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Neu entdeckte/identifizierte/publizierte Werke 1926. Addenda zum Catalogue raisonné

Kakinuma, Marie

Abstract

Das von der Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern, in neun Bänden von 1998 bis 2004 herausgegebene Werkverzeichnis Paul Klees stellt die offizielle Basisinformation zu allen bis zur Drucklegung 2003 bekannten Werken von Klee dar. Bei einer Publikation, die sich über mehrere Jahre erstreckte und einige tausend Druckseiten umfasst, konnte trotz aller Bemühungen und Sorgfalt nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne wichtige Informationen und Abbildungen zu Werken erst nach Erscheinen des entsprechenden Bandes bekannt wurden oder dass sich Verwechslungen und Fehler einschlichen. Dank weiterer Recherchen, der Unterstützung von Sammler:innen und Kunsthändler:innen sowie Auktionshäuser konnten in der Folge nicht wenige Werke eruiert werden, die zwar aufgrund der entsprechenden Einträge im handschriftlichen Œuvre-Katalog mit rudimentären Angaben, jedoch ohne Abbildung bereits publiziert worden sind. Um frühere Lücken zu schliessen und Fehler zu korrigieren, haben die Herausgeber des Catalogue raisonné daher im Anhang des letzten, neunten Bandes unter dem Titel »Addenda und Corrigenda« Werke ausgeführt, deren Standort erst nach Erscheinen des jeweiligen Bandes bekannt wurde, und allgemeine Fehler im Werkverzeichnis korrigiert.1 Daran anknüpfend und in einer neuen Artikelserie publiziert die Zeitschrift Zwitscher-Maschine neu entdeckte/identifizierte/publizierte Werke von Paul Klee, die nach dem Erscheinen des letzten Bandes Catalogue raisonné im Jahr 2004 wiederentdeckt und erfasst wurde.2 Sie sind alle, analog zur Struktur des gedruckten Werkverzeichnisses, in der Reihenfolge ihrer Katalognummern aufgelistet. Jedoch sind neu alle Werke in Farbe ihrem Format entsprechend reproduziert und mit Kontextinformationen versehen.3 Das digitale Format der Nachträge zum Werkverzeichnis, ihre freie und suchmaschinenoptimierte Verfügbarkeit im Internet und die Möglichkeit der Aktualisierung begünstigt ihre weltweite Verbreitung und den internationalen Dialog mit der Klee-Community. 1 Erläuterungen zu Addenda und Corrigenda, in: Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern, 2004, S. 335–338. 2 Bis heute sind rund 100 Werke hinzugekommen. 3 Als Referenz dienen die beiden Publikation Glaesemer 1976 und Kersten u. a. 2014. Literatur • Jürgen Glaesemer, Paul Klee. Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern; Gemälde, farbige Blätter, Hinterglasbilder und Plastiken, Bern: Kornfeld und Co, 1976. • Wolfgang Kersten, Osamu Okuda und Marie Kakinuma, Paul Klee. Sonderklasse, unverkäuflich, hg. von Zentrum Paul Klee, Bern und Museum der bildenden Künste Leipzig, Köln: Wienand, 2014. • Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern (Hrsg.), Catalogue raisonné Paul Klee, Band 9, 1940, Bern: Benteli, 2004.

