Prieraišus, prieraišumas valentingumas dabartinėje lietuvių (rašto) kalboje
Abstract
Šio straipsnio objektas – būdvardis prieraišus ir jo daiktavardinis vedinys (prieraišumas). Tikslas – remiantis Dabartinės lietuvių kalbos tekstyno (DLKT) medžiaga, išsiaiškinti šių predikatų junglumą valentingumo aspektu. Tyrimas parodė, kad sakinyje netiesioginio prieraišus, prieraišumas objekto raiškai įtakos daro predikatų iš minimalaus leksinio semantinio lauko semantika ir gramatika. Paaiškėjo, kad nepaisoma normos ir linkstama netiesioginį prieraišumas objektą žymėti naudininku, ypač su negyvą daiktą reiškiančiais žodžiais.
Full text
LORETA VALČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID-ID: orcid.org/0000-0003-2196-8937
Forschungsrichtungen: Morphosyntax, Valenz, Semantik, Typologie.
DOI: doi.org/10.35321/all88-09
PRIERAIŠŪS, PRIERAIŠUMAS VALENTINGUMAS DABARTINĖJE LIETUVIŲ (RAŠTO) KALBOJE
Valenz des Adjektivs prieraišus und des Substantivs prieraišumas im zeitgenössischen litauischen (geschriebenen) Sprachgebrauch
ZUSAMMENFASSUNG
Gegenstand dieses Beitrags sind das Adjektiv prieraišus und seine substantivische Ableitung (prieraišumas). Ziel ist es, anhand des Materials des Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache (DLKT) die Kombinierbarkeit dieser Prädikate unter dem Aspekt der Valenz zu klären. Die Untersuchung zeigte, dass die semantischen und grammatischen Eigenschaften der Prädikate aus dem minimalen lexikalisch-semantischen Feld die Ausdrucksweise des indirekten Objekts von prieraišus und prieraišumas im Satz beeinflussen. Es stellte sich heraus, dass die Norm missachtet wird und die Tendenz besteht, das indirekte Objekt von prieraišumas im Dativ zu markieren, insbesondere bei Wörtern, die ein unbelebtes Ding bezeichnen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Valenz, Adjektiv prieraišus, adjektivisches Substantiv, lexikalisch-semantisches Feld.
ANNOTATION
Gegenstand des Beitrags sind das Adjektiv prieraišus und seine substantivische Ableitung (prieraišumas). Ziel ist es, anhand des Materials aus dem Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache die Kombinierbarkeit dieser Prädikate aus der Perspektive der Valenz zu ermitteln. Die Untersuchung zeigte, dass die Ausdrucksweise des indirekten Objekts von prieraišus und prieraišumas durch die Semantik und Grammatik der Prädikate aus dem minimalen lexikalisch-semantischen Feld beeinflusst wird. Es zeigte sich, dass die Norm missachtet wird und die Tendenz besteht, das indirekte Objekt von
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priera išumas im Dativ auszudrücken, insbesondere wenn es mit Wörtern verwendet wird, die ein unbelebtes Ding bezeichnen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Valenz, Adjektiv priera išus, adjektivisches Substantiv, lexikalisch-semantisches Feld.
1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN
Ziel dieses Beitrags ist es, auf der Grundlage des Konzepts des verbzentrierten Satzmodells und der Prinzipien der Valenztheorie die Valenz des Adjektivs prieraišus und seiner substantivischen Ableitung prieraišumas zu untersuchen und festzustellen, wodurch sie beeinflusst wird. Zur Erreichung dieses Ziels werden folgende Aufgaben gestellt: Anhand von Beispielen aus dem Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache (DLKT) soll kurz die Valenz der Wörter, die in das minimale lexikalisch-semantische Feld des Adjektivs prieraišus und seiner substantivischen Ableitung eingehen, unter semantischem, syntaktischem und lexikalischem Aspekt behandelt werden (siehe Teile 2–5); die Valenz von prieraišus, prieraišumas soll untersucht und erörtert werden, welchen Einfluss die Valenzen der Prädikate aus dem lexikalisch-semantischen Feld darauf ausüben (siehe Teil 6); schließlich soll alles zusammengefasst werden (siehe Teil 7). Unter diesem Aspekt ist die Valenz von prieraišus, prieraišumas meines Wissens bislang nicht untersucht worden.
Als Untersuchungsmethoden werden Interpretation, deskriptiv-analytische sowie grammatische und semantische Analyse angewandt.
Beispiele mit verschiedenen Formen der im Artikel untersuchten Wörter wurden¹ im Suchfeld der erweiterten DLKT-Suche durch Eingabe des Wortstamms, z. B. prieraiš, prisiriš, lipšn usw., und durch Auswahl des Kriteriums „beginnt mit“ gesammelt. Nach funktionalen Stilen wurden die Beispiele nicht klassifiziert. Die genaue Zahl der untersuchten Beispiele wird weiter unten bei der Erörterung der Valenz des jeweiligen Prädikats angegeben.
Bei der Auswahl von prieraišus, prieraišumas zur Untersuchung unter dem Aspekt der Valenz ist festzuhalten, dass Valenz eine durch die Bedeutung eines Wortes bedingte Eigenschaft ist, eine bestimmte Anzahl freier Stellen zu eröffnen, die im Satz oder in der Wortgruppe von Wörtern und ihren Formen mit bestimmter Bedeutung oder von deren Entsprechungen besetzt werden (siehe Sližienė 1994: 16; Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 19, 46 und die dort zitierte Literatur).
Die Valenz wird mit drei Ebenen verbunden: einer abstrakten Ebene der logischen Semantik und zwei konkreten Sprachebenen – Syntax und lexikalischer Semantik. Auf der Ebene der logischen Semantik werden die Anzahl der freien Stellen eines Wortes und die semantischen Funktionen seiner möglichen Aktanten bestimmt; auf der syntaktischen Ebene werden die grammatische Form der Valenzaktanten sowie ihre Notwendigkeit oder Fakultativität bestimmt; auf der Ebene der lexikalischen Semantik wird die Semantik der Valenzaktanten bestimmt. Neben den valenzgebundenen syntaktischen Aktanten, deren Notwendigkeit und Fakultativität im Satz bestimmt werden, unterscheidet man
¹ Die Beispiele aus dem DLKT wurden im Februar 2023 für die Untersuchung gesammelt.
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Prераišus, prераišumas Valenz im zeitgenössischen litauischen (geschriebenen) Sprachgebrauch
freie Glieder – Satzwörter, die nicht durch die Bedeutung des Wortes bedingt sind und nicht zu seiner Valenz gehören. Freie Glieder füllen die vom Prädikat eröffneten freien Stellen nicht aus; ihre Verbindung mit dem Prädikat beruht auf der rein grammatischen Fähigkeit, die einem bestimmten Wort als einer bestimmten Wortart eigen ist, andere Wörter und deren Formen anzuschließen (Sližienė 1994: 35). Notwendige syntaktische Aktanten können im Satz nicht ausgelassen werden, da der Satz durch ihre Auslassung ungrammatisch wird. Durch notwendige syntaktische Aktanten wird jener Teil der Situation bezeichnet, der für die Bedeutung des Wortes am wichtigsten und relevantesten ist (ebd., 31). Fakultative syntaktische Aktanten sind solche, die im Satz ausgelassen werden können, wobei der Satz grammatisch und verständlich bleibt. Sätze ohne fakultative Aktanten bedeuten ungefähr dasselbe wie Sätze mit ihnen, da fakultative Aktanten in der Bedeutung des Wortes selbst impliziert sind (ebd., 35).
Aus der Beschreibung der Valenz litauischer Adjektive geht hervor, dass das Adjektiv prераišus, -i² ‘sich schnell und leicht anschließender’ nach dem vorliegenden empirischen Material zwei syntaktische Valenzstrukturen hat: Im einen Fall wird der dem Subjekt entsprechende Aktant durch den Nominativ bezeichnet und das indirekte Objekt durch den Dativ, im anderen Fall wird das indirekte Objekt durch eine Konstruktion mit der Präposition prie und dem Genitiv ausgedrückt, während das Subjekt durch den genannten Nominativ bezeichnet wird (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 65, 79, 84). Der syntaktische Aktant, der im Satz variantenweise als indirektes Objekt bezeichnet wird, ist fakultativ. In beiden Fällen ist die semantische Valenz von prераišus dieselbe: Das Subjekt entspricht dem Perzipienten³, das indirekte Objekt dem Kontentiv⁴ (siehe 1, 2). Kurz gesagt lautet die syntaktische Valenz des zweiwertigen prераišus Nom, Dat / prie Gen, die semantische dagegen [Pcp, Con]. Unter semantischem Aspekt gehört dieses Adjektiv (siehe 1), ähnlich wie prieplaikus (siehe 3, vgl. 4) oder andere (abejingas, jautrus, ištikimas usw.) (siehe 5, 6), zur Gruppe der Adjektive, die die Einstellung einer Person zu einer Sache und ihre psychische Haltung gegenüber dieser Sache bezeichnen (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79).
1) Er ist willensstark und würde sich sehr an die Familie binden. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79)
2) Diese Stute war nicht so stark an einen Ort gebunden wie Bėris. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 84)
3) Martynienė ist langsam und still, freundlich zu Verwandten, am meisten jedoch zum Ehemann. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79)
² Im weiteren Verlauf des Beitrags wird bei der allgemeinen Bezugnahme auf verschiedene Genera dieses oder eines anderen Adjektivs nur das Maskulinum – das unmarkierte Genus des Adjektivs – genannt.
³ Perzipient [Pcp] – Funktion des Erlebenden eines psychischen Zustands, typisch für Lebewesen, die Sachverhalte der Wirklichkeit wahrnehmen, eine bestimmte Haltung ihnen gegenüber haben und psychologisch auf sie reagieren (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32; Sližienė 1994: 21).
⁴ Kontentiv [Con] – Funktion des Inhalts eines Zustands oder einer Eigenschaft, typisch für verschiedene Dinge und Erscheinungen (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32, vgl. Sližienė 1994: 22).
