Objektbiografie: Ein Ansatz für die integrative Datenmodellierung – Eigenschaften, Chancen und Anwendungsmöglichkeiten Anja Gerber, Klassik Stiftung Weimar
[email protected] Prof. Dr. Günther Görz, FAU Competence Center for Research Data and Information guenther[email protected] Dr. Sarah Wagner, FAU Competence Center for Research Data and Information sarah.[email protected] Workshop DHd 2025 | Bielefeld | 4. März 2025
Ablauf 2 9:00-10:30 Session 1: Einführung in Grundlagen ●Vorstellung ●Metadaten, Standards und warum das Ganze? ●NFDI4Objects: Ziele und Stand der Entwicklungen ●Was ist eine Objektbiografie? 10:30-11:00 Kaffeepause 11:00-12:30 Session 2: Objektbiografie in der Praxis ●Wie wird eine Objektbiografie erstellt? Use Case Behaim Globus 12:30-14:00 Mittagspause 14:00-15:30 Fortführung Session 2 ●Datenmodellentwicklung und Implementierung ●Hands on: Gemeinsame Erstellung einer Objektbiografie 15:30-16:00 Kaffeepause 16:00-17:30 ●Hands on: Gemeinsame Erstellung einer Objektbiografie ●Erstellung eines (vereinfachten) Datenmodells ●Auswertung
Vorstellung 3
Session 1: Einführung in Grundlagen 4
Metadaten, Standards und warum das Ganze? 5
Was sind Metadaten? ●Metadaten sind Daten über (digitale) Objekte und Ressourcen ●beschreiben Inhalt, Form, Zugangsbedingungen u. s. w. in strukturierter und einheitlicher Form ●ermöglichen die Erschließung, z. B. ○Namen von Personen und Körperschaften, Orten, Ereignissen, ○Datierungen, ○Schlagwörter, Stichwörter, Notationen, etc. ●Verwendung von Normdaten und kontrolliertem Vokabular verbessert Suche und Auffindbarkeit ○Multilingualität → internationaler Kontext bedingt Interoperabilität ●erleichtern die Auffindbarkeit und Nutzung von (digitalen) Informationen ●bilden die Einordnung in größere Zusammenhänge ab ●erleichtern den Datenaustausch, z. B. für Portalliereungen oder über Schnittstellen ●Grundlage für die Transformation von Daten (z. B. für Linked Open Data) 6
Was sind Metadaten? 7 Screenshots aus der Stiftungsnormdatenbank so:fie und den Digitalen Sammlungen der Museen, © Klassik Stiftung Weimar
Was sind Metadaten? ●Beschreibende bzw. deskriptive Metadaten ○Bibliographische Metadaten, die ein Medium beschreiben ●Strukturelle Metadaten ○struktureller Aufbau eines Mediums (vergleichbar mit Inhaltsverzeichnis) ●Verwaltungsbzw. administrative Metadaten ○rechtliche Aspekte der Nutzung, Speicherung, Weitergabe ●Technische Metadaten ○technisch relevante Strukturmerkmale, Standards etc. ●Provenienz-Metadaten ○Entstehung und Bearbeitung der Daten (z. B. Quelle, Änderungen, Versionen) ●Rechtsund Zugriffsmetadaten ○Lizenzen und Zugriffsmöglichkeiten 8 Mangelhafte Metadaten führen bspw. zu schlechten KI-generierten Bildern :), Anja Gerber created with DALLE-3, CC BY 4.0
Die FAIR-Prinzipien 9 Findable Accessible Interoperable Reusable ●Auffindbarkeit der Datensätze → Sichtbarkeit ●Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen ●Entstehung neuer Forschungsfragen ●Zusammenarbeit
Erfassungsansicht in WissKI Datenmodell: Ansicht der semantischen Pfade (im WissKI Pathbuilder) 16
Albrecht Dürer Nürnberg → P3 has note → E82 Actor Appellation → P131 is identified by → E21 Person → P14 carried out by → E84 Information Carrier → P108i was produced by → E12 Production → P7 took place at → E53 Place → P87 is identified by → E48 Place Name → P3 has note → „Albrecht Dürer“ „Nürnberg“ 17
Ansicht eines Datensatzes in WissKI 18 Graphansicht der erfassten Information
