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Clankriminalität

Reinhardt, Karoline

Abstract

Der Beitrag setzt sich kritisch mit dem in Medien, Politik und Polizeiarbeit etablierten Begriff der Clankriminalität auseinander. Ausgehend von der Annahme, dass Begriffe soziale Wirklichkeit nicht nur beschreiben, sondern aktiv mit hervorbringen, wird die besondere Wirkmacht dieses Begriffs im Kontext zwangsbefugter staatlicher Praxis analysiert. Nach einem Überblick über die historische Bedeutung des Begriffs Clan und seine Übernahme in ethnologische, soziologische sowie alltags- und kriminalpolitische Diskurse werden die aktuellen behördlichen und medialen Verwendungsweisen von ‚Clankriminalität‘ untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei die mit dem Begriff verbundenen Konnotationen und Implikationen, insbesondere hinsichtlich Ethnisierung, Abschottung, Fremdheitszuschreibungen, Primordialismus sowie der Konstruktion familiärer ‚Schicksalsgemeinschaften‘. Es wird gezeigt, dass der Begriff Wahrnehmungen von Kriminalität verzerrt und argumentiert, dass Clankriminalität als Analyse- und Kommunikationskategorie in der Polizeiarbeit daher grundlegend zu überdenken ist.

Full text

INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE Clank iminali ä KAROLINE REINHARDT Abs ac De Bei ag se z sich k i isch mi dem in Medien, Poli ik und Polizeia bei e ablie en Beg i de Clank iminali ä auseinande . Ausgehend on de Annahme, dass Beg i e soziale Wi klichkei nich nu besch eiben, sonde n ak i mi he o b ingen, wi d die besonde e Wi kmach dieses Beg i s im Kon ex zwangsbe ug e s aa liche P axis analysie . Nach einem Übe blick übe die his o ische Bedeu ung des Beg i s Clan und seine Übe nahme in e hnologische, soziologische sowie all ags- und k iminalpoli ische Disku se we den die ak uellen behö dlichen und medialen Ve wendungsweisen on ‚Clank iminali ä ‘ un e such . Im Mi elpunk s ehen dabei die mi dem Beg i e bundenen Konno a ionen und Implika ionen, insbesonde e hinsich lich E hnisie ung, Abscho ung, F emdhei szusch eibungen, P imo dialismus sowie de Kons uk ion amiliä e ‚Schicksalsgemeinscha en‘. Es wi d gezeig , dass de Beg i Wah nehmungen on K iminali ä e ze und a gumen ie , dass Clank iminali ä als Analyse- und Kommunika ionska ego ie in de Polizeia bei dahe g undlegend zu übe denken is . Einlei ung Die sogenann e Clank iminali ä ha sei einigen Jah en Konjunk u in den Medien und auch in K iminologie und K iminalis ik is de Beg i in Mode (siehe bspw. Ghadban 2016; Du an 2019; Rohde e al. 2019). Fü das Jah 2018 e olg e e s malig „eine aus üh liche Be ach ung zum Thema k iminelle Mi gliede e hnisch abgescho e e Subkul u en“ (Bundesk iminalam 2019: 26) un e de Übe sch i „Clank iminali ä “. Fü das Bundeslagebild 2019 wu de die Bezeichnung als Analysebeg i wiede au genommen. Im Jah 2022 e klä e die damalige SPD- Bundesinnenminis e in Nancy Faese (2022), sie wolle kün ig „Clank iminali ä […] en schlossene und e ek i e bekämp en“. Als pola isie ende Beg i wi d Clank iminali ä eine sei s on s aa lichen Ins i u ionen als Ka ego ie genu z , um bes imm e Ak i i ä en zu besch eiben und zu bekämp en. Ande e sei s wi d e da ü k i isie , e hnische Zusch eibungen und Vo u eile zu adie en, zu e s ä ken und dabei gegebenen alls bes ehende Disk iminie ungsmus e zu pe pe uie en (u.a. Liebsche 2020, Wegne 2023). De o liegende Bei ag se z sich k i isch mi dem Beg i Clank iminali ä auseinande . Ausgangspunk is die zwei eilige These: Beg i e bilden nich allein Wi klichkei ab, sonde n sind das E gebnis disku si e P ozesse. Insbesonde e mi Blick au Phänomene des Sozialen können sie eine eno me Wi kmach haben ode en al en ( gl. Reinha d 2021), wenn sie als G undlage zwangsbe ug e und zwangsbeweh e