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Schöpfen aus Papier: Ressourcenorientierte Kreativwoche mit Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Bereich Arbeiten ohne Lohn: Projektbericht

Dubler, Simone

Abstract

Das Interventionsprojekt schöpfen aus Papier der Stiftung für selbstbestimmtes und begleitetes Leben (SSBL) verfolgte das Ziel, Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf durch eine kreative Projektwoche in Partizipationsprozessen und kompetenter Teilhabe zu fördern. Die als Experimentierfeld ohne Produktionsdruck konzipierte Woche ermöglichte den Teilnehmenden in praktischen, sinnlichen oder intellektuellen Zugängen die Materie Papier zu erfahren. Im Vorfeld beteiligten sich die Klient*innen im Rahmen ihrer Kompetenzen an der Planung. Partizipation war dabei Mittel und Zweck. Das Konzept der Funktionalen Gesundheit und die Kommunikationstheorie von Watzlawick dienten als theoretisches Fundament der fachlichen Umsetzung. Die Mitarbeitenden gestalteten als Multiplikator*innen fördernde Partizipationsrahmenbedingungen. Ein Fokus lag dabei auf Klient*innenbemächtigung durch Unterstützte Kommunikation. Die von allen Beteiligten gemachten Erfahrungen wurden durch mixed-method Fragebogen, teilnehmende Beobachtung oder Befragung hinsichtlich der Eignung der Tätigkeit Papierschöpfen zur Integration in die Ateliers evaluiert. Die Ergebnisse der Auswertungen flossen in eine Handlungsempfehlung zuhanden der SSBL ein. Werden Anpassungen auf den strukturellen und infrastrukturellen Ebenen vorgenommen, sowie ein Grundsatzentscheid über die Örtlichkeit gefällt, ist die Tätigkeit wegen ihrer Möglichkeit zu kompetenter Teilhabe zur Einführung geeignet.

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Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Sozialpädagogik schöpfen aus Papier Ressourcenorientierte Kreativwoche mit Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Bereich Arbeiten ohne Lohn Durchgeführt von Mai—November 2024 in der Stiftung für selbstbestimmtes und begleitetes Leben SSBL Modul: SA 251_Praxisprojekt Mentor: Prof. Dr. René Stalder [email protected] Autorin: Simone Dubler (TZ 21—2) [email protected] eingereicht am 15.06.2025 Seite 1/1 Schöpfen aus Papier Ressourcenorientierte Kreativwoche mit Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Bereich Arbeiten ohne Lohn Projektzeitraum von Mai bis November 2024 Simone Dubler Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Sozialpädagogik Begleitperson: Prof. Dr. René Stalder Eingereicht am: 15.06.2025 Diese Arbeit wurde am 15.06.2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich. 09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. 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Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit empfiehlt diesen Projektbericht besonders zur Lektüre! Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier I Abstract Das Interventionsprojekt schöpfen aus Papier der Stiftung für selbstbestimmtes und begleitetes Leben (SSBL) verfolgte das Ziel, Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf durch eine kreative Projektwoche in Partizipationsprozessen und kompetenter Teilhabe zu fördern. Die als Experimentierfeld ohne Produktionsdruck konzipierte Woche ermöglichte den Teilnehmenden in praktischen, sinnlichen oder intellektuellen Zugängen die Materie Papier zu erfahren. Im Vorfeld beteiligten sich die Klient*innen im Rahmen ihrer Kompetenzen an der Planung. Partizipation war dabei Mittel und Zweck. Das Konzept der Funktionalen Gesundheit und die Kommunikationstheorie von Watzlawick dienten als theoretisches Fundament der fachlichen Umsetzung. Die Mitarbeitenden gestalteten als Multiplikator*innen fördernde Partizipationsrahmenbedingungen. Ein Fokus lag dabei auf Klient*innenbemächtigung durch Unterstützte Kommunikation. Die von allen Beteiligten gemachten Erfahrungen wurden durch mixed-method Fragebogen, teilnehmende Beobachtung oder Befragung hinsichtlich der Eignung der Tätigkeit Papierschöpfen zur Integration in die Ateliers evaluiert. Die Ergebnisse der Auswertungen flossen in eine Handlungsempfehlung zuhanden der SSBL ein. Werden Anpassungen auf den strukturellen und infrastrukturellen Ebenen vorgenommen, sowie ein Grundsatzentscheid über die Örtlichkeit gefällt, ist die Tätigkeit wegen ihrer Möglichkeit zu kompetenter Teilhabe zur Einführung geeignet. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier II Inhaltsverzeichnis Abstract ...................................................................................................................................................................... I Tabellenverzeichnis .................................................................................................................................................. V Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................................................. VI Abkürzungsverzeichnis ........................................................................................................................................... VII 1. Einleitung .......................................................................................................................................................... 1 1.1. Aufbau des Berichts ............................................................................................................................... 1 1.2. Allgemeine Informationen zum Projekt .................................................................................................. 2 1.3. Trägerschaft / Auftraggeberin ................................................................................................................ 3 1.4. Ausgangslage ........................................................................................................................................ 3 1.5. Projektmotivation und Projektbegründung ............................................................................................. 4 1.5.1. Ausgangslage und persönliche Motivation ............................................................................................. 4 1.5.2. Problemstellung im institutionellen Alltag ............................................................................................... 4 1.5.3. Begründung und Projektziele ................................................................................................................. 5 1.5.4. Fazit........................................................................................................................................................ 5 2. Analyse der Situation - Theoretischer Bezugsrahmen ..................................................................................... 6 2.1. Konzept Funktionale Gesundheit ........................................................................................................... 6 2.2. Kommunikationstheorie Watzlawick ...................................................................................................... 7 2.3. Partizipationsansätze ............................................................................................................................. 7 3. Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit .......................................................................................................... 10 3.1. Rechtliche Grundlagen ........................................................................................................................ 10 3.2. Handlungsbedarf im Rahmen des Berufskodex von AvenirSocial ...................................................... 10 3.3. Handlungsbedarf Strukturund Handlungsmaxime ............................................................................. 10 3.4. Ableitung des Handlungsbedarfs aus dem Leitbild der SSBL ............................................................. 11 3.5. Fazit Handlungsbedarf ......................................................................................................................... 11 4. Projektmethodische Fundierung..................................................................................................................... 12 4.1. Zielgruppen .......................................................................................................................................... 12 4.2. Projektziele und angestrebte Wirkungen ............................................................................................. 13 4.3. Projektaufbauorganisation ................................................................................................................... 14 4.3.1 Werte der Zusammenarbeit ............................................................................................................ 15 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier III 4.4. Projektablauf ........................................................................................................................................ 15 4.4.1. Planungsphase........................................................................................................................... 15 4.4.2. Umsetzungsphase I................................................................................................................... 16 4.4.3. Umsetzungsphase II.................................................................................................................. 18 4.4.4. Evaluationsund Abschlussphase ............................................................................................. 18 4.5. Innere Evaluation während des Projektverlaufs .................................................................................. 19 4.6. Gesamtevaluation Projekt .................................................................................................................... 19 4.7. Finanzübersicht.................................................................................................................................... 20 5. Methodisches Vorgehen................................................................................................................................. 21 5.1. Projektwochenevaluation ..................................................................................................................... 21 5.1.1. Methode teilnehmende Beobachtung .................................................................................................. 22 5.1.2. Methode Klient*innenbefragung ........................................................................................................... 23 5.1.3. Primärzielgruppenbefragung ................................................................................................................ 27 6. Beschreibung und Interpretationen der Ergebnisse ....................................................................................... 28 6.1. Zusammenfassung Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtung: ..................................................... 28 6.2. Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Klient*innenbefragung.................................................... 28 6.3. Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Primärzielgruppenbefragung ....................................... 29 6.4. Handlungsempfehlung für die Einführung der Tätigkeit Papierschöpfen............................................. 30 6.4.1. Infrastruktur .......................................................................................................................................... 