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Herausforderungen und Handlungsfelder für nachhaltiges Forschungsdatenmanagement in Rheinland-Pfalz

Backhaus, Henrike; Bruhn, Kai-Christian; Lemaire, Marina; Liermann, Johannes; Schimmer, Thomas M.; Thomas, Agnes Ismene; Vieten, Anne

Abstract

Ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement (FDM) wird zunehmend zur Voraussetzung für wissenschaftliche Qualität und Innovationsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund fanden am 7. und 8. März 2024 die Thementage „Forschungsdatenmanagement: KennenLernen – WeiterDenken“ an der Hochschule Mainz statt, um FDM-Akteur:innen in Rheinland-Pfalz zu vernetzen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. In Präsentationen und einem Barcamp wurden aktuelle Herausforderungen, Handlungsfelder und eine Vision für die FDM-Landschaft in Rheinland-Pfalz erarbeitet. Das daraus entstandene Positionspapier fasst die Ergebnisse der Veranstaltung zusammen und formuliert konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung von FDM-Strukturen, Kompetenzen und Infrastrukturen. Die Veranstaltung wurde vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz gefördert.

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1 Herausforderungen und Handlungsfelder für nachhaltiges Forschungsdatenmanagement in Rheinland-Pfalz Ergebnisse und Positionspapier der Thementage „Forschungsdatenmanagement: KennenLernen – WeiterDenken“ 7.-8. März 2024 an der Hochschule Mainz Henrike Backhaus, Hochschule Mainz, NFDI4Objects, ORCID-ID: 0000-0002-8793-4185 Kai-Christian Bruhn, Hochschule Mainz, mainzed - Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistesund Kulturwissenschaften/NFDI4Objects, ORCID-ID: 0000-0001-8322-1260 Marina Lemaire, Universität Trier, Servicezentrum eSciences/NFDI4Memory, ORCID-ID: 0000-0003-4726-2481 Johannes C. Liermann, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, NFDI4Chem, ORCID-ID: 0000-0003-2060-842X Thomas M. Schimmer, Hochschule Mainz, [email protected], ORCID-ID: 0000-0003-0527-349X Agnes Thomas, Hochschule Mainz, mainzed - Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistesund Kulturwissenschaften, ORCID-ID: 0009-0007-1662-8571 Anne Vieten, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Kompetenzteam Forschungsdaten, ORCID-ID: 0000-0003-3188-2280 Dieses Positionspapier wird unterstützt von: Fabian Cremer, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz Burkhard Dünweg, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz Stephanie Metz, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Mainz Joachim Richert, Member Industry Advisory Board, NFDI4Chem/ Vice President Analytical Science, BASF SE (pens.) Dominic Rieth, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Mainz Markus Schaffert, i3mainz – Institut für Raumbezogene Informationsund Messtechnik, Hochschule Mainz, Mainz Mainz 2025 DOI: 10.5281/zenodo.15095424 2 Mainz 2025 DOI: 10.5281/zenodo.15095424 1 1. Einleitung Die digitale Transformation eröffnet den Wissenschaften neue Erkenntnismöglichkeiten durch die Nutzung digitaler Technologien. Dies führt zu veränderten Arbeitsroutinen und etabliert gleichzeitig neue technologische und methodische Anforderungen. Insbesondere Forschungsdaten und ihr Management stehen im Fokus dieser Entwicklungen. Forschungsdaten sind nicht nur Daten, die in der Forschung entstehen, sondern umfassen auch Daten aus Industrie und Verwaltung, die in der Forschung zu wirtschaftlich und gesellschaftlich gewinnbringenden Erkenntnissen führen. Der verantwortungsvolle und nachhaltige Umgang mit Forschungsdaten ist daher entscheidend für die Forschung von heute und die Innovationen von morgen. Denn diese benötigen zugängliche, gut dokumentierte und damit nachvollziehbare