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Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschullehre – Konkretionen aus der Praxis

Moselewski, Anna-Lena; Zimmermann, Germo

Abstract

Nachhaltigkeit in der Hochschullehre verlangt mehr als theoretische Konzepte. Am Beispiel der CVJM-Hochschule zeigt dieser Beitrag, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung durch interdisziplinäre Studiengänge und innovative Lehr-Lern-Formate verankert werden kann.

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5|2025 FÜR ANWENDUNGSBEZOGENE WISSENSCHAFT UND KUNST Impressum HAW als Vorbilder: Nachhaltigkeit in der Praxis leben und lehren Moselewski, Anna-Lena; Zimmermann, Germo: Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschullehre – Konkretionen aus der Praxis In: Die Neue Hochschule, 2025-5, S. 20–23. Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.16942448 Persistent Identifier bei der Deutschen Nationalbibliothek: https://nbn-resolving.org/ urn:nbn:de:101:1-2025021228 Herausgeber: hlb-Bundesvereinigung e. V. Godesberger Allee 64 | 53175 Bonn Telefon: 0228 555 256-0 Chefredakteur: Prof. Dr. Jörg Brake Kirschgartenstraße 19 67146 Deidesheim Telefon: 06326 218 119 3 joerg.brak[email protected] (verantwortlich im Sinne des Presserechts für den redaktionellen Inhalt) Redaktion: Dr. Karla Neschke Telefon: 0228 555 256-0 karla.neschk[email protected] Gestaltung und Satz: Nina Reeber-Laqua, www.reeber-design.de Herstellung: Wienands Print + Medien GmbH Linzer Straße 140 | 53604 Bad Honnef Erscheinung: zweimonatlich Verbandsoffiziell ist die Rubrik „hlb aktuell“. Alle mit Namen der Autorin/des Autors versehenen Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Auffassung des hlb sowie der Mitgliedsverbände. ISSN 0340-448 x 20 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.16942448 Der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit an Hochschulen e. V. (DG HochN) zufolge tragen Hochschulen „besondere Verantwortung für globale, nationale und lokale nachhaltige Entwicklungen. Sie haben das Potenzial, für die gesamtgesellschaftliche Nachhaltigkeitstransformation wichtige Impulsgeberinnen zu sein“ (2020, S. 1). Die Verankerung einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne eines gesamtinstitutionellen Ansatzes sowie explizit die Etablierung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Hochschullehre stellen eine zentrale und dringende Herausforderung für Hochschulen dar. BNE als eine Weiterentwicklung der sogenannten „Umweltbildung“ wird dabei verstanden als: „[…] ein von den Vereinten Nationen propagiertes normatives Bildungskonzept, das auf die Nichtnachhaltigkeit zeitgenössischer Wirtschaftsweisen und Lebensstile reagiert. In den Ländern des globalen Südens zielt BNE auf die Ermöglichung einer Entwicklung innerhalb der planetaren ökologischen Grenzen. In den Ländern des globalen Nordens zielt BNE auf eine Transformation hin zu nachhaltigen Lebensund Wirtschaftsweisen und damit auf intergenerationelle und ökologische Gerechtigkeit“ (Bederna 2020, S. 1). Dabei bezieht sich BNE nicht ausschließlich auf Schulsysteme, sondern umfasst alle Altersgruppen und Lernorte wie Kindertageseinrichtungen, Jugendverbände, Hochschulen sowie Universitäten. Im Gegensatz zur Umweltbildung hat die BNE das erklärte Ziel, sowohl Analysekompetenzen als auch Lösungskompetenzen zu vermitteln und gemeinsam einzuüben, sodass Problematiken erkannt werden können, aber auch in kreativer Weise zu einer