On the Derivational Potential of Christian Personal Names in Medieval Business Writing
Full text
IRINA MIKHAILOVNA GANZHINA
Lehrstuhl für Russische Sprache, Staatliche Universität Twer
ORCID-ID: orcid.org/0000-0002-5081-9693
Forschungsgebiete: historische Onomastik, Anthroponymie.
DOI: doi.org/10.35321/all85-08
ÜBER DAS DERIVATIONSPOTENZIAL CHRISTLICHER PERSONENNAMEN IN DER MITTELALTERLICHEN GESCHÄFTSSCHRIFTLICHKEIT
Über das derivative Potenzial christlicher Personennamen in der mittelalterlichen geschäftlichen Schriftlichkeit
ANNOTATION
Der Artikel untersucht die Derivation des territorialen Systems der Formen christlicher Personennamen, die in den Geschäftsunterlagen von Twer aus dem 16.th–17.th Jahrhundert belegt sind. Die Autorin konzentriert sich auf die wortbildenden Mechanismen, die zur Entstehung zahlreicher alltagssprachlicher Namensformen beitrugen. Gerade diese strukturellen Transformationen bilden zusammen mit den phonetischen Veränderungen in jedem konkreten Gebiet ein einzigartiges anthroponymisches „Muster“.
SCHLÜSSELWÖRTER: historische regionale Anthroponymie, christlicher Personenname, vollständige Namensform, Qualitativ, Formant, nominales Nest, Affix, Invariante.
ANOTACIJA
Im Artikel wird die Entstehung eines territorialen Systems von Formen christlicher Personennamen untersucht, die in den Geschäftsunterlagen von Twer aus dem 16.–17. Jahrhundert belegt ist. Die Autorin widmet den Wortbildungsmechanismen besondere Aufmerksamkeit, die zur Entstehung zahlreicher alltagssprachlicher Namensformen beitrugen. Gerade diese strukturellen Transformationen bilden zusammen mit den phonetischen Veränderungen das einzigartige anthroponymische „Muster“ eines jeden konkreten Gebiets.
WESENTLICHE BEGRIFFE: historische regionale Anthroponymie, christlicher Personenname, vollständige Namensform, Qualitativ, Formant, nominales Nest, Affix, (In)variante.
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EINLEITUNG
Das 16.–17. Jahrhundert ist eine wichtige Periode in der Geschichte des russischen anthroponymischen Systems, in der sich die Normen der russischen Nationalsprache und mit ihnen auch die anthroponymischen Normen herausbildeten. Die Grundlage der Nationalsprache bildete „die Umgangssprache der Moskauer Rus in ihrer komplexen Vielfalt […] – wesentlicher und bestimmender als die Traditionen der kirchenslawischen Schriftsprache.“ (Ларин 1944: 17). Sprachhistoriker weisen zugleich darauf hin, dass ein wichtiges charakteristisches Merkmal der Herausbildung der Nationalsprache die organische Annäherung der zuvor einander entgegengesetzten und voneinander abgesonderten Systeme der Schrift- und Umgangssprache sowie deren Kontamination ist (Ларин 1961: 25). Einen ähnlichen Prozess der Wechselwirkung zwischen schriftsprachlichen Traditionen und Umgangssprache, bei dem Letztere überwiegt, beobachten wir auch im anthroponymischen System der untersuchten Periode.
Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sind christliche Personennamen und die zahlreichen in der Umgangssprache entstandenen Formen dieser Namen, die im vornationalen Zeitraum im Gebiet der Twerer Ländereien verwendet wurden.
Ziel der Untersuchung ist die Beschreibung der derivationalen Möglichkeiten fremdsprachiger christlicher Personennamen im Gebiet von Twer während der Herausbildung der russischen Nationalsprache sowie ihrer morphologischen und wortbildenden Umstrukturierung, die in der Volkssprache sowohl bei vollständigen als auch bei qualitativen Formen erfolgte.
Quellen der Untersuchung sind regionale Schriftdenkmäler der vornationalen Periode, genauer gesagt geschäftliche Texte des 16.–17. Jahrhunderts (АФЗХ, ДК, КБП, НВЖМ, НМБМ, ПК, ПСЭИ, ТА, ТД, ТДП, ТПК, ЦБИ), in denen eine große Zahl verschiedener Varianten und Formen christlicher Personennamen festgehalten ist und die die lebendige Umgangssprache jener Zeit widerspiegeln, in der sich die grundlegenden anthroponymischen Normen herausbildeten – sowohl die offiziellen als auch die umgangssprachlich-alltäglichen.
