scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Jugendkultur Wohlen: Eine Situationsanalyse: Projektbericht

Nyfeler, Luca

Abstract

Der Bericht dokumentiert das Praxisprojekt «Jugendkultur Wohlen» im Bachelorstudium Soziokulturelle Animation. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass jugendkulturelle Ausdrucksformen in Wohlen zwar punktuell sichtbar sind, jedoch kaum als eigenständige Strukturen gefördert werden (im Sinne der DOJ-Definition). Ziel war, mittels Situationsanalyse Bedarfe, Potenziale und Wahrnehmungen sichtbar zu machen und daraus Empfehlungen für eine nachhaltige Förderung abzuleiten. Methodisch wurden drei Zugänge kombiniert: eine aktivierend angelegte Online-Befragung unter jungen Menschen (16–25), drei Fokusgespräche mit Schlüsselpersonen sowie eine Stakeholderanalyse, ergänzt durch Dokumentenrecherche. Die Reichweite der Befragung blieb wegen spätem Projektstart und ausbleibender institutioneller Kooperation begrenzt, lieferte aber zentrale Hinweise: Musik und kreative Räume sind zentrale Bezugspunkte; bestehende Angebote sind wenig bekannt; gewünscht werden mehr Events/Festivals sowie jugendgerechte Orte. Gespräche und Stakeholderanalyse bestätigen dies und verweisen auf strukturelle Hürden (Raumzugang, Verfahren, Zuständigkeiten). Daraus leiten sich vier Handlungsfelder ab: Reichweite/Sichtbarkeit, partizipative Formate, Kooperation mit Schlüsselakteuren und niederschwellige Orte. Zentrales Produkt ist ein Empfehlungsschreiben an die OJA Wohlen: vorgeschlagen werden eine einjährige Pilotphase, eine breit angelegte Folgeumfrage in Kooperation mit Gemeinde und Schulen sowie der Aufbau einer tragfähigen Allianz zur Verstetigung jugendkultureller Strukturen.

Full text

JUGENDKULTUR WOHLEN Eine Situationsanalyse – März bis Juli 2025 PROJEKTLEITUNG LUCA NYFELER Soziokultureller Animator i.A. Offene Jugendarbeit Wohlen Sorenbühlweg 4a, 5610 Wohlen AG [email protected] PROJEKTBEGLEITUNG SANDRA SCHMID Dozentin Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Werftestrasse 1, 6002 Luzern 09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de Würdigung Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 1 Abstract Der Bericht dokumentiert das Praxisprojekt «Jugendkultur Wohlen» im Bachelorstudium Soziokulturelle Animation. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass jugendkulturelle Ausdrucksformen in Wohlen zwar punktuell sichtbar sind, jedoch kaum als eigenständige Strukturen gefördert werden (im Sinne der DOJ-Definition). Ziel war, mittels Situationsanalyse Bedarfe, Potenziale und Wahrnehmungen sichtbar zu machen und daraus Empfehlungen für eine nachhaltige Förderung abzuleiten. Methodisch wurden drei Zugänge kombiniert: eine aktivierend angelegte Online-Befragung unter jungen Menschen (16–25), drei Fokusgespräche mit Schlüsselpersonen sowie eine Stakeholderanalyse, ergänzt durch Dokumentenrecherche. Die Reichweite der Befragung blieb wegen spätem Projektstart und ausbleibender institutioneller Kooperation begrenzt, lieferte aber zentrale Hinweise: Musik und kreative Räume sind zentrale Bezugspunkte; bestehende Angebote sind wenig bekannt; gewünscht werden mehr Events/Festivals sowie jugendgerechte Orte. Gespräche und Stakeholderanalyse bestätigen dies und verweisen auf strukturelle Hürden (Raumzugang, Verfahren, Zuständigkeiten). Daraus leiten sich vier Handlungsfelder ab: Reichweite/Sichtbarkeit, partizipative Formate, Kooperation mit Schlüsselakteuren und niederschwellige Orte. Zentrales Produkt ist ein Empfehlungsschreiben an die OJA Wohlen: vorgeschlagen werden eine einjährige Pilotphase, eine breit angelegte Folgeumfrage in Kooperation mit Gemeinde und Schulen sowie der Aufbau einer tragfähigen Allianz zur Verstetigung jugendkultureller Strukturen. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 2 Inhaltsverzeichnis Würdigung ................................................................................................................................. III Abstract ...................................................................................................................................... 1 Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................................... 2 Tabellenverzeichnis .................................................................................................................... 5 Abbildungsverzeichnis ................................................................................................................ 6 1 Einleitung ............................................................................................................................ 7 2 Ausgangslage & Situationsanalyse ..................................................................................... 8 2.1 Datenanalyse .............................................................................................................. 8 2.2 Fokusgespräche .......................................................................................................... 9 2.3 Zwischenfazit ............................................................................................................ 10 3 Handlungsbedarf .............................................................................................................. 11 4 Umsetzungsstrategie ........................................................................................................ 