Full text
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Wohl gibt es noch Hypovitaminosen, meistens Polyhypovitaminosen, und auch vereinzelte Fälle schwererer Formen, wie wir sie immer noch als Rachitis, als Skorbut beobachten können, und schließlich ist auch die Perniciosa eine Vitaminmangelkrankheit, denn sie wird durch Vitamin 13 12 geheilt; Endemien mit schweren Formen von Skorbut, Beriberi oder Rachitis, wie sie früher häufig zu sehen waren, kommen in den europäischen Ländern hingegen nicht mehr vor. Hingegen ist die zweite Frage über die notwendigen Mengen der einzelnen Vitamine noch nicht restlos gelöst. Bei der Verabreichung von Lebertran konnte man aus begreiflichen Gründen keine großen Quantitäten der darin enthaltenen Vitamine A und D zuführen. Als aber das erste Vitamin-A-Konzentrat in den Handel kam, sah man bald, daß bei Überdosierungen hypervitaminotische Störungen auftreten, und das gleiche war auch der Fall bei der Isolierung des Vitamin D. Die fettlöslichen Vitamine werden somit in kleineren Dosen gegeben, und viele Pädiater möchten auch vom Vitamin -D -Stoß bei der Rachitisbehandlung absehen, weil man mit kleineren Dosen ebenfalls zum Ziele kommt (s. Hurni, Minder und Gordonoff). Die fettlöslichen Vitamine werden zwar, wie aus Tabelle 1 ersichtlich, auch in Dosen gegeben, die den täglichen Bedarf übertreffen, aber sie werden nicht lange gegeben, um eben keine Hypervitaminosen hervorzurufen. Schwieriger ist das Problem bei den wasserlöslichen Vitaminen. Sie gelten alle als ungiftig, so daß den Mengen nach oben keine Grenzen gesetzt werden: Die iiberschiissigen Mengen werden 1 Nach einem Vortrag im Theodor -Kocher-Institut, Bern, am 13. Januar 1960. 2 Mit technischer Unterstützung von Frl. S. Rodel. mit dem Harne ausgeschieden. Zur Überdosierung kommt es auch deshalb leicht, weil der Optimalbedarf für die wasserlöslichen Vitamine keine bekannte Größe darstellt. In Tabelle 1 führen wir die Dosen an, die der Mensch nach den Angaben der Weltgesundheitsorganisation täglich zu sich nehmen soll, um seine Gesundheit zu erhalten. Rechts führen wir die Mengen an, die therapeutisch verabreicht werden. Während in der mittleren Kolonne die Mengen pro die angegeben sind, sind sie rechts pro dosi angeführt, und diese angegebenen Mengen werden mehrmals im Tag eingenommen. Tabelle 1 Links die Angaben über den Vitaminbedarf pro Tag, rechts die angepriesenen Mengen pro dosi, wobei pro Tag mehrere Dosen eingenommen werden Vitamine Bedarf pro die Axerophthol, A 1-2 mg Phylloehinon, K Calciferol, D Tocopherol, E (3-6 mg /I-Carotin) 10 y 10 mg 1 mg Niacin, PP Folsäure Pantothensäure Inosit Cobalamin, B„ Biotin Thiamin, 13 1 Riboflavin, B, Pyridoxin, B, 0,1-0,3 mg 25-40 mg 1000 mg 5-11 mg 2-3,7 mg 1-7 y 1-3,2 mg 1 mg 2 mg Ascorbinsäure, C 30-75 mg Zuweilen ist der Arzt gezwungen, größere Dosen zu geben, wenn der Bedarf an diesem oder jenem Vitamin erhöht ist. Schwangere, Stillende, Schwerarbeiter brauchen mehr von den einzelnen Vitaminen als andere Individuen. Bei Genuß größerer Mengen von Kohlenhydraten ist der Bedarf an Thiamin größer. Bei ungünstigen Säureverhältnissen des Magens wird das Vitamin C zerstört, und es muß sogar unter Umständen par - enteral verabreicht werden. Bei Behandlung mit Antibiotica