Acta Linguistica Lithuanica
2025, vol. 92, pp. 1–19
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ISSN 2669-218X (online / elektroninis)
ZUR ETYMOLOGIE VON LIT. ALĖTÍ, ALMUÕ, ÁLMĖ, ẼLMĖS ETC. UND DEREN ZUSAMMENHANG MIT DEM DEUTSCHEN ORTSNAMEN ULM UND DESSEN VERWANDTEN
Dėl liet. aléti, almuõ, álmė, ẽlmės ir kitų etimologijos bei jų santykio su vokiečių vietovardžiu Ulm ir jo giminaičiais
HARALD BICHLMEIER
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
E-mail:
[email protected]
ORCID ID: https://orcid.org/0000-0003-0001-1677
Fields of research: Onomastics (toponymy), historical phonology of the Germanic languages, Indo-European linguistics, Aljamiado-texts.
https://doi.org/10.35321/all92-01
ANNOTATION
Lit. aléti ‘fließen, tröpfeln, laufen, eilen’, nualéti ‘überlaufen, (Felder) überschwemmen’, almuõ (3) m. ‘Eiter’, álmė (1), almẽ (4) f. ‘aus dem Körper austretende Materie’, ẽlmės (4) f. Pl. ‘dass.’ werden traditionell auf Grundlage einer Wurzel etymologisiert, die ‘fließen’ bedeuten soll. Hier wird argumentiert, dass den Wörtern mindestens zwei verschiedene Wurzeln zugrunde liegen dürften: einerseits uridg. *h₁elh₂- ‘wohin treiben’ oder uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’, andererseits die Wurzel uridg. *h₁el(H)- ‘modrig, faulig sein’.
Auf Grundlage der Wurzel uridg. *h₁el(H)- ‘modrig, faulig sein’ sind auch der Ortsname nhd. Ulm und damit verwandte Namen zu erklären. Es zeigt sich, dass diese Namensippe am ehesten zu urgerm. *ulma- ‘Moder, Fäulnis’ zu stellen ist. Von den anderen drei auf den ersten Blick funktionierenden Herleitungen für diese Namensippe hat sich eine früh als unzutreffend erwiesen, zwei weitere sind semantisch sinnvoll, jedoch nur eine davon ist auch lautlich möglich. Der Vorschlag, den Namen zu urgerm. *ual(l)-, *u̯ul- ‘wallen’ zu stellen, hat lauthistorisch keinen Bestand. Die Herleitung aus einem ‘alteuropäischen’ Gewässernamen bleibt im Prinzip eine Möglichkeit, die seit Hans Krahe gebotene Etymologie muss aber modifiziert werden.
Da eine germanische Etymologie gangbar ist, ist diese der ‘alteuropäischen’ Lösung vorzuziehen.
Copyright © 2025 Harald Bichlmeier. Published by the Institute of the Lithuanian Language. This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution Licence, which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. // Išleido Lietuvių kalbos institutas. Šis straipsnis yra atviros prieigos, platinamas pagal „Creative Commons“ priskyrimo licencijos sąlygas, leidžiančias neribotai naudoti, platinti ir atkurti turinį bet kokioje laikmenoje, nurodant autorių ir šaltinį.
Received: / Gauta: 2025-02-03. Accepted: / Priimta: 2025-05-15.
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SCHLÜSSELWÖRTER: Alteuropäische Hydronymie, litauische Etymologie, deutsche Toponyme, historische Lautlehre der germanischen Sprachen.
ABSTRACT
Lith. aléti ‘to flow, to drizzle, to hurry’, nualéti ‘to inundate (fields), to flow over’, almuõ (3) m. ‘pus’, almē (1), almẽ (4) f. ‘matter flowing out of a body’, elmēs (4) f. Pl. ‘id.’ have been traditionally etymologized as deriving from a root meaning ‘to flow’. This article argues instead that these words originate from at least two distinct Proto-Indo-European (PIE) roots. On the one hand, they may be linked to PIE *h₁elh₂ ‘to drive somewhere’ or PIE *h₂elh₂ ‘to go around aimlessly, to wander around’. On the other hand, some of them appear to derive from PIE *h₁el(H)- ‘to be foul, rotten’.
The root PIE *h₁el(H)- ‘to be foul, rotten’ also underlies the place-name NHG Ulm and related toponyms in Germany. These names can be connected to PGerm. *ulma- ‘foul(ness), putrid(ity)’. Among the three prevailing explanations for these names, one can be ruled out entirely, while the remaining two others are semantically plausible — but only one of them also fits phonologically. The proposal to connect the names to the root PGerm. *ual(ʔ)-, *uul- ‘to boil, to seethe’ is impossible. The alternative hypothesis — interpreting them as ‘Old European’ hydronyms, at first proposed by Hans Krahe — remains possible but requires revision. However, since a Germanic explanation free of semantic and phonological contradictions can be provided, it is methodologically preferable to the ‘Old European’ hypothesis.
KEYWORDS: Old-European hydronymy, Lithuanian etymology, German toponyms, historical phonology of the Germanic languages.
1. LITHUANICA¹
Die Sippe(n) um lit. aléti ‘fließen, tröpfeln, laufen, eilen’,² nualéti ‘überlaufen, (Felder) überschwemmen’, almuõ (3) m. ‘Eiter’,³ almē (1), almẽ (4) f. ‘aus dem Körper austretende Materie’,⁴ elmēs (4) f. Pl. ‘dass.’⁵ wurde(n) von Sergio Neri (in Neri, Ziegler 2012: 56f. und in Neri et al. 2016: 234f.) im Zusammenhang mit nhd. dial. Eller ‘landwirtschaftlich nicht
¹ Der Beitrag beruht auf dem Vortrag „On the Etymology of the Placename Ulm and its Relatives in Germany – and its Potential Connections with Some Baltic Words“, gehalten auf der Tagung „5-oji tarptautinė mokslinė Aleksandro Vanago konferencija „Kalbos ir kultūros dialogas XXI amžiaus onomastikoje““ / “5ᵗʰ International Scientific Aleksandras Vanagas’ Conference “Language and Culture Dialogue in 21ˢᵗ Century Onomastics””, Vilnius, 7.–8. November 2024. – Ich danke den beiden anonymen Rezensenten des Beitrags für ihre Anmerkungen; sie sind weitgehend in den Beitrag eingeflossen. Noch vorhandene eventuelle Fehler und Ungereimtheiten verantworte ich allein.
² Nicht in LitEW (dort werden LitEW I 7 nur aléti ‘arm sein’ und aléti ‘alala rufen’ angeführt); LithED I 17 stellt aléti ‘trickle, drip, ooze, wander’ zu einer Wurzel uridg. *h₂el, ohne ihr eine Bedeutung zuzuweisen (ebenso SEJL 2024 s.v. aléti) und verweist auf das Lemma almuõ ‘pus, purulent effusion from a wound, purulent sputum’ (LithED I 20f.; ähnlich SEJL 2024 s.v. almuõ), wo der Verfasser aber diese urindogermanische Wurzel nicht erwähnt, sondern wieder auf aléti verweist. Zur Problematik eines solchen Ansatzes s. auch noch weiter unten im Beitrag.
