flussnamen sind Ackman ups, anting aus, Baben ups, mellonetz, Monke uppe, Mudsa Rīvus, Plising Rīvus, Roabesche ups, unbekannte Seenamen – Ines Siö, In Siö, Karps Siö, Kati Siö, Lodatz, Paslois, Siogos. Bei zehn Seen auf dieser Karte unterscheiden sich die Namen von ihren heutigen (oder mindestens von den heutigen offiziellen) Bezeichnungen, z. B. Asening (jetzt Pudulu ezers), Berſen Siö (jetzt Salu ezers, als Synonym auch Bērzaunes ezers), Damis Siö (jetzt Šumānu ezers), Nygast Siö (Lauteres ezers), Malz Siö (Grīvu ezers), Plaxen Siö (Rāceņu ezers, als Synonym auch Plaksis), Sawitz Lacus (Kaņepēnu ezers, als Synonym auch Savītes ezers), Syles Siö (Stirnezers), Wesonitz Siö (Kalsnavas ezers).
Einige der genannten (wie auch mehrere andere auf der Karte belegte) Hydronyme scheinen ostseefinnischen, eventuell livischen oder estnischen Ursprungs zu sein, z. B. Kuja (vgl. Laansalu 2014), Mudsa Rīvus. Die Mehrheit der Hydronyme ist jedoch baltischer, in erster Linie lettischer Herkunft. Manchmal ist die Verbindung zu den lettischen Appellativen offensichtlich oder fast offensichtlich, z. B., Ackman ups = *Akmeņupe (vgl. lett. akmens ‘Stein‘), Roabesche ups = *Robežupe (vgl. lett. robeža ‘Grenze‘), Karps Siö = *Karpas ezers (oder Karpis?; vgl. lett. karpa ‘Karpfen‘). Der letzte Name gehört natürlich nicht zu den alten Hydronymen baltischer Herkunft, da sein Etymon, die Fischbezeichnung karpa, eine Entlehnung aus dem Deutschen ist (ME II 197 s.v. kārpa I; Sehwers
3 Das Gebiet umfasst ungefähr die Gemeinden Bērzaune, Grostona, Kalsnava, Lazdona, Lubāna, Lubeja, Ļaudona, Mārciena, Meirāni, Mētriena, Prauliena, Saikava, Sāviena, Vējova, Viesiena, wie auch der östliche Teil der Gemeinde Vestiena (auf der Karte nicht markiert). Auf Abb. 2 sind die Gemeindegrenzen von 1939 dargestellt.
4 Es gibt auch Flüsse und Seen, die ohne Namen auf der Karte eingezeichnet sind.
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ABB. 2. Die ungefähren Grenzen des Schlossgebietes (gezeichnet von Liene Markus-Narvila)
1936: 47; Laumane 1973: 105–106), eventuell zum Teil über das Russische entlehnt (Karulis 1992: I 384). Das im 17. Jahrhundert belegte Hydronym erlaubt die Entlehnungszeit des Appellativs spätestens mit dem 16. Jahrhundert, sehr wahrscheinlich aber noch früher, zu datieren. Die ältesten von Laumane (1973: 105) registrierten schriftlichen Belege entstammen dem 18. Jahrhundert, die maskuline Variante Karpis is aber schon im Wörterbuch von Georg Elger (1683) fixiert (Karulis 1992: I 384).
