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Identifizierung anonymer Schriften aus dem Deutschordensland Preußen mit Hilfe von Notarsunterschriften

Dieter Heckmann

Abstract

Dieser Beitrag stellt eine Methode vor, um anonyme spätmittelalterliche Gebrauchstexte dank überlieferter Notarsunterschriften im Rahmen desselben Registraturzusammenhanges identifizieren zu können.

Full text

S aipsniai / A icles 11 DIETER HECKMANN His o ike -A chi a i. R. Ehemals: Geheimes S aa sa chi P eußische Kul u besi z. DOI: doi.o g/10.35321/all90-01 IDENTIFIZIERUNG ANONYMER SCHRIFTEN AUS DEM DEUTSCHORDENSLAND PREUSSEN MIT HILFE VON NOTARSUNTERSCHRIFTEN1. Fü P o . D . G asilda Blažienė zum 75. Gebu s ag am 15. Augus 2024 Vokiečių o dino P ūsijoje anoniminių aš ų iden i ika imas emian is no a ų pa ašais2. Ski iama p o . d . G asildai Blažienei, 2024 m. ugpjūčio 15 d. š enčiančiai 75- ąjį jubiliejų ANNOTATION Diese Bei ag s ell eine Me hode o , um anonyme spä mi elal e liche Geb auchs ex e dank übe lie e e No a sun e sch i en im Rahmen desselben Regis a u zusammenhanges iden i izie en zu können. SCHLÜSSELWÖRTER: Deu sche O den, ö en liche No a e, anonyme Sch i en, No a ia sins umen e, No a un e sch i en, Geschich e des Deu schen O dens, mi elal e liche und ühmode ne Geschich e P eußens, Li land, Lo aine und Schlesien. 1 Ge ing ügig e ände e Fassung des Vo ags, den de Ve asse anlässlich de Tagung zu wes eu opäischen Manusk ip en und U kunden on de Spä an ike bis zu F ühmode ne in S . Pe e sbu ge Sammlungen (19.–21.9.2019), in S . Pe e sbu g gehal en ha e. 2 Šis s aipsnis y a glaus a p anešimo, skai y o ėly osios an ikos i anks y ųjų mode niųjų laikų Vaka ų Eu opos ank aščiams i is o iniams dokumen ams ski oje kon e encijoje, edakcija. Kon e encija yko Sank Pe e bu ge 2019 m. ugsėjo 19–21 d. DIETER HECKMANN 12 Ac a Linguis ica Li huanica XC ANNOTATION This a icle p esen s a me hod o iden i y anonymous la e medie al ex s o use hanks o su i ing no a y signa u es in he con ex o he same egis y. KEYWORDS: Teu onic O de , public no a ies, anonymous w i ings, no a ial ins umen s, no a y signa u es, his o y o he Teu onic O de , medie al and ea ly mode n his o y o P ussia, Li onia, Lo aine and Silesia. Bei de Bea bei ung des Elbinge K iegsbuches on 1383 bis 1409, das im Jah e 2013 e schienen is , gelang es un e ande em, die jünge e Sch eibe hand dem Elbinge S ad sch eibe Ba holomeus S ume zuzuweisen3. Abb. 1: GS A PK, XX. HA, Pe gamen u kunden, Schiebl. 62, N . 9; © GS A PK Da ü wa en mindes ens zwei G und o ausse zungen gegeben: 1. Die Sch eibe hand on Ba holomeus is zu 1408 e s malig als Nebenhand und zu 1409 als alleinige Hand nachweisba . 2. In eine U kunde on 10. Dez. 1403 (Abb. 1) iden i izie sich Ba holomeus mi Hil e seine eigenhändigen Un e sch i als ö en liche No a 4. Dieses E gebnis ö ne Raum ü wei e e F agen, on denen ein Teil im Folgenden au zug ei en wä e. S eh Ba holomeus S ume als singulä es Beispiel ü eine Sch eibe ka ie e in eine spä mi elal e lichen p eußischen S ad ? 