³ Vgl. LitEW I 8; LithEW I 20f.; SEJL 2024 s.v. almuõ (und die vorangehende Fußnote).
⁴ Vgl. LitEW I 8. LithEW I 20f. (s.v. almuõ) und SEJL 2024 s.v. almuõ erklärt almē als Neubildung auf Grundlage der aus almuõ abstrahierten Neuwurzel ur(ost)balt./lit. *alm-/*elm-. Diese Herleitung kann den Akut in almē nicht erklären.
⁵ Vgl. LitEW I 8; LithEW I 20f. (s.v. almuõ) und SEJL 2024 s.v. almuõ erklärt elmēs als Neubildung auf Grundlage der aus almuõ abstrahierten Neuwurzel ur(ost)balt./lit. *alm-/*elm-.
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genutzte Fläche, Ödland’ bzw. im Zusammenhang mit nhd. dial. Ölme ‘verrufene Gegend, feuchte Stelle im Acker’, ülmiġ ‘stellenweise nass’ besprochen.
Insgesamt werden in der Erklärung drei urindogermanische Wurzeln für die Herleitung der einen oder anderen der genannten Formen in Anschlag gebracht:
- uridg. *h₁elh₂- ‘wohin treiben’ (IEW I 306f.; LIV 2001 [1998]: 235)⁶,
- uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (IEW I 27f.; LIV 2001 [1998]: 264)⁷,
- uridg. *h₁el(H)- (oder *[s]h₁el(H)- ?) ‘modrig sein’ (IEW I 305).
Folgende Erwägungen bzw. Herleitungen werden angeführt:
Bei Neri 2012: 57 werden almuõ, álmē, ēlmēs tentativ mit lit. ãlksna f. ‘Pfütze, Lache’⁸, lett. al(u)ksna f. ‘einschießende morastige Stelle’ verbunden, wobei die letztgenannten Formen aus vorurbalt. *h₁ol(H)-s-nah₂- ‘die Morastige’ (mit innerbaltisch sekundär eingeschobenem *-kvor *-s-) erklärt werden. Die anderen drei Formen werden nicht explizit etymologisiert, man darf aber wohl folgende Vorformen implizieren:
- lit. almuõ < urbalt. *almōn, Gen. *almenes < vorurbalt. *h₁ol(H)-mōn, Gen. *-menes,
- lit. álmē < urbalt. *almiā- < vorurbalt. *h₁olH-mi̯ah₂-,
- lit. ēlmēs < urbalt. *elmiā- < vorurbalt. *h₁el(H)-mi̯ah₂-.
Die Verbindung zu nhd. dial. Eller bzw. diesem vorausliegendem mhd. elle* ‘unfruchtbarer Acker’ besteht über die auch diesem zugrundeliegende selbe Wurzel: mhd. elle* < ahd. *elana < urgerm. *elanō ‘Morast, Sumpf’ < vorurgerm. *h₁el(H)-onah₂- ‘Fäulnis’, das eine Substantivierung zu urgerm. *ulana- < vorurgerm. *h₁l(H)-ono- ‘verfault’ ist.
Lit. aléti wird in diesem Kontext nicht erwähnt.
In Neri et al. 2016 wird das Ganze etwas differenzierter dargestellt: Die Erklärung von 2012 wird grundsätzlich weiter als möglich angesehen. Daneben wird unter Verweis auf Harald Bichlmeier 2013a: 406ff. und Bichlmeier 2011⁹: 184 aber erwogen, die litauischen Wörter, die ‘Eiter, aus dem toten Körper fließende Masse’ bedeuten mit dem Verb lit. aléti ‘fließen, tröpfeln, laufen, eilen’ zu verbinden.
⁶ Die Wurzel hat sichere appellativische Fortsetzer nur im Griechischen und Armenischen und wird im LIV 2001 [1998] mit ‘?’ angesetzt; der Verf. hält den Ansatz aber für überzeugend.
⁷ Die Wurzel hat sichere appellativische Fortsetzer im Griechischen, Lateinischen und vielleicht im Lettischen.
⁸ Vgl. LitEW I 8; vgl. zudem ALEW 34, wo aber keine Etymologie im eigentlichen Sinne geboten wird; LithED I 19 (s.v. a̋lksnis) führt lit. ãlksna ‘place covered with alder trees, alder grove’ und lett. ãlksna ‘forest marsh’ auf älteres *aliksna < *alis-nāzurück, wobei der Akut im Rahmen einer Ersatzdehnung nach Schwund des mittleren *-ientstanden sei, und erwägt nicht einmal eine Verbindung mit lit. aléti, álmē etc. In SEJL 2024 s.v. a̋lksnis erwähnt der Autor nun immerhin eine indogermanische Vorform uridg. *h₂elis-no-, doch findet auch hier keine Verknüpfung mit der in Anm. 2 erwähnten Wurzel *h₂elstatt.
⁹ In Neri et al. 2016: 244 wird im Literaturverzeichnis unter „Bichlmeier Überlegungen“ fälschlich Bichlmeier 2013b statt Bichlmeier 2011 angeführt.
Für lit. el̃mės wird damit implizit urbalt. *elmiā- < vorurbalt. *h₁elh₂-miāh₂rekonstruiert, während für ebenda (Neri in Neri et al. 2016: 234f. in Bezug auf nhd. dial. Ülme, ülmig) besprochenes urgerm. *ulmanentweder ein amphikinetisch flektierender n-Stamm *h₁elh₂-mon- / *h₁l̥h₂-mn- ‘mit Flüssigkeit Versehenes’ > ‘Eiter, Fäulnis’ (in diesem Fall wäre anzunehmen, dass lit. almuõ eine sekundäre o-Stufe eingeführt hätte) oder eine erst innergermanische Substantivierung des Adjektivs *ulma- ‘modrig’ < *h₁l̥h₂-m(n)-ó- ‘eitrig, flüssig’ anzunehmen ist.
Weiter könne man ebenso „*h₂elh₂-mon- / *h₂l̥h₂-mn- ‘mit Flüssigkeit Versehenes’ > ‘Eiter, Fäulnis’ annehmen, das den germanischen und litauischen Formen ohne Zusatzannahmen zugrunde liegt“.
Die Frage bleibt dabei natürlich, ob man der hierbei angenommenen semantischen Entwicklung „mit Flüssigkeit Versehenes’ > ‘Eiter, Fäulnis’“ so ohne Weiteres zustimmen kann, zumal es ja eben auch die o.a. Wurzel uridg. *(s)hₑl(H)- ‘modrig sein’ (IEW I 305) tatsächlich gibt, auch wenn die Frage, ob es sich um eine Wurzel mit s mobile handelt10, v.a. davon abhängt, ob griechische und indoiranische Wörter, die ‘Wasserbecken, See, Sumpf’ u.Ä. bedeuten (ai. sárasn. ‘Wasserbecken, Teich, [End-]See, jav. *harahn. im Choronym jav. HaraXᵛaitīf., apers. /harauvatī-/ f. ‘Arachosien’, gr. ἕλος n. ‘feuchte Wiese, sumpfige Niederung, Sumpf, Marschland’) nun eben von einer Wz. uridg. *sh₁el(H)- ‘modrig sein’ abzuleiten sind oder ihnen eine eigene Wurzel uridg. *sel- ‘Sumpf, sumpfig’ (vgl. IEW I 901) zugrunde liegt11.
