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HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFT- LICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA

Gesellschaft pro Vindonissa; Ebnöther, Christa; Lawrence, Andrew

Abstract

Ausgangspunkt des Beitrages ist ein Gefäss aus Studen BE/Petinesca, das miteiner applizierten Schmiedeszene und einem Trinkspruch versehen ist – einem«Dekor», der auf eine spezifische Funktion dieses Gefässes in einem gemein-schaftlichen Kontext, vermutlich innerhalb einer Vereinigung von Schmiede-handwerkern, hinweist. Mit der Analyse und vergleichenden Untersuchung wirdexemplarisch die Relevanz der materiellen Kultur für die Erforschung sozialerNetzwerke und gemeinschaftlicher Identitäten in der römischen Welt aufgezeigt.

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IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-ANDREW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG ianua patet cor magis IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-A NDR EW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG GESELLSCHAFT PRO VINDONISSA © 2025 by Gesellschaft Pro Vindonissa, ch-5200 Brugg Promoted by LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel, Frankfurt a. M. isbn 978-3-907662-14-4 ianua patet cor magis by individual Authors is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial 4.0 International License. www.creativecommons.org Open Access bei: www.librumopen.com doi 10.19218/3907662144 KORREKTORAT. Stefan Worminghaus, Rudolf Känel KOORDINATION. Hannes Flück, Sandra Ammann, Ana Z. Maspoli, Sven Straumann und Jörg Blum GESTALTUNGSKONZEPT, BILDREDAKTION, UMSCHLAG UND SATZ . Jörg Blum, Zürich BILDBEARBEITUNG. Thomas Humm, humm dtp Matzingen, und Jörg Blum, Zürich DRUCK. Druckhaus Müller, Langenargen (D) klima-druck.de ID-Nr. Druckprodukt CO₂ kompensiert Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik, zur Kompensation und dem gewählten GoldstandardKlimaschutzprojekt finden Sie unter klima-druck.de/ID. 24181679 Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stad t Archäologische Bodenforschung Abteilung Kultur DIE DRUCKLEGUNG WURDE ERMÖGLICHT MIT FINANZIELLEN BEITRÄGEN VON FOLGENDEN INSTITUTIONEN. Swisslos-Fonds Kanton Aargau Dr. Daniel Schuhmann Fonds Stiftung Pro Augusta Raurica Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt Kantonsarchäologie Aargau Kantonsarchäologie Solothurn Kantonsarchäologie Zürich Kantonsarchäologie St.Gallen Kantonsarchäologie Schaffhausen Archäologie, Hauptabteilung Kultur, Glarus Archäologischer Dienst Graubünden Section d’archéologie et paléontologie du Canton de Jura Römerstadt Augst Archäologie Schweiz Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz (ARS) Gesellschaft Pro Vindonissa Basler Zirkel für Urund Frühgeschichte Arbeitsgemeinschaft Prospektion Schweiz Albert-Weitnauer-Stiftung Departement Bildung und Kultur Fachstelle Archäologie        TITELBILD. Eingang mit Inschrift und Wappen der Familie von Salis. Palazzo Salis, Bondo. Foto: Andrea Badrutt ianua patet cor magis ZUM GELEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Ana Z. Maspoli TABULA GRATULATORIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 BIBLIOGRAFIE VON PETER-ANDREW SCHWARZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 LISTE DER VON PETER-ANDREW SCHWARZ AB 2007 BETREUTEN ABSCHLUSSARBEITEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 DIE VINDONISSA-PROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT BASEL – EIN INTERKANTONALES ERFOLGSMODELL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Thomas Doppler, Elisabeth Bleuer und Georg Matter 15 JAHRE LEGIONÄRSPFAD VINDONISSA: EINE ERFOLGSGESCHICHTE . . . . . . . . . . . 