Polizeia bei dienen. Dahe is bei de Beg i sbildung und -wahl in diesem Be eich besonde s g oße So g al onnö en. Nach einem INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 2 ku zen Übe blick übe die Beg i sgeschich e wi d he ausges ell , wa um die Wahl de Beg i lichkei als Besch eibung soziale Phänomene im Allgemeinen und als Analyseka ego ie in de Polizeia bei im Besonde en on nich zu un e schä zende Bedeu ung is . Anschließend we den die Konno a ionen un e such , die im Beg i Clan au g und seine Ve wendungsweisen und seine Geschich e anklingen und welche P obleme dami einhe gehen können. Auch hie gil es, mögliche E ek e au die Polizeia bei und du ch de en Kommunika ion im Auge zu behal en. 1 His o ische und gegenwä ige Bedeu ung De Beg i Clank iminali ä pola isie , dahe sollen die Beg i e Clan und Clank iminali ä sowohl in ih e his o ischen P ägung als auch ih en gegenwä igen Ve wendungen genaue be ach e we den. De Beg i Clan s amm aus dem scho ischen Gälisch und bedeu e übe se z e wa Abkömmlinge ode Kinde . U sp ünglich bezeichne e e einen Familien e band, de ein bes imm es Te i o ium im scho ischen Hochland bewohn e und sich au einen gemeinsamen U ahnen be ie . Die Mi gliede eines Clans e kann en (ideali e ) die He scha des Clan-Chie s an. Es handel e sich also um Ve wand scha sbeziehungen, die zugleich He scha ss uk u en da s ell en. Die heu ige Ve wendungsweise de Bezeichnung clan im b i ischen Englisch is dem de Sippe im Deu schen ähnlich und besch eib eine gemeinsame Abs ammungsbeziehung, ohne spezi isches Wissen übe die genauen Ve wand scha sbeziehungen. In de E hnologie wi d de Beg i Clan ü G uppen e schiedens e He kun e wende , zum Teil e wa ü Un e g uppen no dame ikanische i s na ions, G uppen in Somalia und Namibia (Nama), abe auch ü die Ma ga au Suma a ode japanische Samu ai-Adelsgeschlech e . Dies sind nu einige aus eine Fülle on Beispielen. Fü die Soziologie wu de de Beg i on Du kheim gep äg . In seinem eligionssoziologischen We k Die elemen a en Fo men des eligiösen Lebens [1912] sp ich e aus üh lich übe „Clans“, um die sozialen U sp ünge on Religion zu analysie en. E bezeichne sie als die g undlegende soziale O ganisa ion indigene aus alische Gesellscha en. Im Mi elpunk seine Un e suchung s eh das To em, das die kollek i e K a des Clans e kö pe . Im All agsgeb auch bezeichne de Beg i Clan „un e schiedliche und unspezi izie e, zumeis übe Ve wand scha mi einande e bundene soziale Einhei en“ (Halle 2010: 219). In Deu schland is es zunehmend üblich gewo den, den Beg i ü S uk u en O ganisie e K iminali ä zu e wenden, die nich den Spek en on „i alienische OK (IOK)“, „ ussisch-eu asische OK (REOK)“ ode „Rocke g uppie ungen“ und „ ocke ähnlichen G uppie ungen“ (BKA 2018) zugeo dne we den können. Die Beg i e Clan und Clank iminali ä we den sowohl on Medien als auch on Behö den e wende . Wobei Clank iminali ä keine ju is ische Ka ego ie is und on e schiedenen Behö den un e schiedlich de inie wi d. Im Bundeslagebe ich 2018 wi d Clank iminali ä bes imm als „die Begehung on S a a en du ch Angehö ige e hnisch abgescho e e Subkul u en“ (BKA 2018: 29). Sie sei „bes imm on e wand scha lichen Beziehungen, eine gemeinsamen e hnischen He kun und einem hohen Maß an Abscho ung de Tä e “ (ebd.). 1 Bei dem o liegenden Tex handel es sich um eine übe a bei e e Fassung des Wo king-Pape s „Zum Beg i de ‚Clan-K iminali ä ‘. Eine k i ische Einschä zung“, das im Rahmen des BMBF-ge ö de en P ojek es „migss – Mig a ion und Siche hei in de S ad “ en s anden is (Reinha d 2020). INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 3 Das be ö de e die Begehung de Ta en und e schwe e zugleich de en Au klä ung (ebd.). Auße dem gehe Clank iminali ä „einhe mi eine eigenen We eo dnung und de g undsä zlichen Ablehnung de deu schen Rech so dnung“ (ebd.). 