IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-ANDREW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG
ianua patet cor magis
IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-A NDR EW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG
GESELLSCHAFT PRO VINDONISSA © 2025 by Gesellschaft Pro Vindonissa, ch-5200 Brugg Promoted by LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel, Frankfurt a. M. isbn 978-3-907662-14-4 ianua patet cor magis by individual Authors is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial 4.0 International License. www.creativecommons.org Open Access bei: www.librumopen.com doi 10.19218/3907662144 KORREKTORAT. Stefan Worminghaus, Rudolf Känel KOORDINATION. Hannes Flück, Sandra Ammann, Ana Z. Maspoli, Sven Straumann und Jörg Blum GESTALTUNGSKONZEPT, BILDREDAKTION, UMSCHLAG UND SATZ . Jörg Blum, Zürich BILDBEARBEITUNG. Thomas Humm, humm dtp Matzingen, und Jörg Blum, Zürich DRUCK. Druckhaus Müller, Langenargen (D) klima-druck.de ID-Nr. Druckprodukt CO₂ kompensiert Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik, zur Kompensation und dem gewählten GoldstandardKlimaschutzprojekt finden Sie unter klima-druck.de/ID. 24181679 Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stad t Archäologische Bodenforschung Abteilung Kultur DIE DRUCKLEGUNG WURDE ERMÖGLICHT MIT FINANZIELLEN BEITRÄGEN VON FOLGENDEN INSTITUTIONEN. Swisslos-Fonds Kanton Aargau Dr. Daniel Schuhmann Fonds Stiftung Pro Augusta Raurica Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt Kantonsarchäologie Aargau Kantonsarchäologie Solothurn Kantonsarchäologie Zürich Kantonsarchäologie St.Gallen Kantonsarchäologie Schaffhausen Archäologie, Hauptabteilung Kultur, Glarus Archäologischer Dienst Graubünden Section d’archéologie et paléontologie du Canton de Jura Römerstadt Augst Archäologie Schweiz Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz (ARS) Gesellschaft Pro Vindonissa Basler Zirkel für Urund Frühgeschichte Arbeitsgemeinschaft Prospektion Schweiz Albert-Weitnauer-Stiftung Departement Bildung und Kultur Fachstelle Archäologie TITELBILD. Eingang mit Inschrift und Wappen der Familie von Salis. Palazzo Salis, Bondo. Foto: Andrea Badrutt
ianua patet cor magis ZUM GELEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Ana Z. Maspoli TABULA GRATULATORIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 BIBLIOGRAFIE VON PETER-ANDREW SCHWARZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 LISTE DER VON PETER-ANDREW SCHWARZ AB 2007 BETREUTEN ABSCHLUSSARBEITEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 DIE VINDONISSA-PROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT BASEL – EIN INTERKANTONALES ERFOLGSMODELL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Thomas Doppler, Elisabeth Bleuer und Georg Matter 15 JAHRE LEGIONÄRSPFAD VINDONISSA: EINE ERFOLGSGESCHICHTE . . . . . . . . . . . 31 Rahel Göldi (K)EINE ZUKUNFT OHNE HERKUNFT? GEDANKEN ZUM STATUS QUO UND HERAUSFORDERUNGEN DER ARCHÄOLOGIE IN DER SCHWEIZ IM 21. JAHRHUNDERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Andrea Schaer GÄHNENDE LEERE? VERBREITUNGSKARTEN, IHRE GESCHICHTE UND INTERPRETATION AM BEISPIEL SPÄTREPUBLIKANISCHEN BRONZEGESCHIRRS 49 Holger Baitinger und Gabriele Rasbach ENTRE ARGENTORATE ET VINDONISSA LES CAMPS MILITAIRES JULIO-CLAUDIENS D’OEDENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Michel Reddé CIL III 4441 – EINE INSCHRIFT SUCHT IHREN TEMPEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Franziska Beutler, Christian Gugl, Gabrielle Kremer und Mario Wallner DIE JOCHWEIHUNG DES VETERANEN PRIMANIUS INGENU(U)S MIT NENNUNG DER CULTORES UND COLONI AUS KRATZENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Peter Henrich BUILD THAT WALL! ÜBERLEGUNGEN ZUM ARBEITSAUFWAND BEI DER ERRICHTUNG DER GALLIENISCHEN STADTMAUER VON VERONA . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Ulrich Stockinger RETOUR SUR LE BUSTE EN OR D’AVENCHES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .101 Michel E. Fuchs INHALT
ianua patet cor magis KARNIVORE NEANDERTALER UND RÖMISCHE GERSTENFRESSER: ZUR VERKNÜPFUNG VON TIERISCHEM PROTEIN MIT «URSPRÜNGLICHER MÄNNLICHKEIT» UND MACHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 Brigitte Röder EQUIDEN ALS SPIEGEL VON MENSCH-TIER-BEZIEHUNGEN IN RÖMISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Claudia Gerling DONNÉES RÉCENTES SUR L’HABITAT GALLO-ROMAIN DE COURROUX (CANTON DU JURA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 Robert Fellner et Céline Robert-Charrue Linder EINE EISENPFEIFE VON DER SPÄTLATÈNEZEITLICHEN HÖHENBEFESTIGUNG MONTCHAIBEUX (JU) – ENDLICH EIN BEWEIS FÜR KELTISCHE PFEIFENRAUCHER? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141 Raphael Berger, Andreas Heege und Elena Prado EIN GLÜCKSBRINGER AUS DER VILLA RUSTICA VON FLUMENTHALATTISHOLZWALD IM KANTON SOLOTHURN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 Mirjam Wullschleger HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Christa Ebnöther und Andrew Lawrence mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry SCHON DREIMAL AUSGEGRABEN UND DENNOCH ETWAS GEFUNDEN – DIE RÖMISCHE VILLA AUF DEM LENDENBERG BEI SCHLEITHEIM . . . . . . . . . . . . . . . .179 Valentin Homberger «THE BITE OF A SNAKE» EINE GUSSFORM FÜR SCHLANGEN ARMREIFEN AUS KEMPRATEN . . . . . . . . . . . . . . . .191 Regula Ackermann, Hannes Flück und Markus Helfert AUF DER SUCHE NACH DER PIONIERBESIEDLUNG. ZUR FRÜHZEIT VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Sven Straumann, Sandra Ammann und Hans Sütterlin AUGUSTUS IN AUGST: EIN BRONZE NACHGUSS DER STATUE VON PRIMAPORTA IM GARTEN DER VILLA CLAVEL UND DIE ITALIENISCHE KUNSTINDUSTRIE . . . . 221 Martin A. Guggisberg VERFLIXT UND ZUGEMAUERT – NEUES ZUR WESTFRONT DES HAUPTFORUMS VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . 233 Juha Fankhauser, Simon Friz, Cédric Grezet und Claude Spiess VOM FEILKLOBEN ZUM SCHRAUBSTOCK – 2000 JAHRE KLEMM VORRICHTUNGEN IM HANDWERK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Alex R. Furger ERRARE HUMANUM EST: EIN ANTONINIAN FÜR TETRICUS II. MIT FEHLERHAFTER LEGENDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Markus Peter
ianua patet cor magis SCHÄDEL GEFUNDEN! NEUES ZUM PLATTENGRAB BEIM FELDHOF IN AUGUSTA RAURICA/AUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Michael Baumann EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Simone Mayer ZU ZWEI NEUENTDECKTEN ZIEGELPLATTEN MIT GRAFFITI AUS DEM CASTRUM RAURACENSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Jakob Baerlocher PRIMI VINDONISSENSES – DIE SPÄTLATÈNEZEITLICHEN BRANDGRÄBER DER GRABUNG WINDISCH-SPILLMANNWIESE V.003.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Örni Akeret, Cornelia Alder, Sabine Deschler-Erb und Lara Kurmann ACHILL AUF EINEM GOLDRING MIT GLASKAMEO AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . 311 Regine Fellmann Brogli und Stefanie Martin-Kilcher EIN BISSCHEN GLAS MUSS SEIN! ZU EINER GESICHTSPERLE AUS DEM GRÄBERFELD AM REMIGERSTEIG IN VINDONISSA/BRUGG AG . . . . . . . . . 321 Sylvia Fünfschilling EINE TÖNERNE STÜTZFIGUR AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Rudolf Känel LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF . . . . . . . . . . 335 Nathalie Hertig AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Matthias Flück und Jürgen Trumm MAUERN UND MÜNZEN AUF DER EGG ZWISCHEN MANDACH UND VILLIGEN – EINE ALTE GRABUNG IN NEUEM LICHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Valentin Häseli EIN ZERSTÖRTES GRÄBERFELD DER MITTELKAISERZEIT AN DER AESCHENVORSTADT IN BASEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375 Markus Asal EXILE? ON MAIN STREET? DIE SPÄTANTIK-FRÜHMITTELALTERLICHEN BESTATTUNGEN ÖSTLICH DES MÜNSTERHÜGELS (BASEL-ANTIKENMUSEUM) UND IHR KONTEXT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 Martin Allemann und Anna Flückiger WIE KOMMT EINE TÖRICHTE JUNGFRAU VOM MÜNSTER NACH ST. LEONHARD? TRANSFER EINES BASLER STATUEN FRAGMENTES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Christoph Philipp Matt SECOND LIFE DER DINGE: BASLER SPOLIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 Hans-Rudolf Meier KOT, KULT UND KÜCHE – TAUBEN IN MARRAKESCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Thomas Reitmaier und Raphael Sele ABKÜRZUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429
227 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg Augustus am ehesten eine Produktionsgemeinschaft mit den beiden Rehen der Fonderia Giorgio Sommer & fils oder den Peplophoren aus der Werkstatt von Sabatino De Angelis & fils, mit denen zusammen er eine Art Grundausstattung des Gartens bildet ▶ 4. Im Katalog von J. Chiurazzi & fils und S. De Angelis & fils von 1910/11 werden sowohl die Peplophoren als auch der Augustus zum Kauf angeboten20. Die Frage, wie sich die zeitliche Diskrepanz zwischen der Erwähnung der vier Peplophoren und dem Augustus in René Clavels Korrespondenz (1918 und 1924) gegebenenfalls erklären liesse, muss an dieser Stelle allerdings offenbleiben. Die Statue des ersten römischen Kaisers erfreute sich zur Jahrhundertwende und in den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Schmuck von prunkvollen Parkanlagen allgemeiner Beliebtheit, wobei neben Bronzeauch Marmorrepliken bekannt sind. Mehrere dieser Repliken sind aus den USA überliefert. Zu ihnen gehört neben der bereits erwähnten Bronzestatue in Providence ein weiteres etwas jüngeres Bronzeexemplar im Rocicrucian Park in San José, Kalifornien, einer Anlage, die 1927 von Harvey Spencer Lewis, dem Gründer des esoterischen Rosenkreuz-Ordens «Antiquus Mysticusque Ordo Rosae Crucis», angelegt wurde21. Wie bei der Statue der Brown University und dem Augustus von Castelen ist die figürliche Statuenstütze hier ebenfalls mitkopiert worden. Zwei moderne Marmorrepliken sind aus dem Besitz von Samuel