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INVENTAR
DER MIGRATIONSBEGRIFFE
Clank iminali ä
KAROLINE REINHARDT
Abs ac
De Bei ag se z sich k i isch mi dem in Medien, Poli ik und Polizeia bei e ablie en Beg i de
Clank iminali ä auseinande . Ausgehend on de Annahme, dass Beg i e soziale Wi klichkei
nich nu besch eiben, sonde n ak i mi he o b ingen, wi d die besonde e Wi kmach dieses
Beg i s im Kon ex zwangsbe ug e s aa liche P axis analysie . Nach einem Übe blick übe die
his o ische Bedeu ung des Beg i s Clan und seine Übe nahme in e hnologische, soziologische
sowie all ags- und k iminalpoli ische Disku se we den die ak uellen behö dlichen und medialen
Ve wendungsweisen on ‚Clank iminali ä ‘ un e such . Im Mi elpunk s ehen dabei die mi dem
Beg i e bundenen Konno a ionen und Implika ionen, insbesonde e hinsich lich E hnisie ung,
Abscho ung, F emdhei szusch eibungen, P imo dialismus sowie de Kons uk ion amiliä e
‚Schicksalsgemeinscha en‘. Es wi d gezeig , dass de Beg i Wah nehmungen on K iminali ä
e ze und a gumen ie , dass Clank iminali ä als Analyse- und Kommunika ionska ego ie in
de Polizeia bei dahe g undlegend zu übe denken is .
Einlei ung
Die sogenann e Clank iminali ä ha sei einigen Jah en Konjunk u in den Medien und auch in
K iminologie und K iminalis ik is de Beg i in Mode (siehe bspw. Ghadban 2016; Du an 2019;
Rohde e al. 2019). Fü das Jah 2018 e olg e e s malig „eine aus üh liche Be ach ung zum
Thema k iminelle Mi gliede e hnisch abgescho e e Subkul u en“ (Bundesk iminalam 2019:
26) un e de Übe sch i „Clank iminali ä “. Fü das Bundeslagebild 2019 wu de die
Bezeichnung als Analysebeg i wiede au genommen. Im Jah 2022 e klä e die damalige SPD-
Bundesinnenminis e in Nancy Faese (2022), sie wolle kün ig „Clank iminali ä […]
en schlossene und e ek i e bekämp en“. Als pola isie ende Beg i wi d Clank iminali ä
eine sei s on s aa lichen Ins i u ionen als Ka ego ie genu z , um bes imm e Ak i i ä en zu
besch eiben und zu bekämp en. Ande e sei s wi d e da ü k i isie , e hnische Zusch eibungen
und Vo u eile zu adie en, zu e s ä ken und dabei gegebenen alls bes ehende
Disk iminie ungsmus e zu pe pe uie en (u.a. Liebsche 2020, Wegne 2023).
De o liegende Bei ag se z sich k i isch mi dem Beg i Clank iminali ä auseinande .
Ausgangspunk is die zwei eilige These: Beg i e bilden nich allein Wi klichkei ab, sonde n
sind das E gebnis disku si e P ozesse. Insbesonde e mi Blick au Phänomene des Sozialen
können sie eine eno me Wi kmach haben ode en al en ( gl. Reinha d 2021), wenn sie als
G undlage zwangsbe ug e und zwangsbeweh e Polizeia bei dienen. Dahe is bei de
Beg i sbildung und -wahl in diesem Be eich besonde s g oße So g al onnö en. Nach einem
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ku zen Übe blick übe die Beg i sgeschich e wi d he ausges ell , wa um die Wahl de
Beg i lichkei als Besch eibung soziale Phänomene im Allgemeinen und als Analyseka ego ie
in de Polizeia bei im Besonde en on nich zu un e schä zende Bedeu ung is . Anschließend
we den die Konno a ionen un e such , die im Beg i Clan au g und seine Ve wendungsweisen
und seine Geschich e anklingen und welche P obleme dami einhe gehen können. Auch hie
gil es, mögliche E ek e au die Polizeia bei und du ch de en Kommunika ion im Auge zu
behal en.