31 Rahel Göldi (K)EINE ZUKUNFT OHNE HERKUNFT? GEDANKEN ZUM STATUS QUO UND HERAUSFORDERUNGEN DER ARCHÄOLOGIE IN DER SCHWEIZ IM 21. JAHRHUNDERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Andrea Schaer GÄHNENDE LEERE? VERBREITUNGSKARTEN, IHRE GESCHICHTE UND INTERPRETATION AM BEISPIEL SPÄTREPUBLIKANISCHEN BRONZEGESCHIRRS 49 Holger Baitinger und Gabriele Rasbach ENTRE ARGENTORATE ET VINDONISSA LES CAMPS MILITAIRES JULIO-CLAUDIENS D’OEDENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Michel Reddé CIL III 4441 – EINE INSCHRIFT SUCHT IHREN TEMPEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Franziska Beutler, Christian Gugl, Gabrielle Kremer und Mario Wallner DIE JOCHWEIHUNG DES VETERANEN PRIMANIUS INGENU(U)S MIT NENNUNG DER CULTORES UND COLONI AUS KRATZENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Peter Henrich BUILD THAT WALL! ÜBERLEGUNGEN ZUM ARBEITSAUFWAND BEI DER ERRICHTUNG DER GALLIENISCHEN STADTMAUER VON VERONA . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Ulrich Stockinger RETOUR SUR LE BUSTE EN OR D’AVENCHES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .101 Michel E. Fuchs INHALT ianua patet cor magis KARNIVORE NEANDERTALER UND RÖMISCHE GERSTENFRESSER: ZUR VERKNÜPFUNG VON TIERISCHEM PROTEIN MIT «URSPRÜNGLICHER MÄNNLICHKEIT» UND MACHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 Brigitte Röder EQUIDEN ALS SPIEGEL VON MENSCH-TIER-BEZIEHUNGEN IN RÖMISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Claudia Gerling DONNÉES RÉCENTES SUR L’HABITAT GALLO-ROMAIN DE COURROUX (CANTON DU JURA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 Robert Fellner et Céline Robert-Charrue Linder EINE EISENPFEIFE VON DER SPÄTLATÈNEZEITLICHEN HÖHENBEFESTIGUNG MONTCHAIBEUX (JU) – ENDLICH EIN BEWEIS FÜR KELTISCHE PFEIFENRAUCHER? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141 Raphael Berger, Andreas Heege und Elena Prado EIN GLÜCKSBRINGER AUS DER VILLA RUSTICA VON FLUMENTHALATTISHOLZWALD IM KANTON SOLOTHURN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 Mirjam Wullschleger HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Christa Ebnöther und Andrew Lawrence mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry SCHON DREIMAL AUSGEGRABEN UND DENNOCH ETWAS GEFUNDEN – DIE RÖMISCHE VILLA AUF DEM LENDENBERG BEI SCHLEITHEIM . . . . . . . . . . . . . . . .179 Valentin Homberger «THE BITE OF A SNAKE» EINE GUSSFORM FÜR SCHLANGEN ARMREIFEN AUS KEMPRATEN . . . . . . . . . . . . . . . .191 Regula Ackermann, Hannes Flück und Markus Helfert AUF DER SUCHE NACH DER PIONIERBESIEDLUNG. ZUR FRÜHZEIT VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Sven Straumann, Sandra Ammann und Hans Sütterlin AUGUSTUS IN AUGST: EIN BRONZE NACHGUSS DER STATUE VON PRIMAPORTA IM GARTEN DER VILLA CLAVEL UND DIE ITALIENISCHE KUNSTINDUSTRIE . . . . 221 Martin A. Guggisberg VERFLIXT UND ZUGEMAUERT – NEUES ZUR WESTFRONT DES HAUPTFORUMS VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . 233 Juha Fankhauser, Simon Friz, Cédric Grezet und Claude Spiess VOM FEILKLOBEN ZUM SCHRAUBSTOCK – 2000 JAHRE KLEMM VORRICHTUNGEN IM HANDWERK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Alex R. Furger ERRARE HUMANUM EST: EIN ANTONINIAN FÜR TETRICUS II. MIT FEHLERHAFTER LEGENDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Markus Peter ianua patet cor magis SCHÄDEL GEFUNDEN! NEUES ZUM PLATTENGRAB BEIM FELDHOF IN AUGUSTA RAURICA/AUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Michael Baumann EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Simone Mayer ZU ZWEI NEUENTDECKTEN ZIEGELPLATTEN MIT GRAFFITI AUS DEM CASTRUM RAURACENSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Jakob Baerlocher PRIMI VINDONISSENSES – DIE SPÄTLATÈNEZEITLICHEN BRANDGRÄBER DER GRABUNG WINDISCH-SPILLMANNWIESE V.003.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Örni Akeret, Cornelia Alder, Sabine Deschler-Erb und Lara Kurmann ACHILL AUF EINEM GOLDRING MIT GLASKAMEO AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . 311 Regine Fellmann Brogli und Stefanie Martin-Kilcher EIN BISSCHEN GLAS MUSS SEIN! ZU EINER GESICHTSPERLE AUS DEM GRÄBERFELD AM REMIGERSTEIG IN VINDONISSA/BRUGG AG . . . . . . . . . 321 Sylvia Fünfschilling EINE TÖNERNE STÜTZFIGUR AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Rudolf Känel LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF . . . . . . . . . . 335 Nathalie Hertig AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Matthias Flück und Jürgen Trumm MAUERN UND MÜNZEN AUF DER EGG ZWISCHEN MANDACH UND VILLIGEN – EINE ALTE GRABUNG IN NEUEM LICHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Valentin Häseli EIN ZERSTÖRTES GRÄBERFELD DER MITTELKAISERZEIT AN DER AESCHENVORSTADT IN BASEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375 Markus Asal EXILE? ON MAIN STREET? DIE SPÄTANTIK-FRÜHMITTELALTERLICHEN BESTATTUNGEN ÖSTLICH DES MÜNSTERHÜGELS (BASEL-ANTIKENMUSEUM) UND IHR KONTEXT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 Martin Allemann und Anna Flückiger WIE KOMMT EINE TÖRICHTE JUNGFRAU VOM MÜNSTER NACH ST. LEONHARD? TRANSFER EINES BASLER STATUEN FRAGMENTES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Christoph Philipp Matt SECOND LIFE DER DINGE: BASLER SPOLIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 Hans-Rudolf Meier KOT, KULT UND KÜCHE – TAUBEN IN MARRAKESCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Thomas Reitmaier und Raphael Sele ABKÜRZUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429 171 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry Barbotinetechnik aufgetragenen, aufgemalten oder aufmodellierten (Einzel-)Figuren versehen wurden. Diese Figuren erscheinen entweder in statuarischer Frontalansicht oder im Profil neben einem Amboss und sind mit den charakteristischen Attributen eines Schmiedes ausgestattet: einer Zange in der rechten Hand, einem Hammer in der linken33 ▶ 7. Soweit jeweils erhalten, sind die Figuren bärtig und tragen eine Kappe (pileus); auf einigen Fragmenten ist zudem eine kurze (geschürzte) Tunika zu erkennen, welche die linke – und somit eigentlich die «falsche» – Schulter freilässt. Da diese ikono11 2 2 3 3 5 5 6 6 7 7 8 8 9 9 10 10 11 11 12 12 13 13 14 14 15 15 16 16 17 17 18 18 19 19 20 20 21 21 22 22 23 23 24 24 4 4 Smith Pots Britannien Gruppe 1 Gruppe 1? Gruppe 2 unklar Eisenvorkommen Siedlungen des 3. Jh. grössere städtische Siedlung kleinere städtische Siedlung militärische Siedlung 075 150 km 6 Britannia. Verbreitung der «smith pots» in Britannien. Zu den Nachweisen s. Fundortliste S. 170. 172 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry grafische Gestaltung weitgehend jener auf Volcanus geweihten Reliefs entspricht34 und sich deutlich von den Darstellungen von Eisenschmieden auf Grabsteinen unterscheidet, auf welchen die Handwerker zumeist mit unbedecktem Haupt abgebildet sind,35 ist anzunehmen, dass es sich bei diesen Einzelfiguren um Darstellungen des Gottes Volcanus handelt. Die zweite Gruppe setzt sich aus geschlossenen Gefässen, insbesondere Töpfen und Tonnen, zusammen, auf welchen keine Figuren, sondern nur die charakteristischen Werkzeuge eines Schmiedes – Zange, Hammer und Amboss – zum Teil in recht grober Ausführung angebracht wurden36 ▶ 8. Ob diese applizierten Werkzeuge als reine Objektsymbole zu verstehen sind oder ob sie pars pro toto für den Schmiedegott Volcanus stehen, bleibt unklar. Während die Fundkontexte von Gefässen mit szenischen Darstellungen weitgehend unbekannt sind, liegen für die Töpfe oder Tonnen mit applizierten Schmiedewerkzeugen einige wenige aufschluss reiche Befundund Fundkontexte vor: Zwei Exemplare stammen aus eindeutig profanen Befundzusammenhängen, genauer aus gewerblich genutzten Streifenhäusern innerhalb städtischer Siedlungen. Eines davon wurde in einem Areal entlang der Hauptstrasse in London, Southwark GB/Londinium ▶ 6,23 geborgen, wo mehrere Schmiedewerkstätten nachgewiesen wurden. In unmittelbarer Nähe, vermutlich im Hinterhofbereich, fand sich in einem Brunnen neben Bauschutt und den Knochen eines Hundes ein gut erhaltenes Schmiedegefäss37. Aus diesem sowie aus zwei anderen Brunnenverfüllungen im selben Areal konnten darüber hinaus insgesamt 42 weitere, gut erhaltene und u. a. rituell markierte respektive konnotierte Gefässe des späteren 2. Jh., darunter ein Topf mit gelochtem Boden sowie fünf Räucherkelche, geborgen werden; hinzu kommen die Skelettreste von mindestens 20 Hunden, während Knochen anderer Tiere nur vereinzelt belegt sind38. Ein vergleichbarer Befund liegt aus der südlichen Vorstadt von Lincoln GB/Colonia Domitiana Lindensium vor ▶ 6,14, wo entlang einer Strasse drei Streifenhäuser mit gewerblich genutzten Räumen