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AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA

Gesellschaft pro Vindonissa; Flück, Matthias; Trumm, Jürgen

Abstract

Nach Aufgabe des kaiserzeitlichen Legionslagers Vindonissa um das Jahr101 n. Chr. wurde das Plateau am Wasserschloss der Schweiz erst wieder in derspäten Kaiserzeit befestigt. Damals erstellte man auf dem Windischer Spornöstlich der ehemaligen castra legionis eine Wehrmauer mit mächtigem vorgelager-tem Spitzgrabensystem. Der vorliegende Beitrag fasst den derzeitigen Kenntnis-stand zu dieser Befestigung zusammen, welche in der archäologisch-historischenLiteratur zumeist mit dem castrum Vindonissense der Notitia Galliarum gleich-gesetzt wird.

Full text

IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-ANDREW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG ianua patet cor magis IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-A NDR EW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG GESELLSCHAFT PRO VINDONISSA © 2025 by Gesellschaft Pro Vindonissa, ch-5200 Brugg Promoted by LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel, Frankfurt a. M. isbn 978-3-907662-14-4 ianua patet cor magis by individual Authors is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial 4.0 International License. www.creativecommons.org Open Access bei: www.librumopen.com doi 10.19218/3907662144 KORREKTORAT. Stefan Worminghaus, Rudolf Känel KOORDINATION. Hannes Flück, Sandra Ammann, Ana Z. Maspoli, Sven Straumann und Jörg Blum GESTALTUNGSKONZEPT, BILDREDAKTION, UMSCHLAG UND SATZ . Jörg Blum, Zürich BILDBEARBEITUNG. Thomas Humm, humm dtp Matzingen, und Jörg Blum, Zürich DRUCK. Druckhaus Müller, Langenargen (D) klima-druck.de ID-Nr. Druckprodukt CO₂ kompensiert Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik, zur Kompensation und dem gewählten GoldstandardKlimaschutzprojekt finden Sie unter klima-druck.de/ID. 24181679 Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stad t Archäologische Bodenforschung Abteilung Kultur DIE DRUCKLEGUNG WURDE ERMÖGLICHT MIT FINANZIELLEN BEITRÄGEN VON FOLGENDEN INSTITUTIONEN. Swisslos-Fonds Kanton Aargau Dr. Daniel Schuhmann Fonds Stiftung Pro Augusta Raurica Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt Kantonsarchäologie Aargau Kantonsarchäologie Solothurn Kantonsarchäologie Zürich Kantonsarchäologie St.Gallen Kantonsarchäologie Schaffhausen Archäologie, Hauptabteilung Kultur, Glarus Archäologischer Dienst Graubünden Section d’archéologie et paléontologie du Canton de Jura Römerstadt Augst Archäologie Schweiz Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz (ARS) Gesellschaft Pro Vindonissa Basler Zirkel für Urund Frühgeschichte Arbeitsgemeinschaft Prospektion Schweiz Albert-Weitnauer-Stiftung Departement Bildung und Kultur Fachstelle Archäologie        TITELBILD. Eingang mit Inschrift und Wappen der Familie von Salis. Palazzo Salis, Bondo. Foto: Andrea Badrutt ianua patet cor magis ZUM GELEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Ana Z. Maspoli TABULA GRATULATORIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 BIBLIOGRAFIE VON PETER-ANDREW SCHWARZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 LISTE DER VON PETER-ANDREW SCHWARZ AB 2007 BETREUTEN ABSCHLUSSARBEITEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 DIE VINDONISSA-PROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT BASEL – EIN INTERKANTONALES ERFOLGSMODELL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Thomas Doppler, Elisabeth Bleuer und Georg Matter 15 JAHRE LEGIONÄRSPFAD VINDONISSA: EINE ERFOLGSGESCHICHTE . . . . . . . . . . . 31 Rahel Göldi (K)EINE ZUKUNFT OHNE HERKUNFT? GEDANKEN ZUM STATUS QUO UND HERAUSFORDERUNGEN DER ARCHÄOLOGIE IN DER SCHWEIZ IM 21. JAHRHUNDERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Andrea Schaer GÄHNENDE LEERE? VERBREITUNGSKARTEN, IHRE GESCHICHTE UND INTERPRETATION AM BEISPIEL SPÄTREPUBLIKANISCHEN BRONZEGESCHIRRS 49 Holger Baitinger und Gabriele Rasbach ENTRE ARGENTORATE ET VINDONISSA LES CAMPS MILITAIRES JULIO-CLAUDIENS D’OEDENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Michel Reddé CIL III 4441 – EINE INSCHRIFT SUCHT IHREN TEMPEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Franziska Beutler, Christian Gugl, Gabrielle Kremer und Mario Wallner DIE JOCHWEIHUNG DES VETERANEN PRIMANIUS INGENU(U)S MIT NENNUNG DER CULTORES UND COLONI AUS KRATZENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Peter Henrich BUILD THAT WALL! ÜBERLEGUNGEN ZUM ARBEITSAUFWAND BEI DER ERRICHTUNG DER GALLIENISCHEN STADTMAUER VON VERONA . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Ulrich Stockinger RETOUR SUR LE BUSTE EN OR D’AVENCHES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .101 Michel E. Fuchs INHALT ianua patet cor magis KARNIVORE NEANDERTALER UND RÖMISCHE GERSTENFRESSER: ZUR VERKNÜPFUNG VON TIERISCHEM PROTEIN MIT «URSPRÜNGLICHER MÄNNLICHKEIT» UND MACHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 Brigitte Röder EQUIDEN ALS SPIEGEL VON MENSCH-TIER-BEZIEHUNGEN IN RÖMISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Claudia Gerling DONNÉES RÉCENTES SUR L’HABITAT GALLO-ROMAIN DE COURROUX (CANTON DU JURA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 Robert Fellner et Céline Robert-Charrue Linder EINE EISENPFEIFE VON DER SPÄTLATÈNEZEITLICHEN HÖHENBEFESTIGUNG MONTCHAIBEUX (JU) – ENDLICH EIN BEWEIS FÜR KELTISCHE PFEIFENRAUCHER? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141 Raphael Berger, Andreas Heege und Elena Prado EIN GLÜCKSBRINGER AUS DER VILLA RUSTICA VON FLUMENTHALATTISHOLZWALD IM KANTON SOLOTHURN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 Mirjam Wullschleger HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Christa Ebnöther und Andrew Lawrence mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry SCHON DREIMAL AUSGEGRABEN UND DENNOCH ETWAS GEFUNDEN – DIE RÖMISCHE VILLA AUF DEM LENDENBERG BEI SCHLEITHEIM . . . . . . . . . . . . . . . .179 Valentin Homberger «THE BITE OF A SNAKE» EINE GUSSFORM FÜR SCHLANGEN ARMREIFEN AUS KEMPRATEN . . . . . . . . . . . . . . . .191 Regula Ackermann, Hannes Flück und Markus Helfert AUF DER SUCHE NACH DER PIONIERBESIEDLUNG. ZUR FRÜHZEIT VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Sven Straumann, Sandra Ammann und Hans Sütterlin AUGUSTUS IN AUGST: EIN BRONZE NACHGUSS DER STATUE VON PRIMAPORTA IM GARTEN DER VILLA CLAVEL UND DIE ITALIENISCHE KUNSTINDUSTRIE . . . . 221 Martin A. Guggisberg VERFLIXT UND ZUGEMAUERT – NEUES ZUR WESTFRONT DES HAUPTFORUMS VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . 233 Juha Fankhauser, Simon Friz, Cédric Grezet und Claude Spiess VOM FEILKLOBEN ZUM SCHRAUBSTOCK – 2000 JAHRE KLEMM VORRICHTUNGEN IM HANDWERK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Alex R. Furger ERRARE HUMANUM EST: EIN ANTONINIAN FÜR TETRICUS II. MIT FEHLERHAFTER LEGENDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Markus Peter ianua patet cor magis SCHÄDEL GEFUNDEN! NEUES ZUM PLATTENGRAB BEIM FELDHOF IN AUGUSTA RAURICA/AUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Michael Baumann EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Simone Mayer ZU ZWEI NEUENTDECKTEN ZIEGELPLATTEN MIT GRAFFITI AUS DEM CASTRUM RAURACENSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Jakob Baerlocher PRIMI VINDONISSENSES – DIE SPÄTLATÈNEZEITLICHEN BRANDGRÄBER DER GRABUNG WINDISCH-SPILLMANNWIESE V.003.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Örni Akeret, Cornelia Alder, Sabine Deschler-Erb und Lara Kurmann ACHILL AUF EINEM GOLDRING MIT GLASKAMEO AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . 311 Regine Fellmann Brogli und Stefanie Martin-Kilcher EIN BISSCHEN GLAS MUSS SEIN! ZU EINER GESICHTSPERLE AUS DEM GRÄBERFELD AM REMIGERSTEIG IN VINDONISSA/BRUGG AG . . . . . . . . . 321 Sylvia Fünfschilling EINE TÖNERNE STÜTZFIGUR AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Rudolf Känel LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF . . . . . . . . . . 335 Nathalie Hertig AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Matthias Flück und Jürgen Trumm MAUERN UND MÜNZEN AUF DER EGG ZWISCHEN MANDACH UND VILLIGEN – EINE ALTE GRABUNG IN NEUEM LICHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Valentin Häseli EIN ZERSTÖRTES GRÄBERFELD DER MITTELKAISERZEIT AN DER AESCHENVORSTADT IN BASEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375 Markus Asal EXILE? ON MAIN STREET? DIE SPÄTANTIK-FRÜHMITTELALTERLICHEN BESTATTUNGEN ÖSTLICH DES MÜNSTERHÜGELS (BASEL-ANTIKENMUSEUM) UND IHR KONTEXT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 Martin Allemann und Anna Flückiger WIE KOMMT EINE TÖRICHTE JUNGFRAU VOM MÜNSTER NACH ST. LEONHARD? TRANSFER EINES BASLER STATUEN FRAGMENTES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Christoph Philipp Matt SECOND LIFE DER DINGE: BASLER SPOLIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 Hans-Rudolf Meier KOT, KULT UND KÜCHE – TAUBEN IN MARRAKESCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Thomas Reitmaier und Raphael Sele ABKÜRZUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429 349 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm Im südlichen Anschluss an das Mauerfundament verläuft eine Kiesschicht (Nr. 18) mit OK auf 360,15– 360,35mü.M., welche als einzige Schicht innerhalb der Stratigrafie gegen das Mauerfundament hin ansteigt – folglich mit einer vertikalen Grenze rechnet – und an der OK ein dünnes Kalkband (Nr. 19) aufweist50. Darüber folgt ein ca. 0,3m starkes Schichtpaket, das auffallend viel grossfragmentierten Ziegelbruch sowie unsortiertes Steinmaterial enthält und damit wohl einer Bauschuttplanie entspricht. Mutmasslich handelt es sich bei den Schichten 18 und 19 um den Bauplatz zur Befestigungsmauer51. Trifft diese These zu, so wäre die UK der Schicht (ca. 360,05mü.M.) in etwa dem Ansatz des Sichtmauerwerks gleichzusetzen. Die effektive Höhe des Fundamentmauerwerks liesse sich damit recht präzise auf 1,2m beziffern. Die Befestigungsmauer bzw. ihr in weiten Teilen nur noch als Ausbruchgraben fassbarer Verlauf überlagerte Teile einer frühund mittelkaiserzeitlichen Badeanlage; absolutchronologische Indizien für den Baubeginn an der Befestigung liegen aber nicht vor. Die letzten fassbaren Baumassnahmen am Bad werden in das späte 2. bis frühe 3.Jh. gesetzt52. Setzt man die Laufniveaus des jüngsten Ausbauzustandes des Bades (359,02–359,10 mü.M.) in Relation zum oben postulierten Bauplatz der Befestigungsmauer auf rund 360,05mü.M., so wird deutlich, dass zwischen dem Abriss des Bades und dem Bau der Befestigung Kubaturen von rund 1m Mächtigkeit aufplaniert worden sein müssen. Davon zeugt ein mehrfach 1 2 3 4567 8 9 10 11 12 361.00 359.00 357.00 355.00 361.00 359.00 357.00 355.00 0 2 46810 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 58 60 62 Graben III Befestigungsmauer Graben IIGraben I Kiesschicht (Schicht 18) mit dünner Kalkschicht an der OK (Schicht 19) Rekonstruierte Kubatur der Befestigungsmauer Rekonstruierte Gebäude an der Mauerinnenseite in Leichtbauweise Stratigrafische Verortung der Münzfunde von V.34.3 1: Probus (Kat.