Für die baltischen Wortformen muss man eine vorurbaltische Wurzel ohne anlautendes *s-, aber mit schließendem Laryngal ansetzen (also uridg. *h₁eH-), da sonst akütierte Wortformen der Sippe nicht zu erklären sind, während die indoiranischen und griechischen Wörter anlautendes *serfordern, aber weder auf *-h₁noch auf auslautendes *-Hden geringsten Hinweis geben (also uridg. *sel-). Man kann beide Sippen nun unter einem Ansatz uridg. *(s)hₑl(H)- vereinen, man kann es auch lassen; das ist wohl Geschmackssache.
Die Überlegungen in H. Bichlmeier 2011 und 2013a wurden angestellt, ohne eine Wurzel uridg. *(s)hₑl(H)- ‘modrig sein’ in die Untersuchung miteinzubeziehen. Da es diese nun ausweislich v.a. der bezeugten Fortsetzer in germanischen Sprachen unzweifelhaft gibt, erhebt sich die Frage, ob die genannten litauischen Wörter alle auf Grundlage derselben urindogermanischen Wurzel gebildet sind, oder ihnen nicht mindestens zwei zugrunde liegen:
Lit. aléti ‘fließen, tröpfeln, laufen, eilen’, nualéti ‘überlaufen, (Felder) überschwemmen’ können am einfachsten auf vorurbalt. *h₂elh₂-eh₁-/*h₂elh₂-e/o-
¹⁰ Der Ansatz einer Wurzel mit s mobile neben einer sonst mit Laryngal anlautenden Wurzel ist zwar nicht der Regelfall, lässt sich aber durchaus auch sonst wahrscheinlich machen; vgl. Mark R. V. Southern 1999 passim.
¹¹ Für die Diskussion zu dieser Problematik sei auf Neri 2016: 234f. verwiesen; diese wiederzugeben, würde hier zu weit führen.
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zurückgeführt werden; vorurbalt. *h₁olh₂-eh₁-/*h₁olh₂-e/oerscheint aufgrund der dann anzunehmenden o-Stufe weniger wahrscheinlich.
Lit. almuõ (3) m. ‘Eiter’ ist am einfachsten über vorurbalt. *h₁olH-monmit uridg. *h₁elH- ‘modrig sein’ zu verknüpfen: der Übergang ‘Moder’ > ‘Fäule’ > ‘Eiter’ erscheint unproblematisch. Die Verknüpfung mit den ‘Bewegungsverbwurzeln’ uridg. *h₁elh₂- ‘wohin treiben’ (IEW I 306f.; LIV 2001 [1998]: 235) oder uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (IEW I 27f.; LIV 2001 [1998]: 264) würde es notwendig machen anzunehmen, dass das Benennungsmotiv für das Wort für ‘Eiter’ sein Fließen wäre.
Wohl damit zu verbinden ist dann auch lit. ãlksna f. ‘Pfütze, Lache’, lett. al(u)ksna f. ‘einschießende morastige Stelle’ < vorurbalt. *h₁olH-s-nah₂- ‘die Morastige’.
Lit. álmē (1), almē (4) f. ‘aus dem Körper austretende Materie’, elmēs (4) f. Pl. ‘dass.’ sind weniger sicher einzuordnen: Wenn das ‘Austreten’ der Masse, also dessen Bewegung das Benennungsmotiv gewesen sein sollte, kann eine der beiden ‘Bewegungsverbwurzeln’ zugrunde liegen (urbalt. *álmijā- < vorurbalt. *h₂elh₂-miēh₂oder *h₁olh₂-miēh₂einerseits gegenüber urbalt. *élmiā- < vorurbalt. *h₁elh₂-miēh₂andererseits). War aber das Benennungsmotiv, dass es sich bei der austretenden Masse eben um Fauliges gehandelt hat, mag hier auch urbalt. *álmijā- < vorurbalt. *h₁olH-miēh₂einerseits gegenüber urbalt. *élmiā- < vorurbalt. *h₁elhH-miēh₂andererseits anzusetzen sein.
Man kann wohl keine Argumente dafür finden, dass alle drei eingangs genannten Wurzeln im Litauischen fortgesetzt sind, aber ein Gegensatz ‘Bewegungsverbwurzel’ versus ‘Moder, Fäule’ erscheint doch als wahrscheinlich. Ob die ‘Bewegungsverbwurzel’ nun uridg. *h₁elh₂- ‘wohin treiben’ (IEW I 306f.; LIV 2001 [1998]: 235) oder uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (IEW I 27f.; LIV 2001 [1998]: 264) war, oder ob beide im (Vor-)Urbaltischen zu einer Wurzel frühurbalt. *ełH-/*ałHzusammengefallen sind, lässt sich nicht mehr entscheiden bzw. hängt davon ab, welchen argumentativen Wert man theoretisch möglichen (vor-)urbaltischen morphologischen Bildemechanismen zugesteht.
Neben der gerade dargestellten Erklärung der unterschiedlichen Vokale (a- : e-) des Anlauts der litauischen Wörter auf der Grundlage verschiedener urindogermanischer Wurzeln und/oder auf Grundlage verschiedener Ablautstufen sei auch noch darauf verwiesen, dass auch die Möglichkeit besteht, dass es sich hierbei um eine (dialektale) innerlitauische bzw. innerbaltische Variation handelt, bei der nach der ‘Lex Rozwadowski’, ¹² lit. eeben mit lit. dial. awechselt, wie z.B. in lit. ẽžeras m. ‘See’ vs. lit. dial. ažaras, ažeras m. ‘dass.’, apreuß. assaran ‘dass.’. Entscheiden lässt sich dies wohl kaum. Auf die Möglichkeit unterschiedlicher zugrundeliegender Wurzeln kann der Intonationsunterschied der litauischen Wortformen hindeuten: Formen mit Akut (álksna, álmē) können kaum anders als auf Grundlage einer urindogermanischen Wurzel mit auslautendem Laryngal erklärt werden, solche mit zirkumflektierter Wurzel können hier wenig zu einer Entscheidung beitragen, da hier auch bei ursprünglich stoßtonig intonierter Wurzel das Suffix *-ijāden Zirkumflex hervorgerufen
¹² Vgl. dazu Jan Rozwadowski 1914–1915.
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haben kann. Erschwert wird die Beurteilung des Werts der Intonationen für die Erklärung zudem dadurch, dass neben o-stufiger Wurzel der Laryngal nach der de Saussureschen Regel eigentlich früh geschwunden sein sollte und kein Akut vorliegen dürfte.