30 6.4.2. Struktur ................................................................................................................................................. 31 6.4.3. Kommunikation..................................................................................................................................... 31 6.4.4. Produkt ................................................................................................................................................. 31 6.4.5. Lied....................................................................................................................................................... 32 6.4.6. Fazit...................................................................................................................................................... 32 Schlussteil ............................................................................................................................................................... 33 7. Projektevaluation ............................................................................................................................................ 33 7.1. Evaluation der Projektziele .................................................................................................................. 33 7.1.1. Evaluation Teilziel 1 ............................................................................................................................. 33 7.1.2. Evaluation Teilziel 2 ............................................................................................................................. 35 7.1.3. Evaluation Teilziel 3 ............................................................................................................................. 36 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier IV 7.1.4. Evaluation Teilziel 4 ............................................................................................................................. 37 7.2. Fazit Evaluation der Projektziele.......................................................................................................... 38 8. Sicherung der Nachhaltigkeit ......................................................................................................................... 39 9. Schlussteil ...................................................................................................................................................... 40 10. Literaturverzeichnis ........................................................................................................................................ 41 Anhang .................................................................................................................................................................... 43 Anhang A Matrix Zeitplanung ............................................................................................................................. 43 Anhang B Teilnehmende Beobachtung; Beobachtungsraster............................................................................ 44 Anhang C Primärzielgruppenbefragung ............................................................................................................. 49 Anhang D Projektwochenevaluation ................................................................................................................... 56 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier V Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Allgemeine Projektinformationen (eigene Darstellung) 2 Tabelle 2: Partizipationsstufen (eigene Darstellung nach Stade, 2019, S.56) 8 Tabelle 3: Projektziele (eigene Darstellung) 13 Tabelle 4: Werte der Zusammenarbeit (eigene Darstellung) 15 Tabelle 5: Tabelle 5: Finanzübersicht (eigene Darstellung) 20 Tabelle 6: Projektphasen und Methoden (eigene Darstellung) 21 Tabelle 7: Fünf Fragen nach Heiner (eigene Darstellung auf Basis Heiner, 1995, S. 135) 33 Tabelle 8: Teilziel 1 (eigene Darstellung) 33 Tabelle 9: Teilziel 2 (eigene Darstellung) 35 Tabelle 10: Angepasstes Teilziel 2 (eigene Darstellung) 35 Tabelle 11: Teilziel 3 (eigene Darstellung) 36 Tabelle 12: Teilziel 4 (eigene Darstellung) 37 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 5 1.5.3. Begründung und Projektziele Das studentische Projekt bot die Gelegenheit eine Zeitressource zusätzlich zur Arbeitszeit zu erschöpfen und gleichzeitig die jährlich stattfindende Projektwoche als Experimentierfeld zu bespielen. Dabei stand stets im Vordergrund das Handwerk des Papierschöpfens durch Hilfsmittel und gezielte Vermittlung für alle Klient*innen unabhängig von ihren jeweiligen Bedingungen, so erfahrbar zu machen, dass kompetente Teilnahme möglich ist. Ein zentrales Anliegen des Projekts war zudem die Stärkung partizipativer Strukturen innerhalb der SSBL. Durch die gezielte Einbindung der Klient*innen in Entscheidungsund Gestaltungsprozesse konnte die Partizipationskultur gefördert und geübt werden. Instrumente wie teilnehmende Beobachtung und eine Klient*innenbefragung welche Partizipationskompetenzen berücksichtigt, im Anschluss an die Projektwoche ermöglichten Mitsprache, Reflexion und die bewusste Wahrnehmung von Rechten auf Anhörung und Beteiligung. 1.5.4. Fazit Das Projekt versteht sich als innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung eines sinnstiftenden Arbeitsangebots für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Dabei ermöglicht es kompetente Teilhabe und Selbstwirksamkeitserfahrungen. Gleichzeitig stärkt es mit der partizipativen Ausrichtung die Mitsprache und Anhörung der Klient*innen im institutionellen Setting. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 6 Hauptteil 2. Analyse der Situation - Theoretischer Bezugsrahmen Als Bezugstheorien zur Erklärung der Situation werden das Konzept der Funktionalen Gesundheit, die Kommunikationstheorie von Watzlawick sowie Partizipationsansätze verwendet. 2.1. Konzept Funktionale Gesundheit Bezugswissen aus dem Konzept der Funktionalen Gesundheit wurde beigezogen, da die Klient*innen als erwachsene Menschen mit Unterstützungsbedarf unmittelbar von Teilhabebarrieren betroffen sind. Das Konzept wurde entwickelt, um die Lebensund Entwicklungssituationen von Personen umfassend und ganzheitlich zu begreifen und deren Zusammenhänge zu klären und zu verstehen. Dabei werden förderliche Faktoren und Teilhabebarrieren identifiziert. Im Auftrag der WHO entwickelt, bildet das Konzept der Funktionalen Gesundheit die Basis des International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), welches Gesundheit als ein komplexes Zusammenspiel zwischen Körperfunktionen, Aktivitäten, Partizipation sowie umweltund personenbezogenen Faktoren beschreibt (INSOS, 2009, S.19–20). Folgende Abbildung 1 stellt die Faktoren und ihre wechselseitigen Zusammenhänge dar. Abbildung 1: Konzeptstruktur der Funktionalen Gesundheit (INSOS,2009, S. 20) Das Konzept der Funktionalen Gesundheit klassifiziert Behinderungen/Krankheiten nicht nur, sondern beschreibt darüberhinausgehend deren Auswirkungen auf Kontexte und Lebenswelt der betroffenen Person. Gesund bedeutet nicht Abwesenheit von Krankheit, sondern die individuelle Fähigkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in möglichst vielen Lebensbereichen (INSOS, 2009, S.21). Funktionale Gesundheit priorisiert die kompetente Partizipation. Dabei geht es nicht um eine erzwungene Normalisierung, als vielmehr darum, Lebensbereiche und Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 7 Lebenssituationen von und mit Betroffenen so zu gestalten, dass sich Menschen dort kompetent und gesund, sprich kompetent teilnehmend erleben können (INSOS, 2009, S.11). Die sozialpädagogische Aufgabe besteht darin, Teilhabebarrieren und Ressourcen zu erfassen und Kontexte zu schaffen, in denen kompetente Teilhabe und somit Selbstwirksamkeitserleben erreicht werden kann. Diese kompetente Teilhabe mit den Klient*innen zu erreichen, entspricht dem angestrebten Ziel des Projekts schöpfen aus Papier. 2.2. Kommunikationstheorie Watzlawick Damit kompetente Partizipation gelingen kann, ist Kommunikation eine wesentliche Bedingung (Wilken, 2021, S.7). Der Einbezug der Kommunikationstheorie von Watzlawick ist dem Umstand geschuldet, dass eine Vielzahl der Klient*innen der SSBL fehlende oder eingeschränkte verbale Verständigungskompetenzen aufweist. Kommunikation ist die Grundlage jeder Entwicklung, ein menschliches Grundbedürfnis und subjektiv von entscheidender Bedeutung für die Lebensqualität (S. 7). Das Kommunikationsmodell nach Watzlawick (2017) legt in fünf Axiomen dar, welchen Gesetzmässigkeiten Kommunikation unterliegt (S.57). Daraus lassen sich auch Faktoren für Kommunikationsstörungen ableiten (S.83). Watzlawick unterscheidet in der Kommunikation zwischen digitalen und analogen Modalitäten. Während sich die digitale Kommunikation eindeutig in Lautsprache und Schrift ausdrückt, unterliegt die analoge Kommunikation, die sich in Mimik, Körperhaltung und Gestik manifestiert, einem grossen Interpretationsspielraum (S.78). Vor diesem Hintergrund sind Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und mangelnden verbalen Sprachkompetenzen in hohem Ausmass von einer gestörten Kommunikation betroffen. Sie sind oft auf eine Übersetzung ihrer analogen Signale durch Personen angewiesen, zu denen sie, zusätzlich erschwerend, in asymmetrischer Beziehung stehen und unterliegen deren Deutungshoheit und Interpretationsgewalt. 2.3. Partizipationsansätze Nicht nur Kommunikation, auch Partizipationsprozesse sind Machtprozesse. Wer darf wann was entscheiden? Wer findet Gehör ? Wer hat die Expertenrolle inne und wem wird eine Aussage zugetraut (Stade, 2019, S. 53)? Im vorliegenden Fall von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, stellt sich zusätzlich die Frage, wessen Aussage überhaupt und wie hörbar gemacht und gehört wird? Partizipation bezeichnet im Allgemeinen die Mitwirkung von Individuen an Entscheidungsprozessen oder Handlungsvollzügen, die in übergeordneten institutionellen oder organisationalen Kontexten verortet sind (Erwin Carigiet, Ueli Mäder, Jean-Michel Bonvin, 2003, S. 222). Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 8 Dabei lässt sich die Art des Beteiligungsgrades in Stufen beschreiben (Stade, 2019, S.54). Abbildung 2 stellt diese dar. Partizipationsstufen 6.Vollständige Selbstorganisation 5.Unterstützte Selbstorganisation 4.Mitentschiden bzw. partielle Selbstorganisation 3.Mitwirkung 2.Konsultation/Lebensweltexpertise 1.Information Tabelle 2: Partizipationsstufen (eigene Darstellung nach Stade, 2019, S.56) Nach Stade (2019) wird in Sozialpädagogischen Kontexten davon ausgegangen, dass bereits ab der Stufe 1 Information von Partizipation gesprochen werden kann, da diese die Grundvoraussetzung für die Beteiligung ist. Die folgenden Stufen bauen darauf auf. Um die nächste Stufe zu erreichen ist die vorangehende Bedingung (S.55). In der Stufe 1 wird Verständnis für eine Thematik erzeugt, zur Teilnahme eingeladen und über laufende Sachverhalte informiert. Bei der Stufe 2 wird die Meinung der Klient*innen eingeholt, bzw. die Relevanz der Thematik für die jeweilige Lebenswelt geprüft. Dabei sieht diese Stufe Variantenentscheide vor. Während in der Stufe 3 durch eine spezifische Fragestellung zu einem spezifischen Zeitraum ein kleinerer Handlungsspielraum entsteht, ist bei Stufe 4 bereits ein Mitentscheiden in relevanten Teilaspekten vorgesehen. Die Entscheidungsfindung erfolgt partnerschaftlich, die Verantwortung wird geteilt (Stade, 2019, S. 58—59). Stufe 5 und 6 kommen in der SSBL nicht vor, da sie per Definition ohne Einbindung in Institutionelle Kontexte funktionieren (Strassburger & Rieger, 2014, S.232). Das Stufenmodell hat seinen Ursprung im politischen Beteiligungsprozess, der Willensbildung und Entscheidungsfindung umfasst. Im sozialpädagogischen Kontext kommt die praktische Umsetzung hinzu. Je nach Projektphase kann, bedingt durch unterschiedliche Rahmenbedingungen, eine jeweils andere Partizipationsstufe angestrebt werden (Stade, 2019, S. 55–56). Abbildung 2 zeigt die klassischen Partizipationsstufen um den Aspekt der Prozesshaftigkeit erweitert und den jeweiligen Projektphasen zugeordnet. Im vorliegenden Projekt wurde daher bereits in der Planungsphase im Rahmen einer Sitzung mit der Primärzielgruppe festgelegt, welche Partizipationsstufe in welcher Phase erreicht werden kann und soll, welche Rahmenbedingungen vorliegen und welche förderlichen Massnahmen noch zu treffen sind, um die angestrebte Stufe zu realisieren. Gerade bei Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ist es essenziell, die Rahmenbedingungen transparent zu machen, um Scheinpartizipation vorzubeugen. Diese liegt vor, wenn eine bestimmte Partizipationsstufe zwar angekündigt, aber in der Praxis nicht umgesetzt werden kann, sei es aufgrund unzureichend kommunizierter Rahmenbedingungen oder aufgrund überhöhter Erwartungen an die Kompetenzen Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 9 der Klient*innen (Stade, 2019, S. 60). Scheinpartizipation begünstigt erlernte Bedürfnislosigkeit (Theunissen, 2000, S.28). Mit der Erhebung der Ressourcenkarten wurde erfasst, welche Teilnahmevoraussetzungen bei den einzelnen Klient*innen vorliegen. Mehrheitlich bewegen sich die Klient*innen ihren Kompetenzen entsprechend, auf der Partizipationsstufe 1—2 selten 3. Das bedeutet sie sind zu Variantenentscheidungen und Beratungsfunktion durch Lebensweltexpertise fähig. Diese Qualität gilt es bei der Projektumsetzung zu berücksichtigen und zu nutzen. Abbildung 2: Partizipationsstufen im Prozessverlauf (Stade, 2019, S. 56) Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 10 3. Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit Die Projektwoche fördert die kulturelle und kompetente Teilhabe, die Entfaltung des kreativen Potenzials und stösst Partizipationsprozesse an, diese Handlungen werden durch verschieden Wertesysteme begründbar. Nachfolgend wird die Legitimation für das professionelle, sozialpädagogische Handeln dargelegt. Dieses leitet sich aus den Erkenntnissen der Ausgangslage, Situationsanalyse und dem zugrundeliegenden theoretischen Bezugsrahmen ab. 3.1. Rechtliche Grundlagen Der Handlungsbedarf legitimiert sich aus der Umsetzung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (BRK) vom 13. Dezember 2006, SR 0.109, im Jahr 2014 in der Schweiz ratifiziert. Die Behindertenrechtskonvention präzisiert bestehende Menschenrechte für Menschen mit Beeinträchtigungen und definiert Teilhabe und Zugang als gesamtgesellschaftliche Aufgabe (Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB, ohne Datum). Die BRK definiert in Art. 30 die Teilhabe am kulturellen Leben sowie Erholung, Freizeit und Sport. Im Abs. 2 wird festgehalten, dass die unterzeichnenden Staaten geeignete Massnahmen träfen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft zu entfalten und zu nutzen. Das Projekt schöpfen aus Papier zielt mit der ressourcenorientierten Projektwoche auf die Erschliessung des schöpferisch Potentials der Klient*innen. 3.2. Handlungsbedarf im Rahmen des Berufskodex von AvenirSocial Handlungsgrundlagen für des Projekt finden sich auch im Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz von AvenirSocial (2010). Dieser hält die Prinzipien der Selbstbestimmung, Gleichbehandlung, Partizipation, Integration und Empowerment fest. Im formulierten Ziel und der Verpflichtung der Sozialen Arbeit ist in Art.5 Abs.6 festgehalten «Soziale Arbeit hat Menschen zu begleiten, zu betreuen oder zu schützen und ihre Entwicklung zu fördern, zu sichern oder zu stabilisieren» (S.7). Diesem Ansinnen kommt das Projekt nach, in dem es Klient*innen in Partizipationsbestrebungen oder schöpferischen Prozessen fördert und begleitet. 3.3. Handlungsbedarf Strukturund Handlungsmaxime Lebensweltorientierte Soziale Arbeit verfolgt das Ziel, Klient*innen dahingehend zu befähigen, dass diese einen gelingenden Alltag bewältigen können (Grunwald &Thiersch, 2001, S. 1137). Dafür handelt sie nach Strukturund Handlungsmaximen (Grunwald &Thiersch, 2001, S. 1144). Für das vorliegende Projekt ist die Strukturmaxime Alltagsorientierung relevant. Diese garantiert die Niederschwelligkeit und Zugang zu Produkten Sozialer Arbeit. Dabei sind die Strukturen in Institutionen so zu gestalten, dass sie für alle Klient*innen zu erreichen und der jeweiligen Lebenswelt angepasst sind. Auch die Strukturmaxime Partizipation wird vom Projekt aufgegriffen. Dieses gestaltete die Angebote nach Möglichkeit partizipativ. Bei der Arbeit mit den Klient*innen der SSBL stellt teilweise bereits die unterste Partizipationsstufe eine Hürde dar. Hier gestaltet das Projekt, wenigstens ein Konzept des Miterlebens. Bei der Handlungsmaxime Partizipation steht der Grundsatz der Ermächtigung im Vordergrund. Dazu Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 11 gehören die Kommunikation der Angebote in Unterstützter Kommunikation, das aktive Mitgestalten von Angeboten und das auf Klient*innen ausgerichtete Evaluationsverfahren zur Bestimmung der Eignung der Tätigkeit. 3.4. Ableitung des Handlungsbedarfs aus dem Leitbild der SSBL Der Handlungsbedarf kann weiter mit dem Leitbild (SSBL, o.J.b), der Strategie 2030 (SSBL, 2023, S.10) und dem agogischen Rahmenkonzept der SSBL legitimiert werden. Darin wird auf das humanistische Menschenbild und die Personzentrierte Haltung verwiesen (SSBL, 2024, S.4). Das Ablegen einer defizitorientierten Perspektive hin zur Ressourcenorientierung wird eingefordert. Personzentriert Arbeiten bedeutet den Zugang individueller Ressourcen zu erschliessen und Entwicklung zu ermöglichen (Pörtner, 2001, S. 36). 3.5. Fazit Handlungsbedarf Die angestrebte Wirkung des Projekts stimmt mit den Prinzipien der BRK sowie dem Berufskodex der Sozialen Arbeit überein. Ebenso werden die im Leitbild der SSBL festgeschriebenen Grundprinzipien praktisch angewandt. Mit der Handlungsmaxime Partizipation wird sowohl die kulturelle als auch die kompetente Teilhabe gefördert. Der Strukturmaxime Alltagsorientierung wird durch die lebensweltliche Nähe, sprich durch das Anpassen des Angebots an die Klient*innen Rechnung getragen. Dadurch ist ein Handlungsbedarf aus Sicht der Sozialen Arbeit gegeben. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 12 4. Projektmethodische Fundierung Im nachfolgenden Kapitel wird das projektmethodische Vorgehen erläutert. Beginnend mit der Zielgruppe und den Projektzielen, gefolgt von der Beschreibung des Projektaufbaus und -ablaufs sowie der Finanzübersicht. 4.1. Zielgruppen Als Primärzielgruppe [PZ] gelten die Mitarbeitenden der ATG 1 C. Sie dienen als Multiplikator*innen und vermitteln die Inhalte der Toolbox der Sekundärzielgruppe [SZ] den Klientinnen und Klienten. Für eine verständliche Lesart werden im weiteren Verlauf im Fliessstext dieses Berichts, die Primärzielgruppe als Solche, die Sekundärzielgruppe weiterhin als Klient*innen bezeichnet. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 13 4.2. Projektziele und angestrebte Wirkungen Die Zielsetzung bildet den Kern eines Projekts. Dieser dient dazu, eine gemeinsame Grundlage für alle Akteur*innen zu schaffen. Das Projekt wird klar eingegrenzt und dessen Erfolg wird messbar (Willener & Fritz, 2019, S.186). Folgende Tabelle benennt die Vision, die Hauptziele unterschieden in Leistungsund Wirkungsziele. Teilziele werden daraus abgeleitet, aus ihnen bilden sich Indikatoren. Während des Projektverlaufs wurde Teilziel 2 angepasst zu Die Projektleiterin holt beim OK Wünsche zu den Toolboxen ein und fragt nach, ob die vorbereiteten Inhalte beim OK Gefallen finden. Vision Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf können gemäss UN-BRK am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Hauptziel Leistungsziel: Projektwoche «schöpfen aus Papier» ist geplant, durchgeführt und evaluiert Wirkungsziel: Die Primärzielgruppe ist befähigt, die Klient*innen, zu befähigen, sich ihren Kompetenzen und Ressourcen gemäss, mit der Materie Papier zwischen kreativ handwerklichen Prozess und sinnlicher Erfahrbarkeit teilzunehmen/teilzuhaben. Dadurch wird kompetente Partizipation erlebt. Teilziel 1 Teilziel 2 Teilziel 3 Teilziel 4 Die Projektwoche wird mit partizipativen Ansätzen geplant OK erarbeitet Toolbox mit Anleitungen, Infrastruktur und Hilfsmitteln PZ ist befähigt als Multiplikatorin zu wirken Die Projektwoche wird mit partizipativen Ansätzen durchgeführt In der Projektwoche gemachte Erfahrungen werden hinsichtlich einer Eignung als fixe Ateliertätigkeit aus verschiedenen Perspektiven evaluiert. Indikatoren - Partizipationsstufen für verschiedene Etappen des Projektverlaufs an Teamsitzung festgelegt - diskursiv erarbeitet inwiefern die Klient*innen eine kompetente Partizipation erreichen können - Klient*innen werden informiert und zur Teilnahme, Mitbestimmung eingeladen, Gründung eines OrganisationsKomitees [OK]. -Inhalte der Toolbox gemeinsam erarbeitet: -Anleitung in unterstützter Kommunikation ist erstellt -Hilfsmittel sind entwickelt -Toolbox musisch basales Atelier ist erstellt -PZ Workshop Umgang mit Toolbox -Kriterien für teilnehmende Beobachtungen sind festgelegt -Evaluationsfragebogen sind erarbeitet - Woche ist durchgeführt - Ergebnisoffen hinsichtlich Produkt - teilnehmende Beobachtung findet statt - Abschlussveranstaltung partizipativ geplant und umgesetzt - Teilnehmende Beobachtungen werden ausgewertet -Fragebogen: PZ, quantitativ/Mixed Methods SZ, füllen den Fragebogen mit PZ gemeinsam aus -Daten ausgewertet -Empfehlung zum weiteren Handeln abgegeben Tabelle 3: Projektziele (eigene Darstellung) Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 14 4.3. Projektaufbauorganisation Die Projektaufbauorganisation (siehe Abbildung 3) hält Akteur*innen deren Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung fest. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern und Konflikte zu vermeiden ist eine frühzeitige Klärung der Rollen ist wichtig, (Willener & Fritz, 2019, S. 239). Dazu dient auch eine Ausformulierung der Werte der Zusammenarbeit. Diese werden im zweiten Unterkapitel genannt. Abbildung 3: Ebene, Akteur*innen, Aufgaben und Kompetenzen (eigene Darstellung) Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 21 5. Methodisches Vorgehen Die Tabelle 6 gibt Auskunft, welche Methoden in welcher Projektphase zum Einsatz kamen. Projektphase Methode Planungsphase Literaturrecherche Dokumentenanalyse, Expert*innenbefragung, Ratingkonferenz moderiertes Diskursverfahren, Umsetzungsphase I moderiertes Diskursverfahren, Ressourcenkarte, innere Evaluation, Umsetzungsphase II Teilnehmende Beobachtung, Evaluationsund Abschlussphase Projektwochenevaluation: mixed-method, qualitative und quantitative Fragebogen, Auswertung teilnehmende Beobachtung; Klient*innenbefragung Variantenentscheid X/Y Projektevaluation: summativ 5-Fragen-Methode nach Heiner Tabelle 6: Projektphasen und Methoden (eigene Darstellung) Mehrheitlich wurden die Methoden bereits in den vorangehenden Kapiteln 4.4—4.6 im Projektablauf beschrieben. Deshalb wird nachfolgend der Schwerpunkt auf die Methoden der Projektwochenevaluation gelegt. 