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His o ische und gegenwä ige Bedeu ung
De Beg i Clank iminali ä pola isie , dahe sollen die Beg i e Clan und Clank iminali ä
sowohl in ih e his o ischen P ägung als auch ih en gegenwä igen Ve wendungen genaue
be ach e we den. De Beg i Clan s amm aus dem scho ischen Gälisch und bedeu e
übe se z e wa Abkömmlinge ode Kinde . U sp ünglich bezeichne e e einen Familien e band,
de ein bes imm es Te i o ium im scho ischen Hochland bewohn e und sich au einen
gemeinsamen U ahnen be ie . Die Mi gliede eines Clans e kann en (ideali e ) die He scha
des Clan-Chie s an. Es handel e sich also um Ve wand scha sbeziehungen, die zugleich
He scha ss uk u en da s ell en. Die heu ige Ve wendungsweise de Bezeichnung clan im
b i ischen Englisch is dem de Sippe im Deu schen ähnlich und besch eib eine gemeinsame
Abs ammungsbeziehung, ohne spezi isches Wissen übe die genauen
Ve wand scha sbeziehungen.
In de E hnologie wi d de Beg i Clan ü G uppen e schiedens e He kun e wende , zum
Teil e wa ü Un e g uppen no dame ikanische i s na ions, G uppen in Somalia und Namibia
(Nama), abe auch ü die Ma ga au Suma a ode japanische Samu ai-Adelsgeschlech e .
Dies sind nu einige aus eine Fülle on Beispielen. Fü die Soziologie wu de de Beg i on
Du kheim gep äg . In seinem eligionssoziologischen We k Die elemen a en Fo men des eligiösen
Lebens [1912] sp ich e aus üh lich übe „Clans“, um die sozialen U sp ünge on Religion zu
analysie en. E bezeichne sie als die g undlegende soziale O ganisa ion indigene
aus alische Gesellscha en. Im Mi elpunk seine Un e suchung s eh das To em, das die
kollek i e K a des Clans e kö pe . Im All agsgeb auch bezeichne de Beg i Clan
„un e schiedliche und unspezi izie e, zumeis übe Ve wand scha mi einande e bundene
soziale Einhei en“ (Halle 2010: 219). In Deu schland is es zunehmend üblich gewo den, den
Beg i ü S uk u en O ganisie e K iminali ä zu e wenden, die nich den Spek en on
„i alienische OK (IOK)“, „ ussisch-eu asische OK (REOK)“ ode „Rocke g uppie ungen“ und
„ ocke ähnlichen G uppie ungen“ (BKA 2018) zugeo dne we den können.
Die Beg i e Clan und Clank iminali ä we den sowohl on Medien als auch on Behö den
e wende . Wobei Clank iminali ä keine ju is ische Ka ego ie is und on e schiedenen
Behö den un e schiedlich de inie wi d. Im Bundeslagebe ich 2018 wi d Clank iminali ä
bes imm als „die Begehung on S a a en du ch Angehö ige e hnisch abgescho e e
Subkul u en“ (BKA 2018: 29). Sie sei „bes imm on e wand scha lichen Beziehungen, eine
gemeinsamen e hnischen He kun und einem hohen Maß an Abscho ung de Tä e “ (ebd.).
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Bei dem o liegenden Tex handel es sich um eine übe a bei e e Fassung des Wo king-Pape s „Zum Beg i de
‚Clan-K iminali ä ‘. Eine k i ische Einschä zung“, das im Rahmen des BMBF-ge ö de en P ojek es „migss – Mig a ion
und Siche hei in de S ad “ en s anden is (Reinha d 2020).
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Das be ö de e die Begehung de Ta en und e schwe e zugleich de en Au klä ung (ebd.).
Auße dem gehe Clank iminali ä „einhe mi eine eigenen We eo dnung und de
g undsä zlichen Ablehnung de deu schen Rech so dnung“ (ebd.).
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Zen ale Elemen e diese
De ini ion sind also e hnische Seg ega ion in Kombina ion mi e wand scha lichen
Beziehungen, eine eigenen We o dnung und eine g undsä zlichen Ablehnung de
bundesdeu schen Rech so dnung. Clank iminali ä weise zudem einen ode meh e e de
olgenden Indika o en au : „Eine s a ke Aus ich ung au die zumeis pa ia chalisch-hie a chisch
gep äg e Familiens uk u , eine mangelnde In eg a ionsbe ei scha mi Aspek en eine
äumlichen Konzen a ion, das P o ozie en on Eskala ionen auch bei nich igen Anlässen ode
ge ing ügigen Rech s e s ößen, die Ausnu zung g uppenimmanen e Mobilisie ungs- und
Bed ohungspo enziale“ (ebd.).