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4) Kaum ein Mann ist wirklich gegenüber einem Kranken freundlich. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 84)
5) Der Mensch blickte still aus der Ferne, schien ganz gleichgültig gegenüber dem, was um ihn herum geschah. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79)
6) Doch die Dichter, ebenso wie die Gehängten, sind ihrer eigenen Natur treu. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79)
In den Fällen, in denen mit dem Adjektiv prieplaukus, abejingas, ištikimas oder Ähnlichem die Sympathie, das Wohlwollen oder die Antipathie einer Person gegenüber einer anderen Person bezeichnet wird, wird dem Adjektiv eine andere Valenz zugeschrieben: Das Subjekt des Perzipienten wird durch den Nominativ oder einen anderen durch den für das Kongruenzsignal⁵ maßgeblichen Kasus ausgedrückt, während das indirekte Objekt, das dem Benefizienten⁶ entspricht, durch den Dativ bezeichnet wird (siehe 7, 8). Allerdings wird diese semantische Valenz des Adjektivs prieplaukus ([Pcp, B]) anhand desselben Beispiels 3 illustriert (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 80). Beim Vergleich der Beispiele 1–4 mit 5–8 wird deutlich, dass die semantischen Valenzstrukturen des Prädikats – [Pcp, Con] und [Pcp, B] – unter Berücksichtigung der lexikalischen Semantik des als indirektes Objekt fungierenden Wortes unterschieden werden (Lebewesen (Mensch) bzw. Sache). Dementsprechend ist das indirekte Objekt in den Beispielen 1, 3, 4 als Benefizient, im Beispiel 2 dagegen als Kontentiv zu interpretieren.
7) Kristina ist gleichgültig Herrn Petrus gegenüber, auch jetzt noch nicht völlig. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 80)
8) Warum terrorisieren und verhaften Sie uns treue Menschen? (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 80)
Auf der Grundlage der wichtigsten litauischen Wörterbücher wird in diesem Artikel das Adjektiv prieraišus behandelt, das mit den Verben prisirišti, atsid uoti verbunden ist. Konkret wird im Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (DLKŽe) das Adjektiv prieraišus als „sich schnell und leicht bindend“ definiert, im akademischen Lietuvių kalbos žodyne (LKŽe) dagegen als „1. sich stark bindend, sich hingebend“. In den in den Wörterbüchern angeführten illustrativen Beispielen ist von einem anhänglichen Lebewesen (einem Menschen oder Tier) die Rede (siehe 1).
Die Valenz des Adjektivs prieraišus hängt zunächst mit den Bedeutungen der in seiner Bedeutung genannten Schlüsselwörter – der Verben pri(si)rišti, atsid uoti – und deren
⁵ Näheres zum Kongruenzsignal und zu den Begriffen Kongruenzsignal und Kongruenzempfänger, auf die hier zurückgegriffen wird, siehe Semėnienė (2003: 38–42).
⁶ Benefizient [B] – Funktion des Adressaten oder Besitzers, typisch vor allem für Lebewesen, insbesondere Personen, zu deren Gunsten oder Ungunsten etwas ist oder geschieht (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32, vgl. Sližienė 1994: 21).
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Prie raišus, prieraišumas Valenz im zeitgenössischen litauischen (geschriebenen) Sprachgebrauch
Valenz⁷. Aus Nijolė Sližienės Wörterbuch der Verbbindbarkeit im Litauischen (LKVJŽ) (Sližienė 1998: 309) geht hervor, dass das transitive (pririšti ‘an etwas befestigen’ zwei unterschiedliche Valenzen besitzt: Das vierwertige (pri)rišti erfordert beispielsweise ein durch den Nominativ bezeichnetes agenshaftes⁸ Subjekt, ein durch den Akkusativ ausgedrücktes direktes Objekt des Patienten⁹, ein durch den Instrumental bezeichnetes Instrument und ein indirektes Objekt, das die Funktion des Endpunkts¹⁰ erfüllt und durch eine Konstruktion mit der Präposition prie ausgedrückt wird (siehe 9). Das dreiwertige (pri)rišti eröffnet im Satz Stellen für die Aktanten eines agenshaften Subjekts, eines Patienten und eines Endpunktobjekts. Die Autorin des LKVJŽ (Sližienė 1998: 309) schreibt in den Anmerkungen: „Manchmal wird das Verb rišti (pririšti) in dieser Bedeutung auch nach dem Modell Nom Acc Dat [A₁ P B] verwendet, z. B.: Und wie oft hat er Kalpokui schon gesagt, dass er ihr (der Sau) den Kummet anlegen solle Krv. Bisweilen ist anstelle von prieGen die Konstruktion antGen möglich, z. B.: Sie banden mir ein Stück Fleisch auf den Rücken.“
9) Die Räuber [...] banden Greitutė mit Spinnenfäden an einen festen Halmstängel. (zitiert nach Sližienė 1998: 309)
10) Ein Junge band ein weißes Taschentuch an einen Stock. (zitiert nach Sližienė 1998: 309)
Rita Miliūnaitė (2022: 408) weist darauf hin, dass das indirekte Objekt bei prisirišti, prisirišimas aus sprachpflegerischer Sicht durch eine Konstruktion mit der Präposition prie ausgedrückt werden muss, während der nicht normgerechte Dativ ein veraltetes (psn.) Phänomen ist. Aus dem LKŽe geht hervor, dass prisirišti ‘12. sich an etwas heften, mit Ansprüchen an etwas herantreten’ bedeutet (Nur darauf bedacht sein, etwas zu finden, woran man sich heften kann Alks.) oder mit der transitiven Bedeutung von pririšti ‘10. gewöhnen, anziehen’ verbunden ist (Schrecklich an die Mutter gebunden [das Kind] Ėr.). Im DLKŽe wird prisirišti als ‘2. eng anhaften¹¹, sich hingeben’ unterschieden (Dieses Kind ist stärker an den Vater gebunden).
Das in der Bedeutung des Adjektivs prieraišus im LKŽe explizierte atsiduoti wird im DLKŽe als ‘1. sich einer Sache widmen, sich verpflichten’ definiert (Er widmete sich der Wissenschaft). Die Semantik des Verbs atsiduoti im LKŽe wird mit der Bedeutung des transitiven atiduoti ‘5. übertragen, zuweisen’ verbunden (vgl. Der Sohn starb; er wird der Tochter das Leben überlassen (den Hof); In deine Hände
⁷ Dazu, wie die Valenz einzelner Lexeme (möglicherweise) mit der semantischen und syntaktischen Valenz der in ihrer Bedeutung genannten wesentlichen Wörter und mit dem semantischen Netz zusammenhängt, siehe Vaičiulytė-Semėnienė (2020). ⁸ Agens [A₁] – Funktion des Initiators oder Ausführenden einer Handlung, typisch für Lebewesen (Sližienė 1994: 19). ⁹ Patient [P] – Funktion des Empfängers der Handlungseinwirkung oder des Trägers eines Zustands (Sližienė 1994: 20). ¹⁰ Endpunkt [Ad] – Funktion, „die typisch für ein Ding ist, das als Endpunkt wahrgenommen wird, zu dem oder an das sich der Handelnde oder der beeinflusste Gegenstand bewegt und bei dessen Erreichen die Handlung nicht mehr stattfindet“ (Sližienė 1994: 24). ¹¹ Vgl. die Valenz des Verbs pritapti ‘sich angleichen, sich anpassen’ (Sližienė 1998: 265) in den Sätzen: Er [P] passte sich schnell an die Menschen [Con] an; Der Dorfbewohner [P] konnte sich nicht an unser Leben [Con] anpassen.
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wir gaben unsere Seelen und Körper hin PK32.) und den von ihr unterschiedenen Bedeutungsnuancen: ‘sich anvertrauen, sich widmen, vertrauen (Sollen wir uns im Alter etwa der Gnade irgendeines Schwiegersohns anvertrauen? V. Krėv.), ‘opfern, sich widmen (Er hat sich ganz der Wissenschaft hingegeben Sb.). Eine Beschreibung des Verbs atsiduoti findet sich im LKVJŽ nicht. Zu nennen ist das im LKVJŽ (Sližienė 1994: 128) angegebene synonyme atsidėti ‘sich hingeben, alle Kräfte einsetzen’, dessen durch den Dativ bezeichnete semantische Funktion des indirekten Objekts von der lexikalischen Valenz des Valenzaktanten abhängt. Wenn das indirekte Objekt ein abstraktes Sachverhalt bezeichnendes Wort ist, entspricht der Dativ dem Ziel (Er [Pcp] widmete sich der Wissenschaft [Fin] (vgl. lernen)); wenn das indirekte Objekt ein Lebewesen (±Anim) bezeichnet, entspricht der Dativ dem Benefizienten (Sie [Pcp] widmete sich der Familie und dem Haushalt [B]). Ferner ist zu erwähnen, dass nach Antanas Lyberis’ Synonymwörterbuch (SŽe) das Adjektiv atsidavęs synonym zum Adjektiv ištikimas ist. Letzteres verlangt den Dativ.
Aus dem SŽe geht ebenfalls hervor, dass die Adjektive prieraišus und prieplaikus Synonyme sind. Somit können die Semantik und Grammatik des Adjektivs prieplaikus (prieplaikumas) ebenfalls den Valenzrahmen von prieraišus (prieraišumas) beeinflussen. Nach dem DLKŽe bedeutet das Adjektiv prieplaikus „anschmiegsam, freundlich“, während es im LKŽe als „anschmiegsam, anhänglich, freundlich“ beschrieben wird. Die Verbindung zwischen dem Adjektiv draugiškas und dem untersuchten prieraišus ist auch in Jonas Paulauskas’ Sisteminiame lietuvių kalbos žodyne (SisŽe) erkennbar: prielaipus, prieraišus, prieplaikus werden im semantischen Feld der Freundlichkeit genannt, zu dem auch das bereits erwähnte prisirišti gehört. Das Verb atsiduoti im SisŽe gehört zum semantischen Feld des klusnumo. Es ist wahrscheinlich, dass die Valenz der Adjektive lipšnus (wem / woran¹²), draugiškas (wem / mit wem¹³) ebenfalls für die Valenz des in diesem Artikel behandelten prieraišus von Bedeutung sein kann (siehe unten).
Die Valenz des abstrakten prieraišumas könnte derjenigen des Basiswortes prieraišus ähnlich sein. Andererseits behauptet Jonas Šukys (1998: 155): „[a]bstrakte Ableitungen von Adjektiven mit dem Suffix -umas, die aus Adjektiven gebildet sind, die nicht mit dem Dativ vorkommen, verlangen gewöhnlich keinen Kasus (außer dem Genitiv eines schwach regierten Merkmals oder Agens); daher sind ihre Verbindungen mit dem Dativ unmöglich und streng zu korrigieren – durch Weglassen des Kasus oder des adjektivischen Substantivs oder auf andere Weise. […] All dies zeugt von der Verbundenheit der Menschen mit ihrer Erde (= der Verbundenheit mit ihrer Erde; lebendiger wie die Menschen ihrer Erde verbunden sind. Somit sollte das indirekte Objekt des Substantivs
¹² Die syntaktische Valenz des zweiwertigen lipšnus Nᴅ, Dat entspricht der semantischen Valenz [Pcp, B], z. B. Ksaveras war selten sehr zutraulich, küsste Hände und schmiegte sich wie ein Kätzchen an Vaižg. (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 80). Das zweiwertige lipšnus, das eine prie-Konstruktion verlangt, wird neben lipnus ‘zutraulich’, prieplaikus ‘zutraulich, freundlich’ usw. wegen des Mangels an Belegbeispielen nicht erwähnt (ebd., 84). Vgl. die Valenz des Verbs (pri)lipti ‘Anziehung empfinden, sich binden, sich anschließen’ im LKVJŽ (Sližienė 1994: 399).