5.1. Projektwochenevaluation Das Teilziel 4, die Eignung der Tätigkeit des Papierschöpfens für die fixe Einführung in das Arbeitsangebot der ATG 1 C zu prüfen, wurde anhand der in der Projektwoche gemachten praktischen Erfahrungen vorgenommen. Diese wurden in einer dreistufigen Erhebung evaluiert. Die Sicht der Klient*innen, welche sich nonverbal ausdrücken, wurde in einer teilnehmenden Beobachtung entlang eines Beobachtungsrasters erfasst. Parallel dazu bildete auch die Klient*innenbefragung deren Perspektive ab. Ausgewählte Klient*innen mit verbalsprachlichen Kompetenzen wurden befragt. Dafür wurde eine Befragungstechnik entwickelt, die sowohl den Entwicklungsstand der Klient*innen als auch die Fähigkeit zu Variantenentscheiden in der Partizipationsstufen 1—2 berücksichtigt. Die Perspektive der Primärzielgruppe wurde mittels eines mixedmethod Fragebogens qualitativ und quantitativ erfragt. Zur Untersuchung der Eignung wurden die drei Hauptkategorien (Infra-)Struktur, Handwerk-Papierschöpfen und Teilnehmende Klient*innen gebildet (siehe Abbildung 4). Um diese Kategorien differenzierter betrachten zu können, wurden sie jeweils in Unterkategorien gegliedert. In der Hauptkategorie (Infra-)struktur waren dies die Unterkategorien Infrastruktur und Struktur, in der Hauptkategorie Handwerk-Papierschöpfen die Unterkategorien Tätigkeit Inhalt, Ablauf Prozess und Tätigkeit Produkt und in der Hauptkategorie Teilnehmende Klient*innen die Unterkategorien Beteiligung, Selbstwirksamkeits-Kompetenzerleben, sowie Atmosphäre Kultur. Förderliche und hinderliche Faktoren wurden jeweils erfasst. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 22 Abbildung 4: Eignung der Tätigkeit, Kategorien und Erhebungsart (EigeneDarstellung) Diese Hauptund Unterkategorien bildeten die Befragungsgrundlagen und lagen der Entwicklung des Beobachtungsrasters zugrunde. Die Kategorien wurden je nach Befragungsgruppe, Befragungsart anders gewichtet. Die jeweiligen Fragebogen und der Beobachtungsraster sind im Anhang B und C einsehbar. Nachfolgend wird auf alle drei Erhebungen einzeln eingegangen. 5.1.1. Methode teilnehmende Beobachtung Die teilnehmende Beobachtung nahm im vorliegenden Projekt die Perspektive der Klient*innen ein. Sie ist eine Methode der Feldforschung, welche ermöglicht, menschliches Handeln in realen Situationen zu untersuchen. Dabei strebt sie durch ihre Nähe zum Untersuchungsobjekt Erkenntnisse über Interaktionen an (Hochschule Osnabrück, 2022b). Die teilnehmende Beobachtung wurde eingesetzt, weil sich viele Klient*innen nicht verbal oder mittels unterstützter Kommunikation ausdrücken können, teilweise geringe kognitive Kompetenzen aufweisen und um der erlernten Bedürfnislosigkeit, bei der alles Zustimmung erfährt und somit Ergebnisse nicht aussagekräftig sind, entgegenzuwirken. Dabei wurden die Klient*innen von vorher bestimmten Mitarbeitenden aus der Primärzielgruppe entlang eines Beobachtungsrasters beobachtet. Die Klient*innen wurden am Beobachtungstag informiert, es fand eine offene Beobachtung statt. Während der Projektwoche fanden 20 Beobachtungen à 40 Minuten statt. Die Beobachtungen sind als Interpretation der tatsächlichen Empfindungen und Gegebenheiten zu lesen, sie unterliegen der subjektiven Wahrnehmung der Beobachtenden (Hochschule Osnabrück, 2022b). Um dem entgegenzuwirken wurde ein Beobachtungsraster erstellt, welches die Beobachtungen vorstrukturiert. Der Fokus wurde dabei auf die Schwerpunkte Befindlichkeit und Kultur, Tätigkeit, Inhalt und Ablauf gelegt (Siehe Abbildung 5). Die Kategorie Infrastruktur war nicht Teil des Rasters, da die Klient*innen darauf keinen Einfluss nehmen können. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 23 Abbildung 5: Gewichtung Teilnehmende Beobachtung (eigene Darstellung) Folgender Beobachtungsraster wurde abgeleitet: Die Klient*innen nehmen am Arbeitsangebot motiviert teil. [Befindlichkeit/Tätigkeit] Die Klient*innen verrichten die einzelnen Arbeitsschritte gern. [Befindlichkeit/Inhalt] Das Arbeitsangebot entspricht den Kompetenzen der Klient*innen. [Struktur/Kultur] Im Atelier herrscht eine angenehme arbeitsfördernde Atmosphäre. [Kultur] Jeder einzelnen Frage ging ein quantitatives Befragungsfeld voraus, gefolgt von einer vertiefenden Frage und einem Antwortfeld für freie Beobachtungen. Bei interpretierenden Beobachtungen wurde nach der Begründung für die Interpretation gefragt. Im Beobachtungsraster wurden Beobachtungen während und allenfalls auch nach der Beobachtung festgehalten. Im Anschluss wurden die Aussagen codiert und ausgewertet. 5.1.2. Methode Klient*innenbefragung Die Klient*innen wurden im Anschluss an die Projektwoche dazu befragt, ob ihnen die Tätigkeit selbst zugesagt hat und ob sie die Tätigkeit in Zukunft in einem Atelier ausführen möchten. Aus der vorangegangenen Ressourcenerhebung ging hervor, dass sich die Klient*innen mehrheitlich auf der Partizipationsstufe 1—2 befinden, selten die Partizipationsstufe 3 erreichen. Diese Stufen weisen die Fähigkeit zu Variantenentscheidungen und zur Beantwortung spezifischer Fragestellungen zu einem bestimmten Zeitpunkt (Stade, 2019, S.59). Dies und die Verhaltensweisen erlernter Bedürfnislosigkeit mussten berücksichtigt werden. Eignung der Tätigkeit (In fra )-Stru k tur H andwerk Pap i erschöpfen Teilnehmende Klient*innen Infrastruktur Struktur Tätigkeit(Inhalt) Ablauf(Prozess) Tätigkeit(Produkte) Beteiligung, SelbstwirksamkeitKompetenzerleben Atmosphäre(Kultur) Gewichtung Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 24 Kategorien Der Schwerpunkt bei der Klient*innenbefragung lag auf dem Inhalt (Gefällt die Tätigkeit?) und der Befindlichkeit (Willst du die Tätigkeit auch in Zukunft tun?) Dies wird in Abbildung 6 verdeutlicht. Abbildung 6: Gewichtung Klient*innenbefragung (eigene Darstellung) Sampling Sieben Klient*innen mit hoher Kommunikationskompetenz - verbal oder in Unterstützter Kommunikation mit Gebärden oder Piktogrammen - wurden befragt. Drei davon wohnen und arbeiten in der SSBL bereits seit über 10 Jahren. Vier besuchen nur die Tagesstätte. Setting In kurzen Gesprächen (5-10 Minuten) wurden die Kategorien erfragt. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen aus den OK-Sitzungen mit den Klient*innen richtete ich die Türund Angelgespräche möglichst beiläufig, niederschwellig im Gang oder in der Pause ein. Ich wollte keinen offiziellen Charakter in den Befragungssettings erzeugen, um erlernten Verhaltensweisen wie Hilflosigkeit, Bedürfnislosigkeit oder Fügsamkeit möglichst entgegenzuwirken. Die Niederschwelligkeit in den gewählten Situationen sollte möglichst keine Vorteile durch Gefallen und Gehorsam hervorrufen. Die Klient*innen wurden bewusst erst nach der Befragung informiert, dass ihre Antworten in die Gesamtbewertung der Situation einfliessen werden. Damit sollte kein Überforderungsdruck entstehen. Vorgehen/ Methodik Im Vorfeld erfragte ich bei den ausgewählten Klient*innen sowohl die Lieblingshandlung wie auch die unbeliebteste Handlung aus dem Atelieralltag. Diese habe ich jeweils als UK Piktogrammkarten ausgedruckt vorbereitet. Eignung der Tätigkeit (In fra )-Stru k tur H andwerk Pap i erschöpfen Teilnehmende Klient*innen Infrastruktur Struktur Tätigkeit(Inhalt) Ablauf(Prozess) Tätigkeit(Produkte) Beteiligung, SelbstwirksamkeitKompetenzerleben Atmosphäre(Kultur) Gewichtung Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 25 Ebenso unterteilte ich den Prozess des Papierschöpfens in drei Prozessschritte Vorbereiten, Schöpfen, Nachbereiten und habe diese auch als Piktogrammkarten vorbereitet. Abbildung 7: Piktogramme Prozessschritte (eigene Darstellung nach Metacom) Als Grundlage diente eine den Klient*innen vertraute Farbskala von grün (Vorliebe) bis rot (Abneigung). Abbildung 8: Farbskala Vorliebe bis Abneigung (eigene Darstellung nach Metacom) Zu Beginn definierte ich im Gespräch, dass Papierschöpfen auch die Vorund Nachbereitungsprozesse beinhaltet. Anschliessend folgte die Frage «Gefällt dir das Papierschöpfen?» und «Möchtest du auch in Zukunft im Atelier Papierschöpfen?». Die Fragen passte ich verbal auf mein jeweiliges Gegenüber an: Es wurde mit Portagebärden und unter Beiziehung von Piktogrammen kommuniziert. Abbildung 9: Fragestellung in UK (eigene Darstellung nach Metacom) PapierschöpfenVorbereiten Rohmaterial Nachbereiten Pressen Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 26 In einem zweiten Schritt wurden die Klient*innen gebeten, ihre beliebteste und unbeliebteste Atelierhandlung auf der Farbskala einzuordnen. (Dies diente der Überprüfung und Konsistenz der beliebtesten und unbeliebtesten Handlung). Die beiden Handlungen bilden nun Referenzgrössen und vereinfachen eine Zuweisung. Im Weiteren wurden die Klient*innen gebeten, die drei Prozessschritte auf der Skala einzuordnen, immer in Relation zu den Positionen Lieblingshandlung und unbeliebteste Handlung. Dadurch konnten die Klientinnen entsprechend der Partizipationsstufe Variantenentscheide treffen. Abbildung 10: Auslegeordnung (eigene Darstellung nach Metacom) Zur Auswertung wurde die Farbskala in fünf Beurteilungskategorien unterteilt. Diesen wurden folgende Wertbegriffe zugeordnet: Ja, eher ja, neutral/weiss nicht, eher nein, nein. Aus der Position der Prozesskarten ergaben sich die Werte. Abbildung 11: Skala (eigene Darstellung) Methodendiskussion Die gewählte Auswertungsmethode birgt zwei Schwierigkeiten: Erstens ist das Setzen der beliebtesten und unbeliebtesten Handlung auf die Skala nicht eine Vergleichsentscheidung, (nicht partizipationsstufengerecht), sondern nur durch die Farbskala geführt. In dieser Arbeit diente das Setzen der beliebtesten und unbeliebtesten Handlungen auf die Farbskala deshalb lediglich der Überprüfung der vorgängig abgeklärten beliebtesten und unbeliebtesten Handlungen. Eine geeignete Vergleichsentscheidung der beliebtesten und unbeliebtesten Handlungen müsste noch entwickelt werden. Zweitens verunmöglicht das Gleichsetzen der beliebtesten und unbeliebtesten Handlungen mit den Polen der Skala die Wahl, einen Arbeitsschritt als beliebter als die beliebteste oder als unbeliebter als die unbeliebteste Handlung zu beurteilen. Die verwendete Methode nimmt fälschlicherweise an, dass die Beliebtheit eines Arbeitsschritts zwischen der beliebtesten und unbeliebtesten Handlung liegt. Eine mögliche Lösung für diese Einschränkung wäre Folgende: Die beliebtesten und unbeliebtesten Handlungen werden über eine Vergleichsentscheidung auf die Skala gesetzt und nicht den Polen gleichgesetzt. Danach werden die Arbeitsschritte im Vergleich zur beliebtesten Handlung auf die Skala gesetzt. Die Auswertung der Beliebtheit der Arbeitsschritte erfolgt dann als Beliebtheit relativ zur beliebtesten Handlung, also als Differenz zwischen Beliebtheit des Arbeitsschrittes und Beliebtheit der beliebtesten Handlung. So kann ein Arbeitsschritt auch als beliebter als die beliebteste Handlung beurteilt werden. In der vorliegenden Analyse muss berücksichtigt werden, dass die Polbeurteilung der Arbeitsschritte (Vorbereitung: 43%; Papierschöpfen 86%; Nachbereitung 57%) Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 27 sowohl gleich beliebt/gleich unbeliebt wie die beliebteste/unbeliebteste Handlung also auch beliebter/unbeliebter als die beliebteste/unbeliebteste Handlung bedeuten kann. 5.1.3. Primärzielgruppenbefragung Die Primärzielgruppe wurden mittels eines mixed-method Fragebogens, der sowohl quantitative als auch qualitative Fragen enthielt, befragt. Alle Mitarbeitenden der Primärzielgruppe, die während der Projektwoche in den kreativen Ateliers tätig waren, wurden im Anschluss an diese befragt. Alle nicht kreativ ausgerichteten Ateliers sind ausserhalb der Projektwoche nicht betroffen und wurden nicht erfasst. Der Fragebogen wurde sowohl analog verteilt als auch digital im IT-System abgelegt. Die Einforderung erfolgte durch die Teamleitung, das Sampling umfasst 12 Fragebogen. Kategorien Die drei Hauptkategorien (Infra-)struktur, Handwerk-Papierschöpfen und teilnehmende Klient*innen bildeten die Befragungsgrundlage. Infrastruktur und Struktur, sowie Inhalt Tun, Inhalt Erleben, Ablauf Produkte, als auch Kompetenzund Selbstwirksamkeitserleben bildeten die Unterkategorien. Dabei wurde der Fragebogen inhaltlich in folgende Teile gegliedert: Teil A: Infrastruktur: Material, Hilfsmittel, Gruppen und Zeitraum; Teil B: Handwerk, Inhalt, Prozess und Produkte; Teil C: Klientinnen. Abbildung 12: Gewichtung Primärzielgruppe (eigene Darstellung) Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 28 6. Beschreibung und Interpretationen der Ergebnisse Nachfolgend sind die Ergebnisse der einzelnen Erhebungen zusammengefasst. Anschliessend folgt mit der Handlungsempfehlung die Interpretation der Ergebnisse. Sämtliche Auswertungen sind detailliert im Anhang D einsehbar. 