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Optimierung einer koordinativen Fertigkeit im Kindergarten. Ballwurftraining mit und ohne kinästhetische Förderung

Tschamper, Pascale

Abstract

Die motorische Entwicklung hat im Kindergartenalter eine zentrale Bedeutung für das Wohlbefinden und die soziale Integration. Das Werfen ist eine relevante Fertigkeit, um im Kindergarten bei Ballspielen mitmachen zu können. Schwierigkeiten bei der Bewegungsausführung in Bezug auf das Ballwerfen können das Selbstkonzept beeinträchtigen. In der Psychomotoriktherapie wird die Verbesserung der Bewegungsausführung angestrebt, wobei auch die kinästhetische Wahrnehmung dafür genutzt wird. Das Ziel in der vorliegenden Arbeit ist es zu klären, wie relevant die kinästhetische Wahrnehmung in Bezug auf die koordinativen Fertigkeiten am Beispiel des Ballwurfes ist. Dazu wurde ein quasi-experimentelles Kontrollgruppendesign mit Prä- und Posttest im Kindergarten durchgeführt. Zwei Gruppen absolvierten über einen Zeitraum von acht Wochen jeweils zwei wöchentliche Trainingseinheiten zur Ballfertigkeit. Die Experimentalgruppe erhielt zusätzlich ein Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung. Die Stichprobe besteht aus 17 Kindergartenkinder, das Durchschnittsalter beträgt 6;1 Jahre. Die Effektivität des Trainings wurde anhand eines Prä- und Posttests überprüft, bestehend aus Zielwurf und Weitwurf. Beim Zielwurf lag der Fokus auf den Trefferquoten, beim Weitwurf lag der Fokus bei der Bewegungsausführung. Die Ergebnisse zeigen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Mögliche Erklärungen dafür sind die geringe Stichprobengrösse sowie das Fehlen einer Randomisierung, was die Vergleichbarkeit der Gruppen beeinträchtigt haben könnte. Auch die begrenzte Dauer des Trainings könnte die Wirksamkeit eingeschränkt haben. Zudem könnten einzelne Ausreisser innerhalb der kleinen Stichprobe das Ergebnisse verzerrt haben.

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Studiengang Psychomotoriktherapie Bachelorarbeit Optimierung einer koordinativen Fertigkeit im Kindergarten Ballwurftraining mit und ohne kinästhetische Förderung Eingereicht von: Pascale Tschamper Begleitperson: Christina Baer Zweite Fachperson: Myrtha Häusler Datum der Abgabe: 16.05.2025 Abstract Die motorische Entwicklung hat im Kindergartenalter eine zentrale Bedeutung für das Wohlbefinden und die soziale Integration. Das Werfen ist eine relevante Fertigkeit, um im Kindergarten bei Ballspielen mitmachen zu können. Schwierigkeiten bei der Bewegungsausführung in Bezug auf das Ballwerfen können das Selbstkonzept beeinträchtigen. In der Psychomotoriktherapie wird die Verbesserung der Bewegungsausführung angestrebt, wobei auch die kinästhetische Wahrnehmung dafür genutzt wird. Das Ziel in der vorliegenden Arbeit ist es zu klären, wie relevant die kinästhetische Wahrnehmung in Bezug auf die koordinativen Fertigkeiten am Beispiel des Ballwurfes ist. Dazu wurde ein quasi-experimentelles Kontrollgruppendesign mit Präund Posttest im Kindergarten durchgeführt. Zwei Gruppen absolvierten über einen Zeitraum von acht Wochen jeweils zwei wöchentliche Trainingseinheiten zur Ballfertigkeit. Die Experimentalgruppe erhielt zusätzlich ein Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung. Die Stichprobe besteht aus 17 Kindergartenkinder, das Durchschnittsalter beträgt 6;1 Jahre. Die Effektivität des Trainings wurde anhand eines Präund Posttests überprüft, bestehend aus Zielwurf und Weitwurf. Beim Zielwurf lag der Fokus auf den Trefferquoten, beim Weitwurf lag der Fokus bei der Bewegungsausführung. Die Ergebnisse zeigen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Mögliche Erklärungen dafür sind die geringe Stichprobengrösse sowie das Fehlen einer Randomisierung, was die Vergleichbarkeit der Gruppen beeinträchtigt haben könnte. Auch die begrenzte Dauer des Trainings könnte die Wirksamkeit eingeschränkt haben. Zudem könnten einzelne Ausreisser innerhalb der kleinen Stichprobe das Ergebnisse verzerrt haben. Dank Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Christina Bär für die Begleitung meiner Arbeit bedanken. Ihre kompetente und wohlwollende Beratung war mir eine wertvolle Stütze. Ein weiterer Dank geht an Verena Muheim und Jürgen Kohler für die kompetente Methodenberatung. Ein herzliches Dankeschön gilt den Kindergartenlehrpersonen Tanja Merkle und Patricia Baumgartner, die sich mit grossem Interesse und Engagement der Durchführung der Trainings mit den Kindern gewidmet haben und damit mein Experiment erst ermöglichten. Ich danke ihnen für ihre Zeit, ihre Offenheit und ihre Flexibilität. Ohne die Kinder aus dem Kindergarten wäre diese Arbeit gar nicht möglich gewesen. Sie sind auch die Gestalter:innen des farbenfrohen Titelblatts. Deshalb geht ein grosses Dankeschön an sie. Ein besonderer Dank gilt ausserdem den Korrekturleser:innen, die mich im Endprozess dieser Arbeit mit wertvollen Hinweisen unterstützt und mir im Hinblick auf die Rechtschreibung viel Zeit erspart haben. Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ......................................................................................................................................... 1 1.1 Begründung der Themenwahl ............................................................................................... 1 1.2 Gliederung und Aufbau der Arbeit ......................................................................................... 2 2 Theoretische Grundlagen ................................................................................................................ 3 2.1.1 Motorischer Entwicklungsstand von Kindergartenkinder ................................................. 3 2.1.2 Entwicklungsstand des Werfens von Kindergartenkinder ................................................. 3 2.1.3 Definition kinästhetische Wahrnehmung .......................................................................... 4 2.1.4 Entwicklungsstand der kinästhetischen Wahrnehmung von Kindergartenkinder ............ 5 2.2 Motorisches Lernen und Balltraining ..................................................................................... 5 2.2.1 Bewegungslernen .............................................................................................................. 6 2.2.2 Erlernen des Schlagwurfes aus dem Stand ........................................................................ 7 2.3 Kinästhetisches Training ......................................................................................................... 8 2.4 Trainingsmethoden für Kinder ............................................................................................. 10 2.5 Zusammenfassung ............................................................................................................... 11 3 Herleitung der Fragestellung ......................................................................................................... 11 4 Methode ........................................................................................................................................ 12 4.1 Vorgehen .............................................................................................................................. 12 4.2 Beschreibung der Stichprobe ............................................................................................... 12 4.2.1 Gruppenvergleich nach ausgewählten Merkmalen ......................................................... 13 4.3 Aufbau und Durchführung der Trainingseinheiten .............................................................. 15 4.3.1 Training der kinästhetischen Wahrnehmung ................................................................... 16 4.3.2 Training des Ballwurfes .................................................................................................... 18 4.3.3 Rahmenbedingungen der Durchführung ......................................................................... 21 4.4 Datenauswertung ................................................................................................................. 22 4.4.1 Operationalisierung ......................................................................................................... 22 4.4.2 Auswertung ...................................................................................................................... 23 5 Ergebnisse ...................................................................................................................................... 23 5.1 Ergebnisse der Auswertung ................................................................................................. 23 5.1.1 Grafische Darstellung der Ergebnisse .............................................................................. 25 5.1.2 Überprüfung der Hypothesen ......................................................................................... 29 6 Diskussion ...................................................................................................................................... 30 6.1 Beantwortung der Fragestellung ......................................................................................... 30 6.2 Zusammenfassung und Diskussion der Befunde ................................................................. 30 6.2.1 Stichprobe ........................................................................................................................ 31 6.2.2 Randomisierung ............................................................................................................... 31 6.2.3 Umsetzung und Aufbau der Trainingseinheiten .............................................................. 31 6.2.4 Gütekriterien ................................................................................................................... 