2 Zen ale Elemen e diese De ini ion sind also e hnische Seg ega ion in Kombina ion mi e wand scha lichen Beziehungen, eine eigenen We o dnung und eine g undsä zlichen Ablehnung de bundesdeu schen Rech so dnung. Clank iminali ä weise zudem einen ode meh e e de olgenden Indika o en au : „Eine s a ke Aus ich ung au die zumeis pa ia chalisch-hie a chisch gep äg e Familiens uk u , eine mangelnde In eg a ionsbe ei scha mi Aspek en eine äumlichen Konzen a ion, das P o ozie en on Eskala ionen auch bei nich igen Anlässen ode ge ing ügigen Rech s e s ößen, die Ausnu zung g uppenimmanen e Mobilisie ungs- und Bed ohungspo enziale“ (ebd.). Im Bundeslagebe ich 2019 wu den die obigen Zuo dnungsk i e ien im Wesen lichen wiede hol . Nu die Indika o en wu den um den Punk „e kennba es Maß an Gewal be ei scha “ (BKA 2019: 30) e wei e . Das LKA NRW ha in seinem Lagebild 2018 den Beg i olgende maßen de inie : „De Beg i Clank iminali ä um ass die om Gewinn- ode Mach s eben bes imm e Begehung on S a a en un e Be eiligung Meh e e , wobei in die Ta begehung bewuss die gemeinsame amiliä e ode e hnische He kun als e bindende, die Ta begehung ö de nde ode die Au klä ung de Ta hinde nde Komponen e einbezogen wi d, die Ta begehung on eine ehlenden Akzep anz de deu schen Rech s- ode We eo dnung gep äg is und die S a a en einzeln ode in ih e Gesam hei on e hebliche Bedeu ung sind“ (LKA NRW 2018: 7). Diese De ini ion wu de im Lagebild 2019 un e ände wiede au genommen. Alle dings mi dem Un e schied, dass im LKA NRW die e hnische Seg ega ion keine Rolle spiel und au die bewuss e ins umen elle Bezugnahme au die gemeinsame amiliä e ode e hnische He kun e wiesen wi d. Von e schiedenen Polizeien wi d de Beg i ak uell ope a ional benu z , also e wa zu Beg ündung bes imm e Einsä ze wie Razzia, e s ä k e Übe wachung ode neue S a egien im Be eich de P ä en ion. De Beg i dien hie gleiche maßen als Handlungs- und Legi ima ions ahmen und nich nu als Mi el zu Lageanalyse, sonde n auch zu Siche ung poli ische und ö en liche Zus immung ü bes imm e polizeiliche Maßnahmen. „Dabei p äg die E wa ungshal ung im Sinne eine selbs e üllenden P ophezeiung die indi iduellen E ah ungen de Polizis innen und Polizis en und o dne diese dem hegemonialen Disku s um Clank iminali ä zu.“ (Dangelmaie e al. 2021: 26) Denn du ch die Ausweisung e mein lich „k iminogene O e im Kon ex on Clank iminali ä au de G undlage eines o ganisa ionsspezi ischen Raumwissens de Polizei we den nich bloß polizeiliche Handlungsp ak iken, wie bspw. anlasslose Kon ollen, legi imie , sonde n auch Sich weisen übe Räume und Pe sonen in diesen Räumen ( e)p oduzie “ (ebd.). Die mediale Ve wendung des Beg i s Clank iminali ä is deu lich emo ionalisie end: Schlagzeilen und Be ich e konzen ie en sich häu ig au spek akulä e Einzel älle ode Szena ien, die das Bild eine o ganisie en, e hnisch de inie en K iminali ä ss uk u zeichnen. Das u e wa Ängs e o Kon oll e lus he o . Dabei wi d de Beg i nich sel en mi sugges i en Bilde n und Schlagwö e n e knüp , die S e eo ype übe bes imm e Be ölke ungsg uppen e es igen, insbesonde e Menschen mi Mig a ionshin e g und (Öz a an e al. 2023; Goldmann 2024). Auch wenn in geis es- und sozialwissenscha lichen 2 Diese Zuo dnungsk i e ien g ei en, wenn be ei s die De ini ion de OK e üll is . Das heiß , nich alle S a a en diese A we den de Clank iminali ä zugeo dne , sonde n lediglich solche, die be ei s un e die De ini ion de OK allen. INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 4 Auseinande se zungen de Beg i übe wiegend k i isie wi d (u.a. Rauls/Fel es 2021, Liebsche 2024), gib es doch imme wiede auch Analysen, die ihn mi empi ischen Da en zu un e ü e n e suchen. Hie s ehen o Ne zwe ke, illegale