dokumentiert wurden39. In einem der Gebäude kam in einer Schicht des 3. Jh. ebenfalls ein Schmiedetopf zutage – gemeinsam mit einem Phallusund einem Gesichtsgefäss40. In den beiden genannten Fällen basiert die Deutung der Schmiedetöpfe als Teil besonderer, möglicherweise ritueller Aktivitäten ausschliesslich auf ihrer Fundvergesellschaftung. Eindeutiger ist die Befundsituation im Kastell in Chester-le-Street GB/Concangis41 ▶ 6,3, die auf eine einmalige rituelle Handlung im Rahmen eines Bauopfers im nördlichen Turm des Westtores hinweist. Das dort deponierte Gefäss mit appliziertem Hammer, Zange und einem modellierten Gesicht enthielt die Knochen eines Hundes. Als letztes Beispiel soll auf einen ausserordentlich bemerkenswerten Befund in Colchester GB/Colonia Victricensis, Camulodunum ▶ 6,22 aufmerksam gemacht werden – auf den von einer doppelt geführten (oder zweiphasigen?) Umfassungsmauer umschlossenen Gebäudekomplex in der an das Tempelareal angren7 Corbridge GB/Coriosopitum. Fragment eines «smith pot» (Gruppe 1) aus einer Zerstörungsschicht des späten 2. Jh. Fundjahr 1958. Corbridge Roman Site CO944. M. 1:2. 8 Aldborough GB/Isurium Brigantum. «Smith pot». Das Gefäss kam in einem Areal mit zahlreichen Nachweisen für Eisenbearbeitung zutage (frühes 2. bis frühes 3. Jh.) und stammt aus einem Kontext des frühen/mittleren 4. Jh. (wohl sekundär umgelagert). Fundjahr 2019. Ohne Massstab. 173 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry zenden Insula XV, dessen Funktion bis heute kontrovers diskutiert wird42 ▶ 9. Ursprünglich wurde der Bau aufgrund der im etwa 1,8 m eingetieften Raum gefassten Quelle, deren Wasser über einen Kanal abgeleitet wurde43, als Badeanlage interpretiert. Insbesondere aufgrund der hier geborgenen mindestens sechs Fussfesseln und der menschlichen Knochen44 wurde später eine Deutung als carcer und schliesslich, trotz des Fehlens entsprechender Indizien, eine Interpretation als Kultgebäude respektive als Mithräum in Erwägung gezogen. Mittlerweile geht man von einer profanen Nutzung dieses Gebäudes als Wasserschloss aus – eine Interpretation, die wegen der Umfassungsmauer, die an einen Temenos erinnert, nicht ganz zu überzeugen vermag. Auch wenn letztlich offenbleiben muss, ob das aus diesem Gebäude geborgene, aussergewöhnlich umfangreiche Fundensemble in einen direkten Zusammenhang mit der ursprünglichen Raumnutzung zu setzen ist, sei an dieser Stelle kurz darauf eingegangen: Das im 4. Jh. eingebrachte oder abgelagerte Ensemble umfasst laut Fundkatalog weit über 500 Gefässe, wobei offenbar viele davon vollständig erhalten oder rekonstruierbar sind, was auf nur geringe Umlagerungsbewegungen hinweist45. Das Typenspektrum ist relativ homogen und setzt sich hauptsächlich aus Bechern (>150), Krügen (50), Flaschen bzw. Tonnen (100) sowie Schalen und Tellern (>200) zusammen. Ergänzt wird dieses Ensemble durch etwa 20 Kochtöpfe sowie vereinzelte Fragmente von Reibschalen, Deckeln und anderen Gefässformen. Einige Graffiti geben zu erkennen, dass es sich dabei nicht um das Inventar eines Lagers oder Verkaufsraumes o. Ä., sondern um tatsächlich gebrauchtes Geschirr handelt. Besonders hervorzuheben ist ein «Service», das sich allein durch Auflagen von am Rand angebrachten, plastisch geformten Wellenbändern46 vom übrigen Inventar unterscheidet und sich aus vier Flaschen47, drei Töpfen48 und einem Räucherkelch zusammensetzt ▶ 10. Zwei dieser Gefässe weisen zudem weitere Applikationen im Schulterbzw. Bauchbereich auf: Das eine ist ein Gesichtsgefäss49, auf dem anderen waren Schmiedewerkzeuge – eine Zange, ein Hammer und ein Amboss – angebracht50. Diesem speziell gekennzeichneten «Service» sind Parallelen zu den 5 m 34 Brommer 1973; Krohn 2003. 35 Zimmer 1982, Nr. 112–126; Weisgerber/Roden 1985, Abb. 15 und Abb. 20; Riva del Garda (I): F. und O. Harl, Ubi Erat Lupa, https://lupa.at/5844; Grabstein Aquileia (I): CIL 05, 08580 (letzter Zugriff 8.5.2025). 36 In manchen Fällen erscheinen diese Attribute in Kombination mit Gesichtsdarstellungen: Braithwaite 2007, 370–371. 37 Dennis 1978, 330 (1–7 St. Thomas Street, Brunnen F30); Drummond-Murray et al. 2002, 97–100; Cowan et al. 2009, 106–110. 