UNTERSUCHUNGSMETHODEN
Im Verlauf der Arbeit wurden die für onomastische Untersuchungen traditionellen Methoden angewandt: die deskriptive Methode (einschließlich der Materialsammlung, der Abfolge der Beschreibung, ihrer Systematisierung und Charakterisierung) sowie Verfahren der Formantmethode (die Herausarbeitung des Formanten eines Anthroponyms und die Feststellung einer onomastischen Reihe auf der Grundlage der Identität der Formanten in Personennamen). Im Bereich der Morphoderivation wurde die Methodik
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der morphémischen und wortbildenden Analysen sowie der Bildung von Wortbildungsnestern eingesetzt.
ÜBER DAS DERIVATIONSPOTENZIAL CHRISTLICHER PERSONENNAMEN IN DER MITTELALTERLICHEN GESCHÄFTSSCHRIFTLICHKEIT
Im untersuchten Zeitraum wurden nichtchristliche Onyme an die Peripherie verdrängt, während die deutlich überwiegenden christlichen Personennamen (ХЛИ) sich bereits sowohl phonetisch als auch wortbildend und teilweise sogar semantisch gut an die russische Sprache angepasst hatten.
Die Materialien der Twerer Geschäftsschriftlichkeit dieser Zeit erlauben es, vom außergewöhnlichen Reichtum der wortbildenden Möglichkeiten der ХЛИ zu sprechen, die ein gut ausgeprägtes System darstellen, das eine große Zahl sowohl qualitativ unterschiedlicher als auch verschiedener umgangssprachlicher Formen vollständiger Namen umfasst. Betrachten wir, wodurch dieser Reichtum geschaffen wird.
Bereits die Vielfalt der Affixe ist beeindruckend (man beachte, dass mehr als 90% der christlichen Namensderivate durch Suffigierung gebildet werden); zu ihnen gehören nahezu alle Konsonanten. Zum Beispiel:
Максем-ов-ко < Максим,
Самь-сылГ-а < Самсон,
Гри-ГД-я < Григорий,
Пен-юЙ < Пентелей < Пантелеймон,
Петр-ок < Петр,
Юр-Л-о < Юрий,
Савость-М-а < Савостьян < Севастиан,
Вах-оН-я < Вахромей < Варфоломей,
Степ-ур-а < Степан,
Леван-иС < Леонид / Леонтий,
Ин-юТ-а < Иннокентий,
Март-юХ-а < Мартин / Мартьян < Мартиниан,
Мат-щЦ-а < Матвей,
Фед-Ч-а < Фёдор,
Ефи-Ш < Ефим < Евфимий,
Кузьм-иЩ-е < Кузьма < Косма usw.
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Dabei entstanden zur Erleichterung der Aussprache an der Morphemgrenze nicht selten eigentümliche Interfixe, als die alle Vokalphoneme der russischen Sprache auftreten konnten; somit funktionierten viele Suffixe in ihren Varianten: -ай-/-ей-/-уй, -ак-/-ик-/-ок-/-ук-/-ык-; -ел-/-ил-/-ол-/-ул-/-ыл-; -ан-/-ин-/-он-/-ун-; -ит-/-ут-/-ят-; -ец-/-иц-; -ач-/-ич; -аш-/-ош-/-уш-/-ыш- u. a. Vgl.:
МосЯПа < Мосей < Моисей, СамсЫПа < Самсон, МартЮТа < Мартын; ФедЯИ < Федор, МалЕЙ < Малафей (Малах) < Малахия, ПенЮЙ < Пентелей < Пантелеймон;
АксАК < Аксен(тей) < Авксентий, КостОК < Костентин < Константин, МитЮК < Митрей < Димитрий) / Митрофан usw.