Im Bundeslagebe ich 2019 wu den die obigen Zuo dnungsk i e ien im Wesen lichen
wiede hol . Nu die Indika o en wu den um den Punk „e kennba es Maß an Gewal be ei scha “
(BKA 2019: 30) e wei e . Das LKA NRW ha in seinem Lagebild 2018 den Beg i
olgende maßen de inie :
„De Beg i Clank iminali ä um ass die om Gewinn- ode Mach s eben bes imm e Begehung on
S a a en un e Be eiligung Meh e e , wobei in die Ta begehung bewuss die gemeinsame amiliä e
ode e hnische He kun als e bindende, die Ta begehung ö de nde ode die Au klä ung de Ta
hinde nde Komponen e einbezogen wi d, die Ta begehung on eine ehlenden Akzep anz de
deu schen Rech s- ode We eo dnung gep äg is und die S a a en einzeln ode in ih e
Gesam hei on e hebliche Bedeu ung sind“ (LKA NRW 2018: 7).
Diese De ini ion wu de im Lagebild 2019 un e ände wiede au genommen. Alle dings mi dem
Un e schied, dass im LKA NRW die e hnische Seg ega ion keine Rolle spiel und au die
bewuss e ins umen elle Bezugnahme au die gemeinsame amiliä e ode e hnische He kun
e wiesen wi d. Von e schiedenen Polizeien wi d de Beg i ak uell ope a ional benu z , also
e wa zu Beg ündung bes imm e Einsä ze wie Razzia, e s ä k e Übe wachung ode neue
S a egien im Be eich de P ä en ion. De Beg i dien hie gleiche maßen als Handlungs- und
Legi ima ions ahmen und nich nu als Mi el zu Lageanalyse, sonde n auch zu Siche ung
poli ische und ö en liche Zus immung ü bes imm e polizeiliche Maßnahmen. „Dabei p äg die
E wa ungshal ung im Sinne eine selbs e üllenden P ophezeiung die indi iduellen E ah ungen
de Polizis innen und Polizis en und o dne diese dem hegemonialen Disku s um
Clank iminali ä zu.“ (Dangelmaie e al. 2021: 26) Denn du ch die Ausweisung e mein lich
„k iminogene O e im Kon ex on Clank iminali ä au de G undlage eines
o ganisa ionsspezi ischen Raumwissens de Polizei we den nich bloß polizeiliche
Handlungsp ak iken, wie bspw. anlasslose Kon ollen, legi imie , sonde n auch Sich weisen übe
Räume und Pe sonen in diesen Räumen ( e)p oduzie “ (ebd.).
Die mediale Ve wendung des Beg i s Clank iminali ä is deu lich emo ionalisie end:
Schlagzeilen und Be ich e konzen ie en sich häu ig au spek akulä e Einzel älle ode
Szena ien, die das Bild eine o ganisie en, e hnisch de inie en K iminali ä ss uk u zeichnen.
Das u e wa Ängs e o Kon oll e lus he o . Dabei wi d de Beg i nich sel en mi
sugges i en Bilde n und Schlagwö e n e knüp , die S e eo ype übe bes imm e
Be ölke ungsg uppen e es igen, insbesonde e Menschen mi Mig a ionshin e g und (Öz a an
e al. 2023; Goldmann 2024). Auch wenn in geis es- und sozialwissenscha lichen
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Diese Zuo dnungsk i e ien g ei en, wenn be ei s die De ini ion de OK e üll is . Das heiß , nich alle S a a en diese
A we den de Clank iminali ä zugeo dne , sonde n lediglich solche, die be ei s un e die De ini ion de OK allen.
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Auseinande se zungen de Beg i übe wiegend k i isie wi d (u.a. Rauls/Fel es 2021, Liebsche
2024), gib es doch imme wiede auch Analysen, die ihn mi empi ischen Da en zu un e ü e n
e suchen. Hie s ehen o Ne zwe ke, illegale ökonomische Ak i i ä en ode amiliä e
Bindungen, die im Ve dach s ehen, k iminelle Handlungen zu e leich e n, im Mi elpunk
(Diens bühl 2020; Bickel 2021). Dabei wi d jedoch übe sehen, dass die zug undeliegenden
Konzep e be ei s du ch mediale und polizeiliche Na a i e gep äg sind.