und Sulfonamiden ist die Synthese der Vitamine der B -Gruppe wie auch die des Vitamin K gestört, und manche Autoren nehmen an, daß es sich dabei auch um Antivitamineigenschaf ten der Antibiotica und Sulfonamide handeln könnte. Während dieser Behandlung muß man die Vitamine des B -Komplexes zusätzlich verabreichen. Die Vitamine spielen in der letzten Zeit nicht mehr die Rolle der akzessorischen Nährstoffe, sie werden häufig auch wegen 5-100 mg 10 mg 40-100 mg 30 bis über 1000 y 10-15 mg Therapeutische Mengen pro dosi 10 mg 100 mg 100-500 mg 50 mg-1 g 17-165 mg 15 000 y 10-300 mg 10-20 mg
1960 Schweizerische Medizinische Wochenschrift Nr. 27 727 ihrer sonstigen pharmakodynamisch en Eigenschaf ten verabreicht, und in all diesen Fällen wird leicht überdosiert. Wenn in solchen speziellen Fällen die Vitamine vorübergehend in größeren Dosen gegeben werden, ist dagegen nichts einzuwenden, denn die therapeutische Breite der wasserlöslichen Vitamine ist wirklich sehr groß. Nun werden aber die wasserlöslichen Vitamine in größeren Dosen auch für längere Zeit empfohlen. Abgesehen von der Geriatrie, in der Polyvitaminpräparate angepriesen werden, kommen einzelne Vitamine in riesigen Dosen in den Handel. Ich erwähne nur zwei Beispiele: Vom Vitamin B 12 genügt 1 y, um die normalen Verhältnisse aufrecht zu erhalten, und 7 y genügen sogar, um eine Perniciosa zu heilen — dieses Vitamin wird in Mengen von 1000 y und mehr empfohlen. Vom Vitamin C genügen Mengen von 30 bis höchstens 75 mg pro Tag. Gegenwärtig ist das Vitamin C im Handel in Dosen von je 1 g, und diese Mengen nehmen vollständig gesunde Individuen, angeregt durch die Reklame, mehrmals im Tag. Verfolgt man die Vitaminliteratur, so sieht man, daß man von den wasserlöslichen Vitaminen nicht sagen kann, daß sie völlig unschädlich sind. Mit jedem Vitamin hat man bei nberdosierungen mehr oder weniger toxische Wirkungen beobachtet. Ich erwähne hier die Folsäure, die bei längerer Verabreichung zur Ausschwemmung von Riboflavin fart und zur Erschöpfung der Körpervorräte an Vitamin B„, so daß es zur Verschlimmerung der Strangsymptome kommt. Bei Verabreichung von Vitamin C in großen Dosen wurden dyspeptische Zustände beobachtet, mit stärkerer Unruhe und Schlaflosigkeit. Roch warnt vor hohen Vitamin -C -Dosen, denn sie können beim Erwachsenen Kopfschmerzen, Nausea und Diarrhöe erzeugen. Bach empfiehlt Vitamin C nur morgens und mittags zu verabreichen und nicht am Abend, weil es zu Insomnien führen kann. Diese unangenehmen Nebenwirkungen, die man auch als Hypervitaminosen bezeichnen könnte, sind keineswegs schwerer Natur, denn sie verschwinden bei der Reduktion der Dosis und vor allem beim Aufhören der Medikation. Wir denken bei unserer Betrachtung nicht an die Vitamine, die der Arzt unter Umständen auch in größeren Dosen verabreicht, wir möchten uns befassen mit den Vitaminen, die das Volk selber in den Apotheken und Drogerien bezieht und mit denen es sich übersättigt. Die wasserlöslichen Vitamine könnten nur dann als völlig harmlos betrachtet werden, wenn der menschliche und tierische Organismus ein Rohr mit einem Überlaufhahn ware, bei dem bei Erreichen des Pegels die überschüssigen Mengen ausgeschieden würden. Dem ist aber nicht so. Die Vitamine gelten wohl als