Lehrkonzept zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Hochschullehre Vortragende: Univ.-Ass. Mag. Alexander Plaikner, PhD (Abschlusskonzeption im Rahmen des BNE Zertifikatslehrgang für Hochschullehrende) 0. Voraussetzungen und Hintergründe (Learning Background) Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist unabdingbar, um Lernende mit den Kompetenzen, Perspektiven und Werthaltungen auszustatten, die zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen. Insbesondere in der Hochschullehre erfordert sie die Einbindung unterschiedlicher disziplinärer Zugänge, von Transformationswissen und sozial-ethischen Perspektiven sowie die Integration internationaler Rahmenwerke wie der Sustainable Development Goals (SDGs) und der Inner Development Goals (IDGs) in die Gestaltung von Lehr-LernProzessen. Die nachfolgenden Module bieten hierzu einen systematischen und praxisorientierten Ansatz zur Integration von BNE in vier akademischen Anwendungsfeldern. Sie fördern insbesondere die Verankerung der SDGs und IDGs in wirtschaftsund tourismusbezogenen Studiengängen und richten sich an Bachelorund Masterstudierende betriebswirtschaftlicher und tourismusbezogener Programme sowie an Teilnehmende berufsintegrierter und internationaler Studienangebote. Dabei wird der bekannten Heterogenität der Studierenden besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Unterschiedliche fachliche Vorkenntnisse sowie vielfältige berufliche Erfahrungen führen zu variierenden Lernvoraussetzungen. Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, bieten die u.a. Modulkonzeptionen durch asynchrone Elemente auf den jeweiligen Lernplattformen (LMS; zB. OLAT, Moodle, ILIAS oder Canvas) einen transparenten und flexiblen Zugang. Lehrund Informationsvideos, Tutorials, sowie Texte aus dem Harvard Business Review unterstützen die individuelle Vorbereitung und werden durch Übungsund Kontrollfragen ergänzt. Ein benotetes Eingangsquiz überprüft den Wissensstand, motiviert zur Vorbereitung und ermöglicht das Nacharbeiten fehlender Kenntnisse. In Gruppenarbeiten wird die internationale und interdisziplinäre Vielfalt gezielt als Ressource genutzt. Die Studierenden reflektieren unterschiedliche Stärken und Perspektiven, um voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. So wird Heterogenität bewusst als Potenzial verstanden und aktiv in das Lehrkonzept integriert. 1. Zielsetzung und Lernergebnisse (Learning Outcomes) Das Gesamtkonzept ist praxisorientiert und modular aufgebaut. Lernergebnisse: • Studierende identifizieren gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Aspekte nachhaltiger Entwicklung.
• Sie wenden SDGs und IDGs exemplarisch in Marketingkontexten und unternehmerischen Entscheidungen an. • Studierende reflektieren Herausforderungen des OER-Ansatzes im Forschungskontext. • Sie sind in der Lage, transformative Change-Prozesse zu moderieren und praxistaugliche Strategien für nachhaltige Transformationsprozesse zu entwickeln. • Sie entwickeln selbstständig Transferkonzepte für Theorie-Praxisfälle anhand spezifischer Case Studies („MIT eCase Clinics“). Das BNE-Lehrkonzept ist praxisorientiert gestaltet und zielt auf die Vermittlung von Kompetenzen zur Entwicklung und Umsetzung innovativer Strategien für nachhaltige Entwicklung. Neben der Kompetenzentwicklung entlang der Taxonomiestufen nach Bloom (1956) liegt der Fokus auf der Anwendung aktueller Forschungsergebnisse und Best Practices. Kompetenzschwerpunkte: • Wissen & Verstehen: Identifikation und Erklärung innovativer Ansätze, digitaler Tools und Trends im Kontext nachhaltiger Entwicklung. • Anwenden & Analysieren: Nutzung und Bewertung praxisnaher Modelle zur Förderung nachhaltiger Transformationsprozesse. • Evaluieren & Kreieren: Reflexion und Weiterentwicklung von Strategien zur Stärkung sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit. Studierende identifizieren gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Aspekte nachhaltiger Entwicklung und verknüpfen diese mit innovativen Lehrund Lernkonzepten. Durch die Verbindung theoretischer Grundlagen mit praxisorientierten Fallstudien fördert das BNELehrkonzept fundierte Fachkenntnisse und Handlungskompetenzen zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft. 2. Didaktische Gestaltung: Modularer Aufbau Die Module kombinieren Präsenz-, Onlineund Selbststudiumsanteile und berücksichtigen Prinzipien von Blended Learning und Constructive Alignment. Präsenzlehre (70%) • Interaktive Vorträge (20%) zur Vermittlung theoretischer Grundlagen. • Workshops (30%) zur Anwendung des Wissens in praxisnahen Aufgaben. • Fallstudienbearbeitung (eCase-Studien) in Kleingruppen (20%) zur Förderung analytischer, evaluativer Fähigkeiten und mit der Möglichkeit eines direkten Austausches mit den Unternehmenspartner:innen und internationalen Top-Manager:innen. Asynchrone, blended einmoderierte LMS Lerneinheiten (30%) Auf Basis der aktuellen didaktischen Hochschulstrategie wird insbesondere auf die beschriebene Heterogenität der Studierenden durch 30% der Inhalte als „self-paced“ Lernen
bzw. durch ein Blended-Learning Konzept eingegangen werden. Dies ermöglicht den Studierenden ein flexibles, selbstgesteuertes Lernen und schafft eine Grundlage für den Präsenzunterricht. Zudem wird während der Lehrveranstaltung im Rahmen interaktiver Fallstudien (eCase-Studien) und bei der Prüfungsvorbereitung am Ende der Lehrveranstaltung auf die individuellen Lernund Arbeitspräferenzen der Studierenden im Sinne des „self-paced“ Rücksicht genommen. Elemente der LMS Einheiten: • Lernmodule: Interaktive Inhalte zu Grundlagen nachhaltiger Entwicklung, z. B. Einführung in nachhaltige Wirtschaftsund Transformationsstrategien. • Diskussionsforen: Moderierte Diskussionen zu Fallstudien und aktuellen gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Themen, begleitet durch die Lehrperson. • Quiz-Elemente: Selbsttests zur Überprüfung des Wissens auf den Taxonomiestufen Wissen und Verstehen, inklusive Vorbereitung auf Leistungsnachweise über die LMS Plattform. • Peer-Review-Aufgaben: Analyse und Bewertung von Nachhaltigkeitsstrategien anderer Teilnehmender auf den Taxonomiestufen Analysieren und Evaluieren. Modul Titel & Integration Kurzbeschreibung / Fokus 1 Allgemeines Bachelor-Modul: Selbststudium "BNE: Integration der SDG’s & IDG’s im Dienstleistungsmarketing" Kompaktes, ca. 30-minütiges Lernmodul zu SDG/IDG-Integration ins Marketing. Fokus: Einbindung in Präsentationen & nachhaltige Fallbeispiele; Anwendungsbereiche VU Grundlagen Marketing & Dienstleistungsmarketing, VU Unternehmensgründung, VU Destinationsmanagement. 2 Allgemeines Modul: Integration in berufsbezogene und internationale LV Integration der nachhaltigen Bildung in berufsintegrierten und internationalen Programmen, z.B. FH Vorarlberg (Marktorientierte Unternehmensführung), FH Gesundheit (Strategisches Marketing) und UNO (Principles of Travel/Tourism). Fokus: Anwendung SDG/IDG und Transfer auf internationale und branchenspezifische Herausforderungen. 3 Vertiefungsmodul im Masterstudium "Nachhaltige Regionalund Destinationsentwicklung" Fokus auf den Aufbau vertiefter Kompetenzen im nachhaltigen Destinationsmanagement und Entwicklung innovativer Managementansätze durch praxisnahe Fallstudien und Forschung. 4 Nachhaltigkeit & OER-Modul in Forschungsprojekten Sensibilisierung für den Einsatz von CreativeCommons-Lizenzen im Wissenschaftskontext. Ziel: Abwägung zwischen offener Nutzung und Schutz geistigen Eigentums in Forschungskooperationen; Förderung der Open-Science-Kultur.
3. Modulübersicht und didaktisches Gerüst Modul 1: BNE-Basismodul im Bachelorstudium „Wirtschaft, Gesundheitsund Sporttourismus“ Beispiel Selbststudium/Lernmodul: • 30-minütiges Online-Modul: „Integration der SDGs & IDGs im Dienstleistungsmarketing“ • In diesem asynchronen Format erhalten Studierende Einblick, wie nachhaltige Rahmenwerke sowohl in Abschlusspräsentationen als auch in realen Fallstudien Platz finden. Ziel ist die Sensibilisierung für wertebasiertes Marketing und die Identifikation von Vertiefungspotenzialen [2][3] Anwendungsfelder & Kurzbeschreibungen: • VU Grundlagen Marketing und Dienstleistungsmarketing: Vermittlung zentraler Marketinggrundlagen, Einführung in die Besonderheiten von Dienstleistungen und Vertiefung zu Nachhaltigkeit als Querschnittsthema [3]. • VU Unternehmensgründung und Unternehmertum: Entwicklung nachhaltigkeitsorientierter Geschäftsmodelle, Businesspläne und Anwendung von SDG/IDG-Werten beim Transfer von der Theorie in die Praxis.[7] • VU Destinationsmanagement und -marketing: Managementund Marketingtools für nachhaltige Destinationen, Arbeit an realen Projekten, Integration von Resilienzund Partizipationskonzepten.[6][4] Modul 2: Integration in weiterführenden Modulen und internationale Programme Beispiele • „Marktorientierte Unternehmensführung“ (FHV, IBW für Berufstätige): Innovative Verkaufsstrategien und deren Nachhaltigkeitsbewertung, strategische Analysen und Zukunftskompetenzen (Future Skills, konstruktive Alignment-Ansätze).[8] • „Strategisches Marketing“ (MBA/FH Gesundheit): Stakeholder-Fokus, Erweiterung des klassischen Marketing-Mix um Nachhaltigkeitsdimensionen, Ableitung und Anwendung auf Gesundheitsorganisationen.[9] • „Principles of Travel/Tourism“ (University of New Orleans): Internationales Benchmarking, Analyse österreichischer und europäischer Best-Practice-Destinationen, Entwicklung nachhaltiger Management-Konzepte im globalen Kontext.[4]
Modul 3: Vertiefungsmodul im Masterstudium „Nachhaltige Regionalund Destinationsentwicklung“ • Fokus auf die Verbindung von Change Management, Theory U und nachhaltiger Unternehmensführung.[5] • Studierende wenden partizipative Moderationsmethoden, Systemtheorien, Design Thinking, OnePagerund eCase-Clinic-Formate in Change-Prozessen und Destinationsentwicklung an.[6][5] • Reflexion und Umsetzung realer Change-Projekte in touristischen Regionen und Unternehmen, partizipative Entwicklung resiliencefördernder Strategien. Modul 4: Nachhaltigkeit und Open Educational Resources (OER) in Forschungskooperation und Drittmittelprojekten • Einbettung OER-Prinzipien und Creative-Commons-Lizenzen im Kontext universitärer Lehrund Forschungskooperationen.[1] • Thematisierung rechtlicher, ethischer und nutzungspraktischer Fragestellungen (u. a. Risikofolgenabschätzung unbeabsichtigter Nutzung, Schutz vs. Offenheit).[1] • Digitale Kompetenzen: Entwicklung eigener OER, Nutzung von OER-Canvas, Integration in nationale OER-Hubs sowie Erstellung/Veröffentlichung von Lehr-Lern-Materialien für den Einsatz in Lehre und Forschungsprojekten. Modul Formate (Präsenz/Online/Selbststudium) Bewertungs-/Prüfungsformen 1 Selbststudium (asynchrones eLearning), Gruppearbeit (Fallstudienbearbeitung), Präsentation von nachhaltigen Fallstudien. Online-Quiz, Präsentation in der Lehrveranstaltung, Peer-Feedback. 2 Präsenzworkshops, Blended Learning, internationale Gruppenübungen. Schriftliche Gruppenarbeiten, Präsentation, Reflexion internationaler Best Practice. 3 Praxisprojekte, Fallstudien, Seminare. Schriftliche Seminararbeit, Präsentation, Transferreport. 4 Impulsworkshops, Gruppenreflexion, OER-Analyse. Fallanalyse, Diskussion, Reflexionsbericht. 4. Asynchrone Inhalte im LMS • Vorbereitungs-Modul 1: Einführung in die Grundlagen nachhaltiger Entwicklung, inklusive Konzepten wie der Sustainable Development Goals (SDGs), Inner Development Goals (IDGs) und nachhaltiger Transformationsprozesse. (Taxonomiestufen: Wissen, Verstehen)
• Praxistransfer-Modul 2: „MIT-eCase-Clinic“ – Fallstudienanalyse zu Best Practices nachhaltiger Unternehmensführung und gesellschaftlicher Innovation. Die Studierenden analysieren bestehende Strategien (Analysieren, Evaluieren) und entwickeln eigene Konzepte zur Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen in Organisationen oder Projekten (Anwenden, Kreieren). • Qualifizierungs-Modul 3: Videotutorials und Zusammenfassungen der Lerneinheiten 1–6 mit Schwerpunkt auf der Reflexion nachhaltiger Handlungsstrategien und der praktischen Anwendung im individuellen Lernkontext. 5. Praxistransfer Im Praxistransfer bearbeiten Studierende reale Fallstudien im Team und durchlaufen einen strukturierten Reflexionsund Entwicklungsprozess auf Basis der Theory U nach Otto Scharmer (MIT). Dabei analysieren sie aktuelle Praxisbeispiele, reflektieren Transformationsprozesse und entwickeln Lösungsansätze für nachhaltige Entwicklungen. Der Fokus liegt auf der Anwendung von BNE-Prinzipien sowie der Verknüpfung ökonomischer, ökologischer und sozialer Dimensionen. Durch die Zusammenarbeit mit externen Partner:innen gewinnen die Studierenden Einblicke in reale Transformationsprozesse und stärken ihre interdisziplinären Handlungskompetenzen. Zur Auswahl stehen verschiedene eCase-Clinics, die thematisch unterschiedliche Felder nachhaltiger Entwicklung abbilden und asynchron über LMS bearbeitet werden. • SWAROVSKI: Elevating Consumer Engagement to Drive Circular Business Models for Jewellery – Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle zur Förderung nachhaltigen Konsums. • VELLO BIKE: Omni-Channel Business Challenge – Gestaltung nachhaltiger, kanalübergreifender Kundenerlebnisse im Mobilitätssektor. • FIBAA: Strategies for an International University Market – Entwicklung nachhaltiger Akkreditierungsstrategien im internationalen Hochschulmarkt. • Talkesselmanagement Landeck: Sustainability in Destination Management Organisations (DMOs) – Implementierung von Nachhaltigkeitsmanagement im Tourismus. • SPEED U UP GmbH: Digitalisation & Voice Assistants in the Service Industry – Bewertung digitaler Innovationen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Datenschutz. 6. Qualitätssicherung und Feedback Qualitätssicherung erfolgt durch kontinuierliche formative Evaluation, Nutzung digitaler Tools zur Teilhabemessung (z.B. eLearning-Analyse) und Zwischenevaluierungen. Studierende geben PeerFeedback, Lehrende führen Reflexionsrunden durch und sichern Kompetenzziele durch gezielte Prüfungsformate.
Studienanalyse nach: Stefanie Preiml (AAU), Andrea Bernhard (TU Graz), Elfriede Neuhold (UWK) & Franz Rauch (AAU) UniNEtZ Schwerpunktbereich IV, Arbeitsgruppe zur Transformation der Hochschullehre Name des Studiums: _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ Kontakt: Univ.-Ass. Mag. Alexander Plaikner, PhD
[email protected] Stand: Oktober 2025 CC BY SA 4.0 International Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ Alexander Plaikner, UMIT Tirol 2025 Qualitätsstandards wissenschaftlichen Arbeitens / GWP Digitale Basistechniken und Computational Thinking Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung im Sinne der SDGs Wissenschaftsvermittlung und -kommunikation Genderund Diversitätskompetenzen Weitere Themen: ...bereits im eigenen Studium umgesetzt Welche überfachlichen Themen sollen wir in unseren Studien an der TU Wien umsetzen? ...in welchem Umfang (ECTS, Pflicht oder Wahl etc.)
Bezugsquellen und verbunden Syllabi: 1. BNE-Curriculum-24_25_V4 2. FHV_APlaikner_LV_Konzept_Innovative_Sales_Strategies_and_Tactics_ge_Update_kurzVS 3. 2025SS146412_Syllabus_-MARK1_Grundlagen_des_Marketings_vsFinal4Students 4. HRT2050-Principles-of-TravelTourism_UNO25_Plaikner_vsUpdate4Students 5. 20250922-WS25-Syll-ChangeMgt-Heimerl-und-Plaikner-Entwurf_4Students 6. SYB_DMGMT_Plaikner_WS23_24_G0undG1_vs4Students 7. Syllabus-UGU_WS25_26_vsEntwurf_4Students 8. FHV_Marktorientierte-Unternehmensfuhrung_Syllabus_SS25_4Students 9. FHG_WS25_26_Syllabus_STM1I_Strategisches_Marketing_vs4Students