¹³ In der Beschreibung der Valenz litauischer Adjektive (Vaičiulytė-Semėnienė 2001) wird die Valenz des Adjektivs draugiškas nicht behandelt.
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Preraišus, prieraišumas Valenz im zeitgenössischen litauischen (geschriebenen) Sprachgebrauch
Das Objekt von prieraišumas sollte nur durch eine Konstruktion mit der Präposition prie bezeichnet werden. Bei der Erörterung von Präpositionskonstruktionen mit prie, die bei Verben der Gewöhnung, des Sichbindens, des Verbindens, der Zugehörigkeit u. a. das Objekt bezeichnen, schreibt J. Šukys (1998: 477): „Priklausyti, priskirti prie neigt man zu verwenden, wenn prie mit abstrakteren Substantiven steht. Wenn von der Zugehörigkeit zu einer Person oder zu Personen, zu einem Staat die Rede ist, wählt man ausschließlich den Dativ, vgl. Ta žemė priklausė mano tėvui“, aber „Jei nepriklauso prie jokios organizacijos (vgl. jokiai organizacijai)“.
Aus dem bisher kurz Gesagten wird deutlich, dass die Ausdrucksweise des indirekten Objekts von prieraišus (prieraišumas) als fakultativem Valenzaktanten nicht nur durch das Basiswort (prisirišti prie ko), sondern auch durch die Valenzen anderer Wörter beeinflusst werden kann, die in das minimale lexikalisch-semantische Feld von prieraišus eingehen (atsiduoti, atsidavęs, draugiškas, lipšnus, prieplaikus). Es werden mehrere Annahmen aufgestellt: Die Ausdrucksweise des indirekten Objekts von zweiwertigem prieraišus, prieraišumas wird beeinflusst durch (i) die Valenz des Basiswortes, (ii) die lexikalische Valenz des Aktanten (Lebewesen bzw. Gegenstand); (iii) die Semantik und Grammatik der Prädikate aus dem lexikalisch-semantischen Feld von prieraišus.
Da es im DLKT keine Beispiele mit unterschiedlichen Formen des synonymen prieplaikus, prieplaikumas gibt, werden sie im Folgenden nicht behandelt.
2. SKIRTINGŲ PRISIRIŠTI IR PRISIRIŠIMAS FORMŲ VALENTINGUMAS
Aus 1200 DLKT-Beispielen, in denen unterschiedliche (nicht) reflexive Formen des Verbs prisirišti verwendet werden und im Satz ein indirektes Objekt ausgedrückt ist, zeigt sich nach Aussonderung von Beispielen wie 11–16 (vgl. 9, 10) und Untersuchung von 500 Beispielen des Typs 17–21, dass in Letzteren das indirekte Objekt durch eine prie-Konstruktion ausgedrückt wird. Die Beispiele 17 und 18, in denen eine enge (nahe) Beziehung zwischen Lebewesen bezeichnet wird, zeigen, dass die notwendigen Aktanten des zweiwertigen prisirišti im Satz durch das Subjekt des Perzipienten und das indirekte Objekt des Benefizienten ausgedrückt werden. Analog zu den Beispielen 5 und 6 entspricht das Subjekt in den Sätzen 19–21 dem Perzipienten, während das durch die prie-Konstruktion bezeichnete indirekte Objekt dem Kontentiv entspricht.
11) [Mykolas band diese Erlenruten an seine Unterarme, bekreuzigte sich und rief: Ich fliege!
12) Damit der Professor nicht statt des Bremspedals das Gaspedal betätigte, band er ein Bein am Sitz fest.
13) Später hilft man der jungen Königin, ein Baby an die Brust zu binden [...].
14) Ihre [die Frauen] [...] bemühten sich, dich fürs ganze Leben an sich zu binden (vgl. an sich).
15) Ich muss mich festbinden (vgl. mich) an den Pfosten, sonst könnte ich auf alle viere fallen.
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16) Außerdem hatte sie [das Mädchen Peteliškė] sich (vgl. für sich / an sich) Schmetterlingsflügel angebunden – ähnlich denen, mit denen sich Grundschulkinder schmücken, die in Schulaufführungen Engel spielen.
17) Um den achten Lebensmonat herum bindet sich das Kind an die Mutter.
18) Er [der Schattenkater] ist äußerst verspielt, an die Familie gebunden und sanft.
19) Wir Litauer sind sehr an unsere Heimat gebunden.
20) Menschen sind fleißig, sesshaft, prisirišę prie ewiger traditioneller Werte.
21) Am meisten bin ich offenbar nicht an die Liebe gebunden, sondern an Gedanken und an die aufgeteilte Zeit.
In den Beispielen 22–23 wird in der dargestellten Situation eine andere Art der Bindung aktualisiert: Das zweiwertige prisirišti ist semantisch mit Sucht als Abhängigkeit verbunden (vgl. Sližienė 1998: 240). Dies beeinflusst die semantische Valenz von prisirišti: Dem durch den Nominativ bezeichneten Subjekt kommt weniger die semantische Funktion des Perzipienten als die des Patienten zu, während das durch die prie-Konstruktion ausgedrückte indirekte Objekt dem Kontentiv entspricht. Mindestens ist hier die zweischichtige¹⁴ – perzipientische-patientische – semantische Funktion des Subjekts anzuerkennen. Das einem Patienten entsprechende Subjekt wird durch die Beispiele 24 und 25 veranschaulicht, in denen der Aktant von prisirišti nicht durch ein Lebewesen, sondern durch ein Wort bezeichnet wird, das einen abstrakten Sachverhalt ausdrückt.
22) Aber Alkohol kann für mich da sein oder nicht; ich bin nicht an ihn gebunden. – Und woran sind Sie gebunden? – Bindung ist eine sehr schlechte Sache. Das bedeutet, dass man nicht frei ist. In diesem Leben sollte man sich an nichts binden.
23) Die Azteken pflegten Schokolade viel vielfältiger zu konsumieren als wir, die wir so stark an süße Getränke gebunden waren.
24) Als er erkannte, dass der Instinkt zu sehr an die schädlichen Regeln der Gegenwart gebunden war, beschloss er zunächst, eine Woche lang zu schweigen.
25) Sie [die traditionelle Philosophie] ist an das Seiende gebunden und stellt nicht die Frage nach der Bedingung der Möglichkeit des Seienden – zu sein.
Die Untersuchung von 500 DLKT-Beispielen mit unterschiedlichen Formen des deverbalen Substantivs prisirišimas zeigt, dass in den Fällen, in denen das indirekte Objekt des Substantivs prisirišimas im Satz ausgedrückt wird, dieses gewöhnlich durch eine prie-Konstruktion bezeichnet wird (siehe 26–28). In vier Beispielen kam der aus sprachpflegerischer Sicht unangemessene Dativ des indirekten Objekts vor (Šukys 1998: 155–156) (siehe 29–30). Das Subjekt entspricht dem Perzipienten, während das indirekte Objekt dem Benefizienten (26, vgl. 27) oder dem Kontentiv (27–30) entspricht.
26) Die Bindung eines Kindes an die Mutter ist eine charakteristische, mit einer Eigenschaft versehene Art der Anhänglichkeit. Dies ist die Entstehung enger Beziehungen zwischen Mutter und Neugeborenem während der Geburt.
¹⁴ Näheres zu zweischichtigen semantischen Funktionen siehe Drukteinis (2009).
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Prіeraіšus, prіeraіšumas Valenz im zeitgenössischen litauischen (geschriebenen) Sprachgebrauch
27) Doch er lässt auch das Wesen Litauens nicht aus den Augen: die Verbundenheit der Menschen mit der Erde, dem Tier, der Friedfertigkeit und der Ruhe.
28) Sie [Moskau] waren Untätigkeit und die Bindung an das Alte nicht genug.
29) Werte werden neu bewertet, und wer aus der Verbundenheit mit den Alten die eigenen nicht neu bewerten will, soll die Augen vor den bereits neu bewerteten nicht verschließen.
30) In den Herzen der [Bewohner der Dörfer] erstarkten die Liebe, der Respekt und die Verbundenheit mit dem Land der Vorfahren, mit ihrer Lebensweise, den Traditionen.
Das durch den Dativ im Satz bezeichnete indirekte Objekt kann als valenzmäßig mit zwei verschiedenen Prädikaten verbunden interpretiert werden. Beispielsweise kann 31 sakinyje savo vyrui sowohl mit dem Substantiv prisirišimas als auch mit dem Verb išreikšti als dessen indirektes Objekt verbunden werden. (kam). Tolesnis kontekstas rodo, kad šiame pavyzdyje yra klaidingai žymimas prisirišimo kaip artimo ryšio15
31) Aber sie besserte sich nicht: Na gut, soll es so sein, sagte sie, in Gedanken versunken, ohne dem Menschen etwas Böses zu wünschen, lediglich prisirišimą savo vyrui zum Ausdruck bringend. Danach nannte sie den Gast noch einige Male auf diese Weise Kostas.
Auf Grundlage der Beispiele 22 und 23 lässt sich behaupten, dass in den Beispielen 32–33 das implizierte Subjekt des zweiwertigen prisirišimas die Funktion des Patienten und das indirekte Objekt, das durch die Präpositionalkonstruktion prie konstrukcija bezeichnet wird, die Funktion des Inhalts trägt. Dass das Subjekt von prisirišimas semantisch mit einem Benefizienten verbunden sein kann, zeigt der Kontext von Beispiel 34.
32) Prisirišimas prie alkoholio oder narkotikų: * verschlingt all deine Wünsche, * du wirst zum völligen Sklaven dieser Versuchungen, * treibt dich in die Armut.
33) Allerdings enthalten Kleie all diese notwendigen Stoffe, während weißes gesiebtes Weizenmehl sie nicht enthält. Daher schadet eine übermäßige prisirišimas prie bandelių ir batonų der Gesundheit.