In diesem Zusammenhang sei auch noch darauf hingewiesen, dass ein Element ur balt. *almavergleichsweise häufig in der litauischen bzw. allgemein baltischen Hydronymie begegnet; vgl. etwa die Flussnamen lit. Almė, Almajā, Almuonė oder die Seenamen lit. Āl̄majas, Āl̄menas etc. Diese werden traditionell mit dem Verb alméti verknüpft bzw. gelten gar als von diesem abgeleitet¹³. Keiner dieser Namen scheint eine stoßtonige Wurzel zu haben. Zudem werden diese Namen auch oft mit zwei ostindogermanischen Wörtern in Verbindung gebracht, ai. ármam. ‘Brunnen’ und toch. B ālme n. ‘Quelle’. Beide Formen weisen auf eine Vorform ohne auslautenden Laryngal bzw. lassen keine Aussage zu. Beide Wörter werden gewöhnlich auf uridg. *h₂el-mozur Wurzel uridg. *h₂el- ‘ernähren, wachsen’ (IEW I 26f.; LIV 2001 [1998]: 262) gestellt¹⁴ und etymologisch mit lat. almus ‘nahrhaft, nährend’¹⁵ identifiziert. Unter dieser Voraussetzung scheint es wahrscheinlich, dass die genannten litauischen Gewässernamen eben auf dieser Grundlage aufgebaut sind und dass zudem auch lit. alméti ein denominales Verb von dieser Grundlage ist, wobei freilich eine ordentliche semantische Verschiebung akzeptiert werden muss: ‘ernähren’ (uridg. *h₂el-) > ‘hervorbringen’ > ‘Quelle, Brunnen’ (ai. árma-, toch. B ālme) > ‘irgendwas mit Wasser/Fließen’ (litauische Gewässernamen) > ‘überschwemmen’ (lit. alméti). Für ein primäres Verb konnte lit. alméti freilich ohnehin nie gehalten werden, d.h. dieses Verb und die genannten Gewässernamen sind am ehesten parallele Bildungen von derselben Ausgangsbasis. Auf der Ebene von „irgendwas mit Wasser/Fließen“ (litauische Gewässernamen)“ könnten hier wohl auch die oben diskutierten Formen eingefügt werden, die mit lit. aanlauten und zirkumflektierte Intonation zeigen, also vielleicht almuõ (3) m. ‘Eiter’ und sicher almẽ (4) f. ‘aus dem Körper austretende Materie’ – akutierte Formen und solche die mit eanlauten, können mit der mutmaßlich zugrundeliegenden Wurzel uridg. *h₂elnicht vereinbart werden.
Zurück zum Germanischen: Die Wurzel, die ‘modrig, faulig sein’ bedeutet, ist gut im Germanischen fortgesetzt. Die dort vertretenen Lexeme bedeuten durchweg nur dies und repräsentieren Fortsetzer einer Wurzel *h₁el(H)-. Der Ansatz dieser Wurzel würde dann unnötig (fiele mithin Ockhams Rasiermesser zum Opfer), wenn man alle germanischen Wörter, die traditionell hiervon abgeleitet werden, nachweislich auf die beiden o.g. ‘Bewegungsverburzeln’ uridg. *h₂elh₂- ‘wohin treiben’ (IEW I 306f.; LIV 2001 [1998]: 235) oder uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (IEW I 27f.; LIV 2001 [1998]: 264) zurückführen könnte. Anders aber als etwa bei lit. almuõ, almẽ, el̃mės, die ‘Eiter, aus einem toten Körper austretende Flüssigkeit’ bedeuten, lässt sich bei den germanischen Wörtern nicht ansatzweise
¹³ Vgl. Vanagas 1981: 39f.
¹⁴ Vgl. DTB 2013 [1999]: 29, 60; EWAIa I 120.
¹⁵ Vgl. EDLIL 35 (s.v. alō).
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eine Bedeutung greifen, die noch irgendwie mit einer Bewegung (einer Flüssigkeit) verbunden werden könnte. Man wird also besser bei der traditionellen Auffassung bleiben.
Im Deutschen stellen sich zu dieser Wurzel etwa ahd. olmo m. ‘fauliges, morsches Holz’, mhd. ulmic, -iges adj. ‘von Fäulnis angefressen’ (MH 2: 1721), in deutschen Dialekten lässt es sich als ulmig ‘faulig, verfault’ noch im Elsässischen, Pfälzischen und Westfälischen nachweisen¹⁶, im Thüringischen stellen sich dazu eben Ülme ‘verrufene Gegend, feuchte Stelle im Acker’, ülmig ‘stellenweise nass’. Alle diese Formen weisen auf urgerm. *ulma- ‘Fäule, Fäulnis’ zurück.
Daneben gibt es aber auch noch das Grundwort nhd. Ulm ‘fauliges Holz, Moder’ (DW XXIII 754 [Ulm²]). Zu weiteren etymologischen Anschlüssen innerhalb und außerhalb des Germanischen siehe EWAhd VI 1168–1171.
Unklar bleibt, weshalb ebenda ahd. olmo m. ‘faules/morsches Holz’ auf uridg. *h₂elh₂- ‘wohin treiben’ (LIV 2001 [1998]: 235) bzw. uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (LIV 2001 [1998]: 264) zurückgeführt wird, obwohl es die Wurzel uridg. *h₁elH- (traditionell „3. el- : ol- ‘modrig sein, faulen’“ [IEW I 305]) gibt. Eine Herleitung westgerm./urgerm. *ulm-an- ← westgerm./urgerm. *ulma- < vorurgerm. *h₁l(H)-m(n)óist völlig unbedenklich.
An dieses Etymon lässt sich weiter eine Sippe deutscher Ortsund Gewässernamen problemlos anschließen, wie im Weiteren gezeigt werden soll.
2. ONOMASTICA TEUTONICA
Der Ortsname Ulm und mit ihm verwandte Namen haben bislang drei verschiedene sinnvolle Erklärungen gefunden – und eine vierte, von der längst erkannt wurde, dass sie nicht zutreffen kann. Dieselbe Etymologie des Grundworts weisen einige weitere Ortsund Gewässernamen (Nieder-Olm, Ober-Olm, Ulmbach, ein weiteres Ulm etc.) auf, die alle mittelalterliche Vorformen der Gestalt Ulma (im Falle von Ulm an der Donau) bzw. Ulmena, Ulmene, Olmena haben. Diese drei Erklärungen sollen im folgenden Beitrag einmal auf ihre Stichhaltigkeit und ihre Gangbarkeit untersucht werden.
Die Namensippe wurde oft zu dem Verb urgerm. *ualle/a-/*uule/a- ‘wallen’ gestellt, zweitens zu einem Etymon urgerm. *ulma- ‘Moder, Fäulnis’ und schließlich wurde mit einem alteuropäischen Gewässernamen zur „Gewässerwurzel *el-/*ol-“ als Ausgangspunkt gerechnet.
Die vier eben erwähnten Lösungsansätze und weitere, hier nicht mehr zu besprechende Vorschläge, wurden am ausführlichsten von Lutz Reichardt (1986: 302–310, bes. 307–310) behandelt. Alle nachfolgenden Arbeiten bieten dazu weder Fortschritte noch nennen sie immer alle Vorschläge.
¹⁶ Vgl. Martin, Lienhart 1899: 33; Christmann 1994: 874; Niebaum et al. 2021: 1075; DW XXIII 758.