Longstreth Parrish und dem Ehepaar Mable und John Ringling bekannt. Erstere steht heute inmitten einer Büstengalerie römischer Kaiser in dem aus dem Parish Art Museum hervorgegangenen Southampton Arts Center auf Long Island22, New York, Letztere im Park der Villa Cà d’Zan in Sarasota, Florida23 ▶ 9. Eine weitere Marmorreplik wurde 2016 in New York zum Verkauf angeboten24. Sie wurde von der Verkäuferin eher allgemein der Chiurazzi-Werkstatt zugeschrieben. Worauf diese Zuschreibung basiert und wo sich die Statue vor 2016 befand, wird nicht näher erläutert. Während es eher unwahrscheinlich ist, dass René Clavel von den Augustusstatuen in den USA wusste, könnte ihm eine weitere Marmorreplik bekannt gewesen sein. Sie steht bis heute auf der Terrasse des Hotels Caesar Augustus auf der Insel Capri, wo sie um 1900 vom russischen Prinzen Emanuel Bulhak, dem seinerzeitigen Besitzer des unter dem Namen Villa Bitter bekannten Anwesens, aufgestellt worden war25 ▶ 10. Auch in diesem Fall ist die Herkunft unbekannt. Die Nähe zu Neapel legt jedoch die Annahme nahe, dass sie aus einer der dort ansässigen Marmorund Bronzekopierwerkstätten stammt. René Clavel hat Pompeji und Herculaneum persönlich besucht und könnte die Statue auf Capri bei dieser Gelegenheit gesehen haben. Denkbar wäre, dass dabei auch sein Bruder, der Künstler Gilbert Clavel, mit dem René Clavel zeitlebens eng verbunden war, eine Rolle gespielt hat. Dieser hatte von 1910 bis 1920 sein Domi zil in Anacapri unweit der Villa Bitter aufgeschlagen, bevor er auf der gegenüberliegenden Seite der Meeres bucht von Neapel den Turm von Positano auf der Halbinsel von Sorrent bezog, wo er bis zu seinem frühen Tod 1927 lebte26. Wie René Clavel in seinem selbstverfassten Lebenslauf schreibt, verbrachte er seine Ferien regelmässig in diesem Anwesen zusammen mit seinem geliebten Bruder27. Die Augustusstatue des Hotels Caesar Augustus steht am Terrassenrand hoch über dem Golf von Neapel. Dass sie in ihrer landschaftsbeherrschenden 10 Marmorkopie des Augustus von Prima Porta auf der Terrasse des Hotels Caesar Augustus, Capri.
228 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg Aufstellung die Platzierung der Statue auf Castelen beeinflusst hat, lässt sich nicht beweisen, bleibt jedoch als Denkfigur eine ansprechende Möglichkeit. In jedem Fall verdeutlicht die Statue von Capri den gartenund landschaftsgestalterischen Kontext, in dem auch die Statue von Augst zu sehen ist28. BRONZEREPLIKEN DES AUGUSTUS UND FASCHISTISCHE PROPAGANDA Die Wirkmacht der Statue blieb auch den Promotoren der faschistischen Propaganda nicht verborgen. Nachdem bereits am 21. April 1932, dem angeblichen Geburtstag Roms, eine Bronzekopie der aus trajanischer Zeit stammenden Caesarstatue im Konservatorenpalast beim Caesar-Forum aufgestellt worden war, wurden im Jahr darauf zum gleichen Anlass an der soeben fertiggestellten Via dell’Impero die Statuen von Augustus, Trajan und Nerva mit Bezug zu ihrem jeweiligen Forum errichtet und feierlich eingeweiht. Alle drei Werke stammen, ebenso wie die Caesarstatue, aus der Neapolitaner Giesserei Laganà, die in den Folgejahren im Auftrag Mussolinis zahlreiche Wiederholungen zur Aufstellung in ganz Italien (und darüber hinaus) produzierte. Als eine der ersten Städte wurde Rimini 1933 mit einer Bronzekopie der Caesarstatue aus der Giesserei Laganà «beehrt»29. Zwei weitere Kopien wurden 1935 in Cividale del Friuli vor dem dortigen Palazzo Comunale und – zusammen mit einer Augustusstatue – bei der Porta Palatina in Turin errichtet. Eine vierte Replik des Caesar wurde 1936 im Hof des von Mussolini gegründeten «Regio liceo ginnasio Giulio Cesare» in Rom platziert. 1938 wurde die Stadt Aosta von Mussolini mit zwei Abgüssen des Caesar und des Augusts beschenkt30. Mindestens zwei weitere Repliken wurden auch von der Statue des Kaisers Trajan in der Fonderia Laganà hergestellt und 1934 in Ancona und in Benevent aufgestellt31. Während die Statuen von Caesar und Trajan nur punktuelle Verbreitung fanden und diejenige des Nerva offenbar gar nicht reproduziert wurde, wurde 11 Bronzeabguss des Augustus von Prima Porta, vor dem Pavillon Italiens an der Ausstellung zum fünfzigsten Jahrestag der italienischen Immigration nach São Paulo, 1937, São Paulo. Die Statue wurde 1938 auf einem kleinen Platz in der Stadt neu errichtet und 1948 auf den grösseren Largo do Arouche versetzt. 28 Es mag verwundern, dass – im Unterschied zu den USA – aus europäischen Villen und Gärten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts keine weiteren Repliken des Augustus von Prima Porta bekannt sind. Neben einer ungenügenden Publikationslage könnte der Metallmangel während der Weltkriege hier eine Rolle spielen. So blieb die unten diskutierte Bronzestatue in Nîmes 1942 nur dank der Intervention der lokalen Bevölkerung vor dem Einschmelzen infolge einer amtlichen Anordnung zur Beschlagnahmung von Buntmetall bewahrt: http:// www.nemausensis.com/Nimes/PorteAuguste/StatueAuguste.html (15. 