Linking Open Data cloud diagram 2017, by Andrejs Abele, John P. McCrae, Paul Buitelaar, Anja Jentzsch and Richard Cyganiak. http://lod-cloud.net/ 19
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen der AG Minimaldatensatz Ziele: ●Unterstützung von Museen und Sammlungen bei der Online-Veröffentlichung ihrer Objektdaten ●Niedrigschwellige Vermittlung relevanter Standards (CIDOC CRM, LIDO, EDM u. a.) ●Bewusstsein für Datenqualität schärfen ●Integration von Normdaten und kontrollierten Vokabularen erleichtern ●Wichtiger Anwendungsfall: Datenaustausch und Datenlieferung an Portale ●Konkordanzen zu anderen Standards und Spezifikationen ●Bietet Erfassungshinweise und Vokabularempfehlungen 20
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen der AG Minimaldatensatz Mehr Informationen unter: www.minimaldatensatz.de 21
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen: Aufbau am Bsp. Datenfeld Objekttitel 22 → stellt Bezüge zur Bezeichnung im eigenen System her → nicht alle Datenfelder sollten wiederholbar sein, z. B. ID des Datensatzes im eigenen System → hier Festlegung, ob das Datenfeld verpflichtend ist oder nicht → Textfeld für die Angabe des Objekttitels (hier Freitext, andere Datenfelder bedingen kontrolliertes Vokabular oder eine URI, bspw. Material)
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen: Aufbau am Bsp. Datenfeld Objekttyp 23 → Beispiele für Begriffe und deren URI → Verweise auf mögliche zutreffende Vokabulare
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen: Aufbau am Bsp. Datenfeld Objekttyp 24 → Ausprägung in LIDO XML für LIDO 1.0 und LIDO 1.1, die Snippets können kopiert und nachgenutzt werden
Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen: Aufbau am Bsp. Datenfeld Objekttitel 25
Besonderheiten der Daten in NFDI4Objects ●Objekte haben Ortund Zeitbezug (Entstehungs- , Fund-, Aufbewahrungsort, immer im Kontext mit Zeiträumen…) ●Abbildung historischer Orte und Prozesse (wer, wann, wo, was) → Objektbiografien ○Modellierung mit Zuweisungsereignissen ●Unsicherheit und Ungenauigkeiten (“Sieht keltisch aus, 300-600 v. Chr.?”, “Fundort Elbe”) ●Bezug zu naturwissenschaftlichen Methoden (Messungen, Analysen…) ●Heterogene und unstrukturierte Daten (z. B. Freitextfelder und Textdokumente) ●Daten teilweise nicht-öffentlich wegen Diebstahl und Raubgrabung ●Spezial-Vokabulare in diversen Systemen versteckt oder in Entwicklung, um eigene Bedarfe an die Datenerfassung abzudecken 3232
Object [E22] Usage [E7] Encounter [E7] Museum-/ Collection Affiliation [E7] Research Activity [E7] Modification [E11] Transfer of Custody [E10] Destruction [E6] Fig.: Zusammenführung der Daten aller Task Areas, © Anja Gerber/Sarah Wagner/TA 1-5, CC-BY 4.0 © LAD Beginning of Existence [E63]
Terminologien in NFDI4Objects Kontrollierte Vokabulare, die auch in anderen Bereichen etabliert sind, z.B.: ●Orte / Gazetteers: ○Getty Thesaurus of Geographical Names / GeoNames / Pleiades / World Historical Gazetteer ●Zeiträume: ○PeriodO / ChronOntology / Time Ontology ●Personen / Körperschaften: ○GND / VIAF / Getty ULAN / ORCID / Research Organization Registry / Wikidata ●Sachbegriffe u. a.: ○Getty Art & Architecture Thesaurus / IconClass / Wikidata 3434