Die un e schiedlichen Kon ex e de Beg i s e wendung, e wa polizeiliche, mediale ode
sozialwissenscha liche, beein lussen sich wechselsei ig und agen dazu bei, dass de Beg i
Clank iminali ä seine Wi kungsmach en al e ; dass bes imm e Na a i e e s ä k und sowohl
gesellscha liche als auch s aa lich sank ionie e P ak iken im Lich e dieses Beg i es gep äg
we den. So wi d die Ka ego ie Clank iminali ä in de polizeilichen A bei als e mein lich
analy isches We kzeug e wende , gib abe a sächlich den Handlungs- und Deu ungs ahmen
o und beein luss sowohl die Auswahl de k iminalis ischen Schwe punk e als auch die
ö en liche Wah nehmung on Siche hei und K iminali ä . De Beg i is also mi eine Reihe
on Assozia ionen e bunden, die ihn womöglich ü die K iminali ä sheu is ik sowie die
polizeiliche Kommunika ion p oblema isch ode ga un auglich machen könn en, e wa weil die
Ve wendung dazu üh en kann, dass bes imm e Menschen e s ä k ins Visie de
S a e olgung ge a en, wäh end ande e Kon ex e k iminellen Handelns wenige Beach ung
inden.
Beg i e im Kon ex on Polizeia bei
Die Wel is unse e Wah nehmung nich un e s ell zugänglich. In iele lei Hinsich wi d sie
du ch unse e Sp ache ge o m , so ie und dami handhabba gemach . Die e wende en
Ka ego ien und Beg i e haben Ein luss da au , was übe haup wah genommen und welche
Bedeu ung dem zugemessen wi d. Beg i e können dahe eine eno me Wi kmach en al en. Is
ein Beg i e s einmal adie , wi d es imme schwie ige , die Wel auch ande s als du ch
diesen hindu ch wah zunehmen. In de Folge haben Beg i e g oßen Ein luss au unse e
En scheidungen und unse en Umgang mi ande en. Ge ade in de Polizeia bei is dahe eine
besonde e Sensibili ä ü Beg i e und ih e Ve wendungsweisen onnö en, un e ande em aus
zweie lei G ünden:
1) Im Gegensa z zu im Wesen lichen allen ande en Pe sonen und O ganen is es de Polizei als
Exeku i o gan des s aa lichen Gewal monopols e laub , Gewal in Fo m eines unmi elba en
Zwangs auszuüben – eilich inne halb des gese zlichen Rahmens und un e Beach ung de
Ve häl nismäßigkei . Das heiß abe , wi haben es im Rahmen de Polizeia bei mi Handlungen
zu un, die zwangsbe ug und po enziell auch zwangsbeweh sind, und dies soga in de
äuße en Fo m des Zwangs, nämlich de Gewal . Das is nu in wenigen ande en Felde n des
s aa lichen Handelns und des gesellscha lichen Lebens de Fall. Beg i e, die Polizeia bei
s uk u ie en, un e liegen dahe eine besonde en Beg ündungs- und Rech e igungslas bzw.
Ve p lich ung zu Rech e igung.
2) Ein wei e e G und is wenige ech e igungs heo e ische und s ä ke p ak ische
Aus ich ung und be i den Ums and, dass in Zei en mediale Ve mi lung in Ech zei Polizei
zunehmend übe e schiedene Kanäle, un e ande em auch in den sozialen Medien, selbs als
‚Medienmache in‘ au i , indem sie Inhal e gene ie , Deba en ans öß , Beg i s e wendungen
adie . Zu den Ve an wo ungsbe eichen de klassischen Polizeia bei e en also
Ve an wo ungs elde hinzu, die die ‚Ö en lichkei swi ksamkei ‘ polizeiliche Kommunika ion im
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Wo sinne be e en. Dies e o de einen bewuss en Umgang mi Mediena bei und die
En wicklung on Kommunika ionss a egien, die den iel äl igen Au gaben on polizeiliche
Kommunika ion ge ech we den. Auch hie ü is eine genaue Beg i s e lexion no wendig.
Nun wi d gelegen lich a gumen ie , Beg i e seien nich pe se p oblema isch, man müsse sie
nu in eine bes imm en Weise, zum Beispiel di e enzie genug, de inie en. In Hinblick au die
Möglichkei en und G enzen de De ini ionsmach is alle dings o zu g oßem Op imismus zu
wa nen. De ini ionen haben o nu beg enz Ein luss: „De Geb auch läss sich kaum es legen.
Auch wenn ein Beg i de inie wi d, wi d e in de Regel mi Bedeu ungen geb auch , die übe
diese De ini ion hinausgehen und ih mi un e soga wide sp echen“ (Söke eld 2007: 31).
Wi kmäch ige is also die A und Weise des Geb auchs on Beg i en. Dahe is zu agen, wie
die Beg i e Clan und Clank iminali ä geb auch we den, welche Konno a ionen sie mi sich
b ingen und welche Assozia ionen sie wecken? Und: Inwie e n sind diese Konno a ionen und
Assozia ionen eine gu en Polizeia bei in Hinblick au ih e Ve an wo ung ü ih e
(ö en lichkei swi ksame) Kommunika ion zu- ode ab äglich?