Lösung derselben und deren Umsetzung und Gestaltung beizutragen (Bederna 2020, S. 5; BMBF 2025). Deshalb liegen einer BNE folgende didaktische Prinzipien zugrunde: 1. Partizipationsorientierung: Die Zielgruppen werden aktiv in die Gestaltung der Bildungsformate eingebunden und als Beitragende wahrgenommen; 2. Visionsorientierung: Die Bildungsformate sollen Kreativität fördern und Chancen aufzeigen; 3. Vernetzendes Lernen: „lokale und globale, ökologische, soziale und ökonomische, gegenwartsund zukunftsbezogene Aspekte sollten verknüpft“ werden (Bederna 2020, S. 7). Grundsätzlich sollen die Themen und Formate an die Lebenswelt der Zielgruppe anknüpfen, um so eine hohe Attraktivität und Relevanz zu ermöglichen (BMBF 2025). Neben der Integration von Nachhaltigkeit als Querschnittsthema in Curricula sind im Sinne einer ganzheitlichen BNE auch institutionelle Maßnahmen erforderlich, um langfristige Strukturen für eine nachhaltige Entwicklung an Hochschulen zu schaffen. Die DG HochN hat dabei sechs Bereiche identifiziert, die für diesen gesamtinstitutionellen Ansatz von Bedeutung sind: Hochschulgovernance, Forschung, Lehre, Studierendenengagement, Betrieb und Transfer (2021, S. 1). Der vorliegende Beitrag untersucht anhand eines zyklischen Mehrebenenprozesses am Beispiel der CVJM-Hochschule, wie BNE praxisnah in den Bereichen Lehre und Studierendenengagement implementiert werden kann. Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschullehre – Konkretionen aus der Praxis Nachhaltigkeit in der Hochschullehre verlangt mehr als theoretische Konzepte. Am Beispiel der CVJM-Hochschule zeigt dieser Beitrag, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung durch interdisziplinäre Studiengänge und innovative Lehr-Lern-Formate verankert werden kann. Anna-Lena Moselewski, M. A., und Prof. Dr. rer. soc. Germo Zimmermann ANNA-LENA MOSELEWSKI, M. A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin [email protected] PROF. DR. RER. SOC. GERMO ZIMMERMANN Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit Prorektor der CVJM-Hochschule [email protected] https://orcid.org/0000-0002-77687504 beide: CVJM-Hochschule – University of Applied Sciences Im Druseltal 8 34131 Kassel www.cvjm-hochschule.de Foto: privatFoto: HS Flensburg 21 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Praxis: Das Beispiel der CVJM-Hochschule Das Masterstudium „Transformationsstudien: Öffentliche Theologie & Soziale Arbeit (M. A.)“ an der CVJM-Hochschule verortet sich wissenschaftstheoretisch als transformative Wissenschaft/Modus-3-Wissenschaft und baut methodisch-didaktisch u. a. auf Social Innovation Education und dem Konzept transformativer Lehre auf. Als Studiengang zwischen Theologie (Schwerpunkt Öffentliche Theologie) und Sozialarbeitswissenschaft (Schwerpunkt Sozialraumorientierung/Gemeinwesenarbeit) ist er bereits interdisziplinär im Zwischenraum zweier sich ergänzender, aber auch herausfordernder Disziplinen angelegt und zielt dabei neben dem Erhalt fachlicher und theoretischer Kompetenzen der Studierenden auch auf eine gesellschaftstransformierende Wirkung. Strukturell ist der Studiengang als berufsbegleitender Teilzeitstudiengang konzipiert. Er basiert auf einem „Blended-Learning-Konzept“, das neben einem vorwiegend asynchronen Online-Studium auch aus Präsenzzeiten und regional verorteten Intervisionsgruppen besteht. Neben vielfältigen Inhalten wie Soziale Innovation, Change-Management, Organisationsentwicklung, Sozialraumorientierung, Öffentliche