Terminologien in NFDI4Objects Speziellere Terminologien in NFDI4Objects, z. B.: ●Heritage Data Vocabularies (Historic England/Scotland/Wales) ●Linked Archaeological Data Ontology (LADO) ●Nomisma (Ontologie und Vokabular) für numismatische Daten ●Ceramic Typologies Ontology (CeraTyOnt) ●Objektbezeichnungsdatei (OBG) ●Bamberger Vokabular für historische Architektur ●Fachklassifikationen: Ackerbau-Systematik, Möbeltypologie, Gefäßtypologie, … ●Metadaten für Analyse-, Messund Labordaten ●Thesaurus & Ontology for documenting Ancient Egyptian Resources (THOT) ●Verschiedene Gazetteers (Ortsverzeichnisse), Personenverzeichnisse und Zeitstrahlen, z. B. Trismegistos, Persons and Names of the Middle Kingdom, Prosopographia Memphitica, iDAI.Gazeteer, iDAI.Chronontology, iDAI.Geoserver,… 3535
Kerndatenschema als Basis für die Datenintegration in NFDI4Objects ●N4O Object Metadata Set zur Beschreibung von Objektdaten, u. a. basierend auf LIDO (XML) ●N4O Object Ontology Anwendungsontologie als RDF-Repräsentation des N4O OMDS für den Wissensgraphen, u. a. basierend auf CIDOC CRM ●Terminologien zur einheitlichen Beschreibung der Forschungsdaten Fig.: Datenfluss N4O Graph, © Jakob Voss, GBV, CC BY 4.0 36 CIDOC CRM
Was ist eine Objektbiografie? 37
Was ist eine Objektbiografie? ●Überträgt das Konzept der Biografie auf materielle Kulturgüter ●kompiliert jegliche Information zu einem Objekt und rekonstruiert Kontexte, Wege, Bedeutungen, Deutungen und deren Veränderung ●Objekte (Artefakte, Pflanzen, Tiere, Gesteine) ●Phasen und Kontexte, z.B. ○Entstehungsangaben ○Benutzung ○Begegnung ○Sammlungskontext ○Besitz-/Eigentumswechsel ○Rezeption, Forschungsereignisse ●Akteure, Orte, Zeit (wer? wo? wann? Kontext?) ●Quellen (Bildund Schriftgut, Daten, Befunde, …) 38 Fig.: Schemaskizze einer Objektbiografie © Sarah Wagner, CC BY 4.0
Was ist eine Objektbiografie? ●Ist chronologisch, aber nicht linear und durchzogen von Lücken, ●dabei können mehrere Sichtweisen und verschiedene Kontexte gleichzeitig existieren, ●Akteur*innen stellen Objekte her, nutzen sie, entnehmen sie aus der Natur, erwerben oder rauben sie, präparieren und restaurieren sie, stellen sie aus, setzen sie in Beziehung, erforschen sie und rekonstruieren letztlich ihre Biografie, ●Rekonstruktion erfordert gute Quellenlage; Quellen (Bildund Schriftgut, Datenbanken) bilden die Grundlage und sichern Informationsprovenienz, ●transitionale Momente werden im Vergleich sichtbar und dadurch Bedeutungsverschiebungen. 39 Fig.: Schemaskizze einer Objektbiografie © Sarah Wagner, CC BY 4.0
Exkurs zur Begriffsdiskussion ●In der Wissenschaft eingeführt durch den Anthropologen Igor Kopytoff 1986 in "The Biography of Things": Objekte sind Individuen aufgrund ihrer spezifischen Bedeutung und individuellen Geschichte; fokussiert soziale Beziehungen zwischen Objekt und Akteur*in; transitionale Momente zentral → Brüche in Kontext und Bedeutung. ●Begriff bes. in der Materiellen Kultur angewandt, etwa Ethnologie oder Archäologie, Disziplinen, die die "Lebensgeschichte" der Objekte erforschen. ●Kritik am Begriff (z.B. Hans Peter Hahn 2015; Kim Siebenhüner 2017): Gefahr der Vereinfachung; Biografie suggeriert, dass etwas lebt, Akteur ist, Anfang und Ende hat, weitere Probleme bei Einzelding vs. Assemblage (z.B. bei Bauwerken), Fragmentierung (z.B. bei Scherben: was ist das Hauptobjekt?); Vorschlag: Itinerar (Betonung der Mobilität der Dinge; Bewegung durch Raum und Zeit). ●Objekte leben nicht, handeln nicht, können aber durchaus Aufforderungsbzw. Angebotscharakter aufweisen (Affordanz), die wiederum bestimmte Umgangsweisen von Subjekten mit ihnen bewirken (Jung) ●Peter Braun und Matthias Jung: Verdienst des Begriffs, dass neue Fragen an Objekte gestellt und Bedeutungswandel in den Vordergrund gestellt werden. ●Befürworter*innen betonen den metaphorischen Gebrauch des Begriffs.