38 Zur kritischen Diskussion weiterer ritueller Deponierungen, u.a. auch von Hunden, ausserhalb sakraler Befundkontexte: Fulford 2001 (Britannien); Lepetz/Méniel 2008 (Gallien). 39 Jones 2002, 89–93; Jones et al. 2003, 104–107. 40 Darling/Precious 2014, 156 mit fig. 132, 1407–1409. 41 Goodburn 1979, 285; Braithwaite 1984, 123–125. 42 CIMRM 829 (mögliches Mithräum); Hull 1958, 107–145; Crummy 1980, 272 mit fig. 11, 20. 43 Wacher 1995, 123; Crummy 1984, 28. 44 Hull 1958, 111 mit pl. XXI. 45 Hull 1958, 110. 46 Plastische Wellenbänder oder Fingertupfenleisten, wie sie in ähnlicher Art regelmässig an Räucherkelchen zu finden sind, lassen sich an den meisten britannischen Schmiedeund nicht selten auch an Gesichtsgefässen beobachten. Möglicherweise kam dieser Verzierung nicht nur eine dekorative, sondern (auch) eine symbolische Bedeutung (rituell konnotierte Markierung?) zu. 47 Hull 1958, fig. 63, 53; 64, 57.58 und 68, 111. 48 Hull 1958, fig. 65, 63. 49 Hull 1958, fig. 64, 60. 50 Hull 1958, fig. 57, 2; Katalogtext ebd. S. 144. 9 Colchester GB/Colonia Victricensis, Camulodunum. Links: Schematischer Gesamtplan der Koloniestadt (nach 61 n. Chr.) mit der Lage der Insula XV (roter Kreis). Rechts: L-förmiger Gebäudekomplex (schwarz: Ausgrabungen 1927; grau: Nachuntersuchungen 1954). Pfeil: Zugang; blau: Quellaufschluss im ein getieften Raum und Kanal. 174 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry anderen, oben diskutierten Fundkontexten nicht abzusprechen. Daher lässt sich eine rituelle Verwendung des Geschirrensembles, wenn nicht sogar eine rituelle Nutzung des Gebäudekomplexes in Colchester GB/Colonia Victricensis, Camulodunum in Betracht ziehen. Auch wenn die Zahl aussagekräftiger Fundkontexte britannischer «smith pots», die im Übrigen ausschliesslich zur Gruppe der Gefässe mit applizierten Werkzeugen gehören, gering ist, weisen sie durchwegs auf eine besondere, vermutlich rituelle Verwendung hin. Ob und welche Bedeutung den unterschiedlichen Applikationen, den figürlichen Darstellungen und den Bildsymbolen zukommt, bleibt ungewiss. Die Herstellungstechnik und die individuellen Ausführungen lassen jedoch kaum Zweifel daran, dass es sich um Unikate und Sonderanfertigungen handelt, die wohl im Auftrag von Schmiedehandwerkern gefertigt wurden. BILDSYMBOLE GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄTEN: VON BERUFSDARSTELLUNGEN AUF GEFÄSSEN … Berufsdarstellungen als Ausdruck der Selbstrepräsentation finden sich als Kategorie der sogenannten «Alltagsszenen» auf Grabmälern und Sarkophagen – auf Erinnerungsmalen für Hinterbliebene und Passant:innen – auf welchen die Verstorbenen mit berufstypischen Gesten, Werkzeugen oder Inventaren bei der Ausübung ihrer einstigen beruflichen Tätigkeiten dargestellt sind51. Eng damit verknüpft, da an die Öffentlichkeit gerichtet, ist die Gattung der Laden schilder, die – zwar nur selten bzw. v. a. aus Pompeji I und Ostia I überliefert52 – bildsprachlich die angebotenen Dienstleistungen von Gewerbetreibenden und Handwerkern anpreisen. Berufsdarstellungen sind auch im Zusammenhang mit entsprechenden Vereinigungen überliefert: Exemplarisch seien hier die Befunde auf der «Piazzale delle Corporazione» in Ostia I angeführt, wo verschiedene, teils in der Stadt ansässige Vereinigungen von Kaufleuten, Reedern oder sonstigen Unternehmern ihre Aktivitäten und Dienstleistungen in Schrift und Bild auf den Bodenmosaiken vor ihren stationes, also im öffent lichen Raum, präsentierten. Auch abseits dieses zentralen Platzes in «privatem» Raum, nämlich in ihren scholae, waren zuweilen neben Inschrifttafeln auch berufstypische Bildszenen angebracht, so beispielsweise in der aula der mensores oder in der Eingangshalle der schola der fabri navales53. Als kollektive Identitätszeichen wurden gemeinschaftstypische Embleme auch in Form von Standarten oder fercula bei feierlichen Prozessionen mitgeführt – etwa zum gemeinschaftseigenen Kultort oder mög10 Colchester GB/Colonia Victricensis, Camulodunum. Gekennzeichnetes «Kultservice» aus dem Gebäudekomplex in Insula XV. M. 1:8. 51 Reddé 1978; Zimmer 1982; Baltzer 1983; Langner 2002. 