Konno a ionen und Implika ionen on Clan und Clank iminali ä
‚Schicksalsgemeinscha ‘
Zunächs einmal sugge ie de Beg i Clan Ve wand scha sbeziehungen und amiliä e
Bindungen. Mi amiliä en Bindungen wi d die Unau löslichkei de selben assoziie und die
pe sönliche Ve s ickung in die amiliä en Ve häl nisse. Eine Ve wand scha sbeziehung kann
man nu beding en kommen. Dami wi d de ‚Clan‘ auch zu ‚Schicksalsgemeinscha ‘.
Po enziell wi d im Rahmen de Polizeia bei und de medialen Be ich e s a ung mi dem Beg i
Clank iminali ä ein Na a i gescha en, das es einzelnen Familienmi gliede n e schwe , sich
aus diesen Bindungen zu lösen ode als Indi iduum wah genommen zu we den. Ihnen wi d
gegebenen alls die Chance au eine selbs bes imm e Lebens üh ung ohne Ansehung de
Familie genommen. Dabei is das ein G undsa z ode zumindes ein Ansp uch eihei liche
Gesellscha en: Menschen sollen als Indi iduen mi indi iduelle Ve an wo ung und
pe sönliche Ve schuldung wah genommen we den.
Da übe hinaus e schieb die Rede on Clans au g und de beg i lichen Ve bindung zu
amiliä en S uk u en die F agen on (o ganisie e ) K iminali ä aus dem ö en lichen Raum in
den Be eich de Familie. Wenn S a a en abe zu ‚ amilienin e nen P oblemen‘ e klä we den,
dann we den sie beg i lich de Zus ändigkei behö dlichen Zug i s en zogen bzw. ha eine
solche Einwi kung dann eine g öße e Rech e igungslas . Diese Logik soll e du ch die
Beg i swahl nich noch Vo schub geleis e we den.
Fik i e Genealogie und Legi imi ä
De Beg i Clan e weis au eine gemeinsame Abs ammung, obwohl es sich o um eine
„ ik i e Genealogie“ (Seymou -Smi h 1986: 130) handel , also um eine Annahme eines
gemeinsamen Abs ammungs e häl nisses, das gegebenen alls nich nachweisba is . Die
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He scha sbeg ündung und - ech e igung de his o ischen Clans e wa des scho ischen
Hochlands wu den übe die ( ik i e) Genealogie he ges ell . Wenn de Beg i Clan ü
S uk u en de OK e wende wi d, bes eh die Ge ah , dass diese A on
Legi imi ä szusch eibung eben alls übe agen wi d: Übe die ( e mein liche) T adi ion, die sich
in den Ve wand scha sbeziehungen mani es ie , we den die da in ( e mein lich) beg ünde en
Handlungen legi imie . Die Ve wendung des Beg i s Clan ü die en sp echenden S uk u en
de OK läu dahe Ge ah , diesen in de Annahme de e mein lichen Legi imi ä des
k iminellen Handelns das Wo zu eden. In Reak ion au diese F emdzusch eibung sind
Ve suche zu beobach en, sich den Beg i Clan als Selbs zusch eibung anzueignen. So wi d de
Beg i umgedeu e und eigene Na a i e en wickel , die ihn e wa als Symbol des Wide s ands
gegen s aa liche Rep ession zeichnen (Elliesie 2024). Au diese Weise wi d e in eine nich
in endie en Wendung zum Iden i ä sanke bes imm e G uppen und äg du chaus zu
E ablie ung eines kollek i en Selbs e s ändnisses und in de Folge gegebenen alls zu
S ä kung on Bindungen inne halb de G uppe bei.
E hnisie ung
De Beg i Clan wi d o angig e hnisie e wende . Vom Bundesk iminalam wi d de Beg i
Clank iminali ä beispielsweise ü Mhallamiye, „a abisch-s ämmige“, „ ü kei-s ämmige“,
„G uppie ungen aus dem Wes balkan“ und den Magh eb-S aa en sowie ü ie OK-
G uppie ungen ande e He kun e wende (Bundeslagebild 2019: 31). Ehe sel en wi d e
gegenwä ig zu Besch eibung ‚deu sche ‘ Familien e häl nisse e wende . Die E hnisie ung
des Beg i s geh mi eine Reihe on P oblemen einhe :
„‚E hnizi ä ‘ bezeichne [im All ags e s ändnis häu ig imme noch] das Fes hal en an o mode nen
und nich - a ionalen (ode ga i a ionalen) O ien ie ungen; ‚e hnische G uppen‘ sind in diesem
Ve s ändnis G uppen, de en Zusammenhal sich au ‚T adi ion‘ und Abs ammung s ü z , G uppen,
die die Mode ne ‚noch‘ nich e eich [haben]“ (Söke eld 2007: 46).