34) Besonders erfolgreich war er im Bauwesen – die Firma von R. Steinkros war unter den zehn größten Bauorganisationen New Yorks. Der prisirišimas prie „Valstijos“ universiteto des blühenden Unternehmers an die „Staatsuniversität“ war eher durch persönliche Interessen als durch große Liebe zu den Einrichtungen der Alma Mater bedingt.
Aus dem über die Valenz von prisirišti und prisirišimas Gesagten wird deutlich: Wenn es um die Bindung eines Lebewesens als Gefühl geht, entspricht das Subjekt einem Perzipienten (Ji pasakoja, kad kurdama logotipą labiausiai rėmėsi emocijomis: bandė susieti tokius jausmus kaip ilgesys, prisirišimas prie savo namų ir artimųjų, tėvynės meilė ir... (DLKT)), wenn die Bindung eines Lebewesens als Abhängigkeit oder Gewohnheit gemeint ist, wird das Patientensubjekt aktualisiert (Kas „prisiriša“ prie ekrano,
15 Vgl. das DLKT-Beispiel: Artimumas gimtajai žemei A. Miškinui – tai prisirišimas prie liaudies kultūros, papročių.
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tam trūksta judėjimo ir aktyvaus bendravimo su daiktais ir žmonėmis (DLKT)). Gelegentlich lässt sich daneben auch ein Benefizientensubjekt erkennen. Das durch die Präpositionalkonstruktion prie bezeichnete indirekte Objekt entspricht gewöhnlich einem Benefizienten oder einem Inhalt.
3. SKIRTINGŲ LIPŠNUS IR LIPŠNUMAS FORMŲ VALENTINGUMAS
Auf Grundlage der im LKŽ angeführten Beispiele wird das indirekte Objekt des in der Bedeutung „liebevoll, freundlich, höflich“ verwendeten Adjektivs lipšnus entweder durch den Dativ oder durch die Präpositionalkonstruktion prie bezeichnet (vgl. 35, 36). Letztere Ausdrucksweise wird durch die syntaktische Valenz des Grundworts bestimmt (lipti prie ko), während der Dativ offenbar entsprechend der Valenz der in der Definition von lipšnus genannten Wörter meilus, malonus (wem / mit wem) gewählt wird (vgl. DLKŽe).
35) Ksaveras war gegenüber der Tante anhänglich, küsste ihr die Hände und schmiegte sich wie ein Kätzchen an sie Vaižg.
36) Er war ein schrecklicher Widersacher und niemandem gegenüber anhänglich BsMtII98.
Bei der Durchsicht der 200 im DLKT angeführten Beispiele, in denen verschiedene Formen von lipš-nus vorkommen, zeigte sich, dass das indirekte Objekt im Satz selten genannt wird – nur in 10 Beispielen. Das durch den Dativ (vgl. 37, 38) oder die Präpositionalkonstruktion mit su (vgl. 39, 40) ausgedrückte indirekte Objekt entspricht einem Benefizienten; das durch den Nominativ bezeichnete Subjekt einem Perzipienten.
37) Lūšius war außerordentlich freundlich, der Liebe bedürftig und den Menschen gegenüber anhänglich.
38) Betrunken schlug sie Ženka Čiuptuvas ziemlich oft, manchmal, bei Gott, heftig, aber nach dem Ausnüchtern war sie ihrem Freund bičiuliui gegenüber wieder lipšni. Wo sollte sie sonst etwas finden? Niemand wollte ihre Liebe mehr kaufen, während Ženka Čiuptuvas, wenn es ihm gelang, eine dicke Brieftasche zu stehlen, nicht geizig war.
39) So viel leistete er im Krieg, und in Friedenszeiten war er gerecht vor Gericht, edel in der Freundschaft, nachsichtig gegenüber den Nachbarn, lipšnus – su šeimynykščiais, gleichgültig gegenüber seinem eigenen Besitz, um das Wohl des Staates jedoch besorgt, nachsichtig gegenüber den Schuldigen und großzügig gegenüber den Bedürftigen.
40) Vytautas gefiel es nicht, dass Jonas plötzlich furchtbar anhänglich gegenüber dieser wirklich sehr gut gebauten, offenbar viel jüngeren als ihr Mann, dunkelhaarigen und braunäugigen Frau geworden war, die, um die Wahrheit zu sagen, nicht von häuslichen Sorgen bedrückt wirkte.
Auch die 50 im DLKT angeführten Beispiele mit verschiedenen Formen von lipšnumas zeigen, dass das indirekte Objekt im Satz nur selten genannt wird. In drei Beispielen wird es durch den Dativ (vgl. 41–43), in einem durch die Präpositionalkonstruktion mit su (vgl. 44) ausgedrückt.
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Die Valenz von prie raišus, prie raišumas in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
Wie in den Sätzen mit lipšnus beträgt die semantische Valenz [Pcp, B]; das indirekte Objekt wird durch ein Lexem bezeichnet, das ein Lebewesen (einen Menschen) ausdrückt.
41) Mädchen opferten sich – lipšnumas rettete dem bis zum Ekel widerwärtigen rusui manchmal sogar das Leben von mehreren Dutzend Menschen.
42) Der Mutter gab man etwas Geld, und diese gab es zusammen mit Verutė aus. Akinuote, die einen neuen Unterstützer gewonnen hatte, wurde überheblich; ihre ganze frühere lipšnumas uns gegenüber war verflogen, und betrunken ging sie wegen jeder Kleinigkeit, die im Alltag auftrat, auf uns los.
43) Einas, der Onkel von Eva Lota, der unerwartet und ungeplant zu Besuch kam, erweckte mit seiner übertriebenen Vertraulichkeit und lipšnumu nicht nur bei herojams, sondern auch beim skaitytojui Leser Misstrauen.
44) Oder half diesen wie auch den anderen Kandidaten nach Algirdas Patackas Ansicht schlicht ihre „lipšnumas“ gegenüber den rinkėjais Wählern. Angeblich siegten die Politiker, die ihre Wähler liebevoll davon überzeugen konnten, dass man ihnen vertrauen könne.
Wie bereits erwähnt, gibt es Fälle, in denen das mit dem Dativ bezeichnete indirekte Objekt mit zwei Prädikaten im Satz verbunden sein kann. In Beispiel 45 kann tėvas im Dativ sowohl Aktant des Verbs neparodė (neparodė kam) als auch des Substantivs lipšnumas (lipšnumas kam) sein. Ähnlich ist auch das in Beispiel 46 durch den Dativ bezeichnete Substantiv pavaldinys zu interpretieren.
45) Die Töchter neparodė tėvui keine größere lipšnumo, nur nachdem sie kurz ihre unmittelbarsten Lebensziele geschildert hatten, verschwanden sie für den restlichen Abend in eigenen Angelegenheiten.
46) Doch daran wäre nichts Verwunderliches: Wohin soll ein Mann gehen, wenn sein Arbeitgeber zufällig „anderer Orientierung“ ist und seine Untergebenen seine Ungezwungenheit sein wird inakzeptabel?
Auf Grundlage der DLKT-Beispiele mit den Formen lipšnus, lipšnumas und ihren Kontexten kann man von einer zweifachen Bedeutung von lipšnumas sprechen: Im einen Fall wird stärker der emotionale Aspekt der Anhänglichkeit – die Liebenswürdigkeit – aktualisiert (vgl. 47, 48), im anderen Fall wird durch den Zustand der ((nicht) echten) Liebenswürdigkeit eine Anhänglichkeit wirksam, die ins Negative umschlagen kann – in Schmeichelei, Aufdringlichkeit, Hass usw. (vgl. 40, 49–51).
47) Es kommt die Zeit, den verzauberten Kreis der Einsamkeit zu überschreiten und in die heilende Gemeinschaft, in das Zusammensein zu zweit, in die Liebe einzutauchen. Von lipšnumo erfüllt, fragte sie, ob er wisse, wie schön es sei, neben einem geliebten Menschen einzuschlafen und aufzuwachen.
48) Die gerade entstandene Aggression wird entweder gegen sich selbst oder irgendwohin beiseite gelenkt. Motina, die auf das Baby wütend ist, bemüht sich, besonders lipšni zu sein, weil eine gute Mutter nicht wütend sein darf.
49) – Nein, warte! – gibt sie nicht nach. – Hör schon auf! Er stieß ihre Hände grob zurück, aber von ihrer früheren lipšnumo war nichts mehr zu spüren. Er wartet, Aušrelės Atem wird gleichmäßiger, tiefer.
50) Das ständige Nichtreagieren auf die Bedürfnisse des Kindes und seine Kommunikationsversuche. Bei einer in der Kindheit auftretenden Bindungsstörung äußern sich Verhaltensabweichungen durch aufdringliche lipšnumu und wahllose Bindung. Mit zunehmendem Alter des Kindes bleibt die Bindung bestehen, während das aufdringliche lipšnumą durch Aufmerksamkeitssuche und einen unterschiedslosen Umgang mit Menschen ersetzt wird.
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51) Die alten Buzai umsorgten den šunėką, obwohl er schon ziemlich groß, aber noch dumm war, sehr lipšnų, sich überall einmischte, an allem hängen blieb und hinfiel.
Aus dem kurz Gesagten wird ersichtlich, dass die semantische Valenz von lipšnus, lipšnumas [Pcp, B] und die syntaktische Valenz Nom, Dat / su Instr ist. In den DLKT-Beispielen wird bei der Aussage über enge Beziehungen zwischen Lebewesen (gewöhnlich Menschen) mit diesen Prädikaten keine Präpositionalkonstruktion mit prie verwendet.
4. SKIRTINGŲ ATSIDUOTI IR ATSIDAVIMAS FORMŲ VALENTINGUMAS
Die Eingabe von atsiduo, atsidav in die DLKT-Suche ergab über 3000 Beispiele mit verschiedenen (nicht) flektierten atsiduoti-Formen. Die Untersuchung von 500 Beispielen zeigt, dass in den Fällen, in denen im Satz ein durch den Dativ¹⁶ bezeichnetes indirektes Objekt vorkommt, seine semantische Funktion unterschiedlich sein kann. Wenn vom emotionalen Sichhingeben eines Lebewesens (gewöhnlich eines Menschen)¹⁷ an ein anderes die Rede ist, hat das betreffende Prädikat zwei notwendige Aktanten: ein perzipierendes Subjekt und ein indirektes Objekt als Benefizient. In Beispielen mit Formen von atsiduoti, in denen die Situation nicht so sehr ein emotionales als vielmehr ein (stärker) verwirklichtes Sichhingeben an einen anderen als Benefizienten aktualisiert, kann das Subjekt als Patient verstanden werden (siehe 55, 56). Dass der Subjektsaktant der semantisch zweiwertigen atsiduoti-Formen doppelschichtig sein kann, d. h. dass sich zwei semantische Funktionen miteinander verbinden können, zeigen auch die Beispiele 57 und 58, in denen vom Sichhingeben des Menschen an Körper und Seele oder umgekehrt die Rede ist (vgl. auch 59).