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2.1. Die Namen und ihre traditionellen Erklärungen
In aktueller Literatur werden folgende Erklärungen für das gesammelte Material geboten:
Im DONB (= Niemeyer 2012: 632) zählt Jörn Riecke alle vier bislang vorgebrachten Lösungen auf und erklärt den Ortsnamen Ulm so:
813 Ulmam ... villam (F. 2. Drittel 12. Jh.), 854 Hulmam [Or], 856 Ulma [Or]; Ulm (1334) [<...> Dem ON liegt ein mehrfach bezeugter GwN zu Grunde, der entweder – mit einer innergermanischen Etymologie – zum starken Verb germ. *walla- ‘wallen’ gehört, oder – in Anbetracht ähnlich lautender osteuropäischer GwN – als vorgermanisches Gewässerwort (zu *el-/*ol-) zu deuten ist. Ein Anschluss an mhd. ulmic ‘von Fäulnis angefressen’ ist sprachlich möglich, weil eine Bedeutungsentwicklung zu ‘sumpfig’ denkbar ist. Der Anschluss erklärt aber die Herkunft der übrigen Ulm-GwN nicht. Die Verbindung mit Ulme ist ausgeschlossen, da der Baum im MA. elm(boum) heißt.
J. Riecke folgt hier L. Reichardt 1986, der dieselben drei gangbaren Möglichkeiten nennt. Nicht zitiert wird hier wie dort Adolf Bach (1953: 157, 235), der die Herleitung von mhd. ulmic ‘von Fäulnis angefressen’ neben der zu *ual(l)- anführt und sich wiederum auf noch etwas ältere Literatur beruft.
Was den Ausschluss der Baumbezeichnung nhd. Ulme bzw. ihrer Vorformen im Rahmen der Erklärung des Ortsnamens angeht, kann man J. Riecke (und vor ihm bereits Reichardt 1986: 307f. und Bach 1953: 235) nur zustimmen: Dieses Wort ist erst spät(est)althochdeutsch bzw. mittelhochdeutsch in Gl. 3,40,59 (12. Jh., bair.) bezeugt und ist möglicherweise ein Lehnwort aus dem Lateinischen, wenngleich eine Erklärung als germanisches Erbwort nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. EWAhd IX s.v. ulm)¹⁷.
Was bei Riecke nicht erwähnt wird, ist der Umstand, dass beim Ortsnamen Ulm die Senkung *u > o nicht stattgefunden hat, obwohl in der Folgesilbe ein dunkler Vokal steht (westgerm. *Ulmō-). L. Reichardt (1986: 309f.) erklärt dies damit, dass die frühen Belege durchweg in lateinischen Dokumenten bezeugt seien und es hier früh zu einer Beeinflussung der Namenform durch lat. ulmus ‘Ulme’ gekommen sei.
Weiter gehört hierher der Name Ulmen (in der Eifel), den Albrecht Greule in DONB 632 behandelt:
¹⁷ EWAhd IX: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen [Etymological Dictionary of Old High German] 9: t- – u-, hrsg. von R. Lühr, erarb. von D. S. Wodtko (Arbeitsstellenleitung), H. Bichlmeier, M. Kozianka, R. Schuhmann, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Der Band wird voraussichtlich im Jahr 2026 erscheinen.
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1074 Ulmena, um 1120–62 ulmene, 1253 Ulmen, 1434 Ulmen. III. Der Name gehört in eine Reihe mit den ON Nieder-/Ober-Olm (bei Mainz), Ulm (Kr. Wetzlar), Ulm (Lkr. Rastatt) und Ulm (Ortenaukreis), die alle an Gewässern liegen und Ulmena/Olmena als Grundform haben. Ulmen (Eifel) liegt am Ulmener Maar. Ulmena, älter *Ulmana, ist mittels n-Suffix von germ. Adj. *(w)ulma- (zu *wula- ‘wallen’) abgeleitet.
Ähnliches schreibt A. Greule in DGNB 554 zum Gewässernamen Ulmbach:
²Ulmbach, r.z. Lahn (z. Rhein), entspringt im Westerwald südlich von Mademühlen (Gem. Driedorf, Lahn-Dill-Kreis, Hessen, D), wird durch die Ulmbachtalsperre zu einem See aufgestaut, mündet bei Biskirchen (Stadt Leun, Lahn-Dill-Kreis). – 1000 (Kopie 12. Jh.) flumen Ovmena (lies Olmena), 1313 mitten in de Ulmen, 1325 uff der Ulmene, 1341 zuschin ... der Olmene, 1486 (Kopie 18. Jh.) uff der Vlme; ON. Ulm (Gem. Greifenstein, Lahn-Dill-Kreis), 1286 de Olmene (und weitere Belege), 1308, 1328 de Ulmene, 1314 de Olmena (und weitere Belege), 1321 de Ulmina, 1495 Olmen. – Grundform FIN. ahd. *Ulmana > mhd. Ulmene/Olmene, mit n-Suffix abgeleitet von (nord)gm. Adj. *wulma- ‘tobend’ (awn. olmr ‘wütend’) zum Verb gm. *wul-a- ‘wallen’; FIN. gm. *wulmanō mit Verlust des anlautenden /w-/ vor /u/ > *Ulmana. Mit dem Flussund Ortsnamen ist eine Reihe von Ortsnamen, die heute Olm/Ulm lauten, identisch.
Weitere Ortsnamen, wie etwa Nieder-Olm/Ober-Olm (vgl. schon Greule 1983: 280–282) gehören ebenfalls zu dieser Sippe; insgesamt stellt bereits Greule 1983: 281 vier Ortsnamen in Deutschland zusammen, die als älteste Belege im Mittelalter Ulmena, Ulmene, Olmene haben, die alle auf ahd. *Ulmana < westgerm. *Ulmanōzurückgehen, Ulm (Kreis Wetzlar), Ulmen (Kreis Cochem-Zell), Ulm (Stadt Lichtenau, Kreis Rastatt), Ulm (Ortenau-Kreis), und verweist weiter auf Olmen in Belgien. In Deutschland finden sich die Namen mit dem Bestandteil Ulm(-) also in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Neu-Ulm als Name einer Stadt in Bayern (Regierungsbezirk Schwaben) zählt als eine Art Nachbenennung nach Ulm hier nicht.
Während A. Greule im DONB und DGNB nur mehr die germanische Lösung mit der Verbindung zu urgerm. *u̯alle/a-/*u̯ule/aerwähnt, nennt er in seinem älteren Beitrag (Greule 1983: 281) auch noch die Möglichkeit der Herleitung der zu dieser Sippe gehörigen Namen von der „Gewässernamenwurzel *el-/*ol-“ und nimmt damit eine Analyse H. Krahes (1957: 7f.) auf.