ökonomische Ak i i ä en ode amiliä e Bindungen, die im Ve dach s ehen, k iminelle Handlungen zu e leich e n, im Mi elpunk (Diens bühl 2020; Bickel 2021). Dabei wi d jedoch übe sehen, dass die zug undeliegenden Konzep e be ei s du ch mediale und polizeiliche Na a i e gep äg sind. Die un e schiedlichen Kon ex e de Beg i s e wendung, e wa polizeiliche, mediale ode sozialwissenscha liche, beein lussen sich wechselsei ig und agen dazu bei, dass de Beg i Clank iminali ä seine Wi kungsmach en al e ; dass bes imm e Na a i e e s ä k und sowohl gesellscha liche als auch s aa lich sank ionie e P ak iken im Lich e dieses Beg i es gep äg we den. So wi d die Ka ego ie Clank iminali ä in de polizeilichen A bei als e mein lich analy isches We kzeug e wende , gib abe a sächlich den Handlungs- und Deu ungs ahmen o und beein luss sowohl die Auswahl de k iminalis ischen Schwe punk e als auch die ö en liche Wah nehmung on Siche hei und K iminali ä . De Beg i is also mi eine Reihe on Assozia ionen e bunden, die ihn womöglich ü die K iminali ä sheu is ik sowie die polizeiliche Kommunika ion p oblema isch ode ga un auglich machen könn en, e wa weil die Ve wendung dazu üh en kann, dass bes imm e Menschen e s ä k ins Visie de S a e olgung ge a en, wäh end ande e Kon ex e k iminellen Handelns wenige Beach ung inden. Beg i e im Kon ex on Polizeia bei Die Wel is unse e Wah nehmung nich un e s ell zugänglich. In iele lei Hinsich wi d sie du ch unse e Sp ache ge o m , so ie und dami handhabba gemach . Die e wende en Ka ego ien und Beg i e haben Ein luss da au , was übe haup wah genommen und welche Bedeu ung dem zugemessen wi d. Beg i e können dahe eine eno me Wi kmach en al en. Is ein Beg i e s einmal adie , wi d es imme schwie ige , die Wel auch ande s als du ch diesen hindu ch wah zunehmen. In de Folge haben Beg i e g oßen Ein luss au unse e En scheidungen und unse en Umgang mi ande en. Ge ade in de Polizeia bei is dahe eine besonde e Sensibili ä ü Beg i e und ih e Ve wendungsweisen onnö en, un e ande em aus zweie lei G ünden: 1) Im Gegensa z zu im Wesen lichen allen ande en Pe sonen und O ganen is es de Polizei als Exeku i o gan des s aa lichen Gewal monopols e laub , Gewal in Fo m eines unmi elba en Zwangs auszuüben – eilich inne halb des gese zlichen Rahmens und un e Beach ung de Ve häl nismäßigkei . Das heiß abe , wi haben es im Rahmen de Polizeia bei mi Handlungen zu un, die zwangsbe ug und po enziell auch zwangsbeweh sind, und dies soga in de äuße en Fo m des Zwangs, nämlich de Gewal . Das is nu in wenigen ande en Felde n des s aa lichen Handelns und des gesellscha lichen Lebens de Fall. Beg i e, die Polizeia bei s uk u ie en, un e liegen dahe eine besonde en Beg ündungs- und Rech e igungslas bzw. Ve p lich ung zu Rech e igung. 2) Ein wei e e G und is wenige ech e igungs heo e ische und s ä ke p ak ische Aus ich ung und be i den Ums and, dass in Zei en mediale Ve mi lung in Ech zei Polizei zunehmend übe e schiedene Kanäle, un e ande em auch in den sozialen Medien, selbs als ‚Medienmache in‘ au i , indem sie Inhal e gene ie , Deba en ans öß , Beg i s e wendungen adie . Zu den Ve an wo ungsbe eichen de klassischen Polizeia bei e en also Ve an wo ungs elde hinzu, die die ‚Ö en lichkei swi ksamkei ‘ polizeiliche Kommunika ion im INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 5 Wo sinne be e en. Dies e o de einen bewuss en Umgang mi Mediena bei und die En wicklung on Kommunika ionss a egien, die den iel äl igen Au gaben on polizeiliche Kommunika ion ge ech we den. Auch hie ü is eine genaue Beg i s e lexion no wendig. Nun wi d gelegen lich a gumen ie , Beg i e seien nich pe se p oblema isch, man müsse sie nu in eine bes imm en Weise, zum Beispiel di e enzie genug, de inie en. In Hinblick au die Möglichkei