3 Heckmann, Kwia kowski 2013: 28–30. 4 Ebd.: 29. S aipsniai / A icles 13 Iden i izie ung anonyme Sch i en aus dem Deu scho densland P eußen mi Hil e on No a sun e sch i en Gib es e gleichba e Ka ie en im Sch eibdiens ande e Regis a u bildne im Deu scho densland P eußen ode in auße p eußischen Kanzleien? Welche Aussagen ges a en Iden i izie ungen on Sch eibe händen im Hinblick au Sch i gu zusammenhänge? Dies be üh Themenbe eiche, wie beispielsweise den Ein luss ö en liche No a e au die Sch i gu e wal ung, die P o enienz o schung ode die Exis enz on Sch eibe landscha en. Welche me hodischen P obleme s ellen sich eindeu igen Zuweisungen on Sch eibe händen in den Weg? Konk e wä e hie bei zu agen, ob es übe haup aus eichende Tex beispiele gib , ob ode inwiewei sich al e sbeding e Sch i e ände ungen ausgewi k haben ode ob die Nu zung neue Buchs aben o men paläog aphische Hü den au ge ich e haben. 1. BEISPIELE VON SCHREIBERKARRIEREN ÖFFENTLICHER NOTARE IM DEUTSCHORDENSLAND PREUSSEN UND IM RÖMISCHEN REICH Wei aus e au e als Ba holomeus S ume is de Fo schung de Kulme S ad sch eibe Kon ad Bi schin. Bi schins Bekann hei sg ad is o allem da au zu ückzu üh en, dass e im Jah e 1431 die äl es e Sammlung des Kulme Rech s, welches in P eußen g oße Bedeu ung sowohl ü s äd ische als auch ü ländliche Siedlungs o men e lang ha , angeleg ha . Wann Bi schin seine App oba ion als ö en liche No a e lang ha , is unbekann . Im Jah e 1423 begegne e zum e s en Mal als S ad sch eibe on Danzig, 1430 wechsel e Bischin in den Diens des S ad a s on Kulm und zum Jah e 1431 is e do als Inhabe eine Vika ie in de S ad p a ki che nachweisba . Bi schin gab sein Kulme S ad sch eibe am spä es ens im Jah e 1443 au , was wohl mi de E langung zweie P a p ünden im Bis um Pomesanien im Zusammenhang s eh . T o z wei e e Ka ie en blieb Bi schin de S ad Kulm eu, denn e wa ü den do igen Ra als Gelegenhei ssch eibe ä ig, wa Inhabe eines wei e en Vika ia s und un e hiel mindes ens zwischen 1453 und 1456 in Kulm eine Wohnung. Bi schins Sch eibe hand is nich du ch seine No a sun e sch i , sonde n e mi els des Incipi s seine Rech ssammlung bekann 5. 5 Heckmann 2020: 187–209. DIETER HECKMANN 14 Ac a Linguis ica Li huanica XC Abb. 2: GS A PK, XX. HA, OF 83, S. 2; © GS A PK S aipsniai / A icles 15 Iden i izie ung anonyme Sch i en aus dem Deu scho densland P eußen mi Hil e on No a sun e sch i en Im Ve gleich dazu s and de ö en liche No a Pe e on Wo mdi om Beginn seines We degangs an im Diens des O dens, zunächs als Sch eibe des Hauskom u s des samländischen Domkapi els. Als solche is e zum 7. Augus 1376 beleg . Nach seinem Ju as udium in P ag a Pe e on Wo mdi in den Sch eibdiens des Obe s en Ma schalls des Deu schen O dens, wo e on 1396 bis 1399 nachweisba is . Von do wechsel e e in die Hochmeis e kanzlei. Im Juli 1403 bes ell e ihn de Hochmeis e zum O densp oku a o bei de Ku ie in Rom. Die P oku a o ens elle bekleide e Wo mdi bis zu seinem Tod am 27. Augus 14196. Pe e on Wo mdi s Sch eibe hand is o allem du ch seine Ko espondenz beleg , sodass die Fo schung bei ih e Iden i izie ung nich nu au seine No a sun e sch i (Abb. 3) angewiesen wa . Abb. 3: GS A PK, XX. HA, Pe gamen u kunden, Schiebl. L, N . 