01. 2024). 29 Susini 2022. 30 https://www.storiavda.it/novecento.html (17.1.2024, nicht mehr zugänglich am 11.06.2025): Die Statuen standen – wie in Rom – an der örtlichen Via dell’Impero, der heutigen Avenue Conseil des Commis. 31 https://it.wikipedia.org/ wiki/Statua_di_Traiano_da_Minturno (12. 01. 2024). 32 Parisi Presicce 2013. 33 https://www.storiavda.it/novecento.html (12. 01. 2024, nicht mehr zugänglich am 11.06.2025). 34 https://www. bibliotecasalaborsa.it/bolognaonline/cronologia-di-bologna/1935/ nel_cortile_di_palazzo_daccursio__collocata_una_copia_in_ bronzo_dellaugusto_di_prima_porta (12. 01. 2024). 35 Novara 2016. 36 Die Statue wurde 1947 beim Abzug Italiens aus Kroatien entfernt und 1955 im Garten des Palazzo della Regione in Gorizia wieder aufgestellt: https://ricerca.gelocal.it/ilpiccolo/archivio/ ilpiccolo/2012/02/12/PR_59_01.html (16. 01. 2024). 37 Die Inschrift an der Basis belegt die Produktion durch die «FONDERIA CHIURAZZI, ROMA»: Die um 1870 von Gennaro Chiurazzi gegründete Firma eröffnete in zweiter Generation um 1925 eine Giessereifiliale in Rom, wo auch das Exemplar in Tarragona hergestellt worden sein dürfte, vermutlich nach einer neuen Form, die – anders als die im Katalog von 1911 angebotene Version – auf die plastische Statuenstütze verzichtete. Vgl. Balart Boïgues 2015. Ferner R. Motta, «Chiurazzi» in: Dizionario Biografico degli Italiani 25 (1981) online: https://www.treccani.it/enciclopedia/chiurazzi_(DizionarioBiografico)/ (16. 01. 2024). Zur Geschichte der Firma s. Anm. 13. 38 https://www.zaragoza.es/sede/servicio/arte-publico/191. Gemäss der Signatur auf der Basis wurde der Abguss in der Fonderia Laganà in Neapel bzw. Rom hergestellt: FOND. ART-LAGANA / NAPOLI-ROMA / A. XVIII E.F. Zum Kontext: Ara Fernández 2006, 109f.: https://zaguan.unizar.es/record/7108/files/TESIS2012-052.pdf (16. 01. 2024). 39 Balart Boïgues 2015. Bronzenachgüsse des Augustus von Prima Porta aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg sind auch von anderen Orten bekannt. Auf sie wird im vorliegenden Zusammenhang nicht näher eingegangen. 40 Pando Bueno 2022; Romanelli 1939; Mariani 1937. 41 Pando Bueno 2022. 1948 wurde die Statue auf den Largo do Arouche versetzt, wo sie heute noch steht. 42 Zu Émile Espérandieu allg.: Altit-Morvillez 2021. Zu seiner Tätigkeit in Nîmes: Altit-Morvillez 2018, 74–84.
229 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg der Augustus von Prima Porta zu einem zentralen Instrument faschistischer Denkmäler-Propaganda32. Repliken der Statue aus der Zeit des Faschismus finden sich ausserhalb Roms in den folgenden Städten: Aosta (1936)33, Bologna (1935)34, Brindisi (1935), Fano (1937), Neapel (1936), Nola (1938), Pavia (1936), Turin (1935), Ravenna (1937/38)35 und Susa (1939). Eine weitere Statue wurde beim Amphitheater von Pula, das damals noch zu Italien gehörte, errichtet36. In den meisten Fällen geht die Aufstellung der Standbilder auf die direkte Initiative Mussolinis bzw. auf die seiner unmittelbaren politischen Umgebung zurück. Die Bildwerke dienten dazu, an Orten, die mit dem Leben und Wirken des Princeps historisch verbunden waren, eine gezielte Erinnerungskultur zu erschaffen. Aber auch ausserhalb Italiens sind Bronzerepliken überliefert, wobei in erster Linie das faschistische Spanien mit den Geschenken des italienischen Diktators bedacht wurde. Bereits 193437 wurde eine erste Replik in Tarragona aufgestellt, 1940 folgte eine zweite in Saragossa38. Zwei weitere Wiederholungen in Mérida und Gijón stammen aus jüngerer Zeit und wurden nach den Vorlagen in Tarragona und Saragossa abgeformt39. Eine weitere Kopie aus der Fonderia Laganà fand 1937 im Auftrag des italienischen Aussen mininsters, Galeazzo Ciano, ihren Weg nach Brasi lien, nach São Paulo, an die grosse Gedenkausstellung zum fünfzigsten Jahrestag der offiziellen italienischen Einwanderung in die Stadt40. Dort schmückte sie zunächst den Pavillon Italiens ▶ 11, bevor sie nach dem Abbau der Ausstellung der Stadt als Geschenk überlassen und am 21. April 1938 auf einem öffentlichen Platz der Stadt, abermals im Beisein italienischer Behörden, aufgestellt wurde41. Italien war nach dem Abessinienfeldzug politisch isoliert und auf der Suche nach neuen Allianzen. Scheinbar ohne Zutun von staatlicher italienischer Seite ist hingegen eine Replik aus der Giesserei Laganà in das südfranzösische Nîmes gelangt. Der berühmte französische Altertumsforscher und Epigrafiker Émile Espérandieu (1857–1939) hatte sich um ihre Anschaffung mit öffentlichen Geldern der Stadt bemüht42. In einem auf den 14. Juli 1933 datierten Schreiben an den Stadtrat schlug er in seiner Funktion als Konservator des Museums und der römischen Monumente von Nîmes (1919–1937) vor, eine Bronzestatue bei der Giesserei Laganà zum Preis von 17500 Francs zu erwerben, da eine solche 12 Bronzeabguss des Augustus von Prima Porta, Nîmes, Porte d’Auguste.