Unsere Materialien zeigen jedoch, dass nicht alle Suffixe im 16.–17. Jahrhundert gleichermaßen gebräuchlich waren. So sind die Suffixe -Б und -П in den Dokumenten nicht belegt; die Suffixe -В-, -Г-, -Д-, -М-, -Р-, -С sind selten, während die Suffixe -Й-, -Х-, -Ш- mit ihren Invarianten hinreichend häufig und die К-Suffixe außerordentlich häufig und in vielerlei Hinsicht universell sind. Vom Produktivitätsgrad dieser Morpheme hingen unmittelbar ihre Kombinationsmöglichkeiten ab: In einem Qualitativ wurden zwei, mitunter auch drei Suffixe verbunden, die einen einheitlichen komplexen Formanten bildeten. Vgl. komplexe Varianten auf der Grundlage der -Ш-Suffixe:
-Ш-К(а, -о) (Горашка < Горасим < Герасим; Ефишка, Ефишко, Офишко < Евфимий; Игнашка, Игнашко < Игнатий, Поташко < Потап < Потапий);
-АШ-К-/-ЯШ-К(а,-о) (Дмитрашка < Димитрий, Коняшко < Конон; Лукашка < Лука / Лукиан; Петрашка < Петр);
-УШ-К-/-ЮШ-К(а,-о) (Евтюшка < Евтихий, Калушка < Каллиник, Макушка < Максим / Макарий, Митюшка < Митрей < Димитрий);
-Ш-АК (Даниак < Даниил, Кошак < Конон / Константин / Кондратий / Корнилий, Маншак < Мануил, Мишак < Михаил / Митрей < Димитрий / Митрофан / Мина / Мирон / Михей, Першаак < Перфилей < Порфирий);
-Ш-ИК (Анжик – wahrscheinlich *Аншик: In den Texten ist der Wechsel von stimmlos / stimmhaft nicht selten < Андрей / Андроник / Антипа / Антоний);
-Ш-УК (Ишук / Ешук < Иван / Илия, Лашук < Лахтион < Галактион / Лавр / Лаврентий / Лазарь, Лешук < Леонид / Алексей < Алексий);
-Ш-УК(а) (Maschuka < Manuil / Maksim / Makarius / Matwei);
-Ш-АН(я) (Maschanja < Manuil / Maksim / Makarius / Matwei);
-Ш-ЕН(я) (Teschanja < Tichon);
-Ш-ЕН(ь) (Тишень < Тихон, Пашень < Павел / Пахомий / Потапий, Фешень < Федор, Мишень < Михаил / Митрей < Димитрий / Митрофан / Мина / Мирон / Михей, Юшень < Юрий);
-Ш-ИН(я) (Gaschnja < Gabriel);
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-Ш-УН(я) (Гошуня < Гавриил); -Ш-УЙ (Кашуй < Конон / Каллиник / Константин); -Ш-АЙ (Кашай < Конон / Каллиник / Константин); -Ш-АР(а) (Кишара < Кирилл / Киприан / Кит < Тит); -Ш-УР (Вошур < Вохрамей < Варфоломей / Василий / Варлаам); -Ш-ИЦ(а) (Лещица < Лексей < Алексий); -Ш-УТ(а) (Вашута < Вохрамей < Варфоломей / Василий / Варлаам, Гашута < Гавриил, Гришутa < Григорий, Мишюта < Иван / Илия, Паршюта < Парамoн / Порфирий); -Ш-УТ / ЮТ-К(а) (Машютка < Мануил / Максим / Макарий / Матвей, Мишутка < Михаил / Митрей < Дмитрий / Митрофан / Мина / Мирон / Михей); -Ш-ЕН-К(а) (Мишенька < Михаил / Митрей < Дмитрий / Митрофан / Мина / Мирон / Михей); -Ш-УР-К(а) (Вашурка < Варфоломей / Василий / Варлаам).
Dabei zeigt die Analyse, dass die Produktivität einzelner Formanten häufig zunahm, wenn ihnen das häufigste Suffix -К- hinzugefügt wurde, das stets den größten Teil der Kombinationen abschloss – vgl. außerdem:
-УН-К(а) (Карпунка, Петрунка); -ИС-К(о) (Иваниско); -УЙ-К(а) (Петрушка); -ОВ-К(о) (Максемовко) u. a.
Offenbar erlangten einige dieser Sequenzen im Laufe der Zeit die Fähigkeit, als einheitliches wortbildendes Element zu funktionieren; den Materialien der mittelrussischen Geschäftsschrift zufolge war dieser Prozess jedoch langwierig und wurde durch Erscheinungen der Umgliederung, das gegenseitige Eindringen kontaktierender Morpheme, den Verlust von Zwischenstufen der Wortbildungskette, Analogien und formal-assoziative Beziehungen erschwert, was nicht selten zur Homonymie im Bereich der nominalen Formenbildung führte. In den untersuchten Dokumenten offiziellen Charakters war im Unterschied zur modernen Umgangssprache die Zahl der Formen mit komplexen Formanten im Vergleich zu den einfachen gering, da die doppelte, erst recht die dreifache Suffigierung nach den Beobachtungen der Forscher «im Wesentlichen eine Steigerung der expressiven Färbung widerspiegelt» (Сальмон 2002: 53).