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ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 76 NEU ENTDECKTE/IDENTIFIZIERTE/PUBLIZIERTE WERKE 1926. ADDENDA ZUM CATALOGUE RAISONNÉ MARIE KAKINUMA Das von der Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern, in neun Bänden von 1998 bis 2004 herausgegebene Werkverzeichnis Paul Klees stellt die offizielle Basisinformation zu allen bis zur Drucklegung 2003 bekannten Werken von Klee dar. Bei einer Publikation, die sich über mehrere Jahre erstreckte und einige tausend Druckseiten umfasst, konnte trotz aller Bemühungen und Sorgfalt nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne wichtige Informationen und Abbildungen zu Werken erst nach Erscheinen des entsprechenden Bandes bekannt wurden oder dass sich Verwechslungen und Fehler einschlichen. Dank weiterer Recherchen, der Unterstützung von Sammler:innen und Kunsthändler:innen sowie Auktionshäuser konnten in der Folge nicht wenige Werke eruiert werden, die zwar aufgrund der entsprechenden Einträge im handschriftlichen ŒuvreKatalog mit rudimentären Angaben, jedoch ohne Abbildung bereits publiziert worden sind. Um frühere Lücken zu schliessen und Fehler zu korrigieren, haben die Herausgeber des Catalogue raisonné daher im Anhang des letzten, neunten Bandes unter dem Titel »Addenda und Corrigenda« Werke ausgeführt, deren Standort erst nach Erscheinen des jeweiligen Bandes bekannt wurde, und allgemeine Fehler im Werkverzeichnis korrigiert.1 Daran anknüpfend und in einer neuen Artikelserie publiziert die Zeitschrift Zwitscher-Maschine neu entdeckte/identifizierte/publizierte Werke von Paul Klee, die nach dem Erscheinen des letzten Bandes Catalogue raisonné im Jahr 2004 wiederentdeckt und erfasst wurde.2 Sie sind alle, analog zur Struktur des gedruckten Werkverzeichnisses, in der Reihenfolge ihrer Katalognummern aufgelistet. Jedoch sind neu alle Werke in Farbe ihrem Format entsprechend reproduziert und mit Kontextinformationen versehen.3 Das digitale Format der Nachträge zum Werkverzeichnis, ihre freie und suchmaschinenoptimierte Verfügbarkeit im Internet und die Möglichkeit der Aktualisierung begünstigt ihre weltweite Verbreitung und den internationalen Dialog mit der Klee-Community. Literatur • Jürgen Glaesemer, Paul Klee. Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern; Gemälde, farbige Blätter, Hinterglasbilder und Plastiken, Bern: Kornfeld und Co, 1976. • Wolfgang Kersten, Osamu Okuda und Marie Kakinuma, Paul Klee. Sonderklasse, unverkäuflich, hg. von Zentrum Paul Klee, Bern und Museum der bildenden Künste Leipzig, Köln: Wienand, 2014. • Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern (Hrsg.), Catalogue raisonné Paul Klee, Band 9, 1940, Bern: Benteli, 2004. 1 Erläuterungen zu Addenda und Corrigenda, in: Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern, 2004, S. 335–338. 2 Bis heute sind rund 100 Werke hinzugekommen. 3 Als Referenz dienen die beiden Publikation Glaesemer 1976 und Kersten u. a. 2014. ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 17 / 2025 MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1925 77 PAUL KLEE, ROTE ERDE, 1926, 138 (CR 4089) CR 4089 Paul Klee, rote Erde Red Earth 1926, 138 (ABB. 1) Technische Angaben im Œuvre-Katalog von Paul Klee: »Aquarell Schöller Whattman« (ABB.2) Aquarell auf Papier auf Karton Blattmass: 29,2 x 39,7 cm Signiert oben rechts: »Klee« Bezeichnet auf dem Karton mit Randleisten unten links: »1926 D 8« – unten rechts: »rote Erde« Standort: unbekannt Wiederentdeckt: 2012 Provenienz • 1926–1937: Paul Klee (*1879, †1940), Dessau/Düsseldorf/Bern • 19261–19302: Neue Kunst Fides (Rudolf Probst), Dresden, in Kommission • 19303–19334: Galerie Alfred Flechtheim, Berlin, in Kommission, Inv.