6.1. Zusammenfassung Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtung: Klient*innen haben motiviert, neugierig und mit Freude teilgenommen. Es gab genügend Arbeitsschritte für die verschiedenen Kompetenzen der Klient*innen. Wenn die Klient*innen ihren Kompetenzen entsprechende Arbeitsschritte ausführen können, sich dadurch kompetent erleben, Arbeitsschritte bewältigen und Erfolge durch unmittelbar entstandene Produkte zeigen können, sind die Zufriedenheit und Motivation hoch, Selbstwirksamkeit wird erlebt. Das Bedürfnis, das Gelingen miteinander zu teilen, wirkt sich positiv auf das Gruppengefühl und die Kommunikation aus. Anleitungen in adäquater Sprache sind unabdingbar. Strukturelle Gegebenheiten, Gruppenkonstellationen, und die Betreuungsintensität einzelner Klient*innen können verhindern, dass den Klient*innen adäquate Arbeit angeboten werden kann. Somit bleibt die Nutzung der kompetenzdifferenzierten Arbeitsangebote aus. Dabei entsteht Unruhe und Demotivation. Der Workflow sinkt durch die ständigen Unterbrechungen aufgrund der verschiedenen Ankunftszeiten der Klient*innen (nicht veränderbar) sowie aufgrund des Durchgehens (veränderbar). Unpassende Hilfsmittel und Infrastruktur erschweren das Arbeiten und Demotivieren. Die Rolle der Mitarbeitenden ist elementar. Mitarbeitende lernen neue Kompetenzen der Klient*innen kennen. Sind Mitarbeitende unsicher, wirkt sich dies direkt auf die Klient*innen aus, sind sie souverän und leiten ruhig an, ist die Arbeitsatmosphäre insgesamt ruhiger. Ein Lied ist als Identitätsstifterin und Stimmungsmacherin elementar, verbindend und arbeitsfördernd. Das Lied wird über alle Kategorien hinweg mehrfach genannt. 6.2. Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Klient*innenbefragung Die vorbereitenden Arbeitsschritte finden überwiegend Zuspruch. Sie weisen die höchste Selbstwirksamkeit in kürzester Zeit auf, werden aber als langweilig bezeichnet. Der Schöpfprozess, der am meisten Kompetenzen benötigt, am spektakulärsten ist aber Nässe mit sich bringt, wird mit vier Positivund drei Negativnennungen bewertet. Bei der Negativbewertung werden vor allem veränderbare Faktoren genannt: Infrastruktur, Presse und Becken höhenverstellbar, wasserabweisender Kleiderschutz, Abwaschhandschuhe. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 29 Die Nachbearbeitung, die wiederum stark an die jeweiligen Kompetenzen angepasst werden kann, findet ebenfalls überwiegend Zuspruch. Selbstwirksamkeit war nicht Teil dieser Befragung. Tätigkeiten, die Erfolg und dadurch positive Selbstwirksamkeitserlebnisse generieren, finden Zuspruch, während Tätigkeiten, die überfordern, demotivierend wirken und deshalb nicht gerne ausgeführt werden. Eine schlecht angepasste Infrastruktur ist ein überaus hinderlicher Faktor. 6.3. Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Primärzielgruppenbefragung Grundsätzlich zeichnet sich bei der Primärzielgruppenbefragung ein Bild von Ja, unter Vorbehalt für das Papierschöpfen ab. Sowohl bei den Räumlichkeiten, dem Umgang mit den Zeitgefässen, als auch bei den Hilfsmitteln müssten Anpassungen erfolgen. Bei der Gruppengrösse lassen sich keine eindeutigen Schlüsse ziehen, die Gruppeneinteilung nach Kompetenzen wird eher zu Gunsten von Gruppen mit heterogenen Kompetenzen bewertet. Die Arbeit des Papierschöpfens lässt sich in einzelne Arbeitsschritte unterteilen, so dass für alle Klient*innen Arbeiten anfallen. Für die unterschiedlichen Kompetenzen gab es genügend Arbeitsangebote. Diese wurden mehrheitlich als abwechslungsreich und anregend wahrgenommen. Routine-bevorzugende Klient*innen müssen noch an das Angebot herangeführt werden. Produktentwicklung für den Geschenkshop von Produkten mit genügend hoher Klient*innenbeteiligung ist gut möglich. Ideen reichen von Karten, über gestanzte Deko-Objekte bis zu Geschenkpapier. Laut der Befragung kann die Arbeit als sinnstiftend beschrieben werden. Sie scheint den Klient*innen Spass zu bereiten. Diese Interpretation kam durch hohe Motivation, Neugier und ungewöhnlichen Durchhaltewillen zustande. Ebenso wurden die Klient*innen von der Primärzielgruppe mehrheitlich selbstwirksam erlebt. Dies in Situationen, in welchen sie Tätigkeiten entweder selbstständig oder in 1:1 Settings ausführen konnten, sofern eine Begleitung zum selbstständigen Arbeiten möglich war. Unangepasste Hilfsmittel und Überforderung stellen hinderliche Faktoren für Selbstwirksamkeitserleben dar. Wenn Anpassungen an der Infrastruktur, Räumlichkeiten und Hilfsmitteln erfolgen, ausgewogene Gruppenzusammenstellungen vorherrschen, mindestens 2 Klient*innen mit motorischen Voraussetzungen für das Papierschöpfen besetzt sind, das Schöpfen in nur einem aber gut eingerichteten Atelier stattfindet und ein Produkt für den Geschenkshop produziert wird, eignet sich die Tätigkeit für die ATG 1c aus Sicht der Primärzielgruppe. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 30 Die Resultate aller Erhebungen wurden zusammengefasst und interpretiert. Sie bilden als Gesamtheit die Basis der Handlungsempfehlung zuhanden der strategischen Ebene. 6.4. Handlungsempfehlung für die Einführung der Tätigkeit Papierschöpfen Grundsätzlich kann die Einführung der Tätigkeit erfolgen. Sie bietet genügend Teilarbeitsschritte für kompetente Partizipation und erfüllt so den Anspruch auf sinnstiftende Arbeitsangebote der SSBL. Aus der Klient*innenperspektive lässt sich eine Zustimmung zur Einführung ableiten. Werden Anpassungen auf den strukturellen und infrastrukturellen Ebene vorgenommen und ein Grundsatzentscheid über die Örtlichkeit gefällt, ist die Tätigkeit zur Einführung geeignet. Nachfolgend wird auf einzelne Schwerpunkte genauer eingegangen 6.4.1. Infrastruktur Die Umfrage ergibt, dass das Angebot des Schöpfvorgangs nur in einem der vier möglichen Ateliers eingerichtet werden soll. Die vorund nachbereitenden Arbeitsschritte können in allen Ateliers erfolgen und zum Teil erweitert werden (Waldgruppe erntet Gras, K1—8 wenden an, bereiten nach). Durch die denkmalgepflegte Qualität des Hauses ist zu überprüfen, ob es eine geeignetere Räumlichkeit für den nassen Papierschöpfprozess auf dem Areal gibt. Die zu kleinen Lavabos und lediglich ein Abfluss in den eher schon zu wenigen Toiletten in bestehenden Räumlichkeiten sind hinderlich. Rollstuhlfahrerinnen mussten deshalb teilweise vom Arbeitsangebot ausgeschlossen werden. Mitarbeitende übernehmen wegen der Infrastruktur Arbeitsschritte, welche für die Klient*innen geeignet wären (Hebelbewegung beim Pressen). Der Parkettboden bereitet Sorgen. Hier gilt es Vorund Nachteile eines Ortswechsels abzuwägen. Ein Arbeitsort ausserhalb der Ateliers (z.B. Keller Sonnenberg) könnte wieder andere Ausschlusskriterien generieren (z.B. Menschen mit Weglauftendenzen oder Epilepsie würden teilweise ausgeschlossen). Bei einer Entscheidung zum Verbleib in den Klosterräumlichkeiten müsste ein Bodenschutz fix installiert werden. Die Anschaffung von Wannen mit Ablaufhahn würden die Arbeit an den zu kleinen Lavabos erleichtern und höhenverstellbare Tische ergonomischeres Arbeiten für Rollstuhlbenutzende ermöglichen. Die Presse könnte in eine noch anzuschaffende Wanne mit Ablauf montiert werden und so ausserhalb der zu engen Toiletten genutzt werden. Dann wären auch diese Arbeitsschritte allen Klient*innen zugänglich. Zudem müsste der Raum dem Arbeitsablauf entsprechend klug eingerichtet und unterteilt werden. Unabhängig von der Ortswahl müssen wasserdichte Schürzen und Handschuhe angeboten werden und einige Hilfsmittel optimiert und angepasst werden. Da sich die meisten verwendeten Werkzeuge in Privatbesitz befinden, müssten einige Anschaffungen getätigt werden. Angepasste Becken mit Auslauf, Wannen, Entwässerungspresse sowie Verbrauchsmaterialien müssten angeschafft werden. Rührwerke und Trockenpresse, Siebe, Rahmen und Gautschtücher sind teilweise bereits vorhanden. Fällt der Entscheid für eine Weiterführung der Tätigkeit, empfehle ich als nächsten Schritt die Gründung einer Projektgruppe, welche die Umsetzung mit den gemachten Erfahrungen der Projektwoche weiterverfolgt, Offerten einholt und den technischen Dienst involviert. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 37 Verträglichkeit Das Projektwochenlied hat in den Ateliers eine gruppenstärkende Wirkung und förderte den sozialen Zusammenhalt in den Ateliers. Es zeigten sich keine negativen Nebenwirkungen. Die Projektwoche ist eine ausgewiesene Spezialwoche und darf für die institutionellen Strukturen herausfordernd sein. 7.1.4. Evaluation Teilziel 4 Teilziel 4 In der Projektwoche gemachte Erfahrungen werden hinsichtlich einer Eignung als fixe Ateliertätigkeit aus verschiedenen Perspektiven evaluiert. Tabelle 12: Teilziel 4 (eigene Darstellung) Wirklichkeit Die Erfahrungen wurden in einer dreistufigen Erhebung evaluiert. Die Klient*innenperspektive, wurde während der Projektwoche in einer teilnehmenden Beobachtung entlang eines Beobachtungsrasters erfasst. Für die Klient*innenbefragung wurde eine Befragungstechnik entwickelt, die sowohl den Entwicklungsstand der Klient*innen als auch die Fähigkeit zu Variantenentscheiden in der Partizipationsstufen 1-2 berücksichtigt. Die Primärzielgruppenperspektive wurde mittels eines mixed-method Fragebogens erfragt. Anschliessend wurden die Ergebnisse ausgewertete und führten zusammengefasst zu einer Handlungsempfehlung. Die sich unter dem Vorbehalt einiger Anpassungen zur positiv zur Eignung der Tätigkeit äussert. Wünschbarkeit Die Einbeziehung der Klient*innenperspektive unter Berücksichtigung ihrer Bedingungen war wünschenswert und nimmt das Mitspracherecht der Klient*innen ernst und wahr. Wirksamkeit Die Evaluation ermöglichte eine fundierte Entscheidungsgrundlage zur Frage der dauerhaften Implementierung des Papierschöpfens. Wirtschaftlichkeit Auch hier zeigte sich, dass die Entwicklung von Fragebogen und Beobachtungsraster zeitaufwändiger war als geplant. Ebenso haben die drei Auswertungen, deren Zusammenführung und die Ausarbeitung der Handlungsplanung mehr Zeit als geplant benötigt. Verträglichkeit Hier lassen sich zwei Nebeneffekte ausweisen. Erstens, die Evaluation hat Einfluss auf die Atelierstruktur. Sie identifizierte über die Tätigkeit des Papierschöpfens hinausgehende strukturell bedingte, den Alltag erschwerende hinderliche Faktoren, die durch die Primärzielgruppe veränderbar sind. Zweitens, durch das Erarbeiten einer mit Relationen arbeitenden Befragungstechnik, für Menschen, die laut Partizipationsstufe 1 und 2 zu Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 38 Variantenentscheidungen fähig sind, ein über die Projektwoche hinausgehendes Befragungsinstrument entstanden. Dieses versucht die erlernte Bedürfnislosigkeit zu entkräften, in dem sie Gegenstände erfragt in Relation zu einem Vergleichswert. 