52 Zimmer 1982. 53 Bollmann 1998, 132 (A 32 und A 36); Egelhaaf-Gaiser 2002, 140. 54 Zu bildlichen Darstellungen von Prozessionen mit fercula-Trägern in Pompeji (I): Van der Graaf/Poehler 2021. 55 Tran 2006, 468; https://www.gdrg.ugent.be/guilddocuments/592 (letzter Zugriff 8.4.2025). 56 CIL 13, 05474/ILS 7048. (Dijon, F). 57 Ebnöther et al. 2021, 97–101. 58 Hier wären auch die Colchester-Grabbefunde, bei welchen ein vollständig erhaltener Schmiedetopf (May 1930, 146–147 mit fig. 3; Gascoyne/Radford 2013, 148) zutage gekommen war, hinsichtlich der Frage der Bestattungsfürsorge innerhalb von Vereinigungen zu prüfen. 59 Studen BE/ Petinesca, Areal Vorderberg, Haus 2, Siedlungsphasen A und B (Haus 2.1–2.6): Zwahlen 1995, 95–98. 60 Zwahlen 2020, 250–251; Ebnöther 2020, 86–88. 175 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry licherweise im Trauerzug (pompa funebris) zum Bestattungsplatz eines Vereinsmitgliedes54. Dass sich auch Schmiedehandwerker (fabri ferrarii) in Vereinigungen organisierten, ist epigrafisch belegt55, wenngleich entsprechende Zeugnisse sowohl aus Italien wie auch aus den Westprovinzen nur in geringer Zahl vorliegen: Abgesehen von drei Belegen aus dem Mittelmeerraum (Italien und Gallia Narbonensis), ist aus dem römischen Nordwesten lediglich eine einzige Votivinschrift bekannt56. Die spärliche Überlieferung dürfte weniger auf das tatsächliche Fehlen solcher Berufsgemeinschaften in diesem Gebiet zurückzuführen sein, sondern vielmehr auf die dortigen epigraphic habits. Ohne entsprechende inschriftliche Quellen gestaltet sich die Identifikation solcher Vereinigungen im archäologischen Befund als besondere Herausforderung. Sie kann lediglich über eine «Indizienbeweisführung» erfolgen, etwa über spezifisches (Kult-)Mobiliar oder -inventar. Angesichts der zentralen Rolle des gemeinsamen Kultes und des geselligen Beisammenseins in diesen Vereinen ist es durchaus denkbar, dass die Mitglieder ähnlich wie in den Kultgemeinschaften – verwiesen sei hier insbesondere auf die archäologisch gut erforschten Mithrasgemeinschaften57 – im Rahmen des gemeinsamen Kultes oder der anschliessenden Bankette und Trinkgelage auch eigens und spezifisch gekennzeichnete Gefässe verwendeten. Berufsdarstellungen und -symbole auf Gefässen sind somit vermutlich weniger als dekorative Elemente, sondern vielmehr als Ausdruck der Selbstrepräsentation und damit Identitätsstiftung spezifischer Berufsgruppen zu verstehen. Könnten sie somit als Indizien für die Identifizierung und Loka lisierung solcher Kollektive im archäologischen Befundbestand herangezogen werden? Führen uns die Fundkontexte der «smith pots» aus London GB und Lincoln GB somit gleichsam zu Versammlungslokalen von Schmiedehandwerkern innerhalb oder in unmittelbarer Nähe ihrer Werkstätten? Und könnte das Exemplar von Colchester GB sogar auf ein prominent gelegenes Versammlungsgebäude einer grösseren Gemeinschaft von Schmiedehandwerkern hinweisen58? … ZUM VEREINSLEBEN IN DER KLEINSTADT STUDEN BE/PETINESCA Kehren wir von Britannien zurück nach Studen BE/ Petinesca – zum einzigen, bisher bekannt gewordenen Exemplar eines Schmiedetopfes ausserhalb Britanniens. Da er über den Fundkontext mindestens 200 Jahre älter als die britannischen Gefässe zu datieren ist, erübrigt sich die Frage nach möglichen Kontakten zwischen den örtlichen Handwerkern und ihren Berufsgenossen jenseits des Ärmelkanals. Statt den Fokus allein auf das Motiv zu legen, sollte vielmehr das dahinterliegende Phänomen in den Blick genommen werden, nämlich die Darstellung von Berufen als potenzieller Hinweis zur Lokalisierung von Berufsgemeinschaften, die sich im archäologischen Befund ansonsten kaum zu erkennen geben. Hier fügt sich auch der «Zunftbecher» der Tuchwalker aus dem nahen Bern BE/Brenodurum nahtlos ein. Gerade der Schmiedetopf aus Studen BE/Petinesca, der zusätzlich mit einem Trinkspruch versehen ist, weist deutlich auf eine Verwendung in einem gemeinschaftlichen Rahmen hin und stützt damit auch die Interpretation als «Zunftbecher». Könnten also solche spezifisch «gekennzeichneten» Gefässe ein überzeugendes Indiz dafür