Exohormone, sie sind aber zum Teil auch als Endohormone zu bezeichnen. Nicht allein das Vitamin D und das Vitamin K werden im Organismus synthetisiert, die Akten über die endogene Entstehung des Vitamin C sind auch noch nicht geschlossen. Bekanntlich geht die Synthese des Vitamin C im allgemeinen so vor sich: DGlukose D - Glukuronseture L. Gulonsäure L -Ascorbinsäure Beim Menschen soll nach Burns ein Enzym fehlen, welches das L-Gulonolacton in L -Ascorbinsäure umwandelt. Rohmer, Bezssonoff und Stoerr behaupten aber, daß der Säugling im ersten Lebensjahr dennoch imstande sei, das Vitamin C zu synthetisieren, eine Eigenschaft, die später verschwinde. Rudra vertritt die Ansicht, daß die Leber Vitamin C synthetisieren könne, und nach Wiedenbauer und Koscherrech soll auch im Darm eine Vitamin -CSynthese möglich sein. Nach Wachholder soll der Organismus imstande sein, bei verminderter Vitamin - C -Zufuhr seinen Bedarf einzuschränken und Gegenregulationsvorgänge einzuschalten, nämlich eine Selbstsynthese, wenn diese auch nicht genügend sei, um einen Skorbut zu verhüten. Wachholder konnte feststellen, daß, sobald der Ascorbinsäuregehalt abzunehmen beginnt, es zu Steigerungen der Fähigkeit kommt, Ascorbinsäure zu oxydieren und Dehydroascorbinsäure zuriickzureduzieren. Im Organismus verhalten sich somit auch die Vitamine wie die Hormone, und Abderhalden hat vollständig recht, wenn er schreibt, daß « die Vitamine Bausteine der Fermente sind, deren Funktion von den Hormonen gesteuert werde». Die Vitamine spielen eine große Rolle im fermentativen Geschehen, sind sie doch prosthetische Gruppen verschiedener Fermente. Die Beziehung der Vitamine zu den Hormonen ergibt• sich — um das Vitamin C hervorzuheben — aus der Tatsache, daß die Ascorbinsäure sowohl das Serumbilirubin wie auch das Adrenalin vor Oxydationen schützt. Die nach größeren Vitamin - C -Dosen auftretenden Hypertonien werden durch eine Hyperadrenalinämie erklärt. In jedem Gewebe, in jeder Zelle sind Vitamine enthalten, und gerade das Vitamin C ist ein Zwischenakzeptor im Ablauf der Oxydationsbzw. Dehydrierungsprozesse. Als erstes Symptom beim Vitamin-C-Mangel ist eine Abnahme der Serumphosphatase zu sehen. Beim skorbutischen Meerschweinchen ist die Aktivität der Leberesterase, der Leberphosphatase wie auch der Atmungsfermente herabgesetzt. Vitamin C aktiviert das Thrombin und regt die Blutplättchenbildung an. Die Ascorbinsäure ist notwendig für die Bildung des Kollagens. Nach Wachholder und Podesta wird das Vitamin C in den Nebennieren, der Leber, im Hypophysenvorderlappen, im Corpus luteum und in der Placenta gespeichert. Die Nebennierenrinde und die beiden Keimdrüsen enthalten recht viel Vitamin C, und gerade in diesen Organen werden die Steroidhormone produziert. Kersten, Kersten und Staudinger nehmen an, daß die Ascorbinsäure bei der Bildung der Steroidhormone mitwirkt. Bei so vielen Funktionen, die das Vitamin C im Stoffwechsel unentbehrlich machen, muß der Organismus über Möglichkeiten verfügen, das Vitamin C zu speichern und seinen Stoffwechsel zu regeln. Sogar auf der Höhe des manifesten Skorbuts sind die Organe nicht völlig vitamin-C -frei. Man darf auch nicht vergessen, daß eine gewisse Interrelation der Vitamine vorhanden ist. Hohe Riboflavindosen