32 6.3 Bedeutung für die Praxis ...................................................................................................... 33 7 Literaturverzeichnis ....................................................................................................................... 34 8 Abbildungsverzeichnis ................................................................................................................... 39 9 Tabellenverzeichnis ........................................................................................................................ 39 10 Anhang ..................................................................................................................................... 40 A) Training der kinästhetischen Wahrnehmung ................................................................................ 40 B) Training des Ballwurfes ................................................................................................................. 46 C) Aufwärmsequenzen für die Kontrollgruppe .................................................................................. 51 D) Selbstständigkeitserklärung .......................................................................................................... 52 1 1 Einleitung 1.1 Begründung der Themenwahl Die motorische Entwicklung verläuft bei den meisten Kindern unauffällig. In der frühen Kindheit werden Bewegungen erlernt und automatisiert. Manche Kinder haben dabei mehr Mühe als andere. Kinder, die die Psychomotorik besuchen, haben oft einen hohen Leidensdruck. Sie zeigen Auffälligkeiten im motorischen, sensorischen, emotionalen und sozialen Bereich (Psychomotorik Schweiz, 2021). Vielfach sind Schwierigkeiten bei genauen Bewegungsausführungen zu beobachten. Den Kindern fällt es dabei schwer, ihre Kraft angemessen zu Differenzieren oder sie kommen ins Stolpern und Stossen sich an. Einige Kinder haben in ihrer frühen Kindheit nur wenig Bewegungserfahrung gesammelt und bewegen sich aufgrund dessen unbeholfen. Im Berufsbild vom Berufsverband Psychomotorik Schweiz (2021) wird auf die Wechselwirkung von Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Bewegen und Verhalten hingewiesen. In der Therapie kann beobachtet werden, dass Kinder mit motorischen Schwierigkeiten oftmals starke Reize suchen und sich anhand von Druck auf dem eigenen Körper spüren möchten. Hier wird von den kinästhetischen Reizen gesprochen. In der Bachelorarbeit von M. Heiniger und S. Schlumpf (2024), die aus einer systemischen Literaturanalyse hervorgeht gibt es Befunde, welche einen Zusammenhang zwischen der kinästhetischen Wahrnehmung und der Bewegungsausführung aufzeigen. Laut Lienert, Sägesser und Spiess (2019, S. 23) sind die visuellen, auditiven, taktilen, kinästhetischen und vestibulären Sinnesbereiche, auch Wahrnehmungssysteme genannt, für die Bewegungsentwicklung von Bedeutung. Diese Sinne sind bei einer Bewegungshandlung oft gemeinsam aktiv und arbeiten zusammen. Auch Rosenkötter (2021, S. 162) erwähnt in seiner Literatur, dass die kinästhetische Wahrnehmung bei der Ausführung von Bewegungen relevant ist. Durch die kinästhetische Wahrnehmung erfahren wir über Lage, Position und Bewegung unserer Gliedmassen und Körperteile. Aus den Rezeptoren in Gelenkkapseln, Sehnen und Muskeln nimmt das kinästhetische System die nötigen Informationen auf. Aus diesem Grund ist es möglich, Kraftdosierungen und Bewegungen exakt zu steuern und auch eine veränderte Position eines Körperteils im Raum zu definieren. Durch das kinästhetische System können wir unsere Bewegungen kontrollieren. Im Kindesalter sind die motorischen Aktivitäten von zentraler Bedeutung. Schon im Kindergarten führt motorisches Können, Geschicklichkeit und auch Kraft zu sozialer Integration, was das Selbstbewusstsein stärkt, die Entwicklung der emotionalen Stabilität unterstützt und zu einem positiven Selbstkonzept führt (Dordel, 2003, S. 241). Kindergartenkinder sind viel in Bewegung und definieren sich zu einem grossen Teil über ihre motorische Aktivität und ihr Können (Francke, 2024, S. 24). 2 In der Studie von Sánchez-Lastra, Varela, Cancela & Ayán (2019) wird aufgezeigt, dass Kinder mit geringen motorischen Kompetenzen häufiger erhöhte Ängstlichkeit und ein geringes Selbstwertgefühlt haben. In den Studien von Wassenberger et al. (2005) und Roebers et al. (2014) wird ein Zusammenhang zwischen der motorischen Leistung und der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren festgestellt. Dies bedeutet, dass die motorische Leistung einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl, die schulische Leistung und die soziale Integration hat und zeigt, wie wichtig die Bewegungsentwicklung in diesem Alter ist. Ein Mangel an Bewegung und das Vermeiden von körperlicher Aktivität führt langfristig zu gesundheitlichen Risiken (Rezende, Rodrigues Lopes, Rey-López, Matsudo & Luiz, 2014). Zudem fördert regelmässige Bewegung die subjektive Lebenszufriedenheit im Erwachsenenalter (Maher, Pincus, Ram & Conroy, 2015). Das Werfen gehört unteranderem zu einer der Grundfertigkeit der Kinder im Kindergarten (Firmin & Messmer, 2003, S. 2, Broschüre 4). Es ist eine relevante Fertigkeit, um bei Ballspielen teilzunehmen und bietet eine wichtige Grundlage für viele Sportarten im Schulsport sowie der Freizeit (Ernst & Bucher, 2005, S. 5, Broschüre 4). Laut Jenni (2021, S. 299) lässt sich die Ausführung und Steuerung von Bewegungen, wie beispielsweise dem Ballwurf, schon ab vier bis fünf Jahren durch Wiederholung und Übung verbessern. Die Dissertation von Stolpe (2002, S. 137) zeigt, dass eine Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung zu einem besseren und stabileren Bewegungsablauf führen kann. Die Studie von Ricotti und Minuti (2024) belegt, das ein spezifisches kinästhetisches Training die motorische Fertigkeiten deutlich verbessern. Auch bei einer systemischen Überprüfung von Winter, Huang, Sertic und Konczak (2022) wird ersichtlich, dass es eine grosse Anzahl von Studien gibt, die kinästhetische Interventionen anwenden, um die Motorik zu verbessern. Trotz des Wissens, dass die kinästhetische Wahrnehmung relevant für die Bewegungsausführung ist, gibt es bislang keine Studien im Kindergartenalter, die ein kinästhetisches Training miteinbezieht, um eine koordinative Fertigkeit, wie das Ballwerfen, zu optimieren. Um einen Beitrag in die Forschungslücke im Bezug zur koordinativen Fertigkeit des Werfens im Kindergartenalter zu leisten, wird in der vorliegenden Arbeit empirisch mit einem quasi-experimentellen Kontrollgruppendesign geprüft, ob ein Training der kinästhetischen Wahrnehmung die koordinative Fertigkeit des Ballwurfes bei Kindergartenkindern optimieren kann. 1.2 Gliederung und Aufbau der Arbeit Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Im Kapitel 2 wird der Entwicklungsstand von Kindergartenkindern in Bezug auf die Fertigkeit des Werfens und die kinästhetische Wahrnehmung theoretisch erörtert. Anschliessend findet ein Einblick in das Training des Ballwurfes und der 3 Wahrnehmung statt. Das Kapitel wird mit einer Zusammenfassung abgeschlossen. Im Kapitel 3 wird anhand der theoretischen Grundlagen die Fragestellung formuliert. Das Kapitel 4 stellt den empirischen Teil der Arbeit dar. Die Ergebnisse der Auswertung zur Veränderung des Ballwurfes werden im Kapitel 5 aufgezeigt und die Hypothesen überprüft. Im letzten Kapitel erfolgt eine Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Praxis werden abgeleitet. 2 Theoretische Grundlagen Für die theoretischen Grundlagen des Entwicklungstandes der Kinder wurde Grundlagenliteratur zur motorischen Entwicklung und der Bewegungsförderung herangezogen. Zur Begriffserklärung diente neben der Grundlagenliteratur auch die Definition aus dem Duden (n. d.). Das Training der Ballfertigkeit resultiert aus Erkenntnissen aus Fachliteraturen zur motorischen Entwicklung und aus Sportzeitschriften. Für die Effektivität des kinästhetischen Trainings wurden nebst der Grundlagenliteratur zur Bewegungslehre hauptsächlich Studien hinzugezogen. Die Plattform Elicit ist als Hilfsmittel genutzt worden. Mithilfe der Suchbegriffe Proprioceptive Training, Motor Skills und children aged five to six years wurden einige quantitative Studien gefunden. Fündig wurde die Autorin dieser Bachelorarbeit besonders auf der Datenbank von PubMed Central (PMC). Die grundsätzlichen Trainingsmethoden für Kinder sind aus der Grundlagenliteratur zur motorischen Entwicklung und der Bewegungslehre entstanden. 2.1.1 Motorischer Entwicklungsstand von Kindergartenkinder Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren haben von Natur aus, einen grossen Bewegungsdrang, der Raum zur Entfaltung benötigt. In der Motorik äussert sich eine qualitative Verbesserung in einem zunehmend stabileren Gleichgewichtsinn. Zudem ist eine Verfeinerung von grobund feinmotorischen Bewegungsmuster zu beobachten. Die ersten Bewegungskombinationen von Werfen und Fangen, Laufen und Springen sind möglich. Im Alter zwischen fünf und sieben Jahren kommt es zu einer quantitativen Erweiterung der Motorik. Dies wird durch die veränderten Körperpositionen begünstigt. Gleichzeitig ist eine Leistungssteigerung erkennbar (Geraedts, 2020, S. 14). Das Werfen gehört nebst dem Laufen und Springen zur Grundtätigkeit der Kinder im Kindergarten (Firmin & Messmer, 2003, S. 2, Broschüre 4). 