Exkurs zur Begriffsdiskussion – Literatur (Auswahl) ●Igor Kopytoff: The Cultural Biography of Things. In: The Social Life of Things, hrsg. v. Arjun Appadurai, Cambridge 1986, S. 64-91. ●Jody Joy: Reinvigorating Object Biography. Reproducing the Drama of Object Lives: In: World Archaeology 41, 2009, S. 540-556. ●Stefan Krmnicek: Das Konzept der Objektbiographie in der antiken Numismatik. In. Coins in context I. New Perspectives for the Interpretation of Coin finds. Studien zu Fundmünzen der Antike 23, Mainz 2009, S. 47-59. ●Peter Braun: Objektbiographie. Ein Arbeitsbuch. Weimar 2015. ●Matthias Jung: Das Konzept der Objektbiografie im Lichte einer Hermeneutik der materiellen Kultur. In: Dietrich Boschung, Patric-Alexander Kreuz, Tobias Kienlin (Hg.): Biography of Objects. Aspekte eines kulturhistorischen Konzepts, (Internationales Kolleg Morphomata: Morphomata, Bd. 31), Paderborn 2015, S. 35-65. ●Hans Peter Hahn: Dinge sind Fragmente und Assemblagen. Kritische Anmerkungen zur Metapher der ‚Objektbiografie'. In: Dietrich Boschung, Patric-Alexander Kreuz, Tobias Kienlin (Hg.): Biography of Objects. Aspekte eines kulturhistorischen Konzepts, (Internationales Kolleg Morphomata: Morphomata, Bd. 31), Paderborn 2015, S. 11-33. ●Kim Siebenhüner: Die Mobilität der Dinge. Ansätze zur Konzeptionalisierung für die Frühneuzeitforschung, in: Objekte als Quellen der historischen Kulturwissenschaften. Stand und Perspektiven der Forschung, hrsg. v. Annette Caroline Cremer, Martin Mulsow, Köln, Weimar, Wien 2017, S. 35-46. ●Marcus Becker, Eva Dolezel, Meike Knittel, Diana Stört, Sarah Wagner: Die Berliner Kunstkammer. Sammlungsgeschichte in Objektbiografien vom 16. bis 21. Jahrhundert. Petersberg 2023.
Session 2: Objektbiografie in der Praxis 48
Welche Materialien und Informationen sind relevant? ●Aktueller Sammlungskontext: Datenbankeintrag, Museumsdokumentation (Eingangsbücher, Inventarbücher, -karten, Restaurierungsprotokolle, Jahresberichte, Fotomaterial, ...) ●Historischer Sammlungskontext: Sammlungsund Museumsdokumentation (Inventare, Museumsführer, Reiseberichte, Zeichnungen, ...) ●Publikationen (Ausstellungskataloge, Forschungsprojekte, Geschichte der jeweiligen Sammlung, ...) ●Dokumentation aus Expeditionen, Prospektionen: z.B. Grabungsdokumentation (Feldbücher, Skizzen, Tagebücher ...), v.a. bei naturkundlichen und archäologischen Objekten ●Herstellung und ursprünglich intendierte Funktion, Verwendung, Bedeutung: Schriftgut zu Aufträgen, Rechnungen; auch Informationen auf Ebene des Objekttyps (z.B. Schaber der UFG; im Digitalen durch Normdaten) ●Informationen zu den beteiligten Akteuren (Hersteller, Finder, Verkäufer, Kuratoren, Forscher, Präparatoren, …) ●ggf. "Nachbarobjekte", z.B. aus demselben Fund, Erwerbsvorgang, Ausstellungskontext ●… 49
Was sind die Schritte, eine Objektbiografie zu rekonstruieren? ●Erstellung einer Zeitleiste nach Ereignis (was? wer? wann? wo?) ○z. B. der Auftrag, die Kreation/die konzeptionelle Idee, die Produktion ○bei Naturalia: die Präparation als Ereignis, an dem ein Stein, ein Schmetterling oder ein Knochen zum „Objekt“ wird ○die Geschichte des Steins, Schmetterlings oder Knochens vor diesem Prozess ist Teil der Objektbiografie (Vorkommen, Lebensraum, Nutzung vor Musealisierung) ●Verknüpfung der Informationen/Aussagen mit einer Quelle ○z. B. den Standort eines Objekts in einem Ausstellungskontext mit einem Museumsführer ○z. B. das Datum/die Zeit der Herstellung mit einer Rechnung oder einer dendrochronologischen Analyse ●Kontextualisierung und Verständnis der Quelle ○Was ist/war die Absicht der Quelle? ○Wer ist für den Inhalt verantwortlich? ○Wer ist der Autor? ○Wann und wo wurde die Quelle erstellt und (re-)produziert? ○Welches ist/war die Reichweite der Quelle? Wer war/ist ihr Publikum/ihre Zielgruppe? 50