230 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg der von Augustus zur colonia erhobenen Stadt gut anstehen würde43. Am 11. November 1939, ein halbes Jahr nach Espérandieus Tod, wurde die Statue beim römischen Tor von Nîmes aufgestellt ▶ 12. Es besteht in diesem Fall kein direkter Bezug zur Propagandamaschinerie Mussolinis, indirekt könnte diese jedoch gleichwohl involviert gewesen sein. So war Émile Espérandieu seit 1936 in zweiter Ehe mit der italophilen Literatin und Petrarca-Verehrerin Jeanne de Flandreysy verheiratet, die ihrerseits bereits in den 1920er-Jahren enge Beziehungen mit der faschistischen Bildungselite Italiens pflegte und Mussolini mindestens zweimal persönlich in Rom getroffen hatte44. Espérandieus Antrag an den Stadtrat von Nîmes erfolgte drei Jahre vor seiner Hochzeit mit Jeanne de Flandreysy. Ob er seine spätere Gattin damals schon kannte und womöglich über sie vom Angebot der Giesserei Laganà erfahren hatte, ist ungewiss. In jedem Fall bestanden in den 1920erund 1930er-Jahren in Teilen der bildungsbürgerlichen Elite der Provence erkennbare Sympathien für das faschistische Nachbarland, die u.a. mit dem gemeinsamen lateinischen Erbe begründet wurden45. Espérandieus Vorschlag, eine Kopie des Augustus von Prima Porta von der Giesserei Laganà zu erwerben, erscheint vor diesem Hintergrund mehr als zufällig, zumal ihm der faschistische Kontext des Originalabgusses aus der Neapoletaner Giesserei bekannt gewesen sein muss. In seinem oben genannten Antrag an den Stadtrat von Nîmes bezieht er sich auf die von Mussolini errichtete Statue an der Via dell’Impero, ohne sie freilich explizit zu benennen46. Auch wenn sich die genauen Modalitäten des Transfers und der Aufstellung der Augustusstatuen in vielen Fällen nicht mehr im Einzelnen eruieren lassen, offenbart sich in dem Vorgang doch klar das Bild eines vom faschistischen Regime in Rom zentral gesteuerten Propaganda-Programms. Die von Musso lini in den Städten Italiens errichteten Statuen des ersten römischen Kaisers dienten der Verbreitung und Legitimierung der faschistischen Ideologie der Romanità mit dem Diktator als neuem Augustus47. In Ergänzung zu diesem nationalen Programm etablierte sich auf internationaler Ebene eine rege «Statuendiplomatie», mit der Mussolini die politischen Beziehungen Italiens zu befreundeten Staaten zu konsolidieren versuchte. In mindestens zwei Fällen, in Tarragona und São Paulo, standen die Aktionen unter der nachweislichen Schirmherrschaft des Aussenministeriums: bei der Errichtung der Augustus statue in Tarragona war der italienische Aussenminister, Galeazzo Ciano, persönlich anwesend. FAZIT Mit dieser propagandistischen Agenda des italienischen Faschismus hat der zeitlich früher entstandene Augustus auf Castelen nachweislich nichts zu tun. Zusammen mit den vier Peplophoren und den beiden Rehen bildet er vielmehr den Kern eines statua rischen Programms, das sich an einer bis in die Renaissance zurückreichenden Tradition herrschaftlichen Gartenschmucks orientiert48. Wie die vier Peplophoren und die Rehe zeigen, liess sich René Clavel bei der Planung seines Statuengartens von der Villa dei Papiri in Herculaneum inspirieren. Das lag aufgrund seiner Faszination für die römische Antike nahe, erklärt sich aber auch mit dem verfügbaren Angebot der Neapolitaner Giessereien, das schwerpunktmässig auf die Bronzen der Vesuvstädte und hier besonders auf die Werke der Villa dei Papiri bezogen war. Die Abgüsse aus den italienischen Fonderie richteten sich an eine vermögende Kundschaft mit Wohnsitz im europäischen Ausland und in den USA49, sprachen aber auch die Besitzer der grandiosen Residenzen am Golf von Neapel selbst an, die ihren Anwesen mit den Skulpturen antikisierenden Glanz verliehen. Die Villa Bitter auf Anacapri mit der Statue des Augustus von Prima Porta wurde in diesem Zusammenhang bereits erwähnt. Ein weiteres Beispiel ist die 1904 auf älteren Strukturen errichtete Villa Cimbrone in Ravello an der Südküste der Halbinsel von Sorrent, zu deren Gartenschmuck neben einer Serie von steinernen Bildwerken sowohl der sitzende Hermes als auch die beiden Rehe und vier Peplophoren aus der Villa dei Papiri gehören50. Solche und ähnliche Villengärten im Umkreis Neapels mag René Clavel vor Augen gehabt haben, als er den Figurenschmuck seines eigenen Gartens konzipierte. Er orientierte sich damit an einem repräsentativen Statuenkanon, der um die Jahrhundertwende und in den Jahrzehnten danach ein breites antikenbegeistertes Publikum faszinierte. So finden sich etwa die beiden Herculaner Rehe zusammen mit der römi schen Wölfin, von der es auch auf Castelen einen Abguss gibt, im zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Garten des Iford Manor in Wiltshire im Südwesten Englands51. Die gleichen Tiere gehören zum Bestand der fünfzig Chiurazzi-Bronzen, die John Ringling 1925 zusammen mit zahlreichen Marmorkopien, darunter der oben genannte Augustus ▶ 9, für sein Anwesen und Museum in Sarasota, Florida, erwarb52. Eine Herculaner Peplophore steht im Garten der 1908 von Théodore Reinach erbauten Villa Kérylos in Beaulieu-sur-Mer an der Côte d’Azur53. Eine weitere Serie von Herculaner Bronzen, darunter abermals die beiden Rehe, kann bis heute auf dem Syntagma-Platz im Zentrum Athens bewundert