52) Aber ich bin dennoch überzeugt, dass sie atsidavę (vgl. treu) vienas kitam einander gegenüber sehr ergeben waren und einander sehr liebten. Denis beabsichtigte, sie zu heiraten, und plante ihre gemeinsame Zukunft.
53) Wir haben bereits erklärt, warum Džeinė und alle anderen mamos labiau atsidavusios savo vaikams ihren Kindern ergebener sind als Džimas und alle anderen Väter.
54) Vergissmeinnicht. Dies ist ein Mädchentyp, dem die Züge einer sanften, nicht rachsüchtigen und liebenden Frau zugeschrieben werden. Das einzige Ziel dieser „Blumen“ ist es, zu lieben, atsiduoti mylimajam sich dem Geliebten mit ganzem Herzen, allen Wünschen und Taten hinzugeben, eine behagliche Umgebung zu schaffen und sich aufzuopfern.
55) Obwohl der Mensch natürlich sowohl seinen Sexualtrieb zügeln als auch beherrschen kann, schrieb derselbe A. Molis: Moteris, atsidуodanti vyrui, um schwanger zu werden, kann alle „Für“ und „Wider“ im Voraus abwägen, und wenn sie beschließt, die Nachkommenschaft fortzusetzen, ist dies eine freie Handlung.
¹⁶ Im Artikelmanuskript blieben Beispiele, in denen das indirekte Objekt der Formen von atsiduoti durch den Instrumental bezeichnet wird, z. B.: Gurkštelėjo keletą [arbatos] gurkšnių ir atstūmė: arbata jai atsidavė silke ir svogūnais.
¹⁷ Vgl. das DLKT-Beispiel: Beržo lapai tyliai atsidavė saulei.
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Pr i e r a i š u s, pr i e r a i š u m a s Valenz in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
56) Nina ist keine tragische Figur, ji atsiduoda kareiviams, weil sie Sex begehrt. Nachdem Nina verstanden hat, dass die Rolle der Liederlichen nicht zu ihr passt, kehrt sie nach seinem Tod nach Hause zurück.
57) Eine kalte oder leidenschaftliche und in sich gekehrte Frau verurteilt den Mann zur Einsamkeit: Er muss sie zurückweisen. Es ist nötig, dass abu atiduotų vienas kitam Körper und Seele hingeben. Wenn dieser Akt des Schenkens vollzogen wird, bleiben sie einander für immer treu.
58) Die Menschen sagen, dass kein Mensch einem anderen alles sein kann. Aber ich verlange das, verstehst du, Berita? Wer sich mit mir einlässt, tas atsiduoda mit Leib und Seele. Mit Leib und Seele war ich atsidavęs Saskijai ergeben. All diese Jahre nicht einen Schritt zur Seite.
59) Ja, es stimmt, ich habe es getan, ich schäme mich, aš visas atsiduodu jums. Tretet mich, schlagt mich, macht euch über mich lustig.
Es gibt Beispiele, in denen das Perzipientensubjekt des Prädikats atsiduoti (vgl. z. B. 60–62) oder das Patientensubjekt (vgl. 63, 71) mit einem indirekten Objekt verbunden ist, das einem Inhalt (vgl. 60–64) oder einem Ziel (vgl. 65–67) entspricht und durch den Dativ bezeichnet wird. Der Zielaktant kann, wie die Beispiele 68 und 69 zeigen, auch durch eine Infinitivkonstruktion ausgedrückt werden.
60) Ich sah, wie angenehm es für ihn war, sich immer wieder an jene glücklichen Tage zu erinnern, als sich seine viskam atsidavusi žmona, Freundin und Hausherrin um ihn kümmerte.
61) Diesen dalykams E. Iruonas atsidavęs widmet sich E. Iruonas mit ganzem Herzen.
62) Warum haben wir uns der Erstarrung vor Angst atsidavėme baimės stinguliui und der Überzeugung hingegeben, dass „einer nichts ändern wird und niemand helfen wird“?
63) Als pristavas verstanden hatte, dass diese Arbeit misslungen war, atsidavė gėrimui. Er kaute Wurst, goss sie in seinen großen Bauch und prahlte immerzu.
64) Er atsiduoda Niekiui nicht so sehr dem Nichts, sondern er zerstört.
65) Samstage, Sonntage, „rote“ Feiertage und Abende auf Dienstreisen waren dieser darbui Arbeit gewidmet, die mich immer stärker anzog und der ich kuriam atsidaviau mich mit ganzem Herzen hingab.
66) Nur wer, während er außergewöhnlich atsidavęs savajam norui seinem eigenen Wunsch zu leben hingegeben ist, eine innere Freiheit von den Ereignissen des Lebens erfährt, ist fähig, sich aufrichtig und beständig zum Wohl anderer aufzuopfern.
67) Ich schlief nicht einfach am Computer ein, ich schlief bei der Arbeit nicht auf dem Tisch … das kam nicht vor. Es ist schwer. Und das Studium leidet. Ich schaffe es nicht, mich den Studien so atsiduoti mokslams zu widmen, wie ich gern würde …
68) Kann ein žmogus Mensch, der noch gestern für kommunistische Ideen kämpfte und dem Besatzer treu diente (besonders hier in Litauen), heute schon atsidavęs tarnauti unserer Republik dienen?
69) Beachten Sie diese Zeile: „Da das Urteil über böse Taten nicht sofort vollstreckt wird, sind deshalb die Herzen der Menschen völlig žmonių širdys yra visiškai atsidavę daryti piktą dem Bösen hingegeben“ (Ekle s. 8:11).
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Es kommt vor, dass das indirekte Objekt des Verbs atsiųduoti durch die erstarrte Konstruktion mit į (wessen) rankas ausgedrückt wird, die semantisch mit dem Dativ des Benefizienten (vgl. 70), des Inhalts (vgl. 71) oder des Ziels (vgl. 72) verbunden ist (vgl. 73).
70) Unser Gespräch hat sich zu sehr in die Länge gezogen … – Denken Sie nach, Herr Pfarrer, Sie … Ich kann nicht mehr denken. Atsiduodu [ich] in Ihre rankas (vgl. Ihnen) mit Leib und Seele. Retten Sie mich oder verderben Sie mich. Es ist mir schon gleich. Lassen Sie mich nur nicht in einer solchen seelischen Krise zurück, wie ich meine Mutter zurückgelassen habe.
71) Und in jener Nacht Margarita gab sich gleichsam atsidavė į likimo rankas (vgl. dem Schicksal) in die Hände des Schicksals – könnte man sagen, zum ersten Mal spürte sie, was es bedeutet, vom Alkohol berauscht zu werden. Obwohl der Rausch natürlich zweifach war …
72) Nachdem sie einen starken seelischen Schock erlebt hatte, der sie völlig veränderte, dachte sie weiter nach, zweifelte, kämpfte mit sich selbst und schob die Entscheidung, sich atsiduoti į daktaro rankas (vgl. behandeln zu lassen) in die Hände des Arztes zu geben, unter instinktivem Widerstand auf.
73) Warum Männer sich blind in ihre Friseurinnen verlieben. Vyrai, Männer, die keine Angst hatten, atiduoti ihre gepflegten plaukus į kirpėjos rankas in die Hände der Friseurin zu legen, joms atsid uoda geben sich sehr bald auch selbst ihnen hin.
Aus dem Gesagten, das sich auf die verfügbaren DLKT-Beispiele stützt, wird deutlich, dass die mit atsiduoti bezeichnete Situation bestimmte Aspekte der von uns wahrgenommenen Situation darbietet. Letztere werden im Satz durch unterschiedliche semantische Strukturen des Satzprädikats, d. h. durch die semantische Valenz des Prädikats, aktualisiert; hier wird deutlich, wie die bezeichnete Situation interpretiert wird. Wenn man davon ausgeht, dass „den Aktanten des Prädikats nur jene Situationsteilnehmer entsprechen, die im Satz in den jeweils erforderlichen, vom Verb verlangten Formen ausgedrückt werden“ (Slįžienė 1994: 27), wird deutlich, dass in der Position des durch den Dativ bezeichneten Aktanten des zweiwertigen atsiduoti einer der Referenten unterschiedlicher Semantik aktualisiert wird (Benefizient, Kontentiv, Ziel), die sich durch ihre lexikalische Semantik unterscheiden (Lebewesen resp. abstrakte Sache). Jene Referenten, die außerhalb der einen oder anderen genannten semantischen Valenzstruktur von atsiduoti bleiben, bilden im Hintergrund der bezeichneten Situation deren nicht aktualisierten, für die Bedeutung des Prädikats atsiduoti unwichtigen Teil (vgl. die Beispiele 55, 56 mit 65, 66, bei denen in der Situation nur das Ziel unterschiedlich aktualisiert ist (freies Glied vs. valenter Aktant)).
Eine ähnliche Situation zeigt sich bei der Untersuchung von 500 DLKT-Beispielen mit verschiedenen Formen des Substantivs atsidavimas. In einigen Fällen entspricht das mit dem Dativ bezeichnete indirekte Objekt einem Benefizienten (vgl. 74–76), in anderen einem Inhalt (vgl. 76, 77) oder einem Ziel (vgl. 78). Der Subjektsaktant hat die Funktion eines Rezipienten (vgl. 74, 76, 77) oder eines Patienten (vgl. 75, 78).
74) Dukters meilė ir atsidavimas motinai unendlich.
75) Da wir von Natur aus Egoisten sind, müssen wir durchs Leben gehen wie Akrobaten auf einem Seil: das Gleichgewicht zwischen atsidavimo kitiems der Hingabe an andere bewahrend, wenn wir uns nicht schonen,
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Prie raišus, prieveišumas Valenz in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
und der Inanspruchnahme anderer, denn ein unvorsichtiger Schritt zur Seite kann unser Glückspotenzial verringern.
76) Sie hegt solche Gedanken, während sie mit Vanda und Juzef, diesen beiden selbstlosen, mutigen Menschen, unter einem Dach lebt; kurių atsidavimas ihre Hingabe an die Menschlichkeit und tėvynainiams lenkams an die polnischen Landsleute sowie ihr Mitgefühl mit den verfolgten Juden widerlegten alles, was ihr Vater verkündet hatte.
77) Das Wichtigste [...] sind Leidenschaft und völlige atsidavimas Hingabe an diese filosofijai der Pflanzen.