Beispiel: Der Behaim Globus 51
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53 Foto: GNM, Focus Behaim-Globus, 1992, S.730, CC BY-NC-SA
54 Foto: GNM, CC BY-NC-SA 4.0
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64 Screenshot: Günther Görz, GNM, CC BY-NC-SA
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67 Screenshot: Günther Görz, FAU: CLOS, CC BY-NC-SA
68 Link zur aktuellen WissKI-Instanz: https://behaim.wisski.data.fau.de/
●Sammeln der verfügbaren Informationen (Datenbankeintrag/aktuelles Inventar, Restaurierungsberichte, ...) ●Identifizierung relevanter Quellen (historische Inventare, Datenbankeinträge, Eingangsbücher der Museen, Rechnungen, Veröffentlichungen zur Geschichte der Sammlung, ...) ●Sichtung des Archivmaterials und Aufarbeitung der historischen Informationen ●Rekonstruktion eines Zeitstrahls und einer detaillierten Biografie Wie wird eine Objektbiografie erstellt? Use Case Behaim Globus Behaim Globus, Germanisches Nationalmuseum, Foto: Jürgen Musolf 69
Beginning of Existence [E63] Objekt [E22] Usage [E7] Encounter [E7] Museum-/ Collection Affiliation [E7] Research Activity [E7] Modification [E11] Transfer of Custody [E10] E5 Event E7 Activity E6 Destruction E12 Production E22 Man-Made Object E63 Beginning of Existence E65 Creation Destruction [E6] Timeline (excerpt) ●1492 Beauftragung ●1492-94 Herstellung ●1494-1601/1730 Aufstellung im Nürnberger Rathaus ●nach 1494 Ergänzung der Widmungsinschrift ●nach 1507 Ergänzung der Todesnachricht Behaims ●1510 Ergänzung des Horizontrings und Austausch des Gestells ●1730, 1778, 1842, 1853, 1854, Planigloben Faksimiles ●spätestens 1730-1906 im Besitz der Familie Behaim ●1823 Restaurierung der Inschriften ●1892 Kopie für die Bibliothèque nationale de France ●… Wie wird eine Objektbiografie erstellt? Use Case Behaim Globus 70
71 Zahlreiche Eigentumswechsel, z.B. als Leihgabe am GNM 1906-1928; Kauf durch GNM 1937 unter Beteiligung des NS-Regimes Repräsentationsobjekt im Nürnberger Rathaus, ca. 1492/94 bis spätestens 1730 Seit 1906 im Germanischen Nationalmuseum; seither verschiedene Ausstellungskontexte, Photokampagnen, etc., Forschungsgegenstand von Anbeginn an; zahlreiche Publikationen, materialwiss. Analysen, bildgebende Verfahren, Digitalprojekte, … Zahlreiche Handwerker an Herstellung ca. 1492-94 beteiligt; zahlreiche Ideenquellen Zahlreiche Modifikationen, Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte, z.B. 1510, Ergänzung Horizontring 71 Bildnachweise auf Folie 99
72 Ansicht des Behaim Globus in WissKI, Detail
Mittagspause 12:30-14:00 73
Charakteristika des Datenmodells 80 Beginning of Existence [E63] Object [E22] Production [E12] Time Assignment (E13) Actor Assignment E13 Place Assignment E13 p140 was attributed by P140 was attributed by p140 was attributed by Merkmale und Eigenschaften werden über sog. Zuweisungsereignisse modelliert. Ereignisse erlauben es, Informationen besser zu kontextualisieren. p92i was brought into existence by p9 consists of E22 Man-Made Object E63 Beginning of Existence E12 Production E13 Attribute Assignment
Charakteristika des Datenmodells: Zuweisungen 81 Beginning of Existence [E63] Object [E22] Production [E12] Time Assignment (E13) Actor Assignment E13 Place Assignment E13 p140 was attributed by P140 was attributed by p140 was attributed by p92i was brought into existence by p9 consists of E22 Man-Made Object E63 Beginning of Existence E12 Production E13 Attribute Assignment Scope Note E13 Merkmalszuweisung: „Diese Klasse umfasst die Aktionen des Feststellens von Eigenschaften eines Gegenstandes oder von Beziehungen zwischen zwei Gegenständen oder begrifflichen Konzepten. [Sie] erlaubt die Dokumentation, wie die jeweilige Feststellung zu Stande kam, und wessen Meinung es war. Alle in solch einer Aktion zugewiesenen Merkmale oder Eigenschaften können auch so verstanden werden, als ob sie direkt am jeweiligen Gegenstand oder begrifflichen Konzept fest gemacht wurden, möglicherweise auch als eine Sammlung von widersprüchlichen Werten. [...]“. (Doerr / Lampe / Krause 2011, S. 56)
Charakteristika des Datenmodells: Zuweisungen 82 Beginning of Existence [E63] Object [E22] Production [E12] Time Assignment [E13] Actor Assignment [E13] Place Assignment [E13] p140i was attributed by Person [E21] Group [E39] Corporate Body [E40] Source [E73] Verbatim [E31] Source Reference [E73] p129i is subject of p141 assigned p106i forms part of p9 consists of p70i is documented in p92i was brought into existence by
Charakteristika des Datenmodells: Zuweisungen 83 Beginning of Existence [E63] Object [E22] Production [E12] Time Assignment [E13] Actor Assignment [E13] Place Assignment [E13] p140i was attributed by Person [E21] Group [E39] Corporate Body [E40] Source [E73] Verbatim [E31] Source Reference [E73] p129i is subject of p141 assigned p106i forms part of p9 consists of p70i is documented in p92i was brought into existence by Beispiel: ein Herstellungsereignis [E12] in der Objektgeschichte, dem ein Akteur zugewiesen wird [E13].
Charakteristika des Datenmodells: Zuweisungen 84 Beginning of Existence [E63] Object [E22] Production [E12] Time Assignment [E13] Actor Assignment [E13] Place Assignment [E13] p140i was attributed by Person [E21] Group [E39] Corporate Body [E40] Source [E73] Verbatim [E31] Source Reference [E73] p129i is subject of p141 assigned p106i forms part of p9 consists of p70i is documented in p92i was brought into existence by
Implementierung des Datenmodells in WissKI Wissenschaftliche KommunikationsInfrastruktur ●virtuelle Forschungsumgebung für wissenschaftliche Forschungsdaten ●zur Dokumentation, Erforschung, Publikation kulturellen Erbes ●DFG-Projekt, LIS (2009-2011, 2014-2016) ●open source und kostenlos herunterladbar ●webbasiert ●modular und individuell anpassbar ●Unterstützung des CIDOC CRM zur semantischen Datenerschließung ●ideal für die Erzeugung und Nutzung von Linked Open Data ●Normdatensupport (GND, Geonames, Getty, …) ●Import-/Export-Schnittstellen (SPARQL, ODBC, REST-API) 85 https://wiss-ki.eu/
86 Systemarchitektur von WissKI 10
87 ●Werkzeug zur Implementierung von Datenmodellen ●Mapping von semantischen Pfaden auf Erfassungsmasken im Frontend ●in den meisten Fällen unter Verwendung von CIDOC CRM Der WissKI Pathbuilder