-Nr. 5642) 2: Theodosius M. (Kat.-Nr. 5643) 3: Theodosius M. (Kat.-Nr. 5644) 4: Arcadius (Kat.-Nr. 5645) 5: Constans (Kat.-Nr. 5646) 6: Theodosius (?) (Kat.-Nr. 5647) 7: Constans oder später (Kat.-Nr. 5648) 8: Gratianus (Kat.-Nr. 5649) 9: Valens (Kat.-Nr. 5650) 10: Maximinus (Kat.-Nr. 5661) 11: Valens (?) (Kat.-Nr. 5662) 12: Valentinian I. (Kat. 5663) 3 010 p 5 m 40 Doppler 2013, 324–326; Peter 2022, 342–345. In diesem Kontext ist auf die Bedeutung der sich in Arbeit befindlichen Edition der Gesamtmünzreihe von Vindonissa hinzuweisen. 41 Abb. 5 Nr. 17, 18 und 19. Publizierte Vorberichte bei Lüdin 1969/70a; Lüdin 1969/70b; Schwarz/Bellettati 2009. 42 Die Wehrmauer von Augst-Kastelen weist mit 2,5–2,6m eine identische Breite der Fundamentgrube auf (Schwarz 2002, 97). 43 Identische Anordnung der Fundamentstickung in Augst-Kastelen (Schwarz 2002, 100 Abb. 53; 114–155 Abb. 67–68), im Kastell von Pfyn (Brem et al. 2008, 47–48) oder auch auf dem Breisacher Münsterberg (Zagermann 2011, 157–158). 44 Lüdin 1969/70a, 65. Auch an der Wehrmauer von Augst-Kastelen ist eine solche Ausgleichsschicht aus gestampftem Lehm an der OK der Fundamentstickung belegt (Schwarz 2002, 100 Abb. 53; 104; 114–115 Abb. 67–68; Beil. 10 Profil 101). Einen Wechsel von Lehmschichten und schräg gesetzten Geröllen zeigt auch die spät antike Wehrmauer von Basel (Asal 2017, 77). 45 Lüdin 1969/70a, 65; Grossplan V 1557 im Archiv der Kantonsarchäologie Aargau. Lagen von Grossquadern, oftmals in sekundärer Verwendung als Spolien an der Basis des Sichtmauerwerks, sind ein Charakteristikum spätrömischer Befestigungen (Fourdrin 2019, 137–138). 46 Grabungsmeldung Abb. 16, Nr. 7. Vgl. Heuberger/ Fels 1923, 101–102 (Schnitt a–b); publiziert als Schnitt P–P auch bei LaurBelart 1935a, 166; 169 Abb. 5 P–P. 47 Die Pfostennegative wurden seinerzeit vermutlich nicht ausgenommen, Anhaltspunkte zur UK der Negative sind daher nicht vorhanden. 48 Eine Erweiterung des Wehrganges in Form einer Holzkonstruktion ist zwar nicht vollends auszuschliessen, erscheint in Anbetracht der sich dann ergebenden Breite des Wehrgangs von bis gegen 4m allerdings wenig realistisch. Ein ähnlicher Befund ist von der Befestigung auf Augst-Kastelen bekannt. Die Pfostennegative werden dort allerdings als Teil des Baugerüstes der Wehrmauer gedeutet (Schwarz 2002, 169; 170 Abb. 97. Zur Thematik der Baugerüste bei spätantiken Befestigungen vgl. Fourdrin 2019, 151–152). Im Innern der spätrömischen Befestigung von Pfyn sind Gebäude in Leichtbauweise belegt, die direkt an die Kastellmauer angebaut waren (Brem et al. 2008, 57–59). 49 Grabung Abb. 16, Nr. 17, originale Feldaufnahmen Nr. 95 und 96 sowie Grosspläne V 1569 und V 1570 im Archiv der Kantonsarchäologie Aargau. Publiziert bei Lüdin 1969/70b, Beil. 3 (Profil P2). 50 Vgl. Nachweis im Planum: Feldaufnahme Nr. 19 von V.69.1 (UK 359,91, OK 360,01mü.M.). 51 Interessant ist in diesem Zusammenhang das Südwestprofil durch ein spätrömisches «Spolienfundament» im Bereich des früh-/mittelkaiserzeitlichen Bades, welches ein analoges Bauniveau im Bereich von rund 359,90mü.M. aufweist (Bellettati/ Schwarz 2009, 92 Abb. 33). 52 Bellettati/Schwarz 2009, 92. 350 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm im Bereich östlich der Befestigungsmauer beobachtetes Schichtpaket mit planiertem Bauschutt53. Aus den wenigen Profilaufnahmen der Stratigrafie zwischen Befestigungsmauer und dem Ansatz des östlichsten Befestigungsgrabens ist zu erschliessen, dass das Laufniveau zur Mauer hier rund 0,5m tiefer lag als östlich davon. Durch den Niveauunterschied des Terrains beidseits der Mauer bedingt, kam der Befestigungsmauer auch die Funktion einer Terrassenmauer zu (vgl. ▶ 6). Die Breite des Mauerfundamentes von rund 2,5m wird zum Anlass genommen, für das Sichtmauerwerk eine Breite von 2,4m, d. h. rund 8 römischen Fuss, zu rekonstruieren. Um das dreifache Spitzgrabensystem vom Wehrgang der Mauer einigermassen vollständig einsehen zu können, wäre eine Mindesthöhe von 6m, d. h. rund 20Fuss vorauszusetzen54 (vgl. ▶ 6). EINE RANDBEFESTIGUNG? Wie dargelegt, kennt man von der späten Windischer Befestigung bislang lediglich eine bogenförmig bzw. mehrfach abgewinkelt verlaufende AbschnittsbefesAare Reuss 1:5000 Zivilsiedlung West V.003.1 V.002.11 V.67.2, V.68.2, V.69.1, V.70.4 V.34.3 V.64.4 0100200 m Prägezeitraum 254–305 Prägezeitraum 305–353 Prägezeitraum 353–403 Umriss Legionslager 2. Hälfte 1. Jh. 7 Hochplateau von Windisch mit Ausweis ausgewählter, spätrömischer Münzkurven aus dem Bereich der westlichen Zivilsiedlung, des Bereiches am Südtor (V.003.1), des Bereiches östlich der principia (V.002.11) sowie mehrerer Untersuchungen im Bereich der spätrömischen Befestigung (Plangrundlage M. 1:5000). 351 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm tigung, die auf rund 190m Länge den Sporn vom westlich anschliessenden Teil des Hochplateaus abriegelt. Grundsätzlich ist aber denkbar, dass das gesamte, rund 2,5 ha grosse Gebiet des Sporns von einer Wehrmauer umschlossen war, wobei an den Terrassenkanten hinunter zu Aare und Reuss wohl keine vorgelagerten Spitzgräben nötig waren. Trifft diese Vermutung zu, so wäre für die Wehrmauer von einer Gesamtlänge von 650 bis 700m auszugehen55. Sichere Befunde, die auf eine solche Randbefestigung verweisen, können in den überlieferten Grabungsdokumentationen bislang aber nicht herausgelesen werden. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf eine «auffallend breite», weil ca. 2m breite Mauer ganz im Südwesten der Befestigung, nahe der Hangkante zur Reuss und parallel zu dieser verlaufend. Diese Mauer wurde auf einem zeitgenössischen Plan von 1904 als «mutmassliche Castralmauer» bezeichnet56. Ein vergleichbares, ebenfalls parallel zur Terrassenkante verlaufendes Mauerstück wurde möglicherweise auch am gegenüberliegenden Nordhang gefunden. Der einzige Hinweis hierfür ist ein Eintrag auf einem unpublizierten Grossplan, der um 1930 angefertigt wurde57. An der entsprechenden Stelle, zwischen Friedhofsmauer und bewaldetem Nordhang hinab zur Aareniederung, haben bis heute aber keine archäologischen Untersuchungen stattgefunden. Ungeklärt in Bezug auf Datierung und Funktion bleiben bis auf weiteres auch mehrere auffallend massive Mauerzüge, die 1898 am nordöstlichen Steilhang des Kirchhügels zusammen mit zahlreichen spätrömischen Münzen gefunden wurden58. Die ehemalige Grenze der befestigten Siedlung im Osten ist derzeit kaum zu ermitteln und in ihrer architektonischen Ausprägung noch vollkommen unbekannt. Vermutlich orientierte sie sich am heute modern überprägten, von verschiedenen Hangstützmauern gesicherten, aber immer noch deutlich erkennbaren Steilhang östlich der Dorfkirche Windisch bzw. des Pfarrhauses ▶ 9. PARALLELEN In ihrer Bauweise weist die spätrömische Befestigung auf dem Windischer Sporn deutliche Bezüge zur zwischen 276 und 282n.Chr. erstellten Anlage von Augst-Kastelen59 sowie derjenigen von Basel-Münsterhügel aus dem letzten Drittel des 3. Jh.60 auf. Insbesondere zu Augst-Kastelen sind die Parallelen frappant: Auch dort schloss eine 2,4 m breite Wehrmauer mit Fundation aus fischgrätartig verlegten Bruchsteinen, Lehm-Ausgleichsschichten und Spolienlage ein Hochplateau ab. Zudem waren der Befestigung an der Südseite drei Spitzgräben mit einer Gesamtbreite von 38 m vorgelagert. Das Befestigungssystem mit Wehrmauer, Berme und dreifachem Spitzgrabensystem erreichte eine Gesamtbreite von rund 50m, was dem Breitenmass der Anlage auf dem Windischer Sporn entspricht61. Aufgrund der Bauweise und der an das Gelände angepassten Linienführung der Befestigung auf dem Windischer Sporn ist dem53 Vgl. Lüdin 1969/70a, 60; Lüdin 1969/70b, Beil. 3 (Profil P2, Schicht 17); Bellettati/Schwarz 2009, 92 Abb. 33; 94. 54 Bei der Frage nach der Höhe spätantiker Befestigungen ist auf die Beschreibung der spätantiken Stadtmauer von Dijon von Gregor von Tours (Hist. Franc. III, 19) hinzuweisen, der eine Höhe von 20 Fuss für das Grossquadermauerwerk und von 10 Fuss für das darüberliegende Kleinquadermauerwerk nennt. Es ergibt sich daraus eine Gesamthöhe von knapp 10 m. Anhaltspunkte zur baulichen Rekonstruktion liefern insbesondere die gut erhaltenen Stadtmauern in Nordgallien (vgl. Bayard/Fourdrin 2019) oder am norischen Donaulimes (vgl. Ployer 2018). 55 Die rekonstruierte Länge der Befestigungsmauer von Augst-Kastelen liegt mit rund 730 m bei einem vergleichbaren Wert. 56 Abb. 5 Nr. 14. 57 Abb. 5 Nr. 23. 58 Abb. 16 Nr. 38. 59 Schwarz 2002, 167–182; 428–431. Vergleich der beiden Anlagen auch bei Flück 2022, 299–302; bes. 302 Abb. 439. 60 Asal 2017, 290–296. 61 Eine identische Distanz von rund 50 m zwischen Wehrmauer und äusserstem Spitzgraben zeigt auch die Anlage von Arbon (Brem u.a. 1992, 47). 8 Windisch-Friedhof 1969 und 1970 (Nr. 17 auf Abb. 16). Intaktes Teilstück der spätantiken Befestigungsmauer (Bildmitte) und östlich davon (Bildvordergrund) in Form von in «Zeugenblöcken» dokumentierten Pfostenstellungen mit Keilsteinen. 9 Aktuelles Drohnenfoto mit dem Windischer Sporn von Osten. Wie ein Hohlweg erklimmt die Dorfstrasse den Steilhang mit seinen modernen Terrassenmauern. 352 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm nach ein gemeinsamer funktionaler Ursprung mit den Anlagen in Augst-Kastelen und Basel-Münsterhügel im späten 3.Jh. plausibel. Die im Grundriss glockenförmige, unmittelbar an die Aare grenzende Anlage von Brugg-Altenburg62 lässt sich aufgrund ihrer Architektur und Bauweise hingegen den massiv befestigten und andere Funktionen übernehmenden Flusskastellen der zweiten Hälfte des 4.Jh. zu ordnen. INNENBAUTEN Bis heute sind innerhalb der von der Abschnittsbefestigung im Westen und den steilen Hangkanten im Norden und Süden begrenzten, mind. 2,5ha messenden Fläche nur wenige Befunde bekannt, die man als mögliche Innenbauten der spätrömischen Befestigung deuten könnte. Sicher nicht in diesen funktionalen Kontext gehört, wie bereits erwähnt, die Thermenanlage im Nordwesten des Windischer Sporns, da sie abgerissen wurde, um der spät römischen Befestigung Platz zu machen. Ein Fundamentwinkel, der unmittelbar östlich der Be festigungsmauer ansetzte und über abgerissene Reste der Thermen zog ▶ 10, dürfte zu einem Innenbau der Befestigung gehört haben. Mehrere im Fundament verwendete Bruchstücke von Pilastern und anderen Werksteinen stammen von abgerissenen Stein bauten des kaiserzeitlichen Legionslagers oder der um liegenden Zivilsiedlung63. Eine weitere Spolie, ein Quader aus Kalksinter mit Darstellung eines Phallus und der Ritzinschrift habui tremorem64 ▶ 11, fand sich 1969 «zusammen mit einem schönen korinthischen Kapitel und einfachen behauenen