7.2. Fazit Evaluation der Projektziele Grundsätzlich ist das Projekt nach inhaltlichen Standpunkten gelungen, meist hat es die angestrebten Wirkungen erfüllt, wünschenswerte Zustände lassen sich beschreiben. Partizipative Prozesse waren zeitgleich die grösste Stärke und das grösste Risiko für das Projekt. Ein Teilziel konnte nur durch eine Anpassung erreicht werden. Beim Kriterium Wirtschaftlichkeit fällt auf, das bei allen Teilzielen die Zeitressourcen um ein Vielfaches überzogen wurden. Nebeneffekte über das Projekt hinausgehend sind vorhanden und ausgewiesen. Mit dem Voranbringen von kompetenter Partizipation und dem Befragungstool werden zwei Effekte nachhaltig in den Alltag der SSBL integriert. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 39 8. Sicherung der Nachhaltigkeit Nach Willener und Friz (2019, S. 221) hängt der Erfolg eines Projekts massgeblich davon ab, ob die angestrebte Wirkung des Projekts nachhaltig gesichert werden kann. Das Projekt verfolgte das Wirkungsziel, kompetente Partizipation erfahrbar zu machen. Partizipationsprozesse brauchen Zeit. Partizipationsfähigkeiten müssen erlernt und geübt werden. Kompetente Partizipation stärkt das Selbstwirksamkeitserleben, was sich positiv auf weitere Partizipationsprozesse auswirkt. Die erlernte Bedürfnislosigkeit kann durch gegenteilige Erfahrungen und Anhörung abgeschwächt werden. Durch das Üben von Partizipation leistet das Projekt einen nachhaltigen Beitrag zur Partizipationskultur innerhalb der SSBL. Darauf kann im zukünftigen Alltag und in Folgeprojekten aufgebaut werden. Gemäss AvenirSocial (2010) engagieren sich die Professionellen der Sozialen Arbeit kontinuierlich für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Qualität innerhalb ihrer Organisationen (S. 14). Mit dem Erarbeiten einer Befragungstechnik für Menschen, die zu Variantenentscheidungen fähig sind, ist ein Befragungstool entstanden, welches Aussagen der Klient*innen differenziert abbildbar macht. Damit kann das Mitspracherecht der Klient*innen besser umgesetzt werden und die Qualität innerhalb der SSBL im Bereich Selbstbestimmung gesteigert werden. Das Befragungstool kann nachhaltig über das Projekt hinausgehend verwendet werden. Die durchwegs positiven Erfahrungen mit dem Projektwochenlied haben bereits dazu geführt, dass unabhängig von der Einführung der Tätigkeit Papierschöpfen, für ausgewiesene Tätigkeiten oder Themen ein für die ATG 1C gültiges Liedgut geschaffen und gepflegt wird. Aufgrund der Evaluationen wurde die Einführung der Tätigkeit Papierschöpfen unter Vorbehalt einiger Anpassungen empfohlen. Zurzeit werden diese geprüft. Kommt es zur Einführung der handwerklichen Tätigkeit Papierschöpfen, zeichnet sich das Projekt verantwortlich für eine nachhaltige und fundierte Gestaltung des Atelieralltags der SBBL. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 40 9. Schlussteil Die Evaluation zeigte, eine Einführung der Tätigkeit Papierschöpfen in den regulären Atelieralltag ist fachlich unter dem Vorbehalt von strukturellen und infrastrukturellen Anpassungen sowie einem Grundsatzentscheid über die Örtlichkeit begründbar. Sie bietet viele Möglichkeiten zu kompetenter Teilhabe. Deutlich wurde, dass Selbstwirksamkeit und Motivation steigen, wenn Klient*innen Tätigkeiten ihrer Kompetenzen entsprechend ausführen, Ergebnisse sichtbar werden und das Gelingen geteilt werden konnte. Dieses Erleben entspricht ressourcenorientiertem Arbeiten und wirkt nach Theunissen (2000) der erlernten Bedürfnislosigkeit entgegen (S.28). Diese Einschätzung stützt sich auf das Konzept der Funktionalen Gesundheit, welches Teilhabe als zentrales Kriterium für Gesundheit versteht (INSOS, 2009, S. 21). Die Tätigkeit lässt sich in klar abgegrenzte Handlungsschritte einteilen, wodurch differenzierte Arbeitsangebote für Menschen mit sehr unterschiedlichen Kompetenzen entstehen können. Anleitungen in Unterstützter Kommunikation spielen dabei eine tragende Rolle, sie ermöglichen Verstehen und somit Zugang und Bemächtigung (Wilken, 2021, S.9). Dass diese eine hohe Relevanz haben, zeigte sich nicht nur in der Durchführung, sondern wurde auch in den Rückmeldungen der Primärzielgruppe explizit ausgewiesen. Auch die theoretischen Bezüge zur Kommunikation nach Watzlawick werden durch die Evaluation bestätigt. Nach Watzlawick (2017) liegt ein zentrales Risiko dort, wo analoge Kommunikation durch asymmetrische Beziehungen gedeutet werden muss (S.83). Gelingende Teilhabe hängt stark von Interpretation, Beziehung und Unterstützter Kommunikation ab. Die gewählten Partizipationsformen orientierten sich am Stufenmodell (Stade, 2019, S.60) und wurden unter Berücksichtigung der tatsächlichen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten vorgängig bewusst festgelegt. Trotzdem konnte das Auftreten von Scheinpartizipation nicht ganz vermieden werden. Dies zeigte auf, wie gefährdet partizipative Prozesse durch unrealistische Vorstellungen sind. Klient*innenmitsprache konnte angestossen werden, innerhalb der Stufen1—3 wurde Beteiligung wirksam. Im OK wurde Lebensweltexpertise eingeholt und der Abschlussevent gestaltet. Das entwickelte Befragungstool, welches sich an den vorliegenden Kommunikationsvoraussetzungen der Klient*innen orientiert, erwies sich als wirkungsvolles Instrument, um die Mitsprache zu ermöglichen und der erlernte Bedürfnislosigkeit entgegenzuwirken. Insgesamt zeigt das Projekt das Potenzial schöpferischer Tätigkeiten als Zugang zu Selbstwirksamkeit und kompetenter Teilhabe. Zentrale Anliegen der Sozialpädagogik, wie sie in der BRK, dem Berufskodex Sozialer Arbeit (AvenirSocial, 2010, S.10) sowie dem Leitbild der SSBL (SSBL, o.J.b) verankert sind. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 41 10. Literaturverzeichnis AvenirSocial (Hrsg.).(2010). Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz: Ein Argumentarium für die Praxis. https://avenirsocial.ch/wp-content/uploads/2018/12/SCR_Berufskodex_De_A5_db_221020.pdf Carigiet, E., Mäder, U. & Bonvin, J. (2003). Wörterbuch der Sozialpolitik. Rotpunkt. Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB. (o.J.). Übereinkommen der UNO über die Rechte von Menschen mit Behinderungen: Allgemeines. https://www.ebgb.admin.ch/de/uebereinkommen-der-uno-ueber-die-rechte-von-menschen-mit-behinderungen Falk, W. (2016). 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Willener, A. & Friz, A. (Hrsg.) (2019). Integrale Projektmethodik. Interact Verlag Hochschule Luzern. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 43 Anhang Anhang A Matrix Zeitplanung Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 44 Anhang B Teilnehmende Beobachtung; Beobachtungsraster M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 1 Teilnehmende Beobachtung Projektwoche 2024 Datum: Atelier und Zeit: Beobachtende: Mit dieser Beobachtung wird erfasst, ob sich die Tätigkeit des Papierschöpfens für die Klient*innen der ATG C eignet, inwiefern sich die Klient*innen am Arbeitsprozess beteiligen können, ob sie sich kompetent erleben können und ob ihnen die Tätigkeit zusagt. Zur beobachtenden Tätigkeit gehören alle Arbeitsschritte, die das Papierschöpfen umfasst, von der Herstellung der Pulpe, dem SchöpfGiessLöffelvorgang selbst bis zur Nachbearbeitung Trocknen und Glätten. Falten, Papierspiele und Collagen gehören nicht dazu. Die Klient*innen können über die Beobachtung informiert werden. 1. Die Klient*innen nehmen am Arbeitsangebot motiviert teil. Trifft nicht zu Trifft voll zu Wie erkenne ich dies? Worauf stütze ich meine Beobachtung? - - - - Weitere Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………. . Befindlichkeit Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 45 M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 2 2. Die Klient*innen verrichten die einzelnen Arbeitsschritte gern. Trifft nicht zu Trifft voll zu Wie erkenne ich dies? Worauf stütze ich meine Beobachtung? - - - - Eigene Beobachtungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………………….. . Inhalt, Befindlichkeit Inhalt/ Befindlichkeitt Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 46 M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 3 3. Das Arbeitsangebot entspricht den Kompetenzen der Klient*innen. Trifft nicht zu Trifft voll zu Hinderliche Faktoren. Was war zu anspruchsvoll? …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… Förderliche Faktoren. Was war angemessen? …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………………… . Eigene Beobachtungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………………….. . Inhalt/Selbstwirksamkeit/ Erkenntnisgewinn Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 53 M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 5 7. Waren die Tätigkeiten für die Klient*innen abwechslungsreich und anregend? Trifft nicht zu Trifft voll zu Welche Tätigkeiten waren abwechslungsreich und anregend? - - - Welche Tätigkeiten nicht? - - - Anregungen, Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… 8. Können Produkte für den Verkaufsshop mit genügend hoher Klient*innenbeteiligung entstehen? Trifft nicht zu Trifft voll zu Haben sich während der Woche bereits Produkte für den Verkaufsshop abgezeichnet? - - - - Hast du eigene Produktideen für den Verkaufsshop? - - - - Anregungen, Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………………….......................... Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 54 M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 6 C. Klient*innen 9. Erlebten die Klient*innen die Tätigkeit als sinnstiftend? Trifft nicht zu Trifft voll zu Wie erkenne ich dies? Worauf stütze ich meine Beobachtung? - - - Anregungen, Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… 10. Hatten die Klient*innen Spass an der Tätigkeit? Trifft nicht zu Trifft voll zu Wie erkenne ich dies? Worauf stütze ich meine Beobachtung? - - - Anregungen, Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 55 M251 Projektevaluation Simone Dubler 2024 7 11. Erlebtest du die Klient*innen selbstwirksam? Trifft nicht zu Trifft voll zu In welchen Situationen erlebtest du die Klient*innen selbstwirksam? - - - In welchen Situationen erlebtest du die Klient*innen nicht selbstwirksam? - - - Anregungen, Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… Was fällt dir zusätzlich noch ein? Eigene Bemerkungen: …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………………………………… Danke, dass du dir für das Ausfüllen Zeit genommen hast. Fragebogen bis 7.10.2024 an Martina abgeben Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 56 Anhang D Projektwochenevaluation Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 57 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 2 1. Teilnehmende Beobachtung 1.1. Methoden teilnehmende Beobachtung Im Beobachtungsraster wurden Beobachtungen während und allenfalls auch nach der Beobachtung festgehalten. Im Anschluss wurden die Aussagen codiert und ausgewertet. Die teilnehmende Beobachtung ermöglicht, menschliches Handeln in realen Situationen zu untersuchen. Diese Methode ist erforderlich, weil sich viele Klient*innen nicht verbal oder mittels unterstützter Kommunikation [UK] ausdrücken können, teilweise