Zu dieser Wurzel sei noch einmal die zentrale Aussage in Bichlmeier 2024: 18f. (und ähnlich auch schon Bichlmeier 2013c: 21) in Erinnerung gerufen:
Es findet sich etwa weder im Lexikon der indogermanischen Verben noch im schon 1959 erschienen IEW eine Wurzel der Struktur *eL-/*ol-, die in irgendeiner appellativischen Bildung ‘fließen’ bedeutet. Es finden sich vielmehr:
„1. el-, ol-, əl-, ‘Farbwurzel’ mit der Bedeutung ‘rot, braun‘“ (IEW 302–304) [modern: *h₁el-];
„2. el- ‘ruhen??“ (IEW 304f.);
„3. el- : ol- ‘modrig sein, faulen‘“ (IEW 305) [modern: *h₁el(H)-]¹⁸;
„4. el-, ol- Schallwurzel“ (IEW 306);
„5. el-, ol- ‘vernichten, verderben??“ (IEW 306, 777) [modern: *h₃el h₁- (LIV² 298)];
„6. el-, elo- : lā-; el-eu-(dʰ-) ‘treiben, in Bewegung setzen, sich bewegen, gehen“ (IEW 306f.) [modern: *h₁elh₂- (LIV² 235)];
„7. el-, elo-, mit -k-Erweiterung elk-, elok- ‘hungrig, schlecht’ (?)“ (IEW 307);
„8. el-, eléi-, lēi- ‘biegen‘“ (IEW 307–309) [modern: *h₁lei- ?].
Stellt man in Rechnung, dass uridg. *o sich zu urgerm. und ur balt. *a wandelt, können folglich ausgehend von den gerade angeführten Wurzeln folgende rekonstruierte Formen eine Gestalt urgerm. bzw. ur balt. *algenerieren: uridg. *h₁ol(H)-, *h₂el(H)-, *h₂ol(H)-, *h₃el(H)-, *h₃ol(H)- (ggf. uridg. *a-, *ol-).
Hinzu kommen noch folgende Wurzeln, die in einem Gewässernamen theoretisch auftauchen könnten (sowie weitere, deren Auftreten in einem Gewässernamen unwahrscheinlich ist, wie *al- ‘brennen’ [IEW 24–29 passim]):
*al- ‘weiß’ (IEW 29) [modern: *h₂al-];
*al- ‘ernähren, wachsen’ (IEW 26f.) [modern: *h₂al- (LIV² 262)];
*āl- ‘planlos umherschweifen, herumirren’ (IEW 26f.) [modern: *h₂elh₂- (LIV² 264)];
*alu- ‘bitter’ (IEW 33f.) [modern: *h₂al-?].
Bei den Verweisen auf „*el-/*ol- ‘fließen’“ dürfte wohl die in der o.a. Liste unter Nr. 6 angeführte Wurzel gemeint sein, die noch am ehesten als ‘Gewässernamenwurzel’ fungieren können dürfte.
¹⁸ Im aktuellen Kontext sei erwähnt, dass auch Reichardt 1986: 308 und 309 sich diesem Irrtum respektive dieser Fehlinterpretation des IEW anschließt und zu dessen Verbreitung beiträgt, wenn er von der „Wurzel *el–/*ol– ‘fließen, strömen, feucht sein, modrig sein’“ spricht und sich S. 308 sogar explizit auf IEW I 305 beruft, wo dieser Wurzel von Pokorny die Bedeutung ‘fließen, strömen’ gar nicht zugewiesen wird.
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Insofern ist die Nichterwähnung dieser Lösung in den jüngeren Kommentaren A. Greules zu den hier verhandelten Namen ein Fortschritt. Die in den o.a. Arbeiten von A. Greule präferierte Auffassung wird auch von Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein (2013: 266f. s.v. Neu-Ulm) mit Berufung auf Greule (2007: 105 = 2004: 97) übernommen, findet sich auch in Greule (2007: 42 = 1998: 6), mit Berufung auf letzteren dann auch bei Jürgen Udolph (2004: 151).
Dieter Berger (1999: 279f.) lässt noch diese Erklärung neben der Rückführung auf den o.a. alteuropäischen Namen gleichwertig gelten.
Klar ist, betrachtet man sich das o.a. Bedeutungsspektrum der Wurzeln, dass das o.a. mhd. ulmic, -iges zur Wz. „3. el- : ol- ‘modrig sein, faulen’ (IEW I 305) [modern: *hel(H)-]“ gehören dürfte. Es setzt wohl ahd. *ulmīg < westgerm. *ulmīga- < urgerm. *ulmīga- < vorurgerm. *h₁l̥(H)-mfort. Weiteres s.u.
2.2. Analyse der bisherigen Erklärungen der deutschen Ortsund Gewässernamen
Ein Problem für die germanische Etymologie, die einen Zusammenhang mit germ. *u̯alle/a- ‘wallen’ bzw. mit der schwundstufigen Form derselben Wurzel wie im Adjektiv *u̯ulma- (zu *wule/a- ‘wallen’, vgl. got. wulan ‘dass.’) herzustellen sucht, ist das anlautende germ. *uder Verbwurzel. Die angeführten Ortsund Gewässernamen zeigen es nie. Nach Auskunft des Gotischen war es aber auch in der schwundstufigen Wurzelform sicher vorhanden.
Dies ist hier in jedem Falle wohl auch lautgesetzlich so, denn die Wurzel ist tatsächlich uridg. *u̯elH- ‘sich wälzen, wallen’ (LIV 2001 [1998]: 677), nicht, wie meist in der (älteren bzw. veralteten) Literatur zu lesen, uridg. *u̯el-. Dies hat zur Folge, dass unabhängig davon, ob im Zuge der Wortbildung auf die schwundstufige Wurzel nun ein Vokal oder Konsonant folgte, die Vokalisierung in der sich ergebenden Phonemfolge immer ein l̥sonans generierte: vorurgerm. *u̯l̥H-V/K- > urgerm. *u̯ul-V/K-; man vgl. etwa auch uridg. *u̯rǵ- ‘arbeiten’ > urgerm. *u̯urk- (und nicht urgerm. †urk-) in got. waúrkjan ‘arbeiten’ bzw. ahd. werken/wurchen¹⁹.
War in einer solchen Form – auf welche Weise auch immer – ein vorvokalisches urgerm. *u- > westgerm. *uentstanden, schwand dieses im Westgermanischen (und folglich auch im Althochdeutschen) nicht mehr – auch nicht vor -u- (vgl. Braune, Heidermanns 2023: § 106).
Der in den o.a. Untersuchungen zu Ortsund Gewässernamen der Form Ulm(-) bisweilen angenommene „Verlust des anlautenden /w-/ vor /u/“ (DGNB 554; zurückhaltender dazu noch Greule 1983: 281!) kann somit für die Namengruppe nicht angesetzt werden, da er im Westgermanischen nicht stattfindet. Diesen Schwund gibt es lautgesetzlich (vor gerundeten Vokalen, vor r + gerundeten Vokalen und in einigen anderen
¹⁹ Vgl. Lehmann 1986: W-41; Schützeichel 2012: 402.
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Positionen) nur im Nordgermanischen20, wie ihn das in der o.a. Literatur auch regelmäßig angeführte Adjektiv aisl. olmr ‘wütend’ (< urnord. *[u]olma- < urgerm. *uulma-)21 zeigt. Als Parallele sei auf das dem o.a. got. waúrkjan entsprechende aisl. yrkja, Prät. orta (im Gegensatz auch zu ae. wyrcan, Prät. worhta bzw. ahd. werken/ wurchen, Prät. wor[a]hta) verwiesen.