und nachnutzbare Daten. Um diese Inwertsetzung von Forschungsdaten zu ermöglichen, müssen Kompetenzen im Forschungsdatenmanagement (FDM) etabliert, FDM-Services nachhaltig eingerichtet und entsprechende Infrastrukturen aufund ausgebaut werden. In Rheinland-Pfalz (RLP) arbeiten FDMExpert:innen bereits in unterschiedlichen Einrichtungen und Initiativen an diesen Herausforderungen. Um sie miteinander zu vernetzen und Synergien zu ermöglichen, richtete die Hochschule Mainz am 7. und 8. März 2024 die Thementage „Forschungsdatenmanagement: KennenLernen – WeiterDenken“ aus. Vertreten waren Akteur:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Industrie. Der erste Teil der Veranstaltung unter dem Titel „KennenLernen“ wurde durch kurze Präsentationen der FDM-Projekte und -Einrichtungen eröffnet. Daraufhin wurden im zweiten Teil „WeiterDenken“ in Form eines Barcamps gemeinsame Themen und Herausforderungen identifiziert, diskutiert und konkrete Handlungsfelder ermittelt. Die Ergebnisse dieser Diskussionen verleihen dem vorliegenden Positionspapier seine Struktur durch die folgenden drei Abschnitte: • Eine gemeinsame Vision der FDM-Landschaft in RLP • Die Ermittlung des FDM Status Quo in RLP • Konkrete Handlungsempfehlungen, die eine Entwicklung vom Status Quo hin zur Vision der FDM-Landschaft RLP ermöglichen Vor diesem Hintergrund bildet das Positionspapier die komprimierte Zusammenfassung der Konferenzergebnisse und der dort erarbeiteten Erkenntnisse aus der Perspektive des inhaltlich verantwortlichen Organisationskomitees, das sich aus den Autor:innen dieses Papiers zusammensetzte. Gleichzeitig ist es Ausdruck einer ersten erfolgreichen Vernetzung relevanter Akteur:innen in RLP, auf die aufgebaut werden kann und – auch dies haben die Erkenntnisse der Thementage gezeigt – aufgebaut werden sollte. Eine Folgeveranstaltung findet im Juni 2025 statt. Ein großer Dank geht an das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz (MWG), das die Thementage finanziell förderte. Gleichmaßen sei allen Beteiligten und Unterstützer:innen an der Hochschule Mainz gedankt, die die Gesamtkoordination verantwortete sowie 2 allen Mitgliedern des Organisationskomitees. Ebenso möchten wir uns beim Programmkomitee1 für die Unterstützung bei der inhaltlichen Planung und Fokussierung der Veranstaltung sowie für die Kommentierung des hiesigen Positionspapiers bedanken. 2. Vision der FDM-Landschaft in RLP In unserer Vision ist Europa im Jahr 2035 ein weltweit führender Datenraum.2 In diesem bietet Rheinland-Pfalz ein optimales Umfeld für fachund institutionenübergreifendes Datenmanagement, Datenaustausch, Datenbereitstellung und Datennachnutzung. Die aus Rheinland-Pfalz bereitgestellten Forschungsdaten haben eine überdurchschnittlich hohe Qualität und tragen zur globalen Bedeutung des europäischen Datenraums – auch für die verlässliche Anwendung Künstlicher Intelligenz – bei. Folgende Gründe sind hierfür ausschlaggebend: • Bei den in Rheinland-Pfalz ansässigen Forschungsinstitutionen existiert eine ausgeprägte Datenkultur, die den FAIR-Prinzipien3 und dem Paradigma des Open-Science-Gedankens gerecht wird. • Eine gemeinsame technische Infrastruktur für Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit Schnittstellen zu Behörden, Industrie, Unternehmen und zu (inter-)nationalen Infrastrukturen steht allen Forschenden in RLP zur Verfügung. • Für die kooperative Bereitstellung und Nutzung von Forschungsdaten-Infrastrukturen und -Services existieren verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen. Es gibt eindeutige, EUweite rechtliche Regelungen zum Umgang mit, dem Teilen, Veröffentlichen und Archivieren von (Forschungs-)Daten aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Behörden, Unternehmen und Industrie. • Data Literacy und FDM sind in die Curricula der Hochschulausbildung integriert. • An den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in RLP sind Data Stewards als Anlaufstellen für FDM fest etabliert. 