2.1.2 Entwicklungsstand des Werfens von Kindergartenkinder Die Entwicklung des Schlagwurfes wurde vorerst als 4-Stufen-Modell von Monica Wild (1938 zitiert in Schott & Munzert, 2010, S. 138) beschrieben. Dieses Modell wurde von vielen Forschenden durch Beschreibungen der einzelnen Entwicklungsstufen für Oberkörper, Schrittgestaltung und Armbewegung erweitert. Laut Schott und Munzert (2010) erreichen etwa 60 Prozent der Jungen im Alter von vier bis fünf Jahren die vierte Entwicklungsstufe des Wurfes. In dieser Phase zeigt sich einen 4 kontralateralen Schritt (Ausfallschritt) mit Stemmwirkung. Der Oberkörper wird rotiert, beginnend bei der Hüfte, über die Schulter bis zum Arm. Die gerade Ausholbewegung erfolgt schräg nach hinten oben zur Wurfarmschulter. Dabei wird der Arm nah am Körper geführt. Bei der Armbewegung nach vorne wird der Arm auf Schulterhöhe gestreckt, wobei die Hand während der gesamten Bewegung hinter dem Ball bleibt. Dies ermöglicht es, dass die Finger am Ende der Wurfbewegung Druck auf den Ball geben können. Im Alter von fünf bis sechs Jahren zeigen 60 Prozent der Jungen ein fortgeschrittenes Wurfmuster. Jungen zwischen fünf und sieben Jahren machen bereits einen «Zwischenhopser» beim Werfen. Wobei die präzise Verbindung von Anlauf und Wurf eher selten gelingt. Diese Ausführung erreichen die meisten Kinder erst im späteren Alter (Meinel & Schnabel, 2015, S. 279). Im Alter von fünf und sechs Jahren können Kinder bis zu fünf Meter zielgerichtet werfen (Geraedts, 2020, S. 14). Bei den Mädchen erreichen 60 Prozent die vierte Entwicklungsstufe im Alter zwischen fünf und sechs Jahren. Ein fortgeschrittenes Bewegungsmuster des Wurfes wird im Alter von sieben bis acht Jahren erreicht (Schott & Munzert, 2010, S. 135–137). Mädchen im Kindergartenalter erreichen eine Schlagwurfbewegung aus frontaler Standstellung oder mit einer leichten Verschiebung der Füsse. Der Wurf erfolgt noch aus dem Oberkörper. Der Rumpfeinsatz beziehungsweise die Rotation des Körpers beim Werfen ist besonders bei Mädchen aber auch bei einigen Knaben im Kindergarten noch nicht ausgebildet (Meinel & Schnabel, 2015, S. 278–279). Der obige Abschnitt zeigt auf, dass bereits im Kindergartenalter grössere Unterschiede im Bereich der Fertigkeit Werfen bestehen. Dordel (2003, S. 267) erwähnt, dass das Alter, in dem ein Kind eine bestimmte Fertigkeit beherrscht, variieren kann. Es hängt unter anderem von der individuellen Bewegungserfahrung, der Anregung und Möglichkeit zur Bewegung, aber auch von den biologischen Entwicklungsbedingungen ab. Die Bewegungskoordinationen, die Ausführung und die Steuerung einer Bewegung können ab vier Jahren durch Übung verbessert werden (Jenni, 2021, S. 297). Das Zeitfenster zwischen vier und sieben Jahren zeichnet sich durch eine besonders hohe Entwicklungsdynamik in den Bereichen Reaktionsfähigkeit, räumliche Orientierung, Rhythmus und Gleichgewicht aus (Dordel, 2003, S. 269). Diese Fähigkeiten sind relevant für die koordinative Fertigkeit des Ballwurfs. 2.1.3 Definition kinästhetische Wahrnehmung Die kinästhetische Wahrnehmung wird in der Literatur mit verschiedenen Begriffen beschrieben. Um ein besseres Verständnis zu schaffen, werden zunächst zentrale Begriffe erläutert. 2.1.3.1 Kinästhetische Wahrnehmung Der Begriff Kinästhesie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern kineĩn (bewegen) und aísthēsis (Wahrnehmen, Empfinden) zusammen (Dudenredaktion, n. d.). Zimmer (2015, S. 11 2.5 Zusammenfassung Kinder im Kindergarten machen grosse Fortschritte in ihrer motorischen und sensomotorischen Entwicklung. Das Werfen gehört zu einer der Grundfertigkeit im Kindergartenalter. Dabei stellen die koordinativen Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Rhythmus, räumliche Orientierung und Kraftdosierung wichtige Voraussetzungen dar (Ernst & Bucher, 2005; Gentsch & Weber, 2013). Vielfältige Wurfpositionen und verschiedenes Wurfmaterial soll beim Erlernen des Standwurfes eingesetzt werden (Firmin & Messmer, 2003; Gustedt, 2023). Beim Training der kinästhetischen Wahrnehmung geht es um das gezielte Wahrnehmen von Gelenkstellungen, Muskelspannung, Kraftdosierung und Körperhaltung (Balster, 1998). Durch ein kinästhetisches Training kann eine Verbesserung der Körperwahrnehmung und der Bewegungssteuerung erfolgen. Effektive Ansätze beinhalten Gleichgewichtsübungen, langsame Bewegungsabläufe mit taktilen Reizen und Übungen mit geschlossenen Augen. Ohne visuelle Reize wird die Aufmerksamkeit auf das innere Bewegungsempfinden gelenkt (Meinel & Schnabel, 2015; Stolpe, 2002). Eine Kombination von passiven und aktiven Bewegungen mit und ohne visuelle Reize sind wirkungsvoll (Aman et al., 2014; Winter et al., 2022). Für das Anleiten und Durchführen der Trainings gilt es Zeit für viele Wiederholungen einzuplanen, die Kinder durch Erfolgserlebnisse zu motivieren und sie in den Aufgaben strukturiert und klar anzuleiten (Geraedts, 2020). 3 Herleitung der Fragestellung Kinder im Kindergarten haben einen hohen Bewegungsdrang und es erfolgt ein zunehmendes Ausdifferenzieren koordinativer Fähigkeiten. Studien zeigen, dass gezieltes kinästhetisches Training motorische Fertigkeiten erheblich verbessern. Daraus ergibt sich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit: Führt eine zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung mit einem Training für den Ballwurf bei Kindern im Kindergarten zu einem optimierten Ballwurf? Aus dieser Fragestellung leiten sich folgende Hypothesen ab: H0: Es zeigen sich keine Unterschiede beim Erzielen der Punkte in der Bewegungsausführung. H1: Kinder, die das zusätzliche Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung erhalten, erzielen eine höhere Punktzahl in der Bewegungsausführung als die Kinder ohne dieses Training. H0: Es zeigen sich keine Unterschiede bei der Trefferquote. H1: Kinder, die das zusätzliche Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung erhalten, erzielen eine höhere Trefferquote beim Zielwerfen als die Kinder ohne dieses Training. Ein Testverfahren vor und nach der Trainingsdurchführung erfasst die koordinative Fertigkeit und dient der Verifizierung beziehungsweise Falsifizierung der Hypothesen. 12 4 Methode Im folgenden Kapitel wird das methodische Vorgehen, die Stichprobe sowie der Aufbau, die Durchführung der Trainings und Rahmenbedingungen der Durchführung genauer erläutert. Im zweiten Teil des Kapitels werden die eingesetzten Methoden zur Datenerhebung und -auswertung vorgestellt. 4.1 Vorgehen Zur Beantwortung der Fragestellung wird ein quasi-experimentelles Kontrollgruppendesign mit Präund Posttest (2x2) durchgeführt, bei dem zwei Gruppen miteinander verglichen werden. Es handelt sich um ein Quasi-Experiment, da die Zuteilung der Kinder in die Gruppen nicht randomisiert vorgenommen wurde (Kohler, 2022, S. 153). Das Experiment wird mit Kindergartenkinder durchgeführt. Beide Gruppen erhalten zwischen den Sportund Frühlingsferien während acht Wochen jeweils zwei Trainings pro Woche zur Ballfertigkeit. Die Experimentalgruppe erhält zusätzlich zweimal pro Woche ein Training für die Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung. Vor der Durchführung der Trainings findet einen Test (Prätest) mit zwei Aufgabenbereiche zum Ballwurf statt, bestehend aus einem Zielwurf und einem Weitwurf (siehe Kapitel 4.4.1). Nach der Durchführung des Trainings werden nochmals dieselben Aufgaben zum Ballwurf geprüft in einem Posttest. 4.2 Beschreibung der Stichprobe Das quasi-experimentelle Kontrollgruppendesign (2x2) setzt sich aus einer Kontrollgruppe und einer Experimentalgruppe zusammen. Insgesamt sind es 17 Kinder (acht Mädchen, neun Jungen) aus zwei Kindergartengruppen, die bei dem Experiment teilnahmen. Davon befanden sich neun Kinder in der Kontrollgruppe und acht Kinder in der Experimentalgruppe. Die Kinder sind zum Zeitpunkt der ersten Testung im Alter von 5;7 bis 6;5 Jahren. Alle Kinder sind zum Zeitpunkt des Prätests im zweiten Kindergartenjahr und das Durchschnittsalter beträgt 6;1 Jahre. Die Familien der Kinder stammen aus verschiedenen sozio-ökonomischen Schichten und kulturellen Hintergründen. Mehr als die Hälfte aller Kinder hat eine andere Muttersprache als Deutsch. Die Einteilung der Gruppen erfolgt durch die Kindergartenlehrpersonen und ist nicht randomisiert (siehe Kapitel 4.1). Die Gruppeneinteilung ist für die Testleiterin single blinded. Sie weiss nicht welche Kinder sich in der Experimentalgruppe befinden. Die Testleiterin ist somit nicht voreingenommen bei der Testung und die Auswertung wird weniger verfälscht. Bei der Gruppeneinteilung versuchten die Lehrpersonen bestimmte Kriterien zu berücksichtigen. Ziel war es, beide Gruppen möglichst ähnlich in ihrer Zusammensetzung zu gestalten, insbesondere im Hinblick auf das Geschlecht, mit jeweils vier Mädchen und vier bis fünf Jungen. Aufgrund von Abwesenheiten einzelner Kinder (z. B. durch DaZ, Logopädie und zusätzlichen Angeboten) während des kinästhetischen Trainings konnte diese Vorgabe jedoch nicht vollständig umgesetzt werden. Ebenfalls wurde darauf geachtet, dass eine 13 ausgewogene Mischung aus Kindern mit hoher Affinität zum Ballwurf und solchen mit weniger hohen Affinität in beide Gruppen eingeteilt wurden. Die Merkmale Muttersprache und Alter wurden bei der Gruppeneinteilung nicht berücksichtigt. Während des Experiments kam es zu keinen Dropouts. 4.2.1 Gruppenvergleich nach ausgewählten Merkmalen Zur Veranschaulichung der Zusammensetzung der beiden Gruppen wurden Balkendiagramme erstellt. Diese zeigen die Verteilung der Merkmale Alter, Geschlecht, Muttersprache und Affinität zum Ballspiel. In den Abbildungen ist die Experimentalgruppe grün und die Kontrollgruppe rot eingefärbt. Die Zahlen innerhalb der Balken geben an, wie viele Kinder der jeweiligen Gruppe dem entsprechenden Merkmal zugeordnet werden können. Die Diagramme ermöglichen einen ersten Überblick über die Ausgangslage und zeigen mögliche Unterschiede zwischen den Gruppen auf. Abbildung 2: Gruppenvergleich Altersangabe Für die Auswertung werden die Altersangaben der Kinder in Dezimalform eingetragen. Dabei wird der jeweilige Monat als Zwölftel eines Jahres berechnet, sodass beispielsweise ein Alter von fünf Jahren und sieben Monaten als 5,58 Jahre dargestellt wird. Dies erleichtert die Vergleichbarkeit und Auswertung der Daten. In der Experimentalgruppe sind die meisten Kinder zwischen 6,16 und 6,33 Jahre alt. In der Kontrollgruppe verteilt sich das Alter der Kinder dagegen gleichmässiger über die gesamte Alterspanne. 