verstärken die Mangelerscheinungen, wie erhöhte Mortalität und vermindertes Wachstum, bei Tieren, die einen Mangel an Thiamin, Pyridoxin und Pantothensäure haben (Morrison und Sarett). Der Organismus schützt sich auch nach Möglichkeit vor Vitaminverlusten. Auf die Gegenregulationsvorgänge, wie sie Wachholder schildert, haben wir soeben hingewiesen. Belastet man Gesunde mit 10 mg Riboflavin, so werden nur 3 mg eliminiert, und 70% bleiben im Organismus (Ascione, Vecchiet und Marra). Es ist auf alle Fälle berechtigt zu vermuten, daß, wenn der Organismus mit irgendeinem Vitamin dauernd übersättigt wird, die Schutzund Regelungsmechanismen ausgeschaltet werden. In Verfolgung dieses Gedankens behandelten wir eine Serie von 10 Meerschweinchen, mit je 0,5 g Vitamin C subcutan täglich. Die Tiere erhielten die gleiche Nahrung wie die gleich alten Schwestertiere. Nach 4 Wochen wurden die beiden Serien, die mit Vitamin C vorbehandelten wie auch die Schwestertiere, auf eine Skorbutkost gesetzt. Wir verwendeten dazu die Futtermischung des Lister -Instituts, in der Modifikation von Matnzon. Die Resultate unserer Untersuchungen sind aus Abb. 1 ersichtlich. Wir sehen hier die Lebensdauer der skorbutischen Meerschweinchen 3 ,wobei links die Tiere früher mit der üblichen Futtermischung des Instituts, in der 500 mg/kg Vitamin C enthalten sind, normal ernährt und daraufhin auf Skorbutkost gesetzt wurden. Rechts sind die Tiere gleich ernährt worden, wurden aber während 4 Wochen vorgängig mit je 0,5 g Vitamin C subcutan pro Tier und pro Tag übersättigt. War die mittlere Lebensdauer bei den Meerschweinchen ohne Vorbehandlung mit Vitamin C 38,6 Tage, so gingen die Meerschweinchen nach 3 Wir verdanken der F. Hoffmann-La Roche & Cie AG. in Basel die rberlassung der Ascorbinsäure wie auch der Meerschweinchen.
Schweizerische Medizinische Wochenschrift Nr. 27 728 Serie mit Skorbutnahrung 45 44 43 42 41 40 39 38 Serie mit Redoxon Eingabe Tage In In tO C , , el el CO 37 36 35 34 33 32 31 30 — 29 28 CNI 27 CO CO 26 25 c l " 24 23 22 21 20 Anzahl Tage vom Beginn der Skorbutnahrung bis zum Exitus Abb. 1. Links die Lebensdauer der Meerschweinchen, die, früher normal ernährt, auf Skorbutkost gesetzt wurden. Die schwarze Kolumne ergibt die mittlere Lebensdauer aller Tiere (38,6 Tage). — Rechts wurden die Tiere gleich ernährt, erhielten aber während 4 Wochen täglich je 0,5 g Ascorbinsäure pro Tier und Tag. Die schwarze Kolumne stellt die mittlere Lebensdauer der Versuchstiere (24,88 Tage) dar, nachdem sie auf Skorbutkost gesetzt worden sind. 4 Herrn Prof. W. Wegmiiller vom Mathematisch-Versicherungswissenschaftlichen Seminar der Universität Bern sind wir für die Berechnungen zu Dank verpflichtet. 5 Herr Prof. Uehlinger in Zürich war so freundlich, die Knochen der skorbutischen Tiere anzusehen. Wir möchten ihm für seine Mühewaltung unsern Dank aussprechen. 1960 1119 Te,ge, 01 2. 