en und G enzen de De ini ionsmach is alle dings o zu g oßem Op imismus zu wa nen. De ini ionen haben o nu beg enz Ein luss: „De Geb auch läss sich kaum es legen. Auch wenn ein Beg i de inie wi d, wi d e in de Regel mi Bedeu ungen geb auch , die übe diese De ini ion hinausgehen und ih mi un e soga wide sp echen“ (Söke eld 2007: 31). Wi kmäch ige is also die A und Weise des Geb auchs on Beg i en. Dahe is zu agen, wie die Beg i e Clan und Clank iminali ä geb auch we den, welche Konno a ionen sie mi sich b ingen und welche Assozia ionen sie wecken? Und: Inwie e n sind diese Konno a ionen und Assozia ionen eine gu en Polizeia bei in Hinblick au ih e Ve an wo ung ü ih e (ö en lichkei swi ksame) Kommunika ion zu- ode ab äglich? Konno a ionen und Implika ionen on Clan und Clank iminali ä ‚Schicksalsgemeinscha ‘ Zunächs einmal sugge ie de Beg i Clan Ve wand scha sbeziehungen und amiliä e Bindungen. Mi amiliä en Bindungen wi d die Unau löslichkei de selben assoziie und die pe sönliche Ve s ickung in die amiliä en Ve häl nisse. Eine Ve wand scha sbeziehung kann man nu beding en kommen. Dami wi d de ‚Clan‘ auch zu ‚Schicksalsgemeinscha ‘. Po enziell wi d im Rahmen de Polizeia bei und de medialen Be ich e s a ung mi dem Beg i Clank iminali ä ein Na a i gescha en, das es einzelnen Familienmi gliede n e schwe , sich aus diesen Bindungen zu lösen ode als Indi iduum wah genommen zu we den. Ihnen wi d gegebenen alls die Chance au eine selbs bes imm e Lebens üh ung ohne Ansehung de Familie genommen. Dabei is das ein G undsa z ode zumindes ein Ansp uch eihei liche Gesellscha en: Menschen sollen als Indi iduen mi indi iduelle Ve an wo ung und pe sönliche Ve schuldung wah genommen we den. Da übe hinaus e schieb die Rede on Clans au g und de beg i lichen Ve bindung zu amiliä en S uk u en die F agen on (o ganisie e ) K iminali ä aus dem ö en lichen Raum in den Be eich de Familie. Wenn S a a en abe zu ‚ amilienin e nen P oblemen‘ e klä we den, dann we den sie beg i lich de Zus ändigkei behö dlichen Zug i s en zogen bzw. ha eine solche Einwi kung dann eine g öße e Rech e igungslas . Diese Logik soll e du ch die Beg i swahl nich noch Vo schub geleis e we den. Fik i e Genealogie und Legi imi ä De Beg i Clan e weis au eine gemeinsame Abs ammung, obwohl es sich o um eine „ ik i e Genealogie“ (Seymou -Smi h 1986: 130) handel , also um eine Annahme eines gemeinsamen Abs ammungs e häl nisses, das gegebenen alls nich nachweisba is . Die INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 6 He scha sbeg ündung und - ech e igung de his o ischen Clans e wa des scho ischen Hochlands wu den übe die ( ik i e) Genealogie he ges ell . Wenn de Beg i Clan ü S uk u en de OK e wende wi d, bes eh die Ge ah , dass diese A on Legi imi ä szusch eibung eben alls übe agen wi d: Übe die ( e mein liche) T adi ion, die sich in den Ve wand scha sbeziehungen mani es ie , we den die da in ( e mein lich) beg ünde en Handlungen legi imie . Die Ve wendung des Beg i s Clan ü die en sp echenden S uk u en de OK läu dahe Ge ah , diesen in de Annahme de e mein lichen Legi imi ä des k iminellen Handelns das Wo zu eden. In Reak ion au diese F emdzusch eibung sind Ve suche zu beobach en, sich den Beg i Clan als Selbs zusch eibung anzueignen. So wi d de Beg i umgedeu e und eigene Na a i e en wickel , die ihn e wa als Symbol des Wide s ands gegen s aa liche Rep ession zeichnen (Elliesie 2024). Au diese Weise wi d e in eine nich in endie en Wendung zum Iden i ä sanke bes imm e G uppen und äg du chaus zu E ablie ung eines kollek i en Selbs e s ändnisses und in de Folge gegebenen alls zu S ä kung on Bindungen inne halb de G uppe bei. E hnisie ung De Beg i Clan wi d o angig e hnisie e wende . Vom Bundesk iminalam wi d de Beg i Clank iminali ä beispielsweise