Datenmodell Objektbiografie im WissKI Pathbuilder 88 Ansicht des WissKI Pathbuilder mit den semantischen Pfaden der Objektbiografie (Ausschnitt)
89 Ansicht des WissKI Pathbuilder mit den semantischen Pfaden der Objektbiografie (Ausschnitt) Datenmodell Objektbiografie im WissKI Pathbuilder
Beispiele 96
Use Case: Mineraliensammlung von Johann Wolfgang von Goethe 9797 Link zum Datensatz: https://ores.klassik-stiftung.de/ords/ksw_internet/r/300/2?p2_id ent=338380&p2_dateiname=338380_(3638491351) © Klassik Stiftung Weimar, Direktion Museen
Use Case: Mineraliensammlung von Johann Wolfgang von Goethe 9898 Link zum Datensatz: https://ores.klassik-stiftung.de/ords/ksw_internet/r/300/2?p2_id ent=338380&p2_dateiname=338380_(3638491351) Von Bielefeld, wo die ganze Chausée daraus besteht, aber nicht leicht vollständige Exemplare zu haben sind. © Klassik Stiftung Weimar, Direktion Museen
Bildnachweise Fol. 71 ●Lorenz Hess: Der Große Nürnberger Rathaussaal, 1626/29. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen ●Globussegment Südpol: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, CC BY-NC-SA ●CT-Bild des Behaim Globus, Scan 287, aus: Bernd Hering: Die Herstellungstechnik des Behaim-Globus: Neue Ergebnisse. In: Focus Behaim Globus, Ausst.Kat. 1992, Bd. 1, S.289-300, S. 295. ●Behaim Globus, Germanisches Nationalmuseum, Foto: Jürgen Musolf ●Screenshot Digital Story, Globus 1492, https://globus1492.gnm.de/ ●Ausstellungsansicht, Neuaufstellung Galeriebau, aus: GNM 1852-1977, Abb. 79 ●Ausstellungsansicht Germanisches Nationalmuseum, südlicher Großer Kreuzgangflügel, alte Kostümgalerie, Foto von Herman Großberger, 1919 ●Ausstellungsansicht "Von oben gesehen", 20.11.2014-22.02.2015, Foto: Germanisches Nationalmuseum, https://www.gnm.de/ausstellungen/sonderausstellungen-rueckblick/von-oben-gesehen-die-vogelper spektive
Ressourcen ●AG Minimaldatensatz, Marchini, C., Städtler, D., Greisinger, S., Böhm, E., Bernhard, A.-M., Diepenbrock, N., Götsch, S., Gerber, A., Grotrian, E., von Hagel, F., Kailus, A., Koch, A.-K., Kudlinski, V., Nowicki, A.-L., Purschwitz, A., Quade, L., Rohde-Enslin, S., Rölle, S., Städing, L., Stricker, M., Thorn, C., Wagner, S., Wassermann, S., Winkler, A. (2024). Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen (v1.0.1). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.12759620 ●Assfalg, Rolf (2023). "B 9 Metadaten". Grundlagen der Informationswissenschaft, edited by Rainer Kuhlen, Dirk Lewandowski, Wolfgang Semar and Christa Womser-Hacker, Berlin, Boston: De Gruyter Saur, pp. 245-256. https://doi.org/10.1515/9783110769043-021 ●Baca, Murtha (2008-2016). "Introduction to Metadata. Third Edition." https://www.getty.edu/publications/intrometadata/ ●Becker, Marcus, Eva Dolezel, Meike Knittel, Diana Stört, Sarah Wagner (2023). Die Berliner Kunstkammer. Sammlungsgeschichte in Objektbiografien vom 16. bis 21. Jahrhundert, Petersberg. ●Braun, Peter (2025). Objektbiographie. Ein Arbeitsbuch. Weimar ●Fichtl, B. (2024). LIDO Training (1.1.0). NFDI4Culture. https://docs.nfdi4culture.de/lido-schulung ●Forschungsdaten.info (2025). FAIRe Daten. https://forschungsdaten.info/themen/veroeffentlichen-und-archivieren/faire-daten/ 100