Tuffquadern» – gemäss dem Ausgräber aber nicht unmittelbar in einer «Spolienmauer», sondern in einer linearen, wenig massiven Stein - setzung un mittelbar auf der Berme bzw. der Einfüllung des Spitzgrabens der ehemaligen Legionslagermauer65. Spätestens für den Bau der Befestigung abgerissen wurde vermutlich auch ein südlich der Badeanlage anschliessender, bislang als Unterkunftshaus oder mansio gedeuteter, wohl frühestens in flavischer Zeit errichteter Steinbau66. Ein weiterer, bislang vereinzelt dastehender Zeuge für mutmassliche Innenbauten der späten Befestigung dürfte eine 1933/34 beim Ausheben von Gräbern beobachtete «starke Mauer» nordwestlich der Dorfkirche gewesen sein, deren Fundament bis in ca. 1,8m Tiefe reichte67. In ihrem gemörtelten Fundamentbereich waren Spolien vermauert, u.a. «Stücke einer Säulenbasis» sowie der Unterteil eines römischen Grabsteins für einen Soldaten der 11. Legion68 ▶ 12. 62 Zu Brugg-Altenburg: Trumm 2010, 52; Trumm/Flück/Schwarz 2022, 19–20; 72–73; Trumm 2022a, 68–70. 63 Lüdin 1969/70a, bes. 64 f; 69; Bellettati/Schwarz 2009, 90–94. | Zur Geschichte der Spoliatur in Vindonissa ausführlich demnächst Trumm 2024. 64 Speidel 1991; Bossert 1999, 57 f. Kat. Nr. 46. 65 Lüdin 1969/70a, bes. 70 und Planbeilage 4 («Steinsetzung e» am Ostrand von Feld 168). 66 Abb. 5 Nr. 19. Die 1967 durchgeführte Untersuchung hatte den Charakter einer hauptsächlich mit dem Bagger durchgeführten Notgrabung, bei welcher die obersten Erdschichten über den Steinbaubefunden ohne weitere Dokumentation abgetragen wurden. | Zur mutmasslichen Datierung des Steinbaus vgl. kurz Trumm 2015, 12. 67 Abb. 5 Nr. 25. 68 Die 1934 gefundene Grabinschrift mit Nennung des Soldaten Caius Ennius Titus wurde unter der Nummer V-INS. 059 zusammen mit allen weiteren Steininschriften aus Vindonissa neu ediert: Fellmann Brogli et al. 2024. 69 Rudolf Fellmann formulierte es in seinem Forschungsüberblick zu frühchristlichen Bauten in der Schweiz so: «Die Reste der frühchristlichen Kirche von Windisch auszugraben, müsste eine der reizvollsten Aufgaben der schweizerischen Römerforschung sein» (Fellmann 1955, 94). 70 Abb. 5 Nr. 31. Eine monografische Bearbeitung sämtlicher Befunde und Funde der Grabungen 1964–1966 ist ein Desiderat der Vindonissa-Forschung. 71 Lüdin et al. 1964, 30: «Es sei in diesem Zusammenhang nochmals festgehalten, dass wir weder dem steinernen Gebäude noch den Grubenhäusern bestimmte Kleinfunde zuzuweisen vermögen». 72 Windisch-Dorfkirche 2024 (V.024.200; noch nicht publiziert). Für die Durchführung der geophysikalischen Prospektion danken wir Matthias Nieberle (Kantonsarchäologie Aargau). 11 Quader aus Kalksinter mit Darstellung eines Phallus und der Ritzinschrift habui tremorem aus dem Bereich des spätrömisch befestigten Windischer Sporns (Kantonsarchäologie Aargau, Inv. Nr. V.69.1/0.4). 10 Blick von Westen auf das 1969 teilweise freigelegte Badegebäude nordöstlich ausserhalb des kaiserzeitlichen Legionslagers. Vorne rechts ein aus Spolien gesetztes Fundament, das auf einer Schuttplanie aufsitzt und schräg über die abgerissene Westmauer eines ehemaligen Baderaums mit Ziegelplattenboden zieht. 353 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm Weiter südöstlich, unter der heutigen Dorfkirche, erhoffte man sich anlässlich des Einbaus einer Fussbodenheizung 1964–1966, nicht zuletzt aufgrund seinerzeit gemachter Entdeckungen früher Kirchen in den spätrömischen Kastellen von Kaiseraugst, Zurzach und Schaan FL, vergleichbare Belege für eine «frühchristliche Vorgängerkirche» im mutmasslichen Castrum Vindonissense69. Gross war die Enttäuschung, als sich herausstellte, dass die Kirche mit St. Maria-Patrozinium, auf dem höchsten Punkt des Windischer Sporns errichtet, ein spätromanischfrühgotischer Bau aus der Mitte des 14. Jh. war70. Unter Chor und östlichem Kirchenschiff erfasste man allerdings Teile eines römischen Steinbaus, der annähernd exakt Nord-Süd, also schräg zur Ausrichtung der deutlich jüngeren Kirchenmauern orientiert war ▶ 13. Erfasst wurden Reste vom Unterboden eines hypokaustierten Raums mit Apsis im Westen und mutmasslichem Heizkanal im Norden. Die W-OAusdehnung dieses Raums mass im Lichten knapp 8m, seine N-S-Ausdehnung mind. 6m. Sämtliche Fundamente waren ausgeraubt, die Hypokaustpfeiler aus Ziegeln nur noch in Ansätzen erhalten, zugehörige Laufniveaus vom Kirchenbau zerstört. Im Südwesten grenzte ein weiterer Raum mit Unterbodenheizung an, hier bestanden die Hypokaustpfeiler aus monolithischen Sandsteinsäulchen. Unmittelbar östlich und stellenweise bereits ausserhalb der Kirche wurden schlecht erhaltene Reste weiterer Steinbauten und ein als «Ziegelkanal» angesprochener Befund angeschnitten. Etwa 8m westlich der genannten Apsis verlief mit gleicher Nord-Süd-Ausrichtung ein auf ca. 8 m Länge erfasster Mauerzug, dessen Fundament ebenfalls fast vollständig ausgebrochen war. Eine humose Abbruchschicht mit spätrömischen und spätmittelalterlichen Funden überdeckte die ruinösen Steinbaubefunde. Eindeutig stratifizierte Objekte, die den mit einer Fussbodenheizung ausgestatteten Bau sicher datieren könnten, sind der zeitgenössischen Grabungsdokumentation nicht zu entnehmen71. Der Bau erstreckte sich ausserhalb der heutigen Kirche, im ehemaligen Friedhofsareal, weiter nach Norden, Süden und Osten. Geomagnetische Messungen im lange Zeit als Friedhof, heute als Wiese genutzten Areal südlich der Dorfkirche erbrachten im Frühjahr 2024 allerdings keine klaren, in dieser Hinsicht interpretierbaren Befunde72. Grundsätzlich könnte es sich bei dem römischen Steinbau unter der Dorfkirche von Windisch um ein Haus der Zivilsiedlung (canabae legionis) östlich des kaiserzeitlichen Legionslagers bzw. der nachfolgenden Zivilsiedlung (vicus) nach Auflassung der castra legionis handeln. Die Orientierung der Befunde unter der Dorfkirche ist gegenüber den derzeit bekannten Baubzw. Strassenfluchten östlich des Legionslagers aber leicht nach Nordosten abgedreht. Wie bereits 12 Bruchstück eines Grabsteins für einen Soldaten der 11. Legion, als Spolie vermauert im Bereich des spätrömisch befestigten Windischer Sporns (Kantonsarchäologie Aargau, Inv. Nr. V.34.50/0.1). 