ü Mhallamiye, „a abisch-s ämmige“, „ ü kei-s ämmige“, „G uppie ungen aus dem Wes balkan“ und den Magh eb-S aa en sowie ü ie OK- G uppie ungen ande e He kun e wende (Bundeslagebild 2019: 31). Ehe sel en wi d e gegenwä ig zu Besch eibung ‚deu sche ‘ Familien e häl nisse e wende . Die E hnisie ung des Beg i s geh mi eine Reihe on P oblemen einhe : „‚E hnizi ä ‘ bezeichne [im All ags e s ändnis häu ig imme noch] das Fes hal en an o mode nen und nich - a ionalen (ode ga i a ionalen) O ien ie ungen; ‚e hnische G uppen‘ sind in diesem Ve s ändnis G uppen, de en Zusammenhal sich au ‚T adi ion‘ und Abs ammung s ü z , G uppen, die die Mode ne ‚noch‘ nich e eich [haben]“ (Söke eld 2007: 46). Ode noch zugespi z e : „Das ‚E hnische‘ is eine Res ka ego ie, au die zum Beispiel in den Medien imme dann e wiesen wi d, wenn a ionale E klä ungs e suche anscheinend schei e n“ (ebd.) ode ande e E klä ungsmodelle ein höhe es Maß an Komplexi ä au weisen wü den. Da übe hinaus is au ällig, dass die He kun sangaben, die zu Bes immung on Clank iminali ä im Bundeslagebild e wende we den, analy isch on de a sächlichen S aa sbü ge scha de Ta e däch igen losgelös sind, und nu eilweise mi diese übe lappen (ebd.: 31, 33). De g öß e Teil de im Bundeslagebild genann en Ta e däch igen is deu sche S aa sangehö igkei (26,7 %), danach olgen Pe sonen mi libanesische S aa sangehö igkei (20,0 %), dann ü kische (15,6 %), sy ische (13,3 %), S aa enlose (6,7 %) und umänische S aa sangehö ige (4,4 %). Wei e e S aa sangehö igkei en machen 13,3 P ozen de Ta e däch igen aus (Bundeslagebild OK 2019: 33). 3 Es handel sich also auch hie um eine 3 Das LKA NRW beg enz den Beg i Clank iminali ä „ o dem Hin e g und de ak uellen polizeilichen E ah ungen [...] zunächs in e s e Linie au ü kisch-a abischs ämmige G oß amilien [...], de en Angehö ige de Be ölke ungsg uppe de Mhallamiye zuzuo dnen sind“ (LKA NRW 2018: 7). INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 7 e hnisie ende Besch eibung. Ta e däch ige we den qua ih e e hnischen und amiliä en Zugehö igkei diese G uppe zugeo dne , nich au g und ih e S aa sangehö igkei . In e essan is auch, dass ü die „I alienische O ganisie e K iminali ä “ und ü die „ ussisch- eu asische o ganisie e K iminali ä “ de Beg i Clan nich e wende wi d, obwohl insbesonde e im Falle de IOK (zumindes symbolische) Ve weise au Familiens uk u en du chaus üblich sind. Wäh end sich im Fall de IOK und de REOK die Bezeichnung o angig au eine Na ionali ä ode eine He kun s egion bezieh , we den im Fall de Clank iminali ä G uppen seh un e schiedliche egionale He kun und mi e schiedenen Mig a ionsgeschich en zusammenge ass und übe einen e hnologischen Beg i de inie , de die Abs ammung be on . Dies is nich nu au ällig, sonde n auch p oblema isch. Es bes eh die Ge ah , dass Phänomenen eine Einhei lichkei in Funk ionsweise und S uk u un e s ell wi d, die ielleich ga nich (ode nich im un e s ell en Maß) gegeben is . Hinzu komm , dass un e de Ka ego ie Clank iminali ä om BKA o angig Ta e däch ige aus ‚muslimisch gep äg en Lände n‘ ge ass we den. Hie wi d ein Zusammenhang zwischen E hnie, Kul u und Religion au de einen und Delinquenz au de ande en Sei e he ges ell , de sich empi isch nich s ü zen läss , gleichzei ig abe seh wohl an imuslimische Ressen imen s e s ä k . Dies ha nich nu Folgen ü Pe sonen, die polizeilich de Clank iminali ä zugeo dne we den, sonde n ü alle Pe sonen, denen eine muslimische eligiöse Zugehö igkei zugesch ieben wi d. Die Be o enen sehen sich le z lich nich nu s ä ke e polizeiliche Übe p ü ung ausgese z , sonde n haben auch in sozialen und wi scha lichen Kon ex en mi Disk iminie ung zu kämp en. All das e schä Ma ginalisie ung und s ell eine Fo m poli ische Unge ech igkei und on Un ech da . Abscho ung