Außerdem konnte die Form desselben Namens (sowohl des vollständigen als auch des qualitativen) durch verschiedene Endungen gestaltet werden:
Елифepий, Олфepий, Олфpeй (Алфpeй), Олфep < Елефepий; Захарья, Захарей, (Зoxapей), Захар < Захария; Игнатий, Игнатей, Игнат < Игнатий;
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Еремей, Ерема ≤ Иеремия; Ларя, Ларь ≤ Ларион; Акиш (Окиш), Акиша ≤ Иакинф; Иванок (Ванок), Иванко (Иванько), Иванка (Ванка) ≤ Иван; Июда (Юда), Июд ≤ Иуда; Калина, Коленик (Колянник) ≤ Калинник; Карп, Карпа ≤ Карп; Кирей, Кур (Чюр), Чюран, Чюрик, Чюрак, Чюрка ≤ Кир / Кириан / Кирилл; Кирилл (Кирилл), Кирила, Кирило (Чурило, Чюрило) usw.
Interessant ist, dass beim Eingang fremdsprachiger Personennamen in das onomastische System der russischen Sprache deren wiederkehrende Endteile (−ий, −ей, −ан, −а, −им, −он, −ия u. a.) als eigentümliche Affixe wahrgenommen wurden, wodurch es nicht selten zu einer Restrukturierung der vollständigen Formen der ХЛИ durch Kürzung, Erweiterung oder Änderung der Endungen kam (ausführlich dazu siehe: Ганжина 2013, 2015).
Wie bereits aus den vorangegangenen Beispielen ersichtlich ist, wurde die Vielfalt der Namensformen auch dadurch bestimmt, dass sich die Suffixe in der ganzen Vielfalt ihrer Varianten an unterschiedliche phonetische Varianten umgangssprachlicher, volkstümlicher und dialektaler Formen von Taufnamen anschließen konnten – vgl. die Namensnester: Иоаким ≥ Аким, Оким, Еким, Яким, Акиш, Окиш, Акиша, Екимко, Якимец, Якимка, Якимко; Иосиф ≥ Иосиф, ОсИф, Осип, Есип, Осипка, Осипко, Оська, Оска, Есипко, Еська, Еска, Есюк; Емелиан ≥ Емельян, Омельян, Амельян, Мельян, Омельянко, Омельянка, Омелька, Омелка, Омеля, Оменя, Амелка, Мелюша; Евсевий ≥ Евсевей, Евсивей, Овсевей, Евсей, Овсей, Осей, Евсевейко, Евсейошка, Евсеик, Овсейко, Овсяник usw.
Die produzierenden Stämme der Qualitative konnten sowohl vollständig als auch unterschiedlich stark gekürzt sein, was das anthroponymische Bild noch vielfältiger machte. Zum Beispiel: Иван ≥ ИВАН-ец, ИВАН-ок, ИВАН-ко, ИВАН-ка, ИВАНЬ-ко, ИВАН-ус, ИВАН-иско, ИВАН-ик, ЕВАН-ча, ЯН-ка – ИВА-ши, ИВА-шко, ИВА-шка – И-шутa – ВАН-ка, ВАН-ок – ВА-жно, ВА-хоня; Конон ≥ КОНОН-ка, КОНОН-ко, КОНАН-ец – КОН-эй, КОН-яшка, КОН-яшко, КОН-ашко, КОН-ша – КО-ка, КО-шко, КО-шутa, КА-шутa; Димитрий ≥ ДМИТР-ок-ъ – МИТР-ох-а – МИТ-к-а – МИ-н-я; Юрий ≥ ЮР-к-а – Ю-ш-к-а; Алексей ≥ ОЛЕ-х-ъ, ОЛЕ-ши-а – ОЛ-ух-ъ – ЛЕ-ши-к-а, ЛЕ-ши-щу-а usw. So entstand die außerordentliche Buntheit und Vielfalt der Formen christlicher Personennamen im Altrussischen durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren und hing ab
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von der Art der Bildung der Onyme mit ihrer Flexionsvariation; davon, ob das Suffix an einen vollständigen oder gekürzten Namen angefügt wird; vom unterschiedlichen Grad der Kürzung des Stammes ein und desselben abgeleiteten Namens; von der Weichheit oder Härte desselben gekürzten Namensteils (vgl.: Васка – Васька, Сенька – Сенька, Митка – Митька usw.); davon, welche Variante des Personennamens der abgeleiteten Form zugrunde lag: eine kirchensprachlich angenäherte oder eine volkssprachliche Variante in ihren verschiedenen phonetischen Modifikationen (Герасимка – Горасимко; Никитка – Микитка; Матфейец – Матвейко; Титко – Китай; Лутьянко – Лукьянко; Осипко – Еска u. a.).