Ode noch zugespi z e : „Das ‚E hnische‘ is eine Res ka ego ie, au die zum Beispiel in den
Medien imme dann e wiesen wi d, wenn a ionale E klä ungs e suche anscheinend
schei e n“ (ebd.) ode ande e E klä ungsmodelle ein höhe es Maß an Komplexi ä au weisen
wü den.
Da übe hinaus is au ällig, dass die He kun sangaben, die zu Bes immung on
Clank iminali ä im Bundeslagebild e wende we den, analy isch on de a sächlichen
S aa sbü ge scha de Ta e däch igen losgelös sind, und nu eilweise mi diese übe lappen
(ebd.: 31, 33). De g öß e Teil de im Bundeslagebild genann en Ta e däch igen is deu sche
S aa sangehö igkei (26,7 %), danach olgen Pe sonen mi libanesische S aa sangehö igkei
(20,0 %), dann ü kische (15,6 %), sy ische (13,3 %), S aa enlose (6,7 %) und umänische
S aa sangehö ige (4,4 %). Wei e e S aa sangehö igkei en machen 13,3 P ozen de
Ta e däch igen aus (Bundeslagebild OK 2019: 33).
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Es handel sich also auch hie um eine
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Das LKA NRW beg enz den Beg i Clank iminali ä „ o dem Hin e g und de ak uellen polizeilichen E ah ungen [...]
zunächs in e s e Linie au ü kisch-a abischs ämmige G oß amilien [...], de en Angehö ige de Be ölke ungsg uppe
de Mhallamiye zuzuo dnen sind“ (LKA NRW 2018: 7).
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e hnisie ende Besch eibung. Ta e däch ige we den qua ih e e hnischen und amiliä en
Zugehö igkei diese G uppe zugeo dne , nich au g und ih e S aa sangehö igkei .
In e essan is auch, dass ü die „I alienische O ganisie e K iminali ä “ und ü die „ ussisch-
eu asische o ganisie e K iminali ä “ de Beg i Clan nich e wende wi d, obwohl
insbesonde e im Falle de IOK (zumindes symbolische) Ve weise au Familiens uk u en
du chaus üblich sind. Wäh end sich im Fall de IOK und de REOK die Bezeichnung o angig
au eine Na ionali ä ode eine He kun s egion bezieh , we den im Fall de Clank iminali ä
G uppen seh un e schiedliche egionale He kun und mi e schiedenen
Mig a ionsgeschich en zusammenge ass und übe einen e hnologischen Beg i de inie , de
die Abs ammung be on . Dies is nich nu au ällig, sonde n auch p oblema isch. Es bes eh die
Ge ah , dass Phänomenen eine Einhei lichkei in Funk ionsweise und S uk u un e s ell wi d,
die ielleich ga nich (ode nich im un e s ell en Maß) gegeben is .
Hinzu komm , dass un e de Ka ego ie Clank iminali ä om BKA o angig Ta e däch ige aus
‚muslimisch gep äg en Lände n‘ ge ass we den. Hie wi d ein Zusammenhang zwischen
E hnie, Kul u und Religion au de einen und Delinquenz au de ande en Sei e he ges ell , de
sich empi isch nich s ü zen läss , gleichzei ig abe seh wohl an imuslimische Ressen imen s
e s ä k . Dies ha nich nu Folgen ü Pe sonen, die polizeilich de Clank iminali ä zugeo dne
we den, sonde n ü alle Pe sonen, denen eine muslimische eligiöse Zugehö igkei
zugesch ieben wi d. Die Be o enen sehen sich le z lich nich nu s ä ke e polizeiliche
Übe p ü ung ausgese z , sonde n haben auch in sozialen und wi scha lichen Kon ex en mi
Disk iminie ung zu kämp en. All das e schä Ma ginalisie ung und s ell eine Fo m poli ische
Unge ech igkei und on Un ech da .
Abscho ung
Neben de Ge ah de (Übe -)Be onung de Rolle on Religion und Kul u he sch de Eind uck
o , dass die un e dem Beg i Clan ge ass en G uppen in einem hohen Maße on de
Meh hei sgesellscha abgescho e seien. Pa adigma isch da ü s eh die Aussage de
Bundesminis e in Faese au de He bs agung des BKA 2022:
„Es is absolu inakzep abel, dass k iminelle Angehö ige on Clans in ih en Familiens uk u en
abgescho e und nach ih em einem eigenen We esys em auße halb unse es Rech ss aa es leben.