Theologie und Sozialethik stehen interdisziplinäre Transformationsgrundlagen sowie Nachhaltigkeits - bildung im Fokus des Studienganges (www.transformationsstudien.de). Das dem Studiengang zugrunde liegende Transformationsverständnis bezieht sich auf Transformation sowohl als deskriptives als auch als normativ-wertendes Konzept. „Transformation meint immer mehr als irgendeine Veränderung. Transformation ist immer tiefgehend (statt oberflächlich), paradigmatisch/umfassend (statt partiell), nachhaltig (statt situativ) und systemverändernd bzw. strukturell. Es geht um eine Trans-Formation, die Neuoder Umformatierung einer bestehenden Formation“ (Künkler, Moselewski 2025, S. 9). Diese Transformation kann sich dabei entweder auf die Mikroebene einzelner Personen, also z. B. transformative Bildungsprozesse von Studierenden, auf die Mesoebene von Institutionen und Organisationen, also z. B. die nachhaltige Entwicklung einer Hochschule mit all ihren Funktionen, oder auf die gesamtgesellschaftliche Makrobzw. Metaebene, z. B. tiefgreifende Veränderungen im Bildungssystem und den -verständnissen innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe einer Großen Transformation hin zu einer ökosozialen und gerechteren Welt, beziehen. Das Masterstudium beruht auf dem „wissenschaftstheoretischen Ansatz einer transformativen Wissenschaft (Schneidewind, Singer-Brodowski 2014), die sich dezidiert als ein Akteur in der Großen Transformation versteht und diesen Prozess mit den zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Mitteln mitgestalten möchte, ohne dabei wissenschaftliche Qualitätsund Gütekriterien zu unterlaufen“ (Künkler, Moselewski 2025, S. 11). Unter transformativer Wissenschaft wird eine Wissenschaft verstanden, „die als Katalysator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse wirkt“ (Schneidewind, Singer-Brodowski 2014, S. 69) bzw. eine Wissenschaft, „die Veränderungsprozesse informieren und auch aktiv anstoßen möchte“ (Schneidewind 2018, S. 13). Somit wird das System Hochschule selbst zu einer treibenden Kraft in Veränderungsprozessen, einem sogenannten „Change-Agent", und nimmt neben Lehre und Forschung auch den Transfer bzw. die gesellschaftliche Wirkung als „third mission“ in den Blick (Modus-3-Wissenschaft). Bildungsund lerntheoretisch basiert die transformative Wissenschaft in der Regel auf dem Konzept des transformativen Lernens nach Mezirow (Mezirow 2009). Das Praxisprojekt „CVJM-Hochschule for Future“ Als ein wesentlicher Bestandteil des Studiengangs „Transformationsstudien“ kommen Praxisprojekte als sogenannte Reallabore zum Tragen. Neben den regelmäßigen Fachmodulen durchlaufen die Studierenden parallel zwei einjährige Praxismodule, deren „Transformation meint immer mehr als irgendeine Veränderung. Transformation ist immer tiefgehend (statt oberflächlich), paradigmatisch/umfassend (statt partiell), nachhaltig (statt situativ) und systemverändernd bzw. strukturell. Es geht um eine Trans-Formation, die Neuoder Umformatierung einer bestehenden Formation.