231 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg werden54. Und nicht zuletzt sind die beiden Rehe zu nennen, die den Landsitz Carinhall des nationalsozialistischen Feldmarschalls Hermann Göring zierten55. Die Aufzählung liesse sich leicht verlängern. Bildnisse berühmter historischer Akteure in Büstenoder Statuenform stellten in den Gartenanlagen seit der Renaissance eine beliebte Denkmälergattung dar. Sie verhalfen dem Skulpturenprogramm zu zeitlicher Tiefe und unterstrichen gleichzeitig die gesellschaftliche Selbstverortung der Auftraggeber. Im Falle des Augustus kommen zwei weitere Aspekte hinzu. Zum einen konnte der Kaiser als Referenz für den Ort dienen, an dem die Statue errichtet wurde. Dies gilt, wie wir gesehen haben, in besonderem Masse für die faschistischen Augustusstatuen in den Städten Italiens, aber auch für den Augustus von Castelen mit seinem klaren Bezug zur gleichnamigen römischen Koloniestadt zu seinen Füssen. Zum anderen konnte die Statue des Princeps zur Veranschaulichung einer besonderen kulturellen Verbundenheit des Auftraggebers mit der römischen Antike genutzt werden. Eine solche steht im Falle von René Clavel ausser Frage und darf als entscheidendes Kriterium für die Errichtung der Statue auf dem Landsitz auf Castelen angesehen werden. Aber auch andere Augustusstatuen wurden aus vergleichbarem Ideal errichtet. Zu nennen ist hier namentlich die 1906 auf dem Campus der Brown University errichtete Skulptur ▶ 7, an deren Seite zwei Jahre später eine Kopie der Reiterstatue Marc Aurels, des Philosophenkaisers par excellence, aufgestellt wurde: römische Kaiser als Garanten abendländischer Bildung und kultureller Verankerung. Wie sehr sich gerade dieses Paradigma in jüngster Zeit gewandelt hat, unterstreicht nichts deutlicher als der vehemente Protest einer studentischen Aktivistengruppe mit dem Namen “Decolonization at Brown“, die eine Entfernung der Kaiserstatuen vom Campus der Brown University forderte mit der Begründung, dass die beiden Statuen “were brought to our campus with the goals of upholding the ideal of the ‘perfect’ white form, white civilization, white supremacy and colonialism — ideas that we believe are incompatible with Brown today”56. Es ist zu hoffen, dass dieses Schicksal dem Augustus auf Castelen erspart bleibt. LITERATURVERZEICHNIS Alioth 1924: M. Alioth, Das Landhaus «Castelen» bei Augst. Das Werk. Architektur u. Kunst = L’oeuvre : architecture et art 11, 1924, 1–11. Altit-Morvillez 2018: M. Altit-Morvillez, Le commandant Espérandieu (1857-1939) et le patrimoine antique de Nîmes. Rev. Hist. moderne et contemporaine Nîmes et Gard 33, 2018, 74–84. Altit-Morvillez 2021: M. Altit-Morvillez, Emile Espérandieu (1857-1939). Un archéologue entre institution militaire et monde académique (Drémil-Lafage 2021). Ara Fernández 2006: A. Ara Fernández, Escultura contemporánea en Aragón (1940–2007) (Diss. Zaragoza, 2006) I 109f. https://zaguan.unizar.es/record/7108/files/TESIS-2012 (16.01.24). Balart Boïgues 2015: L. Balart Boïgues, L’estàtua d’August de Tarragona. Kesse: butlletí Cercle d’Estud. Hist. Socials Guillem Oliver 48, 2015, 48–57. Burckhardt 2003: S. Burckhardt, Max Alioth (1883–1868). Ein Basler Architekt in St. Moritz (Chur 2003). Campitelli 1993: A. Campitelli (Hrsg.), Il giardino del lago a Villa Borghese. Sculture romane dal classico al neoclassico (Rom 1993). Castelen 2010: ,Castelen. Geschichte und Gegenwart. Ein Führer für die Gäste der Römer-Stiftung Dr. René Clavel (Liestal 2010). 43 http://www.nemausensis.com/Nimes/PorteAuguste/Statue Auguste.html (16. 01. 2024): «Il n’est pas de Nîmois cultivé qui ne sache que Nîmes soit une colonie d’Auguste. Les armoiries ne sont qu’une allusion aux victoires qui lui donnèrent le pouvoir. Il serait souhaitable que la ville possédât une statue de ce souverain, qui rappellerait à ses habitants et aux visiteurs son antique origine. En ce moment surtout, il semble bien que la municipalité ne puisse la demander à un artiste de notre époque. Elle coûterait fort cher et, sans doute pas bien loin de 100 000 francs. Mais une occasion inespérée de présente, dont serait, peut-être possible de profiter. Il existe à Rome, au Musée du Vatican, une statue authentique d’Auguste, qui est universellement connue et qui passe pour un chef-d’œuvre de l’art sculptural. Une fonderie de Naples, la Société LAGANA est autorisée à la reproduire et possède, dans ce but un moulage de l’original qu’elle a fait exécuter pour la décoration de la ville de Rome. | Elle consent à se servir gratuitement de ce moulage pour la statue que la ville de Nîmes pourrait lui commander. | Aucune autorisation du gouvernement italien ne parait nécessaire. Il s’agit d’une œuvre antique qui se trouve dans la Cité du Vatican. La fonderie s’engagerait à nous la