sein, dass wir es hier mit Berufsgemeinschaften zu tun haben? Wie einleitend dargelegt, wurde der Schmiedetopf aus Studen BE/Petinesca aus einer am Siedlungsrand eingebrachten Planie geborgen. Sein genauer Fundort erlaubt daher leider keine direkte Zuordnung zu einem bestimmten Gebäude oder Lokal, in dem er genutzt wurde. Dass in dieser Kleinstadt jedoch Schmiedehandwerker ansässig waren, belegen entsprechende Befunde im hangaufwärts gelegenen «Unterdorf». Hier konnte in Haus 2 eine Werkstatt nachgewiesen werden, die während des gesamten 1. Jh. n. Chr. in Betrieb war59 ▶ 1,C. Die Präsenz von Berufsgemeinschaften in der Kleinstadt Studen BE/Petinesca lässt sich nicht nur für das 1. Jh., sondern auch für das 3. Jh. belegen. Ein jüngst publizierter Fundbestand liefert hierzu aufschlussreiche Hinweise: So wurde in einem Hinterraum des Hauses 18 ein gut erhaltenes, 22-teiliges Geschirrservice geborgen ▶ 1,B; 11, darunter ein aus dem Rheinland importierter Trinkbecher der Form Niederbieber 33 mit der Aufschrift fratri, die entweder als «dem Bruder» oder «beim Bruder» zu übersetzen ist. Könnte dieses Service einer weiteren, hier ansässigen Berufsvereinigung gehört haben – möglicherweise jener der Gerber60? Die Geschichte des Schmiedetopfes aus Studen BE/Petinesca liefert somit wertvolle Einblicke in das offenbar lebhafte und gesellige Vereinsleben dieser Kleinstadt in der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jh. n. Chr. am Fusse des Jäissberges. Darüber hinaus unterstreichen Funde wie dieser Topf die vielschichtige Aussagekraft materieller Kultur, die – wie dargelegt – selbst in Gebieten mit geringer Inschriftendichte wertvolle Hinweise auf soziale Netzwerke und gemeinschaftliche Identitäten liefern kann. Was also könnte passender sein, als dieses aussergewöhnliche Gefäss – einst Teil römischer Alltagsund Festkultur – gut gefüllt und mit einer Prise Frankfurt 176 ianua patet cor magis HANDWERK IM BILD Christa Ebnöther, Andrew Lawrence, mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry und einem Spritzer Salzburg vom Bernbiet ins Baselbiet weiterzureichen? Lasst uns trinken, Freunde! Auf Peter – den Quintus unserer Runde – und zu seinem Wohl, commodo! LITERATURVERZEICHNIS Allen et al. 2017: M. Allen/ S. Rippon/P. T. Bidwell/ N. Holbrook/M. Fulford (Hrsg.), New visions of the countryside of Roman Britain. Britannia Monogr. ser. 30 (London 2017). Ausbüttel 1982: F. M. Ausbüttel, Untersuchungen zu den Vereinen im Westen des römischen Reiches. Frankfurter Althist. Stud. 11 (Kallmünz 1982). Bacher 2001: R. Bacher, Un dolium à scène figurée et inscription. In: L. Flutsch (Hrsg.), Vrac. L’archéologie en 83 trouvailles. Hommage collectif à Daniel Paunier (Lausanne 2001) 14–15. Baltzer 1983: M. Baltzer, Die Alltagsdarstellungen der treverischen Grabdenkmäler: Untersuchungen zur Chronologie, Typologie und Komposition. Trierer Zeitschr. 46, 1983, 7–110. Becker/Scholz 2014: Th. Becker/M. Scholz, Eine Scheibenfibel aus Hungen-Inheiden (Lkr. Giessen) und die Besatzungen der numerus-Kastelle am Taunusund Wetteraulimes in severischer Zeit. 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Andreas Zwahlen, Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Bearbeitung Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. 2 Christine Rungger, Archäologischer Dienst des Kantons Bern. 3, 4 Jonas von Felten, Universität Bern, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. Archäologie der Römischen Provinzen. 5 Nach Martin-Kilcher/Ebnöther 2001, Abb. 1. Bearbeitung Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. 6 Andrew Lawrence, Universität Bern, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. Archäologie der Römischen Provinzen. Bearbeitung Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. 7 © English Heritage. 8 © Historic England Archive. 9 Gesamtplan Colchester nach Creighton 2006, fig. 6.1; Gebäude Insula XV: nach Crummy 1980, fig. 11.20. Umsetzung: Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. 10 Nach Hull 1958, fig. 57,2; fig. 63,53; fig. 64,57.58.60; fig. 65.63; fig. 66,82; fig. 68,111. Umsetzung: Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. 