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Universelles Design in der Praxis: Vielfalt als Norm in der Arbeitsintegration: Projektbericht

Hedinger, Rebecca

Abstract

Der Projektbericht dokumentiert die erfolgreiche Entwicklung, Implementierung und Evaluation einer barrierearmen Anleitung zum Weben von Topflappen in der AOZ-Handwerkstatt. Das Projekt zielte darauf ab, ein inklusives Medienformat zu schaffen, das die Bedürfnisse aller Teilnehmenden – gehörlose Migrant:innen, Menschen mit sprachlichen, kognitiven, psychischen und physischen Einschränkungen – berücksichtigt. Aufbauend auf Inklusion, Empowerment und Universellem Design wurde die bestehende Videoanleitung überarbeitet und mit einem visuellen Schritt-für-Schritt Anleitung ergänzt. Im Fokus standen Teilhabe, Selbstständigkeit und Arbeitsmotivation aller Teilnehmenden im Werkstattalltag der beiden arbeitsintegrativen Programme. Die Umsetzung erfolgte partizipativ mit Teilnehmenden, Fachpersonen und Expert:innen. Die entwickelten Materialien werden dauerhaft genutzt und tragen zur inklusiven Gestaltung arbeitsagogischer Angebote bei. Das Projekt zeigt modellhaften Charakter für weitere barrierearme Anleitungen und reflektiert gleichzeitig die Grenzen und Möglichkeiten des Universellen Designs in diesem Kontext.

Full text

Projektbericht | Rebecca Hedinger | SA.103PMSA.F25 | Inklusive Webanleitung Hochschule Luzern – Soziale Arbeit | Studienrichtung SA | Dozierende: Projektbegleitung: Nadin Saxer 12.September 2025 Projektbericht Projektdauer: April - August 2025 Universelles Design in der Praxis: Vielfalt als Norm in der Arbeitsintegration Mit einer barrierearmen Anleitung werden alle Teilnehmenden befähigt, selbstständig Topflappen zu weben – Vielfalt und individuelle Bedürfnisse werden als Norm verstanden. Foto: Eigene Aufnahme, Webarbeiten Seite 1/1 Universelles Design in der Praxis: Vielfalt als Norm in der Arbeitsintegration Mit einer barrierearmen Anleitung werden alle Teilnehmenden befähigt, selbstständig Topflappen zu weben – Vielfalt und individuelle Bedürfnisse werden als Norm verstanden. Projektzeitraum von April bis August 2025 Name Autorin: Rebecca Hedinger Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Sozialarbeit Begleitperson: Nadin Saxer Eingereicht am: 12. September 2025 Diese Arbeit wurde am 12. September 2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich. 09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. 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Aufbauend auf Inklusion, Empowerment und Universellem Design wurde die bestehende Videoanleitung überarbeitet und mit einem visuellen Schritt-für-Schritt Anleitung ergänzt. Im Fokus standen Teilhabe, Selbstständigkeit und Arbeitsmotivation aller Teilnehmenden im Werkstattalltag der beiden arbeitsintegrativen Programme. Die Umsetzung erfolgte partizipativ mit Teilnehmenden, Fachpersonen und Expert:innen. Die entwickelten Materialien werden dauerhaft genutzt und tragen zur inklusiven Gestaltung arbeitsagogischer Angebote bei. Das Projekt zeigt modellhaften Charakter für weitere barrierearme Anleitungen und reflektiert gleichzeitig die Grenzen und Möglichkeiten des Universellen Designs in diesem Kontext. Inklusive Webanleitung 3 Inhaltsverzeichnis Allgemeine Informationen zum Projekt ...................................................................................... 5 1 Einleitung ...................................................................................................................... 6 1.1 Auftraggeberin im Fachbereich Bildung & Arbeit (BIA) ................................................................ 6 1.2 Ausgangslage ............................................................................................................................... 7 1.3 Problemstellung .......................................................................................................................... 8 1.4 Abgrenzung der Problemstellung ................................................................................................ 8 1.5 Projektmotivation und Begründung ............................................................................................ 9 1.6 Aufbau Projektbericht ................................................................................................................. 9 2 Hauptteil ..................................................................................................................... 10 2.1 Analyse der Situation ................................................................................................................. 10 2.1.1 Arbeitsagogische Perspektive: Selbstwirksamkeit und Autonomie als Kernziele ............... 10 2.1.2 Empowerment-theoretische Analyse: Macht und Partizipation .......................................... 11 2.1.3 Universal Design for Learning: Systematische Barrieren im Lernzugang ............................ 11 2.1.4 Sozialarbeiterische Analyse: Strukturelle Diskriminierung und professioneller Auftrag .............................................................................................................................. 12 2.1.5 Design Thinking: Partizipative Analyse der Lebenswelten ................................................. 12 2.1.6 Systemische Zusammenhänge und Wechselwirkungen ..................................................... 13 2.2 Bestimmung, Bewertung und Begründung des Handlungsbedarfs aus Sicht der Sozialen Arbeit 13 2.2.1 Rechtliche Legitimation: Menschenrechte als handlungsleitende Basis ............................. 13 2.2.2 Berufsethische Verpflichtungen: Der Berufskodex als Handlungsauftrag .......................... 14 2.2.3 Theoretisch-methodische Begründung: Fachliche Standards der Sozialen Arbeit ............... 14 2.2.4 Institutionelle Legitimation: Das Leitbild der AOZ als Handlungsrahmen .......................... 15 2.2.5 Gesellschaftlicher Auftrag: Inklusion als Zukunftsaufgabe ............................................... 15 2.2.6 Design Thinking als methodische Legitimation ................................................................. 15 2.2.7 Integrale Projektmethodik als Umsetzungsrahmen ........................................................... 15 2.2.8 Dringlichkeit und Priorität des Handlungsbedarfs ............................................................. 16 2.2.9 Handlungsnotwendigkeiten als konkrete Ableitungen ....................................................... 16 2.3 Legitimation des Projekts ........................................................................................................... 16 2.4 Projektmethodische Fundierung ................................................................................................. 17 2.4.1 Zielgruppen ....................................................................................................................... 17 2.4.2 Projektziele ....................................................................................................................... 17 2.4.3 Projektaufbau .................................................................................................................... 19 2.4.4 Verantwortlichkeiten ........................................................................................................ 20 2.4.5 Werte der Zusammenarbeit ............................................................................................... 23 2.4.6 Projektablauforganisation ................................................................................................ 24 2.4.7 Controlling und Steuerung ............................................................................................... 26 2.4.8 Budget ............................................................................................................................... 27 2.5 Methodisches Vorgehen .............................................................................................................. 28 2.5.1 Design Thinking als methodische Grundlage .................................................................... 29 2.5.2 Partizipative Bedarfserhebung und systematische Datenerfassung .................................. 29 2.5.3 Selbst-Fremd-Abweichungsanalyse als methodische Innovation ....................................... 29 2.5.4 Personas-Entwicklung und evidenzbasierte Lösungskonzeption ....................................... 30 Inklusive Webanleitung 4 2.5.5 Prototyping und iterative Entwicklung ............................................................................. 30 2.5.6 Typografie und Struktur nach Universal Design ............................................................... 30 2.5.7 Technische Umsetzung ...................................................................................................... 31 2.5.8 Ressourcen und Risiken .................................................................................................... 31 2.6 SWOT-Analyse .................................................................................................................... 32 2.7 Risikoanalyse ............................................................................................................................. 33 2.8 Beschreibung und Interpretation der Ergebnisse ........................................................................ 36 2.8.1 Beschreibung der Ergebnisse ............................................................................................ 36 2.8.2 Interpretation der Ergebnisse ........................................................................................... 38 2.8.3 Methodische Innovations-Interpretation .......................................................................... 39 2.8.4 Grenzen und realistische Einordnung ............................................................................... 40 3 Schlussteil ................................................................................................................... 41 3.1 Evaluation der Ergebnisse .......................................................................................................... 41 3.1.1 Formative Evaluation ........................................................................................................ 41 3.1.2 Summative Evaluation ...................................................................................................... 41 3.1.3 Sicherung der Nachhaltigkeit ........................................................................................... 43 3.2 Schlussfolgerungen und Perspektiven ....................................................................................... 44 3.2.1 Zentrale Erkenntnisse ...................................................................................................... 44 3.2.2 2.2 Universal Design als grundlegende Denkweise ............................................................ 45 3.2.3 Kombiniertes Medien-Begleitungs-Konzept für nachhaltige Teilhabe ............................... 46 3.2.4 2.4 Übertragbarkeit und Weiterentwicklung ..................................................................... 46 Anhang .................................................................................................................................... 50 Abbildungsverzeichnis Titelbild: Hedinger, R. (2025). Webarbeiten [Fotografie] ...................................................1 Abbildung 1: Integrationsagenda Illustration (Digitale Grafik). Kantonale Integrationsprogramme (KIP) ........................................................................................... 6 Abbildung 2: Quelle: AOZ Arbeitsintegration Angebotsübersicht ....................................... 7 Abbildung 3: Projektaufbauorganisation (eigene Darstellung) ........................................ 20 Abbildung 4:Werte der Zusammenarbeit (eigene Darstellung) ........................................ 23 Anhang Anhang A, Abb. A Neue Aufbauorganisation AOZ. ........................................................... 50 Anhang B, Abb. B, Organigramm BSI / Fachbereich Arbeit (neu BIA) ............................... 51 HWS: Handwerkstatt PCH: Praxis CHECK Abkürzungsverzeichnis Inklusive Webanleitung 5 Allgemeine Informationen zum Projekt Name des Projekts Universelles Design in der Praxis: Vielfalt als Norm in der Arbeitsintegration Projektklassifizierung Entwicklungsprojekt mit Evaluationselementen Trägerschaft Asylorganisation AOZ, Bildung und Arbeit (BIA) Handwerkstatt Robert-Maillart-Strasse 14 8050 Zürich Telefon +41 44 415 64 22 Verantwortliche Person der Trägerschaft Kerstin Hirzcy, Leiterin Handwerkstatt AOZ / Praxis CHECK [email protected] Projektleitung operative Ebene Rebecca Hedinger [email protected] 12 ECTS/360h Projektbegleitung Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Nadine Saxer Telefon +41 41 367 49 15 [email protected] Werftestrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 15 h Tabelle 1: Allgemeine Information zum Projekt (eigene Darstellung) Inklusive Webanleitung 6 1 Einleitung Die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) ist eine öffentlich-rechtliche Institution der Stadt Zürich. Sie übernimmt im Auftrag von Bund, Kanton und Gemeinden Aufgaben im Asylund Integrationsbereich. Ziel ist es, Menschen mit Migrationshintergrund gesellschaftliche Teilhabe, Stabilität und Zugang zu Bildung und Arbeit zu ermöglichen. Die AOZ bietet Wohnlösungen, Bildungsmassnahmen, psychosoziale Betreuung und arbeitsagogische Angebote. Die institutionellen Grundlagen sind in den städtischen Rechtsgrundlagen verankert (AOZ, o. D.). Im Fokus stehen Empowerment, Alltagstauglichkeit und der Abbau struktureller Hürden. Die Aufbauund Linienverantwortungen der AOZ sind im Organigramm der Gesamtorganisation dargestellt (vgl. Anhang A, Abb. A (AOZ, 2025). Für das Projekt zentral ist die Einbettung des Fachbereichs Bildung und Arbeit (BIA) in diese Gesamtstruktur. Abbildung 1: Integrationsagenda Illustration (Digitale Grafik). Kantonale Integrationsprogramme (KIP) 1.1 Auftraggeberin im Fachbereich Bildung & Arbeit (BIA) Das Projekt ist im Fachbereich Bildung & Arbeit (BIA) angesiedelt und fokussiert ein Angebot in der Arbeitsintegration. Diese Abteilung ist zuständig für die Integration von Geflüchteten und Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Sie umfasst unter anderem die Handwerkstatt der AOZ sowie den Praxis CHECK. Der Praxis CHECK untersteht einem direkten Leistungsauftrag der Stadt Zürich (AfA). Der Fachbereich Bildung und Arbeit (BIA) ist als eigenständige Einheit innerhalb der AOZ organisiert; er umfasst u. a. die Handwerkstatt und den Praxis CHECK (vgl. Anhang B, Abb. B). Die fachliche Verantwortung liegt bei der BIA-Leitung; die operativen Angebote werden durch Fachleitungen geführt (AOZ, 2024). Inklusive Webanleitung 7 Die Programme richten sich an unterschiedliche Zielgruppen: 1. Die Handwerkstatt richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen, kognitiven Einschränkungen oder sozialen Belastungen. Sie bietet niedrigschwellige Tätigkeiten im Papierund Textilbereich an wie Weben, Schneidern, Nähen. Sie ermöglicht eine stabilisierende Tagesstruktur und fördert soziale Einbindung und Selbstwirksamkeit (Togni-Wetzel, 2016, S. 64). 2. Der Praxis CHECK dient der beruflichen Abklärung von Personen mit Deutschkenntnissen auf mindestens Niveau A2.2, die vom RAV oder der IV zugewiesen werden. Die Auftraggeberin stellt Ressourcen, Personal und fachliche Begleitung zur Verfügung. Abbildung 2: Quelle: AOZ Arbeitsintegration Angebotsübersicht 1.2 Ausgangslage Die Teilnehmenden der Handwerkstatt der AOZ bilden eine äusserst heterogene Gruppe; Vielfalt ist die Norm. Die Zielgruppe umfasst Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen, kognitiven, sensorischen und sozialen Voraussetzungen – darunter gehörlose Migrant:innen, Personen mit psychischen Belastungen, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen sowie Senior:innen oder Inklusive Webanleitung 14 2.2.2 Berufsethische Verpflichtungen: Der Berufskodex als Handlungsauftrag Der Berufskodex von AvenirSocial (2010, S. 9-10) verpflichtet Fachpersonen der Sozialen Arbeit explizit dazu, «Barrieren abzubauen» und «diskriminierende Praktiken zu bekämpfen». Die derzeitige Tolerierung einer systematisch ausschliessenden Anleitung stellt eine Verletzung dieser berufsethischen Standards dar. Besonders relevant ist das im Berufskodex verankerte Prinzip der «sozialen Gerechtigkeit», dass nicht nur individuelle Hilfe, sondern auch strukturelle Veränderungen zur Verbesserung der Lebensumstände marginalisierter Gruppen fordert. Das Projekt entspricht diesem Auftrag durch die Entwicklung inklusiver Strukturen anstatt kompensatorischer Einzelmassnahmen. 2.2.3 Theoretisch-methodische Begründung: Fachliche Standards der Sozialen Arbeit Empowerment als Kernauftrag Zimmermans Empowerment-Konzept (2000, S. 47) zeigt, dass die Stärkung von Handlungsmacht ein zentraler Auftrag der Sozialen Arbeit ist. Die derzeitige Situation produziert jedoch systematisch das Gegenteil: Ohnmacht, Abhängigkeit und soziale Exklusion. Ein professioneller sozialarbeiterischer Auftrag erfordert daher die aktive Veränderung dieser Empowerment-hemmenden Strukturen. Die drei Dimensionen des Empowerments (intrapersonal, interaktional, handlungsbezogen) können nur dann gefördert werden, wenn die strukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Die Entwicklung inklusiver Anleitungen ist somit keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine Grundvoraussetzung für professionelle sozialarbeiterische Praxis. Arbeitsagogik als spezialisierter Fachdiskurs Die arbeitsagogischen Standards nach Togni-Wetzel (2016, S. 66) definieren die Förderung von Selbstwirksamkeit und Autonomie als zentrale Ziele. Das derzeitige System der Handwerkstatt konterkariert diese Ziele durch die Aufrechterhaltung von Abhängigkeitsstrukturen. Ein professioneller arbeitsagogischer Auftrag erfordert daher die systematische Beseitigung dieser strukturellen Hindernisse. Besonders relevant ist die arbeitsagogische Forderung nach ressourcenorientierter Praxis: Die vielfältigen Stärken und Fähigkeiten der Teilnehmenden können nur dann aktiviert werden, wenn die Lernmaterialien entsprechend gestaltet sind. Die monokulturelle, monomodale Anleitung ignoriert systematisch die vorhandenen Ressourcen gehörloser, anderssprachiger oder kognitiv beeinträchtigter Menschen. Inklusive Webanleitung 15 2.2.4 Institutionelle Legitimation: Das Leitbild der AOZ als Handlungsrahmen Das Leitbild der AOZ betont Empowerment, Alltagstauglichkeit und den Abbau struktureller Hürden als zentrale Orientierungen. Die derzeitige Videoanleitung steht im direkten Widerspruch zu diesen institutionellen Werten und verhindert deren praktische Umsetzung. Die AOZ versteht sich als Organisation, die «Menschen mit Migrationshintergrund gesellschaftliche Teilhabe, Stabilität und Zugang zu Bildung und Arbeit» ermöglicht. Dieses Selbstverständnis wird durch die Aufrechterhaltung struktureller Barrieren in den eigenen Programmen untergraben und erfordert korrigierende Massnahmen. 2.2.5 Gesellschaftlicher Auftrag: Inklusion als Zukunftsaufgabe Staub-Bernasconi (2018, S. 52) beschreibt den gesellschaftlichen Auftrag der Sozialen Arbeit als “Bearbeitung sozialer Probleme” durch die Veränderung sowohl individueller als auch struktureller Bedingungen. Die exkludierende Videoanleitung ist ein exemplarisches soziales Problem, das strukturelle Intervention erfordert. Der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Diversität und Inklusion erfordert proaktive Anpassungen institutioneller Strukturen. Soziale Arbeit hat dabei eine Vorreiterrolle und kann nicht auf gesellschaftliche Veränderungen warten, sondern muss diese aktiv mitgestalten. 2.2.6 Design Thinking als methodische Legitimation Die partizipative Methodologie des Design Thinking (Gehm, 2022, S. 45-67) entspricht den fachlichen Standards der Sozialen Arbeit in mehrfacher Hinsicht: Sie stellt Betroffene ins Zentrum, arbeitet ressourcenorientiert und zielt auf strukturelle Lösungen ab. Die Anwendung dieser Methodik im vorliegenden Projekt ist daher nicht nur angemessen, sondern fachlich geboten. Besonders relevant ist die im Design Thinking verankerte Haltung der «radical collaboration», die marginalisierten Stimmen systematisch einbezieht und ihnen Gestaltungsmacht überträgt. Dies entspricht dem Empowerment-orientierten Auftrag der Sozialen Arbeit. 2.2.7 Integrale Projektmethodik als Umsetzungsrahmen Die Anwendung der Integralen Projektmethodik nach Willener & Friz (2019, S. 89-156) gewährleistet, dass das Projekt den fachlichen Standards systematischer Sozialarbeit entspricht. Besonders relevant ist die partizipative Ausrichtung dieser Methodik, die Betroffene nicht als passive Empfänger, sondern als aktive Gestalter des Veränderungsprozesses einbezieht. Inklusive Webanleitung 16 2.2.8 Dringlichkeit und Priorität des Handlungsbedarfs Der identifizierte Handlungsbedarf ist aus mehreren Gründen prioritär und dringlich: Rechtliche Dringlichkeit: Die fortgesetzte Verletzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist rechtlich nicht haltbar und erfordert schnelle Abhilfe. Ethische Dringlichkeit: Die tägliche Reproduktion von Ausschluss und Frustration bei vulnerablen Menschen widerspricht fundamentalen berufsethischen Standards. Fachliche Dringlichkeit: Die Diskrepanz zwischen professionellen Ansprüchen und tatsächlicher Praxis untergräbt die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der arbeitsagogischen Programme. Institutionelle Dringlichkeit: Der Widerspruch zwischen Leitbild und Praxis gefährdet die institutionelle Integrität und Zukunftsfähigkeit der AOZ. 2.2.9 Handlungsnotwendigkeiten als konkrete Ableitungen Aus der systematischen Analyse ergeben sich vier prioritäre Handlungsnotwendigkeiten: 1. Optimierung der bestehenden Videoanleitung mit ergänzenden visuellen, auditiven und sprachlichen Elementen entsprechend den Prinzipien des Universal Design. 2. Entwicklung einer begleitenden Schritt-für-Schritt Anleitung in einfacher Sprache mit Icons und Piktogrammen zur Unterstützung verschiedener Lerntypen und sprachlicher Hintergründe. 3. Systematische Einbindung der Zielgruppe nach dem Co-Creation-Prinzip des Design Thinking zur Sicherstellung der praktischen Relevanz und kulturellen Angemessenheit. 4. Implementation einer strukturierten Testphase mit Rückmeldeschleifen zur kontinuierlichen Optimierung und nachhaltigen Verankerung der inklusiven Ansätze. Diese Handlungsnotwendigkeiten leiten sich nicht aus subjektiven Präferenzen, sondern aus systematischer fachlicher Analyse ab und entsprechen den Standards professioneller Sozialarbeit. Ihre Umsetzung ist daher nicht optional, sondern ein professioneller Auftrag, der sich aus rechtlichen, ethischen und fachlichen Verpflichtungen ergibt. 2.3 Legitimation des Projekts Das Projekt stützt sich rechtlich auf die UN-Behindertenrechtskonvention (2006, Art. 2), fachlich auf das Empowerment-Konzept (Zimmerman, 2000, S. 47) und institutionell auf das Leitbild der AOZ. Ethisch entspricht es dem sozialarbeiterischen Auftrag, Barrieren abzubauen und Teilhabe Inklusive Webanleitung 17 zu fördern (Staub-Bernasconi, 2018, S. 52). Die Entwicklung barrierearmer Lernmaterialien stärkt Selbstbestimmung im Sinne von Agency (Ibrahim & Alkire, 2007, S. 381) – auch wenn Empowerment je nach Kontext unterschiedlich realisierbar ist. 2.4 Projektmethodische Fundierung In diesem Kapitel wird die wissenschaftliche Basis des Vorhabens erläutert. Die relevanten Zielgruppen wurden festgelegt, die Projektziele konkretisiert sowie Aufbau und Ablauf des Projekts detailliert beschrieben. Es wird aufgezeigt, auf welche Weise theoretische Konzepte in der Praxis angewendet und welche Verfahren zur Realisierung der Projektziele genutzt wurden. 2.4.1 Zielgruppen Primäre Zielgruppe Die primäre Zielgruppe umfasst alle Teilnehmenden der AOZ-Handwerkstatt und des Praxis CHECK, die beim Weben von Topflappen auf eine barrierearme Anleitung angewiesen sind. Dies sind Menschen mit Hörbeeinträchtigung, kognitiven Einschränkungen, psychosozialem Unterstützungsbedarf, Migrant:innen mit geringen Deutschkenntnissen, Menschen mit altersbedingten Einschränkungen sowie Personen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen. Sekundäre Zielgruppe Die sekundäre Zielgruppe bilden die Fachpersonen von Handwerkstatt und Praxis CHECK. Sie haben die Aufgabe, die unterschiedlichen Bedürfnisse der heterogenen Teilnehmenden zu berücksichtigen und gleichzeitig die Arbeitsprozesse effizient zu gestalten. Begründung der Zielgruppenfokussierung Die Fokussierung auf diese heterogene primäre Zielgruppe ergibt sich aus der konkreten Bedarfssituation in der AOZ-Handwerkstatt (wie in Kapitel 2.1 analysiert) und entspricht den Universal Design Prinzipien, die Vielfalt als Ausgangspunkt der Gestaltung verstehen. Die sekundäre Zielgruppe der Fachpersonen ist zentral für die nachhaltige Implementierung und Nutzung der entwickelten Materialien im Arbeitsalltag. 2.4.2 Projektziele Entwicklung einer inklusiven Webanleitung für die HWS und PCH, die den Bedürfnissen der heterogenen Teilnehmenden gerecht wird. Die Anleitung umfasst eine überarbeitete Videoanleitung mit – aktuell ukrainischen – Untertiteln sowie einer ergänzenden Schritt-für-Schritt Anleitung mit visuellen Elementen in einfacher Sprache und repetitiven Elementen. Inklusive Webanleitung 18 Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Teilnehmenden zu fördern und Inklusion in arbeitsintegrativen Programmen zu stärken. Vision Die AOZ etabliert Vielfalt als gelebte Norm in der Arbeitsintegration: Universal-Design-basierte Anleitungen sind langfristig Standard in Werkstatt und Praxisprogrammen und dienen als übertragbares Modell für weitere Arbeitsplätze der AOZ und Partnerorganisationen Hauptziel Wirkungsziel (Outcome bis Projektende): nach der Einführung der neuen barrierearmen Webanleitung nutzen mindestens 70%–80% der Teilnehmenden eigenständig mindestens eines der multimodalen Angebote (Video, Illustrierte Schritt-für-Schritt Anleitung, Audiotrack) zur Durchführung der definierten Web-Schritte. Gleichzeitig reduziert sich die durchschnittliche Unterstützungsintensität der Fachleitungen um mindestens 30% im Vergleich zur Ausgangslage, und die wahrgenommene Befähigung der Teilnehmenden zur selbstständigen Arbeit wird messbar gestärkt. Leistungsziel (Output bis Projektende): Eine universell gestaltete Videoanleitung mit Untertiteln sowie eine Anleitung in einfacher Sprache mit Piktogrammen sind erstellt, gegen definierte Kriterien getestet, finalisiert und in der Handwerkstatt eingeführt (inkl. Ablage, Verlinkungen, Kurzleitfaden für Fachpersonen). Teilziel 1 Indikator 1 Bedarfsanalyse und partizipative Entwicklung Bedarfe, Barrieren und Ressourcen der heterogenen Zielgruppe sind systematisch erhoben; daraus abgeleitete Anforderungen an die Anleitung sind partizipativ validiert und als Kriterienkatalog dokumentiert. •6 Teilnehmende aus verschiedenen Zielgruppen haben durch strukturierte Interviews zur Bedarfsanalyse beigetragen •Eine systematische Abweichungsanalyse zwischen Selbstund Fremdeinschätzung der Nutzbarkeit liegt dokumentiert vor •Personas für die verschiedenen Nutzertypen sind entwickelt und validiert •Mindestens 3 wissenschaftliche Fachquellen zu Universal Design, Empowerment und Design Thinking sind ausgewertet und in die Konzeption eingeflossen Teilziel 2 Indikator 2 Entwicklung inklusiver Lernmaterialien Erste Lösungsansätze und Prototypen (Video, Schritt für Schritt Anleitung, Piktogramme, •Ein überarbeitetes Video mit russischen Untertiteln und ukrainischer Audiospur ist Inklusive Webanleitung 19 Untertitel) sind gemeinsam mit der Zielgruppe entwickelt, in zwei Testrunden auf Verständlichkeit/Nutzbarkeit geprüft und iterativ verbessert. produziert (ursprünglich geplante Gebärden Untertitelung fällt weg) •Eine visuelle Anleitung in einfacher Sprache mit Illustrationen ist erstellt •Verweise zwischen Video und Schritt-fürSchritt Anleitung sind implementiert •Eine Fachschulung für das Personal ist entwickelt Teilziel 3 Indikator 3 Test und nachhaltige Implementierung Bis Projektende sind die entwickelten Materialien getestet, optimiert und dauerhaft in den Arbeitsalltag der AOZ-Handwerkstatt integriert. •Die Materialien wurden in mindestens zwei strukturierten Testphasen mit der Zielgruppe erprobt •Systematisches Feedback wurde gesammelt und zur Optimierung der Materialien verwendet •Die Materialien sind als Standard-Lernhilfen in der Handwerkstatt etabliert und werden regelmässig genutzt •Ein Transferkonzept für die Übertragung auf andere AOZ-Bereiche liegt vor Tabelle 2: Zielbaum (eigene Darstellung) 2.4.3 Projektaufbau Das Projekt war in die bestehende Struktur der HWS und PCH eingebettet und wurde fachlich durch eine externe Begleitung der Hochschule Luzern (HSLU) unterstützt. Die Projektleitung koordinierte die Entwicklung des Anleitungsmaterials und steuerte alle Phasen. Fachpersonen vor Ort waren eng eingebunden, besonders bei Konzeption und Test. Durch Co-Creation mit ausgewählten Teilnehmenden flossen ihre Perspektiven direkt ein. Die Auftragserteilung erfolgte durch die Auftraggeberin (AOZ), die die vorgeschlagenen übergeordneten Ziele und Rahmenbedingungen des Projekts ergänzte und guthiess. Inklusive Webanleitung 20 Abbildung 3: Projektaufbauorganisation (eigene Darstellung) 2.4.4 Verantwortlichkeiten Ursprünglich war geplant, die formellen Meilensteine – M1 (Analyse & Bedarfserhebung), M2 (Prototypen-Freigabe) und M3 (Implementierung & Monitoring) – gemeinsam durch die Steuergruppe aus Auftraggeberin und Projektleitung abzunehmen. In der Praxis erfolgten die Freigaben jedoch iterativ durch die Fachleitungen der HWS und des PCH sowie die Projektleitung: Nach internen Feedbackrunden trafen diese Leitungspersonen unmittelbar nach Abschluss jeder Phase die Go/No-Go-Entscheidungen für M1 bis M3 auf Basis der Prototyp-Ergebnisse und Testrückmeldungen. Diese Anpassung wurde notwendig, weil Betriebsferien in den Sommermonaten und Personalengpässe – insbesondere die mehrfachen Abwesenheiten von Kerstin Hirczy – verbindliche Steuergruppensitzungen verhinderten. Knapp bemessene Ressourcen der Fachleitungen erforderten zudem eine pragmatische Abstimmung vor Ort. Die Hochschule Luzern wirkte dabei kontinuierlich beratend hinsichtlich methodischer Qualität mit, hatte jedoch keine finale Entscheidungskompetenz, um den flexiblen, iterativen Prozess zu unterstützen. Inklusive Webanleitung 21 Auftraggebende Organisation und Trägerschaft AOZ, Fachbereich Bildung & Arbeit (BIA) Ansprechperson: K. H., Leiterin Handwerkstatt AOZ / Praxis CHECK •Ermöglichte die Durchführung des Projekts in der Organisation •Stellte Ressourcen bereit (Räume, Technik, Zugang zur Zielgruppe) •Entscheidungskompetenz über Projektausrichtung Projektteam Rebecca Hedinger (Projektleitung) •Entwicklung der Projektidee während des Praktikums •Klärung und Vereinbarung des Projektauftrags mit der Auftraggeberschaft •Planung, Durchführung und Steuerung des gesamten Projekts •Koordination aller Beteiligten und Aktivitäten •Führung des Projektjournals und Dokumentation •Umsetzung der barrierearmen Anleitungen / Video •Koordination von Terminen und Sitzungen mit allen Akteur:innen •Steuerung des partizipativen Entwicklungsprozesses •Technische Umsetzung der Videound Materialerstellung Fachpersonen der HWS und PCH I.D., D.W., S.K., K.V.K •Sekundäre Zielgruppe des Projekts •Unterstützung bei Anfragenauswahl der Teilnehmenden •Fachliche Einschätzung der bestehenden Anleitung •Rückmeldung zur Praxistauglichkeit der entwickelten Materialien •Unterstützung bei der Einführung der neuen Anleitungen Teilnehmende Primäre Zielgruppe des Projekts bleibt anonymisiert •Teilnahme an Interviews und Bedarfserhebungen •Feedback zur Verständlichkeit der Materialien •Mitwirkung bei Testphasen der Prototypen •Co-Creation bei der Entwicklung der Anleitungen Externe Expert:innen und Unterstützer:innen DIMA-Mitarbeiterin (Kompetenzzentrum für gehörlose und schwerhörige Menschen) Inklusive Webanleitung 22 L.V.A. • Spezifische Expertise Gehörlose Menschen und deren Bedürfnisse • Beratende Funktion • Unterstützend bei der Auswahl der Teilnehmenden, z.B. Zumutbarkeit für Umsetzung von Gebärden Untertitelung Projektbegleitung N.S., Hochschule Luzern • Fachliche Beratung und Begleitung während des Projekts • Unterstützung bei methodischen Fragen • Überwachung der Einhaltung wissenschaftlicher Standards • Feedback zur Projektumsetzung Inklusive Webanleitung 23 2.4.5 Werte der Zusammenarbeit Die Zusammenarbeit im Projekt beruhte auf Transparenz, Freiwilligkeit, Respekt und aktiver Beteiligung. Vielfalt wurde bewusst als Stärke verstanden. Grundlage war ein stärkenorientierter Ansatz, der die individuellen Ressourcen der Teilnehmenden in den Mittelpunkt stellte – nicht ihre Defizite. Dieser Zugang folgte dem Modell von Rapp und Goscha (2012) und unterstützte Teilhabe, Motivation und Selbstwirksamkeit – besonders im arbeitsagogischen und recovery-orientierten Setting der HWS. Abbildung 4:Werte der Zusammenarbeit (eigene Darstellung) Inklusive Webanleitung 30 2.5.4 Personas-Entwicklung und evidenzbasierte Lösungskonzeption Auf Basis der systematischen Bedarfsanalyse entwickelte ich sechs konkrete Personas, die verschiedene Nutzertypen repräsentierten und als Grundlage für die zielgerichtete Entwicklung der Lösungsansätze dienten. Diese Personas-Entwicklung ermöglichte eine evidenzbasierte Priorisierung der Lösungsansätze nach Bedarfshäufigkeit. 2.5.5 Prototyping und iterative Entwicklung Die Prototyping-Phase gestaltete sich als besonders arbeitsintensiv und lehrreich. Basierend auf den Erkenntnissen aus der Bedarfsanalyse entwickelte ich fünf zentrale Lösungskonzepte: russische Audio-Übersetzung mit Untertiteln, illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitung in einfacher Sprache, Fachschulung für Personal, Video-Illustrierte Schritt-für-Schritt Anleitung-Verweise und verschiedene technische Anpassungen. Ein wichtiger methodischer Aspekt war, dass bei knappen Ressourcen und fehlendem technischem Wissen eine gedruckte Anleitung deutlich nachhaltiger und anpassbarer ist als Videoformate. Dies führte zur strategischen Entscheidung für ein multimodales System mit Fokus auf die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Die HWS und der PCH verfügen über einen Adobe Creative Suite Indesign Lizenz und weitere Überarbeitungen zu tätigen. 2.5.6 Typografie und Struktur nach Universal Design Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Lernmodul (UD/UDL) Die 60-seitige Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Lernmodul vereint einen illustrierten Lernmodul (Werkzeuge/Materialien, Begriffserklärungen) mit einem Schulungsteil zum Webprozess und seinen Fachausdrücken. Wiederkehrende Schlüsselbegriffe sind in einfacher Sprache, farblich hervorgehoben und durch Piktogramme (z. B. «elastisch», «starr») redundanzgesichert; serifenlose Schrift, klare Textstruktur, grosszügige Absatzabstände und unterstützende Bilder verbessern Lesbarkeit und reduzieren kognitive Last, insbesondere bei kognitiven Einschränkungen, altersbedingter Kontrastminderung und sprachlichen Barrieren. Die Farbpalette der Illustrationen vermeidet Rot/Grün-Konflikte und nutzt gut differenzierbare Töne (z. B. Blau/Grün); da im bestehenden Anleitungsvideo einzelne Schritte fehlen oder veraltet sind, verweisen Marker im Video gezielt auf die korrekten bzw. ergänzten Arbeitsschritte in der Anleitung; die Fachschulung ist optional; die Teile zur Webanleitung und zur ergonomischen Arbeitsplatz-Einrichtung umfassen insgesamt 40 Seiten. Inklusive Webanleitung 31 2.5.7 Technische Umsetzung Die Audioübersetzung des Videos wurde mit VMEG.AI erstellt und als zusätzlicher Audiotrack integriert; die Untertitel wurden manuell kuratiert und in mehreren Sprachen vorbereitet, wobei die Veröffentlichung auf YouTube gezielt gewählt wurde, um die mehrsprachige Untertitelverwaltung, Versionierung und den niedrigschwelligen Zugriff zu ermöglichen. Die Illustrationen zur Schritt-fürSchritt-Anleitung entstanden in Adobe Illustrator (vektorbasierte Piktogramme und realitätsnahe Darstellungen) und wurden bei Bedarf in Adobe Photoshop nachbearbeitet; das Layout der 60-seitigen Anleitung inklusive Typografie-Raster, Farbund Absatzformaten wurde in Adobe InDesign umgesetzt. Die Filmbearbeitung (Schnitt, Farbkorrektur, Tonmischung, Einblendungen und Verweis-Marker auf Kapitel/Seiten des Illustrierte Schritt-für-Schritt Anleitung) erfolgte in Adobe Premiere Pro; Exportprofile wurden so gewählt, dass eine geräteunabhängige Wiedergabe sowie eine saubere Untertitelspur gewährleistet sind. Für die Verknüpfung zwischen Video und Illustrierte Schritt-für-Schritt Anleitung wurden im Film gut sichtbare Texteinblendungen platziert, die exakt auf Kapitel und Seitenangaben der Anleitung verweisen. Das überarbeitete Video wurde auf YouTube publiziert, um die spätere Ergänzung weiterer Untertitelsprachen niedrigschwellig zu ermöglichen. Deutsch https://youtu.be/Wl-sXbUZ0ZQ Ukrainisch https://youtu.be/tp3abPU0ps0 Kapitelmarken wurden aus Zeitgründen nicht angelegt und sind als optionale Folgeaufgabe dokumentiert; die Navigation zwischen Arbeitsschritten wird stattdessen durch Verweis-Marker im Video auf Kapitelund Seitenangaben der Schritt-für-Schritt-Anleitung sichergestellt. 2.5.8 Ressourcen und Risiken Das Projekt nutzt bestehende Strukturen der Handwerkstatt – Räume, Technik, Materialien und Fachpersonen. Zusätzliche Mittel fliessen in Video, Grafik, Evaluation und fachliche Begleitung. Finanziert wird es durch AOZ-interne Mittel, ergänzt durch die HSLU. Risiken bestehen in knappen Ressourcen, Technikproblemen und der sensiblen Einbindung der vulnerablen Zielgruppe. Auch eine Überforderung von Teilnehmenden durch Beteiligung muss bedacht werden. Eine SWOT-Analyse hilft, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu begegnen (Kuster et al., 2022; Willener & Friz, 2019). Inklusive Webanleitung 32 2.6 SWOT-Analyse Die systematische Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse nach Schiersmann & Thiel (2000, S. 61-63) identifizierte zentrale Erfolgsfaktoren und Herausforderungen. Als Stärken erwiesen sich die aktive Mitwirkung und Rückmeldung der Zielgruppe durch Co-Creation und Testgruppen, die partizipative Entwicklung mit Netzwerkpartner:innen und die gute räumliche und technische Infrastruktur vor Ort. Die fachliche Unterstützung durch Fachleitungen und die klare methodische Ausrichtung durch Design Thinking, Universal Design und formative Evaluation gewährleisteten kontinuierliche Qualitätssicherung. Schwächen lagen im höheren Zeitaufwand für die detaillierte Prototypisierung und Herstellung der Schritt-für-Schritt-Anleitung, begrenzten Ressourcen für vollständiges Universal Design und der Abhängigkeit von Schlüsselpersonen im Netzwerk. Die Gefahr der Überfrachtung durch zu viele Ziele und die nicht immer optimal abgedeckte Interdisziplinarität stellten weitere Herausforderungen dar. Die SWOT-Analyse half, Chancen wie die direkte Verbesserung der Teilhabe und Selbstständigkeit der Zielgruppe, den Modellcharakter für andere AOZ-Bereiche und die Entwicklung übertragbarer Vorlagen systematisch zu nutzen. Gleichzeitig wurden Risiken wie iterationsbedingte Verzögerungen, unvollständige UDL-Umsetzung und mögliche Ressourcenüberlastung präventiv adressiert. Stärken Schwächen • Aktive Mitwirkung und Rückmeldung der Zielgruppe (Co-Creation, Testgruppen) • Partizipative Entwicklung mit Netzwerkpartner:innen (Sozialfabrik, Ukrainerinnen, Gebärdensprach-Expert:innen)v • Gute räumliche und technische Infrastruktur (alles an einem Ort, Technik vorhanden) • Fachliche Unterstützung durch Fachleitungen und Beratungsnetzwerk • Zeitknappheit durch iterative, partizipative Prozesse (Design Thinking braucht viele Feedbackschleifen) • Begrenzte Ressourcen für vollständige Umsetzung von Universellem Design (z. B. Gebärdensprache und Untertitel nur auf Ukrainisch möglich) • Gefahr der Überfrachtung durch zu viele Ziele oder Methoden • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen im Netzwerk (z. B. Ukrainerinnen, Gebärdensprach-Expert:innen) Gegenwart Inklusive Webanleitung 33 • Klare methodische Ausrichtung (Design Thinking, Universal Design, formative Evaluation) • Interdisziplinarität und Diversität im Team sind nicht immer optimal abgedeckt Chancen Risiken • Direkte Verbesserung der Teilhabe und Selbstständigkeit der Zielgruppe im Arbeitsalltag • Stärkung der Zusammenarbeit und des fachlichen Austauschs zwischen AOZ, Netzwerkpartner:innen und externen Expert:innen • Aufbau und Erweiterung eines nachhaltigen Netzwerks (z. B. Sozialfabrik, Gebärdensprach-Community) • Entwicklung von Know-how und Vorlagen, die kurzfristig auf andere Arbeitsposten oder Programme übertragen werden können • Möglichkeit, im Projektverlauf flexibel auf Rückmeldungen und neue Anforderungen zu reagieren und innovative Lösungen zu testen • Iterative Entwicklung braucht mehr Zeit als geplant; Gefahr von Verzögerungen oder Qualitätsverlust • Universelles Design kann im Projektrahmen nicht vollständig umgesetzt werden (z. B. nur bestimmte Sprachen/Barrierefreiheitsaspekte abgedeckt) • Einzelne Gruppen fühlen sich trotz Kommunikation der Projektgrenzen benachteiligt oder ausgeschlossen • Engpässe bei Schlüsselpersonen (z. B. Ausfall Ukrainerinnen/GebärdensprachExpert:innen) • Komplexität und Überfrachtung führen zu Ressourcenüberlastung und Zielverfehlung Tabelle 3 SWOT-Analyse (eigene Darstellung) 2.7 Risikoanalyse Fünf Hauptrisiken wurden systematisch bewertet und mit Präventionsmassnahmen versehen. Das als Priorität A eingestufte Zeitrisiko (Design-Thinking-Iterationen) trat ein, führte jedoch nicht zu Verzögerungen, da die Testzyklen strategisch parallel zur Materialentwicklung liefen – ein Kernprinzip des Universal Design. Die zusätzlichen 51 Arbeitsstunden entstanden durch die detaillierte Ausarbeitung der Prototypen, ermöglichten aber zeitgerechten Projektabschluss. Überraschend trat das nur als Priorität D bewertete Risiko "Engpässe bei Schlüsselpersonen" ein: Die Gebärdensprach-Expertin fiel kurzfristig aus familiären/gesundheitlichen Gründen aus. Trotz intensiver Nachsuche über die Netzwerkpartnerin Leonie von Amsberg bei DIMA (Kompetenzzentrum für gehörlose und schwerhörige Menschen) konnte zeitgerecht kein Ersatz gefunden werden. Die Reaktion erfolgte durch strategische Neuausrichtung auf ukrainischen Audiotrack Zukunft Inklusive Webanleitung 34 und russische Untertitel, wodurch das Projekt terminund wirkungsseitig auf Kurs blieb. Dies zeigt, dass auch gering bewertete Risiken eintreten können und flexible Anpassungsstrategien entscheidend sind. Die unvollständige UDL-Umsetzung (Priorität C) wurde durch transparente Kommunikation der Projektgrenzen und multimodale Kompensation erfolgreich bewältigt. Technische Limitierungen bei der Video-Navigation führten zur strategischen Fokussierung auf das nachschlagbare PrintMedium als Hauptzugang. Gross Mittel Klein Gering Möglich Wahrscheinlich Beinahe sicher Eintrittswahrscheinlichkeit Tabelle 4: Risikomatrix (eigene Darstellung) Risiko Ursache Auswirkung Wahrscheinlichkeit Massnahmen 1. Zeitaufwand durch iterative Entwicklung (Design Thinking) Iterativer Design-ThinkingProzess er-fordert mehr Feed-backschleifen und Anpassungen als geplant. Verzögerungen, Überlastung, Qua-litätseinbussen bei Materialien gross/wahrscheinlich A Klare Priorisierung der Arbeitsschrit-te. Festlegung einer maximalen An-zahl von Iterati-onszyklen (z. B. 2–3). Regelmässige Meilenstein-Überprüfungen. Grossrisiken Erhebliche Risiken Mittlere Risiken Geringe Risiken Priorität A Priorität B Priorität C Priorität D Auswirkungen Akzeptanzlinie ① ② ③ ④ ⑤ Inklusive Webanleitung 35 2. Unvollständige Umsetzung Universellen Designs Nicht alle Bedarfe können im Rahmen des Projekts abgedeckt werden (z. B. nur Untertitel in ukrainischer Gebärdensprache) Einzelne Gruppen fühlen sich weiterhin benachteiligt mittel/möglich C Transparente Kommunikation der Projektgrenzen, Reflexion und Dokumentation im Abschlussbericht, Priorisierung gemeinsam mit Zielgruppe. 3. Mangelnde Interdisziplinarität Zu wenig Einbindung unterschiedlicher Perspektiven (z. B. visuelle, sprachliche, kulturelle Expertise) Einseitige Lösungen, geringere Akzeptanz mittel/möglich C Aktive Netzwerkarbeit, gezielte Einladung externer Expert:innen, frühzeitige Terminplanung. 4. Überfrachtung/Komplexität Zu viele Arbeitspakete führen zu Überforderung Ressourcenüberlastung, Zielverfehlung mittel /wahrscheinlich B Fokussierung auf wichtigste Ziele, laufende Reflexion, Nutzung von Checklisten. 5. Engpässe bei Schlüsselpersonen Ausfall oder geringe Verfügbarkeit wichtiger Netzwerkpartner:innen/TN (z. B. Ukrainerinnen, Gebärdensprach-Expert:innen) Verzögerung, Lücken in der Anleitung mittel/gering D Frühzeitige Terminabsprachen, Backup-Lösungen, Dokumentation der Arbeitsschritte Tabelle 5: Risikoanalyse (Quint-Essenz, 2015 Inklusive Webanleitung 36 2.8 Beschreibung und Interpretation der Ergebnisse 2.8.1 Beschreibung der Ergebnisse Das Hauptziel wurde vollständig erreicht. Es wurde eine barrierearme Webanleitung entwickelt, die in der AOZ-Handwerkstatt und im Praxis CHECK implementiert ist. Teilziel 1: Bedarfsanalyse und partizipative Entwicklung wurde erreicht. Das Kernproblem wurde quantifiziert: • 50% der Teilnehmenden schauten das bestehende Video nicht, nur 20% schauten es vollständig, 30% brachen ab. Die Selbst-Fremd-Abweichungsanalyse über fünf Dimensionen ergab signifikante Diskrepanzen: • Arbeitsschritt-Schwierigkeiten: +28,8% Selbstüberschätzung • Hilfebedarf vs. tatsächlicher Wiederholungsbedarf: +46,8% Unterschätzung • Selbstständigkeit: +18% Selbstüberschätzung • Emotionale Bewertung: +25% positivere Selbsteinschätzung • Video-Verständnis: Nicht messbar (50% schauen nicht) Sechs Personas wurden entwickelt, die zu fünf aggregierten Lösungskonzepten führten, priorisiert nach Bedarfshäufigkeit: • Illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitung: 6/6 Personas betroffen • Mehrsprachige Übersetzung: 2/6 Personas betroffen • Video-Kapitel-Verweise: 4/6 Personas betroffen • Visuelle Piktogramme: 3/6 Personas betroffen • Fachschulung für Personal: 6/6 Personas betroffen Teilziel 2: Entwicklung inklusiver Lernmaterialien wurde erreicht. Eine 60-seitige Schritt-für-Schritt-Anleitung in einfacher Sprache wurde erstellt als Hauptmedium (strategische Umkehrung der Mediengewichtung aufgrund der 50%-Video-Nichtnutzung). Das Video wurde mit russischen Untertiteln und ukrainischem Audiotrack überarbeitet (62% lexikalische Ähnlichkeit zwischen Russisch und Ukrainisch ermöglicht Verständlichkeit). Inklusive Webanleitung 37 Video-Illustrierte Schritt-für-Schritt Anleitung-Verweise wurden direkt im Video integriert, um flexible Navigation ohne technische Kapitel-Funktion zu ermöglichen. Drei dokumentierte Iterationszyklen führten zu folgenden Anpassungen: Illustrationen: • +45 Stunden Mehraufwand für realitätsnahe statt abstrakter Darstellungen und Erstellung während paralell laufenden Testszyklen der fertiggestellten Prototypenteilen. Versionen während der Entwicklung der Illustrationen Abbildung 5: Technische Darstellung vs. Realitätsnahe Darstellung (eigene Darstellung) • Sprachliche Anpassung: Co-Creation-Prozess mit ukrainischer Teilnehmerin • Video-Navigation: Technische Innovation der Medienverknüpfung Teilziel 3: Test und nachhaltige Implementierung wurde erreicht. • Zwei Validierungspersonen ohne Vorkenntnisse testeten die Materialien erfolgreich: • Analphabetin aus Benin (30-40 Jahre): Positives Feedback, deutlich verringerte Hilfestellung nötig • Person mit psychischen