fournir avec tous les permis d’exportation, pour le prix de 11350 livres, soit environ 17 500 francs. La statue aurait 2,04m de haut et serait de bronze patiné, comme savent le faire les Italiens. Elle pèserait de 500 à 550 kilos. La même statue, agrandie à 2,82m, coûterait 30 000 francs, mais il ne semble pas utile de dépasser l’original de 2,04m. | Si le principe de cette statue était admis, les Musées Archéologiques pourraient contribuer à la dépense, sur leur budget annuel, pour une somme de 3000 frs environ. Au besoin, les droits d’entrée dans les monuments fourniraient le surplus. | Il ne resterait alors à fixer l’emplacement de la statue. Je suggèrerais à défaut de mieux, l’espace compris entre la Porte d’Auguste et l’habitation du côté de la Ville. La statue aurait comme fond, les cyprès qu’on a planté, il y a deux ans, contre cette habitation. Elle ne causerait aucune gêne et serait parfaitement à sa place puisque la Porte est une œuvre d’Auguste datée de l’an 16–15 avant notre ère...». 44 Poupault 2014. 45 Poupault 2014. 46 s.o. Anm. 43. Die Statue in Rom wurde am 21. April 1933 offiziell eingeweiht, Espérandieus Antrag datiert vom 14. Juli desselben Jahres. 47 Giardina 2013. 48 Campitelli 1993; Listri / Cunaccia 1998. 49 Vgl. etwa John Wanamaker (1838–1922), der 1902 in Neapel in der Fonderia J. Chiurazzi gleich 454 Bronzen für das University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology erwarb, darunter auch zahlreiche Nachgüsse der Figu ren aus der Villa dei Papiri: https://pennds.org/wanamaker/history (06.04.2024). 50 https://www.thegeographicalcure.com/post/ guide-to-villa-cimbrone (02.03.2024). 51 https://en.wikipedia. org/wiki/Iford_Manor (06.04. 2024). 52 Mattusch 2005, 346 Abb. 6.12. 53 Vian des Rives 1997. 54 Mattusch 2005, 351: https:// commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sculpture_in_Syntagma_Square (06.04. 2024); https://shuffle.cliomuseapp.com/ story/share?id=14587&lang_id=2 (06.04. 2024). 55 https://en. wikipedia.org/wiki/Carinhall (16. 01. 2024). Die zwei Rehe sind auf verschiedenen Fotos zu sehen, u.a. https://digitalcosmonaut.com/ herrmann-goering-carinhall (02.03.2024). Baubeginn des Landsitzes 1933. Drei Einkäufe Görings bei Chiurazzi & fils sind für das Jahr 1937 in den Kundenregistern der Firma verzeichnet, die Rehe sind jedoch nicht dabei: Mattusch 2005, 345. 56 https://archive.vn/lLrDo (05.04. 2024). S. auch The Brown Daily Herald 01.11. 2020: https:// www.browndailyherald.com/article/2020/11/the-statues-must-gobrown-should-not-celebrate-colonialism (02.03.2024).
232 ianua patet cor magis AUGUSTUS IN AUGST Martin A. Guggisberg Clavel-Simonius 1971: R. Clavel-Simonius, Ein Pionier der Basler Chemischen Industrie: Dr. phil. René Clavel-Simonius (1886– 1969). Basler Stadtbuch 1971, 131–136. Forrer 2020: ,Bericht Restaurierung F. Forrer GmbH 2. Nov. 2020 (unpubl.). Giardina 2013: A. Giardina, Augusto tra due bimillenari. In: Augusto. Catalogo della Mostra (Roma, 18 ottobre 2013 – 9 febbraio 2014) (Rom 2013) 57–72. Kat. Chiurazzi – De Angelis 1910: ,Bronzes, marbres, argenterie, Fonderie Artistiche Riunite J. Chiurazzi & fils. S. De Angelis & fils, Catalogo 1911 (Naples 1910). Kat. De Angelis 1900: ,Catalogue illustré de Sab. De Angelis & fils, Naples(Naples 1900). Kat. Sommer 1914: ,Catalogue illustré. Bronzes, marbres. G. Sommer & Figlio (Napoli 1914). Listri/Cunaccia 1998: M. Listri/C. M. Cunaccia, Italienische Gärten, faszinierende Gartenkunst aus fünf Jahrhunderten (Niederhausern 1998). Mariani 1937: V. Mariani, Esposizione commemorativa del cinquantenario dell’immigrazione ufficiale San Paulo del Brasile: mostra d’arte del Padiglione d’Italia (São Paulo 1937). Mattusch 2005: C. Mattusch, The Villa dei Papiri at Herculaneum: life and afterlife of a sculpture collection (Los Angeles 2005). Novara 2016: P. Novara, Una statua di Augusto per Ravenna, Confini. Arte, letteratura, storia e cultura della Romagna antica e contemporanea 52, 2016, 51–53. Pando Bueno 2022: G. Pando Bueno, Augusto paulistano: a réplica da estátua de Prima Porta em contexto: Augustus from São Paulo: the replica of the Prima Porta statue in context, Ponto Urbe. Rev. núcleo de antr. urbana da USP 30, 14.7.2022, https://journals.openedition.org/pontourbe/12710 (16.1. 2024). Parisi Presicce 2013: C. Parisi Presicce, Arte, imprese e propaganda. L’Augusto di Prima Porta 150 anni dopo la scoperta. In: E. La Rocca / C. Parisi Presicce / A. Lo Monaco / C. Giroire/ D. Roger (Hrsg.), Augusto. Catalogo della Mostra (Roma, 18 Ottobre 2013-9 febbraio 2014) (Rom 2013) 118–129. Poupault 2014: Chr. Poupault, Jeanne de Flandreysy, le palais du Roure, la Provence e l’Italie fasciste. Cahiers Méditerranée 88, 2014, 37–51. Romanelli 1939: G. Romanelli, La partecipazione italiana all’esposizione di San Paolo del Brasile 1937 – XV. Nel Cinquantenario delle leggi in favore dell’immigrazione (Roma 1939). https:// dlib.biblhertz.it/KatE-SAO5733-1937-1.html (16.1. 