28; © GS A PK Mi S e an Ma hias on Neidenbu g s eh ein wei e es p ominen es Beispiel zu Ve ügung. Wie sein Fö de e , de hochmeis e liche Kanzle And eas San be g7, ha e S e an an de Wiene Uni e si ä s udie . Spä es ens sei 1441 s and S e an im Sch eibdiens des Bischo s on Pomesanien. Aus diese Zei is auch de ühes e Beleg seine Un e sch i als ö en liche No a in einem on ihm ge e ig en T anssump eine U kunde on Paps Clemens III. on 1191 Feb . 6 bekann (Abb. 4). 6 Gene alp oku a o en 1960: 29–34; A mga 1995: 253–259. 7 San be g, Heckmann 2007. DIETER HECKMANN 16 Ac a Linguis ica Li huanica XC Abb. 4: GS A PK, XX. HA, Pe gamen u kunden, Schiebl. 1, N . 1a; © GS A PK S aipsniai / A icles 17 Iden i izie ung anonyme Sch i en aus dem Deu scho densland P eußen mi Hil e on No a sun e sch i en Von de Kanzlei des pomesanischen Bischo s wechsel e S e an Ma hias on Neidenbu g im Jah e 1448 in die des Hochmeis e s au de Ma ienbu g. Ve so g wu de S e an zunächs mi einem e mländischen Kanonika , dann mi de P a s elle on S . Nikolai in de Al s ad Elbing, und sei 1462 wiede um mi einem e mländischen Domhe enpos en, den e nach dem Tode des Hochmeis e s Ludwig on E lichshausen im Jah e 1467 in Folge de e neu ausgeb ochenen k iege ischen Auseinande se zungen mi Polen aus poli ischen G ünden e lo . Nach dem Ausgleich zwischen Polen und dem O den, de on eine poli ischen Amnes ie de Anhänge scha en beide Kon lik pa eien beglei e wa , e hiel S e an 1479 sein Kanonika zu ück. Au Be eiben des polnischen Königs pos ulie e ihn das Domkapi el on Kulmsee im selben Jah zum Kulme Bischo . Das Am des Bischo s on Kulm bekleide e S e an on Neidenbu g on 1481, dem Jah seine Konsek a ion, bis zu seinem Tod im Jah e 14958. Fü das Römische Reich, on dem das Deu scho densland P eußen das ö en liche No a ia übe nommen ha e9, ha Pe e -Johannes Schule ähnlich gea e e Ka ie en eines ö en lichen No a s nachgewiesen. Auch do beende e ein ö en liche No a seine eibe u liche Tä igkei häu ig dann, wenn e eine gu ausges a e e P ünde ode ein ein ägliches Am , wie zum Beispiel als S ad sch eibe , Uni e si ä sp o esso , Ad oka ode Syndicus, e hal en ha e10. Diese Fes s ellung bie e aus eichend Ansä ze, um in gleiche Weise anonyme Sch i en mi Hil e de o handenen No a sun e sch i en in den Regis a u en ode Sammlungen de Reichs e i o ien und Reichss äd e abzugleichen. 2. SCHRIFTGUTZUSAMMENHÄNGE De hochmeis e liche Kanzle And eas San be g ode Johann Bi smi , de Vo gänge on Ba holomeus S ume im Elbinge S ad sch eibe am , e üg en – sowei bekann – übe keine App oba ionen als ö en liche No a . Sie s ehen zwa ü eine Reihe on Beispielen, bei denen die Iden i izie ung anonyme Sch i en auch ohne No a sun e sch i gelungen is , die ö en lichen No a e im landeshe lichen ode s äd ischen Sch eibdiens dü en abe besonde e Au me ksamkei e dienen. Dies häng wohl mi dem Ums and zusammen, dass aus ih en Reihen de Ans oß ü die Neuo ganisa ion de p eußischen 8 Ka p 1996: 498–499. 9 Heckmann 2009: 40–41. 10 Schule 1976: 138. DIETER HECKMANN 18 Ac a Linguis ica Li huanica XC Sch i gu e wal ung kam. Da on p o i ie e o nehmlich das Regis e wesen sowohl de landeshe lichen als auch de s äd ischen Kanzleien, mi dem eine S ä kung des Ö en lichen Glaubens de Regis a u und des mi ih e bundenen A chi s einhe ging11. Eines de he aus agenden Tä igkei en in dem Zusammenhang s ell die Regis ie ung de Hand es en ode Ve leihungsu kunden des Ma schallam es da , die de damalige Sch eibe beim Obe s en Ma schall, Pe e on Wo mdi , anges oßen ha 12. Die as 20-jäh ige Ve weildaue S e ans on Neidenbu g in de hochmeis e lichen Kanzlei ode S umes Tä igkei on 1408 bis 141713 im Diens e des Elbinge S ad a es, gehö en siche lich zu den Ausnahme ällen, was die Suche nach ih en eigenhändigen Sch i zeugnissen in de o handenen Übe lie e ung me klich e leich e . Die meis en ande en Sch eibe wechsel en dagegen häu ig ih e Diens he en, sodass ih e eigenhändigen Sch i beispiele in un e schiedlichen A chi en ode A chi ümme n zu e mi eln wä en. De häu ige Diens he enwechsel und nich zule z die pe sönlichen Ve lech ungen ö de en abe auch No mie ungs endenzen, wie zum Beispiel die En s ehung on Am sbüche n zu Ra ionalisie ung de Sch i gu e wal ung ode die Ausbildung eine Kanzleilandscha mi eine einhei lichen Kanzleisp ache ode einhei lichen Kanzleigewohnhei en14. Diese Beobach ungen lassen sich als He aus o de ung sowohl ü die E s ellung on wei e en Sch eibe biog ammen als auch ü die P o enienz o schung insbesonde e de in den Handsch i ensammlungen g oße Biblio heken e wah en Regis a u ümme n ode Einzels ücken we en. Auße dem egen sie die Ka alogisie ung on No a ssigne en und No a sun e sch i en, den beiden in e agie enden Beglaubigungsme kmalen de ö en lichen No a e – als no a ielle Un e e igung15 zusammenge ass , an16. 11 Heckmann 2011: 57–67; 2013: 207–220. 12 Con ad 1963: 22–25. 13 Ka p 1996: 498; Heckmann, Kwia kowski 2013: 30. 14 Heckmann 2016: 106–107, 110. 15 Weilede 2019: 82. 16 Heckmann 2009: 52–53. S aipsniai / A icles 19 Iden i izie ung anonyme Sch i en aus dem Deu scho densland P eußen mi Hil e on No a sun e sch i en 3. METHODISCHE PROBLEME BEI DER ZUWEISUNG VON SCHREIBERHÄNDEN Neben dem Mangel an Tex beispielen, dem iel ach i i ie enden Tin enwechsel, de e s eu en Übe lie e ung und de e bo genen Sch eibe ka ie e s ellen sich o al e sbedinge Sch i e ände ungen bei de Iden i izie ung eine anonymen Sch eibe hand in den Weg (Abb. 5 und 6 mi de Jugend- und Al e shand on Johann Bi smi ). Abb. 5: Jugendhand des Elbinge Sch eibe s Johann Bi smi zu 1387, Heckmann, Kwia kowski 2013: 23 Abb. 6: Al e shand des Elbinge Sch eibe s Johann Bi smi zu 1405, Heckmann, Kwia kowski 2013: 24