-Nr. B 11485 • 19345–19376: Galerie Simon (DanielHenry Kahnweiler), Paris, in Kommission, Inv.-Nr. 11485 • 19377–1938: Nierendorf Gallery, New York • 19388–1938: Ludwig Mies van der Rohe (*1886, †1969), Chicago • 19389–1964: Stanley Burnet Resor (*1879, †1962) und Helen Lansdowne Resor (*1886, †1964), New York/ Greenwich, CT • 196410 bis o. D.: Privatbesitz, USA • O. D.11 bis 2012: The Dechomai Foundation, Jacksonville • 03.05.201212: Sotheby’s, New York Ausstellungen • Paul Klee, Neue Kunst Fides, Dresden, 21. Mai bis Ende Juni 1926, Nr. 95. • Paul Klee. 40 Aquarelles, Galerie L’Époque, Brüssel, [März bis April 1928], Nr. 34. • Paul Klee, Schlesisches Nationalmuseum, Breslau, 15. Oktober bis Mitte November 1928 [weder Katalog noch gedruckte Werkliste erschienen].13 • Bauhaus Dessau: J. Albers, L. Feininger, W. Kandinsky, P. Klee, O. Schlemmer, Kunsthalle Basel, 20.4.–9.5.1929, Nr. 121.14 • Blaue Vier, Galerie Ferdinand Möller, Berlin, Oktober 1929, Nr. 136. Abb. 1 Paul Klee, rote Erde, 1926, 138, Aquarell auf Papier auf Karton, 29,2 x 39,7 cm, Standort unbekannt © 2012 Sotheby’s ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 78 • Paul Klee. Aquarelle aus den Jahren 1920–1929, Neue Kunst Fides, Dresden, 1. Februar bis Anfang März [1930], Nr. 52. • Mezinárodní Vystava I. (Internationale Ausstellung). Spolek výtvarných umelcu Mánes (Vereinigung der bildenden Künstler Mánes), Budova Mánesa (Gebäude Mánes), Prag, 29.11.1935– 2.1.1936, Nr. 17. • Höchstwahrscheinlich Three Masters of the Bauhaus: Kandinsky, Klee, Feininger: Paintings, Nierendorf Gallery, New York, Dezember 1937 bis Januar 1938, o. Nr. [weder Katalog noch gedruckte Werkliste erschienen].15 Literatur • Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern (Hrsg.), Catalogue raisonné Paul Klee, Bd. 4, 1923–1926, Bern 2000, Nr. 4089, ohne Abb. Auktionen • New York, Sotheby’s, Impressionist & Modern Art Day Sale, 3.5.2012, Lot 340, Farbabb. MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 Abb. 2 Paul Klee, Œuvre-Katalog 1918–1926, 1926, 121–140 [S. 250–251], Zentrum Paul Klee, Bern, PKS OK 2.1/127 © Zentrum Paul Klee, Bern, Bildarchiv 1 Liste von der Neuen Kunst Fides (Rudolf Probst) an Paul Klee, Mai 1926: »91. Rote Erde [mit rosarotem Stift durchgestrichen] 1926 IV [mit schwarzer Tinte notiert] zu Flechtheim [mit rosarotem Stift notiert]«, Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Familie Klee, SFK Ko G Neu 11, reproduziert in: Paul Klee. Sonderklasse, unverkäuflich, Farbabb., S. 84. Klee hat das Aquarell der Preiskategorie IV zugeordnet, was einem Nettopreis für den Künstler von 600 RM entsprach. Das Aquarell wurde in den folgenden Ausstellungen präsentiert und zum Verkauf angeboten, während es sich in Kommission bei Rudolf Probst in Neue Kunst Fides in Dresden befand: Paul Klee, Neue Kunst Fides, Dresden, 21. Mai bis Ende Juni 1926, Kat.-Nr. 95, »Rote Erde«; Paul Klee. 40 Aquarelles, Galerie L’Époque, Brüssel, März bis April 1928, Kat.-Nr. 34, »terre rouge«; Paul Klee, Schlesisches Nationalmuseum, Breslau, 15. Oktober bis Mitte November 1928, [weder Katalog noch gedruckte Werkliste erschienen], »Rote Erde«; Bauhaus Dessau: J. Albers, L. Feininger, W. Kandinsky, P. Klee, O. Schlemmer, Kunsthalle Basel, 20.4.– 9.5.1929, Kat.-Nr. 121, »rote erde mk. 700«, »sämtliche reproduktion (mit ausnahme derjenigen prof. schlemmers) mit genehmigt der galerie ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 79 neue kunst fides, dresden.«; Blaue Vier, Galerie Ferdinand Möller, Berlin, Oktober 1929, Kat.-Nr. 136 »Rote Erde«; Paul Klee. Aquarelle aus den Jahren 1920–1929, Neue Kunst Fides, Dresden, 1. Februar bis Anfang März [1930], Kat.-Nr. 52 »Rote Erde«. 2 1929/30 fanden anlässlich von Klees 50. Geburtstag umfangreiche Jubiläumsausstellungen statt: in Braunschweig (November bis Dezember 1929), Dresden (Februar bis März 1930), Düsseldorf (Februar bis März 1930) und Saarbrücken (März bis April 1930). Das Aquarell befand sich mindestens bis zur Ausstellung Paul Klee. Aquarelle aus den Jahren 1920–1929 in Neue Kunst Fides in Dresden, 1. Februar bis Anfang März [1930], in Kommission bei Rudolf Probst. 3 Liste von Paul Klee für die Galerie Alfred Flechtheim, 1929, »von Probst weg zu Flechtheim hin [mit schwarzer Tinte notiert und mit rosarotem Stift »Flechtheim« unterstrichen]«, »8 Rote Erde [mit schwarzer Tinte notiert und schwarzes Gutzeichen]«, »Berl [mit schwarzem Stift notiert]«, Privatbesitz, Schweiz [künftig: Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Familie Klee, SFK Ko G Fle 21]. Obwohl Klee die Liste bereits 1929 erstellte, soll Rudolf Probst das Aquarell nach der Jubiläumsausstellung Paul Klee. Aquarelle aus den Jahren 1920–1929 in Neue Kunst Fides in Dresden Anfang März 1930 an Alfred Flechtheim in Berlin gesendet haben. 4 Brief von der Galerie Alfred Flechtheim (Rosi Hulisch) an Paul Klee, 15.11.1933. »Die Aquarelle B 11478–11497 hatten wir seinerzeit durch Fides, Dresden, erhalten, es waren die folgenden: [roter Strich] 11485 Rote Erde 1926«, »vorh. [mit schwarzem Stift notiert]«, Privatbesitz, Schweiz [künftig: Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Familie Klee, SFK Ko G Fle 47]. Auf der von der Galerie Alfred Flechtheim (Rosi Hulisch) erstellten und übersandten Liste hat Klee direkt die Abkürzung vorh. (für vorhanden) vermerkt. Dies belegt, dass er sich des aktuellen Standorts des Aquarells vergewissern wollte und dass es sich bis 1933 in Kommission bei der Galerie Alfred Flechtheim befand. Rosi Hulisch, die Nichte von Alfred Flechtheim, arbeitete ab Ende der 1920er-Jahre in seiner Berliner Kunsthandlung. Nach seiner Emigration (Ende Mai 1933 über die Schweiz zunächst nach Paris, 1934 schliesslich nach London) war sie als Liquidatorin tätig; die Firma wurde 1937 aus dem Handelsregister gelöscht. Nähere Informationen zu Rosi Hulisch, siehe https://www. stolpersteine-berlin.de/de/eisenzahnstr/66/rosahulisch (zuletzt aufgerufen 22.09.2025). Die biografische Zusammenstellung wurde von Dr. Christine Fischer-Defoy (Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V.) erarbeitet. Für die hilfreichen Informationen danke ich ihr ganz herzlich. 5 Im Oktober 1933 schloss Paul Klee mit DanielHenry Kahnweiler, dem Inhaber der Galerie Simon in Paris, einen Generalvertretungsvertrag ab. Während sich das Aquarell als Kommission bei der Galerie Simon in Paris befand, wurde es nachweislich in der folgenden Ausstellung gezeigt und zum Verkauf angeboten: Mezinárodní Vystava I. (Internationale Ausstellung). Spolek výtvarných umelcu Mánes (Vereinigung der bildenden Künstler Mánes), Budova Mánesa (Gebäude Mánes), Prag, 29.11.1935–2.1.1936, »17 Červená země akvarel«, »4200 Kč«. Doch obwohl sich das Aquarell in Dresden, Berlin und Paris in Kommission befand, fand es keinen Abnehmer. 