geringe kognitive Kompetenzen aufweisen und wegen der erlernten Bedürfnislosigkeit in institutionellen Settings. Die teilnehmende Beobachtung nimmt im vorliegenden Projekt die Perspektive der Klient*innen ein. Die Beobachtungen sind als Interpretation der tatsächlichen Empfindungen und Gegebenheiten zu lesen. Die Klient*innen wurden am Beobachtungstag informiert, es fand eine offene Beobachtung statt. Während der Projektwoche fanden 20 Beobachtungen à 40 Minuten statt. Beobachtungsraster Die Beobachtungen unterliegen der subjektiven Wahrnehmung der Beobachtenden. Um dem entgegenzuwirken wurde ein Beobachtungsraster erstellt, welches die Beobachtungen vorstrukturiert. Der Fokus wurde auf die Schwerpunkte Befindlichkeit und Kultur, Tätigkeit, Inhalt und Struktur gelegt. Die Kategorie Infrastruktur war nicht Teil des Rasters, da die Klient*innen darauf keinen Einfluss nehmen können. Folgender Beobachtungsraster wurde abgeleitet: Die Klient*innen nehmen am Arbeitsangebot motiviert teil. [Befindlichkeit/Tätigkeit] Die Klient*innen verrichten die einzelnen Arbeitsschritte gern. [Befindlichkeit/Inhalt] Das Arbeitsangebot entspricht den Kompetenzen der Klient*innen. [Struktur/Kultur] Im Atelier herrscht eine angenehme arbeitsfördernde Atmosphäre. [Kultur] Eignung der Tätigkeit (Infra-)Struktur Tätigkeit (Inhalt), Ablauf (Prozes), (Produkte) Klient*innen, Beteiligung, Selbststwirksamkeit, Kompetenzeerleben, Atmosphäre (Kultur) Gewichtung Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 58 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 59 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 60 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 5 Die qualitative Befragung zum Thema «Einzelne Arbeitsschritte gern verrichten» liess sich unter folgenden Codes betrachten: Arbeit/Erfolgserleben, Kommunikation/Teilhaben/Mitteilen, Identität/Teilsein, Befindlichkeit und Interesse. Zusammenfassung: Der Zusammenhang zwischen (selbstständig) bewältigbaren Arbeitsschritten, Erfolgserlebnissen (Produkte), Kompetenzerleben (Selbstwirksamkeit) und Motivation wurde bei der Auswertung dieser Frage sichtbar. Die Klienten äusserten ihre Freude am Arbeitsangebot durch das Zeigen des Entstanden. Auf Teilhabeaspekte (Mitteilen wollen) wies der mehrmals beobachtet Umstand hin, neu Erlerntes/Entstandenes den Angehörigen, WGs oder Mitklient*innen zu zeigen. Das Projektwochenlied und Erkennungszeichen vermittelten Struktur und gaben Orientierung. Neue Tätigkeitsangebote können sowohl überfordern und demotivieren als auch neue Wissensräume erschliessen. Beides wurde in gleicher Häufigkeit beobachtet. Methodendiskussion/Learning Es zeigte sich, dass die Frage 1 nach der Motivation und die Frage 2, ob die Klient*innen die Arbeit gerne verrichten würde, fast die gleichen Antworten ergab. Die Fragestellungen waren nicht präzise genug formuliert. Während ich bei Frage 1 mehr auf die Motivation als Befindlichkeit während Arbeitens abzielte, war für mich bei Frage 2 die Befindlichkeit durch Inhalt relevant. Bei dieser Unterscheidung ist es mir nicht gelungen, genügend differenziert zu verbalisieren. Kategorie Inhalt/Selbstwirksamkeit und Erkenntnisgewinn Mit dieser Frage wurde überprüft, ob es gelungen ist, dass die Tätigkeit genügend vereinfachende Schritte aufweist, damit sich alle Teilnehmenden kompetent erleben können: 3. Das Arbeitsangebot entspricht den Kompetenzen der Klient*innen? Die quantitative Bewertung ergibt folgende Verteilung: trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 5x = 26% 7x = 37% 7x = 37% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 61 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 62 Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 69 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 14 auch als beliebter als die beliebteste Handlung beurteilt werden. In der vorliegenden Analyse muss berücksichtigt werden, dass die Polbeurteilung der Arbeitsschritte (Vorbereitung: 43%; Papierschöpfen 86%; Nachbereitung 57%) sowohl gleich beliebt/gleich unbeliebt wie die beliebteste/unbeliebteste Handlung also auch beliebter/unbeliebter als die beliebteste/unbeliebteste Handlung bedeuten kann. 2.3. Schlussfolgerungen Klient*innenbefragung Die vorbereitenden Arbeitsschritte finden überwiegend Zuspruch. Sie weisen die höchste Selbstwirksamkeit in kürzester Zeit auf, werden aber als langweilig bezeichnet. Der Schöpfprozess, der am meisten Kompetenzen benötigt, am spektakulärsten ist aber Nässe mit sich bringt, wird mit vier Positivund drei Negativnennungen bewertet. Bei der Negativbewertung werden vor allem veränderbare Faktoren genannt: Infrastruktur, Presse und Becken höhenverstellbar, wasserabweisender Kleiderschutz, Abwaschhandschuhe. Die Nachbearbeitung, die wiederum stark an die jeweiligen Kompetenzen angepasst werden kann, findet ebenfalls überwiegend Zuspruch. Selbstwirksamkeit war nicht Teil dieser Befragung. Tätigkeiten, die Erfolg und dadurch positive Selbstwirksamkeitserlebnisse generieren, finden Zuspruch, während Tätigkeiten, die überfordern, demotivierend wirken und deshalb nicht gerne ausgeführt werden. Eine schlecht angepasste Infrastruktur ist ein überaus hinderlicher Faktor. 3. Mitarbeitendenbefragung 3.1. Methoden Mitarbeitendenbefragung Die Mitarbeitenden wurden mittels eines «mixed method»-Fragebogens, der sowohl quantitative als auch qualitative Fragen enthält, befragt. Alle Mitarbeitenden, die während der Projektwoche in den kreativen Ateliers tätig waren, wurden im Anschluss an diese befragt. Das musisch basale Atelier, @home und die Musikgruppe sind ausserhalb der Projektwoche nicht betroffen und wurden nicht erfasst. Der Fragebogen wurde sowohl analog verteilt als auch digital im IT-System abgelegt. Die Einforderung erfolgte durch die Teamleitung. Kategorien Die drei Hauptkategorien «(Infra-)struktur», «Handwerk-Papierschöpfen» und «teilnehmende Klient*innen» bildeten die Befragungsgrundlage. Infrastruktur und Struktur, sowie Inhalt Tun, Inhalt Erleben, Ablauf Produkte, als auch Kompetenzund Selbstwirksamkeitserleben bildeten die Unterkategorien. Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 70 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 15 Dabei wurde der Fragebogen inhaltlich in folgende Teile gegliedert: Teil A: Infrastuktur: Material, Hilfsmittel, Gruppen und Zeitraum; Teil B: Handwerk, Inhalt, Prozess und Produkte; Teil C: Klientinnen. Sample 100% der Befragten haben teilgenommen. Das entspricht 12 Auswertungsbogen. 3.2. Resultate Mitarbeitendenbefragung Die Fragebogen wurde nach der Projektwoche ausgefüllt, anschliessend wurden die Aussagen kodiert und ausgewertet. Teil A, Frage 1: Kategorie Infrastruktur Die erste Frage befasste sich mit den Räumlichkeiten: 1. Eignen sich die Räumlichkeiten für das Papierschöpfen? 10 der 12 möglichen Mitarbeitenden (83.3%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Obwohl immer noch mehrheitlich in der zustimmenden Hälfte verortet, waren doch bei 60% der Befragten vorsichtige Zustimmung gegenüber den bestehenden Räumlichkeiten auszumachen. Die Antworten auf die qualitative Frage nach den notwendigen Veränderungen, damit in bestehenden Räumen Papier geschöpft werden kann, liessen sich unter folgenden Codes zusammenfassen: Raumgrösse, Boden, dauerhaft installiert in einem Atelier, Abflüsse, Lavabos. Zusammenfassung: Eignung der Tätigkeit (Infra-)Struktur Tätigkeit (Inhalt), Ablauf (Prozess), (Produkte) Klient*innen, Beteiligung, Selbststwirksamkeit, Kompetenzeerleben, Atmosphäre (Kultur) trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 10% 1x = 10% 6x = 60% 1x = 10% 1x = 10% Gewichtung Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 71 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 16 Die Platzverhältnisse wurden mehrheitlich als zu eng empfunden. Die Mehrheit der Beobachtenden schrieb, dass nur eines der Ateliers für das Papierschöpfen eingerichtet werden soll, dies dafür dauerhaft. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fand die Räume wegen des Holzbodens als ungeeignet. Ein fixer Schutz, der weder eine Stolpernoch eine Ausrutschgefahr bedeutet, und zudem absolut dicht ist, sollte installiert werden. Mehrstimmig wurden die bestehenden Lavabos als zu klein und das Verlegen einiger Arbeitsschritte ins WC als ungeeignet bewertet. Drei Befragte bevorzugten eine Verlegung der Tätigkeiten in noch zu findende andere Räumlichkeiten. Teil A, Frage 2: Kategorie Struktur Diese Frage befasste sich mit den Zeiteinheiten. Diese sind unverrückbarer Bestandteil der Ateliers. 2. Sind die Atelierzeiten zeitlich ausreichend für das Papierschöpfen? 8 der 12 möglichen Mitarbeitenden (66.7%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Alle Antworten befanden sich in der positiven Hälfte. Allerdings ergaben die Antworten des nachfolgenden freien Antwortfeld ein anderes Bild, nämlich. Ja aber! Folgende Codes konnten ausgewiesen werden. Nur mit Absprache, nur wenn Vorund Nachmittags, viel zu kurz. Zusammenfassung: Die quantitativen und qualitativen Antworten ergaben ein gegensätzliches Resultat. Die Mitarbeitenden sprachen sich nur unter zwei Szenarien positiv für das bestehende Zeitfenster aus Einerseits könnte das Papierschöpfen ganztags angeboten werden. Dabei müsste gut abgesprochen werden, wie die Nachmittagsgruppe zusammengesetzt ist und wie weitergearbeitet werden kann. Andererseits könnten Absprachen erfolgen, wie am nächsten Tag weitergearbeitet werden könnte, zb. am Morgen Pulpe, am Nachmittag Schöpfen, am nächsten Tag schöpfen etc. Die vorbereitenden Arbeiten, Fötzlen und Schnippeln müssten als Arbeitsschritte ganz in andere Ateliers verlegt werden. Die Zeitdauer wurde auch als zu kurz beurteilt. Teil A, Frage 3: Kategorie Infrastruktur Diese Frage befasste sich mit weiteren infrastrukturellen Belangen, den Hilfsmitteln. 3. Waren die Hilfsmittel sinnvoll und nützlich? 11 der 12 möglichen Mitarbeitenden (91.6%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 12.5% 4x = 50% 3x = 37.5% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 72 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 17 Die Rückmeldungen waren breit über die Skala verteilt, waren aber mehrheitlich positiv. Folgende Codes konnten ausgewiesen werden: noch anzupassen, anzuschaffen, mehrfach, Bütte mit Auslaufhahn, Ergonomie. Zusammenfassung: Auch die qualitative Auswertung tendierte zu Ja, unter Anpassungen. Die Mehrheit befand die Hilfsmittel als klient*innengerecht. Folgende Anpassungen wären aber wünschenswert: Rahmen und Sieb müssten einfacher zu bedienen sein, der Hebel der Presse bedürfte einer Anpassung, die Bütte müsste über einen Auslaufhahn verfügen. Mehrfach wurde die Notwendigkeit für höhenverstellbare Tische oder eine fehlende Lösung für Rollstuhlfahrende genannt. Ein stabilerer Wäscheständer wurde gewünscht. Ebenso müssten Spezialhilfsmittel in mehrfacher Ausführung vorhanden sein, damit Wartezeiten entfallen. Teil A, Frage 4: Kategorie Struktur Die vierte Frage befasste sich mit der Gruppengrösse. 4. Eignet sich die Gruppengrösse für die Tätigkeit? 9 der 12 möglichen Mitarbeitenden (75%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Folgende Codes waren bei der qualitativen Befragung auszumachen, Gruppe gross+, Gruppe zu gross-, Gruppe klein+, Gruppe zu klein-, Gruppengrösse gut. Zusammenfassung: Die qualitative Befragung liess keine Rückschlüsse zu. Von zu kleiner Gruppe ungeeignet bis zu grosse Gruppe ungeeignet waren alle möglichen Antworten vorhanden. Teil A, Frage 5: Kategorie Struktur Die Kategorie Struktur im Sinne von Gruppenzusammensetzung wurde mit der fünften Frage näher betrachtet. 