Neben de Ge ah de (Übe -)Be onung de Rolle on Religion und Kul u he sch de Eind uck o , dass die un e dem Beg i Clan ge ass en G uppen in einem hohen Maße on de Meh hei sgesellscha abgescho e seien. Pa adigma isch da ü s eh die Aussage de Bundesminis e in Faese au de He bs agung des BKA 2022: „Es is absolu inakzep abel, dass k iminelle Angehö ige on Clans in ih en Familiens uk u en abgescho e und nach ih em einem eigenen We esys em auße halb unse es Rech ss aa es leben. Und es ha auch nich s mi libe alen We en zu un, wenn man zuläss , dass solche Leu e unse en Rech ss aa und unse e Gese ze e ach en, dass sie Unmengen an e schiedens en S a a en begehen, dass sie Gewal anwenden und Menschen in Angs und Sch ecken e se zen.“ (Faese 2022) Abscho ung wi d auch im Bundeslagebild OK als eine de Indika o en ü Clank iminali ä au ge üh . Wie be ei s e wähn , spiel in de De ini ion des LKA NRW Seg ega ion dagegen keine Rolle. De D eiklang on Pa allelgesellscha , Clan und K iminali ä wi d auch medial häu ig au geg i en. De Islam wi d dabei, wie Goedeke e al. (2016: 511) es s ellen, „ on allen Religionen in de Be ich e s a ung mi Abs and am häu igs en e wähn . Da übe hinaus we den in de Häl e de Aussagen zu muslimischen Einwande e n eindeu ig nega i e Da s ellungs endenzen gewähl , die dem F ame de K iminellen en sp echen“. Selbs im Bundeslagebild OK wi d da au hingewiesen, dass den „a abisch-/ ü keis ämmigen Clans“ zwa „in alle Regel ein hohe Abscho ungsg ad nach außen zugesch ieben“ wi d (Bundeslagebild 2018: 33), es sei abe 2018 nu in zwei OK-Ve ah en gegen diese OK-G uppie ungen eine homogene Tä e s uk u es ges ell wo den: „Die üb igen 25 OK-Ve ah en zeichne en sich INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 8 du ch eine he e ogene Zusammense zung de Tä e s uk u en aus, bes ehend aus Ta e däch igen un e schiedliche Na ionali ä en“ (ebd.). Die o handene Assozia ion de Abscho ung, die mi dem Clan-Beg i e bunden is , schein zumindes mi Blick au die O ganisa ion de k iminellen Ak i i ä en ehe in die I e zu üh en, als eine heu is ische Hil e zu sein. Es wi d auße dem de Eind uck e mi el , die Isola ion sei olls ändig selbs gewähl und Ausd uck eine bewuss en Abg enzung. Das üh dazu, dass s uk u elle Rahmenbedingungen und gesellscha liche Wechselwi kungen ebenso wie die Auswi kungen on Disk iminie ung und soziale Ma ginalisie ung aus dem Blick ge a en. Dami we den zudem mögliche Ansa zpunk e zu Lösung on P oblemlagen e kann , die mi dem Beg i Clank iminali ä gekennzeichne we den. T o z ih e e mein lichen Eigens ändigkei sind die so bezeichne en G uppen le z lich in iel äl ige Weise in die dominan e Gesellscha eingebe e . Die e kü z e Pe spek i e e schwe nich nu ein di e enzie es Ve s ändnis des Phänomens, sonde n e s ell auch den Zugang zu p ä en i en und lösungso ien ie en Ansä zen, die sowohl soziale als auch s uk u elle Dimensionen be ücksich igen. F emda igkei und Eigengese zlichkei De Beg i Clan konno ie da übe hinaus F emda igkei und Eigengese zlichkei . So seien Angehö ige eines Clans e mein lich ande en Regelsys emen un e wo en, die on außen nu schwe e s ändlich seien bzw. die sich on denen de Außenwel zumindes s a k un e scheiden. Diese Annahme de F emdhei und Eigengese zlichkei inde sich auch in de oben zi ie en Bes immung on Clank iminali ä im Bundeslagebild 2018. Do is on eine „eigene[n] We eo dnung“ und „g undsä zlichen Ablehnung de deu schen Rech so dnung“ die Rede. Die Annahme de F emda igkei kann dazu üh en, dass Gemeinsamkei en mi ande en S uk u en o ganisie e K iminali ä wenige deu lich wah genommen we den. De Beg i sugge ie eine epis emische Dis anz, die andeu e , dass das Innenleben solche als clank iminell bezeichne en G uppen ü Außens ehende kaum ode nu schwe zugänglich