1 Im Programmkomitee vertretene Einrichtungen: Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz, Generaldirektion Kulturelles Erbe/Direktion Landesarchäologie, i3mainz – Institut für Raumbezogene Informationsund Messtechnik (Hochschule Mainz), Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Leibniz Institut für Europäische Geschichte Mainz, Max-Planck-Institut für Polymerforschung (Johannes Gutenberg-Universität), Rechenzentrumsallianz Rheinland-Pfalz, Technische Universität Darmstadt/ehem. BASF. 2 Dies ist das erklärte Ziel der Europäischen Kommission in der Digitalstrategie „Gestaltung der digitalen Zukunft Europas“ (https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/strategy-data, Stand: 03.01.2025). Hierfür soll ein „Binnenmarkt für Daten“ geschaffen werden, der „die globale Wettbewerbsfähigkeit und Datensouveränität Europas sicherstellt“ und die „Führungsrolle der EU in der globalen Datenwirtschaft“ sicherstellt (ebd.). Für Forschungsdaten wird die European Open Science Cloud (EOSC) aufgebaut und von 2022-2025 mit 9.997.558,00 EUR gefördert. Als europäische Plattform ist die EOSC auf den Aufbau von kompatiblen Datenräumen auf Ebene der Mitgliedstaaten angewiesen. Auf Bundesebene ist die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) damit beauftragt, jedoch müssen auch die föderalen Strukturen und Landesebenen in Deutschland berücksichtigt werden. 3 Die FAIR-Prinzipien beschreiben die Auffindbarkeit (findable), Zugänglichkeit (accessible), Interoperabilität (interoperable) und Wiederverwendbarkeit (re-usable) von Forschungsdaten. 3 • In RLP ansässige Institutionen tragen maßgeblich zum Service-Portfolio der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) bei und stellen kollaborativ FDM-spezifische Dienste zur Verfügung. 3. Status quo der FDM-Landschaft in RLP Das Forschungsdatenmanagement ist derzeit ein hochdynamisches Feld, das besonders durch die Initialisierung der NFDI im Jahr 2019 an Bedeutung gewonnen hat. In den letzten zehn Jahren wurden zahlreiche Hardund Software-Services sowie Schulungsund Beratungsangebote rund um das FDM entwickelt, um die Bedürfnisse der Forschungslandschaft zu bedienen. Rheinlandpfälzische Forschungseinrichtungen sind dabei in unterschiedlichen Rollen und Graden an mindestens siebzehn NFDI-Konsortien4 beteiligt und arbeiten sowohl im Rahmen der NFDI als auch darüber hinaus an der Neuund Weiterentwicklung generischer und fachspezifischer FDMDienste mit. Unabhängig von der NFDI wurde das Landesministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung (MASTD) per Ministerratsbeschluss mit der Erarbeitung einer umfassenden Open-Data-Strategie beauftragt, um Daten aus den Landesbehörden für Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft besser als bisher zugänglich zu machen. Die Strategie wurde im September 2024 veröffentlicht.5 Die Implementierung des FDM an den Forschungseinrichtungen in RLP verläuft in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und hängt stark von den verfügbaren Ressourcen ab. Dies führt zu verschiedenen Entwicklungsständen an den Forschungsstandorten. Besondere Herausforderungen ergeben sich aus den vielfältigen Forschungskulturen der Disziplinen und Forschungseinrichtungstypen sowie aus der Volatilität und Ambiguität, die die Digitalisierung mit sich bringt. An größeren Universitäten wie den Universitäten in Mainz, Kaiserslautern-Landau und Trier gibt es mittlerweile Personalanteile, um minimale Beratungsservices und Schulungen anzubieten sowie einzelne FDM-Infrastrukturen bereitzustellen. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) ist dieses Personal hingegen nur bis 2025 durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt FD[email protected] gesichert und an anderen Einrichtungen fehlt es ganz. Trotz intensiver Bemühungen um den Aufbau eines nachhaltigen FDM drohen diese Anstrengungen aufgrund begrenzter Förderdauer und fehlender finanzieller sowie organisatorischer Ressourcen ins Leere zu laufen. Dies beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Forschenden in verlässliche FDM-Services. Insgesamt stehen die Hochschulen in RLP bei der Implementierung des FDM in den Forschungsund Lehralltag noch am Anfang. Die Situation an außeruniversitären Forschungseinrichtungen (AUF) variiert ebenfalls stark. Einzelne AUF, wie das Leibniz Zentrum für Archäologie oder das Leibniz Institut für Europäische Ge4 NFDI4Biodiversity, NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects, FAIRAgro, NFDI4ING, NFDIxCS, DataPlant, NFDI-MatWerk, Text+, NFDI4Bioimage, NFDI4Health, NFDI4DataScience, MaRDI, Punch4NFDI, NFDI4Chem, KonsortSWD (https://w.wiki/Ayxw, Stand: 06.01.2025). 5 Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz: Open Data Strategie Rheinland-Pfalz. September 2024, https://mastd.rlp.de/fileadmin/06/Service/Publikationen/Digitalisierung/2024_Open-Data-Strategie-RLP.pdf (Stand: 03.01.2024). 4 schichte Mainz bieten Services und Infrastrukturen an, während andere teilweise von übergeordneten FDM-Services wie z. B. der Max Planck Digital Library abhängig sind und lokal keinen speziellen Service anbieten. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen erfordert die Zusammenarbeit unterschiedlicher Partner. Das Netzwerk FDM.rlp - Forschungsdatenmanagement Rheinland-Pfalz (FDM.rlp), gegründet auf Eigeninitiative von FDM-Beratungspersonal, ermöglicht einen internen und überregionalen Austausch zu FDM-Themen sowie mit bestehenden FDM-Landesinitiativen und -Netzwerken. Es verfügt jedoch über keine eigenen Ressourcen zum Aufbau von landesweiten FDM-Services. Einige FDM-Infrastrukturen wie GitLab, Seafile oder Filesender werden von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) über die Rechenzentrumsallianz Rheinland-Pfalz (RARP) angeboten. Im Rahmen des vom MWG-geförderten Projekts „ViDa-iRODS“ der JGU, der RheinlandPfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Universität Trier wurde mit dem Aufbau einer landesweiten Infrastruktur zur Archivierung und Publikation von Forschungsdaten begonnen. Jedoch benötigt dieser Dienst für einen landesweiten Betrieb (neben spezifischen Weiterentwicklungen) noch finanzielle Ressourcen und rechtlich sichere Rahmenbedingen hinsichtlich des EU-Beihilfeund des Umsatzsteuerrechts für den Austausch von Dienstleistungen unter den Hochschulen - kurzum ein nachhaltiges Betriebskonzept. Insgesamt lässt sich feststellen, dass es bereits viele Aktivitäten zur Implementierung und Verbesserung des FDM und der Zugänglichkeit von Forschungsdaten in RLP gibt. Allerdings fehlt ein umfassendes organisatorisches und finanzielles Gesamtkonzept, das auf einer landesweiten FDM-Strategie basiert und nachhaltige FDM-Dienste gewährleistet. 4. Handlungsempfehlungen für das FDM in RLP Um die oben formulierten Visionen für eine zukünftige Datenkultur und FDM-Servicelandschaft in Rheinland-Pfalz zu realisieren, die den FAIR-Prinzipien und dem Open-Science-Gedanken gerecht werden, Rheinland-Pfalz strategisch in der NFDI verankert und die Konkurrenzfähigkeit in der Drittmitteleinwerbung der Forschungseinrichtungen erhält, werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: • FDM als Bestandteil der Zielvereinbarungen Um die Hochschulen bei der Etablierung einer institutionellen FDM-Servicelandschaft zu unterstützen, sollte dies Bestandteil der Zielvereinbarungen im Rahmen