Und es ha auch nich s mi libe alen We en zu un, wenn man zuläss , dass solche Leu e unse en
Rech ss aa und unse e Gese ze e ach en, dass sie Unmengen an e schiedens en S a a en
begehen, dass sie Gewal anwenden und Menschen in Angs und Sch ecken e se zen.“ (Faese
2022)
Abscho ung wi d auch im Bundeslagebild OK als eine de Indika o en ü Clank iminali ä
au ge üh . Wie be ei s e wähn , spiel in de De ini ion des LKA NRW Seg ega ion dagegen
keine Rolle. De D eiklang on Pa allelgesellscha , Clan und K iminali ä wi d auch medial
häu ig au geg i en. De Islam wi d dabei, wie Goedeke e al. (2016: 511) es s ellen, „ on allen
Religionen in de Be ich e s a ung mi Abs and am häu igs en e wähn . Da übe hinaus we den
in de Häl e de Aussagen zu muslimischen Einwande e n eindeu ig nega i e
Da s ellungs endenzen gewähl , die dem F ame de K iminellen en sp echen“. Selbs im
Bundeslagebild OK wi d da au hingewiesen, dass den „a abisch-/ ü keis ämmigen Clans“ zwa
„in alle Regel ein hohe Abscho ungsg ad nach außen zugesch ieben“ wi d (Bundeslagebild
2018: 33), es sei abe 2018 nu in zwei OK-Ve ah en gegen diese OK-G uppie ungen eine
homogene Tä e s uk u es ges ell wo den: „Die üb igen 25 OK-Ve ah en zeichne en sich
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du ch eine he e ogene Zusammense zung de Tä e s uk u en aus, bes ehend aus
Ta e däch igen un e schiedliche Na ionali ä en“ (ebd.). Die o handene Assozia ion de
Abscho ung, die mi dem Clan-Beg i e bunden is , schein zumindes mi Blick au die
O ganisa ion de k iminellen Ak i i ä en ehe in die I e zu üh en, als eine heu is ische Hil e zu
sein.
Es wi d auße dem de Eind uck e mi el , die Isola ion sei olls ändig selbs gewähl und
Ausd uck eine bewuss en Abg enzung. Das üh dazu, dass s uk u elle Rahmenbedingungen
und gesellscha liche Wechselwi kungen ebenso wie die Auswi kungen on Disk iminie ung und
soziale Ma ginalisie ung aus dem Blick ge a en. Dami we den zudem mögliche Ansa zpunk e
zu Lösung on P oblemlagen e kann , die mi dem Beg i Clank iminali ä gekennzeichne
we den. T o z ih e e mein lichen Eigens ändigkei sind die so bezeichne en G uppen le z lich
in iel äl ige Weise in die dominan e Gesellscha eingebe e . Die e kü z e Pe spek i e
e schwe nich nu ein di e enzie es Ve s ändnis des Phänomens, sonde n e s ell auch den
Zugang zu p ä en i en und lösungso ien ie en Ansä zen, die sowohl soziale als auch
s uk u elle Dimensionen be ücksich igen.
F emda igkei und Eigengese zlichkei
De Beg i Clan konno ie da übe hinaus F emda igkei und Eigengese zlichkei . So seien
Angehö ige eines Clans e mein lich ande en Regelsys emen un e wo en, die on außen nu
schwe e s ändlich seien bzw. die sich on denen de Außenwel zumindes s a k
un e scheiden. Diese Annahme de F emdhei und Eigengese zlichkei inde sich auch in de
oben zi ie en Bes immung on Clank iminali ä im Bundeslagebild 2018. Do is on eine
„eigene[n] We eo dnung“ und „g undsä zlichen Ablehnung de deu schen Rech so dnung“ die
Rede. Die Annahme de F emda igkei kann dazu üh en, dass Gemeinsamkei en mi ande en
S uk u en o ganisie e K iminali ä wenige deu lich wah genommen we den.
De Beg i sugge ie eine epis emische Dis anz, die andeu e , dass das Innenleben solche als
clank iminell bezeichne en G uppen ü Außens ehende kaum ode nu schwe zugänglich sei.