3 4 S Itedoxon Skorbutnahrung normale Kost Abb. 2. Links die Elimination der Ascorbinsäure nach 14tägiger Vorbehandlung mit je 0,5 g Ascorbinsäure pro Tier und Tag. Sobald die Tiere auf Skorbutkost gesetzt werden, hören sie auf, das 'Vitamin C zu eliminieren. Die Zahlen über den Kolonnen bezeichnen die ausgeschiedenen Vitamin -C -Mengen in mg. gesetzt werden, als bei Tieren, die normal ernährt wurden. Auch er fand ein früheres Eingehen nach Skorbut, wenn die Tiere mit höheren Vitamin -C -Mengen vorbehandelt worden waren; seine Zahlen sind aber nicht signifikant. Er verabreichte Meerschweinchen während 6 Monaten 5 mg Ascorbinsäure pro Tag und setzte sie auf Skorbutkost. Sie gingen am 33. Tag ein. Nach ebenso langer Vorbehandlung mit 10 mg/die gingen sie schon am 30. Tag an Skorbut ein. Jakovliev vermutet, daß bei der Überschwemmung des Organismus mit Ascorbinsäure entweder eine erhöhte irreversible Oxydation derselben eintritt oder eine Hemmung der Umwandlung der Dehydroascorbinsäure in Ascorbinsäure. Diese Vermutung kann er allerdings auch nicht bestätigen. Wir glauben auf Grund unserer Untersuchungen mit Vitamin C annehmen zu dürfen, daß es nicht angeht, übermäßige Dosen eines einzelnen Vitamins, hier Vitamin C, während längerer Zeit zu verabreichen. Tritt aus irgendeinem Grunde ein größerer Bedarf an Vitamin C auf — das könnte der Fall sein bei Infektionskrankheiten, während Schwangerschaft und Lactation, auch bei einer stärkeren muskulären Betätigung, wie z. B. bei Sportlern während des Trainings —, so ist der Organismus in einem solchen Fall in einer schlechteren Lage als ein normal ernährter Organismus. Es ist unserer Ansicht nach wichtig, mit Rücksicht auf die Vorschläge, einzelne Vitamine in übermäßig großen Dosen zu verabreichen, die Frage einmal von dieser Seite her zur Diskussion zu stellen. Man könnte sich auch fragen, ob es berechtigt ist, den alternden Individuen Vitamine in großen Dosen während längerer Zeit zu empfehlen. Gewiß, das alte Individuum resorbiert die Vitamine aus der Nahrung weniger gut, aber sein Bedarf ist auch niedriger als der junger Individuen. Wir haben auf alle Fälle bewiesen, daß Patienten, denen Vitamin C in zit hohen Dosen verabreicht wurde, in einer schlechteren Lage sind, wenn aus irgendwelchen Gründen ein Mangel an Vitamin C eintreten sollte, als solche, die sich normal ernähren. Zusammenfassung. Werden Meerschweinchen mit größeren Vitamin -C -Dosen vorbehandelt und gleichzeitig mit normal ernährten Schwestertieren auf Skorbutkost gesetzt, so erkranken gerade die mit Vitamin C vorbehandelten Meerschweinchen Vorbehandlung mit Vitamin C im Mittel nach 24,88 Tagen ein. Die Differenz ist stark gesichert (Signifikanz zur Sicherheitsschwelle von Uehlinger 6 charakterisiert die Skorbutgrade folgendermaßen: Hemmung der Ossifikation +, Hemmung der Ossifikation und Blutung + +, Vollbild mit Fraktur + +. Bei den vorbehandelten Tieren wiesen 3 den Grad + + und 6 den Grad + auf. Bei den nicht-vorbehandelten Tieren war der Grad + + ebenfalls bei 3 Meerschweinchen, Grad + bei 4 Tieren erreicht; bei 3 Meerschweinchen war aber der Befund normal. Auch das klinische Bild entsprach dem Befund, indem die vorbehandelten Tiere auf der Höhe der Erkrankung schwerer angegriffen aussahen. Wir haben auch die Eliminationsverhältnisse bei den Meerschweinchen mit der Methode von Roe und Kuether untersucht.. In Abbildung 2 sieht man, daß bei den mit Vitamin C vorbehandelten Tieren, sobald sie auf Skorbutkost gesetzt werden, die Elimination des Vitamin C schon am nächsten Tag stoppt, während Tiere, die normal ernährt werden, sich vor dem Vitamin -C -Verlust nicht