6 Auflistung der Sendungen an die Nierendorf Gallery, I. Sendung, 19.11.1937, Zentrum Paul Klee, Bern, SFB Dok Niek 009, »Terre rouge $120.–«. Kahnweiler sandte das Aquarell am 19. November 1937 an die Nierendorf Gallery in New York. Der Nettoangebotspreis betrug 120 $. Es wurde höchstwahrscheinlich in der Ausstellung Three Master of The Bauhaus: Kandinsky, Klee, Feininger: Paintings in der Nierendorf Gallery in New York, 18.–31.12.1937 [weder Katalog noch gedruckte Werkliste erschienen], präsentiert. Am 28. Februar 1938 schloss Kahnweiler mit Nierendorf einen Vertrag über die Alleinvertretung von Klees Werk in den USA ab. 7 Ebd. 8 Ludwig Mies van der Rohe erwarb das Aquarell bei der Nierendorf Gallery in New York. 9 Stanley Burnet Resor (1879–1962) und Helen Lansdowne Resor (1886–1964), New York/Greenwich, CT, erhielten das Aquarell als Geschenk von Ludwig Mies van der Rohe. Der deutsche Architekt unternahm 1937 eine Reise in die USA, die ihn über New York und Wyoming nach Chicago MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 80 führte. 1937/38 beauftragten die Resors Mies mit dem Entwurf eines Ferienhauses auf ihrer grossen Ranch in Wyoming, das jedoch nicht realisiert wurde. 10 Helen Lansdowne Resor verstarb am 2. Januar 1964. Seitdem befindet sich das Aquarell im Privatbesitz ihrer Nachkommen in den USA. 11 Die Dechomai Foundation in Jacksonville erwarb das Aquarell aus einem Privatbesitz in den USA und verkaufte es am 3. Mai 2012 an der Auktion Impressionist & Modern Art Day Sale bei Sotheby’s in New York, Lot 340. 12 Es wurde zu einem Preis von 150.000 USD verkauft. 13 Zu dieser Ausstellung sind weder ein Katalog noch eine gedruckte Werkliste erschienen. Im Archiv des Zentrum Paul Klee finden sich jedoch folgende Dokumente: Brief von der Neuen Kunst Fides (Rudolf Probst) an Schlesisches Museum der Bildenden Künste, Breslau, 8.10.1928: »Wir sandten heute als Wertpaket auf Ihre Gefahr und Rechnung die nachfolgend verzeichneten Werke von Paul Klee zur Ausstellung an Sie. Die notierten Bewertungen sind feste Verkaufspreise und enthalten bei Bezahlung einen Rabatt von 10% für das Museum [›feste Verkaufspreise‹ unterstrichen]«, »rote Erde 1926 D 8 IV ” [Mk.] 780.–«, in: Korrespondenz Probst-Wiese; Wiese-Probst zur Ausstellung Paul Klee im Schlesischen Nationalmuseum, Breslau, 1928, mit Werklisten der Galerie Fides, BO 39 / Quellen W 08. Spis Prac Paula Klee na wystawie indywiludnej we Wroclawiu w 1928 Roku – ekspozycja ze zbiorow galerii Neue Kunst Fides w Dreznie (Verzeichnis der Werke von Paul Klee an der Einzelausstellung in Breslau im Jahr 1928 – Ausstellung aus den Sammlungen der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden). 14 »Rote Erde IV ” [RM] 700.– [ ›IV‹ gestrichen]«, in: Brief von der Neuen Kunst Fides (Rudolf Probst) an Kunsthalle Basel, 2.4.1929, Dokumentation zur Ausstellung: Bauhaus Dessau, J. Albers, L. Feininger, W. Kandinsky, P. Klee, O. Schlemmer (Kollektivausstellung), Kunsthalle, Basel, 20.04.1929– 09.05.1929, ZPK Dok I 13.012, PDF, S. 54. 