2024). Susini 2022: D. Susini, Una statua contaminata. L’effige bronzea di Giulio Cesare a Rimini tra storia e politica, E-Review. Rivista degli Istituti Storici dell’Emilia Romagna in Rete 2022. https://e-review. it/susini-statua-contaminata (16.1. 2024). Szeemann 1991: H. Szeemann (Hrsg.), Visionäre Schweiz im Kunsthaus Zürich 1991 (Aarau 1991). Vian des Rives 1997: R. Vian des Rives (dir.), La villa Kérylos (Paris 1997). Zanker 1987: P. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder (München 1987). ABBILDUNGSNACHWEIS 1 Foto: Susanne Schenker, Augusta Raurica. 2, 3 Foto: Jakob Baerlocher, Augusta Raurica. 4 Foto: Staatsarchiv Basel-Stadt, BALAIR 2131W. 5, 6 Foto: M. Guggisberg. 7 Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Wriston_Quadrangle,_Augustus_Caesar.jpg. 8 Foto: Raymond Butti. 9 Foto: https://www.expedia.de/Ca-DZan-NorthTrail.d6066005.POI?gallery-dialog=gallery-open. 10 Foto: https://www.artchateau.com/Article_ image_close.php?article=1000&box=1&image=1. 11 Foto nach Romanelli 1939, 65. 12 Foto: Carole Raddato. https://www.worldhistory.org/image/9817/ porte-dauguste-nimes/. AUTOR Martin A. Guggisberg:
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429 ianua patet cor magis ABKÜRZUNGEN Grundsätzlich gelten die Zitier-Richtlinien und Abkürzungen der Römisch-Germanischen Kommission (vgl. Ber. RGK 71, 1990, 973 – 998; 73, 1992, 477 – 540). Zusätzlich werden folgende Abkürzungen für Zeitschriften verwendet: AKB Archäologisches Korrespondenzblatt AFS Archäologischer Führer der Schweiz AS Archäologie der Schweiz ASA Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde ASA N.F. Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, Neue Folge ASSPA Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d’Archéologie Ber. RGK Berichte der Römisch-Germanischen Kommission BPA Bulletin de l’Association Pro Aventico CAR Cahiers d’Archéologie Romande CIL Corpus Inscriptionum Latinarum HA Helvetica Archaeologica JbAK Jahresbericht aus Augst und Kaiseraugst JbAS Jahrbuch Archäologie Schweiz Jber. GPV Jahresbericht der Gesellschaft Pro Vindonissa Jber. SLMZ Jahresbericht des Schweiz. Landesmuseums Zürich JbHVFL Jahrbuch des Histor. Vereins für das Fürstentum Liechtenstein JbRGZM Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz JbSGU Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte JbSGUF Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urund Frühgeschichte MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich RIC The Roman Imperial Coinage SPM Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter UFAS Urund frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz Veröff. GPV Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa ZAK Zeitschrift für Schweiz. Archäologie und Kunstgeschichte Weitere Abkürzungen und Siglen: ADB Archäologischer Dienst Bern AE L’Année Épigraphique AR Augusta Raurica EAD Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege (Grafische Sammlung SNB) EDCS Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby GPV Gesellschaft Pro Vindonissa GS Grafische Sammlung HLS Historisches Lexikon der Schweiz HMB Historisches Museum Basel HRL Hochrhein-Limes IDR Inscriptiones Daciae Romanae ILAlg Inscriptions latines d’Algérie ILJug Inscriptiones Latinae quae in Iugoslavia … repertae et editae sunt KAAG Kantonsarchäologie Aargau KASG Kantonsarchäologie St.Gallen KDM BS Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich ÖAI Österreichisches Archäologisches Institut ÖAW Österreichische Akademie der Wissenschaften PIR Prosopographia Imperii Romani PIR² Prosopographia Imperii Romani (2. Auflage) PLRE The Prosopography of the Later Roman Empire RIB The Roman Inscriptions of Britain RIU Die römischen Inschriften Ungarns SMRA Site et Musée romains d’Avenches SNB Schweizerische Nationalbibliothek ThLL Thesaurus Linguae Latinae RPC Münz-Typ nach Burnett u.a. 1992 Allgemeine Abkürzungen: Abb. Abbildung Anm. Anmerkung B. Breite Bd. Band Beg. N. Begrawiyeh Nord bes. besonders Bsp. Beispiel bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa cf. vergleiche Dat. Datierung d. h. das heisst Dm. Durchmesser dt. deutsch ebda. ebenda ehem. ehemalig engl. englisch et al. und andere f./ff. folgende fig. figura/figure Fl. Fläche freundl. freundlich Fragm. Fragment frz. französisch Gr. Grab H. Höhe ha Hektare Imit. Imitation indet. unbestimmt insbes. insbesondere it. italienisch Jh. Jahrhundert Kat. Katalog l. links L. Länge lat. lateinisch Lit. Literatur M. Massstab max. maximal mind. mindestens N Norden n. Chr. nach Christus n. l. nach links n. r. nach rechts Nr./no. Nummer Nrn. Nummern O Osten o. ohne o. ä. oder ähnliches Pos. Position
430 ianua patet cor magis r. rechts rät. rätisch resp. respektive röm. römisch S Süden s. siehe S. Seite Sign. Signatur sog. sogenannt s. o. siehe oben St. Stärke s. u. siehe unten s. v. unter dem Stichwort (sub voce) Taf. Tafel u. und u. a. unter anderem v. a. vor allem v. Chr. vor Christus Verf. Verfasser verm. vermutlich Vorb. Vorbereitung W Westen z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil
Open Access doi 10.19218/3907662144