Unter den etymologisch durchsichtigen Hydronymen kann noch der eigenartige Flussname anting aus genannt werden (s. Abb. 3). Er ist bis jetzt nur aus dieser Schlossgebietskarte bekannt. Der Eintrag bezeichnet ein ziemlich kurzes Flüßchen (oder nur einen Flussteil) und kann am ehesten als Antina auss (‘Antinš’ Ohr‘) gelesen werden. Wenn diese Lesung stimmt, bereichert dieser Name die vielen bekannten Fälle, in denen menschliche Körperteile als Grundlage für toponymische Interpretationen dienen. Er illustriert diese universelle Tendenz in der Bildung der Tononyme mit einem weniger typischen Beispiel – das Appellativ auss ‘Ohr‘ ist bei der Bildung lettischer Toponyme nur selten verwendet worden und gehört nicht zu den für die Toponymie charakteristischen anatomischen Termini (Rapa 2014: 63). Im ersten Band des Ortsnamenbuches Lettlands von Jānis Endzelīns gibt es kein (!) Toponym, dessen Herkunft eindeutig
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ABB. 3. anting aus auf der Schlossgebietskarte Bērzaune (nach Dunsdorfs 1974)
auf das Appellativ auss zurückzuführen wäre (s. Endzelīns 1956: 55–56, Lemmata auf auss-). Nur die zweite Komponente des Toponyms ist baltischer Herkunft. Die erste Komponente – das lettische Anthroponym Antinš (< Anton) – ist griechischer oder lateinischer Herkunft (HdV I, 177; Silinš 1990: 62) und hat nur einen indirekten Bezug zur Hydronymie. Die Einmaligkeit dieses Hydronyms im ganzen lettischen toponomastischen Kontext führt zu einer gewissen Unsicherheit, ob der Name nicht doch anders gelesen und/oder interpretiert werden muss.
Es gibt natürlich sehr wenige etymologisch eindeutige Hydronyme sowohl in Lettland überhaupt, als auch auf dieser Karte. In den meisten Fällen bedarf es einer etymologischen Analyse. Als Beispiel folgen zwei Hydronyme auf Pl-: der Fluss Plising Rivus und der See Plaxen Siö. Für den See sind auch gegenwärtige synonyme Namen wie Plaksis // Plaksnis // Plakšezers // Plakšņu ezers, wie auch mehrere aus anderen Wurzeln gebildete Namen belegt (vgl. LVV 177). Schon 1638 ist in der schwedischen Hakenrevision die Form Plaxen (Dunsdorfs 1941: 1159) fixiert, also identisch mit dem Namen auf der Karte nur ohne das Grundwort Siö (vgl. schwedisch sjö ‘See‘). Da in den ostseefinnischen Sprachen Konsonantenhäufungen am Wortanfang nicht vorkommen5, ist baltische Herkunft eindeutig vorzuziehen. Auf dem Territorium Lettlands gibt es zwar auch Toponyme germanischer und slawischer Herkunft, in diesem Falle ist slawische Herkunft aus arealen Gründen jedoch wenig wahrscheinlich,
5 Selten sind solche Häufungen in den neusten Entlehnungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert festzustellen und meistens kommen sie nur in der Umgangssprache vor.
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während Namen germanischer Herkunft ab und zu unter lettischen Siedlungsnamen, nicht aber – mit ganz wenigen Ausnahmen – unter den älteren Gewässernamen zu finden sind. Bei der Suche nach dem Etymon für den Seenamen Plaksis // Plaxen Siö muss zuerst der onomatopoetische Ursprung erwogen werden. Aus phonetischer Sicht scheint diese Variante sehr glaubwürdig, da in lettischer Sprache (sowohl in der Standardsprache, als auch in den Mundarten) onomatopoetische Verben plakšēt, plakšķēt vorkommen, besonders für die Schilderung von leisen Wassergeräuschen, z. B. „Airi klakšķēja duļļos, ūdens plakšķēja [laivai] abās malās...“ (Andrejs Upīts; LLVV 239). Die eventuelle onomatopoetische Herkunft der Toponyme auf Plakš- ist auch in Latvijas vietvārdu vārdnīca (LVV 177 s.v. Plakši), obwohl ohne ausführliche Analyse, erwähnt. Andererseits gibt es gerade in der behandelten Region einige Flurnamen (Wiesen- und Feldnamen) mit der Wurzel Plak- (Plok-, Plôk-), deren Herkunft sich eher mit dem Regionalismus plôka ‘niedrig gelegenes, ebenes Feld‘; plaka ‘Ebene, Niederung‘ (LVV 175 s.v. Plaka) und dem standardsprachlichen Adjektiv plakans ‘eben, flach‘ erklären lässt. Die Semantik ‘eben, flach; Ebene, Niederung‘ scheint als Motivation für einen Seenamen auch ziemlich glaubwürdig zu sein. Als Vergleich sei nur auf den in Russland, in der Ukraine und in Kasachstan vorkommenden Seenamen Ploskoye ozero (buchstäblich ‘der flache/ebene See‘) verwiesen. Mehrere solche Seen befinden sich unweit von Lettland, im Gebiet Pskov, einer Region mit baltischem Substrat in der Hydronymie. Das Hydronym Ploskoye ozero gehört natürlich nicht zu diesem Substrat, es dient nur als Anlass für Überlegungen über eventuelle gegenseitige – baltische und slawische – semantische Einflüsse in der Hydronymie.
Gerade aus semantischer Sicht noch glaubwürdiger könnte der Vergleich mit einem anderen lettischen Regionalismus – plasa ‘Hochwasser auf der Wiese‘ (ME III 320) – sein. Dagegen sprechen aber die phonetischen und arealen Aspekte. Die schwer erklärbare hypothetische Entwicklung -s- > -ks- könnte man noch mit der Kontamination plasa + plaka zu begründen versuchen. Das größte Hindernis für diese Herkunftsdeutung ist aber das Verbreitungsareal des Regionalismus plasa und der aus ihm gebildeten Toponyme – es umfasst die kulturhistorischen Regionen Zemgale und Latgale6, nicht jedoch Vidzeme und bleibt fern von der Gemeinde Lazdona und von dem See Plaksis // Plaxen Siö (vgl. LVV 182–183). Man kann also mindestens drei Hypothesen für die Etymologie dieses Seenamens formulieren. Die glaubwürdigste von ihnen scheint die onomatopoetische Hypothese zu sein.
6 Also Mittel-, Südost- und Ostlettland.
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Der Flussname Plising Rivus, der als *Plīsiṇ- oder *Plisiṇ- gelesen werden kann, ruft seinerseits klare Assoziationen mit dem lettischen Verb plīst ‘reißen, spalten, brechen‘ hervor. Im Lexikon der Toponyme Lettlands Latvijas vietvārdu vārdnīca sind etwa 15 Toponyme mit der Wurzel Plīs- (LVV 244–245) verzeichnet, die am ehesten vom genannten Verb abstammen. Diese sind aber Flurnamen (z. B. Plisa – ein Feld in der Gemeinde Drabēši, ein Wald in Karļi, eine Weide in Kūduṃs, eine Wiese in Rāmuļi), es gibt unter diesen Namen kein Hydronym. Da unser Plising Rivus, wie aus der Karte ersichtlich, ein ziemlich kleines Flüsschen ist, kann sein Name eventuell von einem längst vergessenen Flurnamen abgeleitet sein7. Zu ergänzen ist, dass aus plēs-, einer anderen Ablautstufe dieser Wurzel, das Appellativ plēsums ‘die Rodung‘ gebildet ist, das ziemlich oft als Element in lettischen Toponymen vorkommt (s. LVV 223–226). Ein direkter Zusammenhang zwischen diesem Appellativ und dem Hydronym Plising Rivus ist aber nicht festzustellen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dieses Hydronym in einen breiteren indoeuropäischen Kontext zu bringen und mit mehreren Toponymen in Europa zu vergleichen. Es gibt z. B. zwei Flüsse Namens Plisa in Weißrussland und den altpreußischen Ortsnamen Plissinges von 1284 (Gerullis 1922: 125), der fast identische Schreibung mit unserem Hydronym aufweist. Viele lettische und litauische Toponyme auf Ples-, Plēs- und Plēs- (Pleš-) sind ebenfalls mit Plising Rivus und Plissinges etymologisch verwandt. Der gemeinsame Ursprung dieser Namen führt zur indoeuropäischen Wurzel *pleh₁k̂- ‘abreißen‘ (s. LIV 483), der Benennungsgrund der Toponyme kann aber verschieden sein:
1) das Roden,
2) die scheinbare Teilung der Gegend durch den Flusslauf,
3) das „Reißen“ der Felsen, der Landschaft bei der Entstehung des Flussbettes,
wie auch andere noch mehr hypothetische oder nur rekonstruierbare Faktoren.