5. Wäre eine Gruppenzusammensetzung nach ähnlichen Kompetenzen sinnvoll? 9 der 12 möglichen Mitarbeitenden (75%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 9.1% 2x = 18.2% 2x = 18.2% 2x = 18.2% 4x = 36.3% trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 2x = 22.2% 1x = 11.1% 3x = 33.3% 3x = 33.3% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 73 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 18 Eine ausgeglichene Verteilung ohne Polpositionen wurde gefunden. Folgende Codes kamen zur Anwendung: Homogene Gruppe, heterogene Gruppe. Zusammenfassung: Diese Frage knüpft an eine aktuelle Diskussion in den Ateliers an: Wie und aufgrund von welchen Kriterien werden Gruppen gebildet. Die Antworten waren sehr differenziert. Für eine Gruppe mit homogenen Fähigkeiten spricht, dass sich die Klient*innen genseitig anweisen können, dass die «stärkeren» Klient*innen dies selber so wählen würden (Wahlfreiheit) und dass durch gleiche Tätigkeit ein Gruppengefühl entsteht. Im Gegensatz dazu spricht für Gruppen mit unterschiedlichen Kompetenzen, dass vertieft auf die Kompetenz einzelner eingegangen werden kann, dass mehr 1:1 Betreuung möglich ist und dass genau dies einem Vorteil entspricht, welches das Papierschöpfen mitbringt: Eine Unterteilung in Arbeitsschritte für alle Kompetenzen. Teil B, Frage 6: Kategorie Inhalt Diese Frage stellte eine Kernfrage dar und die Beantwortung entsprach einem Teilziel des Projekts. 6. Eignet sich die Tätigkeit des Papierschöpfens zur Aufnahme in die Alltagstätigkeiten der ATG 1C? 12 der 12 möglichen Mitarbeitenden (100%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Diese Frage wurde eindeutig positiv beantwortet. Qualitativ wurde nach den notwendigen Veränderungen der Tätigkeit gefragt. Die Antworten liessen sich unter folgenden Codes zusammenfassen: Infrastruktur Raum, Infrastruktur Hilfsmittel, Struktur Gruppe und Produkt. Zusammenfassung: Wenn Anpassungen an der Infrastruktur, Räumlichkeiten und Hilfsmittel erfolgen, ausgewogene Gruppenzusammenstellungen vorherrschen, mindestens 2 Klient*innen mit motorischen Voraussetzungen für das Papierschöpfen vorgesehen sind, das Schöpfen in nur einem aber gut eingerichteten Atelier stattfindet und ein Produkt für den Geschenkshop produziert wird, eignet sich die Tätigkeit für die ATG 1c. trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 3x = 33.3% 1x = 11.1% 2x = 22.2% 3x = 33,3% trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 8x = 66,7% 4x = 33,3% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 74 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 19 Teil B, Frage 7: Kategorie Inhalt Die Frage befasste sich mit dem Inhalt der Tätigkeit des Papierschöpfens. 7. Gibt es genügend Arbeitsschritte bei denen sich die Klient*innen ihren Kompetenzen gemäss beteiligen können? 10 der 12 möglichen Mitarbeitenden (83.3%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Das Antwortfeld erstreckt sich in der positiv bewerteten Hälfte. Die Antworten lassen sich unter den Codes «Anspruchsvoll (Gautschen, Pressen, Pulpe, Schöpfen)», «mit Unterstützung ist alles möglich» sowie «Angemessen (Schöpfen, Formen löffeln, Grundmaterial zerkleinern, Pulpe, vom Lappen nehmen, Lappen aufhängen und Bügeln)» zusammenfassen. Zusammenfassung: Grundsätzlich liessen sich für alle Kompetenzen genügend Arbeitsschritte ausfällen. Während das Zerkleinern des Grundmaterials nahezu alle Klient*innen ausführen konnten, war der Schöpfprozess nur von einzelnen Klient*innen ausführbar. Persönliche Vorlieben der Klient*innen mussten berücksichtigt werden. Auch wenn die Tätigkeit ausgeführt werden konnte, musste sie nicht ausgeführt werden wollen. Reizsensible Klient*innen mochten beispielsweise keine nassen Hände. Teil B, Frage 8: Kategorie Inhalt Erleben Die Frage zielte auf den Inhalt und das Erleben. 8. Waren die Tätigkeiten für die Klient*innen abwechslungsreich und anregend? 7 der 12 möglichen Mitarbeitenden (58%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Alle Antworten lagen in der positiv gewerteten Hälfte. Allerdings lag die grösste Antwortgruppe mittig. Folgende Codes sind bei der qualitativen Befragung auszumachen: Element Wasser, Faszination Kraft, Neues vs. Routine, schnell ermüdend. Zusammenfassung: trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 10% 6x = 60% 3x = 30% trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 3x = 42.8% 2x = 28.6% 2x = 28,6% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 75 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 20 Die Tätigkeiten waren mehrheitlich abwechslungsreich und anregend. Die Tatsache, dass es sich um eine neue Tätigkeit handelt, generierte Abwechslung, überforderte zeitgleich routinebevorzugende Klient*innen, die sich aber an den in sich gleichbleibenden Ablauf gewöhnen könnten. Die sinnliche Erfahrbarkeit von Wasser wirkte anregend, die Faszination für Mixer, welche Gräser pürieren, war hoch. War eine Tätigkeit physisch zu anstrengend, wirkte sie schnell ermüdend. Teil B, Frage 9: Kategorie Ablauf Produkt Beteiligung Zum Arbeitsalltag in der Ateliergruppe 1C zählt das Herstellen von verkaufsfähigen Produkten. Diese müssen mit hoher Klient*innenbeteiligung entstehen. 9. Können Produkte für den Verkaufsshop mit genügend hoher Klient*innenbeteiligung entstehen? 10 der 12 möglichen Mitarbeitenden (83.3%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Die überwiegende Mehrheit stimmte der Frage zu. Unter folgenden Codes liessen sich die Frage einordnen: Karten, Deko, Schreibpapier. Zusammenfassung: Die Mehrheit der Mitarbeitenden nannte Karten, gefolgt von gestanzten Dekoobjekten oder A4-Papier. Teil C, Frage 10, Kategorie Inhalt Erleben Der Atelierbesuch soll Menschen mit Behinderung eine sinnvolle, sinnstiftende und ihren Neigungen entsprechende Arbeit, Beschäftigung und Tagesstruktur bieten. Diese Frage befasste sich sowohl mit der Kategorie Inhalt als auch Erleben. 10. Erlebten die Klient*innen die Tätigkeit als sinnstiftend. 9 der 12 möglichen Mitarbeitenden (75%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Die überwiegende Mehrheit stimmte dieser Frage zu. Die Mitarbeitenden interpretierten das Erleben der Klient*innen unter Bezugsnahme folgender Gegebenheiten: Motivation, Stolz auf Geschaffenes, Neugier, trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 4x = 40% 4x = 40% 2x = 20% trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 11.1% 5x = 55.6% 3x = 33.3% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 76 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 21 Durchhaltewillen, Interesse, erst durch Produkt in Laden, keine Ablehnung, verbal ausgedrückt. Diese bildeten die Codes. Zusammenfassung: Die Mitarbeitenden interpretieren, dass die Klient*innen die Arbeit als sinnstiftend erlebten. Dies geschah durch die in der Projektwoche vorherrschende Stimmung der Neugier und Motivation: Pausen wurden vergessen, einige Klient*innen zeigten neu ein geduldiges vertieftes Arbeitsverhalten und es herrschte anhaltend gute Stimmung. In diesem Zusammenhang wurde auch das Lied genannt. Dabei äusserten sie Stolz auf Geschaffenes. Zudem gab es keine Ablehnung gegenüber einer Tätigkeit. Mit Klient*innen, die sich verbal äussern können, wurden die sinnstiftenden Aspekte thematisiert. Eine Äusserung lautete, dass erst durch ein Produkt im Laden sinnstiftende Arbeit entstehe. Teil C, Frage 11: Kategorie Inhalt Erleben Die Kategorie Inhalt und Erleben wurde hier erfragt. 11. Hatten die Klient*innen Spass an der Arbeit? 12 der 12 möglichen Mitarbeitenden (100%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: Die überwiegende Mehrheit stimmte der Frage zu, die Hälfte sogar auf der positiven Polposition. Die Mitarbeitenden interpretierten das Spasserleben der Klient*innen unter Bezugsnahme folgender Gegebenheiten: Motivation und Eigeninitiative, ungewöhnliche Ausdauer, Neugier, Freude Mimik Lachen, positive verbale Erzählung, Stolz auf Geschaffenes. Diese bildeten die Codes. Zusammenfassung: Die Stimmung während der Projektwoche wurde als sehr gut beschrieben. Daraus lässt sich schliessen, dass die Klient*innen Spass an der Arbeit hatten. Teil C, Frage 12: Kategorie Inhalt Erleben Diese Frage gehört in die Kategorie Inhalt und Erleben. 12. Erlebtest du die Klient*innen selbstwirksam?? 10 der 12 möglichen Mitarbeitenden (83,3%) bewerteten die Frage. Die Bewertung ergab folgende Verteilung: trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 3x = 25% 3x = 25% 6x = 50% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 77 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 22 Die überwiegende Mehrheit stimmte der Frage zu. Eine Nennung erlebte keine Selbstwirksamkeit der Klient*innen. Mit folgenden Codes liess sich die Frage zusammenfassen: Selbstständigkeit, Begleiten zu Selbstständigkeit, Einlassen auf neue Erfahrungen, Produkt sehen, Überforderung Hilfsmittel. Zusammenfassung: Die Klient*innen wurden von den Mitarbeitenden mehrheitlich selbstwirksam erlebt. Dies erfolgte durch selbstständiges Arbeiten, das unmittelbare Entstehen eines Produkts, das Begleiten zu Selbstständigkeit in 1:1 Settings. Unangepasste Hilfsmittel und Überforderung stellten hinderliche Faktoren für ein Selbstwirksamkeitserleben dar. 3.3. Schlussfolgerungen Mitarbeitendenbefragung: Grundsätzlich zeichnet sich bei der Mitarbeitendenbefragung ein Bild von Ja, unter Vorbehalt für das Papierschöpfen ab. Sowohl bei den Räumlichkeiten, dem Umgang mit den Zeitgefässen, als auch bei den Hilfsmitteln müssten Anpassungen erfolgen. Bei der Gruppengrösse lassen sich keine eindeutigen Schlüsse ziehen, die Gruppeneinteilung nach Kompetenzen wird eher zu Gunsten von Gruppen mit heterogenen Kompetenzen bewertet. Die Arbeit des Papierschöpfens lässt sich in einzelne Arbeitsschritte unterteilen, so dass für alle Klient*innen Arbeiten anfallen. Für die unterschiedlichen Kompetenzen gab es genügend Arbeitsangebote. Diese wurden mehrheitlich als abwechslungsreich und anregend wahrgenommen. Routine-bevorzugende Klient*innen müssen noch an das Angebot herangeführt werden. Produktentwicklung für den Geschenkshop von Produkten mit genügend hoher Klient*innenbeteiligung ist gut möglich. Ideen reichen von Karten, über gestanzte Deko-Objekte bis zu Geschenkpapier. Laut der Befragung kann die Arbeit als sinnstiftend beschrieben werden. Sie scheint den Klient*innen Spass zu bereiten. Diese Interpretation kam durch hohe Motivation, Neugier und ungewöhnlichen Durchhaltewillen zustande. Ebenso wurden die Klient*innen von den Mitarbeitenden mehrheitlich selbstwirksam erlebt. Dies in Situationen, in welchen sie Tätigkeiten entweder selbstständig oder in 1:1 Settings ausführen konnten, sofern eine Begleitung zum selbstständigen Arbeiten möglich war. Unangepasste Hilfsmittel und Überforderung stellen hinderliche Faktoren für Selbstwirksamkeitserleben dar. Wenn Anpassungen an der Infrastruktur, Räumlichkeiten und Hilfsmitteln erfolgen, ausgewogene Gruppenzusammenstellungen vorherrschen, mindestens 2 Klient*innen mit motorischen Voraussetzungen trifft nicht zu trifft mehrheitlich nicht zu trifft eher nicht trifft eher zu trifft mehrheitlich zu trifft voll zu 1x = 10% 3x = 30% 5x = 50% 1x = 10% Simone Dubler SA 251_Praxisprojekt schöpfen aus Papier 78 M251 Projektevaluation Schöpfen aus Papier Simone Dubler 2024 23 für das Papierschöpfen besetzt sind, das Schöpfen in nur einem aber gut eingerichteten Atelier stattfindet und ein Produkt für den Geschenkshop produziert wird, eignet sich die Tätigkeit für die ATG 1c.