78) Tavo atsidavimas karjerai Deine Hingabe an die Karriere trägt Früchte, doch der schüchterne Saturn hat dir ein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg hinterlassen.
5. SKIRTINGŲ DRAUGIŠKAS IR DRAUGIŠKU-MAS FORMŲ VALENTINGUMAS
Die DLKT-Suche mit dem Stichwort draugišką ergab über 4500 Beispiele mit verschiedenen Formen des Adjektivs draugiškas. Die Untersuchung von 300 Beispielen mit dem im Satz genannten indirekten Objekt dieses Adjektivs zeigt unterschiedliche Valenzen. Wenn das zweiwertige draugiškas entsprechend der im Bendrinės lietuvių kalbos žodyne (BLKŽe) ausgewiesenen Bedeutung „2. geneigt, enge, herzliche Beziehungen zu pflegen, Freundschaft zu schließen“ verwendet wird, entspricht sein durch den Nominativ oder einen anderen kongruierenden Kasus ausgedrückter Subjektsaktant einem Perzipienten, während das durch den Dativ oder die Präpositionalkonstruktion mit su bezeichnete indirekte Objekt einem Benefizienten entspricht (vgl. 79–82). Gelegentlich wird das indirekte Objekt des Benefizienten durch die Konstruktion mit atžvilgiu ausgedrückt (vgl. 83).
79) Gerade deshalb kann ich mich selbst lieben und sau draugiškas freundlich zu mir selbst sein.
80) Das Wichtigste war, dass alle Menschen vienas kitam einander gegenüber sehr freundlich und offen waren, wie es sonst gewöhnlich nicht vorkommt.
81) Papijonas [der Hund] ist draugiškas su visais allen gegenüber freundlich, versteht sich gut mit anderen Hunden und Haustieren und ist gut zu Kindern.
82) An der Akademie der Wissenschaften waren selbst die älteren draugiški su jaunimu gegenüber der Jugend freundlich und herzlich, akademikai die Akademiker.
83) Seitdem hat sich die Einstellung ihrer [Nachbarin] ihm [dem Jungen] gegenüber grundlegend verändert. Ji draugiška jo atžvilgiu, bei passender Gelegenheit bringt sie ihm kleine Geschenke und übernimmt gelegentlich seine Betreuung.
Das zweiwertige draugiškas in der Bedeutung „5. sicher, geeignet, günstig, für die Nutzung durch Menschen angepasst“ (BLKŽe) eröffnet im Satz eine freie Stelle für ein durch einen kongruierenden Kasus bezeichnetes Patientensubjekt und ein durch den Dativ ausgedrücktes indirektes Objekt, das einem Benefizienten (vgl. 84, 85) oder einem Inhalt (vgl. 86, 87) entspricht.
84) In den letzten Jahren waren die Bedingungen besonders günstig für den Weinbau: Die Natur war besonders freundlich zu den Weinbauern und Weinproduzenten.
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85) Deshalb sind die in den Toiletten von Cafés oder großen Einkaufszentren befindlichen džiovintuvai auch unseren rankoms gegenüber nicht „draugiški“.
86) Daher müssen zweifellos Wege gesucht werden, eine gamtai draugišką ūkininkavimą umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern.
87) Das litauische Steuerrežimassystem ist dem draugiškas gegenüber im Wesentlichen freundlich.
Das zweiwertige draugiškas in der Bedeutung „6. unschädlich, der Umwelt nicht schadend“ (BLKŽe) verlangt ein Patientensubjekt und ein durch den Dativ ausgedrücktes indirektes Objekt des Inhalts (vgl. 88, 89).
88) Die Tatsache, dass wir auf einem reichen, aber ressourcenbegrenzten Planeten leben, ist daher eine klare Herausforderung für die führenden Politiker der Welt, die über eine aplinkai draugišką umweltfreundliche, ausgewogene plėtrą Entwicklung der Welt diskutieren.
89) Wichtig ist jedoch vor allem, dass umweltfreundliche draugiški aplinkai produktai Produkte hergestellt werden, die unserer Gesundheit nützen.
Das DLKT lieferte über 700 Beispiele mit verschiedenen Formen des Substantivs draugiškumas. Es wurden 55 Beispiele gefunden, in denen bei der Bezeichnung der Sympathie oder des Wohlwollens einer Person gegenüber einer anderen Person der zweite – der Aktant des indirekten Objekts – von draugiškumas durch den Dativ (vgl. 90, 91) oder durch die Konstruktion mit atžvilgiu (vgl. 92, 93) ausgedrückt wird. Ihre Untersuchung zeigte, dass das auf die eine oder andere Weise bezeichnete indirekte Objekt des Benefizienten mit einem Perzipientensubjekt verbunden ist.
90) Frankreich war unterjocht, bewahrte aber in zwei Fällen heimlich savo draugiškumą Lietuvai seine Freundlichkeit gegenüber Litauen.
91) Antanas kam aus draugiškumo Kazimierui Freundschaft zu Kazimieras hierher.
92) Und das Empfinden der Nähe zwischen Individuen, die derselben Zivilisation angehören (z. B. prancūzų die Feindseligkeit der Franzosen gegenüber Einwanderern aus Nordafrika und draugiškumas lenkų imigrantų atžvilgiu die Freundlichkeit gegenüber polnischen Einwanderern).
93) Nach G. Taujańskis zeigte Giedrius V. jo atžvilgiu draugiškumo ihm gegenüber keine Freundlichkeit.
Wenn im Satz die wohlwollende Einstellung einer Person gegenüber einer Sache bezeichnet wird, eröffnet das zweiwertige draugiškumas eine freie Stelle für ein Perzipientensubjekt und ein indirektes Objekt des Inhalts (vgl. 94).
94) Wenn jede Wissenschaft in der Seele so vorhanden ist wie im Subjekt, untrennbar, und die Wahrheit nicht zugrunde gehen kann, warum, frage ich, zweifeln wir wegen einer gewissen draugiškumo mirčiai Freundlichkeit gegenüber dem Tod am ewigen Leben der Seele? – ruft Augustinus’ Verstand ungeduldig aus.
Im Kontext kann auch Freundlichkeit aktualisiert und stärker vergegenständlicht werden. Dann kann man von einem semantisch zweischichtigen Subjekt sprechen: einem Patienten mit perzipientischem Einschlag oder umgekehrt. Dass Freundlichkeit doppelt interpretiert werden kann – als aus einem Gefühl in eine Handlung übergehend (übergehen könnend) –, zeigen auch die Beispiele 95 und 96. Wie dem auch sei, die echte Freundlichkeit (ebenso wie Hingabe) geht aus einem Gefühl hervor (vgl. 97, 98).
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Valenz von prieraišus, prieraišumas in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
95) Seine stets gezeigte Freundlichkeit mir gegenüber. Immer herein, immer dürfen Sie sich etwas von uns leihen, falls dir etwas fehlen sollte; Henrik, ich habe ein paar Bier im Kühlschrank.
96) Anlässlich der Begrüßung der litauischen Militärpiloten schrieb die sowjetische Presse über die „ständig zunehmende Bekundung der Freundlichkeit Litauens ihm gegenüber“, wobei sie hervorhob, dass dieser Flug zu einem weiteren gewichtigen Faktor für die Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern werden werde.
97) Er lächelte freudig, und Kriksi, der meinte, dieses Lächeln drücke seine Freundlichkeit ihm gegenüber aus, quiekte ebenfalls zufrieden.
98) Die freundschaftlichen Gefühle Italiens gegenüber Litauen (vgl. die Freundlichkeit Italiens gegenüber Litauen) sind unverändert, und der Besuch D. Grandis in Warschau wird keinerlei Einfluss auf die Beziehungen zwischen Litauen und Italien haben.
Es kamen Beispiele vor, in denen das Substantiv Freundlichkeit mit der erwähnten sechsten Bedeutung des Basiswortes (BLKŽė) verbunden ist (siehe 99). Dann entspricht die Valenz des deverbalen Substantivs der in den Beispielen 88 und 89 erwähnten.
99) Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir ein System zu schaffen anstreben, das „Umweltfreundlichkeit“ in eine wirtschaftlich attraktive, einfache und angenehme Tätigkeit verwandeln würde.
Aus dem bisher Gesagten ist anzunehmen, dass das Subjektaktant von prieraišus, prieraišumas nicht nur die am Anfang des Artikels (siehe Teil 1) erwähnte Funktion des Perzipienten, sondern auch die des Patienten haben könnte, während der Objektaktant die Funktionen des Benefizienten und des Kontentivs haben könnte. Wahrscheinlich kann die syntaktische Valenz der besprochenen Prädikate, insbesondere bei der Aktualisierung semantischer Unterschiede, die Realisierung des fakultativen Objektaktanten von prieraišus, prieraišumas beeinflussen.
6. SKIRTINGŲ PRIERAIŠŪS IR PRIERAIŠU-MAS FORMŲ VALENTINGUMAS
Das DLKT lieferte auf die Anfrage prieraiš 101 Beispiele mit verschiedenen Formen des Adjektivs prieraišus. Die Untersuchung der 15 vom DLKT gelieferten Beispiele, in denen das indirekte Objekt im Satz ausgedrückt ist, zeigte, dass es nicht nur durch den Dativ oder eine Konstruktion mit der Präposition prie (siehe 100–102), sondern auch durch eine Konstruktion mit der Präposition su oder atžvilgiu (siehe 103, 104) bezeichnet wird. Die beiden letztgenannten Konstruktionen sollten aus normativer Sicht durch den Dativ (vgl. 100) oder durch eine Konstruktion mit der Präposition prie (vgl. 101) ersetzt werden. Andererseits wird aus dem zuvor Gesagten klar, was die Wahl des Sprechers für eine solche Bezeichnung des indirekten Objekts beeinflusst oder beeinflussen kann. Die Konstruktion mit der Präposition su oder atžvilgiu mit prieraišus ist semantisch
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vom semantischen und grammatischen System des synonymischen prieplaukus ‚anhänglich, freundlich‘ „abgelöst“ (siehe auch weiter unten).
100) Saliukis [der Hund] ist freundlich und würdevoll, hält sich von Fremden fern, ist jedoch ergeben und anhänglich seinen Herren gegenüber.
101) Daher gehörte sie laut diesem Forscher sowohl dem französischen als auch dem polnischen Volk an [...]. Schwer zu sagen, welchem Land die Königin anhänglicher war (vgl. ergeben). Sie gab häufig vor, Ludwig XIV. treu zu sein [...].