Belastungen (20-30 Jahre, deutschsprachig): Eigenständige Umsetzung möglich • Die neue Fachleitung ohne Weberfahrung kann anhand der Anleitung Schlüsselstellen umsetzen, die sie beim ursprünglichen Video nicht verstand. Inklusive Webanleitung 38 • Standard-Etablierung: Die Materialien werden täglich genutzt. Ein Illustrations-Katalog für weitere Verwendungen steht den Fachleitungen und der Auftraggeberin zur Verfügung. Wirkungsziel (Outcome) 70-80% der Teilnehmenden können nun die Web-Aufgabe mit minimaler Unterstützung umsetzen. Die durchschnittliche Unterstützungsintensität reduzierte sich messbar, wie beide Testphasen bestätigten. Die Selbstwirksamkeit und Motivation nahmen laut Beobachtungen der Fachleitung deutlich zu. 2.8.2 Interpretation der Ergebnisse Empowerment-theoretische Interpretation Die erfolgreiche Zielerreichung bestätigt Zimmermans Empowerment-Konzept (2000, S. 43-63) in allen drei Dimensionen. Die intrapersonelle Dimension wurde gestärkt, da Teilnehmende nun «aktive Partizipation und Selbstwirksamkeitserfahrung» erleben können (Zimmerman, 1995, S. 581-599), anstatt die zuvor erlebte «Hilflosigkeit und Abhängigkeit, was dem Kern des Empowerment-Konzepts widerspricht». Die interaktionale Dimension zeigt sich in der erfolgreichen Umsetzung der «kritischen Reflexion struktureller Barrieren» (Zimmerman, 2000, S. 51). Teilnehmende können nun erkennen, dass «ihre Schwierigkeiten nicht in individuellen Defiziten, sondern in strukturell mangelhafter Gestaltung der Lernmaterialien begründet liegen". Die handlungsbezogene Dimension wird durch die «konkrete Teilhabe am Arbeitsprozess» realisiert und entspricht «Zimmermans Forderung nach tatsächlicher, alltäglich gelebter Partizipation». Arbeitsagogische Interpretation Die Ergebnisse bestätigen die arbeitsagogischen Standards nach Togni-Wetzel (2016). Das zentrale Ziel der «Selbstwirksamkeit und Autonomie» (Togni-Wetzel, 2016, S. 63-65) wurde erreicht, da Teilnehmende nicht mehr «auf kontinuierliche Unterstützung durch Fachpersonen angewiesen bleiben». Die Umsetzung der «überschaubaren Lerneinheiten, die an die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmenden angepasst sind» (Togni-Wetzel, 2016, S. 78) zeigt sich in der 60-seitigen modularen Inklusive Webanleitung 39 Anleitung, die im Gegensatz zum «23-minütigen, unstrukturierten Block» des ursprünglichen Videos steht. Besonders relevant ist die Umsetzung der «ressourcenorientierten Herangehensweise» (TogniWetzel, 2016, S. 82), da die multimodale Gestaltung «die vielfältigen Stärken und Zugangswege der heterogenen Zielgruppe» berücksichtigt und «individuell angepasste Zugangswege» (TogniWetzel, 2016, S. 85) ermöglicht. Universal Design for Learning-Interpretation Die theoretischen Grundlagen des SZH (2024) wurden erfolgreich umgesetzt. Das ursprünglich verletzte «Repräsentation-Prinzip» (SZH, 2024) wurde durch die multimodale Gestaltung behoben. Die «Engagement-Prinzipien und Wahlmöglichkeiten für erfolgreiche Lernprozesse» (SZH, 2024) werden durch die Kombination aus Video und Schritt-für-Schritt-Anleitung realisiert. Das Prinzip der flexiblen Partizipation (SZH, 2024,) wird durch die multimodale Zugänglichkeit, die für eine heterogene Zielgruppe essenziell ist, gewährleistet. Die drei neurologischen Netzwerke werden nun angemessen angesprochen: Das emotionale Netzwerk durch reduzierte Frustrationen, das Wahrnehmungsnetzwerk durch multiple Darbietungsformen und das strategische Netzwerk durch erweiterte Handlungsalternativen. Sozialarbeiterische Strukturanalyse Die Ergebnisse bestätigen Staub-Bernasconis Analyse der «Reproduktion sozialer Ungleichheit durch institutionelle Strukturen» (2018, S. 52-65). Das Projekt durchbrach die strukturelle Barriere, die Menschen aufgrund ihrer sprachlichen, kognitiven oder sensorischen Voraussetzungen systematisch ausschliesst. Die erfolgreiche Umsetzung entspricht dem sozialarbeiterischen Auftrag, strukturelle Ursachen sozialer Probleme zu identifizieren und zu bearbeiten, anstatt Probleme zu individualisieren (Staub-Bernasconi, 2018, S. 61). Das entwickelte institutionelle Arrangement wirkt nun inklusiv statt exklusiv. Der gesellschaftliche Auftrag der Sozialen Arbeit als Bearbeitung sozialer Probleme durch die Veränderung sowohl individueller als auch struktureller Bedingungen (Staub-Bernasconi, 2018, S. 52) wurde exemplarisch umgesetzt. 2.8.3 Methodische Innovations-Interpretation Design Thinking als partizipative Sozialarbeit Inklusive Webanleitung 46 3.2.3 Kombiniertes Medien-Begleitungs-Konzept für nachhaltige Teilhabe Die Projekterfahrungen verdeutlichen, dass erfolgreiche Arbeitsintegration auf zwei sich ergänzenden Säulen beruht: gut gestaltete, aggressive Arbeitsmaterialien und individuell angepasste Begleitung durch Fachpersonen: Optimierte Materialien als Basis: Multimodale, barrierearme Anleitungen bilden das Fundament für eigenständiges Arbeiten und reduzieren die Unterstützungsintensität dort, wo dies möglich ist. Fachliche Interventionen für komplexe Arbeitsschritte: Professionelle Begleitung wird zielgerichtet für die Bereiche eingesetzt, wo sie unersetzlich ist – bei individuellen Anpassungen, komplexen Problemen oder emotionalen Herausforderungen. Peer-Mentoring als ergänzende Säule: Die Einbindung erfahrener Teilnehmender als Peer-Mentoren erweitert das Unterstützungssystem und stärkt gleichzeitig soziale Kompetenzen und Selbstwirksamkeit. Kontinuierliche Beziehungsarbeit als Erfolgsfaktor: Die menschliche Komponente bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor in der Arbeitsintegration – sie kann durch Technologie unterstützt, aber niemals ersetzt werden. Die Balance zwischen Umfang und Überforderung: Die bestmögliche inklusive Gestaltung bedeutet in der Praxis oft ein Abwägen: Das Ziel, allen Bedürfnissen möglichst gerecht zu werden, muss mit Überarbeitbarkeit, Praktikabilität und der realen Nutzungssituation in Balance gebracht werden. Universelles Design bedeutet daher nicht das „Mehr" an Information und Materialien um jeden Preis, sondern die kluge, anpassungsfähige Reduktion auf Wesentliches, orientiert an den tatsächlich relevanten Nutzungsprofilen – immer in enger Rückkopplung mit den Betroffenen. 3.2.4 2.4 Übertragbarkeit und Weiterentwicklung Die Skalierungsperspektive sieht vor, das entwickelte Modell auf den Fachbereich Bildung und Arbeit (BIA) der AOZ zu übertragen. Besonders vielversprechend ist der Einsatz bei handwerklichen Tätigkeiten mit klar definierten und strukturierbaren Arbeitsschritten. Entwicklung eines Standards: Auf Basis der Projekterfahrungen kann ein verbindlicher Standard für barrierearme Inklusive Webanleitung 47 Anleitungen in arbeitsintegrativen Kontexten entwickelt werden, der anderen Organisationen als Orientierung dient. Methodologische Systematisierung: Die partizipative Materialentwicklung kann zu einer systematischen Methodik ausgebaut werden, die in der Ausbildung von Fachpersonen vermittelt und in verschiedenen Kontexten angewendet wird. Integration in Ausbildung der Sozialarbeitenden: Die Erkenntnisse über UD-Prinzipien und ihre praktische Anwendung sollten systematisch in die Ausbildung von Fachpersonen der Sozialen Arbeit und Arbeitsagogik integriert werden. Kontinuierliche Reflexion und Justierung: Diese Überlegungen bilden eine wichtige Ergänzung bei der Bewertung der Grenzen von Universal Design und Multimodalität im arbeitsintegrativen Kontext. Sie unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Reflexion und Justierung im Team, um einerseits Inklusion zu ermöglichen und andererseits Überforderung und Unübersichtlichkeit zu vermeiden. Das Projekt «Vielfalt als Norm in der Arbeitsintegration» liefert wertvolle, praxisrelevante Erkenntnisse, die weit über den ursprünglichen Projektumfang hinausgehen. Die zentrale Botschaft – dass Universal Design als Denkweise etabliert werden muss, während persönliche Begleitung unverzichtbar bleibt und gleichzeitig das Risiko der Überkomplexierung durch zu viele Optionen beachtet werden muss – bietet einen realistischen und zugleich visionären Ausblick für die Zukunft der Arbeitsintegration. Die Innovationskraft liegt in der praktischen Demonstration, dass Inklusion und Effizienz keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig verstärken können, wenn sie gut balanciert werden. Inklusive Webanleitung 48 Literaturverzeichnis Asyl-Organisation Zürich. (o. D.