13 Grabungsfoto von 1964: Blick von Südosten auf einen römischen Mörtelboden mit Resten der Hypokaustziegelpfeiler, ca. 1,1m unter dem Boden des Chors der Windischer Dorfkirche. 354 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm der damalige Kantonsarchäologe Hans Rudolf Wiedemer anmahnte73, und wie ein Vergleich mit Befunden unter bzw. neben der Kirche im Kastell von Kaiseraugst nahelegt, ist deshalb denkbar, dass der mindestens in zwei Räumen mit Fussbodenheizung ausgestattete Steinbau unter der Dorfkirche von Windisch Teil eines Badegebäudes (balneum) oder eines repräsentativen Wohntrakts war, der zu einer unmittelbar benachbarten spätrömischen Kirche gehörte74. Auf der gegenüberliegenden Seite, südlich der Windischer Dorfstrasse, im Bereich des Pfarrhauses von Windisch, sind weitere Mauerzüge bekannt, die allesamt aber nur spärlich dokumentiert und deshalb nicht sicher deutbar sind75. Insbesondere die 1959 erfassten Baubefunde wiesen beachtliche Dimensionen auf ▶ 14. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass im Bereich der Dorfstrasse und des Pfarrgartens 1 1 11 3 1112 11 4 259 658 660 0 0.5 1 km nach Zurzach/Tenedo nach Lunnern nach Zürich/Turicum nach Kaiseraugst/Castrum Rauracense nach Lenzburg Brugg-Altenburg Windischer Sporn nach Baden/Aquae Helveticae nach Avenches/Aventicum Befestigung Gräberfeld, Grabgruppe frühe Kirche?Strassen (Verlauf weitgehend vermutet ) Fähre? 14 Grabungsfoto von 1959: Blick von Süden in die Baugrube nach Abriss des alten Pfarrhauses von Windisch. In der Baugrubenwand sind mächtige römische (?) Mauerreste er kennbar. 15 Vereinfachter Übersichtsplan zur spätrömischen Situation in Vindonissa. Die im Text erwähnten Gräberfelder bzw. Einzelgräber sind mit Nr. 1–4 bezeichnet. 355 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm von Windisch zwischen 1880 und 1882 mehrere Architekturteile gefunden wurden, die wohl vom Giebel eines römischen Tempels stammen76. Die Stücke aus Vindonissa haben Parallelen in der Sakralarchitektur von Mogontiacum (D), Carnuntum (A), Aquincum (H) und Corbridge (GB)77. Leider erlaubt die spärliche zeitgenössische Überlieferung keine weiterführenden Aussagen zum ursprüng lichen Fundkontext der Windischer Architekturteile. Ein Zusammenhang mit der spätrömischen Befestigung, etwa eine Spoliatur in der gesuchten Wehrmauer, ist grundsätzlich denkbar. WO SIND DIE GRÄBER? Geht man von einer befestigten Siedlung auf dem Windischer Sporn aus, die ständig und über mehrere Generationen hinweg bewohnt war, dann würde man im näheren Umfeld auch Gräberfelder der dort ansässigen Bevölkerung vermuten. Tatsächlich sind in der Nachbarschaft derzeit vier Plätze mit spätrömischen Gräbern bekannt ▶ 15. Die bislang erst in Ausschnitten bekannte, derzeit knapp 30 Bestattungen aus der ersten Hälfte des 4.Jh. umfassende Nekropole von Windisch-Dammstrasse, ca. 350m nordöstlich der Dorfkirche gelegen, käme hierfür in Frage78. Etwa 200m südöstlich dieses Gräberfelds fand man 1935 eine bronzene Bügelknopffibel vom Typ Leutkirch, einen punzierten bronzenen Riemenverstärker und eine eiserne Widerhakenspeerspitze, möglicherweise von einem germanischen Körpergrab79. Näher an der befestigten spätrömischen Siedlung, nämlich unmittelbar am Südostabhang des Windischer Sporns, liegt die Fundstelle mehrerer Körpergräber, hauptsächlich von jungen Männern, in einem aufgelassenen kaiserzeitlichen Wohnhaus mit Peristyl hof80. Einzelfunde und C14-Analysen datieren diesen Bestattungsplatz in das späte 4. und frühe 5. Jh.n.Chr.81. Lag hier ein «Soldatenfriedhof» der Befestigung auf dem Windischer Sporn, oder deutet die Tatsache, dass hier überwiegend junge Männer bestattet wurden, auf einen anderen Kontext, etwa ein Massengrab im Kontext einer Seuche? Ähn liche Überlegungen gelten auch für den Fund von fast 30 Skeletten etwa 100 m südsüdwestlich des spätrömischen Spitzgrabensystems. Gemäss den vorliegenden C14-Datierungen wurden die überwiegend männlichen Individuen zwischen dem späten 3. und frühen 5.Jh., vermutlich im Zuge eines einzigen Ereignisses, dort in einer grossen Grube auf wenig pietätvolle Weise niedergelegt82. BESIEDLUNG ODER BESATZUNG? Wie wir gesehen haben, lässt der Forschungsstand derzeit keine tragfähigen Aussagen zur Bebauungsstruktur innerhalb der ca. 2,5 ha grossen befestigten Anlage auf dem Windischer Sporn zu. Das umfangreiche spätrömische Fundmaterial ist bislang nur in Ausschnitten vorgelegt83, späte Militaria im umwehrten Areal fehlen fast völlig84. Gemäss hypothetischen Rechenmodellen könnte das umwehrte Areal auf dem Windischer Sporn bei vergleichsweise dichter Bebauung Platz für etwa 500 Personen geboten haben85. Wie sich diese Menschen seinerzeit mit Wasser versorgten, ist derzeit völlig