Ressourcen ●Gerber, A., & Wagner, S. (2024, Oktober 14). Development of the N4O Objects Ontology, Object Biography data model and Minimal metadata set in NFDI4Objects. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13936583 ●Gerber, Anja/Wagner, Sarah (2024): NFDI4Objects Core Ontology und Objektbiografien https://zenodo.org/records/10591898 ●Gerber, Anja, von Hagel, Frank, AG Minimaldatensatz. (2024). Die Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen. NFDI4Objects Community Meeting, Mainz. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13771750 ●Hahn, Hans Peter (2015). Dinge sind Fragmente und Assemblagen: Kritische Anmerkungen zur Metapher der ‚Objektbiografie‘ in: Dietrich Boschung, Patric-Alexander Kreuz, Tobias Kienlin (Hg.): Biography of Objects. Aspekte eines kulturhistorischen Konzepts, (Internationales Kolleg Morphomata: Morphomata, Bd. 31), Paderborn, S. 11-33. ●Krmnicek, Stefan (2009). Das Konzept der Objektbiographie in der antiken Numismatik. In. Kaenel/Kemmers hg.: Coins in context I. New Perspectives for the Interpretation of Coin finds. Studien zu Fundmünzen der Antike 23, Mainz, S. 47-59, insb. S. 55-57.Kopytoff, Igor (1986). The Cultural Biography of Things, in: The Social Life of Things. Hg. v. Arjun Appadurai, Cambridge, S. 64-91. ●NFDI4Objects (2025). N4O Graph. GitHub. https://github.com/nfdi4objects/n4o-graph ●NFDI4Objects (2025). N4O Ontology and Data Models. GitHub. https://github.com/nfdi4objects/n4o-ontology ●NFDI4Objects (2025). Terminologies in NFDI4Objects. GitHub. https://github.com/nfdi4objects/n4o-terminologies ●NFDI4Objects (2025). TWG “N4O Minimaldatensatz und N4O Object Ontology”. OSF. https://osf.io/v6ncy/ 101
Ressourcen ●Thiery, F., Gerber, A., & Fricke, F. (2024). Interdisziplinäre Knowledge Graphen? Wieso man eine gemeinsame Object-Ontologie und ein Minimal-Metadatenset benötigt, um FDM in einem Knowledge Graphen zum Leben zu erwecken. Squirrel Papers, 6(4), #13. https://doi.org/10.5281/zenodo.13364681 ●Thiery, F., Gerber, A., & Fricke, F. (2024). NFDI4Objects Objects Ontology & Minimal Metadata Set. In Squirrel Papers (Bd. 6, Nummer 4, S. #13). Squirrel Papers, via Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13739144 ●W3C Working Group: Linked Data. https://www.w3.org/standards/semanticweb/data ●W3C Working Group: RDF 1.1. primer. https://www.w3.org/TR/rdf11-primer/ ●W3C Working Group: SKOS Core Guide. https://www.w3.org/TR/2005/WD-swbp-skos-core-guide-20051102/ ●W3C Working Group: SKOS Simple Knowledge Organization System Primer. https://www.w3.org/TR/skos-primer/ ●W3C Working Group: SKOS - Simple Knowledge Organisation System. https://www.w3.org/2004/02/skos/ ●W3C Working Group: Web Ontology Language (OWL). https://www.w3.org/OWL/ ●Wagner, Sarah (2024). Digitale Objektbiografien für NFDI4Objects. 15. Jahrestagung für Universitätssammlungen 2024, Neue Rollen, neue Ziele? Universitätssammlungen im Spannungsfeld von Forschung, Finanzen und Politik, Zürich. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11471183 ●Wagner, Sarah, Diana Stört, Meike Knittel: Die Berliner Kunstkammer als Wissensgraph – Quellengestützte Erschließung von Sammlungsund Objektinformationen mit Semantic Web Technologien. In: Sammler*innen | Sammlung | Netz: Die Netzimplikationen von Sammlungspraxis und Sammlungsforschung, Hg. v. Jörn Münkner, Joëlle Weis, Maximilian Görmar, Göttingen 2024, S. 63-84. 102