Noch eine aus etymologischer Sicht problematische Gruppe dieser Region sind die Hydronyme (und ein Oikonym) auf Sav- und Sāv-. Auf der Karte sind das die Flüsse Savins ups und Sawe ups und die Seen Sawitz Lacus und Sawen Lacus (heute: Savīte, Sāvīte und Savītes ezers, Sāvienas ezers mit vielen Namenvarianten), und das Herrengut Safwenhoff (heute das Dorf Sāviena), aus anderen Quellen und der Literatur besser als Sawensee bekannt (BHO II 550), was auf die Entstehung des Siedlungsnamens aus dem Hydronym hinweist (s. Abb. 4).
7 Ob Namen von kleinen Flüsschen und Seen selbst nicht zu den Flurnamen (Mikrotoponymen) gezählt werden müssten, ist eine längst diskutierte Frage, auf die keine eindeutige Antwort gegeben werden kann.
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Die Hydronyme auf Sav- sind mehrfach in der wissenschaftlichen Literatur behandelt worden, sowohl im europäischen Kontext, wie auch als Teil der alteuropäischen Hydronymie. Zu den bedeutendsten Forschungen sind unter ziemlich vielen anderen die Publikationen von Hans Krahe (Krahe 1964: 50), Vladimir Toporov und Oleg Trubačev (Топоров, Трубачев 1962: 206), Jürgen Udolph (Udolph 2007) zu nennen. Aleksandras Vanagas analysiert in seinem etymologischen Wörterbuch litauischer Hydronyme alle diese Forschungen und schließt sich der Meinung an, dass die europäischen Hydronyme auf Sav- aus der indoeuropäischen Wurzel *seu- [=*seu-?] ‘nass; tropfen, fließen‘ entstanden sein könnten, und rekonstruiert das Appellativ *souos ‘die Nässe; die Flüssigkeit‘ (Vanagas 1981: 292–293 s.v. Savìstas). In Anlehnung an den slovenischen (auch kroatischen, serbischen) Flussnamen Sava und den von France Bezlaj zusammengefassten Forschungen zur Herkunft dieses Namens (Bezlaj 1961: 173) wird von Vanagas als mögliches Etymon in der indoeuropäischen Ursprache die Wurzel *seu-, *sou- angenommen (Vanagas 1981: 293). Im Hinblick auf die neuesten Tendenzen in der Indoeuropäistik, besonders die Laryngaltheorie, ist als eins der möglichen Etyma von Hydronymen mit Sav- die indoeuropäische Wurzel *sh₂eu- ‘schütten, regnen‘ zu nennen (LIV 545). Diese Etymologie scheint für die alten europäischen Hydronyme und deren Erben sowohl von der Seite der Motivation, wie auch der etymologischen Verwandtschaft durchaus glaubwürdig. Auch Harald Bichlmeier hat sich mit der Etymologie dieses Flussnamens aus der Sicht der modernen Indoeuropäistik auseinandergesetzt und nennt als die glaubwürdigste von fünf von ihm aufgelisteten indoeuropäischen Wurzeln (*seu-, *seuh₁-, *seuh₃-, *sh₂eu- und *seuH-) die Wurzel *sh₂eu- ‘schütten, regnen‘ (Bichlmeier 2012: 20–21). Krahe (1964: 50) erwähnt bei der Analyse der alten Hydronyme mit Sav- auch die lettische Savīte und Vanagas (1981: 293) vergleicht im Lemma Savìstas dieses litauische Toponym mit den lettischen Flussnamen Sava und Savīte. Die Antwort auf die Frage, ob auch die Hydronyme auf Sav- und Sāv- im Schlossbezirk Bērzaune wirklich zu diesem etymologischen Nest gehören, ist jedoch noch nicht gegeben. Der mögliche Zusammenhang dieser Namen mit den alten europäischen Hydronymen ist nicht selbstverständlich. Savīte und Sāvīte sind ziemlich kleine Flüsse (Savīte 25 km, Sāvīte etwa 8 km lang) und schon deswegen ist es möglich (obwohl nicht vollkommen klar), dass ihre Namen nicht so alt sind und zu einer jüngeren Schicht der Hydronyme gehören. Man darf auch nicht vergessen, dass in dieser Region, im Schlossbezirk Bērzaune die Gegenwärtigkeit eines ostseefinnischen Substrats durchaus möglich ist. Marta Rudzīte hat schon vor mehr als 50 Jahren festgestellt, dass einige der lettischen Flussnamen mit Sav- ostseefinnischen Ursprungs sein könnten, und verglich sie mit dem finnischen Seenamen Savijä̈rvi (Rudzīte 1968: 191).
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ABB. 4. Savve ups, Saven Lacus und Safwenhoff auf der Schlossgebietskarte Bērzaune (nach Dunsdorfs 1974)
Der toponymische Kontext für Hydronyme mit Sav- und Sāv- ist in Lettland nicht sehr aussagekräftig. Es gibt in Lettland weniger als zehn Hydronyme mit Sav- und um zwanzig andere Toponyme (Siedlungs- und Flurnamen) mit Sav- und Sāv- (LaVI). Sie bilden kein einheitliches Areal, einige Gesetzmäßigkeiten sind jedoch festzustellen. Sāvaiņi – der Name mehrerer Bauernhöfe – ist ziemlich konzentriert im südlichen Zemgale, unweit der litauischen Grenze belegt, und könnte mit den Spuren semgallischen Substrats in Verbindung gebracht werden, eine genauere Deutung muss jedoch noch gesucht werden. Einige Toponyme in Ostlettland (z. B. die Seenamen Savinu ezers, Saves ezers) sind eventuell aus slawischen Anthroponymen, nämlich dem Vornamen Sava und dem entsprechenden patronymischen Familiennamen Savin, gebildet worden, womöglich durch Vermittlung der Siedlungsnamen – der Dörfer oder der ehemaligen Gutshöfe, vgl. z. B. Savina – ein Dorf in der Gemeinde Rundēni. Im Bezug auf die Hydronyme des Schlossgebietes Bērzaune ist das ehemalige Flüsschen Saviena in Zeltiņi, einer Gemeinde im nördlichen Lettland, wo noch vor weniger als hundert Jahren leiwisch – eine südestnische Mundart (Vaba 1997: 39–40) – gesprochen wurde, besonders interessant. Es wäre in den Toponymen dieser Gegend ostseefinnisches (estnisches) Adstrat zu erwarten. Ein aus der eventuellen Perspektive ostseefinnischer Einflüsse zu erwähnendes Hydronym ist auch der Fluss Savinu upe in der Gemeinde Jaunroze an der estnischen Grenze (wenn die Herkunft des Namen nicht von dem vorher erwähnten slawischen Familiennamen abzuleiten ist). Vier Hydronyme mit Sav-, obwohl
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kein einheitliches Areal bildend, sind in Lettland also in den Regionen belegt, wo schon früher ein ostseefinnisches Substrat oder Adstrat festgestellt oder als sehr wahrscheinlich vermutet wurde. Es ist nicht schwer, für die genannten lettischen Hydronyme ein mögliches Etymon in den ostseefinnischen Sprachen zu finden. Das könnte das Appellativ mit der Bedeutung ‘Lehm, Ton‘ sein, z. B. estnisch sau, savi, finnisch savi. Wörter mit solcher Bedeutung sind viele Male und in vielen Sprachen bei der Bildung von Hydronymen verwendet worden. Das zeigt der schon genannte finnische Seenamen Savijärvi, wie auch andere estnische und finnische Toponyme mit der Wurzel Sav-, darunter auch der Name des kulturhistorischen Regions Finnlands Savo (Paikkala 2007: 406–407), aber auch lettisch Mālupe und litauisch Mólupis wie auch andere Toponyme mit dieser Wurzel (s. Endzelīns 1961: 390–393, Vanagas 1981: 219 s.v. Mólė u. a.). Die ostseefinnische Herkunft des Hydronyms Savīte könnte als ziemlich glaubwürdig gelten, obwohl bei allen Argumenten pro und contra zu bemerken ist, dass die Struktur des Toponyms eine gewisse Unsicherheit verursachen könnte. In den Hydronymen der ostseefinnischen Sprachen wird savi normalerweise als Erstglied des Kompositums realisiert, Savīte ist aber wahrscheinlich eine verhältnismäßig neue suffixale Derivation mit dem lettischen Diminutivsuffix –īt– (und ist deshalb auch kaum auf *Savintia [Krahe 1964: 50] zurückzuführen). Eventuell ist die zweite Komponente des älteren ostseefinnischen *Savijoki oder (des estnischen?) *Savijoe mit der Zeit reduziert worden, wie das im Beispiel mit dem oben erwähnten finnischen Ortsnamen Savo oder dem finnischen Dorfnamen Savio zu sehen ist (Paikkala 2007: 406–407), und an deren Stelle ist das lettische Suffix getreten? Das ist keine sofort einleuchtende Deutung, die ostseefinnische Herkunftshypothese scheint in diesem Falle jedoch glaubwürdiger als diejenige der alteuropäischen Hydronymie. Der etymologische Zusammenhang mit dem kroatischen und slovenischen Flussnamen Sava scheint nicht realistisch zu sein, kann aber auch nicht kategorisch abgelehnt werden.
