Wie gut ist einfach? Evaluierung verschiedener Regionalisierungsverfahren zur Schätzung täglicher Wetterdaten.
Abstract
Um flächenhaft Wetterdaten abzuleiten, gibt es eine große Vielfalt von deterministischen und geostatistischen Regionalisierungsverfahren. Zur Regionalisierung von DWD -Messdaten für Tagesmitteltemperaturen (≈ 200 Stationen) und Niederschlag (≈ 900 Stationen) wurden inverse distance weighting (IDW), ordinary und universal kriging (mit verschiedenen Kovariablen) und generalized additive models (GAMs) verglichen. Ziel der Untersuchung war es, ein einfaches, schnelles, robustes, automatisierbares Verfahren zur Interpolation täglicher Wetterdaten für den Norddeutschen Raum zu finden. Messdaten wurden für den Zeitraum 2003-2013 tagesweise interpoliert und die Vorhersagegenauigkeit mit einer 10-fachen Kreuzvalidierung überprüft. Im zweiten Schritt wurden Messdaten des ICP Forests Level II-Messnetzes herangezogen, um abzuschätzen, wie gut Vorhersagen von Wetterdaten in bewaldeten Regionen möglich sind. GAMs mit Glättungstermen für Koordinaten und Seehöhe waren die besten Schätzer für Tagesmitteltemperaturen (RMSE=0.53°C, R2=0.87; Median, n=4018 Tage). GAMs konnten nichtlineare Zusammenhänge zwischen Messwerten von Covariablen besser abbilden als universal kriging, das nur (lokale) lineare Trends berücksichtigt. Die Jahresmitteltemperatur wurde nur an ca. 15 von 170 Stationen um mehr als 5% über- oder unterschätzt. Die Vorhersage täglicher Temperaturen der ICP Forests Level II-Plots erreichte hohe Gütemaße (RMSE=0.79°C, R2=0.99; Mittelwerte, n=9 Stationen mit ≈2300-4000 Tagen). Bei der Interpolation von Niederschlägen hingegen war ordinary kriging den GAMS überlegen, sowohl in der Vorhersagegenauigkeit als auch in Stabilität und Geschwindigkeit (RMSE 0.79 mm, R2 0.65; Mediane über n = 4018 Tage). Mit zunehmendem Niederschlag nahm der Interpolationsfehler ab. Wie häufig in der Literatur beschrieben, gab es kaum Zusammenhänge zwischen täglichem Niederschlag und Kovariablen wie Höhe über NN, Neigung oder Exposition. Der Jahresniederschlag wurde bei 20% der Stationen um mehr als 10% über- oder unterschätzt, was besonders in Küstenlinien und im Bergland der Fall war. Tägliche Niederschläge an ICP Plots mit RMSE=2.76 mm und R2=0.65 geschätzt (Mittelwerte, n=7 Stationen mit je 2670-3947 Tagen), was durch Unterschiede im täglichen Aggregierungszeitraum sowie durch den räumlich heterogenen Messfehler von Niederschlagsmessungen erklärbar ist.