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Das untersuchte Material zeigt überzeugend, dass die Palette der in der Vergangenheit verwendeten Namen wesentlich farbenprächtiger, vielfältiger und reicher war als im modernen Russischen und dass ХЛИ einen breiten Variationsbereich aufwiesen – sowohl in vollständigen als auch in qualitativen Formen. Zusammen bilden sie ein völlig einzigartiges anthroponymisches Muster, ihre lokal begrenzten Namensnester. Daher wird die Erforschung der regionalen anthroponymischen Wortbildung (unter Berücksichtigung der lokalen morphonologischen Erscheinungen, die die wortbildenden Prozesse begleiteten) dazu beitragen, der Lösung vieler bislang ungelöster Probleme näherzukommen – etwa der Geografie der Personennamen und ihrer Formen; der Frage ihrer sozialen Differenzierung; ihrer örtlichen, lokalen phonetischen und morphologischen Färbung; der diachronen lokalen morphonologischen Erscheinungen, die die wortbildenden Prozesse begleiteten; der Frage, aus welcher Form des christlichen Namens einzelne qualitative Formen gebildet wurden; der Rekonstruktion des Ausgangsnamens in der Gruppe der sogenannten assoziativen Namen u. a. Und natürlich dürfen wir bei der Untersuchung der Anthroponyme unter diachronem Aspekt die Lösung etymologischer Rätsel erwarten, da außer Gebrauch geratene Varianten und Formen der Namen sowie davon abgeleitete Formen in einer Vielzahl moderner russischer Familiennamen und in Tausenden von Oikonymen belegt sind.
BIBLIOGRAFIE UND LITERATURVERWEISE
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ТПК – Торопецкая писцовая книга 1540 года. – Археографический ежегодник за 1963 год, Moskau, 1964.
ЦБИ – К материалам для церковной и бытовой истории Тверского края в XV–XVI вв. 2, herausgegeben von М. Рубцов, Stariza: Druckerei И. Н. Крылова, 1905.
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ZUSAMMENFASSUNG
Auf der Grundlage der Umgangssprache wurden im 16.–17. Jahrhundert die Normen der russischen Nationalsprache und zugleich die anthroponymischen Normen aktiv herausgebildet. Bis dahin waren christliche Personennamen aus fremden Sprachen weit verbreitet, die auf phonetischer, wortbildender und teilweise sogar semantischer Ebene an die russische Sprache angepasst wurden. Das Material der Twerer Geschäftsschrift dieser Periode bezeugt die umfassendsten wortbildenden Möglichkeiten christlicher Personennamen in der Umgangssprache. Der Artikel analysiert die Ursachen, die eine derart außergewöhnliche Vielfalt sowohl vollständiger als auch qualitativer Namensformen bedingten:
1) eine große Vielfalt an Suffixen, einschließlich nahezu aller Konsonanten der russischen Sprache; 2) die Entstehung eigentümlicher Interfixe, bei denen verschiedene Vokale auftreten, in zahlreichen Formanten – somit verfügte die Mehrzahl der Suffixe über eigene Varianten; 3) die Fähigkeit der Suffixe, sich miteinander zu verbinden, und die Bildung komplexer Formanten; 4) die Möglichkeit, Suffixe an verschiedene volkssprachliche phonetische Varianten anzufügen – sowohl an den vollständigen als auch an den gekürzten Stamm des ursprünglichen Namens; 5) selbst derselbe Namensstamm (Basis) konnte einen unterschiedlichen letzten Teil aufweisen und entsprechend verschiedenen Flexionsklassen angehören.
Das gesamte System christlicher Personennamen war in der vornationalen Periode wesentlich ausgeprägter, vielfältiger und reichhaltiger als im modernen Russischen. Die Untersuchung der regionalen Anthroponymbildung wird dazu beitragen, der Lösung zahlreicher bislang ungelöster anthroponymischer Probleme näherzukommen.
Eingegangen am 31. September 2021.
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Lehrstuhl für Russische Sprache, Staatliche Universität Twer, Tschaikowski-Straße 70, Twer, 170002, Russland [email protected]
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