12 4.1 Aktivierende Befragung ............................................................................................ 12 4.2 Stakeholderanalyse .................................................................................................. 13 4.3 Empfehlungsschreiben ............................................................................................. 14 5 Darstellung der Ziele......................................................................................................... 14 5.1 Vision ........................................................................................................................ 15 5.2 Hauptziel ................................................................................................................... 15 5.3 Wirkungsziele ........................................................................................................... 15 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 3 5.4 Leistungsziele ........................................................................................................... 15 5.5 Zielbaum ................................................................................................................... 16 6 Adressat*innen / Zielgruppe ............................................................................................ 17 6.1 Primäre Zielgruppe ................................................................................................... 17 6.2 Sekundäre Zielgruppe ............................................................................................... 17 7 Aufbauorganisation .......................................................................................................... 18 7.1 Organigramm ............................................................................................................ 18 8 Ablauforganisation ........................................................................................................... 19 8.1 Zeitstrahl ................................................................................................................... 20 9 Umsetzungsverlauf ........................................................................................................... 21 9.1 Online-Umfrage ........................................................................................................ 21 9.2 Zukunftswerkstatt ..................................................................................................... 23 9.3 Stakeholderanalyse .................................................................................................. 24 9.4 Empfehlungsschreiben ............................................................................................. 26 10 Evaluation & Reflexion des Projekts ............................................................................. 27 10.1 Evaluationsdesign ..................................................................................................... 27 10.2 Ergebnisse der prozessorientierten Evaluation (gekürzt, präziser) .......................... 28 10.3 Ergebnisse der produktorientierten Evaluation (gekürzt, präziser) ......................... 29 10.4 Reflexion des Projekts .............................................................................................. 31 11 Schlussfolgerungen (Reflexion) & nachhaltige Sicherung ............................................ 33 11.1 Reflexion auf Projektebene ...................................................................................... 33 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 4 11.2 Bedeutung für die Soziokulturelle Animation .......................................................... 34 11.3 Nachhaltige Sicherung und Ausblick ........................................................................ 34 11.4 Fazit .......................................................................................................................... 36 12 Literaturverzeichnis ...................................................................................................... 37 A. Umfrageresultate.............................................................................................................. 38 B. Komplette Stakeholderanalyse ......................................................................................... 64 C. Empfehlungsschreiben ..................................................................................................... 65 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 5 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Matrix Fokusgespräche (eigene Erhebung) ............................................................. 10 Tabelle 2: Matrix Stakeholderanalyse (eigene Erhebung) ........................................................ 26 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 12 Diese Bedarfe bilden den inhaltlichen Fokus des Projekts und dienten als Grundlage für die nachfolgenden methodischen Schritte. 4 Umsetzungsstrategie Aufbauend auf den in Kapitel 3 dargestellten Handlungsbedarfen wurden im Projekt verschiedene methodische Bausteine eingesetzt. Diese sollten einerseits die Perspektiven junger Menschen direkt einholen und andererseits die relevanten Akteur*innen im Feld der Jugendkultur in Wohlen systematisch erfassen. Die einzelnen Schritte orientierten sich an der Integralen Projektmethodik und dienten letztlich der Erarbeitung eines Empfehlungsschreibens als zentrales Produkt des Projekts. 