sei. Diese e mein liche Unzugänglichkei kann dazu üh en, dass Analyse und Ve s ändnis diese G uppen mi eine Au a des Mys e iösen au geladen we den und als inhä en undu chschauba au ge ass we den. Eine solche Rahmung kann die Vo s ellung s ä ken, dass e ablie e wissenscha liche und polizeiliche Me hoden g undsä zlich nich aus eichen, um de P oblema ik ge ech zu we den. In de Folge kann de Eind uck de Nich -Regulie ba kei und de Aussich slosigkei behö dlichen Handelns en s ehen ode du ch den Beg i bes ä k we den: Es s eh zu be ü ch en, dass die Rede on Clans und Clank iminali ä wie eine Kapi ula ion des Rech ss aa s wi k . Diese Eind uck en s eh nich nu in de b ei e en Ö en lichkei , sonde n wi d be ei s au de Ebene de Selbs e ah ung on Polizis :innen so e leb , da „de haup sächlich du ch Medien, Poli ik und polizeiliche Füh ungsebene p oklamie e Disku s um Clank iminali ä au de Handlungsebene de Polizis innen und Polizis en zu Übe se zungsschwie igkei en“ (Dangelmaie e al. 2021: 25) üh . „De Polizeibe u als E ah ungsbe u i hie in Kon lik mi einem K iminali ä sphänomen, das au de G undlage eine polizeilich uneinhei lichen De ini ion keine konk e e, au eine Ad essa in ode einen Ad essa en bezogene Handlungsp axis be ei häl . Das P oblem de Clank iminali ä e schein deshalb zunächs als eine A un e wande ndes Gebilde“ (ebd.). Die eigene Handlungs ähigkei wi d dann als eingesch änk e leb . INVENTAR DER MIGRATIONSBEGRIFFE CLANKRIMINALITÄT 9 P imo dialismus Zu all diesen Punk en komm noch ein wei e e hinzu: Es bes eh die Ge ah , dass die Be onung on Familiens uk u kul u elle und gegebenen alls eligiöse P ägung zu p imo dialen Vo s ellungen üh . „De P imo dialismus geh da on aus, dass hin e de Bildung on e hnischen G uppen und Na ionen ‚u sp üngliche‘ (p imo diale) Beziehungen s ehen, die du ch Gebu und du ch das Au wachsen in eine Gemeinscha ges i e we den, die das Indi iduum p ägen, die dem a ionalen und ins umen ellen Handeln wei gehend en zogen sind und eine o disku si e Reali ä da s ellen.“ (Söke eld 2007: 32) P imo dialismus is häu ig mi essenzialis ischen Vo s ellungen e bunden, also mi de Annahme, dass sich die Iden i ä eine G uppe ode eine Einzelpe son aus de en ‚Wesen‘ e gib und dahe in gewisse Hinsich als un e ände lich be ach e wi d. Ein lussnahme und Ve ände ung on ‚Clans‘ sind un e diese heo e ischen Pe spek i e olglich nu in engen G enzen möglich. Auch das e s ä k den Eind uck de Nich -Regulie ba kei und de Aussich slosigkei behö dlichen Handelns. Fazi Nachdem die mediale wie behö dliche Konjunk u des Beg i s Clank iminali ä da ges ell wu de, e olg e ein ku ze beg i sgeschich liche Übe blick, in dem o allem au die Bedeu ung des Beg i s Clan in de E hnologie und die gegenwä ige Ve wendungsweise des Beg i s Clank iminali ä in de medialen Da s ellung und in polizeilichen De ini ionen eingegangen wu de. Anschließend wu de e läu e , dass imma e ielle Beg i e du chaus mani es e Folgen haben können, insbesonde e im Be eich des polizeilichen Handelns. Anschließend wu den die Konno a ionen und Implika ionen de Beg i e Clan und Clank iminali ä anhand on sechs Themen elde n un e such und gezeig , dass die Beg i e gegebenen alls une wünsch e Neben olgen in de polizeilichen A bei und de en Kommunika ion zei igen können. De Beg i Clank iminali ä is au g und de au gezeig en gesellscha spoli ischen Folgen als Analyseka ego ie mindes ens zu übe denken, wenn nich ga als unb auchba zu e klä en. Li e a u e zeichnis Zum Wei e lesen Wollinge , A. (Hg.) (2024): K i ische Analysen zu sogenann en „Clank iminali ä “, Wiesbaden: Sp inge VS. Chah ou , M. A./Saue , L./Schmid, L./Schulz, J./Winkle , M. (Hg.) (2023): Gene al e dach . Wie mi dem My hos Clank iminali ä Poli ik gemach wi d, Hambu g: Edi ion Nau ilus.