Jedenfalls dürfte der in der angeführten Literatur (Greule 1983; Reichardt 1986) erwähnte Gewässername norw. Olma mit aisl. olmr zusammenhängen, wenngleich auch die beiden anderen als möglich erkannten Etymologien hier in Frage kommen könnten. Folglich kann nach dem oben Gesagten der Flussname norw. Olma nur dann mit der Ulm-Sippe verbunden werden, wenn er etymologisch nicht zu aisl. olmr gehört, sondern entweder ‘alteuropäischen’ Ursprungs ist oder auf urgerm. *ulma- ‘Fäulnis, Fäule’ beruht (s.u.).
Will man nicht annehmen, dass Namen anderen Gesetzmäßigkeiten folgen als Appellativa, bleibt nur, sich damit abzufinden, dass diese traditionelle Etymologie für die deutschen Namen, die diese auf Grundlage von *ual(l)-/*uulerklärt, zu verwerfen ist.
Damit bleiben zwei Möglichkeiten übrig: eine weitere innergermanische und die alteuropäische. Folgt man im Weiteren dem Grundsatz, dass man zur Etymologisierung von Namen nur dann auf eine Erklärung auf einer nächstälteren Sprachstufe zurückgreifen muss/soll, wenn man auf einer jüngeren nicht zu einer Lösung findet, so ist der germanischen der Vorzug zu geben.
Das oben genannte mhd. ulmic, -iges adj. ‘von Fäulnis angefressen’ zu westgerm. bzw. urgerm. *ulma- ‘Fäule, Fäulnis’ o.ä. erscheint als unbedenklich, anfügen lässt sich weiter o.a. ahd. olmo m. ‘faules/morsches Holz’ etc., was – wie oben bereits dargelegt – eben auch den Anschluss dieser Lexeme sowie der deutschen Ortsund Gewässernamen an baltisches Sprachmaterial gestattet.
Letztlich hat auch schon J. Riecke (DONB 632 [s.o.]) gesehen, dass im Prinzip für den Ortsnamen Ulm entweder eine germanische Erklärung in Verbindung mit mhd. ulmic oder eine vorgermanische Erklärung denkbar ist. Unverständlich bleibt aber die ebenda getroffene Aussage: „Der Anschluss erklärt aber die Herkunft der übrigen Ulm-GwN nicht.“ Denn wenn eine Grundlage ahd. *ulm (belegt ist nur ahd. olmo [s.o.] < westgerm./urgerm. *ulm-an- < westgerm. *ulma- < urgerm. *ulma- < vourgerm. *h₁l(H)-m(n)óakzeptiert wird, was völlig unbedenklich erscheint, so kann ein solches *ulmebenso Grundlage für den Ortsnamen Ulma > Ulm wie für die o.a. Gewässerund Ortsnamen des Typs westgerm. *Ulmanō- > Ulmena > Ulm, Ulmen sein. Benennungsmotiv wäre wohl jeweils ein sich durch Fäule/Fäulnis auszeichnendes Gewässer gewesen.
Ist man nicht bereit, diese inner(west)germanische Erklärung zu akzeptieren, muss man mit einem alteuropäischen Gewässernamen rechnen. Aus der o.a. Palette von einem Dutzend bei Julius Pokorny im IEW gebuchten Wurzeln kommen folgende aufgrund ihrer Bedeutung für einen Gewässernamen am ehesten in Betracht:
20 Vgl. dazu Noreen 1970: 169–171.
21 Vgl. de Vries 1962: 418.
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– 1. el-, ol-, əl- ‘Farbwurzel’ mit der Bedeutung ‘rot, braun’ (IEW I 302–304) [modern: *h₁el-];
– 3. el- : ol- ‘modrig sein, faulen’ (IEW I 305) [modern: *h₁el(H)-];
– 4. el-, ol- Schallwurzel (IEW I 306) [modern: *Hel(H)-];
– 6. el-, elo- : lā-; el-eu- (dʰ-) ‘treiben, in Bewegung setzen, sich bewegen, gehen’ (IEW I 306f.) [modern: *h₁elh₂- (LIV 2001 [1998]: 235)];
– *al- ‘weiß’ (IEW I 29) [modern: *h₂al-/*h₂el-];
– *āl- ‘planlos umherschweifen, herumirren’ (IEW I 26f.) [modern: *h₂elh₂- (LIV 2001 [1998]: 264)];
Es ergeben sich mit diesen Wurzeln folgende möglichen Rekonstrukte:
– 1’: uridg. *h₁l̥-m(n)ó- ‘rötlich, bräunlich’,
– 3’: uridg. *h₁l̥(H)-m(n)ó- ‘modrig, faulig’,
– 4’: uridg. *(H)l̥(H)-m(n)ó- ‘rauschend, brausend’,
– 6’: uridg. *h₁l̥h₂-m(n)ó- ‘sich bewegend’ [sekundär (!) → ‘fließend’ ?],
– uridg. *h₂l̥h₂-m(n)ó- ‘sich planlos bewegend’ → ‘mäandrierend’ ?],
– *h₂l̥-m(n)ó- ‘weiß’.
Nach Schwund der Laryngale ergeben alle diese Formen vorurgerm. *lmo-, das bei früher Übernahme ins Germanische automatisch zu *ulmageworden ist.
4. ZUSAMMENFASSUNG
1. Die Appellativa lit. aléti ‘fließen, tröpfeln, laufen, eilen’, nualéti ‘überlaufen, (Felder) überschwemmen’, almūo (3) m. ‘Eiter’, álmė (1), almẽ (4) f. ‘aus dem Körper austretende Materie’, ẽlmės (4) f. Pl. ‘dass.’ wurden traditionell aus einer einzigen Wurzel erklärt, sind aber wohl Fortsetzer mindestens zweier verschiedener urindogermanischer Wurzeln: einerseits einer der ‘Bewegungsverben’ uridg. *h₁elh₂- ‘wohin treiben’ oder uridg. *h₂elh₂- ‘ziellos gehen’ (bzw. einer aus den beiden verschmolzenen [vor-]lurbaltischen Wurzel *alH-/*elH-), andererseits der Wurzel uridg. *h₁el(H)- ‘modrig, faulig sein’. Etymologisch davon zu trennen sind wahrscheinlich litauische/baltische Gewässernamen auf Grundlage eines Elements *almsowie das wohl auf derselben Grundlage beruhende Verb lit. almėti – sie gehören wohl zu ai. árma-, toch. B ālme, lat. almus, die letztendlich auf der Wurzel uridg. *h₂el- ‘nähren, wachsen’ beruhen.
2. Zu diesen erstgenannten Wurzeln gesellen sich weiter deutsche Ortsund Gewässernamen (Ulm etc.), die auf einer Wurzel/Ableitungsgrundlage vorahd./westgerm./urgerm. *ulmaufbauen. Diese zeigt sich im appellativen Wortschatz des Deutschen etwa in ahd. olmo ‘modriges/morsches Holz’, mhd. ulmic, -iges ‘von Fäulnis angefressen’. Die Namen sind wohl ursprüngliche Gewässernamen, die modrige, faulige
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Gewässer benennen. Grundlage ist urgerm. *ulma- < vorurgerm. *h₁l(H)-m(n)ózur Wurzel uridg. *h₁el(H)- ‘modrig, faulig sein’.