-a). Geschichte der AOZ . Stadt Zürich. https://www.stadt-zuerich.ch/content/aoz/de/index/aoz/organisation/geschichte_der_aoz.html Asyl-Organisation Zürich. (o. D.-b). Rechtsgrundlagen . Stadt Zürich. https://www.stadt-zuerich.ch/content/aoz/de/index/aoz/organisation/rechtsgrundlagen.html Asyl-Organisation Zürich. (2023). Geschäftsbericht 2023 . https://www.stadt-zuerich.ch/aoz/de/index/aoz/publikationen/aoz-geschaeftsbericht-2023.html AOZ. (2025, 1. Januar). Neue Aufbauorganisation AOZ . https://www.stadt-zuerich.ch/aoz/de/index/aoz/organisation.html AOZ. (2024, 1. Oktober). Organigramm Fachbereich Arbeit/BIA . Internes Dokument. AvenirSocial (2010). Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz: Ein Argumentarium für die Praxis der Professionellen. Bern: AvenirSocial. Beutler, Y., Peter-Strausak, C., & Froidevaux, S. (2022). Bericht zur Auftragswahrnehmung der Asylorganisation Zürich (AOZ) im Bundesasylzentrum Zürich . Res Publica Consulting AG. CAST (2018). Universal Design for Learning Guidelines version 2.2. Wakefield, MA: Author. https://udlguidelines.cast.org ETH Zürich. (2023). Grundlagen des Universal Design (UD) [Webinar-Präsentation, PDF]. https://ethz.ch/content/dam/ethz/associates/services/Service/kommunikation/digitale-accessibility/2023-10_Webinar_GrundlagenUniversalDesign.pdf Gehm, J. (2022). Design Thinking etablieren: Methoden, Prozesse und Mindset für die Praxis (1. Aufl.). Springer Gabler. Hedinger, R. (2025). Webarbeiten [Fotografie] Ibrahim, S., & Alkire, S. (2007). Agency and empowerment: A proposal for internationally comparable indicators. Oxford Development Studies, 35 (4), (S. 379–403). https://doi.org/10.1080/13600810701701897 Kuster, J., Bachmann, C., Hubmann, M., Lippmann, R., & Schneider, P. (2022). Handbuch Projektmanagement: Agil – Klassisch – Hybrid (5. Aufl.). Springer Gabler. Lenz, A. (Hrsg.). (2011). Empowerment: Handbuch für die ressourcenorientierte Praxis . dgvtVerlag. Inklusive Webanleitung 49 Rapp, C., & Goscha, R. J. (2012). The strengths model: A recovery-oriented approach to mental health services (3rd ed.). Oxford University Press. Schweizer Zentrum für Heilund Sonderpädagogik (SZH). (2024). Universal Design . https://www.szh.ch/de/themen/universal-design-for-learning/universal-design Schweizer Zentrum für Heilund Sonderpädagogik (SZH). (2024). Universal Design for Learning. Abgerufen von https://www.szh.ch/de/themen/universal-design-for-learning Staub-Bernasconi, S. (2018). Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft (3. Aufl.). UTB. Togni-Wetzel, D. (2016). Arbeitsagogik: Grundlagen des professionellen Handelns . Haupt Verlag. UN-Behindertenrechtskonvention. (2006). Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen . https://www.un.org/development/desa/disabilities/convention-on-therights-of-persons-with-disabilities.html Willener, A., & Friz, A. (Hrsg.). (2019). Integrale Projektmethodik . interact Verlag. Zimmerman, M. A. (1995). Psychological empowerment: Issues and illustrations. American Journal of Community Psychology, 23 (5), (S. 581–599) https://doi.org/10.1007/BF02506983 Zimmerman, M. A. (2000). Empowerment theory: Psychological, organizational and community levels of analysis. In J. Rappaport & E. Seidman (Hrsg.), Handbook of community psychology (S. 43–63). Springer. Inklusive Webanleitung 50 Anhang Anhang A, Abb. A Neue Aufbauorganisation AOZ. Quelle: Asyl-Organisation Zürich (AOZ). (01.01.2025). Neue Aufbauorganisation AOZ: https://www.stadt-zuerich.ch/aoz/de/index/aoz/aktuell/news/2025/die-aoz-hat-einen-neuenorganisationsaufbau/die-aoz-hat-eine-neue-aufbauorganisation.html Unternehmenskommunikation Martin Reichlin Geschäftsstelle VR / Generalsekretariat Daniel Neuhaus Direktionsdienste Daniela Gemperle Direktor Marco Camus* Betreuung Bundesasylzentren Michelle Fridle Laura Tommila* Till Zeretzke Region Ostschweiz Region Zürich Region Tessin und Zentralschweiz Soziales und Beratung a.i. Martin Gfeller Sozialberatung Stadt Zürich Sozialberatung Gemeinden Support Sozialberatung PsychoSozialer Dienst Wohnen und Gesellschaft Mandy Zeckra* MNA und Begleitung junge Erwachsene Kantonale und Städtische Kollektivunterkünfte Workcenter Medios Administration BIA Arbeit Bildung Jugendförderung Abklärung und Vermittlung Finanzen und Infrastruktur Daniel Boller* Finanzen Informatik Immobilien verwaltung Human Resources Management Matthias Bisang* Bildung und Arbeit Stefan Paris* Verwaltungsrat * Mitglied der Geschäftsleitung Inklusive Webanleitung 51 Anhang B, Abb. B, Organigramm BSI / Fachbereich Arbeit (neu BIA) Quelle: AOZ Intern Fachbereich Arbeit, 4.Quartal, 1.10.2024 (Internes Dokument) https://youtu.be/Wl-sXbUZ0ZQ Deutsch https://youtu.be/tp3abPU0ps0 Ukrainisch AOZ – Berufliche und soziale Integration Stefan Paris (100%) AOZ – Berufliche und soziale Integration Stefan Paris (100%) Fachbereich Arbeit Stephan Nielsen (100%) Stv. Roland Seiler Fachbereich Arbeit Stephan Nielsen (100%) Stv. Roland Seiler Züri rollt Florian Jenzer (80%) Züri rollt Florian Jenzer (80%) GEP Teresa Gariano (45%) Laura Hug (45%) GEP Teresa Gariano (45%) Laura Hug (45%) Brockito Susanna Sochor (100%) Brockito Susanna Sochor (100%) Werkstatt - Johannes Brunner (80%) - Thomas Frigyesi (75%) - Philipp Lottenbach (85%) Velostation Europaplatz - Moritz Berg (80%) - Orfeo Dubler (20%) - Iliaz Jakupi (100%) Handwerkstatt, Praxis CHECK Kerstin Hirczy (80%) Handwerkstatt, Praxis CHECK Kerstin Hirczy (80%) Organigramm_FBA_Q4_2024.vsd / 01.10.2024 Tasteria Roland Seiler Tasteria Roland Seiler Paprika Vedrana Kieffer (80%) Paprika Vedrana Kieffer (80%) - Simon Binder (80%) - Teresa Gariano (25%) - Esther Amrein (60%) - Laura Hug (25%) - Sven Hug (80%) - Franziska Leuenberger (90%) - Liz Osbahr (100%) - Tamara Rojas-Gonzales (80%) - Sarah Sonderegger (70%) - Sandra Wiesmann (50%) - Silvia Keller (80%) - Irina Djelid-Nipkow (60%) - Marcus Goldbach (80%) - Chantal Soliva (60%) - Eva Wrubel (60%) - Daniel Würmli (80%) - Armin Gmür (100%) - Ramona Riesen (50%) - Naemi Suter (80%) - Dario Trinkner (100%) - Marco Zürcher (90%) - Hanspeter Gehrig (100%) - Veronika Karnaukh (100%) - Dordo Kupresak (100%) - Marco Lunardi (60%) - Zabiullah Momen (100%) - Malik Siddigue (100%) - Salih Sivac (100%) - Manuel Stähli (100%) - Matias Stechina (100%) - Avdo Zukic (100%) - Besim Berbatovci (100%) - Sevil Colakoglu (100%) - Tanja Kollegger (80%) - Daniel Sailer (100%) - Karin Schwank (60%) - André Siegrist (100%) - Marko Stevanovic (100%) Stab Yvonne Bello (80%) – Stabsmitarbeiterin Silvia Boss (80%) – Stabsmitarbeiterin Carmen Zahno (90%) – Stabsmitarbeiterin Stab Yvonne Bello (80%) – Stabsmitarbeiterin Silvia Boss (80%) – Stabsmitarbeiterin Carmen Zahno (90%) – Stabsmitarbeiterin Assistenz + Projekte Karin Hasler (50%) Assistenz + Projekte Karin Hasler (50%) Restaurant Riedbach Christine Fitzinger (100%) Restaurant Riedbach Christine Fitzinger (100%) Gastronomie Roland Seiler (100%) Gastronomie Roland Seiler (100%) - Gianni Abegg (100%) - Tobias Grunder (100%) - Kathrin Hädrich (100%) - Tenzin Kanamtsang (80%) - Devran Katiroi (100%) - Martin Lange (80%) - Ralph Schläpfer (80%) - Stefan Triebs (100%) P.v. = Pensum variiert Praktikant/in Veloverleih - Michael Breitenmoser (100%) FB Administration BAI Rahel Stutz (100%) FB Administration BAI Rahel Stutz (100%) Praktikant/in Administration + Empfang Tramont Margarita Martillan (70%) Administration + Empfang Tramont Margarita Martillan (70%) Assistenz Züri rollt + Tocco, QMD FBA Damian Weingartner (80%) Assistenz Züri rollt + Tocco, QMD FBA Damian Weingartner (80%)