Zu einer anderer etymologischer Sippe gehören offensichtlich die Hydronyme auf Sāv-, darunter auch die Namen im Schlossbezirk Bērzaune – der Flussname Sāvīte und der Seenname Sāvienas ezers. Diese Namen sind am ehesten baltischer Herkunft und ihr Etymon könnte das lettische dialektale Substantiv sāva, bzw. sâva ‘eine längliche Narbe (auch in der Baumrinde)‘ oder das Adjektiv sāvains, bzw. sâvains ‘narbig‘ sein (ME III 809). Diese Regionalismen sind, wie schon im zitierten Wörterbuch erwähnt, mit dem litauischen Wort šòva ‘Höhle, Höhlung‘ verwandt, im Lettischen ist ihr Verbreitungsareal ziemlich klein, sie sind nur in wenigen Mundarten belegt. Zu diesen gehört aber auch die Mundart von Bērzaune, so scheint die etymologische Verbindung der Hydronyme dieses Schlossgebietes mit dem Regionalismus sāva durchaus plausibel, insbesondere,
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da sie aus der Sicht der etymologischen Semantik oder der Motivation in die Reihe der semantischen Universalien der Hydronyme passt.
Es könnte sein, dass die Flussnamen Sāuite und Plising Rīous ein Hydronymenpaar mit ähnlicher semantischer Motivation sind, die Ähnlichkeit der Namen Sāuite und Savite aber nur ein Zufall ist, deren einzige Gemeinsamkeit der Suffix, bzw. der Auslaut bildet.
Q U E L L E
Landkarte des Schlossgebietes Bērzaune. Historisches Staatsarchiv Lettlands, Fonds Nr. 7404, Beschreibung 3, Akte 2.
L I T E R A T U R
B e z l a j F r a n c e 1961: Slovenska vodna imena 2. del (M–Ž). Ljubljana: Slovenska Akademija Znanosti i Umetnosti.
BHO II – Baltisches historisches Ortslexikon 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Hrsg. Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen. Köln, Wien: Böhlau Verlag, 1990. (=Quellen und Studien zur baltischen Geschichte. Band 8/II)
B i c h l m e i e r H a r a l d 2012: Einige ausgewählte Probleme der alteuropäischen Hydronymie aus Sicht der modernen Indogermanistik – Ein Plädoyer für eine neue Sicht auf die Dinge. – Acta Linguistica Lithuanica 66, 11–47.
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Straipsniai / Articles
113
OJĀRS BUŠS, RENĀTE SILIŅA-PIŅĶE
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Rudzīte Marta 1968: Somugriskie hidronīmi Latvijas PSR teritorijā. – Latviešu leksikas attīstība. Rīga: Zinātne, 175–197.
Sehwers Johann 1936: Sprachlich-kulturhistorische Untersuchungen vornehmlich über den deutschen Einfluß im Lettischen. Leipzig: Otto Harrassowitz. (= Veröffentlichungen des Slavischen Instituts an der Universität Leipzig, Nr. 13).