der Forschungsinitiative werden, um Ressourcen für die strategische Weichenstellungen an den Einrichtungen zur Verfügung zu stellen sowie die Prozesse für die Integration der landesweiten FDM-Serviceangebote in die eigene Einrichtung entwickeln und etablieren zu können. • Etablierung einer FDM-Initiative Eine landesweite, kooperativ geführte FDM-Servicelandschaft, die sowohl technische als auch wissenschaftsunterstützende Services für den qualitätsgesicherten Umgang mit For- 5 schungsdaten bereitstellt, ist ressourceneffizienter und nachhaltiger. Deshalb wird eine institutionenübergreifende FDM-Initiative benötigt, die mit Entscheidungsund Ressourcenkompetenzen ausgestattet ist, um den Auf-, Ausbau und Betrieb bedarfsgerechter FDM-Dienste in Rheinland-Pfalz strategisch zu planen, zu organisieren und langfristig sicherzustellen. Zu den Aufgaben der FDM-Initiative gehört die fortlaufende systematische Evaluation bestehender FDM-Dienste, die Identifizierung von Leerstellen und deren Schließung sowie die Gewährleistung der Anschlussfähigkeit an die NFDI und die EOSC. Als übergreifende Aufgabe muss ein effizientes und nachhaltiges Betriebsmodell entwickelt und umgesetzt werden, um die FDM-Initiative in eine dauerhafte Infrastruktur zu überführen. Zum Aufbau der FDM-Initiative könnte das Netzwerk FDM.rlp weiterentwickelt werden, indem es mit den hierfür notwendigen Ressourcen und Kompetenzen ausgestattet wird. • Gründung eines Lenkungskreises zur Sicherung einer aktiven Rolle des Landes in der NFDI Für die rheinland-pfälzischen Institutionen ist es entscheidend, dass die fachspezifischen Angebote der NFDI-Konsortien ihre Forschenden erreichen und die in RLP entwickelten technischen Dienste nahtlos mit den Diensten der NFDI und EOSC verbunden werden. Ein engerer Austausch zwischen dem lokalen FDM-Personal und den NFDI-Konsortien ist dafür unerlässlich. Der Lenkungskreis besteht aus Vertreter:innen rheinland-pfälzischer NFDI-Konsortien und der FDM-Initiative. Er soll Strategien entwickeln, um Forschende in RLP besser zu unterstützen und die FDM-Servicelandschaft strategisch weiterzuentwickeln. Er soll außerdem FDM-Dienste in RLP identifizieren, die sich für eine Integration in die NFDI eignen. Die FDM-Initiative prüft die Empfehlungen und entwickelt bei Zustimmung gemeinsam mit dem Lenkungsausschuss eine Strategie und ein Betriebsmodell. • Rheinland-Pfälzisches Landesforschungsdatengesetz Um eine effektive und auf Dauer angelegte FDM-Servicelandschaft in RLP bereitzustellen, müssen rechtliche Rahmenbedingungen für die kooperative Bereitstellung und Nutzung von IT-Infrastrukturen und FDM-Services geschaffen werden. Das Landesforschungsdatengesetz soll einerseits ein legislatives und exekutiv gesichertes Umfeld für die Erzeugung, Bearbeitung, Bereitstellung und Archivierung von Forschungsdaten aus allen Domänen sicherstellen, vergleichbar mit den bestehenden Regelungen für die langfristige Sicherung von Publikationen und Verwaltungsschriftgut wie sie z. B. im Landesbibliotheksoder Landesarchivgesetz zu finden sind. Andererseits müssen rechtliche Regelungen gefunden werden, die es öffentlichen Einrichtungen erlauben, barrierefrei, ressourcenschonend und effizient FDM-Dienstleistungen untereinander auszutauschen und Infrastrukturen gemeinschaftlich zu betreiben. Die aktuellen Regelungen des EU-Beihilfesowie des Umsatzsteuerrechts stellen große Hürden dar und behindern den Leistungsaustausch zwischen öffentlichen Einrichtungen sehr. 6 • Integration von Data Literacy und FDM in die Curricula Datenund FDM-Kompetenzen müssen systematisch in die Curricula der Hochschulausbildung integriert werden. Es wird eine spezifische Projektförderung benötigt, die Ressourcen zur Verfügung stellt, um bestehende Studiengänge, die bisher keine