14 Abbildung 3: Gruppenvergleich Geschlecht Das Balkendiagramm zeigt die Anzahl Mädchen (w) und Jungen (m) in beiden Gruppen. Hier zeigts sich, dass die beiden Gruppen bezüglich des Geschlechts nicht ausgeglichen waren. In der Experimentalgruppe sind fünf Mädchen und drei Jungen, während die Kontrollgruppe aus drei Mädchen und sechs Jungen bestand. Abbildung 4: Gruppenvergleich Muttersprache Das Balkendiagramm zeigt, dass die sprachliche Vielfalt in der Experimentalgruppe grösser ist als in der Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe ist bei vier Kindern die Muttersprache Deutsch, in der Experimentalgruppe sind zwei Kinder mit der Muttersprache Deutsch. 15 Abbildung 5: Gruppenvergleich Affinität Das Balkendiagramm zum Gruppenvergleich der Affinität zeigt, dass die Verteilung in beiden Gruppen recht ausgeglichen ist. In der Experimentalgruppe befinden sich vier Kinder mit einer weniger hohen Affinität und vier mit einer hohen Affinität zum Ballspiel. In der Kontrollgruppe zeigen fünf Kinder eine weniger hohe Affinität, vier eine hohe Affinität. Die Einschätzung der Affinität erfolgt durch die Kindergartenlehrpersonen auf Grundlage ihrer Beobachtungen im Alltag. Auf eine direkte Befragung der Kinder wird bewusst verzichtet, da davon ausgegangen wird, dass vermutlich alle Kinder mit «Ja» auf die Frage nach ihrer Freude am Ballspiel geantwortet hätten. Insgesamt zeigt das Balkendiagramm ähnliche Voraussetzungen, was die Motivation beim Werfen betrifft. 4.3 Aufbau und Durchführung der Trainingseinheiten Abbildung 6: Zeitlicher Ablauf des Experiments Die Abbildung zeigt den zeitlichen Ablauf des Experiments über den Zeitraum von neun Wochen ‒ abzüglich der Sportferien. Vor Beginn des Projekts fanden die Vorbereitung und Planung der Trainingssequenzen sowie die Organisation des Materials statt. In der Woche vor den Ferien wurde der Prätest durchgeführt. Nach den Sportferien begann die Durchführung des Balltrainings sowie die Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung. Die Trainings erstreckten sich über acht Wochen. In der letzten Woche, nach Abschluss der letzten Trainingseinheit, wurde der Posttest durchgeführt. Das gesamte Training erfolgte zwischen zwei Ferien (Sportund Frühlingsferien) und konnte dadurch ohne Unterbrechung durchgeführt werden. 16 Basierend auf den dargestellten Erkenntnissen der vorliegenden Studien und Literaturen werden folgende Trainings für die Bewegungsausführung des Ballwurfes und der Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung entwickelt. Das Trainingsprogramm umfasst 15 Sequenzen. Es wird zweimal pro Woche am Nachmittag durchgeführt, jeweils an den Dienstagen und Donnerstagen. Jede Trainingseinheit zum Standwurf dauert zehn Minuten. Das kinästhetische Training, ebenfalls mit einer Dauer von zehn Minuten, wird vor dem Standwurftraining durchgeführt. Die Experimentalgruppe erhält gezielt ein Training zur kinästhetischen Wahrnehmung, die Kontrollgruppe absolviert während derselben Zeit eine Aufwärmsequenz (siehe Anhang C). Dabei wird darauf geachtet, dass in der Kontrollgruppe die kinästhetische Wahrnehmung möglichst wenig einfliesst. 4.3.1 Training der kinästhetischen Wahrnehmung Auf Grundlage der dargestellten Erkenntnisse im Kapitel zum kinästhetischen Training wurde folgendes Training entwickelt. Das Training zur kinästhetischen Wahrnehmung fokussiert sich auf das Gleichgewicht, die Körperwahrnehmung und die Wahrnehmung von aktiven und passiven Bewegungen. Bei der Erstellung des Trainings wird darauf geachtet, dass in jeder Sequenz jeweils zwei dieser Schwerpunkte integriert werden, damit das Training ausgeglichen ist. Tabelle 1: Übersicht der Trainingssequenzen mit den Schwerpunkten des kinästhetischen Trainings Anmerkung. Die Schattierung zeigt, welche Schwerpunkte der kinästhetischen Wahrnehmung in den jeweiligen Trainingssequenzen enthalten sind. Die Schwerpunkte basieren auf dem Theorieteil zur kinästhetischen Wahrnehmung und den Trainingsmethoden. Die Grundlage für den Aufbau dieser Sequenzen bildet das Balltraining, das durch eine Vertiefung der kinästhetischen Wahrnehmung ergänzt wird. 17 In der folgenden Tabelle werden die Inhalte des Trainings beschrieben und deren Verknüpfung zur theoretischen Grundlage aufgezeigt. Tabelle 2: Inhalte und Theoriebezüge der Trainingssequenzen Schwerpunkte Trainingssequenzen Theoretische Verknüpfung Wahrnehmung Sequenz 1: Einschätzen des Gewichts verschiedener Wurfgegenstände mit geschlossenen Augen. Sequenz 4: Rotation im Schneidersitz mit geschlossenen Augen, passives Drehen durch die Lehrperson. Sequenz 5: Rotation im kontralateralen Schritt mit geschlossenen Augen, passives Drehen durch Lehrperson. Sequenz 6: Seitlich an die Wand stehen, Schulter des nicht Wurfarmes berührt die Wand, kontralateraler Schritt nach hinten, Rotation bis Wurfschulter und Ellenbogen die Wand berühren. Sequenz 8: Ein Kind wirft mit geschlossenen Augen einen Schaumstoffball vor sich auf den Boden, das andere Kind zeigt die Sprunghöhe an. Dann wird versucht, den Ball höher und tiefer springen zu lassen. Sequenz 10, 11 und 13: Wiederholung Sequenz 6 Durch das Üben mit geschlossenen Augen und das Ausschalten des visuellen Systems, richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf das kinästhetische Empfinden (Stolpe, 2002, S. 63). Übungen, bei denen passive und auch aktive Bewegungsformen ohne visuelle Rückmeldung durchgeführt werden, zeigen positive Effekte (Aman et al., 2014). Taktile Reize ‒ etwa durch Widerstand ‒ helfen Bewegungen bewusst zu erleben und die Motorik zu fördern (Geraedts, 2020, S. 127). Ein weiterer Aspekt ist die Kraftdosierung. Eine genaue Kraftdosierung unterstützt die Bewegungen, wie beispielsweise beim Zielwerfen eines Balles (Balster, 1998, S. 19–21). Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). Gleichgewicht Sequenz 1: Oberkörper nach rechts und links neigen, das Gleichgewicht von einem auf das andere Bein verschieben. Sequenz 2: Barfuss auf einem Bein balancieren. Bein wechseln, danach besprechen: «Gibt es Unterschiede?» Sequenz 3: Wiederholung Sequenz 2 Sequenz 4: Barfuss auf einem Bein balancieren. Bein wechseln, dann das Gleiche mit geschlossenen Augen versuchen. Besprechen: «Gibt es Unterschiede?» Sequenz 5: Balancieren auf einem Seil, mit visueller Sicht, dann mit geschlossenen Augen. Sequenz 6 und 7: Wiederholung Sequenz 5 Übungen, bei denen eine ständige Regulation motorischer Aktivitäten durch afferente Signale erfordern, sind für ein kinästhetisches Training effektiv (Quante & Hille, 1999, S. 309). Übungen, wie der Einbeinstand oder das Halten vom Gleichgewicht auf instabilen Unterlagen, werden im Training genutzt (Sánchez-Lastra et al., 2019). Gleichgewichtsinterventionen verbessern die kinästhetische Wahrnehmung und motorische Funktionen (Winter et al., 2022). Der Schwierigkeitsgrad beim Balancieren sollte schrittweise gesteigert und an die Fähigkeiten der Kinder angepasst werden. (Sánchez-Lastra et al., 2019). Durch das Üben mit geschlossenen Augen und das Ausschalten des visuellen 18 Sequenz 9: Balancieren auf einer instabilen Unterlage. Sequenz 11: Balancieren auf einem Bein mit einem Sandsäckchen auf dem Kopf. Sequenz 12: Wiederholung Sequenz 11 Sequenz 13: Im kontralateralen Schritt, Gewicht auf das hintere Bein verlagern, dann auf das vordere Bein. Sequenz 14 und 15: Wiederholung Sequenz 13 Systems richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf das kinästhetische Empfinden (Stolpe, 2002, S. 63). Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). Körper-wahrnehmung Sequenz 2: Mit geschlossenen Augen zu einem vorher festgelegten Punkt gehen. Abschätzen wie weit man gehen. Sequenz 3: Mit geschlossenen Augen vom parallelen Stand in den kontralateralen Stand wechseln. Sequenz 7: Schaumstoffball um den Rumpf und Rücken rollen. Zuerst mit, dann ohne visuelle Hilfe. Sequenz 8: Wiederholung Sequenz 2 Sequenz 9: Mit geschlossenen Augen Arme nach oben strecken, dann senken und zur Seite strecken. Sequenz 10: Mit geschlossenen Augen Arme nach oben strecken, dann senken und Ellenbogen auf Kopfhöhe nehmen. Sequenz 12: Wiederholung Sequenz 2 Sequenz 14 und 15: Ball an der Wand hochstossen, dann die Zeit nutzen bis der Ball wieder nach unten fällt, für versch. Bewegungen (sich einmal Drehen, hinter dem Rücken klatschen, auf den Boden liegen und wieder aufstehen usw.) Zur kinästhetischen Wahrnehmung zählt auch die Fähigkeit, die eigene Körperlage zu halten und zu verändern. Diese Fähigkeit ist wichtig für die räumliche Orientierung. Um die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers zu trainieren, sind Übungen effektiv, bei denen die Position und Lage des Körpers ohne visuelle Kontrolle wiedergeben werden müssen. Das Wahrnehmen und Unterscheiden von Gelenkstellungen gilt als Grundlage für die gezielte Steuerung von Bewegungen. Beispielsweise das Beugen und Strecken eines Gelenkes mit geschlossenen Augen (Balster, 1998, S. 19–21). Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). Die vollständige Anleitung zum Training ohne theoretische Verknüpfung befindet sich im Anhang A. 4.3.2 Training des Ballwurfes Auf Grundlage der im Kapitel dargestellten Erkenntnisse zum Training des Standwurfes wurde das folgendes Training entwickelt. Der Fokus des Balltrainings liegt auf vier zentralen Schwerpunkten; der Schrittgestaltung, der Rotation, der Ausholund Armbewegung sowie der 19 Gleichgewichtsverlagerung. In den ersten Sequenzen stehen jedoch das freie Ausprobieren und das Experimentieren im Vordergrund. Tabelle 3: Übersicht der Trainingssequenzen mit den Schwerpunkten im Balltraining Anmerkung. Die Schattierung zeigt, welche Schwerpunkte des Balltrainings in den jeweiligen Trainingssequenzen enthalten sind. In der folgenden Tabelle werden die Inhalte des Trainings beschrieben und deren Verknüpfung zur theoretischen Grundlage aufgezeigt. Tabelle 4: Inhalte und Theoriebezüge der Trainingssequenzen Schwerpunkte Trainingssequenzen Theoretische Verknüpfung Ausprobieren Sequenz 1: Werfen verschiedener Gegenstände (Tennisball, Schaumstoffball, Sandsäckchen) im Stehen und von oben gegen die Wand oder in die Weite ‒ ohne Zielen. Sequenz 2: Werfen verschiedener Gegenstände im Schneidersitz oder HalbKniestand, von oben gegen die Wand oder in die Weite ‒ ohne Zielen. Um den Handlungsspielraum zu erweitern, sollen vielfältige Erfahrungen im Werfens gesammelt werden (Firmin & Messmer, 2003, S. 2). Zur Erweiterung des Bewegungsrepertoires sollten verschiedene Wurfpositionen – etwa im Sitzen oder Halbkniestand – erprobt und unterschiedliche Wurfgeräte kennengelernt werden (Gustedt, 2023, S. 36). Schritt-gestaltung/ kontralateraler Stand Sequenz 3: Besprechen: Welches Bein ist beim Wurf vorne? Vorzeigen, dann versuchen die Kinder den kontralateralen Stand. Freies Bewegen im Raum, auf Musikstopp, im kontralateralen Schritt stoppen. Sequenz 5 und 6: Wiederholung Sequenz 3 Das Vormachen und Vorzeigen von Bewegungen sind effektiver als nur eine verbale Anweisung (Geraedts, 2020, S. 126). Die Fussstellung beim Schlagwurf im Stand sieht folgendermassen aus: der vordere Fuss zeigt nach vorne, der hintere ist leicht ausgedreht (Ávila de Borba, 2023, S. 85–86). 20 Sequenz 10: Kontralateralen Stand besprechen: vorderer Fuss zeigt nach vorne, der hinterer Fuss ist leicht ausgedreht. Vorzeigen, dann üben. Freies Bewegen im Raum, auf Musikstopp, im kontralateralen Schritt stoppen und Ellenbogen in Wurfposition nehmen. Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). Rotation Sequenz 4: Im Sitz oder Halbkniestand: Arme seitlich strecken, Rotation nach rechts und links. Sequenz 5 und 6: Rotation im kontralateralen Schritt, ohne Ball. Rotationsumfang zur Vermeidung von Überdrehung besprechen und vorzeigen. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Sequenz 7: Zwei Kinder stehen Rücken an Rücken, bewegen den Ball in liegender Acht um ihre Körper. Ein gewisser Bewegungsumfang der Arme ist dafür erforderlich. Sequenz 10: Rotation, im kontralateralen Schritt, zunächst ohne Ball. Rotationsumfang und besprechen, dann mit Ball üben. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Sequenz 11: Wiederholung Sequenz 10 Zur Erweiterung des Bewegungsrepertoires sollten verschiedene Wurfpositionen – etwa im Sitzen oder Halbkniestand – erprobt werden (Gustedt, 2023, S. 36). Der Körper ist bei der Wurfauslage in Seitposition (Owassapian et al., 2023). Das Vormachen und Vorzeigen von Bewegungen sind effektiver als nur eine verbale Anweisung (Geraedts, 2020, S. 126). Die Beweglichkeit ist eine wichtige Komponente des Werfens (Gentsch & Weber, 2013, S. 3). Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). Aushol-/ Armbewegung Sequenz 8: Ausholen: Arm nach oben ziehen und strecken, Tennisball mit Schwung auf den Boden werfen, sodass er wieder hochspringt. Sequenz 9: Ellenbogenposition besprechen und vorzeigen ‒ beim Wurf auf Kopfhöhe am Ohr. Freies Bewegen im Raum, auf Musikstopp: Ellenbogen auf Kopfhöhe nehmen und Unterarm bewegt sich nach vorne. Sequenz 11: Kurze Wiederholung: Wo ist der Ellenbogen beim Wurf? Bälle über eine Schnur in zwei bis drei Meter Höhe werfen, mit gestrecktem Arm und in richtiger Wurfposition (Kontralateraler Stand). Die Füsse bleiben auf dem Boden. Der Ellenbogen führt die Armbewegung und der Ball wird nach der Körperstreckung losgelassen (Gustedt, 2023, S. 35). Das Vormachen und Vorzeigen von Bewegungen sind effektiver als nur eine verbale Anweisung (Geraedts, 2020, S. 126). Der Ellbogen geht bei der Wurfbewegung voran und wird hoch über den Kopf geführt. Während des Wurfes bleiben die Füsse auf dem Boden (Owassapian et al., 2023). Wiederholungen der Bewegungsabläufe unterstützen das Erlernen motorischer Fertigkeiten und sind für die sensorische Wahrnehmung von Kindern relevant (Geraedts, 2020, S. 126). 27 der Gruppen deutete darauf hin, dass beide im Posttest ähnliche Resultate erreichten, wobei die Experimentalgruppe eine grössere Streuung des Leistungsniveaus aufwies als die Kontrollgruppe. Abbildung 9: Vergleich Zieltreffer im Prätest Im Prätest des Zielwerfens zeigte die Kontrollgruppe eine grössere Spannweite bei der Anzahl Treffer als die Experimentalgruppe. Die Experimentalgruppe wies eine engere Streuung auf, die erreichten Punkte lagen näher beieinander. Insgesamt erreichten beide Gruppen im Median eine vergleichbare Anzahl an Treffer, wobei die Kontrollgruppe leicht höhere Maximalwerte erzielte. Abbildung 10: Vergleich Zieltreffer im Posttest Im Posttest des Zielwerfens lagen die Medianwerte beider Gruppen nahe beieinander. Die Experimentalgruppe wies eine etwas grössere Streuung der Trefferanzahl auf als die Kontrollgruppe. Die Kontrollgruppe zeigte einen Ausreisser nach oben, was auf ein einzelnes Kind mit einer besonders hohen Trefferanzahl deutet. 28 Abbildung 11: Mittelwertvergleich des Präund Posttests des Gesamtwertes Die Grafik zeigt die Mittelwerte der beiden Gruppen im Präund Posttest bezüglich der Bewegungsausführung. Die zwei Punkte links in der Darstellung zeigen den Mittelwert der beiden Gruppen beim Prätest. Dabei liegen die Werte der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe etwas auseinander. Die zwei Punkte rechts bilden die Mittelwerte der Gruppen im Posttest ab. Die Gruppen erreichten fast den gleichen Mittelwert, wobei der Mittelwert der Experimentalgruppe unbedeutend höher liegt. Die Kontrollgruppe machte im Vergleich grössere Fortschritte, da ihr Mittelwert im Prätest tiefer lag. Der Mittelwert der Experimentalgruppe stieg um 1.625 Punkten, jener der Kontrollgruppe um ganze 4 Punkte. Abbildung 12: Mittelwertvergleich des Präund Posttests des Zieltreffens Die Grafik zeigt die Mittelwerte der beiden Gruppen im Präund Posttest beim Zielwerfen. Beim Prätest befanden sich die Mittelwerte der Experimentalund Kontrollgruppe nahe beieinander. Beim Posttest sank der Mittelwert der Experimentalgruppe deutlich. Der Mittelwert der Kontrollgruppe blieb fast gleich. 29 5.1.2 Überprüfung der Hypothesen Auf Grundlage der Ergebnisse wurden die Hypothesen mit dem t-Tests für unabhängige Stichproben geprüft. Mit dem Signifikanzniveau wurde entschieden, ob die Nullhypothese abgelehnt werden sollte oder nicht. Ist der p-Wert, also die Irrtumswahrscheinlichkeit kleiner als das Signifikanzniveau, wird die Nullhypothese abgelehnt, ist der p-Wert grösser wird die Nullhypothese angenommen (DATAtab Team, 2025). Das Signifikanzniveau liegt bei p ˂ 0.05. Alle Ergebnisse mit p ˂ 0.05 sind signifikant. Tabelle 6: Übersicht über Hypothesentest Variablen p-Wert (Signifikanz) Gruppenvergleich zwischen der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe im Posttest bezüglich der Bewegungsausführung 0.493 Gruppenvergleich zwischen der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe im Posttest bezüglich dem Zielwerfen 0.791 Die Überprüfung der Hypothesen für die Bewegungsausführung: H0: Es zeigen sich keine Unterschiede beim Erzielen der Punkte in der Bewegungsausführung. H1: Kinder, die das zusätzliche Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung erhalten, erzielen eine höhere Punktzahl in der Bewegungsausführung als die Kinder ohne dieses Training. Der p-Wert für den Gruppenvergleich zwischen der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe im Posttest bezüglich der Bewegungsausführung betrug 0.493. Er lag damit deutlich über dem Signifikanzniveau von p ˂ 0.05. Daher wurde die Nullhypothese beibehalten und die H1 Hypothese abgelehnt. Die Überprüfung der Hypothesen für das Zielwerfen: H0: Es zeigen sich keine Unterschiede bei der Trefferquote. H1: Kinder, die das zusätzliche Training zur Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung erhalten, erzielen eine höhere Trefferquote beim Zielwerfen als die Kinder ohne dieses Training. Der p-Wert für den Gruppenvergleich zwischen der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe im Posttest bezüglich des Zielwerfens betrug 0.791. Auch hier lag er damit deutlich über dem Signifikanzniveau von p ˂ 0.05. Daher wurde die Nullhypothese beibehalten und die H1 Hypothese abgelehnt. In beiden Bereichen – der Bewegungsausführung und der Zieltreffer – konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen Experimentalund Kontrollgruppe festgestellt werden. 30 6 Diskussion Nach der Auswertung der Daten folgt die Diskussion. In diesem Kapitel wird nun die Fragestellung der Bachelorarbeit beantwortet. Die Ergebnisse werden diskutiert und mit der Forschungslage verglichen. Zum Abschluss wird die Bedeutung der Praxis aufgezeigt. 6.1 Beantwortung der Fragestellung Mit den gewonnenen Daten aus den Ergebnissen kann die Fragestellung dieser Arbeit nun beantwortet werden: Führt eine zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung mit einem Training für den Ballwurf bei Kindern im Kindergarten zu einem optimierten Ballwurf? Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder, die eine zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung erhalten, im Bereich der Bewegungsqualität leichte Verbesserungen aufweisen, insbesondere bei der Gleichgewichtsverlagerung. Beim Zielwerfen verringert sich hingegen die durchschnittliche Trefferanzahl. Aber auch die Kontrollgruppe, macht ohne die zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung Fortschritte in der Bewegungsausführung. Beim Zielwerfen bleibt in dieser Gruppe die Leistung konstant. Es kann deshalb nicht daraus geschlossen werden, dass die Kinder der Experimentalgruppe aufgrund der Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung einen optimierten Ballwurf haben oder ob dies durch das Balltraining entstanden ist. In der Kategorie der ‘Gleichgewichtsverlagerung’ könnte es eine leicht positive Tendenz haben, dass die zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung zu einer leichten Verbesserung geführt hat. Das Training zur kinästhetischen Wahrnehmung könnte dazu beitragen, dass bestimmte Aspekte der Ballwurfbewegung optimiert werden. 