Diese e mein liche Unzugänglichkei kann dazu üh en, dass Analyse und Ve s ändnis diese
G uppen mi eine Au a des Mys e iösen au geladen we den und als inhä en undu chschauba
au ge ass we den. Eine solche Rahmung kann die Vo s ellung s ä ken, dass e ablie e
wissenscha liche und polizeiliche Me hoden g undsä zlich nich aus eichen, um de
P oblema ik ge ech zu we den. In de Folge kann de Eind uck de Nich -Regulie ba kei und
de Aussich slosigkei behö dlichen Handelns en s ehen ode du ch den Beg i bes ä k
we den: Es s eh zu be ü ch en, dass die Rede on Clans und Clank iminali ä wie eine
Kapi ula ion des Rech ss aa s wi k . Diese Eind uck en s eh nich nu in de b ei e en
Ö en lichkei , sonde n wi d be ei s au de Ebene de Selbs e ah ung on Polizis :innen so
e leb , da „de haup sächlich du ch Medien, Poli ik und polizeiliche Füh ungsebene p oklamie e
Disku s um Clank iminali ä au de Handlungsebene de Polizis innen und Polizis en zu
Übe se zungsschwie igkei en“ (Dangelmaie e al. 2021: 25) üh .
„De Polizeibe u als E ah ungsbe u i hie in Kon lik mi einem K iminali ä sphänomen, das au
de G undlage eine polizeilich uneinhei lichen De ini ion keine konk e e, au eine Ad essa in ode
einen Ad essa en bezogene Handlungsp axis be ei häl . Das P oblem de Clank iminali ä e schein
deshalb zunächs als eine A un e wande ndes Gebilde“ (ebd.).
Die eigene Handlungs ähigkei wi d dann als eingesch änk e leb .
INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT
9
P imo dialismus
Zu all diesen Punk en komm noch ein wei e e hinzu: Es bes eh die Ge ah , dass die
Be onung on Familiens uk u kul u elle und gegebenen alls eligiöse P ägung zu
p imo dialen Vo s ellungen üh .
„De P imo dialismus geh da on aus, dass hin e de Bildung on e hnischen G uppen und
Na ionen ‚u sp üngliche‘ (p imo diale) Beziehungen s ehen, die du ch Gebu und du ch das
Au wachsen in eine Gemeinscha ges i e we den, die das Indi iduum p ägen, die dem a ionalen
und ins umen ellen Handeln wei gehend en zogen sind und eine o disku si e Reali ä da s ellen.“
(Söke eld 2007: 32)
P imo dialismus is häu ig mi essenzialis ischen Vo s ellungen e bunden, also mi de
Annahme, dass sich die Iden i ä eine G uppe ode eine Einzelpe son aus de en ‚Wesen‘
e gib und dahe in gewisse Hinsich als un e ände lich be ach e wi d. Ein lussnahme und
Ve ände ung on ‚Clans‘ sind un e diese heo e ischen Pe spek i e olglich nu in engen
G enzen möglich. Auch das e s ä k den Eind uck de Nich -Regulie ba kei und de
Aussich slosigkei behö dlichen Handelns.
Fazi
Nachdem die mediale wie behö dliche Konjunk u des Beg i s Clank iminali ä da ges ell
wu de, e olg e ein ku ze beg i sgeschich liche Übe blick, in dem o allem au die Bedeu ung
des Beg i s Clan in de E hnologie und die gegenwä ige Ve wendungsweise des Beg i s
Clank iminali ä in de medialen Da s ellung und in polizeilichen De ini ionen eingegangen
wu de. Anschließend wu de e läu e , dass imma e ielle Beg i e du chaus mani es e Folgen
haben können, insbesonde e im Be eich des polizeilichen Handelns. Anschließend wu den die
Konno a ionen und Implika ionen de Beg i e Clan und Clank iminali ä anhand on sechs
Themen elde n un e such und gezeig , dass die Beg i e gegebenen alls une wünsch e
Neben olgen in de polizeilichen A bei und de en Kommunika ion zei igen können. De Beg i
Clank iminali ä is au g und de au gezeig en gesellscha spoli ischen Folgen als
Analyseka ego ie mindes ens zu übe denken, wenn nich ga als unb auchba zu e klä en.
Li e a u e zeichnis
Zum Wei e lesen
Wollinge , A. (Hg.) (2024): K i ische Analysen zu sogenann en „Clank iminali ä “, Wiesbaden: Sp inge VS.
Chah ou , M. A./Saue , L./Schmid, L./Schulz, J./Winkle , M. (Hg.) (2023): Gene al e dach . Wie mi dem My hos
Clank iminali ä Poli ik gemach wi d, Hambu g: Edi ion Nau ilus.