11 Nach Zwahlen 2020, Taf. 99,8–102,3. Umsetzung: Max Stöckli, artmax, Schwarzenburg. AUTORIN UND AUTOREN Christa Ebnöther: [email protected] Andrew Lawrence: [email protected] Markus Scholz: [email protected] Günther E. Thüry: [email protected] 429 ianua patet cor magis ABKÜRZUNGEN Grundsätzlich gelten die Zitier-Richtlinien und Abkürzungen der Römisch-Germanischen Kommission (vgl. Ber. RGK 71, 1990, 973 – 998; 73, 1992, 477 – 540). Zusätzlich werden folgende Abkürzungen für Zeitschriften verwendet: AKB Archäologisches Korrespondenzblatt AFS Archäologischer Führer der Schweiz AS Archäologie der Schweiz ASA Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde ASA N.F. Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, Neue Folge ASSPA Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d’Archéologie Ber. RGK Berichte der Römisch-Germanischen Kommission BPA Bulletin de l’Association Pro Aventico CAR Cahiers d’Archéologie Romande CIL Corpus Inscriptionum Latinarum HA Helvetica Archaeologica JbAK Jahresbericht aus Augst und Kaiseraugst JbAS Jahrbuch Archäologie Schweiz Jber. GPV Jahresbericht der Gesellschaft Pro Vindonissa Jber. SLMZ Jahresbericht des Schweiz. Landesmuseums Zürich JbHVFL Jahrbuch des Histor. Vereins für das Fürstentum Liechtenstein JbRGZM Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz JbSGU Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte JbSGUF Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urund Frühgeschichte MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich RIC The Roman Imperial Coinage SPM Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter UFAS Urund frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz Veröff. GPV Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa ZAK Zeitschrift für Schweiz. Archäologie und Kunstgeschichte Weitere Abkürzungen und Siglen: ADB Archäologischer Dienst Bern AE L’Année Épigraphique AR Augusta Raurica EAD Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege (Grafische Sammlung SNB) EDCS Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby GPV Gesellschaft Pro Vindonissa GS Grafische Sammlung HLS Historisches Lexikon der Schweiz HMB Historisches Museum Basel HRL Hochrhein-Limes IDR Inscriptiones Daciae Romanae ILAlg Inscriptions latines d’Algérie ILJug Inscriptiones Latinae quae in Iugoslavia … repertae et editae sunt KAAG Kantonsarchäologie Aargau KASG Kantonsarchäologie St.Gallen KDM BS Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich ÖAI Österreichisches Archäologisches Institut ÖAW Österreichische Akademie der Wissenschaften PIR Prosopographia Imperii Romani PIR² Prosopographia Imperii Romani (2. Auflage) PLRE The Prosopography of the Later Roman Empire RIB The Roman Inscriptions of Britain RIU Die römischen Inschriften Ungarns SMRA Site et Musée romains d’Avenches SNB Schweizerische Nationalbibliothek ThLL Thesaurus Linguae Latinae RPC Münz-Typ nach Burnett u.a. 1992 Allgemeine Abkürzungen: Abb. Abbildung Anm. Anmerkung B. Breite Bd. Band Beg. N. Begrawiyeh Nord bes. besonders Bsp. Beispiel bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa cf. vergleiche Dat. Datierung d. h. das heisst Dm. Durchmesser dt. deutsch ebda. ebenda ehem. ehemalig engl. englisch et al. und andere f./ff. folgende fig. figura/figure Fl. Fläche freundl. freundlich Fragm. Fragment frz. französisch Gr. Grab H. Höhe ha Hektare Imit. Imitation indet. unbestimmt insbes. insbesondere it. italienisch Jh. Jahrhundert Kat. Katalog l. links L. Länge lat. lateinisch Lit. Literatur M. Massstab max. maximal mind. mindestens N Norden n. Chr. nach Christus n. l. nach links n. r. nach rechts Nr./no. Nummer Nrn. Nummern O Osten o. ohne o. ä. oder ähnliches Pos. Position 430 ianua patet cor magis r. rechts rät. rätisch resp. respektive röm. römisch S Süden s. siehe S. Seite Sign. Signatur sog. sogenannt s. o. siehe oben St. Stärke s. u. siehe unten s. v. unter dem Stichwort (sub voce) Taf. Tafel u. und u. a. unter anderem v. a. vor allem v. Chr. vor Christus Verf. Verfasser verm. vermutlich Vorb. Vorbereitung W Westen z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil