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09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de
M251 Projektbericht Timea Schnyder 2 Abstract Eine Gruppe bietet Menschen die Möglichkeit, Rückmeldungen zu Verhalten und Persönlichkeit zu erhalten sowie sich im Vergleich zu anderen wahrzunehmen und abzugrenzen, wodurch sie ihr Selbstbild formen. Sie lernen, Spannungen, Konkurrenz und Konflikte auszuhalten und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Gruppen sind somit zentrale Lernorte und bedeutsam für die menschliche Entwicklung (Freigang et al., 2018, S.40). Das Projekt befasst sich mit der Überarbeitung des Leitfadens für die monatlichen Gruppenabende der Jugendgruppe 2 (JG2) in der Stiftung Wäsmeli, einem sozialpädagogischen Kompetenzzentrum. Die Analyse zeigt geringe Gruppenbindung und wenig Engagement, verstärkt durch individuelle Verpflichtungen und eine distanzierte Dynamik. Unter Einbezug theoretischer Ansätze wie Maslows Bedürfnispyramide, Eriksons Modell psychosozialer Entwicklung und Tuckmans Phasenmodell wird deutlich, dass die Jugendlichen unterschiedliche Entwicklungsstufen durchlaufen. Dies stellt besondere Anforderungen an die Gruppenarbeit. Ziel ist ein Leitfaden, der „Wir-Gefühl“, Kommunikation und Zusammenarbeit stärkt und Eigeninitiative sowie Mitbestimmung ermöglicht. Durch partizipative Planung und Durchführung, bei der Jugendliche und Team aktiv eingebunden sind, soll ein Umfeld entstehen, das Gruppendynamik, persönliche Entwicklung und Verantwortungsübernahme fördert. Das Projekt orientiert sich an den Grundsätzen der Sozialen Arbeit, Herausforderungen zu erkennen und durch Massnahmen nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 3 Inhaltsverzeichnis ABSTRACT ....................................................................................................................... 2 EINLEITUNG .................................................................................................................... 4 AUFBAU DES BERICHTS ......................................................................................................... 4 AUSGANGLAGE UND PROBLEMSTELLUNG ................................................................................... 4 PROJEKTIDEE UND MOTIVATION ............................................................................................... 5 FACHLICHE ANALYSE DER SITUATION ............................................................................... 5 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN ........................................................................................... 5 BEGRÜNDUNG DES HANDLUNGSBEDARFS ................................................................................. 7 PROJEKTMETHODISCHE FUNDIERUNG ............................................................................. 7 PROJEKTBETEILIGTE .............................................................................................................. 7 PROJEKTLEITUNG ................................................................................................................. 7 ZIELGRUPPE ....................................................................................................................... 8 TRÄGERORGANISATION ......................................................................................................... 9 HSLU FÜR SOZIALE ARBEIT .................................................................................................... 9 ZIELSETZUNG ...................................................................................................................... 9 ERREICHUNG DER ZIELE UND METHODISCHES VORGEHEN ........................................................... 10 PROJEKTAUFBAU UND ABLAUF ............................................................................................... 20 ABWEICHUNGEN DES ZEITPLANS ........................................................................................... 21 PLANUNGSPHASE .............................................................................................................. 21 UMSETZUNGSPHASE .......................................................................................................... 22 EVALUATIONSPHASE ........................................................................................................... 22 RESSOURCEN UND RISIKEN .................................................................................................. 23 S-W-O-T-ANALYSE ............................................................................................................ 23 RISIKOANALYSE UND EVALUATION .......................................................................................... 24 FINANZIERUNG ................................................................................................................. 26 FINANZPLAN ..................................................................................................................... 26 EVALUATION DES FINANZPLANS ............................................................................................. 27 SCHLUSSTEIL ................................................................................................................ 27 SCHLUSSFOLGERUNGEN UND PERSPEKTIVEN ........................................................................... 27 QUELLENVERZEICHNIS ........................................................................................................ 29 ANHANG ....................................................................................................................... 31
M251 Projektbericht Timea Schnyder 4 Einleitung Aufbau des Berichts Der Projektbericht ist systematisch aufgebaut und gliedert sich in eine Einleitung, einen Hauptteil sowie einen Schlussteil. Die im Inhaltsverzeichnis aufgeführten Kapitel dienen der inhaltlichen Strukturierung und gewährleisten eine nachvollziehbare Führung durch den Bericht. Die Einleitung umfasst die Darstellung der Ausgangslage, die Begründung der Motivation sowie die Formulierung der Projektidee. Im Hauptteil wird zunächst eine Analyse der bestehenden Problemlage vorgenommen, auf deren Grundlage der Handlungsbedarf abgeleitet wird. Daran anschliessend werden die Trägerschaft, die Auftraggeberin sowie die Zielgruppe beschrieben. Weiterhin werden die Projektziele aufgeführt und das methodische Vorgehen erläutert, einschliesslich der vorgesehenen Verfahren zur Überprüfung der Zielerreichung. Ergänzend enthält dieser Teil die Darstellung und Evaluation der Projektorganisation. Dazu zählen die Aufbauund Ablauforganisation, der Einsatz von Ressourcen, die Einschätzung von Risiken sowie die Finanzierung des Projekts. Der Schlussteil beinhaltet die zusammenfassenden Schlussfolgerungen sowie Überlegungen zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Projektergebnisse. Abschliessend werden die Quellenangaben sowie der Anhang aufgeführt. Ausganglage und Problemstellung Die JG2 besteht aus sechs Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren, einer Lebensphase, die von Identitätsfindung und tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist. Widerstand gegen Autoritäten und Strukturen ist in dieser Zeit typisch und Ausdruck der Suche nach Autonomie. Innerhalb der Gruppe fehlt jedoch ein starkes Wir-Gefühl. Die Dynamik zwischen den jungen Frauen und den jungen Männern wirkt distanziert. Statt aufeinander zuzugehen, ziehen sich die Jugendlichen häufig in ihre Zimmer zurück. Es herrscht eine allgemeine Stimmung von Zurückhaltung und Desinteresse, die das Miteinander erschwert. Die Jugendlichen sind durch Ausbildung, Hobbys und andere Verpflichtungen stark ausgelastet, wodurch gemeinsame Zeit rar ist. Gruppenabende oder andere verbindende Aktivitäten finden selten statt. Gelegenheiten, bei denen alle zusammenkommen, beschränken sich oft auf kurze Momente wie das Abendessen, das jedoch keine Regelmässigkeit darstellt. Diese Distanz bleibt nicht unbemerkt: Die Jugendlichen äusserten mehrfach Unzufriedenheit und gaben an, sich auf der Gruppe nicht wohlzufühlen. Um das Gruppengefühl zu stärken, wurde das Konzept der Gruppenabende entwickelt. Es bietet eine Plattform für Begegnung und Austausch und fördert sowohl die Interaktion untereinander als auch die Beziehung zum Team. Die Abende werden abwechselnd von den Jugendlichen und dem Team geplant, um Eigeninitiative und Mitgestaltung zu stärken. Die Motivation zur Teilnahme ist jedoch oft gering. Das Projekt steht daher vor der Herausforderung, die Abende so zu gestalten, dass sie das Wir-Gefühl stärken und gleichzeitig attraktiv und sinnvoll sind. Ziel ist es, neue Impulse zu setzen, die die Gruppe näher zusammenbringen und jedem Mitglied einen sicheren Raum für Austausch und Zugehörigkeit bieten.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 5 Projektidee und Motivation Die Soziale Identitätstheorie nach Tajfel und Turner besagt, dass Menschen dazu neigen, ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität aus der Zugehörigkeit bestimmten sozialen Gruppen abzuleiten. Das persönliche Wohlbefinden und die Selbstachtung hängen eng mit dem Erfolg und Ansehen der Gruppe zusammen (Tajfel, 1982, S. 101-107). Neben der theoretischen Fundierung lässt sich die Projektmotivation auch aus den konkreten Gegebenheiten der Wohngruppe ableiten. Die monatlichen Gruppenabende bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben und gemeinsame Erfahrungen zu machen. Gerade in einer Wohngruppe, in der unterschiedliche Persönlichkeiten und Lebensgeschichten aufeinandertreffen, sind gemeinsame Aktivitäten ein wichtiger Faktor für den Gruppenzusammenhalt. Gleichzeitig eröffnen sie den Jugendlichen Räume, um eigene Interessen einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Die Überarbeitung des bisherigen Konzepts verfolgt somit das Ziel, den Gruppenabenden eine grössere Bedeutung im Alltag zu geben und diese so zu gestalten, dass sie Jugendlichen sich stärker damit identifizieren und einen nachhaltigen Mehrwert daraus ziehen können. Fachliche Analyse der Situation Theoretischer Bezugsrahmen Der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in der man anerkannt wird, gehört zu einem grundlegenden Bedürfnis eines Menschen und sogleich zu einer gesunden Entwicklung eines Kindes. Maslow (1981) beschreibt die Grundbedürfnisse eines Menschen hierarchisch. Das bedeutet, dass das Bedürfnis auf einer unterliegenden Stufe erst befriedigt sein muss, bevor die Bedürfnisse auf höherer Ebene verfolgt werden können. Alle Bedürfnisse sind stets vorhanden, doch geraten die höheren Bedürfnisse in den Hintergrund, wenn der Mensch nicht genährt, warm, trocken und in Sicherheit ist (Freigang et al., 2018, S. 42–43). Mit diesem Hintergrundwissen lässt sich nachvollziehen, warum die Jugendlichen der JG2 der Gruppe verschiedene Bedeutungen zuschreiben. Für die einen ist der Ort zentral, da grundlegende Bedürfnisse gestillt werden und das soziale Bedürfnis vor allem im Wäsmeli abgedeckt wird. Die Gruppe bildet die Grundlage für Wertschätzung und Anerkennung. Für andere ist es vor allem der Ort, an dem die untersten Bedürfnisse befriedigt werden, da soziale Kontakte zu Gleichaltrigen ausserhalb der Gruppe bestehen. Um auch auf das Individuum einzugehen und nicht nur die aktuellen Bedürfnisse der Jugendlichen zu untersuchen, werden Entwicklungstheorien beigezogen. Gute und stabile Beziehungen beeinflussen unsere Bindungsfähigkeit. Darunter versteht man das Vermögen, mit anderen Menschen längerfristige und emotional ausgeglichene Beziehungen einzugehen. Die Grundlage dafür wird bereits in der frühen Kindheit gelegt (Cassée, 2007, S. 282). Es ist anzunehmen, dass die Jugendlichen der JG2 unterschiedliche, teils unzureichende Erfahrungen mit der Verlässlichkeit ihrer Bezugspersonen gemacht haben, die letztlich zur Fremdplatzierung führten. Insgesamt beschreibt Cassée (2007), dass das in frühen Phasen Gelernte oder nicht Gelernte die Beziehungsfähigkeit und - gestaltung nachhaltig prägt (S. 283). Somit ist nachzuvollziehen, weshalb die Jugendlichen Schwierigkeiten haben, sich auf die Gruppe und das damit verbundene Gruppengefühl einzulassen.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 6 Ähnlich wie bei der Bedürfnispyramide beschreibt Flammer (2017) das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson. Die acht Stufen müssen nacheinander durchlaufen werden. Eine positive Entwicklung der vorherigen Stufe ist Voraussetzung, um die nächste erfolgreich zu meistern. Nicht vollständig bewältigte Stufen können nachträglich aufgearbeitet werden (S. 96). Die Jugendlichen der JG2 befinden sich entwicklungstechnisch auf unterschiedlichen Stufen, da jedoch altersbedingt maximal die fünfte Stufe erreicht wird, werden die letzten drei Stufen ausser Acht gelassen. Alle Jugendlichen der JG2 stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen, was ihre Entwicklung beeinflusste. In der ersten Stufe bis zum ersten Lebensjahr geht es darum, Urvertrauen aufzubauen. In der zweiten Stufe, die Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren durchlaufen, steht altersgerechte Unabhängigkeit im Fokus. Die dritte Stufe im Alter von vier bis fünf Jahren zielt darauf ab, die Umgebung systematisch zu erkunden und Idealrollen auszuprobieren. Die vierte Stufe erstreckt sich vom sechsten Lebensjahr bis zur Pubertät. In dieser Phase orientieren sich Kinder durch Tätigkeiten an der Welt der Erwachsenen, um Anerkennung zu erhalten. In der fünften Entwicklungsstufe, die Jugendliche in der Pubertät durchleben, geht es um die Bildung eines Selbstbildes. Dabei suchen sie nach ihrer Identität und nutzen bisher erworbenes Wissen, um zu verstehen, wer sie sind (Flammer, 2017, S. 96–101). Die Jugendlichen der JG2 haben möglicherweise eine unzureichende psychosoziale Entwicklung erlebt. Daraus könnte geschlossen werden, dass die Jugendlichen mitten in der Erschaffung ihres Selbstbildes stecken, aber aktuell noch zu wenig ausgestattet sind, um sicher in der Gruppe zu agieren. Wenn man davon ausgeht, dass nicht jede Stufe positiv durchlebt wurde, erklärt das eine noch fehlende Ich-Identität und unkonkrete Vorstellungen von der eigenen Person in sozialen Rollen und somit auch in der Gruppe. Diese Individuen bilden eine Gruppe, in diesem Fall die JG2 der Stiftung Wäsmeli. Jede Gruppe hat eine eigene Dynamik, die mit folgenden Phasen genauer verstanden werden kann. Die Komplexität der Gruppendynamik wird durch das Modell von Tuckman (1965), welches fünf aufeinanderfolgende Entwicklungsschritte einer Gruppe erklärt, verständlicher. Die erste Phase, «Forming», tritt ein, wenn sich eine neue Gruppe bildet. Hier stehen Sicherheit, Abgrenzung, das gegenseitige Kennenlernen sowie Einschätzungen und Einordnen im Mittelpunkt. Darauf folgt die Phase «Storming», auch Nahkampfphase genannt. Es treten Konflikte und Spannungen auf. Sind diese Konflikte ausgetragen, mündet die Gruppe in die dritte Phase. In der «Norming»-Phase werden gemeinsame Regeln formuliert und eine Arbeitsfähigkeit trotz Differenzen entsteht. Die abschliessende Phase ist «Performing», in der die Gruppe und ihre Regeln sich bewähren und Stabilität erreicht wird (S. 348–399). Durch Veränderungen oder Erfahrungen kann es zu einer Neuorientierung kommen. Diese Phase, das ReForming, wurde von Stahl (2017) hinzugefügt. Alle Phasen können zyklisch durchlaufen werden und fördern die Weiterentwicklung der Gruppe (S. 75). Wenn bestimmte Phasen übersprungen werden, kann dies zu Verlusten führen. Nicht bearbeitete Konflikte bleiben unentdeckt, und einzelne Gruppenmitglieder koppeln sich von der Gruppe ab. Es können sich Klatschrunden bilden, die unerledigte Phase wird im Verborgenen nachgeholt. Dies zeigt sich in zäher Stimmung und fruchtlosen Auseinandersetzungen. Dies kann angegangen werden, wenn die Gruppe Phasen ansteuert, in denen Unerledigtes bearbeitet wird (Stahl, 2017, S. 82). Es ist davon auszugehen, dass einige Jugendliche diese Phasen bereits durchlaufen haben.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 7 Da sich die Gruppenkonstellation in den nächsten Monaten ändern wird, ist mit einem erneuten ReForming zu rechnen. Begründung des Handlungsbedarfs Die Soziale Arbeit zeichnet sich durch eine Verantwortungsethik aus. Ihre Kernaufgabe ist es, Missstände zu erkennen und zu handeln. Gemäss dem Berufskodex der Sozialen Arbeit unterstützen Fachpersonen Menschen aktiv, fördern ihre Entwicklung und suchen nachhaltige Lösungen für soziale Probleme (Beck et al., 2010, S. 7-10). Auf der JG2 besteht Handlungsbedarf, da Jugendliche wiederholt ihren Unmut über das fehlende Gruppengefühl äusserten. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, ein Setting zu schaffen, in dem Gruppendynamik bewusst wahrgenommen und aktiv erlebt wird. Um dem entgegenzuwirken, wird das Konzept der Gruppenabende überarbeitet. Ziel ist es, das „Wir-Gefühl“ zu stärken und verbindende Erlebnisse innerhalb und ausserhalb der Wohngruppe zu schaffen. Das Leitbild der Stiftung Wäsmeli (Rinert, 2012) betont die hohe Bedeutung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen. Dieser Ansatz fördert Eigenverantwortung, individuelle Entwicklung und Motivation. Entsprechend werden die Jugendlichen aktiv in die Konzeptgestaltung einbezogen. Sie bestimmen Rahmen und Inhalte der Gruppenabende mit, was ihre Selbstbestimmung stärkt und sie zu mehr Engagement motiviert (S. 1). Dieses partizipative Vorgehen sorgt dafür, dass die Gruppenabende nicht als Pflicht wahrgenommen werden, sondern als Chance, Beziehungen zu stärken und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. So entsteht ein Umfeld, das Jugendliche ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und ihre Rolle in der Gruppe positiv zu gestalten. Projektmethodische Fundierung Projektbeteiligte Nachfolgend die Darstellung zur operativen und strategischen Organisation und Gremien mit den zugehörigen Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Die Zusammenarbeit zwischen strategischer und operativer Ebene findet durch periodisch geplante Austauschrunden satt. Die Zusammenarbeit ist wohlwollend, zielund lösungsorientiert. Projektleitung Die Projektleitung übernimmt die in den Rollen und Aufgaben beschriebenen Funktionen und gilt als Hauptverantwortliche zwischen den einzelnen Ebenen. Um diesen Austausch zu gewährleisten wurden Kommunikationskanäle wie informeller Austausch, geplante Austauschsitzungen via Zoomkonferenz oder physische Sitzungen genutzt.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 14 Deutlich wurde im Haltungsabglich das Spannungsfeld zwischen Pflicht und Partizipation. Einerseits sollen die Jugendlichen verbindlich teilnehmen, andererseits soll ihre Mitgestaltung gefördert werden. Um dieses Spannungsfeld produktiv zu nutzen, entwickelte das Team verschieden Ideen für die Begleitung der Jugendlichen bei der Planung, etwa ein Mentor:innenprinzip, Co-Moderation, themenzentrierte Unterstützung oder ein rotierendes Modell, wie seither. Diese Vielfalt zeigte, dass das Team offen war, verschiedene Formen der Begleitung auszuprobieren, solange die Jugendlichen nicht überfordert wurden. Bedürfniserhebung mit den Jugendlichen Im Anschluss wurde eine Bedürfniserhebung mit den Jugendlichen durchgeführt. Als Methode kam die Zukunftswerkstatt zum Einsatz, die sich in drei Phase gliedert: Kritik, Fantasie und Verwirklichung. An der Durchführung nahmen vier Jugendliche teil. Eine Jugendliche war noch bei der Arbeit, ein weiterer verweigerte sich. Letzteres entsprach seinem generellen Verhalten, da er auch bei anderen Gruppenaktivitäten kaum noch teilnahm. Die Grundstimmung während der Erhebung war eher schwierig. Die Jugendlichen waren mässig motiviert und liessen sich zunächst nur schwer auf die Thematik ein. Erst als sie erfuhren, dass es sich um ein Projekt im Rahmen der Ausbildung handelt, zeigten sie sich etwas kooperativer. Auffällig war, dass sie sich stark voneinander beeinflussen liessen. Wenn jemand eine Aussage tätigte, bestätigten die anderen diese sogleich. Auch wenn jemand eine Idee als schlecht empfand, stimmten die anderen meist sofort zu. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Fragen fiel ihnen dadurch schwer. Rückblicken wäre ein Einzelsetting für die Bedürfniserhebung wahrscheinlich zielführender gewesen, da die Jugendlichen dort unabhängiger voneinander hätten Stellung nehmen können. Trotz der schwierigen Stimmung war das Ergebnis der Zukunftswerkstatt eindeutig. In der Kritikphase bezeichneten die Jugendlichen die Gruppenabende als „unnötig“, „langweilig“ und „zu lang“. Sie äusserten insbesondere Kritik daran, dass die Teilnahme der Abende obligatorisch sei. In der Fantasiephase brachten sie kaum eigene Ideen ein, vielmehr wiederholten sie, dass sie keine Lust hätten, Gruppenabende zu organisieren. In der Verwirklichungsphase wurde klar formuliert, dass sie sich wünschen, dass das Team die Gruppenabende organisiert und ihnen dafür mehrere Vorschläge zur Auswahl stellt. Ihre Partizipation sehen die Jugendlichen also nicht in der vollständigen Planung, sondern in der Mitbestimmung durch Auswahlmöglichkeiten. Zusammenführung der Ergebnisse Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt wurden anschliessend ins Team zurückgetragen. Dort stellte die Projektleitung die Sichtweisen der Jugendlichen vor und eröffnete eine Diskussion über mögliche Kompromisslösungen. Schnell zeigte sich, dass ein Mittelweg zwischen den Bedürfnissen der Jugendlichen und den Haltungen des Teams notwendig war. Einerseits wollte das Team an der Pflichtteilnahme festhalten, um die Gruppenabende als festen Bestandteil im Gruppenalltag zu verankern. Andererseits bestand die Einigkeit, dass die Jugendlichen nicht überfordert werden sollten und deshalb stärker auf klare Strukturen und vorbereitete Vorschläge
M251 Projektbericht Timea Schnyder 15 angewiesen sind. So wurde entschieden, dass die Jugendlichen in Zukunft weniger in der Organisation, dafür stärker in der Auswahl und Mitbestimmung eingebunden werden. Darüber hinaus wurde ein neues Modell der Verbindlichkeit festgelegt: Die Gruppenabende sollen weiterhin stattfinden, jedoch alternierend in ihrer Verbindlichkeit. Das bedeutet, dass jeder zweite Abend obligatorisch bleibt, während die dazwischenliegenden Abende freiwillig besucht werden können. Auf diese Weise erhalten die Jugendlichen Wahlfreiheit, ohne dass sie Struktur der monatlichen Gruppenabende verloren geht. Quartalsweise finden zusätzlich Gruppensitzungen statt, die für alle obligatorisch sind. Damit die Jugendlichen sich dort auch aktiv einbringen können, wurde im Rahmen dieses Projekts ein Dokument entwickelt, in dem sie im Vorfeld einige Themen, Anliegen oder Bedürfnisse eintragen können. So erhalten sie die Möglichkeit, die Gruppensitzungen mitzugestalten und ihre Perspektiven einzubringen. Die Diskussion machte sichtbar, dass beide Seiten einige ähnliche Bedürfnisse haben. Weniger Überforderung, mehr Klarheit und abwechslungsreiche Abende. Der Abgleich der Ergebnisse bildete somit die Grundlage für die Erstellung des Leitfadens, der die Haltung des Teams und die Anliegen der Jugendlichen berücksichtigt und gleichzeitig praktikable Strukturen für die Umsetzung bietet. Teilziel 3 Teilziel 3 Überarbeitung Konzept Das Konzept ist überarbeitet und die Bedürfnisse des Teams und den Jugendlichen sind berücksichtig. - Einhaltung der im Vorfeld formulierten Kriterien zur Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse des Teams und der Jugendlichen - Konzept ist theoriebasiert und pädagogisch sinnvoll aufgebaut - Zufriedenheit des Teams mit der Umsetzung der Team-Anforderung im neuen Konzept Erhebungsmethode Abgleich mit gruppeninternem Handbuch Erstellung Erstentwurf Rückmeldungen einarbeiten Ergänzung um zwei zusätzliche Dokumente (Themenliste für Gruppensitzung, Dokumentationsvorlage) Tabelle 7: Teilziel 3 (eigene Darstellung) Als drittes Teilziel wurde die Erarbeitung eines Leitfadens für zukünftige Gestaltung und Durchführung der Gruppenabende verfolgt. Ziel war es, ein praxistaugliches und einheitliches Instrument zu schaffen, das sowohl die Haltungen des Teams als auch die Bedürfnisse der Jugendlichen berücksichtigt und gleichzeitig eine klare Struktur für die Umsetzung gewährleitstet. Während der Auseinandersetzung mit diesem Auftrag zeigte sich zudem, dass ergänzende Dokumente, wie bereits erwähnt die Themenliste für die Gruppensitzungen sowie eine standardisierte Dokumentationsvorlage für die durchgeführte Gruppenabende von grossem Nutzen sein können. Sie wurden daher zusätzlich im Rahmen dieses Projekts entwickelt.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 16 Die Ausarbeitung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Team. Dabei wurde zunächst geprüft, wie sich die projektspezifischen Dokumente nahtlos in die bestehenden Strukturen der Wohngruppe integrieren lassen. Da das gruppeninterne Handbuch im Sommer fertiggestellt werden sollte, war es entscheidend, dass die neuen Instrumente sich in Aufbau, Sprache und Struktur an dieses anlehnen. Um dies zu gewährleisten, erfolgte ein Austausch mit einer Teamkollegin, die in die Erarbeitung des Handbuches involviert war. Auf dieser Grundlage entstand ein erster Entwurf, der anschliessend an ausgewählte Teammitglieder zum Gegenlesen weitergegeben wurde. Das Feedback war überwiegend positiv, lediglich kleinere Anpassungen in der Formulierung und Struktur wurden vorgenommen. Inhalt des Leitfadens Der Leitfaden bildet das zentrale Ergebnis dieses Teilziels. Er gliedert sich in mehrere Kernbereiche. Zielsetzung: Die Gruppenabende verfolgen das übergeordnete Ziel, das Wir-Gefühl innerhalb der Wohngruppe zu fördern, verbindende Erlebnisse zu schaffen und positive Erfahrungen im Alltag ermöglichen. Struktur und Rhythmus: Im Leitfaden ist klar geregelt, dass quartalsweise eine verpflichtende Gruppensitzung durchgeführt wird, die jeweils die Funktion von Reflexion, Austausch und Beteiligung übernimmt. Diese Sitzungen finden im März, Juni, September und Dezember statt und ersetzen in diesen Monaten den regulären Gruppenabend. In allen übrigen Monaten wird ein Gruppenabend angeboten, der alternierend freiwillig und obligatorisch besucht werden kann. So entsteht ein ausgewogenes Modell, das einerseits verbindliche Gefässe für Mitbestimmung sicherstellt, andererseits aber den Wunsch der Jugendlichen nach Freiwilligkeit berücksichtigt. Planung und Verantwortlichkeit: Die Verantwortung für die Organisation und Durchführung der Gruppenabende liegt ausschliesslich beim sozialpädagogischen Team, da die Jugendlichen dies explizit gewünscht haben. Dennoch werden sie über eine Auswahlmöglichkeit in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Konkret erarbeitet das Team mehrere Vorschläge, aus denen die Jugendlichen ihre bevorzugte Aktivität auswählen können. Auf diese Weise wird Partizipation ermöglicht, ohne dass sich die Jugendlichen mit organisatorischen Aufgaben auseinandersetzen müssen. Zusätzliche Dokumente Themenliste für Gruppensitzung: Diese Liste bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, im Vorfeld Anliegen, Fragen oder Themen einzutragen, die sich an der kommenden Gruppensitzung gerne besprechen möchten. Damit wird die Rolle der Jugendlichen als Expert:innen ihres Alltags gestärkt und ihre Beteiligung gezielt gefördert. Zugleich erleichtert die Liste dem Team die Vorbereitung, da es einen Überblick über die für die Jugendlichen relevanten Inhalte erhält. Dokumentationsvorlage für Gruppenabende Zur nachhaltigen Sicherung der Qualität wurde eine standardisierte Vorlage entwickelt, mit der die durchgeführten Gruppenabende dokumentiert werden können. In tabellarischer Form werden dabei Datum, Thema/Inhalt, teilnehmende Jugendliche, Erkenntnisse/Reflexion sowie Besonderheiten
M251 Projektbericht Timea Schnyder 17 festgehalten. Diese Form der Nachbereitung ermöglicht es, über die Zeit eine Sammlung von Erfahrungen aufzubauen, aus der zukünftige Planungen profitieren können. Mit der Erstellung des Leitfadens sowie die ergänzenden Dokumente wurde ein tragfähiges Fundament gelegt, auf dem die zukünftige Gestaltung der Gruppenabende aufbauen kann. Das Ergebnis vereint die Anliegen der Jugendlichen mit den professionellen Haltungen des Teams und sorgt zugleich für Klarheit, Transparenz und Verbindlichkeit im Vorgehen. Durch diese enge Orientierung am gruppeninternen Handbuch ist zudem gewährleistet, dass sie neuen Instrumente langfristig Bestand haben und fest in den Alltag der Wohngruppe integriert, werden können. Der Leitfaden und die weiteren Dokumente wurden nach ihrer Fertigstellung im Rahmen einer Teamsitzung präsentiert und abgelegt. Damit steht der Wohngruppe nun einen strukturierten Leitfaden zur Verfügung, das nicht nur aktuelle Bedürfnisse aufgreift, sondern auch flexibel genug ist, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Teilziel 4 Teilziel 4 Umsetzung Der neue Leitfaden für die monatlichen Gruppenabende wird in der JG2 eingeführt und angewendet. - Gruppenabende finden regelmässig nach dem neuen Leitfaden statt - Jugendlichen nehmen aktiv und zahlreich an den Gruppenabenden teil - JG2 zeigt positive Rückmeldungen bezüglich der Inhalte und der Organisation der Gruppenabende - Mitarbeitenden sind mit dem Ablauf und den Ressourcen des neuen Leitfadens zufrieden Erhebungsmethode Teilnehmende Beobachtung Spontane Rückmeldung der Jugendlichen Austausch im Team über den Ablauf/Wirkung Dokumentationsanalyse Tabelle 8: Teilziel 4 (eigene Darstellung) Nach der Erarbeitung des Leitfadens und der begleitenden Dokumente wurde der neue Leitfaden in der Jugendgruppe eingeführt. Die Projektleitung war aktiv an der Organisation und Durchführung der ersten beiden Gruppenabende beteiligt. Der erste Abend fand auf freiwilliger Basis statt. Die Jugendlichen konnten aus drei Vorschlägen währen und entschieden sich dafür, gemeinsam Kebab essen zu gehen. Als am Mittag die Jugendlichen informiert wurden, entschieden sich nicht alle mitzukommen und nutzten die Möglichkeit den Abend frei zu gestalten. Kurz bevor der Gruppenabend startete, stiessen dann nach und nach doch alle Jugendlichen dazu und entschieden sich mitzukommen. Die Stimmung war von Anfang an locker und geprägt von einer positiven Grundhaltung. Eine Jugendliche war erst seit kurzem wohnhaft im Wäsmeli und die Möglichkeit, alle am Gruppenabend besser kennenzulernen, wurde aktiv genutzt. Nach dem Essen trennten sich die Wege. Die Jugendlichen entschieden sich für die Rückfahrt mit dem Bus,
M251 Projektbericht Timea Schnyder 18 während die beiden diensthabenden Fachpersonen zu Fuss zurückgingen. Die Aufteilung lief problemlos. Auch nach der Rückkehr bleib die entspannte Stimmung bestehen und einige Jugendlichen liessen sich noch für ein kurzes Spiel motivieren. Der zweite Gruppenabend war eine obligatorische Gruppensitzung, die bewusst in der Woche des Frühlingsputzes geplant wurde. Dies stellte sicher, dass die Jugendlichen alle relevanten Informationen für den kommenden Samstag erhielten. Zudem wurden die Gruppenämtli gemeinsam verteilt, wodurch die Jugendlichen aktiv in die Planung einbezogen wurden. Die Durchführung direkt nach dem Abendessen erwies sich als sinnvoll. Die Jugendlichen mussten ihr eigenes Programm nicht unterbrechen und konnten die Sitzung anschliessend abschliessen. Einige Jugendliche konnten aufgrund von Abwesenheiten nicht teilnehmen. Ein Jugendlicher befand sich im Probewohnen zu Hause. Da es angedacht war, dass er ebenfalls am Frühlingsputz erscheint, wurden ihm die Informationen per WhatsApp geschrieben. Durch drei Schnuppertage ausserhalb des Kantons Luzern war eine Jugendliche nicht im Wäsmeli, sie erhielt die Infos, bevor sie ging. Eine weitere Jugendliche befand sich auf Kurvengang und war somit abwesend. Trotz dieser Abwesenheiten lief die Sitzung konstruktiv ab. Ein dritter Gruppenabend wurde ebenfalls nach dem neuen Leitfaden durchgeführt, während die Projektleitung abwesend war. An einer Teamsitzung wurde geklärt, wer die Organisation und Umsetzung übernehmen. Der Gruppenabend war erneut freiwillig und verlief laut Rückmeldung erfolgreich. Alle Jugendlichen nahmen teil, was auf eine hohe Akzeptanz des neuen Rahmens hinweist. Die Möglichkeit, freiwillig teilzunehmen, brachte eine spürbar entspanntere Atmosphäre. Die Jugendlichen schätzten es, nicht zur Teilnahme verpflichtet zu sein und selbst Einfluss auf die Programmwahl zu haben, ohne dabei den Gruppenabend selbst organisieren zu müssen. Dies spiegelte sich besonders beim ersten Gruppenabend wider, der von den Jugendlichen positiver bewertet wurde als die Gruppensitzung. Dennoch war die Sitzung ebenfalls von einer guten Grundhaltung geprägt, da sie effizient durchgeführt wurde und praxisrelevante Themen behandelte. Die Projektleitung konnte feststellen, dass eine Kombination aus klarer Struktur (obligatorischen Sitzungen) und partizipativer Mitbestimmung (freie Wahl bei fakultativen Abenden) eine hohe Akzeptanz und eine positivere Grundstimmung schafft. Die erstellte Dokumentationsvorlage wurde in der Praxis genutzt, was sich als hilfreich für die Nachbereitung und künftige Planung erweisen könnte. Der neue Leitfaden wurde erfolgreich implementiert und wird bis auf Weiteres in dieser Form durchgeführt. Das Team hat vereinbart, den Leitfaden immer wieder erneut zu validieren und bei Bedarf an veränderte Gruppenbedürfnisse anzupassen.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 19 Teilziel 5 Teilziel 5 Evaluation Die Wirksamkeit und Akzeptanz des neuen Leitfadens werden regelmässig überprüft und bewertet. - Rückmeldungen des Teams zur Durchführung und Wirkung der neuen Aktivitäten auf den Gruppenzusammenhalt. - Rückmeldungen der Jugendlichen zur Zufriedenheit mit dem neuen Leitfaden. Erhebungsmethode Einzelgespräche mit Jugendlichen Teamrückmeldungen Beobachtung im Alltag Tabelle 9: Teilziel 5 (eigene Darstellung) Die Evaluation der Wirksamkeit und Akzeptanz des neuen Leitfadens erfolgte sowohl über Rückmeldungen des Teams als auch durch Feedback der Jugendlichen. Dabei zeigte sich ein überwiegend positives Gesamtbild, wenngleich gewisse Einschränkungen und differenzierte Haltungen erkennbar blieben. Rückmeldung des Teams Das Team bewertete den neuen Leitfaden und die damit verbundene Struktur als praktikabel, sinnvoll und praxisnah. Besonders der Kompromiss, sowohl obligatorische als auch freiwillige Gruppenabende anzubieten, wurde als ausgewogen und zielführend wahrgenommen. Er ermögliche, den Bedürfnissen der Jugendlichen nach mehr Flexibilität entgegenzukommen, ohne die pädagogische Notwenigkeit verbindlicher Treffen gänzlich aufzugeben. Die geplante Weiterführung des Leitfadens unterliegt einer fortlaufenden Überprüfung. Dabei ist vorgesehen, in regelmässigen Abständen zu reflektieren, ob die Zielsetzung des Leitfadens weiterhin erreicht wird oder Anpassungen notwendig sind. Rückmeldung der Jugendlichen Die Rückmeldungen der Jugendlichen wurden bewusst im Einzelsetting eingeholt, um soziale Beeinflussung innerhalb der Gruppe zu vermeiden. Dabei zeigte sich, dass sie Jugendlichen die neue Struktur überwiegend als Entlastung erleben. Besonders positiv hervorgehoben wurde, dass sie nicht mehr in die Organisation der Gruppenabende eingebunden sind, sondern stattdessen zwischen vorbereiteten Vorschlägen auswählen können. Auch die Freiwilligkeit mancher Gruppenabende wurde als klare Verbesserung und „Entspannung“ um Gruppenalltag beschrieben. Gleichzeitig wurde geäussert, dass Gruppensitzungen aus Sicht der Jugendlichen weiterhin als weniger wichtig empfunden werden. Die pädagogische Begründung für deren Beibehaltung konnte jedoch im Austausch mit dem Team vermittelt werden, sodass dieser Bestandteil bleibt. Bezogen auf die Wirksamkeit lässt sich aus Teamrückmeldungen ableiten, dass sich der Gruppenzusammenhalt insgesamt positiv entwickelt hat. Neben den regulären Gruppenabenden fanden vermehrt spontane gemeinsame Aktivitäten statt, wie beispielsweise ein Fussballspiel, gemeinsames Glace-Essen oder Kartenspiele am Abend. Diese informellen Momente deuten auf eine erhöhte
M251 Projektbericht Timea Schnyder 20 Bereitschaft zu gemeinschaftlichen Aktivitäten hin, was den intendierten Wirkungszielen des Leitfadens entspricht. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass der neue Leitfaden von beiden Seiten, Team und Jugendliche, mehrheitlich akzeptiert wird. Die Kombination aus klarer Struktur, Mitbestimmungsmöglichkeiten und der Option auf Freiwilligkeit trägt zu einer positiven Grundhaltung bei. Dennoch bleiben kritische Punkte bestehen. Einige Jugendliche würden am liebsten grundsätzlich auf Gruppenabende verzichten, was die Notwendigkeit kontinuierlicher Reflexion und Anpassung unterstreicht. Das Team ist sich dieser Dynamik bewusst und plant, die Wirksamkeit regelmässig zu überprüfen und den Leitfaden Gruppenbedürfnissen anzupassen. Projektaufbau und Ablauf Tabelle 10: Definitive Projektablauforganisation (eigene Darstellung)
M251 Projektbericht Timea Schnyder 21 Abweichungen des Zeitplans Im Rahmen der Planung und Organisation des Projektablaufs kam es aufgrund verschiedener Veränderungen innerhalb des Gruppenalltags zu einzelnen Anpassungen. Diese betrafen vor allem kleinere zeitliche Verschiebungen und organisatorische Details, die notwendig wurden, um auf unvorhergesehene Entwicklungen flexibel reagieren zu können. Trotz dieser punktuellen Anpassungen standen insgesamt genügend zeitliche Ressourcen zur Verfügung, sodass das Projekt in den vorgesehenen Stundenrahmen integriert und umgesetzt werden konnte. Die nachfolgenden Ausführungen enthalten eine detaillierte Beschreibung sowie eine Evaluation der drei zentralen Projektphasen. Dabei orientierte sich das gesamte Vorgehen an den Grundlagen und Strukturen, die in der im Modul Projektmethodik erarbeiteten Auftragsvereinbarung festgelegt wurden. Planungsphase Die Planungsphase begann offiziell in der Kalenderwoche 1. Am 08. Januar 2025 fand die Kick-OffVeranstaltung mit der Auftraggeberin Rahel Schäfer sowie der Projektbegleitung statt. Dabei wurde die Auftragsvereinbarung unterzeichnet und der Ablauf des Projekts besprochen. Ein zentraler Bestandteil dieser Phase war die Erstellung des neuen Leitfadens für die monatlichen Gruppenabende. Dieser sollte klare Strukturen bieten und gleichzeitig die Partizipation der Jugendlichen stärken. Um die Grundlage für die Leitfadenentwicklung zu schaffen, wurden in dieser ersten Phase erste Bedürfnisabklärungen vorbereitet und durchgeführt. Die Befragung des Teams fand, wie geplant, in Form eines Austausches an einer Teamsitzung statt. Dabei wurden Erwartungen, bisherige Schwierigkeiten und Ideen gesammelt. Schnell zeichnete sich ab, dass die Themen Freiwilligkeit, klare Strukturen und Planungsentlastung von besonderer Bedeutung sein würden. Die zweite Erhebung richtet sich an die Jugendlichen. Diese wurde im Rahmen der Zukunftswerkstatt durchgeführt, um ihre Perspektive möglichst offen einzubeziehen. Dabei wünschten sich die Jugendlichen mehr Mitbestimmung bei den Inhalten, weniger Verpflichtung und weniger organisatorische Verantwortung. Die Resultate bestätigten die erste Einschätzung aus dem Haltungabgleich im Team. Es braucht ein ausgewogenes Konzept zwischen Mitbestimmung und Struktur. In Gesprächen mit dem ganzen Team wurde daher entschieden, dass einige Gruppenabende obligatorisch bleiben (für wichtige Informationen und Gruppengespräche, sowie geplante Zeit als Gruppe), während andere freiwillig gestaltet werden. Zusätzlich wurde festgelegt, dass Themenwünsche der Jugendlichen fortlaufend in einer Sammlung dokumentiert werden. Die Planungsphase verlief insgesamt gut, erforderte aber punktuelle Anpassungen, um alle Bedürfnisse gerecht zu werden. Durch die regelmässigen Rückmeldeschlaufen mit der Auftraggeberin konnte flexibel reagiert werden. Die vorgesehenen zeitlichen Ressourcen reichten aus, sodass die Planungsphase trotz diesen zusätzlichen Schritten termingerecht abgeschlossen werden konnte.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 22 Umsetzungsphase Die Umsetzungsphase startete später als ursprünglich geplant, da den ersten beiden Gruppenabenden bewusst nicht während der Schulferien stattfinden sollte. Der Grund dafür war, dass in dieser Zeit erfahrungsgemäss einige Jugendliche abwesend sind. Um eine möglichst vollständige Teilnahme zu gewährleisten, wurde der Start der Umsetzung um einige Wochen verschoben. Die Projektleitung war in dieser Phase stark involviert. Die Organisation, Moderation und Dokumentation der Gruppenabende sowie die Kommunikation mit dem Team übernahm die Projektleitung. Der erste Gruppenabend im neuen Rahmen war freiwillig. Zur Auswahl standen drei Vorschläge, aus denen die Jugendlichen gemeinsam einen Favoriten wählten. Anfangs wollten nicht alle teilnehmen, doch schlussendlich schlossen sich alle an. Die Stimmung war entspannt und es kam zu vielen Gesprächen ausserhalb des Heimalltags. Der zweite Gruppenabend war eine obligatorische Gruppensitzung, bewusst in der Woche des Frühlingspitzes geplant. Ziel war es, organisatorische Informationen weiterzugeben und gemeinsam die Aufgabenverteilung vorzunehmen. Einige Jugendliche konnten aufgrund von Schnupperlehren oder Kurvengang nicht teilnehmen, dennoch verlief die Sitzung strukturiert und zielführend. Obwohl Gruppensitzungen nicht besonders beliebt sind, wurde dieses Format akzeptiert, weil es einen klaren Nutzen für alle bot. Während der Abwesenheit der Projektleitung organisierte das Team einen weiteren Gruppenabend. Dieser wurde ebenfalls gut angenommen, was darauf hindeutet, dass der neue Leitfaden tragfähig ist und von den Mitarbeitenden als praktikabel empfunden wird. Insgesamt zeigte sich, dass die Mischung aus obligatorischen und freiwilligen