zu schützen brauchen und dementsprechend größere Mengen Vitamin C eliminieren. In der Literatur haben wir keine ähnlichen Angaben gefunden; hingegen fanden wir eine Diskussionsbemerkung zu einem Vortrag in der Ostzone Deutschlands, daß in Rußland während der Belagerung von Leningrad die Personen, die früher aus irgendwelchen Gründen Vitamin C in größeren Dosen erhalten hatten, in größerer Anzahl und unter schwereren Erscheinungen an Skorbut erkrankten als normal ernährte Individuen. Es ist uns später gelungen, in einer russischen Zeitschrift eine Arbeit von Jakovliev ausfindig zu machen, in welcher diese Angaben der Diskussionsbemerkung bestätigt wurden. Patienten, die mit höheren Vitamin -C -Dosen vorbehandelt waren, erkrankten bei der Blockade von Leningrad in 81% an Skorbut, die früher normal ernährten Personen nur in 67%. Jak,ovliev ist diesem Problem auch experimentell nachgegangen und fand tatsächlich, daß bei den mit Vitamin C vorbehandelten Tieren der Vitamin -C -Gehalt des Blutes und des Gewebes früher erschöpft wird, wenn die Tiere auf Skorbutkost
Schweizerische Medizinische Wochenschrift Nr. 27 1960 schwerer an Skorbut und gehen früher ein. Bei der Untersuchung der Ausscheidung des Vitamin C bei den Versuchstieren sieht man, daß bei den vorbehandelten Meerschweinchen, sobald sie auf Skorbutkost gesetzt werden, die Elimination des Vitamin C stark gebremst wird. Es scheint für das Vitamin C ein Regelungsmechanismus vorhanden zu sein, um den Organismus vor Vita min-C -Verlusten zu schützen. Summary. Guinea pigs who have received very large doses of vitamin C previous to a scurvy diet will fall prey to, and die earlier of scurvy than those having previously received physiologic amounts of vitamin C. The studies of vitamin C elimination in those animals who have received vitamin C show that as soon as they are placed on a scurvy diet, the excretion of vitamin C is greatly reduced. It appears that there is a vitamin C regulating mechanism. 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Bei den vorliegenden Untersuchungen war der Gedanke an die Rolle des cellulären Elementes beim Allergen-AntikörperGeschehen wegleitend. Im Erythrocyten haben wir eine jederzeit zur Verfügung stehende und leicht zugängliche Zelle. An der Membran der roten Blutzellen wird aktiv eine Ionentrennung aufrechterhalten. Eine sich an der Membran abspielende Allergen-Antikörper -Reaktion könnte eine Störung dieses Potentials und eine Änderung der osmotischen Resistenz mit sich bringen. Mit der von uns ausgearbeiteten photometrischen Methode lassen sich Abweichungen der osmotischen Resistenz von Bruchteilen von Promillen NaCl nachweisen. 'Die Arbeit wurde mit verdankenswerter Unterstützung der Firma J. R. Geigy AG., Basel, durchgeführt. 729 Methode und Ergebnisse 2 Zur Messung der osmotischen Resistenz wurden je 0,05 cm' gewaschene Erythrocyten (Blutgruppe 0, rh. neg.) mit je 5,0 cin 3 einer von 7,6% 0 bis 2,0°I„ in Schritten von 0,2°/„ abgestuften, gepufferten NaCI-Lösung vom pH 7,4 bei 23°C. im Wasserbad inkubiert. Nach genau 45 min wurde der Hämolysevorgang durch Zugabe ergänzender NaCl-Abstufungen, die eine Endkonzentration von 9,0V„ ergaben, gestoppt. Die Absorption der nach Zentrifugieren überstehenden und von den