offen. Die mittleren Pegel von Aare und Reuss und demzufolge der Grundwasserspiegel lagen und liegen rund 30 m tiefer als das Plateau mit der spätrömischen Befestigung. Eine Wasserversorgung mittels Ziehbrunnen dürfte kaum praktikabel gewesen sein; vielmehr war der einzig gangbare Weg vermutlich eine Versorgung aus den Flüssen am Fusse des Sporns. Möglicherweise transportierte man das Wasser in Schöpfketten hinauf zum Plateau, um dort Zisternen oder Tanks zu befüllen. Ob neben einer Zivilbevölkerung zeitgleich oder zumindest doch zeitweise auch eine militärische Besatzung auf dem Windischer Sporn wohnte, und welche Truppengattung(en) und -stärke sie umfasste, ist mangels epigrafischer Belege völlig offen. Es sei daran erinnert, dass die beiden einzigen, bislang bekannten Ziegelstempel der legio I Martia aus dem Peri meter von Vindonissa nicht vom Windischer Sporn selbst stammen, sondern in einem Siedlungskontext unmittelbar östlich bzw. einem spätrömischen Steinkistengrab etwa 700m weiter südwestlich gefunden wurden. 73 Wiedemer 1966/67. 76 f. Vgl. auch entsprechende Bemerkungen von H.R. Sennhauser: «Ob der Rest eines hypokaustierten Gebäudes mit Apsis nach Westen unter dem Ostteil der Dorfkirche Windisch […] zum Komplex einer spätrömischen Bischofskirche gehörte, ist vorläufig nicht zu entscheiden. […] Auffallen mag auch, dass die Achsen dieser Baureste sich genauer an die Haupthimmelsrichtungen halten als etwa die spätere Dorfkirche. […] Ist die Kirche nicht hierher verlegt worden, so doch mindestens verschoben» (Sennhauser 1990, 160 f.). 74 So Faccani 2012, 171. 75 Abb. 5 Nr. 36 und 37. 76 Abb. 5 Nr. 32. 77 Lawrence 2018, 158–160. 78 Abb. 15 Nr. 1. Vgl. Flück 2004. 79 Abb. 15 Nr. 2. Vgl. kurz Trumm 2021, 70 f. 80 Trumm/Flück/Schwarz 2022, 102 f. 81 Abb. 15 Nr. 3. Vgl. Baumann. 82 Abb. 15 Nr. 4. | Zu den spätrömisch-frühmittelalterlichen Bestattungsplätzen im Perimeter von Vindonissa vgl. zusammenfassend Trumm/Fellmann Brogli 2014; Baerlocher 2017. 83 Verwiesen sei insbesondere auf die Materialvorlagen von E. Ettlinger in: Lüdin et al. 1964, 32–37; Engel/Engel 1968; Meyer-Freuler 1974, die jeweils auf die spätrömische Keramik fokussierten. 84 Unz/DeschlerErb 1997, Abb. 3; 82. 85 Schwarz 2002, 428. 356 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm Nr. Meldungsname Meldungskürzel Fundumstände Beobachtete spätrömische Befunde Publikation (Erstmeldung) 1Windisch-Bossart 1899 V.899.9 Zwei W-O orientierte Suchschnitte Spitzgrabensystem Eckinger 1900/1901, 80–82 2Windisch-Bühlturm 1910–1911 V.10.1 Zwei N-S orientierte Suchschnitte Spitzgrabensystem (seinerzeit nicht erkannt) Heuberger 1912, 123 3Windisch-Breite (Keltengraben) 1911 V.11.3 W-O orientierter Suchschnitt Spitzgrabensystem Frölich 1912, 145f. 4Windisch-Friedhof 1983 V.83.2 Begleitung Friedhoferweiterung Spätrömische Kulturschichten (Verfüllung eines Spitzgrabens?) Unpubliziert 5Windisch-Bossart 1934 V.34.3 Sechs W-O orientierte Suchschnitte Spitzgrabensystem; Undatierte Mauerbefunde Laur-Belart 1935a 6Windisch-Bossart 1915 V.15.2 Fünf unterschiedlich orientierte Such - schnitte, stellenweise flächig erweitert Spitzgrabensystem; Undatierte Mauerbefunde Heuberger 1917, 10–17 7Windisch-Bossart 1920–1922 V.20.2 W-O orientierter Suchschnitt Östlicher Graben des Spitzgrabensystems; Undatierte Mauerbefunde Heuberger/Fels 1923 8Windisch-Dorfstrasse (Bossarthaus) 1981–1982 V.81.2 Begleitung Abriss und Sondagen Östlicher Graben des Spitzgrabensystems; Spätrömische Kulturschichten Hartmann 1986b, 65–67 9Windisch-Kanalisation Dorfstrasse 1975–1977 V.75.1 V.76.2 V.77.2 Begleitung Werkleitungen Spätrömische Kulturschichten (Verfüllung eines Spitzgrabens?) Unpubliziert 10 Windisch-Dorfstrasse 2000 V.000.6 Begleitung Umbau Spätrömische Kulturschichten (Verfüllung eines Spitzgrabens?) Maier 2000, 57 11 Windisch-Dorfstrasse 2014 V.014.1 Begleitung Umbau und Sondage Spätrömische Kulturschichten Trumm 2014, 72f. 12 Windisch-Dorfstrasse (Pinte Schatzmann) 1912 V.12.5 N-S orientierter Suchschnitt Spätrömische Kulturschichten (Verfüllung eines Spitzgrabens?) Heuberger 1913, 301 13 Windisch-Dorfstrasse (Fischerstube) 1979 und 2014 V.79.3 V.014.2 Baubegleitung Allfällige spätrömische Kulturschichten nicht mehr vorhanden Trumm 2014, 73–75 14 Windisch-Dorfstrasse (Schatzmann) 1904 V.04.5 Sondage? Auffällig starker Mauerzug am Südrand des Plateaus: Randbefestigung? Heuberger 1909, Eintrag auf Übersichtsplan 1 15 Windisch-Dorfstrasse 1926 V.26.1 Baubegleitung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Unpubliziert 16 Windisch-Dorfstrasse 2012 V.012.12 Baubegleitung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Trumm 2012, 93 17 Windisch-Friedhof 1969 und 1970 V.69.1 V.70.4 Notgrabung vor Friedhoferweiterung Spitzgrabensystem; Fundament einer Wehrmauer mit Wehrgang; Spolienfundament eines Innengebäudes (?) Lüdin 1969/70a 18 Windisch-Friedhof 1968 V.68.2 Fünf Suchschnitte Spitzgrabensystem Unpubliziert 19 Windisch-Friedhof 1967 V.67.2 Notgrabung vor Friedhoferweiterung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Lüdin/Wiedemer 1967, 44–50 20 Windisch-Kirchgemeindehaus 1955–1956 V.55.5 N-S orientierter Suchschnitt Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Unpubliziert 21 Windisch-Breite 1946 V.46.1 N-S orientierter Suchschnitt Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Laur-Belart/von Gonzenbach 1946, 71 f. mit Abb. 19 22 Windisch-Dorfstrasse (Rauber, Sigrist) 1912 / Windisch-Dorfstrasse 1978 V.12.3 / V.78.3 Sondage / Baubegleitung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Heuberger 1913 / Unpubliziert 23 Windisch-Bühlwäldchen --- Um 1930 erstellte Karte mit Eintrag Mauerzug Auffallend starke Mauer an Hangkante Unpubliziert; Eintrag auf Grossplan V 739 24 Windisch-Friedhof 2003 V.003.6 Begleitung Friedhoferweiterung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Pauli-Gabi 2003, 54 25 Windisch-Friedhof 1934 V.34.50 Beobachtung beim Aushub neuer Gräber Undatierte, auffallend starke Mauer mit Spolie (Soldatengrabstein) Eckinger 1933/34, 1–3 Laur-Belart 1935a, 165 f. (Eintrag auf Plan) 26 Windisch-Dorfkirche 1986 V.86.7 Begleitung Oberflächengestaltung Spätrömische Kulturschicht Unpubliziert 27 Windisch-Känzeli 1979 V.79.2 Baubegleitung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Unpubliziert 28 WindischDorfstrasse (Kanalisation) 1979 V.79.7 Begleitung Werkleitungen Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Unpubliziert 29 Windisch-Dorfstrasse 2005 V.005.9 Begleitung Werkleitungen Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Pauli-Gabi 2005, 74 30 Windisch-Friedhof 1995 V.95.8 Sondagen vor Friedhoferweiterung Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Maier 1995, 32 31 Windisch-Kirche 1964–1966 V.64.4 Grabung und Sondagen anlässlich Kirchenrenovation Steinbau mit hypokaustiertem Raum (Badeanlage?); spätrömische Kulturschichten Lüdin et al. 1964 Lüdin 1967 357 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm DIE BEFESTIGUNG AUF DEM WINDISCHER SPORN – EINE ENCEINTE RÉDUITE? Der Begriff enceinte réduite taucht in einschlägigen (west-)schweizerischen Publikationen etwa ab den 1920er-Jahren auf. Als terminus technicus umfasste er dabei zunächst auch frühneuzeitliche Fortifikationen86, wurde in der Folge aber zumeist für räumlich reduzierte spätrömische Befestigungen innerhalb ursprünglich grösserer kaiserzeitlicher Städte verwendet87. Auf die Problematik der unscharfen Terminologie bei der Benennung antiker Befestigungsanlagen ist mehrfach hingewiesen worden88. Antike Begriffe wie castrum, castellum, quadriburgium, praetorium oder murus finden sich gleichrangig neben neuzeitlichen Wortschöpfungen wie «enceinte réduite», «réduit fortifié» oder «befestigter Siedlungskern». Im Falle der Befestigung auf dem Windischer Sporn würde deren Umschreibung als «enceinte réduite» demnach implizieren, dass dieser eine ältere, grössere Befestigung bzw. eine mit einer repräsentativen Umfassungsmauer ausgestattete Siedlung zeitlich und räumlich unmittelbar vorausging. Dem ist aber nicht so. Zwischen der Auflassung des Lagers der 11. Legion zu Beginn des 2. Jh. und dem – derzeit freilich noch wenig sicher datierbaren – Bau der späteren Befestigung in der späten Kaiserzeit lagen mindestens 150Jahre89. Zudem lag der grösste Teil der jüngeren befestigten Siedlung ausserhalb der älteren kaiserzeitlichen Umwehrung. Nur mit diesen Einschränkungen sollte man daher den Begriff «enceinte réduite» für die Befestigung auf dem Windischer Sporn, jedenfalls bis zum Auftauchen neuer Indizien, verwenden. Nr. Meldungsname Meldungskürzel Fundumstände Beobachtete spätrömische Befunde Publikation (Erstmeldung) 32 Windisch-Dorfstrasse/Pfarrgarten 1880–1882 V.880.50 Beobachtungen bei Strassenbauarbeiten Undatierte Ansammlung von kaiserzeitlichen Spolien Brun 1882, 316 33 Windisch-Pfarrhausgarten 1899 V.899.8 Drei Suchschnitte Mauerraubgraben?; spätrömische Kulturschichten? Eckinger 1900/1901, 92 34 Windisch-östlich Kirche 1899 V.899.7 Fünf Suchschnitte Keine eindeutigen spätrömischen Befunde Eckinger 1900/1901, 92 35 Windisch-östlich Kirche 1927 V.27.3 Sondage Undatierter Mörtelboden Eckinger 1927/28, 2 36 Windisch-Pfarrhaus 1918 V.18.1 Beobachtung bei Gartenarbeiten Undatierter, auffallend breiter Mauerzug Heuberger 1920, 16 f. 37 Windisch-Pfarrhaus 1959 V.59.2 Begleitung Neubau Undatierte, auffallend breite Mauerzüge Unpubliziert 38 Windisch-Unterwindisch (Bühl) 1898 V.898.2 Sondage Undatierte, auffallend breite Mauerzüge; undatierte Körperbestattung Fröhlich 1899, 183 f. 16 Aktenkundige Ausgrabungen und Fundmeldungen innerhalb der spätrömischen Befestigung auf dem Windischer Sporn. Fett gedruckte Nummern sind auf Abb. 5 eingetragen. 86 Vgl. z.B. Martin 1958, bes. 82; Février 1964. 87 Vgl. z.B. Blondel 1927, bes. 303. 88 Diskussion bei Schwarz 2002, 25 f.; 428. In diesem Sinne auch Brulet 2006, 156 f.; Hächler/Näf/Schwarz 2020, 75–77. 89 Eine Integration von Teilen der Lagermauer der 11. Legion in das spätantike Befestigungssystem ist wenig wahrscheinlich, da verschiedene Ausgrabungsbefunde im Süden des Legionslagers darauf deuten, dass die Lagermauer ab der Mitte des 2. Jh. grossflächig abgebrochen wurde (Trumm/Flück 2013, 249– 250; Trumm 2022b passim). 358 ianua patet cor magis AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ... Matthias Flück und Jürgen Trumm LITERATURVERZEICHNIS Asal 2017: M. Asal, Basilia – das spätantike Basel. Untersuchungen zur spätrömischen und frühmittelalterlichen Siedlungsgeschichte. Mit Beitr. von Ph. Rentzel/C. Pümpin/E. Marti-Grädel. Materialh. Arch. Basel 24 (Basel 2017). Baerlocher 2017: J. Baerlocher, Jenseits der Aare. Die spätantiken Gräber der Grabung Brugg-Remigersteig 2012–2013 (Bru.012.2). Jber. GPV 2017, 19 – 44. Baumann 2024: M. Baumann, Früher Tod im spätantiken Vindonissa. Veröff. GPV XXVIII (Brugg 2024). 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