Abenden eine gute Balance zwischen Struktur und Wahlfreiheit ermöglicht. Evaluationsphase Die Evaluationsphase fand laufend und abschliessend statt. Die Rückmeldungen der Jugendlichen wurden bewusst im Einzelsetting eingeholt, um zu vermeiden, dass Antworten durch Gruppendruck beeinflusst werden. Die Jugendlichen äusserten sich mehrheitlich positiv. Sie schätzten die Entlastung von organisatorischen Aufgaben und die neue Möglichkeit zwischen Angeboten zu wählen. Besonders die Freiwilligkeit mancher Abende wurde als angenehm empfunden, da dies für die Entspannung im Gruppenalltag sorgte. Gruppensitzungen wurden weiterhin kritisch gesehen. Dennoch konnte das Team deren Wichtigkeit für den Informationsfluss und die Struktur erläutern. Einige Jugendliche sagten, sie würden am liebsten gar keine Gruppenabende haben, wenn aber, dann in der aktuellen Form. Das Team bewertete den Leitfaden ebenfalls als positiv. Es wurde hervorgehoben, dass die klare Struktur und die ausgewogene Verbindlichkeit eine gute Grundlage für die Arbeit darstellen. Besonders geschätzt wurde die Regelung, dass nicht mehr die Jugendlichen für die Organisation verantwortlich sind, sondern diese entlastet werden. Aus Sicht des Teams konnte der neue Leitfaden erfolgreich in den Alltag integriert werden. Erste Beobachtungen deuteten darauf hin, dass der Gruppenzusammenhalt leicht gestärkt wurde. Auch ausserhalb der Gruppenabende fanden vermehrt gemeinsame Aktivitäten statt, wie Fussballspiele oder gemeinsames Glace essen.
M251 Projektbericht Timea Schnyder 23 Die Überprüfung von Wirksamkeit und Akzeptanz wird künftig durch das Team fortgesetzt. Damit bleibt der Leitfaden dynamisch und orientiert sich weiterhin an den aktuellen Bedürfnissen. Ressourcen und Risiken Die Analyse der Ressourcen und Risiken erfolge mithilfe der S-W-O-T-Analyse sowie einer ergänzender Risikoanalyse, die beide in der Projektskizze festgehalten wurden. Diese Instrumente ermöglichten es einerseits, bestehende Stärken detailliert zu erfassen und damit den Handlungsbedarf für das Projekt zusätzlich zu untermauern. Andererseits konnten potenzielle Herausforderungen und Unsicherheiten frühzeitig identifiziert und konkret benannt werden. Beide Analysen bildeten eine wesentliche Grundlage für die Vorbereitung, da sie der Projektleitung erlaubten, präventive Massnahmen zu entwickeln und sich strategisch auf mögliche Störungen oder unerwartete Entwicklungen während der Umsetzung einzustellen. S-W-O-T-Analyse Mittels der S-W-O-TAnalyse konnten nach Projektabschluss folgende Stärken, Chancen, Schwächen und Risiken für die Gegenwart und Zukunft des Projektes beschrieben werden. Gegenwart Zukunft + • Grundkenntnisse zu Arbeiten mit Gruppen sind durch das besuchte Modul gegeben • Thematik ist auf der JG2 aktuell • Unterstützung der Gruppenleitung Rahel Schäfer • Team steh t oYen und motiviert dem Projekt gegenüber • Budget ist genügend vorhanden • Interesse und Motivation der Projektleitung ist vorhanden • Die Überarbeitung des Konzepts kann nachhaltig das Wir-Gefühl und die Gruppendynamik stärken. • Die Jugendlichen gewinnen durch die Mitbestimmungserfahrungen Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung • Positive Rückmeldungen stärken die Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuungsteam - • Gelingen des Projektes ist abhängig von der Motivation und der Mitarbeit der Jugendlichen • Einzelprojekt, damit ist die Projektleitung allein verantwortlich für die Planung, die Umsetzung und Evaluation des Projektes • Unzureichende Motivation der Jugendlichen bei der Bedürfniserhebung mitzumachen • Gruppe ändert sich während Prozess • Zeitdruck während der Umsetzungsphase könnte zu einer unzureichenden Ausarbeitung führen Tabelle 11: S-W-O-T-Analyse (eigene Darstellung)
M251 Projektbericht Timea Schnyder 30 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Projektaufbauorganisation (eigene Darstellung) ...................................................................... 8 Tabelle 2: Projektaufbauebene strategisch (eigene Darstellung) .............................................................. 9 Tabelle 3: Projektaufbauebene operativ (eigene Darstellung) .................................................................. 9 Tabelle 4: Zielbaum (eigene Darstellung) .............................................................................................. 10 Tabelle 5: Teilziel 1 (eigene Darstellung) ............................................................................................... 11 Tabelle 6: Teilziel 2 (eigene Darstellung) ............................................................................................... 13 Tabelle 7: Teilziel 3 (eigene Darstellung) ............................................................................................... 15 Tabelle 8: Teilziel 4 (eigene Darstellung) ............................................................................................... 17 Tabelle 9: Teilziel 5 (eigene Darstellung) ............................................................................................... 19 Tabelle 10: Definitive Projektablauforganisation (eigene Darstellung) .................................................... 20 Tabelle 11: S-W-O-T-Analyse (eigene Darstellung) ................................................................................ 23 Tabelle 12: RisikoanalyseRisiko 1 (eigene Darstellung) ....................................................................... 24 Tabelle 13: RisikoanalyseRisiko 2 (eigene Darstellung) ....................................................................... 25 Tabelle 14: RisikoanalyseRisiko 3 (eigene Darstellung) ....................................................................... 26 Tabelle 15: Finanzplan (eigene Darstellung) ......................................................................................... 27
M251 Projektbericht Timea Schnyder 31 Anhang
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