4.1 Aktivierende Befragung Die aktivierende Befragung war als erster methodischer Baustein konzipiert, um Jugendliche direkt in den Projektprozess einzubeziehen. In der Logik der Integralen Projektmethodik übernimmt eine solche Befragung eine doppelte Funktion: Einerseits dient sie der Erhebung von Perspektiven und Bedarfen, andererseits stellt sie einen ersten Beteiligungsschritt dar, indem Jugendliche eingeladen werden, ihre Sichtweisen aktiv einzubringen (Willener & Friz, 2022, S. 176–181). Für das Projekt „Jugendkultur Wohlen“ verfolgte die Befragung mehrere strategische Ziele: • Niederschwelliger Zugang: Durch ein online-basiertes Format konnten möglichst viele Jugendliche erreicht werden, unabhängig von institutioneller Anbindung. • Brücke zur Zukunftswerkstatt: Die Befragung sollte als Auftakt dienen und Jugendliche motivieren, sich auch in vertiefende Beteiligungsformate einzubringen. • Verdichtung erster Hypothesen: Bereits sichtbare Beobachtungen aus Praxis und Fokusgesprächen sollten überprüft und durch Rückmeldungen der Zielgruppe ergänzt werden. • Partizipative Rahmung: Über die Befragung sollten Jugendliche nicht nur als „Befragte“, sondern als aktive Stimmen sichtbar werden, deren Antworten Grundlage für weitere Projektbausteine bilden. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 13 Die Befragung wurde über SurveyMonkey umgesetzt und über persönliche Kontakte, Social Media und institutionelle Zugänge verbreitet. Geplant war eine Kooperation mit Schulen und Gemeinde, um eine grössere Reichweite zu erzielen. Unabhängig von der realen Rücklaufquote bleibt die aktivierende Befragung damit ein zentraler Bestandteil der Umsetzungsstrategie, weil sie methodisch die Verbindung zwischen explorativer Erhebung und partizipativer Aktivierung herstellt. 4.2 Stakeholderanalyse Parallel zur Erhebung jugendlicher Perspektiven wurde eine Stakeholderanalyse durchgeführt. In der Integralen Projektmethodik gilt sie als Instrument, um Akteur*innen eines Feldes systematisch zu erfassen und ihre Interessen, Ressourcen und Einflussmöglichkeiten sichtbar zu machen (Willener & Friz, 2022, S. 179–180). Damit werden sowohl Potenziale für Kooperation als auch mögliche Widerstände frühzeitig erkennbar. Für das Projekt „Jugendkultur Wohlen“ hatte die Stakeholderanalyse mehrere strategische Funktionen: • Strukturelle Einbettung: Sie sollte verdeutlichen, welche Institutionen und Gruppen für die Gestaltung von Jugendkultur zentral sind. • Kooperationsgrundlage: Durch die Analyse liessen sich mögliche Partner identifizieren, mit denen eine nachhaltige Weiterführung abgestützt werden könnte. • Risikomanagement: Ebenso wichtig war es, Akteur*innen mit potenziell geringem Interesse, aber hohem Einfluss sichtbar zu machen, um Widerstände nicht erst im Nachhinein zu erkennen. • Verbindung von Zielgruppen: Neben institutionellen Akteur*innen wurden auch Jugendliche selbst als Stakeholder berücksichtigt, um ihren Einfluss im Gesamtgefüge nicht zu unterschätzen. Die Stakeholderanalyse war damit weniger auf unmittelbare Ergebnisse, sondern auf die Schaffung eines Handlungsrahmens ausgerichtet. Sie bildete eine Grundlage für die Frage, wie jugendkulturelle Entwicklung in Wohlen nicht nur punktuell, sondern in Kooperation mit zentralen Partnern nachhaltig verankert werden kann. Eine detaillierte Darstellung der Analyse erfolgt im Kapitel Umsetzungsverlauf. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 14 4.3 Empfehlungsschreiben Das Empfehlungsschreiben war von Beginn an als zentrales Projektprodukt vorgesehen. In der Logik der Integralen Projektmethodik übernimmt ein solches Produkt die Funktion, erhobene Erkenntnisse zu bündeln und in konkrete Handlungsperspektiven zu übersetzen (Willener & Friz, 2022, S. 274–275). Es dient damit sowohl der Ergebnissicherung als auch der Anstossfunktion für Anschlussprozesse. Ursprünglich war geplant, je ein Schreiben an die Gemeinde Wohlen und die Offene Jugendarbeit Wohlen zu richten. Strategisch sollte damit sowohl die institutionelle Ebene (Gemeinde) als auch die fachpraktische Ebene (OJA) adressiert werden. Im Verlauf des Projekts zeigte sich jedoch, dass die Datengrundlage für ein Schreiben an die Gemeinde zu schmal blieb, insbesondere da die Zukunftswerkstatt nicht durchgeführt werden konnte. Die Strategie wurde daher angepasst: In Absprache mit der Projektbegleitung entstand ein erweitertes Empfehlungsschreiben für die OJA. Dieses sollte zwei Funktionen erfüllen: • Interne Entwicklungsimpulse: der OJA konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung jugendkultureller Angebote geben, • Kooperationsperspektive: aufzeigen, wie Gemeinde und Schulen in einem zukünftigen Prozess verbindlich einbezogen werden können. Das Empfehlungsschreiben wurde damit zum methodischen Scharnier zwischen Datenerhebung und Praxisentwicklung. Es markierte den Übergang vom Projekt zur möglichen Verstetigung jugendkultureller Impulse in Wohlen. 5 Darstellung der Ziele Die Zielstruktur des Projekts orientiert sich an der Integralen Projektmethodik nach Willener & Friz (2022), die empfiehlt, Projektziele auf vier Ebenen zu differenzieren: Vision, Hauptziel, Wirkungsziele und Leistungsziele. Diese Ebenen verbinden den gesellschaftlichen Bezug des Projekts mit konkreten, im Projektzeitraum umsetzbaren Handlungen. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 15 5.1 Vision Die Vision beschreibt ein Idealbild, das über den Projektzeitraum hinausweist: Wohlen als Gemeinde, in der junge Menschen kulturelle Teilhabe aktiv und selbstbestimmt mitgestalten, unabhängig von Herkunft, Bildungsstand oder Zugang zu Strukturen. Sie knüpft an zentrale Werte der Soziokulturellen Animation an, insbesondere Partizipation, Chancengleichheit und soziale Kohäsion. 5.2 Hauptziel Das Hauptziel beschreibt das konkrete Anliegen: In einem partizipativen Prozess mit jungen Menschen sowie relevanten Akteur*innen soll die Grundlage für jugendkulturelle Strukturen in Wohlen geschaffen werden. Im Zentrum steht nicht die Umsetzung neuer Angebote, sondern die Vorbereitung nachhaltiger Rahmenbedingungen durch Dialog, Vernetzung und Aktivierung. 5.3 Wirkungsziele Die Wirkungsziele konkretisieren, welche Veränderungen durch das Projekt erzielt werden sollen. Sie betreffen Einstellungen, Wissen und Handlungsmöglichkeiten junger Menschen, Fachpersonen und Entscheidungsträger*innen. Nach Husi (2020) wird soziale Kohäsion als handlungsbezogene Verbindung zwischen Gruppen verstanden. Das Projekt strebt an, diese Verbindung zu stärken und eine Kultur gegenseitigen Verständnisses sowie gemeinsamer Verantwortung zu fördern. 5.4 Leistungsziele Die Leistungsziele beschreiben jene Aktivitäten, die unmittelbar zur Zielerreichung beitragen: die Online-Befragung, die Durchführung einer Zukunftswerkstatt und eine Stakeholderanalyse. Diese Bausteine folgen Ansätzen der Soziokulturellen Animation und sollen vor allem Ressourcen und Potenziale sichtbar machen. Die erhobenen Ergebnisse werden in einem Empfehlungsschreiben gebündelt, das Grundlage für mögliche Anschlussprojekte bildet. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 16 5.5 Zielbaum Die Zielstruktur wird im Zielbaum (Abb. 1) dargestellt. Er verdeutlicht die hierarchische Beziehung der Zielebenen und zeigt, wie die Leistungsziele in ihrer Gesamtheit zur Erreichung des Hauptziels beitragen und dieses wiederum auf die Vision wirken soll. Im Vergleich zum ursprünglichen Konzept kam es im Projektverlauf zu einzelnen Abweichungen in der Zielumsetzung, insbesondere bei den Leistungszielen. So konnte die geplante Zukunftswerkstatt beispielsweise nicht realisiert werden. Diese Abweichungen werden im Kapitel Umsetzungsverlauf (Kap. 9) sowie in der Evaluation & Reflexion (Kap. 10) detailliert erläutert und begründet. Abbildung 1: Zielbaum Konzept (eigene Darstellung) Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 17 6 Adressat*innen / Zielgruppe Die Zielgruppe des Projekts lässt sich in eine primäre und eine sekundäre Gruppe unterscheiden. 6.1 Primäre Zielgruppe Die Zielgruppe umfasst junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die in Wohlen leben. Diese Phase markiert den Übergang von Schule in Ausbildung, Studium oder Erwerbsleben und ist geprägt durch eine grosse Heterogenität hinsichtlich Bildungswege, Ressourcen und kultureller Ausdrucksformen. Die Soziokulturelle Animation versteht diese Vielfalt nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt, um passende Zugänge zu schaffen (Willener & Friz, 2022, S. 177). 6.2 Sekundäre Zielgruppe Neben den Jugendlichen richtet sich das Projekt auch an Akteur*innen, die für die Gestaltung von Jugendkultur in Wohlen relevant sind: die Offene Jugendarbeit, die Gemeinde (Abteilungen Jugend und Kultur), die Kantonsschule, das Berufsbildungszentrum sowie lokale Kulturvereine. Sie beeinflussen strukturelle Rahmenbedingungen, stellen Ressourcen bereit und erhöhen durch ihre Netzwerke die Reichweite. Damit folgt das Projekt dem Anspruch der Soziokulturellen Animation, sowohl Individuen als auch institutionelle Kontexte in den Blick zu nehmen (AvenirSocial, 2010). Auch die Charta der Soziokulturellen Animation betont, dass soziokulturelle Arbeit nicht nur mit einzelnen Zielgruppen geschieht, sondern immer auch im Wechselspiel mit institutionellen Strukturen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit & Soziokultur Schweiz, 2017). Die Unterscheidung in primäre und sekundäre Zielgruppen entsprach somit dem Anspruch, Jugendkultur umfassend zu erfassen. In der Umsetzung konnten jedoch nicht alle Segmente gleichermassen erreicht werden. Auf diese Abweichung und ihre Folgen wird im Kapitel Umsetzungsverlauf eingegangen. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 18 7 Aufbauorganisation Die Projektleitung lag beim Studierenden, verantwortlich für Konzeption, Organisation, Durchführung und Auswertung. Eine Dozentin der Hochschule Luzern begleitete fachlich beratend. Der Verein Jugend und Freizeit (OJA Wohlen) war institutionelle Anbindung und Auftraggeber, stellte Räume, Kontakte und fachlichen Austausch bereit. Die Zielgruppe war über mehrere methodische Bausteine eingebunden: eine Online-Befragung als erste Partizipationsmöglichkeit, eine geplante Zukunftswerkstatt sowie Fokusgespräche mit Schlüsselpersonen. Partizipation war somit auf verschiedenen Ebenen vorgesehen, von breiter Befragung bis zu intensiven Diskussionsformaten. 