Erythrocyten abpipettierten Lösung wurde bei einer Wellenlänge von 620 my mit dem Zeiss-Elko II photometrisch gemessen. Die aus den MeBwerten erhaltene S-förmige Kurve wurde auf Wahrscheinlichkeitspapier zur Geraden transformiert und die NaCl-Konzentration für 10%, 50% und 90% Hämolyse interpoliert. In einer ersten Reihe diente uns die Tuberkuloseheimagglutinationsreaktion nach Middlebrook-Dubos als Modell für eine sich an der Erythrocytenmembran abspielende Antigen-Antikörper - Reaktion. Im Vorversuch wurde jeweils der Agglutinationstiter bestimmt, so daß man im Hauptversuch die Erythrocytenresistenz einer agglutinierenden und zweier nicht mehr agglutierender Verdünnungen mit den entsprechenden Kontrollen vergleichen konnte. Die in verschiedenen Serumverdünnungen untersuchten Erythrocyten zeigten mit den 30 untersuchten Seren von tuberkulösen Patienten keine Änderung ihrer osmotischen Resistenz. In den Hauptversuchen wurden Erythrocyten (0, rh—)während 2 Stunden zuerst mit Allergen-, dann mit Serumverdünnungen von menschlichen Allergikern (oder umgekehrt) sowie von nichtallergischen Kontrollpersonen im Wasserbad bei 37° C. inkubiert. Anschließend verglichen wir die verschiedenen osmotischen Resistenzen der Erythrocyten aus den Allergenbzw. Serumverdünnungen und den entsprechenden Kontrollen mitund untereinander. Die durchgeführten 30 Untersuchungen (hauptsächlich von Pollenallergikern) führten zu keiner signifikanten Abweichung der osmotischen Resistenz der Erythrocyten, die durch eine Reaktion zwischen Allergen und Allergikerserum erklärt werden könnte. Auch durch Variation der Inkubationsdauer, der Allergenund Serumverdünnungen sowie durch Verwendung von Schaf serythrocyten ließen sich keine durch AntigenAntikörper -Reaktion bedingten Ä.nderungen der osmotischen Resistenz nachweisen. Eine Agglutination der Erythrocyten war mikroskopisch nicht zu beobachten. Die gleiche Versuchsanordnung (mit polyvalenter Staphylococcus-aureus-Vaccine als Allergen) zeitigte auch bei den 13 Seren von Furunkulosepatienten keine positiven Resultate. Eine eventuell durch Allergen-Antikörper -Reaktion hervorgerufene Störung des Ionenpotentials an der Erythrocytenmembran braucht nicht zu einer Änderung der osmotischen Resistenz zu führen. Um die Ionen selbst zu erfassen, bestimmten wir daher im Anschluß an die negativ verlaufenen Hämolyseversuche nach verschiedenen Inkubationszeiten den Austritt der Kaliumionen aus den Erythrocyten, die mit Allergen und Serum in isotonischer gepufferter NaCl-Lösung mit 2 mval KC1 inkubiert waren. Diese außerordentlich schwierigen Untersuchungen zeigten in den 5 Versuchen starke Unterschiede, aber keine konstanten Abweichungen gegenüber den Kontrollen. Diskussion Aus den mitgeteilten Untersuchungen geht hervor, daß der beim Prausnitz-Kiistnerschen Versuch im Allergikerserum übertragene Faktor in vitro nicht imstande ist, bei der Reaktion mit dem Allergen am Erythrocyten eine derartige Veränderung hervorzurufen, daß entweder die osmotische Resistenz oder der Kaliumaustritt wesentlich beeinflußt wird. Das Geschehen 2 Da die Versuche ein negatives Ergebnis zeitigten, wird auf die vollständige Wiedergabe aller Versuchsanordnungen und Resultate dieser 1 Jahre dauernden Untersuchungen verzichtet.