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Švābe Arveds 1933: Die älteste schwedische Landrevision Livlands. – Latvijas Universitātes raksti. Tautsaimniecības un tiesību zinātņu fakultātes sērija. 2. sējums, Nr. 3. Rīga, 338–596.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXIII
Die Landkarte des Schlossgebietes Bērzaune vom 17. Jahrhundert und die baltische Hydronymie
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Vidzемes kartes 1996 – Vidzemes kartes. 17. gadsimts. Izstādes katalogs. Hrsg.: Latvijas Valsts vēstures arhīvs. Rīga: 1996 Zugänglich unter: http://www.arhivi.lv/sitedata/LVVA/dokumenti/Publikacijas/Vidzemes%20Kartes.pdf
Топоров Владимир, Трубачев Олег 1962: Лингвистический анализ гидронимов Верхнего Поднепровья. Москва: Издательство Академии наук СССР.
XVII a. Bērzaunes pilies apylinkės žemėlapis ir baltų hidronimija
SANTRAUKA
Pirmasis senųjų Latvijos vietovardžių intensyvesnio fiksavimo laikotarpis susijęs su ekonomine veikla Švedijoje XVII a., kai šiai šaliai priklausė šiaurinė Latvijos dalis. Šios veiklos rezultatai yra žemės revizijos medžiaga, kurioje užrašyta daugybė Latvijos oikonimų, bei vadinamajai dvarų redukcijai reikalingi topografiniai žemėlapiai, kuriuose užfiksuota nemažai hidronimų ir mikrotoponimų.
Bērzaunes pilies apylinkės žemėlapyje (apie 1680–1685) užfiksuota daugiau nei 70 hidronimų (daugiau nei pusė – ežerų pavadinimai), iš kurių maždaug 15 nebuvo žinomi iš kitų šaltinių ir šiandien nėra naudojami.
Etimologinė žemėlapyje užfiksuotų hidronimų analizė rodo, kad kai kurie iš jų yra finougrų kilmės, pavyzdžiui, upių pavadinimai Kūja, Mudsa Rivus, tačiau dauguma kildinami iš baltų (latvių) kalbų, pavyzdžiui, upių pavadinimai Ackman ups (=* Akmenupe), plg.: la. akmens ‘akmuo’, upe ‘upė’, Roabesche ups (=*Robežuпе), plg.: la. robeža ‘riba’. Upės pavadinimą Anting aus tikriausiai reikėtų skaityti kaip Antina auss ‘Antono ausis’.
Kai kurių kitų pavadinimų kilmę gali paaiškinti tik išsami etimologinė analizė. Ežero pavadinimas Plaxen Siö (dabar – Plaksis arba Plaksnis) tikriausiai yra onomatopėjinės kilmės, plg.: la. plakšēt, plakšķēt ‘sukelti šiek tiek triukšmo’, pavyzdžiui, ‘pliaukštelėti per vandens paviršių’. Upės pavadinimą Plising Rivus būtų galima kildinti iš latviško kamieno plīs-/plēs- ‘laužti, plėšti’; giminingų hidronimų, kildinamų iš bendro indoeuropietiško etimono *pleh₁k- ‘atplėšti’, galima rasti Lietuvoje, senojoje Prūsijoje, Baltarusijoje.
Nors iš kamieno Sav- (Savins ups, Sawitz Lacus, dabar – Savīte, Savītes ezers) kildinami hidronimai galėtų būti lyginami su indoeuropietiškos kilmės hidronimais, kildinamais iš *s₂h₂eu- ‘pilti, lyti’, tikriausiai jie yra finougrų kilmės vardai, plg.: estų sau, savi ‘molis’, suomių savi ‘molis’, suomių vietovardžiai Savo, Savio, suomių ežero pavadinimas Savijärvi.
Straipsniai / Articles
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OJĀRS BUŠŠ, RENĀTE SILIŅA-PIŅĶE
Iš pirmo žvilgsnio panašūs pavadinimai su –ā- (dabar – Sāvīte, Sāvienas ezers) tikriausiai turėtų būti kildinami iš kito etimono – latvių kalbos tarmės žodžio sāva ‘randas’.
Įteikta 2015 m. kovo 31 d.
OJĀRS BUŠŠ
LU Latviešu valodas institūts
Akadēmijas laukums 1, LV-1050 Rīga, Latvija
oj [email protected]
RENĀTE SILIŅA-PIŅĶE
LU Latviešu valodas institūts
Akadēmijas laukums 1, LV-1050 Rīga, Latvija
[email protected]
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Acta Linguistica Lithuanica LXXIII