Datenoder FDMKompetenzen vermitteln, entsprechend zu erweitern. Diese Förderung sollte auch Projekte unterstützen, die alternative Ansätze verfolgen, wie die Integration von Data Literacy und FDM z. B. über das Studium Generale, subcurriculare Verankerung oder in den Wahlpflichtfachbereich bestehender Studiengänge. Dabei sollte der Wissenstransfer zwischen den Fächern und Hochschulen eingefordert werden. Bei der Entwicklung neuer Studiengänge sollten die inhaltlichen Bewertungskriterien dahingehend erweitert werden, dass fachspezifische Datenund FDM-Kompetenzen ein integraler Bestandteil des Curriculums sein müssen. Die Anpassung der Curricula muss disziplinund fachorientiert erfolgen. Dies erfordert die Zusammenarbeit mit der Landeshochschulpräsidentenkonferenz. Eine nachhaltige Integration setzt voraus, dass bestehendes Lehrpersonal und Forschende in der frühen Karrierephase umfassend im Bereich Datenkompetenzen weitergebildet werden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Daher sollte eine projektfinanzierte Bildungsoffensive nicht nur attraktive und bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote schaffen, sondern auch sicherstellen, dass den Mitarbeitenden die notwendigen Ressourcen – insbesondere ausreichend Zeit – zur Verfügung stehen, um diese Qualifizierungsmaßnahmen in ihren regulären Arbeitsalltag integrieren zu können. Dies erfordert strategische Maßnahmen an den Einrichtungen, die Freiräume für Weiterbildung und ein Anreizsystem vorsehen. Eine wichtige Zielgruppe für diese Maßnahmen bilden Forschende in frühen Karrierephasen: Promovierende an Universitäten und in den kommenden Promotionsclustern der HAW6 sowie Post-Doktoranden und alle Lehrende. • Data Literacyund FDM-Expertise als Bestandteil von Bewerbungsund Berufungsverfahren Die Publikation von FAIRen Forschungsdaten wird als wissenschaftliche Leistung anerkannt. Durch die Voraussetzung von Expertise im Umgang, der Bereitstellung und der Nachnutzung von Forschungsdaten in Bewerbungsund Berufungsverfahren wird umfangreiches Expertentum gewonnen und nachhaltig gesichert. Nur so werden die Voraussetzungen geschaffen, um Data Literacy und FDM in Forschung und Lehre systematisch zu integrieren. • Etablierung eines Data Steward Studiengangs An den Hochschulen sollte ein Masterstudiengang „Data Steward“ eingerichtet werden, wobei sich die Studierenden neben generischen Datenkompetenzen fachspezifisch spezialisieren können. Data Stewards werden nicht nur an den Hochschulen für den Betrieb 6 Promotionscluster sind zu den Themen Angewandte Informatik, Life Sciences, Nachhaltigkeit in Technik und Naturwissenschaften und Innovation in Wirtschaft und Gesellschaft vorgesehen. Datenkompetenzen und Wissen über qualitätsgesichertes FDM sind in allen Bereichen wichtige Aspekte. 7 einer FDM-Servicelandschaft benötigt, sondern sind auch in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung stark nachgefragt. Die Etablierung eines solchen Studiengangs unterstützt aktiv den Aufbau „kompetente[r] Forschergenerationen und spezialisierte[r] Fachkräfte für neue Berufsbilder im Bereich des Datenmanagements“7. Dies hat der Rat für Informationsinfrastrukturen bereits 2016 empfohlen, um dem Fachkräftemangel im Bereich des Datenmanagements zu begegnen. In ihrer Gesamtheit tragen diese Maßnahmen zur Etablierung einer ausgeprägten, zukunftsorientierten und nachhaltigen Datenkultur in der rheinland-pfälzischen Hochschulund Forschungslandschaft bei, die die FAIR-Prinzipien und den Open-Science-Gedanken in Forschung und Lehre trägt und lebendig hält. 7 RfII - Rat für Informationsinfrastrukturen (2016): Leistung aus Vielfalt. Empfehlungen zu Strukturen, Prozessen und Finanzierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland, Göttingen 2016, S. 3.