7.1 Organigramm Abbildung 2: Organigramm Aufbauorganisation (eigene Darstellung) Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 19 8 Ablauforganisation Die Ablauforganisation orientierte sich an den Phasen der Integralen Projektmethodik (Willener & Friz, 2022). Die Umsetzung gliederte sich in folgende Schritte: • Vorbereitungsphase: Erstellung des Projektkonzepts, Klärung der Rahmenbedingungen und Sicherung der Anbindung an die Offene Jugendarbeit. Es folgte ein Ziel-Check, bei dem die Projektziele geschärft und mit der Begleitung abgestimmt wurden. • Situationsanalyse: Durchführung einer Datenanalyse und von Fokusgesprächen mit relevanten Akteur*innen, um erste Einschätzungen, Bedürfnisse und strukturelle Bedingungen der Jugendkultur in Wohlen sichtbar zu machen. • Methodische Vertiefung: Auf Grundlage der Situationsanalyse wurde eine aktivierende Befragung mit Jugendlichen durchgeführt, ergänzt durch eine Stakeholderanalyse. Diese Schritte zielten darauf ab, Perspektiven der Zielgruppe zu erfassen und die relevanten institutionellen Partner systematisch einzubeziehen. • Partizipatives Format: Eine Zukunftswerkstatt war vorgesehen, um Jugendlichen Raum für die Entwicklung eigener Utopien und Ideen zu geben. Aufgrund geringer Teilnahme konnte sie jedoch nicht umgesetzt werden. • Synthesephase: Die Ergebnisse der einzelnen Bausteine wurden gebündelt und in einem Empfehlungsschreiben für die OJA verdichtet, das als zentrales Produkt die Grundlage für mögliche Anschlussprozesse bildet. • Abschluss: Aufbereitung der Resultate im Projektbericht und Reflexion im Rahmen des Moduls. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 20 8.1 Zeitstrahl Abbildung 3: Zeitstrahl Ablauforganisation (eigene Darstellung) Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 21 9 Umsetzungsverlauf Wie bereits im Kapitel Situationsanalyse (Kap. 2) beschrieben, bildeten Datenanalyse und Fokusgespräche den inhaltlichen Ausgangspunkt des Projekts. Im Folgenden liegt der Schwerpunkt auf den methodischen Bausteinen der Umsetzung, die über die Situationsanalyse hinausgingen. Dazu gehören die aktivierende Befragung, die Stakeholderanalyse, die geplante Zukunftswerkstatt sowie das Empfehlungsschreiben. Wie in den Zielsetzungen (Kap. 5) angedeutet, kam es dabei zu einzelnen Abweichungen von den ursprünglich geplanten Leistungszielen. Diese werden hier nachvollziehbar dargestellt und im Kapitel Evaluation & Reflexion (Kap. 10) vertieft begründet. 9.1 Online-Umfrage Ein zentrales methodisches Element war die Online-Umfrage zur Jugendkultur in Wohlen. Ziel war es, Stimmen junger Menschen einzuholen und eine Grundlage für vertiefende Analysen zu schaffen. Methodisch folgte sie der Idee der aktivierenden Befragung (Willener & Friz, 2022), die nicht nur Daten erhebt, sondern erste Beteiligungsschritte eröffnet. 9.1.1 Methodisches Vorgehen Die Umfrage wurde mit SurveyMonkey erstellt und enthielt geschlossene und offene Fragen. So konnten quantitative Tendenzen und qualitative Einblicke gewonnen werden. Thematisch deckte sie folgende Bereiche ab: • Freizeitinteressen und kulturelle Aktivitäten • Orte der Jugendkultur • Beteiligung und Mitsprache • Bedarfe und Wünsche Verbreitet wurde die Umfrage über persönliche Netzwerke, OJA, Social Media und einzelne Vereine. Eine Streuung über Gemeinde und Schulen, wie ursprünglich geplant, gelang nicht, was die Teilnahmezahl reduzierte. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 28 o Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse traten auf? • Produktorientiert: Diese Ebene sollte die inhaltlichen Ergebnisse kritisch beleuchten. Leitfragen waren: o Welche Bedürfnisse und Interessen wurden sichtbar? o Welche Ideen/Impulse konnten (u. a. über die geplante Zukunftswerkstatt) entwickelt werden? o Welche Vorschläge für jugendkulturelle Angebote entstanden? o Konnte das Projekt neue Denkund Handlungsräume eröffnen? Die Beantwortung der Fragen stützte sich auf eine Kombination von Selbstreflexion (Projekttagebuch), punktuelle Rückmeldungen von Jugendlichen und Kooperationspartner*innen sowie Beobachtungen der Projektbegleitung. 10.2 Ergebnisse der prozessorientierten Evaluation (gekürzt, präziser) Die prozessorientierte Evaluation hatte zum Ziel, die Umsetzungsschritte und das methodische Vorgehen kritisch zu beleuchten. Im Folgenden werden die im Konzept definierten Leitfragen aufgegriffen. Wurden die geplanten Instrumente methodisch sinnvoll eingesetzt? Die Fokusgespräche und die Befragung konnten wie geplant umgesetzt werden und lieferten wertvolle qualitative und quantitative Einblicke. Die Zukunftswerkstatt hingegen fiel trotz Anmeldungen aus. Dies verdeutlicht die Herausforderung, Jugendliche während der Ferienzeit für vertiefende Formate zu gewinnen. Konnte die Zielgruppe erreicht und zur aktiven Teilnahme bewegt werden? Die Reichweite der Befragung blieb hinter den Erwartungen zurück, da die Kooperation mit Schulen und Gemeinde nicht zustande kam. Über persönliche Netzwerke und die OJA konnten zwar Jugendliche erreicht werden, jedoch nur ein begrenzter Teil der Zielgruppe. Die Fokusgespräche hingegen ermöglichten Einblicke von Schlüsselpersonen. Insgesamt zeigte sich: Ein strukturierter Zugang über Institutionen ist entscheidend, um Jugendliche verbindlich einzubinden. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 29 War der Zeitund Organisationsrahmen realistisch und umsetzbar? Der Zeitplan erwies sich als zu ambitioniert. Ferienzeiten und parallele Verpflichtungen reduzierten die Beteiligung. Zwar war die methodische Abfolge im Konzept stimmig, die praktische Umsetzung scheiterte jedoch teilweise an diesen Rahmenbedingungen. Konnten die vorhandenen Ressourcen genutzt werden? Die OJA unterstützte punktuell bei der Umfrage. Die geplante Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinde blieb jedoch aus, wodurch ein zentraler Hebel für Reichweite und Legitimation fehlte. Wertvoll war die Begleitung durch Hochschule und Praktikumsumfeld, die methodische Rückmeldungen einbrachten. Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse traten auf? Die grössten Herausforderungen lagen in der Verbindlichkeit der Beteiligung sowie im Zeitmanagement. Mehrere Jugendliche meldeten sich zwar für die Zukunftswerkstatt an, nahmen dann aber nicht teil. Auch die fehlende Resonanz der Institutionen stellte eine deutliche Grenze dar. 10.2.1 Zwischenfazit Die methodische Logik des Projekts war stimmig, die Umsetzung jedoch durch Zeitdruck, Ferien und fehlende Kooperation erschwert. Für zukünftige Projekte wird deutlich, dass mehr Vorlauf, institutionelle Einbindung und realistischere Zeitfenster notwendig sind. 10.3 Ergebnisse der produktorientierten Evaluation (gekürzt, präziser) Die produktorientierte Evaluation fokussierte auf die inhaltlichen Ergebnisse des Projekts. Im Folgenden werden die Leitfragen aus dem Konzept aufgegriffen. Welche konkreten Bedürfnisse und Anliegen wurden sichtbar? Die Befragung zeigte klar den Wunsch nach niederschwelligen Räumen, die unabhängig von Konsum nutzbar sind. Mehrfach genannt wurden kreative Ausdrucksformen wie Musik und Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 30 Street Art sowie jugendgerechte Events. Auch der Bedarf nach Mitsprache in kommunalen Prozessen wurde betont. Welche Ideen, Perspektiven und Visionen wurden in der Zukunftswerkstatt entwickelt? Die Zukunftswerkstatt konnte trotz Anmeldungen nicht stattfinden. Damit entfiel ein zentrales Element zur gemeinsamen Entwicklung von Ideen. Gründe waren vor allem Ferienzeit und geringe Teilnahmeverbindlichkeit. Für eine Projektweiterführung bleibt sie ein wichtiger Baustein. Welche Impulse und Vorschläge zur Weiterentwicklung jugendkultureller Angebote konnten formuliert werden? Aus Befragung und Fokusgesprächen ergaben sich mehrere Impulse: • Stärkung partizipativer Strukturen, in denen Jugendliche Angebote selbst entwickeln, • Öffnung bestehender Vereine und Kulturinstitutionen für jugendliche Bedürfnisse • Einrichtung von Freiräumen für kulturelle Selbstorganisation (z. B. Proberäume, legale Flächen für Graffiti, Pop-up-Formate). Diese Impulse flossen in das Empfehlungsschreiben an die OJA ein. Inwiefern konnte das Projekt neue Denkoder Handlungsräume eröffnen? Trotz begrenzter Reichweite gelang es, das Thema Jugendkultur in Wohlen sichtbarer zu machen und erste Diskussionen anzustossen. Durch die Dokumentation jugendlicher Bedürfnisse liegt nun eine Grundlage vor, auf der die OJA weiterarbeiten kann. Reflexion: Empfehlungsschreiben an OJA statt an die Gemeinde Ursprünglich war vorgesehen, sowohl OJA als auch Gemeinde zu adressieren. Da die Zukunftswerkstatt nicht realisiert wurde und die Datengrundlage zu schmal blieb, wäre ein Schreiben an die Gemeinde wenig wirksam gewesen. Stattdessen wurde ein erweitertes Schreiben an die OJA erstellt, das sowohl interne Orientierung als auch Basis für künftige Kooperationen mit der Gemeinde bietet. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 31 10.4 Reflexion des Projekts Die Reflexion des Projekts erfolgt entlang zentraler Kriterien, die für die Bewertung soziokultureller Projektarbeit wesentlich sind. Dabei wird auf die im Konzept definierten Zielsetzungen, die methodische Umsetzung sowie auf die Ergebnisse der Evaluation Bezug genommen. 10.4.1 Adressat*innen / Zielgruppe Die primäre Zielgruppe des Projekts waren Jugendliche und junge Erwachsene in Wohlen. Die geplanten Instrumente konnten diese Gruppe nur teilweise erreichen: Während die OnlineUmfrage und die Fokusgespräche wichtige Einblicke ermöglichten, scheiterte die Zukunftswerkstatt am geringen Teilnahmeinteresse. Reflexiv lässt sich festhalten, dass die Zielgruppe stärker über institutionelle Strukturen (Schulen, Gemeinde) hätte angesprochen werden müssen, um eine höhere Verbindlichkeit zu erzeugen. Dies bestätigt, dass der Zugang zur Zielgruppe in der Offenen Jugendarbeit eine Schlüsselfrage bleibt (vgl. Willener & Friz, 2022, S. 188). 10.4.2 Partizipation Die Partizipation der Jugendlichen war vorhanden, aber begrenzt. In den Fokusgesprächen konnten sie ihre Perspektiven artikulieren, und die Online-Umfrage bot ihnen eine niederschwellige Möglichkeit zur Mitwirkung. Die intendierte aktive Mitgestaltung in der Zukunftswerkstatt fand jedoch nicht statt. Damit blieb die Partizipation überwiegend auf der Stufe der Konsultation (vgl. Trescher, 2020). Dies verdeutlicht die Herausforderung, partizipative Prozesse in einem engen Zeitrahmen zu realisieren. Aus Sicht der Soziokulturellen Animation wird hier die Bedeutung einer „ernstgemeinten“ Partizipation sichtbar, die nicht nur methodisch, sondern auch strukturell abgesichert sein muss (vgl. Wandeler, 2019). 10.4.3 Zielsetzung und Umsetzungsstrategie (Effektivität) Die im Konzept formulierten Ziele konnten nur teilweise erreicht werden. Während zentrale Bedürfnisse der Jugendlichen sichtbar gemacht wurden, blieb die Generierung konkreter Projekte oder Ideen – wie sie in der Zukunftswerkstatt vorgesehen war – aus. Die Umsetzungsstrategie erwies sich im Design als schlüssig, war jedoch im gegebenen Zeitrahmen nicht Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 32 effektiv umsetzbar. Hier zeigt sich, dass Projektmethodik nicht nur inhaltlich, sondern auch prozessual realistisch geplant sein muss (vgl. Willener & Friz, 2022, S. 176). 10.4.4 Aufbauund Ablauforganisation Die Aufbauorganisation war klar strukturiert: Die Projektleitung lag bei der OJA, die Projektbegleitung unterstützte reflektierend, und Stakeholder sollten punktuell einbezogen werden. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass die Ablauforganisation durch Ferienzeiten und fehlende Rückmeldungen seitens der Schulen und der Gemeinde erheblich beeinträchtigt wurde. Die Reflexion verdeutlicht, dass eine stärkere Verbindlichkeit der Kooperationspartner für die Umsetzung entscheidend gewesen wäre. 10.4.5 Rolle der Projektleitung Die Projektleitung nahm eine doppelte Rolle wahr: organisatorisch steuernd und methodischreflexiv. Dabei wurden zentrale Arbeitsprinzipien der Soziokulturellen Animation berücksichtigt, etwa die Orientierung an den Lebenswelten der Jugendlichen und die Ermöglichung von Partizipation (vgl. AvenirSocial, 2010). Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Leitungssituation von strukturellen Begrenzungen (Zeit, Ressourcen, Kooperationen) geprägt war, die den Handlungsspielraum einschränkten. 10.4.6 Fokus Soziokultur Das Projekt ist klar im Feld der Soziokulturellen Animation verortet: Es ging um die Förderung von Teilhabe, Selbstorganisation und jugendkulturellen Ausdrucksformen. Die Projektleitung nahm primär eine initiierende und moderierende Interventionsposition ein (vgl. Willener & Friz, 2022, S. 93). Auch das Spannungsfeld zwischen Ermöglichung und Steuerung wurde sichtbar: Einerseits sollten Jugendliche selbst Ideen entwickeln, andererseits war die Struktur des Projekts vorgegeben. Diese Balance ist typisch für soziokulturelle Projekte und verweist auf die Notwendigkeit, flexible Strukturen zu schaffen, die dennoch Partizipation absichern. 10.4.7 Finanzen (Effizienz) Das Projekt blieb im vorgesehenen finanziellen Rahmen. Da keine kostenintensiven Materialien oder Räume benötigt wurden, stellte das Budget keine zentrale Herausforderung dar. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 33 Gleichwohl zeigt sich, dass Ressourcen nicht primär finanzieller, sondern institutioneller Natur entscheidend gewesen wären – etwa die Unterstützung der Schulen oder die Legitimation durch die Gemeinde. 10.4.8 Fazit der Reflexion Insgesamt zeigt die Reflexion, dass das Projekt wichtige Impulse setzen konnte, aber in der Reichweite begrenzt blieb. Die methodische Logik war stimmig, stieß jedoch an strukturelle Grenzen (Zeit, Kooperation, Verbindlichkeit der Zielgruppe). Fachlich wird sichtbar, dass die Prinzipien der Soziokulturellen Animation – Partizipation, Lebensweltorientierung und Ermöglichung – den roten Faden bildeten, ihre Umsetzung aber nur teilweise gelang. Für zukünftige Projekte ergibt sich die Notwendigkeit, Partizipation längerfristig vorzubereiten, institutionelle Partner verbindlich einzubinden und der Zielgruppe mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. 11 Schlussfolgerungen (Reflexion) & nachhaltige Sicherung Das Projekt zur Jugendkultur in Wohlen hat gezeigt, dass die kulturellen Interessen junger Menschen bislang nur begrenzt sichtbar sind. Während die Vereinslandschaft stark sportorientiert ist, fehlen Räume und Gelegenheiten für kreative, selbstorganisierte und niedrigschwellige jugendkulturelle Ausdrucksformen. Mit Umfrage und Fokusgesprächen konnten erste Bedürfnisse erfasst werden; der Ausfall der Zukunftswerkstatt verhinderte jedoch eine breite Ideenentwicklung. 11.1 Reflexion auf Projektebene Die methodische Logik des Projekts war stimmig, die Umsetzung wurde aber durch zeitliche und strukturelle Faktoren erschwert. Besonders die Partizipation blieb hinter den Erwartungen zurück: Jugendliche konnten konsultiert, aber kaum aktiv eingebunden werden – ein Hinweis, dass Partizipation auch strukturell abgesichert sein muss (vgl. Wandeler, 2019). Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 34 Auch die Zusammenarbeit mit Stakeholdern zeigte Grenzen: Schulen und Gemeinde reagierten kaum, wodurch Synergien ungenutzt blieben. Dies verdeutlicht die Bedeutung verbindlicher Kooperationen in der soziokulturellen Projektarbeit (vgl. Willener & Friz, 2022, S. 188). 11.2 Bedeutung für die Soziokulturelle Animation Trotz Einschränkungen wurde sichtbar, dass Soziokulturelle Animation wichtige Beiträge zur Entwicklung von Jugendkultur leisten kann. Sie eröffnete erste Denkund Handlungsräume, machte Bedürfnisse sichtbar und setzte Impulse. Ihre Rolle lag vor allem im Initiieren und Moderieren sowie im Brückenbauen zwischen Jugendlichen und Institutionen (vgl. Willener & Friz, 2022, S. 93). Damit wurde die zentrale Aufgabe der Profession eingelöst, Teilhabe zu ermöglichen und Strukturen inklusiver zu gestalten (vgl. AvenirSocial, 2010). 11.3 Nachhaltige Sicherung und Ausblick Aufbauend auf den Evaluationsergebnissen stellt sich die Frage, wie die im Projekt gewonnenen Impulse nicht nur als punktuelle Momentaufnahme verbleiben, sondern nachhaltig verankert werden können. In der Logik der Integralen Projektmethodik bedeutet Nachhaltigkeit, erfolgreiche Ansätze langfristig in bestehende Strukturen einzubetten und durch Kooperationen zu verstetigen (Willener & Friz, 2022, S. 274–275). Ein zentraler Faktor ist dabei die institutionelle Verankerung: Die Offene Jugendarbeit Wohlen verfügt als Auftraggeberin über den direkten Zugang zur Zielgruppe sowie die notwendige Legitimation, um jugendkulturelle Anliegen in kommunale Prozesse einzubringen. Damit das Thema Jugendkultur über den Projektzeitraum hinaus sichtbar bleibt, empfiehlt es sich, die im Empfehlungsschreiben formulierten Impulse systematisch aufzugreifen. Dazu gehören insbesondere: • die Durchführung einer umfassenden Folgeumfrage in Kooperation mit Schulen und Gemeinde, • die Erprobung erster Pilotformate (z. B. Pop-up-Events oder offene Kulturabende) als niedrigschwellige Zugänge, • sowie der Aufbau einer Allianz von Schlüsselakteur*innen, die Jugendkultur als Querschnittsaufgabe verstehen. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 35 Die Evaluation hat zudem verdeutlicht, dass Partizipation junger Menschen nicht nur methodisch, sondern auch strukturell abgesichert werden muss (vgl. Wandeler, 2019; Trescher, 2020). Erforderlich sind verbindliche Formen der Mitwirkung, etwa regelmässige Beteiligungsgefässe (Jugendforen, Zukunftswerkstätten), die als kontinuierliche Praxis etabliert werden. Nur so kann verhindert werden, dass Beteiligung auf punktuelle Befragungen reduziert bleibt. Darüber hinaus hängt die nachhaltige Sicherung eng mit dem politischen und kulturellen Umfeld zusammen. Wie die Fokusgespräche gezeigt haben, braucht es eine Öffnung bestehender Vereinsund Kulturstrukturen für jugendliche Bedürfnisse. Gleichzeitig ist die Gemeinde gefordert, durch niederschwellige Raumzugänge und vereinfachte Verfahren Eigeninitiativen von Jugendlichen zu ermöglichen. Die Rolle der Soziokulturellen Animation besteht hierbei darin, Brücken zu schlagen, Allianzen zu moderieren und Prozesse so zu gestalten, dass junge Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden (vgl. AvenirSocial, 2010; Willener & Friz, 2022). Für eine Weiterführung des Projekts ergeben sich daraus folgende Perspektiven: 1. Pilotphase Jugendkultur Wohlen: einjährige Testphase mit Fokus auf niederschwellige Räume und partizipative Formate. 2. Institutionalisierung von Beteiligung: Etablierung einer jährlich wiederkehrenden Zukunftswerkstatt oder eines Jugendkultur-Forums. 3. Kooperationen stärken: systematische Einbindung von Gemeinde, Schulen und Kulturvereinen in eine längerfristige Allianz. 4. Wissenschaftlich gestützte Evaluation: kontinuierliche Begleitung durch Hochschule oder Fachstellen, um Qualität und Wirkung zu sichern. Damit wird deutlich: Nachhaltige Sicherung erfordert weniger neue finanzielle Ressourcen, sondern vor allem eine verbindliche Rahmensetzung und die Bereitschaft zur Kooperation. So kann aus dem Projekt ein längerfristiger Prozess entstehen, der die Jugendkultur in Wohlen sichtbar macht und jungen Menschen die Möglichkeit gibt, ihre kulturelle Umwelt aktiv mitzugestalten. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 36 11.4 Fazit Das Projekt zeigte Potenziale, aber auch Grenzen soziokultureller Projektarbeit in engem Zeitrahmen. Nachhaltige Entwicklungen sind nur möglich, wenn Jugendliche ernsthaft beteiligt, institutionelle Partner verbindlich eingebunden und Strukturen für kontinuierliche Reflexion geschaffen werden. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 37 12 Literaturverzeichnis AvenirSocial. (2010). Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz: Ein Argumentarium für die Praxis. AvenirSocial. DOJ – Dachverband Offene Kinderund Jugendarbeit Schweiz. (o. J.). Jugendkultur. Hochschule Luzern – Soziale Arbeit & Soziokultur Schweiz. (2017). Charta der Soziokulturellen Animation in der Schweiz. Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Husi, G. (2020). Sozialraumorientierung. In H. U. Otto, H. Thiersch, S. Borrmann & S. Bütow (Hrsg.), Lehrbuch Soziale Arbeit: Grundlagen und Handlungsfelder der Sozialarbeit und Sozialpädagogik (7. Aufl., S. 193–204). Beltz Juventa. Klemenz, M. (2017). Zukunftswerkstatt. In K. Bredl, B. Herzig, S. Moser, S. Schmölz & K. Stangl (Hrsg.), Handbuch Partizipation und Engagement (S. 307–314). Beltz Juventa. Trescher, H. (2020). Partizipation. In W. Thole (Hrsg.), Grundriss Soziale Arbeit: Ein einführendes Handbuch (6. Aufl., S. 539–549). Beltz Juventa. UN-Kinderrechtskonvention. (1989). Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (SR 0.107). https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1997/442/de Wandeler, C. (2019). Partizipation. In A. Willener & A. Friz (Hrsg.), Integrale Projektmethodik: Für Innovation und Entwicklung in Quartier, Gemeinde und Stadt (3. Aufl., S. 185–192). Interact. Willener, A., & Friz, A. (Hrsg.). (2022). Integrale Projektmethodik: Für Innovation und Entwicklung in Quartier, Gemeinde und Stadt (3., überarb. Aufl.). Interact. Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 44 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 45 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 46 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 47 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 48 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 49 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 50 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 51 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 52 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 53 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 60 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 61 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 62 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 63 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 64 B. Komplette Stakeholderanalyse Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 65 C. Empfehlungsschreiben Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 66 Luca Nyfeler Modul 201 Jugendkultur Wohlen 67