“ 22 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Kern die Erarbeitung, Durchführung und Reflexion eines transformativen Praxisprojektes im sozialen oder kirchlichen Sektor ist. Die jeweiligen Praxismodule sind inhaltlich so aufgebaut, dass sie direkt an die Fachmodule anknüpfen und einen unmittelbaren Theorie-Praxis-Dialog ermöglichen. Das Praxisprojekt „CVJM-Hochschule for Future“ ist als eines dieser Reallabore im Rahmen des Masterstudiums entstanden. Die Zielsetzung des Projektes war, eine nachhaltige Entwicklung der CVJM-Hochschule und ihrer Angehörigen zu fördern sowie letztlich eine BNE zu etablieren. Das Projekt richtete seinen Fokus auf die drei bereits genannten Ebenen einer ganzheitlichen BNE. Auf der Mikroebene lag das Ziel darin, Studierende, Lehrende und Mitarbeitende für Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren, sie zu stärken und mit dem nötigen Wissen sowie den erforderlichen Fähigkeiten auszustatten. Dies sollte sie in die Lage versetzen, eigenständig Schritte zur nachhaltigen Transformation der CVJM-Hochschule und ihres sozialen Umfelds, wie beispielsweise der Stadt Kassel, zu unternehmen. Zudem sollten die Studierenden befähigt werden, in ihrem persönlichen Umfeld und in ihren späteren beruflichen Tätigkeiten in der Sozialen Arbeit sowie der Religionsund Gemeindepädagogik als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu wirken. Auf der Mesoebene stand im Mittelpunkt, nachhaltige Veränderungen im operativen Handeln der CVJM-Hochschule als Organisation anzustoßen. Dabei ging es insbesondere darum, Ressourcen zu schonen und Nachhaltigkeitsthemen dauerhaft in den organisatorischen Strukturen im Curriculum der Bachelorund Masterstudiengänge zu verankern. Auf der Makroebene verfolgte das Projekt das Ziel, Partnerschaften mit gesellschaftlich engagierten Organisationen und Bewegungen einzugehen, die sich ebenfalls für Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzen. Diese Kooperationen sollten dazu beitragen, Veränderungen im Gemeinwesen anzustoßen und langfristig eine klimagerechtere Gesellschaft zu fördern. Die Schlüsselmaßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele waren dabei das Initiieren einer studentischen Nachhaltigkeitsgruppe, die Integration von Nachhaltigkeitsthemen ins Curriculum weiterer Studiengänge (neben dem Masterstudium) sowie die institutionelle Verankerung. Die praktischen Umsetzungsschritte auf dem Weg zu diesen Maßnahmen involvierten zu Beginn einen Design-Thinking-Prozess, der auch Schlüsselpersonen wie die Hochschulleitung, Dozierende sowie Studierende involvierte. Aufgrund der COVID-19-Pandemie gelang dies mithilfe eines großen digitalen Barcamps, an dem rund 50 Personen aller Statusgruppen der Hochschule teilnahmen. Eine Folge dieser ersten Interessensabfrage und Brainstormings war dann die Gründung einer studentisch geführten Nachhaltigkeitsgruppe „CHANGE“ am Campus der CVJM-Hochschule. Im Laufe der letzten Jahre haben sich dort weit über 60 Studierende ehrenamtlich engagiert. Gegründet und gecoacht wurde die Gruppe mithilfe externer Unterstützung durch die DG HochN bzw. deren netzwerk n. Im Verlauf des Projektes kristallisierte sich diese Gruppe als Zentrum der studentischen Aktivitäten und des Engagements heraus. Die Gruppe organisierte zahlreiche Aktionen und Events wie Kleidertauschbörsen, einen übergreifenden Campustag, Spendenläufe, das Anlegen eines Blühstreifens und Insektenhotels. Eine weitere Säule des Projektverlaufes war die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in das Präsenzstudium „Religionsund Gemeindepädagogik/Soziale Arbeit (B. A.), welches der größte Studiengang der CVJM-Hochschule ist. Im Zuge der Re-Akkreditierung und Überarbeitung des Modulhandbuches konnten Nachhaltigkeitsthemen in Zusammenarbeit mit der Studiengangsleitung sowohl in Grundlagenmodulen als Querschnitt als auch in der Konzeption eines neuen Wahlpflichtmoduls „Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit“ fest verankert werden. Außerdem wurden durch eine aufwendige Fördermittelakquise über 60.000 Euro Drittmittel eingeworben (Brot für die Welt, BarbaraSchadeberg-Stiftung und Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), die es ermöglichten, eine Nachhaltigkeitsreferentin für zwei Jahre anzustellen, die weitere Lehr-Lern-Formate im Rahmen von BNE durchführte wie Lesungen, Exkursionen ans Wattenmeer sowie das oben genannte Wahlpflichtmodul partizi - patorisch mit Studierenden konzipierte und erprobte. Auch strukturelle Maßnahmen wurden ergriffen, um eine nachhaltige Entwicklung institutionell zu verstetigen. So wurden regelmäßige Gespräche mit der Hochschulleitung geführt, aber auch Fortbildungen im Mitarbeitendenteam durchgeführt. Verantwortliche für den Betrieb (z. B. Einkauf, Energie, Gebäude) wurden für ihren Verantwortungsbereich geschult und sensibilisiert. Gleichzeitig zeigen sich auch hier Herausforderungen und Desiderate, die weiterhin offen sind und als dringliche Aufgabe angesehen werden müssen: weitere Drittmittelakquise für Folgeprojekte und hauptamtlich Angestellte (auch um die Diskontinuität und Fluktuation im studentischen Engagement zu begleiten) und das langfristige In-den-Blick-Nehmen von internen Hochschulprozessen, um diese nachhaltig zu gestalten (z. B. Sanierung alter Bestandsgebäude). Fazit: Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen für HAW Zum Abschluss werden sechs Implikationen vorgestellt, die sich in den vergangenen Jahren im Masterstudiengang, in Praxisprojekten sowie in unterschiedlichen Lehr-Lern-Formaten herauskristallisiert haben und auch für andere BNE-Kontexte an Hochschulen relevant sein können. 23 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Bederna, Katrin: Bildung für nachhaltige Entwicklung. In: WiReLex, Deutsche Bibel Gesellschaft: 2020. https://doi.org/10.23768/ wirelex.Bildung_fr_nachhaltige_Entwicklung.200572 Bellina, Leonie; Tegeler, Merle T.; Müller-Christ, Georg; Potthast, Thomas: Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Hochschullehre (Betaversion). BMBF-Projekt „Nachhaltigkeit an Hochschulen: entwickeln – vernetzen – berichten (HochN)“: Bremen und Tübingen 2018. https://doi.org/10.13140/RG.2.2.17381.96489 Bundesministerium für Bildung und Forschung: Was ist BNE? https://kurzlinks.de/vwq3 – Abruf am 19.04.2025. Verbundprojekt HochN. Positionspapier HochN. Keine Nachhaltigkeit ohne Hochschulen – keine Hochschulen ohne Nachhaltige Entwicklung. BMBF-Projekt „Nachhaltigkeit an Hochschulen: entwickeln – vernetzen – berichten (HochN)“, Positionspapier 2020. https://kurzlinks.de/nn8s – Abruf am 20.08.2025. DG HochN. Nachhaltige Entwicklung von und mit Hochschulen: Handlungsempfehlungen. DG HochN, Handlungsempfehlungspapier 2021. Künkler, Tobias; Moselewski, Anna-Lena: Klimabildung initiieren und institutionalisieren. In: Kondratjuk, Maria; Schmidberger, Iris; Stricker, Tobias; Wippermann, Sven; Müller, Ullrich (Hrsg.): Bildungsmanagement und Leadership für Bildung für nachhaltige Entwicklung und Klimabildung in Hochschule und Weiterbildung (Band I). i. V., 2025. Mezirow, Jack: An overview of transformative learning. In: Illeris, Knud (Hrsg.): Contemporary Theories of Learning. New York, Routledge, 2009, S. 90–105. Schneidewind, Uwe: Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. Fischer Taschenbuch, 2018. Schneidewind, Uwe; Singer-Brodowski, Mandy: Transformative Wissenschaft. Klimawandel im deutschen Wissenschaftsund Hochschulsystem (2. Auflage). Metropolis, 2014. Singer-Brodowski, Mandy: Transformative Bildung durch transformatives Lernen. In: ZEP: Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, Nr. 1, Jg. 39, 2016, S. 13–17. 