15 Gemäss der Rezension von M[artha] D[avidson], »Directions in German Painting: Klee; Kandinsky; Feininger« in: Art News, 36. Jg., Nr. 15, 8.1.1938, S. 14, bildeten die Werke von Paul Klee den Hauptteil der Ausstellung: »[…] Klee’s oils and watercolors, which constitute the bulk of the show«. Da die Rezensentin von vier der zwanzig Werke, die Nierendorf am 19.11.1937 von der Galerie Simon fest erwarb, die Titel nennt, darf davon ausgegangen werden, dass auch die restlichen sechzehn Werke, darunter rote Erde, in der Ausstellung figurierten. Zur Ausstellung und zu den darin enthaltenen Werken von Paul Klee siehe auch Endicott Barnett, Vivian, »The Architect as Art Collector«, in: Mies in America, (Ausst.-Kat. Whitney Museum of American Art, New York, 21.6.–23.9.2001; Canadian Center for Architecture, Montréal, 17.10.2001–20.1.2002; Museum of Contemporary Art, Chicago, 16.2.–26.5.2002), New York 2001, S. 90–131, hier S. 96, und Walter-Ris, Anja, Kunstleidenschaft im Dienst der Moderne. Die Geschichte der Galerie Nierendorf Berlin/New York, 1920–1995, Zürich 2003 (Klee-Studien, Bd. 3), S. 254f. Für die wertvollen Hinweise danke ich Stefan Frey ganz herzlich. MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 81 PAUL KLEE, DREI BOTE, 1926, 194 (CR 4152) CR 4152 drei Bote Three Boats 1926, 194 (ABB. 1) Technische Angaben im Œuvre-Katalog von Paul Klee: »Blau u. Rotstiftzeichng durchsichtiges Papier gelbl« (ABB.2) Farbstifte auf Papier auf Karton Blattmass: 25,4 x 40 cm Signiert unten rechts: »Klee« Bezeichnet auf dem Karton mit Randleisten unten links: »1926. T. 4.« – unten rechts: »drei Bote« Standort: unbekannt Wiederentdeckt: 2016 Provenienz • 1926 bis vermutlich 1931/19321: Paul Klee (*1879, †1940), Dessau/Düsseldorf Abb. 1 Paul Klee, drei Bote, 1926, 194, Farbstifte auf Papier auf Karton, 25,4 x 40 cm, Standort unbekannt © 2016 Christie’s Images Limited ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 82 • Vermutlich 1931/19322 bis 1941: Alexej von Jawlensky (*1864, †1941), Wiesbaden • 19413–1965: Helene Jawlensky (geb. Nesnakomoff) (*1885, †1965), Wiesbaden/Locarno • 19654–1984: Andreas Jawlensky (geb. Nesnakomoff) (*1902, †1984) und Maria Jawlensky (geb. Biblikow-Künzel) (*1924, †2016), Locarno • O. D. bis o. D.: The Hanover Gallery Ltd, London • O. D. bis 1980: Galleria Blu, Mailand • Um 1980 bis 2016: unbekannt • 17.11.2016: Christie’s, New York Literatur • Will Grohmann, Paul Klee. Handzeichnungen II 1921–1930, Potsdam/Berlin 1934, Nr. 113. • Will Grohmann, Paul Klee. Handzeichnungen II 1921–1930, 2. Aufl., Bergen 1948, Nr. 113. • Jürgen Glaesemer, Paul Klee. Handzeichnungen II. 1921–1936, Bern 1984, S. 110, Anm. 71. • Sara Lynn Henry, »Paul Klee’s Pictorial Mechanics from Physics to the Picture Plane«, in: Pantheon, 47. Jg., 1989, S. 147–165, hier S. 165. • Josef Helfenstein, »›Die kostbarsten und persönlichsten Geschenke‹ – Der Bildertausch zwischen Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee«, in: Die Blaue Vier. Feininger, Jawlensky, Kandinsky, Paul Klee in der Neuen Welt, Kunstmuseum Bern, 5.12.1997– 1.3.1998; Kunstsammlung NordrheinWestfalen, Düsseldorf, 28.3.– 28.6.1998, S. 79–136, S. 101, Anm. 95. • Catalogue raisonné Paul Klee, Bd. 4, 1923–1926, hrsg. von der Paul-KleeStiftung, Kunstmuseum Bern, Bern 2000, Nr. 4152, ohne Abb. Auktionen • New York, Christie’s, Impressionist and Modern Art Works on Paper Sale, 17.11.2016, Lot 1040, Farbabb. MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 Abb. 2 Paul Klee, Oeuvre-Katalog 1918–1926, 1926, 181–202 [S. 256–257], Zentrum Paul Klee, Bern, PKS OK 2.1/130 © Zentrum Paul Klee, Bern, Bildarchiv ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 83 Am 24. August 1926 reiste Paul Klee gemeinsam mit seiner Frau Lily und seinem Sohn Felix von