6.2 Zusammenfassung und Diskussion der Befunde Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass die Experimentalgruppe und auch die Kontrollgruppe im Posttest leichte Fortschritte bei der Bewegungsausführung erzielten. Im Prätest lag die Experimentalgruppe in Bezug auf die Bewegungsqualität leicht über der Kontrollgruppe. Im Posttest verbesserten sich beide Gruppen und ihre Mittelwerte näherten sich an. Bei der Bewegungsausführung konnte dennoch, trotz Verbesserungen, kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden (p=0.493). Im Bereich der ‘Gleichgewichtsverlagerung’ zeigte sich bei der Experimentalgruppe eine Verbesserung, was auf einen möglichen positiven Einfluss der kinästhetischen Förderung hindeuten könnte. Im Bereich der Zieltreffer zeigte sich, dass die Trefferanzahl bei der Experimentalgruppe im Posttest sank, während die Kontrollgruppe eine konstante Trefferquote aufwies. Auch hier konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden (p=0.791). Mehrere 31 Faktoren könnten dazu beigetragen haben, dass keine signifikanten Unterschiede festgestellt wurden, wie folgt: 6.2.1 Stichprobe Zum einen war die Gesamtanzahl von 17 Kindern (n=17) sehr gering. Bei einer so kleinen Stichprobe ist es schwierig, mit einem t-Test einen signifikanten Effekt nachzuweisen. In den Boxplots des Posttests ist zu erkennen, dass einzelne Kinder sehr hohe oder sehr niedrige Punktzahlen erreichen. Solche extremen Werte werden als Ausreisser bezeichnet. Bei kleinen Stichproben können Ausreisser das Ergebnis beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit verringern, dass ein signifikanter Unterschied erkannt wird. Für die Auswertung wäre aufgrund der kleinen Stichprobe und möglicher Ausreisser sinnvoller gewesen, statt des t-Tests einen nichtparametrischen Test wie den Mann-Whitney-U-Test zu verwenden. Dieser Test prüft, ob sich zwei Gruppen voneinander unterscheiden, ohne dass die Daten normalverteilt sein müssen. Dabei werden die Rangsummen der beiden Gruppen verglichen und nicht die Mittelwerte (Minitab, 2020). 6.2.2 Randomisierung Zum anderen waren die Gruppen nicht randomisiert. Die Einteilung der Kinder in die Experimentalund Kontrollgruppe erfolgte durch die Kindergartenlehrperson ohne Zufallsprinzip. Obwohl versucht wurde, die Gruppen auf das Geschlecht und die Ballaffinität einzuteilen, wurden Alter und Muttersprache nicht beachtet. Um Störvariablen zu kontrollieren, ist die Randomisierung von Gruppen einer der wichtigsten Kontrolltechniken. Die fehlende Randomisierung birgt das Risiko, dass sich die Experimentalgruppe in einem oder auch mehreren Merkmalen systematisch von der Kontrollgruppe unterscheidet. In der Heilund Sonderpädagogik ist eine Randomisierung oft kaum umsetzbar, da man sich bei der Auswahl der Stichprobe in der Regel mit einer begrenzten Anzahl von Kindern begnügen muss (Kohler, 2022, S. 154–155). Die Gruppen unterschieden sich in mehreren zentralen Merkmalen wie Geschlecht, Alter und Muttersprache. Diese Tatsache erschwerte die Vergleichbarkeit zwischen Experimentalund Kontrollgruppe. In der Experimentalgruppe befanden sich mehr Mädchen als Jungen, in der Kontrollgruppe war es umgekehrt. Auch die sprachliche Zusammensetzung war unterschiedlich. In der Experimentalgruppe hatten weniger Kinder Deutsch als Muttersprache, was sich möglicherweise auf das Verstehen und das Umsetzen der Anweisungen ausgewirkt hat. 6.2.3 Umsetzung und Aufbau der Trainingseinheiten Ein weiterer möglicher Grund für die Nichtsignifikanz der Ergebnisse liegt in der Umsetzung des Trainings im Kindergarten. Obwohl die Lehrpersonen bei der Durchführung viel Zeit investierten, wurde berichtet, dass die alleinige Leitung der gesamten Gruppe eine Herausforderung darstellte. Die ersten beiden Trainingseinheiten in der ersten Woche fielen sogar vollständig aus, was zu Schwankungen in der Trainingsintensität führte. 32 Auch der Aufbau des Trainings könnte als möglicher Einflussfaktor mitspielen. Die Planung basiert auf den theoretischen Grundlagen, jedoch könnten organisatorische Rahmenbedingungen die Umsetzung erschwert haben. Die Dauer des Experiments mit 15 Einheiten über acht Wochen könnte zudem zu kurz gewesen sein. In der Studie von Sánchez-Lastra et al (2019) werden weitere Untersuchungen mit ähnlichen Ergebnissen herangezogen. So zeigt die Studie Jiménez, Pérez, Pedrosa, Gutiérrez (1990), dass die Experimentalgruppe mit einem propriozeptiven Programm keine signifikanten Verbesserungen erzielten. Der Zeitraum von zwei Monate entspricht dabei in etwa der Dauer von acht Wochen. Zwar wurde eine positive Tendenz beobachtet, jedoch keine signifikanten Effekte. Sie vermuten, dass die Trainingsdauer oder aber auch der Trainingsinhalt nicht ausreichend waren, um signifikante Veränderungen zu bewirken (Jiménez et al., 1990). Der Trainingsaufbau war schrittweise aufgebaut und kombinierte gegen Ende verschiedene Kategorien. Möglicherweise wurden einzelne Bereiche ‒ wie etwa die ‘Gleichgewichtsverlagerung’ ‒nicht intensiv genug trainiert, um signifikante Effekte hervorzurufen. Kinder im Kindergarten benötigen viele Wiederholungen von Bewegungsabläufen, um sie zu automatisieren (Geraedts, 2020, S. 126). Eventuell führten die Kombinationen mehrerer Kategorien innerhalb einer Einheit zu einer Überforderung der Kinder. Auch die Motivation der Kinder könnte eine Rolle gespielt haben. Wenn das Training als «Muss» und nicht als spielerische Aktivität erlebt wird, kann dies die Motivation negativ beeinflussen. Die Motivation führt bei Kindern dazu, dass sie weiter üben und trainieren wollen (Geraedts, 2020, S. 126). 6.2.4 Gütekriterien Im Rahmen der durchgeführten Bewegungsanalyse zeigte sich, dass bei einigen Kategorien wie ‘Armbewegung’, ‘das Standbein auf dem Boden’ und der ‘Ellenbogen führt’ bereits im Prätest viele Kinder die Maximalpunktzahl von fünf Punkten erreichten. Dies deutet auf das Vorliegen eines Deckeneffekts hin. Ein solcher Effekt entsteht, wenn ein Test für die untersuchte Gruppe zu einfach gestaltet ist und viele der Kinder bereits zu Beginn eine sehr hohe Anzahl von Punkten erzielen. Das führt dazu, dass kaum Raum für messbare Verbesserungen im Posttest besteht, auch wenn tatsächliche Fortschritte durch das Training erfolgt sein sollten. Der obere Leistungsbereich des Tests wird nicht ausreichend differenziert (Wyschkon, 2019). Teilnehmende in der Studie von Wälchli et al. (2018) konnten sich in einigen Tests nicht signifikant verbessern, da die Tests nicht ausreichend forderten, was auf Deckeneffekte schliessen lässt. Neben den beschriebenen Deckeneffekten traten in anderen Bereichen, insbesondere in der ‘Gleichgewichtsverlagerung’, Hinweise auf Bodeneffekte auf. Diese entstehen, wenn Aufgaben zu anspruchsvoll sind und viele Kinder sie kaum oder gar nicht bewältigen können. Bereits im Prätest häuften sich die Ergebnisse am unteren Ende der Skala. Auch im Posttest war kaum eine Verbesserung 33 festzustellen. Dies deutet darauf hin, dass diese Aufgaben entweder zu herausfordernd oder entwicklungsbedingt noch nicht angemessen an die Altersgruppe waren (Wyschkon, 2019). Ein weiteres zentrales Gütekriterium ist die Reliabilität. Sie bezieht sich auf die Zuverlässigkeit und Wiederholbarkeit eines Testergebnisses. Eine einmalige Beobachtung kann durch verschiedene Störvariablen beeinflusst werden ‒ etwa durch die Tagesform des Kindes oder durch externe Umstände wie Ablenkung im Umfeld (z. B. eine Spielpause einer anderen Kindergartengruppe, ein Geburtstag in der eigenen Gruppe oder eine besonders spannende Aufgabe im Kindergarten). Solche Einflussfaktoren können das Ergebnis verzerren und damit die Aussagekraft der Messung einschränken. Wiederholte Messungen sind zur Sicherstellung eines Ergebnisses deshalb sinnvoll (Kohler, 2022, S. 156). 6.3 Bedeutung für die Praxis Auch wenn in der Untersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen der Experimentalund Kontrollgruppe festgestellt wurden, lassen sich in einzelnen Bewegungskategorien Fortschritte innerhalb der Experimentalgruppe erkennen. Zudem zeigten einzelne Kinder individuelle Fortschritte. Das spricht dafür, dass ein kinästhetisches Training grundsätzlich geeignet sein kann, um motorische Teilbereiche zu fördern. Für die Praxis bedeutet das, dass bei der Gestaltung der Interventionen auf viele Wiederholungen und auf einfache, strukturierte Übungen den Fokus gelegt werden sollte (Geraedts, 2020, S. 126). Besonders wichtig ist dies bei Kindern, die Schwierigkeit in der Koordination oder beim Erlernen von Bewegungsabläufen haben ‒ beispielsweise bei einer umschriebenen Entwicklungsstörung motorischer Funktionen (UEMF). Diese Kinder liegen beim Erwerb und bei der Ausführung koordinierter motorischer Fähigkeiten deutlich unter dem altersgemässen Entwicklungsstand (Blank & Vinçon, 2020, S. 38). Für sie sind funktionsorientiere Konzepte wie Wahrnehmungstrainings oder Sensorische Integration besonders hilfreich (Thimme & Thimme, 2020, S. 4). Das kinästhetische Training könnte dabei eine gute Möglichkeit sein, da es gezielt die Körperwahrnehmung und das Bewegungsempfinden durch Berührungen, passives Bewegen und langsame Ausführungen anspricht. Diese Arbeit bietet Anregung für weiterführende Studien. Künftige Experimente sollten Trainingsinhalte, Trainingsdauer und Stichproben genauer abstimmen. Ebenfalls sollte eine Anpassung der Testitems erfolgen, um weitere Deckenund Bodeneffekte zu vermeiden. Sinnvoll wäre zum Beispiel ein Gruppenvergleich mit drei Bedingungen: eine Gruppe mit Balltraining, eine Gruppe mit Balltraining und zusätzlicher Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung und eine Kontrollgruppe ohne Training. Eine solche Differenzierung würde es ermöglichen, genauer zu beurteilen, ob und in welchem Umfang die zusätzliche Förderung der kinästhetischen Wahrnehmung tatsächlich zur Optimierung von motorischen Fertigkeiten wie dem Ballwurf beiträgt. 