1. Der Initiierungsprozess von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an der CVJM-Hochschule verdeutlicht, dass entsprechende Entwicklungen in der Regel zyklisch und iterativ verlaufen. Ausgehend von einem durch engagierte Professorinnen und Professoren initiierten Masterstudiengang entstand ein Praxisprojekt, das wiederum nachhaltige Veränderungen auf dem Campus anstieß. In der Folge wurden neue Lehr-Lern-Formate entwickelt, die Studierende in ihrer Handlungskompetenz stärkten. Dies ermöglichte die Gründung einer studentischen Nachhaltigkeitsgruppe, die ihrerseits eine Sensibilisierung innerhalb der Studierendenschaft bewirkte. Es zeigt sich: Solche Prozesse verlaufen nicht linear oder vollständig planbar, erfordern jedoch eine bewusste Initialzündung. 2. Innovationsprozesse geschehen in der Regel auf mehreren Ebenen: So ergänzen sich sowohl „Top-down-Prozesse“ (z. B. ausgehend von der Hochschulleitung) mit „Bottom-up-Bewegungen“ (z. B. von Studierenden). Als zentral erscheinen hier die Kooperation und das vernetze Denken, welches BNE charakterisieren. Beide Zugrichtungen ermöglichen eine kreative Spannung, die langfristige Erfolge in den Blick nimmt. 3. Um möglichst viele Ebenen zu aktivieren, sich zu beteiligen und ggf. auch „Grasroot-Bewegungen“ zu formieren, ist es von großer Bedeutung, die Lehr-Lern-Formate der BNE konsequent im Theorie-Praxis-Dialog zu verankern und neben fachlichen Kompetenzen auch das soziale Miteinander, Konfliktlösungsmechanismen, Innovationsansätze sowie das kreative Denken zu fördern sowie Eigeninitiative und Empowerment zu begrüßen. 4. BNE „ist als ganzheitliche Bildung konzipiert: Sie spricht Kopf, Herz und Hand“ (Bellina, Tegeler, Müller-Christ, Potthast 2018, S. 27) an, die sogenannten Lerndimensionen knowing, acting und being (Singer-Brodowski 2016). Neben nachhaltigkeitsbezogenen Inhalten ist auch eine innovative Didaktik ausschlaggebend für den Erfolg der Lehr-Lern-Formate sowie der Einbezug der Zielgruppe, deren emotionale Betroffenheit, ethische Reflexion und ein realweltlicher Bezug. Lernen in und an der gesellschaftlichen Praxis, in „Reallaboren“, begleitet und gecoacht, angeregt zur Verantwortungsübernahme – das hat sich an der CVJM-Hochschule bewährt. 5. BNE ist umfassender als nur die Gestaltung von Lehr-Lern-Settings. Es geht um einen „Whole Institution Approach“, der auch strukturelle Veränderungen impliziert. Hierfür ist es notwendig, zentrale Stakeholder wie die Hochschulleitung oder Bereichsverantwortliche zu integrieren und in die Verantwortung zu nehmen und nicht nur einzelne Mitarbeitende für BNE zu beauftragen. 6. BNE wird durch (ehrenamtliches) Engagement getragen, dies reicht aber nicht aus. Gerade für kleinere (private) Hochschulen sind Drittmittelfinanzierungen zur erstmaligen Initiierung, aber auch für die langfristige Verstetigung der BNE zentral. Hier gilt es auch seitens der Hochschulleitung, Kapazitäten für Drittmittelmanagement (Antragstellung, Verwaltung) zu ermöglichen und dies aktiv zu unterstützen. Auch gibt es externe Beratungsstellen zum Förderwesen, die Hilfestellung bei der Suche nach geeigneten Stiftungen, Fördermittelgebern bzw. Ausschreibungen geben und Schulungen anbieten, wie Förderanträge erfolg - reich verfasst werden.