Dessau über Bern, Mailand, Genua und Livorno nach Elba. Mit dem Schiff erreichten sie Portoferraio, und die Familie verbrachte drei Wochen im September in Magazzini. Besonders faszinierten Klee die Schiffe im Hafen. In kleinen Formaten skizzierte er Hafenszenen mit Bleistift und Feder5, und später entstand eine Serie grossformatiger Zeichnungen zum Thema “Boote”, ausgeführt mit blauem und rotem Farbstift, die Klee gruppenweise mit fortlaufender Werknummer in seinem Œuvre-Katalog verzeichnete.6 Zu dieser Gruppe gehört auch die farbige Zeichnung drei Bote, deren Standort und Aussehen bis 2016 unbekannt waren. Obwohl die Darstellungen weitgehend abstrakt bleiben, tragen sie eindeutige gegenständliche Titel. Die Boote entfalten sich in klaren, vereinfachten Konturen und variierenden Abständen über die Fläche, sodass ihre Anordnung wie ein subtiler Rhythmus bewegter Signale (Abstandsmarkierungen) erscheint.7 Auf die Zeichnung drei Bote folgte ein Ölfarbenabklatsch, Boote, See und Wolke, 1926, 249 (ABB. 3), die seitenverkehrt zu dem früheren Blatt angelegt ist.8 Fünf Jahre später griff Klee erneut auf die Komposition zurück und überführte sie in eine stärker geometrisch geprägte Formensprache (ABB. 4). Dieses Vorgehen entspricht Klees Arbeitsweise: Bei Werken, die er nicht mehr besass, variierte er häufig die Form, um eine Version für sich zu behalten. Da Klee Zeichnungen grundsätzlich nicht verkaufte und sie nur selten verschenkte9, stellt sich die Frage, wie drei Bote in die Sammlung Jawlenskys gelangen konnte. Dafür gibt es nur einen archivalischen Beleg: die Erwähnung der Zeichnung in der Liste von Jawlenskys Privatsammlung nach 1938 (Alexej-von-JawlenskyArchiv, Locarno)10. Andere Quellen sind nicht bekannt: Josef Helfenstein stellte 1997 in einer Anmerkung zu seinem Beitrag über den Bildertausch zwischen Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee fest, dass die Provenienz der Zeichnung drei Bote trotz spezieller Nachforschungen in der Paul-Klee-Stiftung bislang weder geklärt noch bestätigt habe werden können.11 Im Nachwort12 und Anhang13 der Publikation »In inniger Freundschaft«. Alexej Jawlensky, Paul und Lily Klee, Marianne Werefkin. Der Briefwechsel (2013) wird die Zeichnung weder erwähnt noch abgebildet. Es fehlen schriftliche oder fotografische Hinweise für eine Schenkung oder einen Tausch. MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 Abb. 3 Paul Klee, Boote, See und Wolke, 1926, 249, Ölfarbenabklatsch auf Papier, verso Kreide, auf Karton, 29,9/30,5 x 48,1 cm, Zentrum Paul Klee, Bern © Zentrum Paul Klee, Bern, Bildarchiv Abb. 4 Paul Klee, Schiffe (zwei plus eins), 1931, 8, Feder auf Papier auf Karton, 27,8 x 47,9 cm, Privatbesitz Schweiz, Depositum im Zentrum Paul Klee, Bern © Zentrum Paul Klee, Bern, Bildarchiv ZWITSCHER-MASCHINE.ORG NO. 18 / 2025 84 Die Provenienz bleibt daher für bestimmte Zeitabschnitte ungeklärt. Auffällig ist jedoch: Aus den beiden Zeichnungen des Jahres 1926 (Fischerbote, 1926, 193, und drei Bote, 1926, 194) entwickelte Klee 1931 je eine neue Variante, Fischer-Scene, 1931, 9, und Schiffe (zwei plus eins), 1931, 8 (ABB. 4), die in seinem Besitz verblieben. Die Blätter von 1926 hingegen verliessen sein Atelier. Dies legt nahe, dass Klee die Zeichnung drei Bote um 1931/32 bewusst für Alexej von Jawlensky bestimmt hatte und aus diesem Grund eine neue Fassung nach demselben Motiv anfertigte. Hinzu kommt, dass Jawlensky Klees Schiffsdarstellungen besonders schätzte: Im Juli 1932 erhielt er beispielsweise das Ölgemälde Schiffe im Dunkeln, 1927, 143, als Geschenk. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso plausibler, dass Klee auch die Zeichnung drei Bote für ihn vorgesehen haben könnte. Entsprechend lässt sich der Eigentümerwechsel wahrscheinlich für die Jahre 1931/32 ansetzen. MARIE KAKINUMA / ADDENDUM CR 1926 1 Siehe Begründung für die Datierung. 2 In der Aufstellung der Werke aus Jawlenskys Privatsammlung nach 1938 (Alexej-von-JawlenskyArchiv, Locarno) wird die Zeichnung drei Bote ausdrücklich genannt. (Werke in Jawlenskys Privatsammlung nach 1938, BO 39 / Quellen J 02) 3 Nach dem Tod von Alexej von Jawlensky ging das Werk in den Besitz seiner Witwe Helene Jawlensky über. 4 Nach ihrem Tod erbten es ihr Sohn Andreas sowie seine dritte Ehefrau Maria (geb. Biblikow-Künzel). 5 Hafenskizze, 1926, 185, und Hafen skizze, 1926, 231. 6 Es handelt sich um folgende Werke: Fischerbote, 1926, 193, drei Bote, 1926, 194, neun Bote mit Sonne, 1926, 195, Bote im Hafen, 1926, 196, zwei Bote beim Steg, 1926, 197, sechs Bote, 1926, 198, vier Bote, 1926, 199, Bote und das sechste am Steg, 1926, 200. Klee schrieb doppelte Vokale in Werktiteln häufig als einfaches »o«. Nach den Gepflogenheiten seiner Zeit wurde die Längung des Vokals durch einen stillschweigend mitzudenkenden diakritischen Längenstrich (Makron) über dem Buchstaben angezeigt. Klees Schreibweise ist daher als korrekt anzusehen. 7 Vgl. Glaesemer 1984, S. 110. 8 Auf der Rückseite – der ursprünglichen Vorderseite des Ölfarbenabklatsches, Boote, See und Wolke, 1926, 249 – befindet sich eine Kreidezeichnung in Schwarz. Die heutige Vorderseite weist Abklatschlinien in weisser und roter Ölfarbe auf. Klee hat die Zeichnung drei Bote, 1926, 194, auf Transparentpapier übertragen und dann für den Ölfarbenabklatsch Boote, See und Wolke, 1926, 249, auf eine Ölgrundierung gesetzt. Anstelle eines Nadelstichverfahrens kam dabei vermutlich ein Bleistift oder ein vergleichbares Instrument zur Anwendung. Das Motiv wurde nicht vollständig, sondern nur partiell abgepaust. Ein massstabsgetreuer Vergleich zeigt, dass die beiden seitlichen Boote in Proportion, Grösse und Anordnung weitgehend mit der Zeichnung drei Bote übereinstimmen, abgesehen von den Fahnen. Das mittlere Boot hingegen weicht deutlich ab, da Klee hier eine abgewandelte Form in anderer Grösse wählte. Klee entschied sich, die in Ölfarbe ausgeführten Abklatschlinien als Vorderseite zu definieren und montierte das Blatt entsprechend. Daraus ergibt sich die Annahme, dass ursprünglich ein weiteres, ähnliches Werk auf Ölgrund intendiert war, dessen Ausführung jedoch unterblieb. In diesem Fall wäre die vorbereitende Vorlage selbst zur endgültigen Werkgestalt erhoben worden. Ich danke Myriam Weber herzlich für die oben angeführten Informationen, die sie mir aufgrund präziser Beobachtungen und einer sorgfältigen Bildvergleichsanalyse zur Verfügung gestellt hat. 9 Zur Bedeutung der Zeichnungen äusserte sich Paul Klee in einem Brief an Daniel-Henry Kahnweiler, Pairs, 10.01.1934, wie folgt: »ich habe seit 1920 keine Zeichnungen mehr verkauft, besitze alles selbst, und gebe höchstens einmal etwas als besondere Auszeichnung schenkungsweise. So denke ich von Zeichnungen.« (in: Archivalien Galerie Louise Leiris, Paris (Kopien), ZPK Dok II 18, vgl. Glaesemer 1984, S. 159 und Anm. 15). 10 Siehe Endnote 2. 11 Helfenstein 1997, S. 101, Anm. 95. 12 »›wenn Ihnen etwas von diesen Sachen gefallen