34 7 Literaturverzeichnis Aki, E., Atasavun, S. & Kayihan, H. (2008). Relationship between upper extremity kinesthetic sense and writing performance by students with low vision. Perceptual and Motor Skills, 06(3). https://doi.org/10.2466/pms.106.3.963-966 Aman, J. E., Elangovan, N., Yeh, I.-L. & Konczak, J. (2014). The effectiveness of proprioceptive training for improving motor function: a systematic review. Frontiers in Human Neuroscience, 8, 1075. https://doi.org/10.3389/fnhum.2014.01075 Ávila de Borba, A.-K. (2023). 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Plos One, 9(8), e105620. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0105620 43 Danach besprechen sie, auf welchem Bein sie besser stehen konnten und ob es einen Unterschied gibt (Stolpe, 2002). Körperwahrnehmung Die Kinder stellen sich aufrecht hin, schliessen die Augen und strecken die Arme nach oben. Nach dem Öffnen der Augen überprüfen sie, ob die Arme tatsächlich gestreckt sind. Anschliessend senken sie die Arme, schliessen die Augen erneut und heben die Arme nun seitlich an, bis sie parallel zum Boden sind. Nach dem Öffnen der Augen überprüfen sie auch diese Armposition. 10. Trainingssequenz Ziele Körperwahrnehmung Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Übung Körperwahrnehmung Die Kinder stellen sich aufrecht hin, schliessen die Augen und strecken die Arme nach oben. Nach dem Öffnen der Augen überprüfen sie, ob die Arme tatsächlich gestreckt sind. Anschliessend senken sie die Arme, schliessen die Augen erneut und heben die Ellenbogen auf Kopfhöhe. Nach dem Öffnen der Augen überprüfen sie auch diese Armposition. Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Wiederholung der Übung aus der 6. Trainingssequenz. Die Kinder stellen sich seitlich an eine Wand, sodass die Schulter des Nicht-Wurfarms die Wand berührt. Aus dieser Position machen sie mit dem gegenüberliegenden Bein einen Schritt nach hinten (Kontralateraler Stand). Anschliessend rotieren sie den Oberkörper so weit, bis die Wurfschulter und der Ellenbogen ebenfalls die Wand berühren, dann wird gestoppt und nicht weitergedreht. Woche 6 11. Trainingssequenz Ziele Gleichgewicht Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Übung Gleichgewicht Die Kinder legen ein Sandsäckchen auf ihren Kopf und stellen sich barfuss auf ein Bein, um das Gleichgewicht zu halten, ohne das Sandsäckchen zu verlieren. Anschliessend wechseln sie das Bein. Danach besprechen sie, auf welchem Bein sie besser stehen konnten und ob es einen Unterschied gibt (Stolpe, 2002). Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Wiederholung der Übung aus der 6. Trainingssequenz. Die Kinder stellen sich seitlich an eine Wand, sodass die Schulter des Nicht-Wurfarms die Wand berührt. Aus dieser Position machen sie mit dem gegenüberliegenden Bein einen Schritt nach hinten (Kontralateraler Stand). Anschliessend rotieren sie den Oberkörper so weit, bis die Wurfschulter und der Ellenbogen ebenfalls die Wand berühren, dann wird gestoppt und nicht weitergedreht. 12. Trainingssequenz Ziele Gleichgewicht Körperwahrnehmung 44 Übung Gleichgewicht Wiederholung der Übung aus der 11. Trainingssequenz. Die Kinder legen ein Sandsäckchen auf ihren Kopf und stellen sich barfuss auf ein Bein, um das Gleichgewicht zu halten, ohne das Sandsäckchen zu verlieren. Anschliessend wechseln sie das Bein. Danach besprechen sie, auf welchem Bein sie besser stehen konnten und ob es einen Unterschied gibt (Stolpe, 2002). Körperwahrnehmung Wiederholung der Übung aus der 2. Trainingssequenz. Mit geschlossenen Augen versuchen die Kinder zu einem vorher festgelegten Punkt zu gehen und dabei die richtige Entfernung abzuschätzen. Woche 7 13. Trainingssequenz Ziele Gleichgewicht Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Übung Gleichgewicht Mit geschlossenen Augen wechseln sie vom parallelen Stand in den Wurfstand, wobei der hintere Fuss leicht nach aussen gedreht ist. Sie verlagern ihr Gewicht abwechselnd vom rechten auf das linke Bein und zurück, wobei sich der gesamte Körper mitbewegt und nicht nur der Oberkörper eingesetzt wird. Wahrnehmung (aktive und passive Bewegungen) Wiederholung der Übung aus der 6. Trainingssequenz. Die Kinder stellen sich seitlich an eine Wand, sodass die Schulter des Nicht-Wurfarms die Wand berührt. Aus dieser Position machen sie mit dem gegenüberliegenden Bein einen Schritt nach hinten (Kontralateraler Stand). Anschliessend rotieren sie den Oberkörper so weit, bis die Wurfschulter und der Ellenbogen ebenfalls die Wand berühren, dann wird gestoppt und nicht weitergedreht. 14. Trainingssequenz Ziele Gleichgewicht Körperwahrnehmung Übung Gleichgewicht Wiederholung der Übung aus der 13. Trainingssequenz. Mit geschlossenen Augen wechseln sie vom parallelen Stand in den Wurfstand, wobei der hintere Fuss leicht nach aussen gedreht ist. Sie verlagern ihr Gewicht abwechselnd vom rechten auf das linke Bein und zurück, wobei sich der gesamte Körper mitbewegt und nicht nur der Oberkörper eingesetzt wird. Körperwahrnehmung Die Kinder versuchen den Schaumstoffball so hoch wie möglich an die Wand zu werfen. Während der Schaumstoffball in der Luft ist, können die Kinder eine der folgenden Aufgabe erledigen und fangen den Ball danach wieder. Sobald eine Aufgabe gelingt, dürfen sie die nächste ausprobieren. 1. Einmal klatschen. 2. Einmal hinter dem Rücken klatschen. 3. Einmal hinter dem Rücken und einmal vorne klatschen. 4. Einmal hinter dem Rücken, vorne und zwischen den Beinen klatschen. 45 5. Eine Drehung um sich selbst. 6. Einmal klatschen und eine Drehung. 7. Zwei Drehungen. 8. Hinter dem Rücken klatschen und zwei Drehungen (Gentsch & Weber, 2013). Besprechung: Was fiel euch leicht? Was war eher schwierig? Woche 8 15. Trainingssequenz Ziele Gleichgewicht Körperwahrnehmung Übung Gleichgewicht Wiederholung der Übung aus der 13. Trainingssequenz. Mit geschlossenen Augen wechseln sie vom parallelen Stand in den Wurfstand, wobei der hintere Fuss leicht nach aussen gedreht ist. Sie verlagern ihr Gewicht abwechselnd vom rechten auf das linke Bein und zurück, wobei sich der gesamte Körper mitbewegt und nicht nur der Oberkörper eingesetzt wird. Körperwahrnehmung Wiederholung der Übung aus der 14. Trainingssequenz. Die Kinder versuchen den Schaumstoffball so hoch wie möglich an die Wand zu werfen. Während der Schaumstoffball in der Luft ist, können die Kinder eine der folgenden Aufgabe erledigen und fangen den Ball danach wieder. Sobald eine Aufgabe gelingt, dürfen sie die nächste ausprobieren. 1. Einmal klatschen. 2. Einmal hinter dem Rücken klatschen. 3. Einmal hinter dem Rücken und einmal vorne klatschen. 4. Einmal hinter dem Rücken, vorne und zwischen den Beinen klatschen. 5. Eine Drehung um sich selbst. 6. Einmal klatschen und eine Drehung. 7. Zwei Drehungen. 8. Hinter dem Rücken klatschen und zwei Drehungen (Gentsch & Weber, 2013). Besprechung: Was fiel euch leicht? Was war eher schwierig? 46 B) Training des Ballwurfes Woche 1 1. Trainingssequenz Ziele Vielfältig Ausprobieren Übung Vielfältig Ausprobieren Gemeinsam wird besprochen, wie ein Ball richtig gehalten wird. Die Kinder überlegen mit welcher Hand beziehungsweise welchem Arm sie werfen. Die Kinder werfen verschiedene Gegenstände (Tennisball, Schaumstoffball, Sandsäckchen) an eine Wand oder frei in den Raum, ohne auf ein Ziel zu Werfen. Die Kinder werfen dabei im Stand und von oben. 2. Trainingssequenz Ziele Vielfältig Ausprobieren Übung Vielfältig Ausprobieren Zu Beginn wird nochmals kurz besprochen, wie ein Ball gehalten und mit welchem Arm geworfen wird. Anschliessend werfen die Kinder verschiedene Gegenstände (Tennisball, Schaumstoffball, Sandsäckchen) an eine Wand sowie in die Weite, ohne auf ein Ziel zu werfen. Dabei nehmen sie unterschiedliche Körperhaltungen ein, zum Beispiel im Schneidersitz oder den Halbkniestand, und über den üben den Wurf von oben aus diesen Positionen. Woche 2 3. Trainingssequenz Ziel Schrittgestaltung Übung Schrittgestaltung Gemeinsam wird besprochen welches Bein beim Werfen vorne steht. Die Lehrperson zeigt den kontralateralen Schritt (Ausfallschritt) vor, die Kinder führen die Bewegung ebenfalls aus. Dabei achten sie auf einen stabilen Stand und darauf, dass die Füsse nicht zu weit auseinander sind. Danach bewegen sich die Kinder frei im Raum. Sobald die Musik stoppt, frieren sie in der Position mit kontralateralem Schritt ein (Freezespiel). 4. Trainingssequenz Ziel Rotation Übung Rotation Die Lehrperson demonstriert die Drehbewegung. Im Sitzen und Halbkniestand strecken die Kinder die Arme zur Seite und führen eine Drehbewegung aus. Der Kopf bleibt dabei stabil, der Blick ist 47 nach vorne gerichtet. Anschliessend üben die Kinder die Rotation mit einem Ball aus dem Sitzen und dem Halbkniestand und werfen den Ball an die Wand. Woche 3 5. und 6. Trainingssequenz Ziele Schrittgestaltung Rotation Übung Schrittgestaltung Wiederholung der Übung aus der 3. Trainingssequenz. Gemeinsam wird besprochen, welches Bein beim Werfen vorne steht. Die Lehrperson zeigt den kontralateralen Schritt (Ausfallschritt) vor, die Kinder führen die Bewegung ebenfalls aus. Dabei achten sie auf einen stabilen Stand und darauf, dass die Füsse nicht zu weit auseinander sind. Danach bewegen sich die Kinder frei im Raum. Sobald die Musik stoppt, frieren sie in der Position mit kontralateralem Schritt ein (Freezespiel). Rotation Die Lehrperson zeigt, wie die Drehbewegung im kontralateralen Schritt aussieht. Dabei wird erklärt, wie weit der Oberkörper gedreht werden soll, um eine Überdrehung zu vermeiden. Der Kopf bleibt stabil, der Blick ist nach vorne gerichtet. Danach üben die Kinder die Bewegungsform. Von den Lehrpersonen erhalten die Kinder Rückmeldung dazu, was sie noch verbessern können oder ob die Bewegung bereits korrekt ausgeführt wird. Woche 4 7. Trainingssequenz Ziele Rotation und Beweglichkeit Übung Rotation und Beweglichkeit Zwei Kinder stehen sich Rücken an Rücken, mit etwa einem Meter Abstand. Sie bewegen gemeinsam einen Ball in einer liegenden Acht um ihre Körper, so schnell wie möglich. Dabei bleiben die Füsse parallel und fest am Boden, die Fussposition wird nicht verändert. Danach wird die Richtung gewechselt. Anschliessend führt jedes Kind eine Übung allein durch: Der Ball wird über den Kopf nach vorne und dann unter den Beinen hindurch nach hinten geführt. Es entsteht eine kreisförmige Bewegung in Form einer Null. Auch hier wird nach einiger Zeit die Richtung gewechselt (Gentsch & Weber, 2013). 8. Trainingssequenz Ziel Aushol-/ Armbewegung Übung Aushol-/ Armbewegung Zunächst wird gemeinsam besprochen, wie sich die Kinder richtig positionieren, um mit dem Tennisball zu werfen. Dabei wird das Ausholen erklärt und vorgezeigt: Der Arm wird nach oben gezogen und gestreckt, bevor der Ball mit Schwung auf den Boden geworfen wird, sodass er möglichst hoch zurückspringt. Die Kinder versuchen nun, den Tennisball mit viel Kraft auf den Boden zu 48 werfen, nach jedem Aufprall springen sie einmal unter dem Ball hindurch. Dies kann so lange wiederholt werden, bis der Ball nur noch so niedrig springt, dass kein Durchspringen mehr möglich ist. Wer erreicht die höchste Anzahl (Gentsch & Weber, 2013). Woche 5 9. Trainingssequenz Ziele Aushol-/ Armbewegung Übung Aushol-/ Armbewegung Gemeinsam wird besprochen, wo der Ellenbogen ist und wo er sich beim Werfen befindet. Die Lehrperson zeigt, dass der Ellenbogen auf Kopfhöhe in der Nähe des Ohrs sein sollte. Anschliessen zeigen alle Kinder, wo sich der Ellenbogen beim Werfen befindet. Dann bewegen sich die Kinder frei im Raum. Sobald die Musik stoppt, frieren sie in der Wurfposition ein, der Ellenbogen wird auf Kopfhöhe genommen und der Arm bewegt sich wie ein Elefantenrüssel nach vorne (Freezespiel). 10. Trainingssequenz Ziele Schrittgestaltung Rotation Übung Schrittgestaltung Gemeinsam wird besprochen, welches Bein beim Werfen vorne steht. Die Lehrperson zeigt den kontralateralen Schritt (Ausfallschritt) vor, wobei der vordere Fuss nach vorne zeigt, der hintere Fuss leicht nach aussen gedreht ist. Die Kinder führen die Bewegung ebenfalls aus. Dabei achten sie auf einen stabilen Stand und darauf, dass die Füsse nicht zu weit auseinander sind. In Kombination: Die Kinder bewegen sich frei im Raum. Sobald die Musik stoppt, frieren sie in der Standposition ein: der Ellenbogen wird auf Kopfhöhe genommen und der Arm bewegt sich wie ein Elefantenrüssel nach vorne (Freezespiel). Rotation Die Lehrperson zeigt, wie die Drehbewegung im kontralateralen Schritt ausgeführt wird. Dabei wird erklärt, wie weit der Oberkörper gedreht werden soll, um eine Überdrehung zu vermeiden. Der Kopf bleibt stabil, der Blick ist nach vorne gerichtet. Danach üben die Kinder die Bewegungsform. Von den Lehrpersonen erhalten die Kinder Rückmeldung dazu, was sie noch verbessern können oder ob die Bewegung bereits korrekt ausgeführt wird. Nach einigen Wiederholungen wird die Übung mit einem Ball durchgeführt. Woche 6 11. Trainingssequenz Ziele Rotation Aushol-/ Armbewegung Übung Rotation 49 Die Lehrperson zeigt, wie die Drehbewegung im kontralateralen Schritt ausgeführt wird. Dabei wird erklärt, wie weit der Oberkörper gedreht werden soll, um eine Überdrehung zu vermeiden. Der Kopf bleibt stabil, der Blick ist nach vorne gerichtet. Danach üben die Kinder die Bewegungsform. Von den Lehrpersonen erhalten die Kinder Rückmeldung dazu, was sie noch verbessern können oder ob die Bewegung bereits korrekt ausgeführt wird. Nach einigen Wiederholungen wird die Übung mit einem Ball durchgeführt. Aushol-/ Armbewegung Es wird nochmals kurz besprochen, wo sich der Ellenbogen beim Wurf befindet. Im Gang wird eine Schnur in etwa zwei bis drei Metern Höhe gespannt. Die Kinder werfen Bälle über die Schnur. Der Wurf erfolgt aus einem gestreckten Arm, die Füsse befinden sich im kontralateralen Stand. 12. Trainingssequenz Ziele Gewichtsverlagerung Übung Gewichtsverlagerung Es wird besprochen, wie sich das Körpergewicht beim Werfen verlagert. Die Lehrperson zeigt, dass sich in der Vorbereitungsposition das Gewicht auf dem hinteren Bein befindet und der Wurfarm zurückgeführt wird. Beim Werfen verlagert sich das Gewicht nach vorne. Die Kinder stellen sich im kontralateralen Stand auf und heben kurz den vorderen Fuss vom Boden, um das Gewicht auf das hintere Bein zu verlagern. Zu zweit üben die Kinder die Gewichtsverlagerung und Armstreckung beim Werfen. Ein Kind steht im kontralateralen Stand, der hintere Fuss ist leicht abgewinkelt, es verlagert das Gewicht nach hinten. Das andere Kind legt ihm den Ball in die Hand und das werfende Kind verlagert das Gewicht nach vorne und wirft den Ball über eine Schnur (zwei bis drei Meter Höhe). Anschliessend wird gewechselt. Die Kinder sollen dabei die richtige Ausgangsposition einnehmen: Der Wurf sollte aus einem gestreckten Arm erfolgen. Die Füsse sind im kontralateralen Stand, ein Fuss nach vorne, der andere leicht abgewinkelt und bleiben während des Wurfes am Boden (Gentsch & Weber, 2013). Woche 7 13. Trainingssequenz Ziele Gewichtsverlagerung Übung Gewichtsverlagerung Wiederholung der Übung aus der 12. Trainingssequenz. Es wird besprochen, wie sich das Körpergewicht beim Werfen verlagert. Die Lehrperson zeigt, dass sich in der Vorbereitungsposition das Gewicht auf dem hinteren Bein befindet und der Wurfarm zurückgeführt wird. Beim Werfen verlagert sich das Gewicht nach vorne. Die Kinder stellen sich im kontralateralen Stand auf, heben kurz den vorderen Fuss vom Boden, um das Gewicht auf das hintere Bein zu verlagern. Zu zweit üben die Kinder die Gewichtsverlagerung und Armstreckung beim Werfen. Ein Kind steht im kontralateralen Stand, der hintere Fuss ist leicht abgewinkelt und es verlagert das Gewicht nach hinten. Das andere Kind legt ihm den Ball in die Hand und das werfende Kind verlagert das Gewicht 50 nach vorne und wirft den Ball über eine Schnur (zwei bis drei Meter Höhe). Anschliessend wird gewechselt. Die Kinder sollen dabei die richtige Ausgangsposition einnehmen: Der Wurf sollte aus einem gestreckten Arm erfolgen. Die Füsse sind im kontralateralen Stand, ein Fuss nach vorne, der andere leicht abgewinkelt und bleiben während des Wurfes am Boden (Gentsch & Weber, 2013). 14. Trainingssequenz Ziele Kombination Übung Kombination Die Kinder bewegen sich frei im Raum. Sobald die Musik stoppt, frieren sie in der Wurfposition ein: kontralateraler Stand, Rotation, Ausholbewegung, Gleichgewichtsverlagerung. Es gibt zwei Posten an je acht oder neun Kinder. Posten 1: Die Kinder werfen einen Ball über eine markierte Linie. Posten 2: Die Kinder werfen Bälle auf einen grossen Ball, der in zwei bis drei Meter Abstand vor ihnen liegt. Die Lehrperson unterstützt die Kinder dabei, auf die Wurfelemente zu achten, wie den kontralateralen Stand, die Ausholbewegung und die Gewichtsverlagerung. Danach wird gewechselt. Woche 8 15. Trainingssequenz Ziele Kombination Übung Kombination Es gibt zwei Posten an je acht oder neun Kinder. Posten 1: Die Kinder werfen von einer markierten Linie aus einen Ball an die Wand. Ziel ist es, den Ball so zu werfen, dass er nach dem Abprall in einen davor platzierten Schwedenkasten fällt. Posten 2: Die Kinder werfen Bälle durch Reifen, die in unterschiedlicher Höhe an der Sprossenwand aufgehängt sind. Die Lehrperson unterstützt die Kinder dabei, auf die Wurfelemente zu achten, wie den kontralateralen Stand, die Ausholbewegung und die Gewichtsverlagerung. Danach wird gewechselt. 51 C) Aufwärmsequenzen für die Kontrollgruppe Katz und Maus: Die Kinder stellen sich im Kreis auf. Ein Kind ist die Maus, ein anderes die Katze. Beide stehen ausserhalb des Kreises. Auf ein Signal rennen sie aussen um den Kreis, wobei die Katze versucht, die Maus einzuholen. Die Maus darf sich durch eine Lücke im Kreis retten. Die Kinder im Kreis können dazu kurz die Arme heben und die Maus hineinlassen. Die Kinder können der Maus helfen und der Katze durch das Senken der Arme das Durchqueren des Kreises erschweren. Wird die Maus gefangen, wechseln die Kinder ihre Rollen. Feuer, Wasser, Sturm: Die Kinder laufen durch den Raum. Die Kindergartenlehrperson ruft entweder «Feuer», «Wasser» oder «Sturm». Bei «Feuer» legen sich die Kinder flach auf den Boden, bei «Wasser» klettern sie auf einen Stuhl oder ein Fenstersims, die Füsse dürfen den Boden nicht mehr berühren, und bei «Sturm» gehen sie in die Hocke und legen die Arme über den Kopf. Zauberin: Die Kindergartenlehrperson ist die Zauberin und ruft Zaubersprüche. Die Kinder müssen sich passend dazu bewegen, beispielsweise: «Abra Kadabra, die Kinder sind jetzt Pinguine.» Dann müssen sich die Kinder wie Pinguine bewegen. Farbsuche: Die Kindergartenlehrperson benennt eine Farbe, zum Beispiel Blau, und die Kinder laufen durch den Raum und suchen etwas mit dieser Farbe. Wenn sie etwas gefunden haben, berühren sie schnell diesen Gegenstand und suchen einen weiteren Gegenstand mit derselben Farbe. Formsuche: Die Kindergartenlehrperson gibt zum Beispiel die Anweisung: «Sucht etwas Rundes.» Die Kinder laufen durch den Raum und suchen Gegenstände mit dieser Form. Wenn sie etwas gefunden haben, bleiben sie danebenstehen. Freeze: Die Kinder bewegen sich frei im Raum, während Musik läuft. Sobald die Musik stoppt, müssen sie sofort erstarren. Als Variation können sie sich, während die Musik läuft, wie Tiere bewegen und beim Musikstopp in einer Tierpose einfrieren.