102) Trotz dieser Neigung zu zigeunerischen Wanderungen behauptet Ieva, sehr anhänglich zu sein – nicht nur Menschen gegenüber, sondern auch Dingen gegenüber.
103) Klug, wachsam und empfindsam [der Hund]. Anhänglichkeit gegenüber Freunden und Vorsicht gegenüber Fremden.
104) Die gegenseitigen Beziehungen des beim Kind gebliebenen Vaters oder der Mutter verbesserten sich sogar noch – weniger Konflikte. Die Kinder sind stärker der Familie gegenüber anhänglich (vgl. der Familie gegenüber).
Die Verbindung des zweiwertigen prieraišus mit Prädikaten aus dem lexikalisch-semantischen Feld (ergeben, freundlich, treu, angenehm usw.) ist ebenfalls an DLKT-Beispielen zu erkennen, in denen das indirekte Objekt des untersuchten Adjektivs aus dem Kontext hervorgeht. Die Beispiele 105–108 zeigen, wie in der erzählten Situation einer der semantischen Aspekte von prieraišus aktualisiert wird (vgl. 100, 101). Unter Berücksichtigung dessen und unter Anerkennung variierender und unklarer Fälle lässt sich behaupten, dass in der heutigen litauischen Sprache bei der Verwendung des zweiwertigen prieraišus zur Bezeichnung einer engen Beziehung zwischen Lebewesen das dem Benefizienten entsprechende indirekte Objekt auf mehrere Arten bezeichnet wird.
105) Der Mensch ist ein anhängliches (vgl. gebundenes) Wesen. Woran hängt er? Das hängt von individuellen Vorlieben und Charakterzügen ab.
106) Bladhaundas ist besonders anhänglich (vgl. lieb, freundlich), streitet weder mit seinen Besitzern noch mit anderen Hunden.
107) Männer schauen die Frau auch dann an, wenn sie mit einem Hündchen spielt. Ihrer Ansicht nach ist das Streicheln von Tieren ein gutes Zeichen dafür, dass die Frau anhänglich ist (vgl. zugewandt, lieb).
108) Sie freundete sich mit den Großeltern an (sie verstand es immer, sich alten Menschen auf behagliche Weise anzunähern, und nannte sie volkstümlich „Omas“ und „Opas“). Ich bin nicht so anhänglich (vgl. zugewandt, freundlich), vielleicht sogar etwas „stachelig“ – auf längere Gespräche mit den Großeltern ließ ich mich nicht ein. Zumal die Großmutter fast taub war18.
Neben den Beispielen 100–104, in denen das Subjekt des zweiwertigen prieraišus dem Perzipienten und das indirekte Objekt dem Benefizienten entspricht, gibt es im DLKT Fälle, in denen das Subjekt des Perzipienten mit einem indirekten Objekt des Kontentivs übereinstimmt, das variierend bezeichnet wird
18 Vgl. ferner ein DLKT-Beispiel mit dem Adverb anhänglich: – Sei gegrüßt, Schlange Žaltinėlis! Mit der Schlange Žaltinėlis seit der Kindheit freundschaftlich verbunden. Seit der Wiege bekannt. Beide spielten anhänglich (vgl. freundschaftlich, liebevoll) wie Großvater und Enkel. Gemeinsam saugten beide Milch. Schon so viele Jahre fütterte er Žaltinėlis aus einer tönernen Schüssel.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII
Valenz von prieraišus, prieraišumas in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
durch den Dativ oder eine Konstruktion mit der Präposition prie. Ebenso kann das Subjekt von prieaišus dem Patienten und das indirekte Objekt dem Kontentiv entsprechen (siehe 111).
109) In Lettland ist die Gesellschaft noch nicht gegenüber Bildern anhänglich.
110) Auerhühner bleiben nicht nur bei uns, um zu überwintern, sie sind genetisch prieaišūs prie įpras-tų, jau pamegtų vietų.
111) Zunächst sei betont, dass die zwiespältigen der sowjetischen Tradition feindlich gesinnten die gesamte Geschichte unserer Wissenschaft (und bisweilen auch unser historisches Bewusstsein insgesamt) sind.
Das DLKT lieferte etwas mehr als 500 Beispiele mit verschiedenen Formen des Substantivs prieaišumas. Die Untersuchung von 170 Beispielen, in denen das indirekte Objekt dieses Substantivs im Satz ausgedrückt ist, zeigte, dass es durch den Dativ oder eine Konstruktion mit der Präposition prie bezeichnet wird.
Angesichts der deutlich größeren Zahl an Beispielen als bei dem soeben behandelten Adjektiv prieaišus kann man von Ausdruckstendenzen sprechen: Das indirekte Objekt wird tendenziell durch den Dativ bezeichnet (vgl. Teil 1). Konkret wird der fakultative Dativ bei den Formen von prieaišumas in 58% aller Fälle gewählt (oder in 98 von 170 Beispielen). Der Dativ des indirekten Objekts wird am häufigsten (in 73% oder 72 von 98 Beispielen) durch ein Wort ausgedrückt, das einen unbelebten (konkreten, abstrakten) Gegenstand bezeichnet, deutlich seltener (in 27% oder 26 von 98 Beispielen) durch ein Wort, das ein belebtes Wesen (meist einen Menschen) bezeichnet. Hinsichtlich der Belebtheit zeigen auch die Sätze, in denen das indirekte Objekt durch die Konstruktion mit der Präposition prie bezeichnet wird, ähnliche Tendenzen: Das indirekte Objekt wird in 33% der vorliegenden Fälle (oder in 24 von 72 Beispielen) durch ein Wort bezeichnet, das einen belebten Gegenstand bezeichnet, und in 67% aller Fälle (in 48 von 72 Beispielen) durch ein Wort, das einen unbelebten Gegenstand bezeichnet. Aus Sicht der Sprachnorm ist das indirekte Objekt des Substantivs prieaišumas, das durch den zu korrigierenden Dativ oder die geeignete Konstruktion mit der Präposition prie bezeichnet wird, somit gewöhnlich (in 71% oder 120 von 170 Beispielen) ein Wort, das einen unbelebten (konkreten, abstrakten) Gegenstand bezeichnet. Wichtig ist zu erwähnen, dass diese beiden Ausdrucksweisen des indirekten Objekts variant iškos sind (siehe 112–115).
112) Die Verbundenheit bei der Erziehung und Bildung von Kindern wird durch die Liebe, die Gefühle und die Anhänglichkeit der Mutter an den Sohn oder die Tochter bestimmt.
113) Die Anhänglichkeit des Kindes an die Mutter zu entwickeln, sind nicht nur die Zeit wichtig, die die Mutter mit dem Säugling verbringt, sondern auch die Art der Kommunikation und die Art der Betreuung.
114) Sie [Allerseelen] erinnern daran, dass die für das irdische Leben entstandene Anhänglichkeit verschwinden wird.
19 Auch die vom DLKT gelieferten Beispiele mit den Pluralformen des Substantivs prieaišumas in verschiedenen Kasus wurden betrachtet (prieaišumai, prieaišumų usw.).
20 Im Internet gibt es genügend Beispiele, in denen das indirekte Objekt von prieaišumas auch durch eine Konstruktion mit der Präposition su ausgedrückt wird, z. B.: Die Anhänglichkeit an die Mutter hat gegenüber der Anhänglichkeit an den Vater keine Priorität (zitiert aus: https://www.dvejinamai.lt/).
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115) Die Anhänglichkeit des Menschen an das Leben enthält etwas, das stärker ist als alle Leiden der Welt.
Die vorhandenen Beispiele zeigen, dass das dem Benefizienten entsprechende indirekte Objekt mit einem perzipientischen Subjekt verbunden ist (siehe 112, 113). Das Subjekt kann wie in Beispiel 116 doppelt – als Patient und als Perzipient – interpretiert werden; dort ist auch die semantische Übertragung bzw. der Übergang der direkten Bedeutung von pririšti ‚an etwas befestigen‘ erkennbar (vgl. das Kind [P] ist durch die Nabelschnur [I] an die Mutter [Ad] gebunden, die Mutter [P] ist an das Kind gebunden) in die Semantik von prieraišus als perzeptives Prädikat. Die semantische Verbindung mit der erwähnten Valenz von pririšti zeigt auch Beispiel 117: Die in übertragener Bedeutung ausgedrückte Handlung des Adoptivvaters (fing, fesselte (vgl. band)) ist die Quelle von Blankas emotionaler Anhänglichkeit, d. h. die Handlungen beeinflussen, formen und erzeugen die emotionale Anhänglichkeit21 (vgl. auch 14–16). Wenn prieraišumas weniger unmittelbar mit den direkten Bedeutungen des Basisverbs pri(si)rišti verbunden ist, wird die perzeptive Anhänglichkeit aktualisiert (siehe 112, 118). Es lässt sich behaupten, dass die Semantik und Grammatik der Anhänglichkeit als Gefühl (wem gegenüber) die syntaktische Valenz von prieraišumas (prieraišus) beeinflussen: Bei der Aktualisierung einer solchen Anhänglichkeit ist der Dativ des indirekten Objekts (eher) unmarkiert (vgl. 118–121). Anders als in den Beispielen 119–121, in denen der Dativ des indirekten Objekts grammatisch auch mit dem Hauptprädikat des Satzes jausti (wem, was) verbunden werden kann, zeigt Beispiel 122, dass dem Leben nicht der Aktant des Substantivs jausmas ‚Gefühl‘ (vgl.? Niliūnos Gefühl für das Leben), sondern der von prieraišumas ‚Anhänglichkeit‘ ist (vgl. Niliūnos Anhänglichkeit an das Leben). Aufgrund des Gesagten lässt sich behaupten, dass in Beispiel 123 die emotionale Unabhängigkeit des Subjekts aktualisiert wird – die durch Handlungen in der Familie geformte emotionale Anhänglichkeit wurde aus eigenem Willen abgebrochen (besiegt). Ein möglicher Zusammenhang zwischen Anhänglichkeit und Abhängigkeit ist auch aus den Kontexten der Beispiele 124–126 ersichtlich. Die als emotionaler Zusammenhang verstandene Anhänglichkeit des Subjekts, die durch den Dativ bezeichnet wird, ist in Beispiel 127 offensichtlich. Eine Konstruktion mit der Präposition prie kann wahrscheinlich gewählt werden, um eine stärker vergegenständlichte Anhänglichkeit des Subjekts zu bezeichnen (vgl. 128). Wie bereits erwähnt, können jedoch beide Aspekte der Anhänglichkeit auch variierend bezeichnet werden (vgl. 122, 129).