3. Eine Ableitung der deutschen Namen von der Wurzel uridg. *u̯elH- ‘wälzen, wallen’ ist nicht möglich, die Namensippe müsste im Westgermanischen/Deutschen mit *u̯- > Wanlauten, es wäre eben urgerm./westgerm. *uulm- > ahd. *wulmzu erwarten.
4. Theoretisch möglich bleibt, dass die Namen ‘alteuropäische’, also vorgermanische Gewässernamen fortsetzen. In diesem Fall kommen mindestens folgende sechs Wurzeln in Frage:
– *el-/*ol-/*əl- ‘Farbwurzel’ mit der Bedeutung ‘rot, braun’ (IEW I 302–304) [modern: *h₁el-],
– *el-/*ol- ‘modrig sein, faulen’ (IEW I 305) [modern: *h₁el(H)-],
– *el-/*ol- Schallwurzel (IEW I 306) [modern: *Hel(H)-],
– *el-/*elə- : *lā- ‘treiben, in Bewegung setzen, sich bewegen, gehen’ (IEW I 306f.) [modern: *h₁elh₂- (LIV 2001 [1998]: 235)],
– *al- ‘weiß’ (IEW I 29) [modern: *h₂al-/*h₂el-],
– *āl- ‘planlos umherschweifen, herumirren’ (IEW I 26f.) [modern: *h₂elh₂- (LIV 2001 [1998]: 264)].
Eine Festlegung auf eine dieser Wurzeln ist nicht möglich.
5. Da der methodologische Grundsatz gilt, dass einer Erklärung auf einer jüngeren Sprachstufe der Vorzug vor einer auf einer älteren Sprachstufe zu geben ist, wenn beide widerspruchsfrei möglich sind, ist die wahrscheinlichere Erklärung die, dass die deutsche Namensippe auf urgerm./westgerm. *ulmaberuht, was einerseits mit ahd. olmo ‘modriges, morsches Holz’, mhd. ulmic, -iges ‘von Fäulnis angefressen’ etc. und andererseits mit litauischen Wörtern aus dem Bedeutungsfeld ‘Eiter’ zu verbinden ist.
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Dėl liet. alėti, almuo, almė, elmės ir kitų etimologijos bei jų santykio su vokiečių vietovardžiu Ulm ir jo giminaičiais
SANTRAUKA
1. Apeliatyvai liet. alėti ‘tekėti, lašėti, bėgti, skubėti’, nualėti ‘driektis (apie laukus), užlieti’, almuo (3) m. ‘pūlinys’, almė (1), almė (4) f. ‘iš kūno išsiskirianti masė’, tradiciškai aiškinami siejant su viena šaknimi, nors jie yra dviejų skirtingų indoeuropietiškų šaknų dariniai, t. y. judėjimą reiškiančio veiksmažodžio šaknis, senoji ide. *h₁elh₂- ‘stumti, nešti’ arba senoji ide. *h₂elh₂- ‘vaikštinėti’ (tai dviejų senųjų baltiškų susiliejusių šaknų *alH-/*elHdarinys) ir senoji ide. *h₁el(H)- ‘pūti’.
Etimologiniu požiūriu reikėtų atskirti lietuviškus, baltiškus vandenvardžius su pamatiniu *almir greičiausiai to paties pamato liet. veiksmažodį al̀mėti, nes jie galbūt sietini
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su senąja indų ārma-, tocharų B ālme, lot. almus ir kildintini iš senosios ide. šaknies *h₂el- ‘maitinti, augti, auginti’.
2. Su pirmosiomis minėtomis šaknimis sietini ir vokiečių vietovardžiai bei vandenvardžiai (Ulm ir kiti), sudaryti ankstyvosios vokiečių aukštaičių, vakarų germanų, senosios germanų šaknies *ulmpagrindu. Ji sutinkama vokiečių kalbos bendriniuose žodžiuose, pavyzdžiui, sen. vok. aukšt. olmo ‘pūvanti, tręštanti mediena’, sen. vok. vid. ulmic, -iges ‘supuvęs, -usi, sutęšęs, -usi’. Greičiausiai dėl vandens kokybinių ypatybių pirmiausia taip buvo įvardijami vandenvardžiai. Jų įvardijimo pagrindu laikytinas sen. germ. *ulma- < ankstyvojo sen. germ. *h₁l̥(H)-m(n)õ remiantis sen. germ. šaknimi *h₁el(H)- ‘supuvęs, -usi, sutrešęs, -usi’.
3. Senosios germanų šaknies *uelH- ‘suktis, verstis’ vediniai vokiečių kalbos varduose negalimi. Tokios vardų grupės atvejai vakarų germanų (vokiečių) kalboje turėtų prasidėti *ų- > W-. Tuomet senosios germanų, vakarų germanų *ųulmturėtų virsti senąja vokiečių aukštaičių *wulm-.
4. Žvelgiant iš teorinės perspektyvos, galima teigti, kad tokie vardai yra Senosios Europos, t. y. ikigermaninio laikotarpio vandenvardžių palikuonys. Tai galimai atspindi šios šešios šaknys:
- *eI-/*oI-/*ōIspalvą reiškianti šaknis ‘raudonas, -a, rudas, -a’ (IEW I 302–304) [šiuolaikinė: *h₁el-],
- *eI-/*oI- ‘supuvęs, -usi, sutrešęs, -usi’ (IEW I 305) [šiuolaikinė: *h₁el(H)-],
- *eI-/*oIskambėjimą, garsą reiškianti šaknis (IEW I 306) [šiuolaikinė: *Hel(H)-],
- *eI-/*elə-: *l̥a- ‘stumti, judinti, judėti, eiti’ (IEW I 306f.) [šiuolaikinė: *h₁elh₂- (LIV 2001 [1998]: 235)],
- *al- ‘baltas, -a’ (IEW I 29) [šiuolaikinė: *h₂al-/*h₂el-],
- *āl- ‘vaikštinėti, bėginėti’ (IEW I 26f.) [šiuolaikinė: *h₂elh₂- (LIV 2001 [1998]: 264)]. Šiuo atveju remtis bet kuria iš šių šaknų negalima.
5. Atsižvelgiant į metodologinį principą, kada aiškinant vėlesnę kalbos atmainą pirmenybė teikiama ankstesniajai kalbos atmainai, nors abiejų duomenys sutampa, šiuo atveju būtų įtikinamiau teigti, kad šios vokiečių vardų grupės aiškinimas sietinas su senąja germanų, vakarų germanų šaknimi *ulma-. Tuomet atkreiptinas dėmesys ir į sen. vok. aukšt. olmo ‘supuvusi, sutrešusi mediena’, vok. vid. aukšt. ulmic, -iges ‘supuvęs, -usi, sutrešęs, -usi’ ir kt., ir į lietuviškus ‘pūlinys’ lįzdo žodžius.
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