116) Das Kind entwickelt sich, indem es die Gedanken der Mutter anhört und ihre Gefühle miterlebt. Aufgrund der Anhänglichkeit der schwangeren Frau an ihr getragenes Kind kann die Wirkung des von ihr erlebten Stresses abnehmen.
117) Mit pathetischen Worten beschreibt Blanka ihre Anhänglichkeit an den Adoptivvater: Sie fühlt sich wie „ein gefangener und gefesselter, an einen goldenen Ring genagelter Falke“ (vgl. Der Adoptivvater [A₁] band Blanka [P] an sich [B]).
²¹ Vgl. das DLKT-Beispiel: Ein Signal zur Wiederaufnahme des Kontakts (indem man sie anlächelt oder sie bittet, das Kind auf den Arm zu nehmen), danach wurde wieder gespielt und geforscht. Ein solches Verhalten des Kindes zeigt eine sichere Anhänglichkeit.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII
Valenz von prieraišus, prieraišumas in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
118) Für die Bildung des Prieraišumo jausmui ist eine hohe Sensibilität für die Bedürfnisse des Kindes und die Fähigkeit, sie zu erfüllen, besonders wichtig.
119) Wir beide empfanden dennoch füreinander eine gewisse Anhänglichkeit. Wie dem auch sei, er war mein Vater …
120) Dort studierte sie drei Jahre lang die Feinheiten des Fachs und lernte, wie sie selbst sagt, vieles, verspürt jedoch keine besondere Anhänglichkeit an diese Phase ihres Lebens.
121) Ich bezweifle nicht, dass die absolute Mehrheit der Litauer sie mindestens einmal gehört hat, denn die Medien spürten und empfindet weiterhin eine besondere Verbundenheit mit diesem Thema.
122) Im Werk Niliūnos gibt es insgesamt ein sehr starkes Gefühl der Anhänglichkeit an das Leben, das durch keinerlei eintretendes Unglück und keine Mühen zerstört wird.
123) Für die Amerikaner seiner Generation bedeutete das Auto Freiheit, Geschwindigkeit, Bewegung und eine besiegte Anhänglichkeit an das Zuhause und die Vergangenheit, d. h. an jede Art von Tradition und Ordnung.
124) Die Abhängigkeit von der Religion verstand er als illusionären Ersatz für die Abhängigkeit vom Bild des strafenden Vaters. Das Ziel des Psychoanalytikers besteht nicht darin, die Anhänglichkeit des Patienten an den Psychoanalytiker zu verstärken, sondern sie zu beenden, indem die Autonomie und Reife der Persönlichkeit des Patienten sowie seine Fähigkeit, „auf eigenen Beinen zu stehen“, gestärkt werden.
125) Suchtmediziner haben die körperliche und psychische Abhängigkeit der Menschen vom Alkohol schon vor langer Zeit untersucht. Die psychische Anhänglichkeit an alkoholische Getränke ist äußerst schwer zu behandeln, die körperliche dagegen kann überwunden werden.
126) Die Geflügelfarm von Kaišiadorys besaß als einzige im Baltikum das exklusive Recht, etwa 80% ihrer Produktion nach Polen zu liefern. Unbekannt ist, wie lange die Anhänglichkeit der Polen (vgl. die Gewohnheit zu essen) an unser Huhn gedauert hätte, wenn der Direktor Kęstutis Bartkevičius nur an die Bedürfnisse der Geflügelfarm und nicht an die des Landes gedacht hätte.
127) Die Gründerinnen starben – die Zusammensetzung des Klosters änderte sich –, während Schwester Beatrice weiterhin in einer dem Gebet gewidmeten Familie lebte. Ihre Anhänglichkeit an die Schwestern war ruhig und schlicht.
128) Und zunächst rächt man sich an sich selbst für jene masochistische Anhänglichkeit an jene, die verletzt, zerstört und vernichtet haben …
129) In der Reifestufe der Gruppe erleben die Gruppenmitglieder Gefühle der Anhänglichkeit an die Gruppe, bauen enge emotionale Beziehungen zu den anderen Mitgliedern auf, bewahren jedoch ihre Autonomie und werden sich ihrer Unterschiede von den anderen Gruppenmitgliedern bewusst.
Die DLKT-Beispiele zeigen, dass der Subjektaktant des Substantivs prieraišumas dem Perzipienten entspricht, während das auf zweierlei Weise ausgedrückte indirekte Objekt dem Kontentiv entspricht (siehe 130). In Analogie zu Beispiel 111 ist ersichtlich, dass der Subjektaktant in Beispiel 131 dem Patienten und das indirekte Objekt dem Kontentiv entspricht.
130) Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf sich zu richten und zu bewahren, wird durch eine weitere Eigenschaft unterstützt: Suggestibilität und Autosuggestion, eine große Anhänglichkeit an das, was erwünscht ist.
131) Meiner Ansicht nach ist die Anhänglichkeit der Kulturgeschichte an die marxistische Tradition etwas anders, doch ist diese Eigenschaft sowohl im Fall der Bürgergeschichte als auch der Kulturgeschichte offensichtlich.
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7. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die untersuchten 600 DLKT-Beispiele mit verschiedenen Formen von prieraišus, prieraišumas zeigen, dass die Semantik und Grammatik der Prädikate (pri(si)rišti, atiduoti, pripleikus, lipšnus, draugiškas usw.) aus dem lexikalisch-semantischen Feld deren semantische und syntaktische Valenz beeinflussen. Über das Synonym pripleikus ‚anhänglich, freundlich‘ „wandert“ die Konstruktion mit der Präposition su in die Bezeichnung des indirekten Objekts von prieraišus, prieraišumas ein. Eine solche Bezeichnung des fakultativen Aktanten (dt. markierung) wird gewählt, wenn von einer engen Beziehung zwischen zwei Lebewesen (gewöhnlich Menschen) die Rede ist (In der Familie würden die Eltern das sichere Anhänglichsein mit dem Kind?22 erlernen lassen). Wenn das zweiwertige prieraišus in der Bedeutung ‚anhänglich, freundlich‘ verwendet wird, werden seine syntaktischen Aktanten durch den Nominativ des Subjekts (oder einen anderen kongruierenden Kasus) und den Dativ des indirekten Objekts oder eine Konstruktion mit der Präposition su ausgedrückt; die semantische Valenz ist – [Pcp, B].
Die Bezeichnung des indirekten Objekts bei den Formen prieraišus ‚sich schnell und leicht bindend; ergeben‘ und prieraišumas durch den Dativ und die Konstruktion mit der Präposition prie ist gewöhnlich variierend. DLKT-Beispiele zeigen mehrere Kombinationen der semantischen Valenz von prieraišus, prieraišumas, die variierend bezeichnet wird. In den Fällen, in denen der perzipientische Subjektaktant mit dem benefizientischen indirekten Objekt verbunden ist, wird in der durch die Prädikate prieraišus, prieraišumas beschriebenen Situation eine enge emotionale Beziehung zwischen zwei Lebewesen aktualisiert. Wenn in der Situation von der Einstellung einer Person zu einem Gegenstand die Rede ist, verbindet sich der Perzipient des Subjekts mit dem Kontentiv des indirekten Objekts. Die Verbindung eines patientischen Subjekts mit einem indirekten Objekt, das dem Kontentiv entspricht, ist erkennbar, wenn die Anhänglichkeit als eine bestimmte Gewohnheit oder Abhängigkeit wichtig ist.
In den Fällen, in denen das indirekte prieraišumas-Objekt durch ein Wort bezeichnet wird, das einen unbelebten Gegenstand meint, besteht eine offensichtliche Tendenz, die Norm zu missachten: Statt der Konstruktion mit der Präposition prie wird der Dativ verwendet.
Gewöhnlich wird durch die Prädikate prieraišus, prieraišumas der emotionale Aspekt aktualisiert (Die Regisseurin wendet sich mit dem Film an recht subtile Gefühle – Erinnerungen, Anhänglichkeit an die Seele der Stadt; sie schafft einen Film über Nichtigkeiten, aus denen alles besteht (DLKT)). In den Kontexten ist die aus der Semantik und Grammatik des Basisverbs pri(si)rišti hervorgegangene Anbindung des Menschen als Träger eines Zustands, als Patienten, an etwas Dingliches zu erkennen.
22 Zitiert aus: https://www.bernardinai.lt/2014-07-04-diskusija-apie-globa-kokia-aplinka-palankiausia-augti-vaikui-ii/.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVIII
Valenz von prieraišus, prieraišumas in der heutigen litauischen (Schrift-)Sprache
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LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ
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Valency of the Adjective prieraišus and the Noun prieraišumas in Contemporary Lithuanian (Written) Language
SUMMARY
The analysis of 600 examples with different forms of prieraišus and prieraišumas drawn from the Corpus of Contemporary Lithuanian Language reveals that their semantic and syntactic valency is influenced by the semantics and grammar of the predicates from the lexical semantic field (pri(si)rišti, atsiduoti, prieplaikus, lipšnus, draugiškas, etc.).
The construction of the preposition su has entered the expression of the indirect object of prieraišus and prieraišumas through the synonymous adjective prieplaikus ‘affectionate, friendly’. Such marking (Ger. markierung) of a facultative actant is chosen when a close relationship of two living beings (usually people) is meant. In cases where bivalent prieraišus is used in the sense ‘affectionate, friendly’, its syntactic actants are expressed in the nominative of the subject (or another case in agreement) and the dative of the indirect object or the construction of the preposition su; the subject percipient is in agreement with the indirect object beneficiary.
The expression of the indirect object with the forms of prieraišus ‘one who gets attached fast and easily; devoted’ and prieraišumas in the dative case and the construction of the preposition prie is usually variable. Several combinations of semantic valency of variably marked prieraišus and prieraišumas are possible. In cases where the subject percipient is in agreement with the indirect object beneficiary, the situation expressed by the predicates prieraišus and prieraišumas conveys a close emotional relationship of two living beings. Where the situation is concerned with the person’s disposition towards something, the subject percipient is in agreement with the indirect object contentive. The agreement of the patient subject and the indirect object corresponding to the contentive can be seen where attachment is highlighted as a certain habit and dependency.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII
Pr eiraišus, pr eiraišumas valentingumas dabartinėje lietuvių (rašto) kalboje
In cases where the indirect object of pr eiraišumas is expressed in the word denoting an inanimate thing, there is a clear tendency to disregard the established norm – the construction of the preposition prie is replaced by the dative case.
The predicates pr eiraišus and pr eiraišumas usually convey an emotional aspect. The attachment of a person as the conveyor of a certain state, the so called patient, to something tangible, which comes from the semantics and grammar of the base verb pri(si)rišti can be recognized through contexts.
Įteikta 2023 m. gegužės 8 d.
LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva
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